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3 Seiten

Mutter & Vater

Trauriges · Kurzgeschichten
© Alexander
Mein Vater

- Hansdieter Döbber
* 24.05.1953
+ 29.04.2007

ist drei Wochen vor der Entscheidung in der Meisterschaft der Fußball Bundesliga gestorben. An einem Sonntag. Wir haben noch zusammen die Sonntagsspiele gesehen und wenige Stunden später haben wir den Notarzt gerufen und sie nahmen ihn mit ins Urban Krankenhaus in Berlin-Kreuzberg.
Zusammen mit meiner Mutter bin ich kurz danach, weil sie noch Sachen für ihn einpackte und einen Anruf von meiner Tante bekam und berichtete, dass ihr kleiner Bruder wieder einen Anfall hatte, ins Krankenhaus gefahren.
Erst saßen wir in Notaufnahme bis uns jemand in die Intensivstation brachte, wo wir erneut einige Minuten warten mussten. Mit uns warteten zwei Herren, deren Arbeitskollege gestorben war und der Sachverhalt bezüglich einer Organspende geklärt werden musste.
Meine Mutter glaubte sogar noch meinen Vater lachen gehört zu haben. Wir haben uns vorgestellt wie mein Vater (ihr Ehemann) in diesen grünen Kittel auf seinem Bett saß und rumkrakelte, er wolle nach Hause.
Dann kam ein Arzt, bat uns mitzukommen und sagte uns gerade heraus, mein Vater sei tot. Ich dachte so bei mir, ob er uns verarschen wollte. Nie und nimmer hatte ich damit gerechnet, dass mein Vater tot ist. Wir hatten zwar kein gutes Verhältnis, es hatte sich jedoch gebessert.
Meine Mutter wollte ihn dann sehen und ich bin mit, und als der Arzt die Decke wegnahm, bin ich zusammengebrochen. Von da an habe ich zwei Tage nur noch geweint. Zwar meinte meine Mutter, mein Vater hätte Totenflecken gehabt, doch die habe ich gar nicht gesehen. Sie beantragte eine Obduktion in Abstimmung mit dem Arzt. Da mein Vater, als die Notärzte (Sanitäter) ihn mitnahmen, noch (normal) lebte. Er erklärte ihnen seine Beschwerden. Seit wann er sie hatte, wie stark sie waren, wie oft sie auftraten und machte einen normalen Eindruck.
Dem Arzt zur Folge, erlitt mein Vater bei der Einlieferung in die Notaufnahme einen Herzstillstand und zusätzlich ein Lungenödem (Wasser in der Luge).
Durch Freunde und Verwandte, die sich in der Materie auskennen, hatte er wohl keinerlei Überlebenschance mit Wasser in der Luge. Darum sah mein Vater wohl auch aus, wie eine Wasserleiche (laut meiner Mutter).

Es ist eine schwere Zeit, zumal er keinerlei Rücklagen oder Versicherungen hinterlassen hatte. Zum anderen weil mein Bruder und ich uns nicht von ihm verabschieden konnten, wie das bei einer Krankheit der Fall gewesen wäre.
Andererseits bin ich froh, dass es bei ihm anscheinend schnell und ohne große Schmerzen ging. Niemand sollte unnötig leiden (ausgenommen die einen oder anderen Kriminellen). Nun müssen wir damit klar kommen. Eine schwere Zeit ist für meine Mutter, meinen Bruder und mich angebrochen.
Alleine der Bürokratieaufwand, den der Tod mit sich bringt, beschäftigt einen für mehrere Tage. Wir haben gerade mal die Hälfte hinter uns. Die dicken Brocken warten jedoch noch. Mit jedem Häkchen auf der Liste scheint es mir noch deutlicher zu sein, dass er weg ist und sich nun mit Gott rumstreitet.
Nächsten Monat ist die Bestattung, eine passende Stelle haben wir am Freitag gefunden. Er wird anonym beerdigt, das war sein Wunsch. Alles andere werden wir sehen. Ich lebe nur noch von Tag zu Tag (+ein Tag im voraus).
Ich habe meine Eltern immer für unsterblich gehalten. Nie und Nimmer hätte ich damit gerechnet, dass mein Vater mit 54 (eigentlich 53) Jahren stirbt. Es ist seltsam wie der Tod den Blick auf das Leben so radikal und unbarmherzig verändert.
Ich hoffe nur, dass meine Mutter eines Tages ihre Enkel/in erlebt und sagen kann, genauso warst du auch. So der Vater so der Sohn/Tochter. Zwar liegt dieser Abschnitt noch in weiter Ferne (wenn überhaupt), was nicht ist kann noch werden. Wie sagte mein Vater: Jeder Topf hat den passenden Deckel. Mal sehen ob er recht behält. Auch wenn er immer meinte, bloß nie zu heiraten und Kinder in die Welt zu setzen. Leider erlebt er keines von beiden mehr.

In Großer Trauer und einer unermesslichen Traurigkeit.
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Meine Mutter

Agens Döbber
* 28.09.1952
+ 26.03.2011

Innerhalb von 3 Jahren sind mein Bruder und ich zu Vollwaisen geworden.

Mit einem Schlag ohne jede Vorzeichen.

Gut, im Gegensatz zu meinem Vater hat meine Mutter noch mehr als 1 Woche gelebt. Sie erlitt wie unser Vater einen schweren Hinterwandinfarkt. Die Ärzte mussten das volle Programm fahren, um sie zu reanimieren. Haben sie für 3 Tage ins künstliche Koma versetzt und gekühlt.

Die Aufwachphase danach war mitunter das schwerste. Sie konnte sich auch nicht mitteilen, war immer unter Medikamenten und daher nicht voll wach, so dass man mit ihr reden konnte und sie antwortete. Obgleich ihr Zustand für ihre Verhältnisse stabil war.

Dann blutete sie aus der Lunge, wurde operiert und dann sind die Leberwerte ins Bodenlose gefallen, dass man eine Blutwäsche machte. Samstagnacht um 4uhr ist sie dann verstorben.

Sicherlich braucht alles seine Zeit. Zumal ich sehr eng mit meiner Mutter war. Sie fehlt mir so unglaublich. Anfangs musste ich mich ja um den ganzen Kram kümmern. Jetzt wo soweit alles abgearbeitet ist, ist es unglaublich schwer weiterzumachen. Zum Glück kann ich auf Arbeit ein wenig abschalten, doch die Fahrt nach Hause fällt mit unglaublich schwer an manchen Tagen. Am liebsten würde ich einfach weiterfahren, egal wohin, nur nicht nach Hause.

Was mir schwer liegt, ist der Umstand, dass wir noch so viel machen wollten. Zu Alba Berlin gehen, zu den Füchsen (Handball), zum Eröffnungsspiel der Frauen WM.

Auch, dass meine Kinder (sofern ich welche haben werde) weder meine Mutter noch meinen Vater kennenlernen werden. Ich selbst habe meine Großeltern (mütterlicherseits) nie kennengelernt.

Mit meiner Cousine rede ich viel und täglich. Sie war ja auch bei uns, hat uns sehr geholfen in der Zeit, weil sie Krankenschwester ist und uns viel erklärt hat. Der Tod meiner Mutter hat uns näher zusammengebracht. Wir hatten schon vorher ein durchwachsenes Verhältnis. Sie hatte auch engen Kontakt zu meiner Mutter.

Vor dem Tod meines Vaters habe ich meine Eltern als unsterblich gesehen (auch wenn das nicht möglich ist). Meine Mutter wollte immer 100 werden. Dass sie irgendwann sterben würde, war mir klar, wenn auch nur im Unterbewusstsein. Aber das sie jetzt starb, war ein unvorstellbarer Schock.

Ich kann ihr nicht mehr erzählen, was auf Arbeit passiert. Wir haben über alles geredet.

Und jetzt… Nichts… Sie sitzt nicht mehr in ihrem Sessel…

Wie geht man mit so was um??

Ich vermiss sie so SEHR…

Der einzige Trost ist, dass sie nicht gelitten hat und zu keinem Pflegefall wurde (denn das wollte Sie nicht).

WIR LIEBEN DICH. AUF EWIG.
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Kommentare  

Eine hochemotionale Geschichte, die mich sehr berührt hat. Es ist sehr schwer, den Tod eines nahestehenden Angehörigen zu verkraften, erst recht, wenn Vater und Mutter in einem Alter die Augen schließen müssen, in dem man an ein vorzeitiges Ableben noch nicht zu denken wagt.
LG. Michael


Michael Brushwood (28.04.2011)

Danke Leute für eure Anteilnahme.

Ich kann nur schwer damit umgehen, weil wir halt so eng miteinander waren.

Ich schreibe zwar immer noch, aber halt nicht mehr so viel und häufig wie vorher.

Die Zeit soll ja bekanntlich alle Wunden heilen. Mal sehen...


Alexander Bone1979 (27.04.2011)

Gleich beide Elternteile in so kurzer Zeit zu verlieren, ist wirklich ein großer Schlag. Herzliches Beileid noch nachträglich und Kopf hoch. Glaub`daran, es wird schon wieder. Zur Story selbst muss ich sagen: Einige stilistische und Rechtschreib- und flüchtigkeitsfehlerchen sind zwar drin, aber insgesamt bis du sehr wohl ähig, deine Gefühle packend anderen mitzuteilen. Das habe ich schon an deinen spannenden Abenteuerstories gesehen. Das wird dich zwar im Augenblick wenig trösten, aber dir vielleicht doch ein wenig Mut machen, einfach weiter zu schreiben.

Jochen (27.04.2011)

Das ist wirklich eine traurige Geschichte. Eben eine wie sie das Leben schreibt. Jetzt verstehe ich erst, weshalb du so lange keine Story mehr veröffentlicht hast. Du kriegst mein vollstes Mitgefühl und ich wünsche dir und deinem Bruder, dass ihr süße Frauen findet, die euch lieben und euch eine neue Familie geben können.

Petra (27.04.2011)

Erschütternd. Mir sind die Tränen gekommen. Man merkt, dass dieser Text ganz mit dem Herzen geschrieben worden ist. Auch wenn man diesen Verlust nie ganz verschmerzen kann, wünsche ich dir doch, dass du möglichst bald auf andere, fröhlichere Gedanken kommen kannst.

doska (27.04.2011)

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