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35 Seiten

Return to Home - Wer suchet, der findet (Part II)

Romane/Serien · Spannendes
© Alexander
Hallo Leute, da bin ich wieder mit einer neuen Episode meiner SciFi-Serie. Hoffe Sie gefällt euch.

Gruß an alle Leser.
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-Anfang-

Vor nicht allzu langer Zeit kommandierte Sonja eine Korvette der Herold-Klasse. Ein in die Jahre gekommenes modernisiertes Kampfschiff im Dienste der Grenzflotte. Die VF Gaius war eins der ersten Schiffe das aus dem auferlegten Modernisierungsprogramm hervorging. Sie hatten das Raumschiff gerade bemannt und sich mit den grundlegendsten Gegebenheiten und Systemen vertraut gemacht, als man eiligst dem zusammengestellten Verband 99 zu gewiesen wurde und sich in Richtung Silaa-Stern in Marsch setzte.
Wo bei ihrer Ankunft eine ausgewachsene Raumschlacht tobte, die ohne ihr Zutun für die Frauen und Männer der Unioner Streitkräfte verloren gegangen wäre. So konnte man das Blatt wenden, die Ocleaner und Familiäros zurückschlagen. Verband 99 wurde in die vor Ort stationierte 51te Flotte von Admiral Zedek integriert.
Keine 36 Stunden nach Beendigung der Raumschlacht erhielt die VF Gaius Befehl durch das Silaa-Wurmloch zu fliegen. Auf der anderen Seite sollten Sie feststellen, um was für ein Unioner Signal es sich handelte, das von der Wissenschaftlerin Keira O’Connor in der Resonanzfrequenz festgestellt wurde.
Bei der Signalquelle handelte es sich um das Flottenschiff VF Orion.
Einem Testschiff-Schlachtkreuzer der in Planung befindlichen Vermont-Klasse. Wie sich herausstellte, war der Schlachtkreuzer 7000 Jahre in die Vergangenheit gereist, hatte an einer Raumschlacht zwischen den gefürchteten Gmah und dem sagenumworbenen Sternenbund teilgenommen und den siegessicheren Gmah eine Niederlage zugeführt. Über das Silaa-Wurmloch waren die Gmah zu jener Zeit in ihren Teil der Galaxie gekommen. Um das Einsickern weiterer Kräfte zu verhindern, verschloss die VF Orion das Wurmloch. Wozu sie hindurchgeflogen waren. Sie überlebte zwar aber strandete schwer beschädigt auf der anderen Seite des verschlossenen Wurmlochs.
Damit mögliche feindliche Kräfte im Teil der Galaxie nicht auf die zu jener Zeit hoch entwickelte Technologie Zugriff erhielten, machte man den Schlachtkreuzer zum Teil eines Kometen. 7000 Jahre später wurde die VF Orion bei einer Bergungsmission aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt und nach Hause geholt. Ebenso den einzig Überlebenden der Besatzung; Captain Luciò.
Sein Körper wurde in Folge des Verschließens vom Wurmloch mit immenser Tachyonstrahlung überflutet. Was zu einer Mumifizierung seines Zellgewebes führte. Jahre nach seiner Rettung fanden ihn die Ur-Gvaner mitsamt Vasallen der Gmah, brachen die Mumifizierung auf, wiederbelebten ihn so, spülten die Tachyonstrahlung aus seinem Körper und hielten ihn gefangen.
Während seiner Gefangenschaft wurde er befragt und auch gefoltert.
Bei seiner Findung an Bord der im Kometen eingeschlossen VF Orion, lud das Expeditionsteam der Ur-Gvaner und Gmah Vasallen die verschlüsselten Daten vom Reservespeicherkern des Schlachtkreuzers herunter.
Durch seine Gefangenschaft erfuhr er das auf Alt-Gvan insgeheim Kollaborateure der Gmah Vasallen die Regierungskontrolle auf dem Planeten hatten. Der eigentliche Regierungsrat war nichts weiter als eine Marionette, die die wahre Herrschaft verschleierte. Es gab aber eine Separatistenbewegung, welche viel zu schwach war um die Herrschaft der Elite zu brechen und der Öffentlichkeit die Wahrheit zu offenbaren.
Bei der Rettungsmission kamen 3 Großkampfschiffe der Vasallen in das Ursprungssystem der Gvaner. Einem der Schiffe hängte Sofia eine Drohne an. Sie sollte Daten sammeln. Der Kreuzer gehörte einer 231 schiffstarken Flotte an, die sich in eine Raumschlacht stürzte und schwere Verluste erlitt. Gegner, laut den Sensordaten der Drohne war der Sternenbund.
Alle Daten wurden vom Strategischen Lagezentrum der Streitkräfte konfisziert und versiegelt. Im Zuge dessen wurde die gesamte Besatzung der VF Gaius per Anordnung der Präsidentin mit sofortiger Wirkung aus der Vereinten Flotte abkommandiert und standen fortan unter dem Befehl von Generalinspektor Essien. Einem Mitglied einer streng geheimen Völkerallianz, die einen geheimen Krieg gegen die Gmah und deren Verbündeten führt.
Mit der Abkommandierung erhielten Sie gleichzeitig einen neuen Marsch- und Schiffsversetzungsbefehl. Sie wurden auf einen Schweren Kreuzer der geplanten Gallier-Klasse versetzt. 13 Stunden nach der Schiffsübernahme setzte sich die VF Dakar wie befohlen in Marsch.

***

Sonja schaute auf den Chronometer.
Dies war vor 56 Stunden geschehen.
Ihr Befehl war jenseits des Silaa-Wurmlochs, im jenen Teil der Galaxie wo das Sternensystem von Alt-Gvan lag, den Sternenbund zu finden und Kontakt aufzunehmen. Man hatte schließlich einen gemeinsamen Feind.
Die Gmah.
Bei dieser Mission waren Sie ganz auf sich gestellt. Abgeschieden von jedweder Art von Hilfe. Oberste Priorität hatte die Findung des Sternenbunds oder dessen Kräfte, die sich ja eine Raumschlacht mit den Vasallenvölkern der Gmah lieferten. Wie man den Kontakt herstellte, war nicht näher definiert worden. Damit gab es keinerlei Vorgaben, die Sonja berücksichtigen musste. Wodurch ihr Handlungsspielraum nicht unnötig eingeschränkt wurde.
„Ma’am.“, sprach Sie der Steuermann an. „Wir erreichen die Sprungkoordinaten.“
Die Mischlingsfrau schaute auf den Sensorschirm ihres Kommandostuhls. Ein kurzer Seitenblick nach rechts zu ihrem EO. Dann wechselte Sonja nach links. Dort saß Captain Luciò, der als Berater fungierte. Da er der einzige lebende Mensch war, der je Kontakt mit dem Sternenbund hatte. Auch wenn dies vor 7000 Jahren geschah.
„Taktik. Gefechtsstufe Eins.“
„Aye, Captain. Gefechtsstufe Eins.“
Während ihrem Flug zum Silaa-Wurmloch im gleichnamigen Sternensystem, hatte sie Gefechtsstufe Drei ausgegeben. Damit waren alle Gefechtsstationen permanent besetzt. Zeitgleich führten Sie Koordinations- und Gefechtssimulationen durch, um das Handling für ihr neues Schiff zu verbessern. Tatsächlich hing der Geruch in der Luft, wie bei einem Neuwagenkauf.
In der Sensorblase beim Silaa-Wurmloch machte man einen 5-stündigen Zwischenstopp, erhielten die gewünschten Nachschub- und Versorgungsgüter. Nach dem Wurmlochdurchflug erhöhte sich die Gefechtsstufe auf Zwei, sprang sogleich in den Hyperraum und nahm Kurs auf das Sternensystem in dem das Raumgefecht zwischen den Vasallen und dem Sternenbund geschehen war. Einen anderen Anhaltspunkt hatten Sie nicht.
Wer suchet, der findet. Lautete ein passend menschliches Sprichwort das auch in den gvanischen Sprachgebrauch übernommen wurde. Was, so stellte Sonja innerlich schmunzelnd fest, nicht allzu häufig vorgekommen ist.
Ein Blick auf den Sensorschirm. Sie machte eine Eingabe, schaute sich das Resultat an, schaltete um. „Steuer. Sprung einleiten.“
„Verstanden, Ma’am.“, sagte der Steuermann umgehend. „Leite Sprung ein.“
Damit sprang die VF Dakar in ein unbekanntes Sternensystem im unbekannten Teil der Galaxie, jenseits des Silaa-Wurmlochs das trotz der Lage von Alt-Gvan, der Heimatwelt der Gvaner, als feindlich eingestuft wurde.

***

Der Gefechtsschauplatz zwischen den gestrandeten Vasallenvölkern der Gmah und dem Sternenbund war ein planetenloses Sonnensystem. Ein Asteroidenring befand sich um die Sonne, den Stern. Ansonsten ein leeres System. Bis auf die Trümmer und Wracks der Raumschlacht.
Da die Möglichkeit bestand, dass die Schiffswracks zwar raumuntüchtig aber funktionsfähig waren, beschloss Sonja auf der anderen Seite der Sonne ins System zu springen. Somit wollte sie einer möglichen Entdeckung entgegen, sofern jemand die Schlacht überlebte. Von einem raumuntüchtigen Schiff konnte man immer noch einen Notruf absetzen, schießen oder Sensordaten empfangen.
Sie wollte ihre Anwesenheit in diesem Teil der Galaxie so lange wie möglich verschleiern. Aus diesem Grund befand sich die VF Dakar nach dem Sprung ins System auf Schleichfahrt, nutze das Gravitationsfeld der Sonne und schlich auf das riesige Trümmerfeld zu. Aufklärungsdrohnen sicherten den Schweren Kreuzer ab.
Bisher registrierte man keinerlei Aktivitäten im System. Weder außerhalb noch innerhalb des Trümmerfeldes. Es wurden keinerlei Comsignale- oder Energiesignaturen gemessen. Je näher man dem Feld kam, umso besser wurden die Sensorwerte. Durch die Schleichfahrt war die Nutzung der Taktischen Systeme eingeschränkt.
„Um wie viele Schiffe handelt es sich?“, fragte Sonja den Leitenden Taktik Offizier hinter dessen Konsole und nahm einen Schluck vom warmen Kakao. Durch den Schleichfahrt-Modus dauerte der Flug zum Trümmerfeld 41 Stunden.
Commander Sènà, die LTO der VF Dakar, schaute nach einer Eingabe auf. Die Gvanerin sah ihre Kommandantin ausdruckslos an. „207 Schiffe.“ Ein Blick zu Senior Commander Leopold Alexander, der neben Sonja vor ihrer Station stand. Der einstige Kommandant der VF Simào, ein Schwerer Kreuzer der Dehli-Klasse, war als Verbindungsoffizier der Allianz eingesetzt worden. Sie schaute wieder die Mischlingsfrau an. „Dem aktuellen Sensordatensatz nach handelt es sich ausschließlich um Schiffe der Gmah Vasallen.“
Auf deren Seite kämpften 231 Großkampfschiffe. Wovon allem Anschein nach 207 in der Schlacht gefallen waren. Hingegen schien es im Trümmerfeld keine Spuren von Schiffen des Sternenbundes zu geben. Was unmöglich war. Schließlich schossen die Gmah nicht mit Platzpatronen.
„Wir konnten einige Trümmerteile nicht zuordnen.“, erklärte die Gvanerin. Aus dem Trümmerfeld setzten Sie die einzelnen Stücke zusammen, wie bei einem Puzzle. Somit erstellten sie einen Überblick welche Seite, wie viele Schiffe verlor.
Sonja nickte, nahm einen Schluck. „Markieren Sie es. Eine Drohne soll es sich aus der Nähe ansehen. Gegebenenfalls nehmen wir die Teile zur Untersuchung an Bord.“
„Jawohl, Captain.“
Sie kehrte auf ihren Kommandositz auf der Kommandobrücke der VF Dakar zurück, schaute sich die Informationen auf dem Sichtschirm an, machte eine Eingabe, schaute drauf und trank einen weiteren Schluck Kakao.
Wie ist es möglich das auf Seiten des Sternenbundes scheinbar keine Verluste zu verzeichnen waren? Die Gmah Vasallen hatten 207 von 231 Großkampfschiffen verloren. Eine Ahnung beschlich die Mischlingsfrau.

***

„Kommen Sie rein.“, sagte Sonja als der Türmelder ertönte. Das Schott zu ihrem Raum neben der Kommandobrücke glitt beiseite. Captain Lucio trat über die Schwelle. „Bitte setzen Sie sich, Captain.“, bat Sie höflich.
Der Mensch, der 7000 Jahre mumifiziert verbrachte, dafür aber um keinen Tag gealtert schien, setzte sich auf den Stuhl vor dem Schreibtisch des Schiffskommandanten.
Das Büro/Raum war kleiner als auf anderen Kreuzer-Klassen der Unioner Flotte. Was auch daran lag, das die Gallier-Klasse eine der kleinsten Kreuzer-Klassen war. Ihre Konzeptionierung war auf Schnell, Wendig und Kampfstark ausgerichtet. Sie konnten es mit jeder Kreuzer-Klasse in einem Raumgefecht aufnehmen und sogar Schlachtschiffen das Leben schwer machen. Durch die Kompaktheit des Designs war jeder Quadratzentimeter Raum platzsparend verplant worden. So wurden die Räumlichkeiten an Bord komprimiert oder ganz weggelassen. Die Kreuzer der Gallier-Klasse waren reine Kampf- oder Kriegsschiffe.
Die Einrichtung war auf das Nötigste beschränkt.
Womit Sonja kein Problem hatte. Sie schob dem Mann ein Pad zu. „Wir gehen davon aus das es sich bei den Trümmern um 207 Großkampfschiffe des Verbandes der Gmah handelte.“, berichtete Sie ihm. Rein technisch gesehen war Sie dazu nicht verpflichtet. Zwar hatte Lucio volle Zugriffsrechte, doch Sie war ihm nicht untergeordnet. Er sah sich die entsprechenden Berechnungen und Rekonstruktionsdaten im Pad an. „Was mich verwundert ist, das wir bisher keine eindeutigen Trümmer oder Wracks der Schiffe vom Sternenbund gefunden haben.“ Lucio legte das Pad wieder auf ihren Tisch, sah Sie an. „Daher frage ich mich wie das möglich ist!?“ Technisch waren die Schiffe der Gmah Vasallen nach ihrem Stand veraltet. Doch bei einem 231 schiffstarken Verband spielte das eine untergeordnete Rolle. Es sei denn, die Gegenseite verfügte über Kampfschiffe in 4ter oder 5ter Generation. Ausgehend vom Technologielevel der Vasallen.
Was die Mischlingsfrau damit sagen wollte, war klar und deutlich. Auch wenn Sie es nicht direkt sagte. Gewissensbisse deswegen hatte Lucio nicht. Gegen die Gmah brauchte man jeden Vorteil, den man kriegen konnte. Egal wer gegen Sie ins Feld zog. „Ich hab dem Sternenbund die Technische Datenbank der Orion überlassen.“ Sie selbst hatten dafür keine Verwendung mehr. Hingegen die Flotte des Sternenbundes schon. Wodurch die Einseitigkeit der stattgefunden Raumschlacht erklärt wurde.
Von der Antwort zeigte sich Sonja wenig überrascht. Sie hatte es ja vermutet. Die Konsequenzen die sich daraus ergaben waren kaum zu übersehen. Ebenso wenig wie der Sternenbund diesen technologischen Vorsprung von 7000 Jahren (Unioner Technologie Geschichte) einsetzte.
Sein Tun war natürlich verständlich, wenn auch fragwürdig. Schließlich konnte sich ein Verbündeter in einen Feind verwandeln, der dann die eigenen Waffen gegen einen einsetzte. Beispiele für einen derartigen Gesinnungswandeln gab es haufenweise.
Die Melodie eines eingehenden InterCom-Rufs ertönte.
Sonja ließ es 4 Mal klingeln, bevor sie den Ruf entgegennahm. „Ja.“ Auf dem Display sah die Mischlingsfrau die Anrufernummer.
„Ma’am.“, meldete sich Senior Lieutenant Jean-Luc Tressier. „Die Aufklärungssonden haben ein Schiffswrack im Trümmerfeld gefunden. Ein Abgleich ergab, dass es sich scheinbar nicht um ein Schiff der Gmah handelt.“
Die Kommandantin horchte auf. Ein Blick zu Lucio, der keine Reaktion auf das gehörte zeigte. So groß der technologische Vorsprung des Sternenbundes durch sein Zutun jetzt auch sein mochte, war dies in einer Raumschlacht nur ein Mosaikteilchen. Verschiedenere Faktoren hingen vom Ausgang ab. „Können wir ein Außenteam einsetzen?“
Eine kurze Pause folgte. „Ich sehe im Moment keinen Grund, der dagegen spricht, Captain.“
„Verschaffen Sie uns ein sauberes Sensorbild von dem Schiff, Tressier.“
„Ist bereits im Arbeit, Ma’am.“
„Gut. Rufen Sie mich, sobald es vorliegt. Captain Ende.“ Sonja beendete den Anruf, stellte einige Überlegungen an. Dann wandte sich wieder Captain Lucio zu. „Ich kann ihre Handlung verstehen, Captain.“, fuhr Sie die Unterhaltung fort. „Ich bin bloß ein wenig besorgt über die möglichen Auswirkungen.“
Verständlich. Zu Recht. Auch Lucio hatte sich, vor dem Auslaufen der VF Dakar, diesbezüglich seine Gedanken gemacht. Eine riesige Spekulationsblase blähte sich auf. Andererseits schien der Sternenbund bzw. der Hohe Rat vor 7000 Jahren nicht sehr Beschlussfreundlich. Demokratische Bürokratie. „Glauben Sie mir, Captain Sofia“, sagte er ernst. „das war und bin ich noch.“ Immerhin hatte er seine Besatzung und das Team vom Institut für Wissenschaft & Forschung (IfWF) in die Obhut des Sternenbundes gegeben. Zu jener Zeit war dies der einzig sichere Hafen. In 7000 Jahren konnten gewaltige Veränderungen alles im Verlauf der Zeit auf den Kopf stellen.
Die Frage war bloß, ob diese Veränderungen am Ende Gut oder Schlecht gewesen sind!?
Sie würden es früh genug erfahren.

***

Trotz des Anti-Kollisions-Flug-System (AKFS) mussten Pilot und Co-Pilot der Raumfähre höllisch aufpassen. Wie bei einem Slalomkurs oder Hindernisparcours steuerten Sie das Flugvehikel zwischen den Trümmern umher und hindurch. Den markanten und unausstehlichen Alarmton vom AKFS hatten Sie inzwischen abgestellt. Die visuelle Einblendung im HUD war seit dem Einflug in das Trümmerfeld nicht mehr verschwunden.
Beim Flug schlugen faustgroße Trümmer gelegentlich gegen den Rumpf, ohne nennenswerte Schäden am Panzermantel zu hinterlassen. Die eine oder andere Delle, Schramme und/oder Kratzer trug die Raumfähre durch den Flug sicherlich davon.
Sie steuerten das Vehikel nach Links, Rechts, Hoch, Runter oder machten Halbrollen und Drehungen, wie Sie die Flugausbilder am Ersten Tag der Flugausbildung mit den Fluganfängern machten. Von einem ruhigen Flug konnte man überhaupt nicht sprechen. Dabei wurde einem klar, wieso manche Leute Flugangst hatten oder bekamen.
„Ziel direkt voraus.“, meldete die Co-Pilotin der Pilotin der Raumfähre.
Sie konzentrierte sich trotz der Meldung weiter auf das Fliegen, umflog ein großes Wrackteil, um gleich danach das Fluggefährt nahezu Senkrecht zustellen und schob den Schubregler bis zum Anschlag. Die Triebwerke heulten auf, ließen die Raumfähre einen Satz machen. Wodurch ein Trümmerstück von der Größe eines Bodenfahrzeugs unter ihnen hinweg trudelte. Eine erneute abrupte Richtungsänderung verhinderte eine wiederholt-mögliche Kollision.
Dann brachte die Pilotin die Triebwerke in den Leerlauf.
Das Wrack lag direkt vor ihnen. Keine 20 Meter entfernt.
Der Schiffskörper ruhte, wie ein Blauwal im Trümmerfeld. Auch aus unmittelbarer Nähe verzeichneten die Sensoren keinerlei Energiewerte oder Biosignaturen. Was angesichts des Anblicks aus der Nähe auch nicht weiter verwunderte.
Der vordere Rumpf war über die gesamte Breite aufgerissen. Wodurch es dem Schiff einen schmerzverzerrten Mund gab. Der Riss ging an seiner breitesten Stelle locker über 5 Decks. Ein Furcht einflößender Anblick. Verursacht wurde er von Energiewaffen. Raketentreffer hinterließen einen anderes Schadensbild. Auch sonst hatte das jetzige Wrack im Raumgefecht einiges einstecken müssen. Die Gmah Vasallen mussten sich im Verlauf der Schlacht auf den Kreuzer fokussiert haben. Anders war der zerschlagene Schiffskörper kaum zu erklären.
Um das Außen- und Sicherheitsteam an Bord des vermeintlichen Schiffswracks des Sternenbundes zu bringen, musste die Pilotin die Raumfähre in einem Doppelkrater am Schiffsrücken landen. Da ein Andocken außerhalb des Kreuzers wegen der umherfliegenden Trümmer zu gefährlich war. Und über eine Landebucht verfügte das Schiff nicht.
Sie landete die Raumfähre auf einem Trägergeflecht. Als der Landeplatz sicher war, gab die Pilotin das Freizeichen an das Außen- und Sicherheitsteam. Von hier aus mussten Sie sich einen Weg ins Schiffsinnere suchen. Tiefer ins Wrack konnte man das Flugvehikel nicht bringen.
In der Kabine sprang aufgrund des Freizeichens das Rotlicht auf Grün um.

***

Die Frauen und Männer der Einsatzgruppe, die aus dem Außen- und Sicherheitsteam bestand, ließen die Gurte aufschnappen, öffneten die seitlichen Luken und verschafften sich einen Überblick von der Landezone. Die Nutzung der Rampe zum Aussteigen fiel wegen der Schiffswand flach.
Kopfüber entdeckte man eine Wartungsröhre.
Ein Marine kletterte hinauf, brachte über sich an einem Träger das Führungsseil an. Unten wurde es an einen anderen Träger unmittelbar an der Luke verschweißt. Anschließend magnetisierte man das Führungsseil. Die Frauen und Männer klinkten sich ins Seil ein, lösten die Fahrsperre aus und wurden vom Führungskarabiner nach oben gezogen, wo sie sich dann in die Röhre hangelten. Der Karabiner fuhr inzwischen wieder das Seil runter.
Unterdessen krochen zwei Marines aus dem Sicherheitsteam hintereinander die Röhre entlang, erreichten einen Knotenpunkt von dem weitere Röhren abgingen. Außerdem konnte man über den Knotenpunkt die Obere oder Untere Ebene erreichen. Die Zugangsluken zu den Röhren waren allesamt außer Funktion, da das Schiff energielos war.
Sie warteten bis auch die übrigen Mitglieder der Einsatzgruppe sich im Knotenpunkt einfanden. Nach kurzer Verschnaufpause ging es weiter. Die Zugangsluke wurde aufgestemmt, stiegen die Leitersprossen hinab, erreichten den nächsten Knotenpunkt, von wo Sie sich Zutritt in eine der Röhren verschafften.
Fast 40 Minuten kletterten und krochen Sie in den Eingeweiden des toten Schiffs umher, stemmten Luke für Luke auf, pausierten kurz und erreichten letztlich einen Wartungsraum, hinter dessen Schott eine Decksektion lag.
Wie nicht anders zu erwarten waren auch hier alle Kontrolltafeln außer Betrieb.
Sergeant Han, die Truppführerin des Sicherheitsteams, gab der 3er Vorhut das Zeichen. Das Schott wurde soweit aufgestemmt, dass die Marines hindurchschlüpfen konnten. Mit den Impulsgewehren im Anschlag betraten Sie den Gang der Decksektion. Der Nachtsichtfilter ihres Helms tauchte die Finsternis in diffus-grünes Licht.
„Links frei.“
„Rechts frei.“
Meldeten die Marines.
Woraufhin die restlichen Mitglieder der Einsatzgruppe in den Gang traten.
Die Frauen und Männer trugen allesamt Schutz- bzw. Panzeranzüge.
Han machte über das Eingabefeld an der rechten Unterarmseite ihres Panzeranzugs eine Eingabe, woraufhin sich im Helm-HUD ein neues holografisches Fenster öffnete. Es zeigte einen Querschnitt des Sensorbildes vom Schiff. Die Blauen Männeken-Icons stellten das Außenteam dar. Die Gelben Icons gehörten dem Sicherheitsteam, dessen Kommando die Mischlingsfrau hatte.
Das Einsatzziel der Gruppe war es so viele Daten wie irgendmöglich zu sammeln.
Da die Kommandobrücke nicht mehr existierte war beschlossen worden die Gruppe solle ihr Glück im Maschinenraum suchen, der sich laut dem Sensorbild auf diesem Deck befand.
„Wir rücken ab.“, befahl Han entschlossen und zeigte die Richtung an.
Die 3er Vorhut marschierte los.
Ihnen folgte der Rest der Einsatzgruppe.

***

Der Hauptmaschinenraum lag auf der anderen Seite des Decks.
Aufgrund der Gegebenheiten brauchte man mehr als 1 Stunde, bis Sie ihn erreichten. Wie nicht anders zu erwarten versperrten ihnen das Panzerschott den Zutritt zum dahinterliegenden Maschinenraum. Einfach aufstemmen war also nicht.
Einer der Techniker öffnete stattdessen ein Panel neben dem Schott. „Wow!!“, pfiff er überrascht. Hinter dem Panel befand sich die Sicherung des Panzerschotts. Genau wie auf allen bekannten Schiffen, gab es eine manuelle Zugangskontrolle für den Fall, dass die Mechanische versagte. Aus welchen Gründen auch immer.
„Was ist Fähnrich?“, wollte Commander Sènà wissen. Die Gvanerin war neben dem Posten des Führungsoffiziers als Leitender Taktischer Offizier auch Zweiter Offizier an Bord der VG Dakar bzw. ihrem Vorgängerschiff der VF Gaius. Sie leitete als ZO das Außenteam, dem der Fähnrich angehörte. Sènà schaute dem Menschen über die Schulter. Was Sie zu sehen bekam, verblüffte sie nicht minder.
Statt Kristallstäben oder Speicherchips oder Platinen befand sich hinter dem Panel ein Dutzend Mini-Kristall-Gelpacks. In denen eine dunkle zäh-kristalline Flüssigkeit schwamm. Die Membran der Packs wurde beim Betrieb als Schutz von einem Energiefeld umschlossen. Das Lenz-Maersch-Institut auf Gvan führte eine Experimentalstudie bezüglich der Machbarkeit von Kristall-Gelpacks an Bord von Raumschiffen durch. Was die Frauen und Männer der Einsatzgruppe hier zusehen bekamen, war 3 oder gar 4 Generationen weiter.
„Sehen Sie mal, ob sie das Schott auf bekommen.“, nuschelte Sènà verblüfft. Sie war zwar ein Taktikoffizier hatte aber durchaus Verständnis für Technik. Daher konnte sich die Gvanerin schon einen Reim auf das machen, was Sie da sah.
Der Techniker, ein junger Mensch, verband sein Arbeitspad mit einem Datenkabel an den Steckport, startete eine Diagnose und sah wie unbekannte Verschlüsselungssymbole über den Touch-Schirm huschten. Er machte etliche Eingaben. Direkt auf die Schiffssysteme konnte er nicht zugreifen. Dafür auf Unterprotokolle, die sich im Zwischenspeicher befanden. Der Energieaustausch der zwischen Pad und den Mini-Kristall-Gelpacks stattfand war minimal. Das Pad fungierte dahin gehend wie eine Batterie. Zum Hacken der Unterprotokolle reichte es, ebenso seine IT-Fähigkeiten.
„Der Fusionsreaktorkern ist geschmolzen.“, gab Yuri das wieder was er Lesen konnte. „Das Kühlsystem hat versagt.“ Wodurch die Kernschmelze ausgelöst wurde. Weitere Eingaben folgten. „Sie haben den Fusionsreaktor abgeschaltet. Konnten ihn aber nicht abstoßen.“ Eine Ereigniszeile tauchte auf, die ihn inne lassen hielt.
Die Gvanerin merkte es. Schaute ihm über die Schulter. „Was ist?“
Er schaute zu ihr. „Wir sollten tunlichst vermeiden die Schiffsenergie wiederherzustellen.“
„Wieso?“, fragte Sergeant Han brummig.
Yuri zeigte auf die Ereigniszeile. „Weil wir sonst die Selbstzerstörungssequenz fortführen.“ Ein kurzer Blick zur ZO. „Der Countdown steht bei 0 Komma 7 Sekunden.“
Hätten Sie die Schiffsenergie wiederhergestellt, wäre der Countdown fortgesetzt worden, da für eine Aufhebung die Kommandocodes nötig waren. Yuri konnte anhand der Unterprotokolle in Erfahrung bringen, das man via Up-Link die Selbstzerstörungsprotokolle aktivierte. Was eine Zerstörung des Hauptspeichers nach sich zog, für den unwahrscheinlichen Fall das die Selbstzerstörungssequenz wie auch immer unterbrochen wurde. Vereinzelte unwichtige Unterprotokolle blieben vorhanden.
„Laden Sie alles runter was Sie können, Fähnrich.“ Ihr war klar das dies nicht sehr viel sein würde. Das Meiste würde kaum verwertbar sein. Aber besser als nichts. Ein Versuch war es allemal wert.
„Jawohl, Ma’am.“, erwiderte Yuri umgehend. Er tippte auf sein Pad ein, schob einen Kristallstab in den passenden Slot am Gerät und ließ alles runterladen worauf er Zugriff bekam.

***

„Hyperraumabdruck!!“, meldete ein Crewmen der Sensormannschaft kurz nach ertönen des Alarms. Auf seinem Plot erschienen weitere Daten. „Vier Banditen.“ Die Icons in Neutral-Weiß verfärbten sich Feindlich-Rot. Auch die Masse veränderte sich. „Drei Kreuzer der Xàxà-Klasse und ein Schlachtschiff der Merkel-Klasse.“ Die Schiffsklassifizierung beruhte auf Vergleichsdaten aus der schiffseigenen Schiffstypendatenbank. Da man über keine ausreichenden Einträge der Schiffsklassen der Gmah Vasallen verfügte.
Die Sensoren zeigten das die Vier, als feindlich eingestuften, Icons nach dem freien Fall aus dem Hyperraum Kurs auf das Trümmerfeld nahmen. Auf Verwendung der Sensordaten der Sonde, hatten die Großkampfschiffe nicht an der Raumschlacht teilgenommen. Dennoch stimmten ihre Signaturen mit denen der Vasallen überein, die die Sonde aufgezeichnete.
„Sie erreichen das Trümmerfeld in 5 Stunden.“, fügte der Steuermann hinzu.
EO David hatte gleich Meldung gemacht. Inzwischen war Captain Sofia auf der Brücke, saß in ihrem Kommandosessel, schaute sich die Daten auf dem Taktikdisplay an. „EO“ Sie schaute auf. „sagen Sie Sènà sie soll einpacken.“
„Captain Sofia.“, mischte sich Senior Commander Alexander ein. Mit dem missbilligen Blick von ihr konnte er Leben. Natürlich war es eine verständliche Reaktion. Kein Kommandant mochte Einmischungen von Dritten. Genau das war er im Moment. „An Bord des Schiffs befindet sich Hochtechnologie.“ Woran Sofia nicht erinnert werden musste. „Wir können nicht zulassen, dass die Gmah Vasallen in deren Besitz gelangen.“ Das man keinen Zugang zu den entsprechenden Daten hatte spielte keine Rolle. Die Technikkomponenten musste nur ausgebaut und erforscht werden. Was nicht von heute auf morgen geschehen würde, aber die Vasallenvölker würden entsprechende Ressourcen abstellen. Sobald die Technik erforscht, kopiert oder angepasst war, stand einem Einsatz nichts mehr im Weg. Das konnte zu einem technologischen Fortschritt führen, den Sie aus eigener Kraft nicht so einfach erreichten.
Leo hatte Recht. Was ihren Ärger auf ihn nicht minderte. „Dessen bin ich mir bewusst, Senior Commander.“ Sie betonte seinen niedrigeren Rang mit voller Absicht. Er besaß innerhalb der Rangstruktur an Bord der VF Dakar keinen Posten und-oder Rang. Sein Posten als Verbindungsoffizier zur Allianz hatte ein jähes Ende gefunden als die Dakar durch das Silaa-Wurmloch flog und auf der anderen Seite heraus kam. Ein Verbindungsoffizier war hier so hilfreich wie nutzlos. „Unsere Anonymität in diesem Teil der Galaxie und das Wohl meiner Frauen und Männer hat Vorrang.“ Die Schärfe in ihrer Stimme war mehr als deutlich.
„Selbstverständlich, Captain.“, stimmte Leo ihr zu. Ohne dabei von seinem Standpunkt abzurücken, dass die fortschrittliche Technologie des Sternenbundes nicht die Hände der Gmah oder deren Vasallen fallen durfte. „Aufgrund unserer eigenen Sicherheit“ Eine kurze Pause. „Zuhause und Hier müssen wir alles in unserer Macht stehende tun, um ihnen den Zugriff auf die Technologie zu verwehren.“ Wieder eine minimale Pause. „Captain.“
Ihr bisheriger Ärger drohte in Wut und Zorn umzuschlagen. Sofia stand kurz davor ihn von der Brücke entfernen zulassen. Ein Wort und sie hätte Leo sogar in die Arrestzelle werfen lassen.
„Ma’am.“ David ging mit der gebotenen Vorsicht dazwischen. „Das Einsatzteam könnte den Brennstoffzellengenerator an das Energienetz anschließen.“, trug der Mensch seinen Vorschlag vor. „Es dürfte nicht allzu lange dauern die entsprechenden Einstellungen vorzunehmen.“, fuhr der EO fort. „Sobald sich die Feindschiffe dem Wrack nähern, schalten wir den Generator an und die Selbstzerstörungssequenz wird fortgesetzt.“ Und bei einem Zeitfenster von 0,7 Sekunden war sie nicht mehr zu verhindern.
Sofia schaute ihren EO an. Die aufkommende Wut und der Zorn waren verraucht. Sie ließ sich trotz des vorhandenen Ärgers seinen Vorschlag durch den Kopf gehen. Je näher die Feindschiffe dem Wrack kamen, umso verheerender die Auswirkungen. „Machen Sie es so.“ Ein funkelnder Blick zu Leo. Damit hatte er ein Teilerfolg erzielt. „Halten Sie mich über den Fortschritt auf dem Laufenden.“
„Jawohl, Ma’am.“
„EO. Sie haben die Brücke.“
„Aye, Captain.“
Sofia stieg in die Liftkabine und verschwand hinter der geschlossenen Kabinentür.
Leo trat neben den EO. „Danke, Commander. Ich schulde ihnen was.“
David schaute ihn an. „Ich bin ihrer Meinung was das Schiff vom Sternenbund angeht.“, richtete er an ihn ohne das sonst jemand seine Worte hörte. Zumindest hatte es den Anschein. Bei derartigen Disputen konnte die Kommandobrücke noch so groß sein, sie blieb einfach zu klein. „Mehr aber auch nicht.“
Leo machte kommentarlos auf dem Absatz kehrt, ging zum gegenüberliegenden Lift, berührte die Touchbedienfläche und trat schließlich in die offene Liftkabine.

***

Die Einsatzgruppe brauchte 50 Minuten um den mitgebrachten Brennstoffzellengenerator an das Reserveenergienetz anzuschließen. Die notwendigen Einstellungen ließen sich relativ schnell in die vorhandenen Unterprogramme implementieren. Danach packte die Einsatzgruppe zusammen machte sich auf den Rückweg zur Raumfähre. Wo die Besatzung die Startvorkehrungen nahezu abgeschlossen hatte.
Als das Außen- und Sicherheitsteam vollzählig zurück war, startete die Pilotin das Raumvehikel, brachte es aus dem Krater im Schiffskörper. Woraufhin die Anzeige vom Anti-Kollisions-Flug-System im HUD dauerhaft aufleuchtete.
Die Pilotin steuerte die Raumfähre durch das Trümmerfeld zum Rendezvouspunkt mit der VF Dakar. Der Flug war nicht weniger holprig als der Hinflug.
27 Minuten später kam es zum Rendezvous.
Die Raumfähre manövrierte in ihre Parkbucht. Wurde von den Fangarmen gepackt und auf die Magnetschiene bugsiert. Wo der Schienenschlitten das Raumfahrzeug in die Parkbucht zog. Das Schott schloss sich.
Als dies geschah, erhielt der Steuermann der Dakar den Befehl Kurs auf den Asteroidengürtel zunehmen der um die Sonne lag. Dort konnte Sie sich vor den Vasallen Kräften der Gmah verstecken, die weiterhin auf das Trümmerfeld zuflogen. Der Asteroidengürtel war die einzige Versteckmöglichkeit für den Schweren Kreuzer, da das Sternensystem planetenlos war. Für den Flug brauchten Sie genauso lange wie der Feind zum Trümmerfeld.
Außerhalb dessen kreiste ein Trio aus Aufklärungsdrohnen, die als verlängerte Augen, Ohren und Arme der VF Dakar fungierten. So konnte die Besatzung sehen wie das 4er Geschwader in das Trümmerfeld hineinflog. Mit einem Schwarm veralteter Drohnen (nach Unioner Standard) suchten Sie das Trümmerfeld ab. Demzufolge suchten die Gmah Vasallen nach brauchbaren Überresten oder Überlebenden.
Fast 2 Stunden dauerte es bis sie auf das Wrack des Großkampfschiffs vom Sternenbund stießen. Ein Kreuzer steuerte es an. Seine Schwesterschiffe und das Schlachtschiff hielten einen Sicherheitsabstand. Die Drohnen schwirrten um das Wrack herum. Ihre Sensorwerte waren dabei sehr hoch.
Der Kreuzer der Unioner Xàxà-Klasse näherte sich dem Schiffsrücken des Wracks. Sie hatten ein Entermanöver vor. Sozusagen huckepack. Bei dem sie an das zu enternde Schiff andockten, sich über die Andockstutzen Zutritt in das Schiff schweißten und es stürmten.
Über die eigenen Aufklärungsdrohnen sahen Captain Sofia und Co zu wie die doch recht eigentümliche Vereinigung kurz vor dem Abschluss stand. Gerade als die Andockröhren des Kreuzers auf das Wrack trafen, geschah es.
„Was!!“ Mit zusammengezogenen Augenbrauen sah LSO Tressier wie plötzlich die Energiesignatur des Wracks zum Leben erwachte und innerhalb von Makrosekunden durch die Decke schossen. Noch bevor er Meldung machen konnte, war das Energielevel so enorm das es den Fusionsreaktor an Bord des Wracks förmlich sprengte.
Die daraus resultierende Explosionsblase hüllte den hilflosen Kreuzer der Gmah Vasallen ein, ließ das Großkampfschiff wehrlos aufplatzen. Die Schockwelle der Explosion verwandelte die umliegenden Trümmer in tödlich-rasende Schrapnelle, die sich in alle Richtungen ausbreiteten.
Innerhalb von 17 Sekunden erreichte die Vorwelle aus Schrapnellen die übrigen 2 Kreuzer und das Schlachtschiff. Die freigesetzte kinetische Energie der geplatzten Energieblase machte aus den Schrapnellen raketengleiche Geschosse, die zu Hunderten über die Großkampfschiffe herfielen. Sie durchschlugen die Schutzschilde, Panzerung und zuguterletzt den meterdicken Rumpf, als wäre er aus Pappe. Beim Aufprall zersplitterten die Schrapnelle, wie Mehrphasensprengköpfe. Durch den Aufprall verpuffte zwar ein Teil der kinetischen Energie, der Rest reichte aber aus um die Kreuzer regelgerecht zu durchlöchern.
Bei einem der Kreuzer flackerte kurzzeitig die Energiesignatur, bis Sie Sekunden später völlig zusammenbrach. Die Splitter bohrten sich tief ins Schiffsinnere. Während die Schrapnelle Krater in den Schiffsrumpf schlugen. Innerhalb von nicht mal 10 Sekunden war der Kreuzer zu einem Massengrab geworden.
Das Schwesterschiff lebte einige Sekunden länger. Jedenfalls bis Dutzende Splitterfragmente den Schutzmantel vom Hauptmaschinenraum punktierte, durchschlugen und somit eine Kettenreaktion auslösten. Der Besatzung gelang es nicht den Fusionsreaktorkern abzustoßen, was vermutlich auch nichts genützt hätte. So explodierte der Reaktorkern. Was wiederum dem Schlachtschiff das Leben rettete.
Den diese Explosionswelle bildete eine Art Schutzwall, lenkte die Schockwelle ab.
Unbeschadet kam das Schlachtschiff aus dem Ganzen nicht raus. Aufgrund der Masse konnten diese Großkampfschifftypen mehr einstecken. Wahrscheinlich hätte es die Schockwelle aufgrund dessen auch überlebt. Der Kommandant nutzte die Explosionswelle des Kreuzers als Deckung, drehte in ihr ab und machte sich aus dem Staub.
Ohne zurückzublicken, sprang das Schlachtschiff schwer beschädigt in den Hyperraum.
Ein wenig erschüttert über die Auswirkung blickte Captain Sofia zur Com-Station.
Commander Shinj, Leitender Com Offizier (LCO) schaute verdutzt auf, wechselte zwischen der Kommandantin und des Ersten Offiziers. „Keine Ahnung, was da passiert ist, Ma’am.“
„Was soll das heißen, Commander?“, fragte EO David nach.
LCO Shinj sollte das Anschaltsignal an den Brennstoffzellengenerator an Bord des Wracks via Up-Link über die Drohnen senden, sobald die Gvanerin den entsprechenden Befehl erhielt. Was nicht geschehen war.
Shinj schaute auf ihre Konsole. Die Sendesequenz war geladen aber nicht abgeschickt. Sie schaute auf, sah die beiden Kommandooffiziere an. „Das Signal wurde nicht gesendet.“
Verwirrt über die Aussage schaute Sofia zum Leitenden Taktischen Offizier.
Commander Sènà, die nach der Rückkehr ihren Kommandoposten wieder inne hatte, nickte knapp. Damit bestätigte Sie die Aussage der LCO. Was für noch mehr Verwirrung sorgte.
Wenn also das Signal nicht gesendet wurde, wieso kam es dann zu solch einer Zerstörungsorgie!? Schließlich war das Wrack Tod.
Die Unterprotokolle!!
Eine Falle.
Warum wurden die Geschehnisse nicht bei ihnen ausgelöst, als sich die Einsatzgruppe per Raumfähre dem Wrack näherte und in einem der Krater landete!?
Es sei denn!!

***

Sofia saß auf der Couch in ihrem Quartier, nahm einen Schluck von ihrem Drink.
Die Auswertungen der Geschehnisse brachte nicht die gewünschten Antworten. Sie legte das Pad beiseite. Bei einer tiefer gehenden Analyse der Unterprotokolle fanden Lieutenant Commander Andreas Meier und Co einen versteckten Up-Link-Kanal. Über den man von Außen in Echtzeit auf die vorhandenen Unterprotokolle zugreifen konnte.
Wahrscheinlich eine Drohne unter Emissionsstille. Wodurch sie sich wiederum in unmittelbarer Nähe zum Empfänger befinden musste. Ein Studium der Sensoraufzeichnung konnte jedoch nicht entsprechendes finden. Was aber nicht hieß, das dem nicht so war.
Die Antwort auf die Frage wieso die vermeintliche Falle nicht bei ihnen ausgelöst wurde, ließ sich insofern klären dass die Drohne die Raumfähre nicht als feindlich einstufte. Ansonsten hätte ein anderer Ausgang stattgefunden. Wenn Sie also nicht als feindlich erkannt wurden, hieß das im Umkehrschluss die Signatur war bekannt. Einen unbekannten Sensorkontakt ließ man, zumindest nach Unioner Maßstäben, nicht ein Schiff oder Wrack entern. Dahin gehend wurden in der Vereinten Flotte unbekannte Sensorkontakte, die ein Schiff oder Wrack entern wollten als feindlich angesehen. Ob dem tatsächlich so war, spielte in solchen Fällen eine untergeordnete Rolle. Vorrang hatte die Abwehr einer Enterung.
Nahm man nun diese Einsatzdoktrin als Maßstab, hieß das ihre Sensorsignatur wurde weder als feindlich noch als unbekannt eingestuft. Ansonsten hätte die Falle zugeschnappt. Sie war wahrscheinlich während der Raumschlacht gestellt worden, um den Rückzug der eigenen Kräfte abzusichern. Oder um die Feindkräfte zu splitten.
Letztlich zählte, dass die Falle trotzdem funktionierte. 3 Feindschiffe wurden zerstört und ein weiteres schwer beschädigt. Wenn man das jetzt auf einen Verband multiplizierte, hätte das Ganze potenzial zu einer Massenvernichtungswaffe.
Die die Union ächtete.
Aber im Grunde genommen stellte jedes Großkampfschiff eine Massenvernichtungswaffe dar. Doch damit beschäftigte sich Sofia nicht. Schiffe wie die Dakar waren zur Verteidigung notwendig.
Im Grunde waren Sie dem Missionsziel kein Stück näher gekommen.
Noch nicht.
Aus den gewonnen Daten ließ sich kein Rückschluss auf mögliche Standorte von Kräften des Sternenbundes ziehen. Sie wussten, dass die Wehrtechnik vom Sternenbund höher entwickelt war, als die der Gmah Vasallen. Sie hatten in der Raumschlacht 207 Großkampfschiffe verloren. Wohingegen der Sternenbund ein verifizierten Verlust erlitt, der auch noch 3 Feindschiffe vernichtete. Außerdem hatte der einstige Captain der VF Orion dem Sternenbund vor 7000 Jahren Zugriff auf die gegenwärtige Flottentechnik ermöglicht.
Eine fragwürdige Entscheidung, die aber jetzt nicht mehr zu ändern war.
Gegenwärtig war Sie auch erstmal nebensächlich.
Vorrang hatte weiterhin die Kontaktaufnahme zu den Kräften des Sternenbundes.
Ohne den Hauch einer Ahnung ihres Standortes, war dies so ähnlich eine Stecknadel im Heuhaufen zu suchen. Nicht nur das dieser Teil der Galaxie, jenseits des Silaa-Wurmlochs, als unbekannt und feindlich gesinnt galt, war er zusätzlich nicht kartografiert. Weswegen er ja auch unbekannt war, erwiderte ihr gedanklich das zynische Stimmchen.
Sofia nahm einen Schluck, stocherte in den Resten ihres Essens herum.
Sie befanden sich auf einer nicht allzu aussichtsreichen Schnitzeljagd. Was ihr nicht gefiel. Damit musste die Mischlingsfrau leben. Da noch Hoffnung bestand das Ziel zu erreichen, würde Sie nichts unversucht lassen die Aufgabe zu erfüllen. Die Vorgehensweise war bloß nicht allzu einfach.
Wieso einfach, wenn es auch schwer ging.
Wie lautete ein Menschensprichwort!?
Wer suchet, der findet.
Eins der wenigen zu treffenden menschlichen Sprichwörter, wie Sofia fand.

***

Im Schleichfahrtmodus war die VF Dakar in das Sternensystem geflogen.
Dabei handelte es sich um jenes Sonnensystem in das Stunden zuvor das Schlachtschiff sprang.
Wie schon beim Patrouillengeschwader bei Alt-Gvan, hatte Sofia dem beschädigten Großkampfschiff eine Aufklärungsdrohne hinterher geschickt. Sie erreichte gerade noch rechtzeitig den Hyperraumstrudel, flog hinein und folgte dem Raumschiff. Günstigerweise verfügte die Drohne über einen Subraum-Com-Sender. Er schickte ein Ping-Signal an die Dakar, die diesem folgte.
Auf dem Sensorschirm des Kommandostuhls sah Sofia den Echtzeitdatenstrom der Aufklärungsdrohne, die den Wiedereintritt in den Normalraum schadlos überstand. Eine Handvoll Geschwister unterstützte Sie inzwischen.
Durch das Sensorbild hatte man einen Einblick in das Sonnensystem.
Es gab 5 Planeten und 2 Monde. Keiner davon war bewohnbar. Die Planetenoberflächen waren nicht nur aufs schärfste Lebensfeindlich sondern auch Ödland. Keinerlei nutzbare Rohstoffvorkommen. Was die fehlende Industrie bzw. Infrastruktur erklärte. Auch gab es keinen Handelsverkehr oder dergleichen.
Lediglich ein Außenposten im oberen Orbit des 2ten Mondes von dem keinerlei betrieblichen Energiewerte aufgefangen wurden.
Das Schlachtschiff flog zu einem Verband aus 13 Großkampfschiffen unterschiedlichster Schiffsklassen. Zerstörer. Kreuzer. Jagdfregatten. Plus 2 Schlachtkreuzer. Von dem eins das Flaggschiff darstellte. Der Com-Verkehr des Schlachtschiffs konzentrierte sich auf einen Schlachtkreuzer.
Aus dem Hyperraum sprangen 4 Stunden später 7 weitere Großkampfschiffe. 3 Zerstörter, 3 Kreuzer und ein Raumfrachter. Alle Schiffe wiesen Beschädigungen auf. Wie schon zuvor beim Schlachtschiff konzentrierte sich der Com-Verkehr auf den Schlachtkreuzer.
Allem Anschein nach lag im Sonnensystem ein Sammelpunkt.
In den folgenden Stunden flogen 2 Raumfähren vom Frachter zum Schlachtschiff und zurück. Insgesamt 7 Flüge machten die Fähren. Unterdessen versuchten Reparaturdrohnen die schwersten Schäden im Rumpf zu beseitigen. Was mehr Kosmetik war, als effektive Reparatur. Dafür hätte das Schiff in ein Raumdock gemusst oder ein Reparaturschiff benötigt.
20 Stunden lang rührte sich keins der Großkampfschiffe vom Fleck. Weitere Ankömmlinge blieben aus.
Der Schiffsanalyse zur Folge wiesen alle Schiffe der Gmah Vasallen Kampfschäden auf. Wie Alt diese waren, ließ nicht feststellen. Außer man fragte. Was nicht geschehen würde.
Eine komplette Instandsetzung kostete Zeit, Geld, Material und Personal. Verfügte man nicht über ausreichend Ressourcen, wurden die Schäden lediglich repariert. Kosmetische Anpassungen fanden nicht statt. Eine weitere Erklärung war, dass die Vasallen nicht über genügend Flotteneinheiten verfügten, um Schiffe die notwenige Reparaturzeit zu geben.
Der Verlust von 207 Schiffen musste demnach enorm sein. Je nachdem wie groß das Raumgebiet war, das sie abdeckten.
„Hyperraumabdruck.“
Sofia schob die Überlegungen beiseite, widmete sich dem Sensorplot.
Aus der Hyperraumöffnung flogen 2 Sensorkontakte, die sich von Neutral-Weiß auf Feind-Rot verfärbten. Den Sensordaten nach handelte es sich um 2 Kreuzer. Einer davon war schwer beschädigt. Aus der zerfetzten Antriebsgondel strömte Plasma, das einen himmelblauen Schweif erzeugte. Im Schiffsrumpf und dem Panzermantel klafften tiefe Krater. Es gab mehrere Hüllenrisse, die bis über 4 Decks gingen. Der Unterbauch des Kreuzers war halb aufgerissen. Es grenzte an ein Wunder dass das Großkampfschiff überhaupt noch raumtüchtig war.
Sie hatten den freien Fall hinter sich, als bei dem Kreuzer das Energienetz zu flackern begann. Wie bei einem Weihnachtsbaum der mehrmals an- und ausgeschaltet wurde. 50 Sekunden später zerriss es den Rumpf in einem gewaltigen Explosionsblitz.
Der Begleitkreuzer hatte gleich beim Transit aus dem Hyperraum abgedreht. Durch den Freien Fall bestand genügend Sicherheitsabstand. Dennoch besaß das Raumschiff eigene Schäden, die bei Weitem nicht so verheerend waren.
Erneut konzentrierte sich der Com-Verkehr auf das, mit einem goldenen Dreieck versehene, Flaggschiff, den Schlachtkreuzer. Der Kreuzer hatte sich gerade in die Verbandsformation eingegliedert, da ging vom Führungsschiff ein Com-Ruf an alle Schiffe. Kurz darauf setzte sich der Verband in Marsch.
Sie flogen Systemauswärts, fächerten die Formation auf und sprangen Paarweise in den Hyperraum. Ahnungslos das an einem der Großkampfschiffe eine Aufklärungsdrohne klebte.
Was einmal klappte, konnte auch ein zweites Mal klappen.
„Steuer.“, richtete Sofia an die Steuerfrau. „Bringen Sie uns zum Außenposten.“
„Aye, Ma’am.“
Mit einer Eingabe in die Antriebskontrolle endete die Schleichfahrt der VF Dakar.

***

Anders als das Wrack vom Sternenbund besaß die Raumstation (der Außenposten) Andockpunkt. Genau an jenen lagen 2 Raumfähren, die auf der Nord-Süd-Achse lagen. Zwei Sicherheitsteams übernahmen die Absicherung für die beiden Außenteams. Diesmal bestanden die Sicherheitsteams aus jeweils 12 Marines. Die Ingenieurtrupps in den Außenteams sollten sich Zugriff auf den Datenspeicher verschaffen.
Auch wenn der Außenposten außer Betrieb schien, konnten sich relevante Daten im Computerspeicher befinden, die ihnen womöglich weiterhalfen.
Wie schon beim ersten Eindruck schien er über keinerlei Gmah-Technologie zu verfügen. Als Vergleichsweise beim Raumteleskop auf dem Mond von Alt-Gvan. Auch die bisherigen erfassten Großkampfschiffe der Vasallen wiesen minimale Spuren von Gmah Technik auf. Anscheinend war der Technologietransfer mit anderen Vasallenvölkern nicht so innig wie auf Alt-Gvan. Wofür es natürlich mehrere Gründe geben könnte.
Andererseits verdeutlichte es welche Bedeutung die Gvaner für die Gmah und deren Verbündeten, wie den Vaan, hatten. Was Sofia beunruhigte.
Beim Betreten lag der Außenposten wie ausgestorben dar.
Der Hauptreaktor, ein antiker Fusionsreaktor, war seit mehr als 10 Jahren nicht mehr hochgefahren worden. Wobei es die Einsatzgruppe auch beließ. Nichts ließ beim Durchsuchen der Decks darauf schließen, dass irgendjemand sonst in der Zwischenzeit hier gewesen war.
Den Ingenieurtrupps gelang es den Hauptspeicherserver ausfindig zu machen. Man beschloss den Server kurzerhand auszubauen. Ein Durchstöbern und der Upload der Daten hätte zulange gedauert. Nach dem Ausbau kehrten die Teams zu den Raumfähren zurück, welche 12 Minuten später in den Parkbuchten der VF Dakar standen.
Anschließend flog der Schwere Unioner Kreuzer hinter dem Verband her, der vor 17 Stunden das Sternsystem verlassen hatte.
Unterdessen machten sich die Ingenieure und Techniker an die Arbeit dem Server seine Datenpakete zu entnehmen, sie zu analysieren und auszuwerten.

***

Wie sich herausstellte hatte ein Volk Namens Accoria den Außenposten gebaut und betrieben. Accoria, so der Name der Sternennation, gehörte der Konföderation an. Ein relativ loser Staatenbund dem 17 Sternennationen angehörten. Der Außenposten gehörte zur äußersten Grenze des konföderierten Raums. Vor 9 Jahren wurde er aufgeben und bis vor 4 Jahren unregelmäßig reaktiviert.
Die Vaan hatten die Konföderation ins Leben gerufen. Unter dem Denkmantel der besseren Kooperation und Zusammenlegung der Ressourcen. Sie waren ja die Handlanger der Gmah, auch wenn deren Name nicht in den Daten erwähnt wurde.
Jedoch hatte die Konföderation, nach ihren Maßstäben, den Stand eines Entwicklungsstaats. Die eingebrachte Technologie lag bis zu 5 Generationen hinter dem allgemeinen Stand auf der Heimatseite des Silaa-Wurmlochs zurück. Der Fortschritt der Gmah/Vaan war minimal.
Das Raumgebiet hatte die Ausdehnung von einem Drittel der Liga. Was auf die maximale Ausdehnung fast 209 Stunden Hyperraumflug bedeutete. Nationale Flotten oder Streitkräfte gab es nicht. Die Vaan aka Maris hatten diesen Part inne. Was die Konföderation de facto zu einer Diktatur machte.
Es gab 5 Industriekernsysteme die fast 113 Stunden Hyperraumflugzeit voneinander entfernt lagen. Die Größe der Handelsflotte war angesichts der Ausdehnung viel zu klein. Die Industrie unterwickelt. Die Flotte besaß nicht die notwenige Sollstärke um das Raumgebiet abzudecken. Der Großteil der Flottenstärke konzentrierte sich auf die Industriekernsysteme. Wo die Systemflotten an die 70 Großkampfschiffe stark waren. Auf die übrigen Systeme fiel die Flottenpräsens hingegen mager aus.
Die Gesamtbevölkerung der Konföderation war auf dem Stand der Randzone. Obwohl das Raumgebiet der vierfachen Größe entsprach.
Von allen Mitgliedsnationen stellte die Raumfahrt von Accoria das Fortschrittlichste dar.
Den Daten nach entfiel, unter Obhut der Vaan, auf die Accorianer der größte Teil des Flottenbauprogramms.
Vom Sternenbund oder dem aktuellen Konflikt gab es keine Eintragungen. Was wenig verwunderte da die neusten Daten auf dem Server 4 Jahre alt waren.
Auf den ersten Blick gab es keinen Grund zur Beunruhigung. Doch irgendwie hatte man den Eindruck dass da noch mehr schlummerte.
„Ma’am.“, meldete die Steuerfrau aus dem InterCom. „Wir überqueren soeben die Systemgrenze.“
„Verstanden, Steuer. Bin auf dem Weg. Sofia Ende.“
Die Gvanerin überflog die bisher wichtigsten Daten vom Server, schaltete das Pad aus, legte es auf ihren Schreibtisch, verließ ihren Raum und betrat die Brücke. Wo Sie sich in ihren Kommandosessel setzte.

***

Wenn die Vaan die Konföderation ins Leben riefen, wieso gehörte Alt-Gvan nicht dazu? Ein Punkt, der dagegen sprach, war die Entfernung. Das Alt-Gvan System lag weit ab des konföderierten Raums. Dennoch unterhielten die Vaan Beziehungen dahin. Ein entscheidender Grund war die strategische Lage zum Silaa-Wurmloch. Daher auch die Kooperation bezüglich des Weltraumteleskops im Orbit des Mondes.
Aber anders als bei den Sternenvölkern in der Konföderation setzten die Vaan Gmah Technologie ein. Im Gegenzug erhielten Sie neues, unverbrauchtes DNS-Material. Auf diesem Gebiet waren die Gvaner sehr fortschrittlich. Warum also gewährte man ihnen die Unabhängigkeit!?
Die Antwort darauf war relativ simpel.
Bei einer Besatzung war ein Konflikt unausweichlich. Dahin gehend schienen die Gmah/Vaan aus der Vergangenheit gelernt zu haben. Um also Unruhen zu vermeiden, kehrte man als Wohltäter zurück, half und teilte. So gewann man die Sympathien und Loyalität. Nicht zu vergessen die Elite, die seit her auf die Rückkehr der Gmah/Vaan warteten.
Leo rieb sich das Kinn, legte das Pad auf den Couchtisch, streckte seinen Rücken.
Mit der Findung von Alt-Gvan ergab sich ein folgenschweres Problem.
Zuhause war der offene Krieg mit den Gmah und deren Verbündeten unvermeidlich.
Allen voran die Union konnte nicht zulassen das die einstige Heimatwelt der Gvaner unter dem Einfluss der Vaan, bzw. Gmah blieb. Dadurch eröffnete sich eine zweite Front. Die schnell auf drei Fronten anwachsen konnte, sobald den Gmah auf ihrer Seite des Silaa-Wurmlochs klar war, das es eine stabile Passage gab. Von der man annahm, dass einer der Wurmlochkanäle in die Heimatgalaxie der Gmah führte.
Was dann folgte, mochte man sich nicht vorstellen.
Allein bei dem Gedanken bekam er Gänsehaut.
Aus diesem Grund war es wichtiger als jäh zuvor ein Bündnis mit dem Sternenbund einzugehen. Sie stellten bereits vor 7000 Jahren den Gegenpart zu den Gmah dar. Man hatte einen gemeinsamen Feind. Sich zusammenzuschließen machte also Sinn.
Doch der Bericht von Captain Lucio verdeutlichte die Schwierigkeit eines solchen Vorgehens. Der Sternenbund war ein bürokratischer Riese. Was ihn schwerfällig, ja beinahe schläfrig in der Entscheidungsfindung machte. Hinzu kam, dass der Sternenbund in seiner damaligen Form heute gar nicht mehr existierte. Inwieweit das Gut oder Schlecht für Sie war, war schwer vorherzusagen.
Andererseits zeigte die Raumschlacht, dass Sie sich den Gmah Vasallen in Personalunion der Vaan entgegenstellten und sie bekämpften. Eine scheinbar gute Voraussetzung.
Bis zu einer möglichen Kontaktaufnahme war das alles Spekulation.
Die Lage konnte nicht verzwickter sein. Zumal Sie nicht die geringste Ahnung hatten wo in diesem Teil der Galaxie sie den Sternenbund finden.
Diesbezüglich fragte sich Leo, wie der Sternenbund hierher gekommen war!? Vor 7000 Jahren hatten Sie ihren Fuß in ihrer Galaxie. Verschwanden spurlos. Bloß wie? Niemand schien sich wirklich diese Frage gestellt zu haben. Was ihn nicht zum ersten Mal stutzig machte.
Da ertönte der eigens von ihm eingestellte Alarmton.
Hingegen sein InterCom blieb stumm.
Verwundert war Leo darüber nicht.
Er hatte Sofia nicht gerade ermuntert ihm Bescheid zu geben, wenn die VF Dakar die Systemgrenze überflog. Ihr wieso schon angespanntes Verhältnis seit der ersten Begegnung hatte sich nicht verbessert. Woran er ohne Zweifel eine Mitschuld trug. Um persönliche Belange ging es hierbei nicht. Auch wenn sich Leo freiwillig meldete, als ihm Generalinspekteur Essien mitteilte das Sofia und Co die Operation: Morgendämmerung ausführten. Einer der Beweggründe war sicherlich ihre Anwesenheit, das stritt Leo nicht ab. Er empfand noch was für Sie. Sie mit Sicherheit auch, aber es war weder der richtige Ort noch die Zeit um sich zusammenzusetzen und zu reden.
Leo nahm das Uniformjackett von der Stuhllehne, schlüpfte hinein, knöpfte sie zu, strich einmal drüber und verließ sein Quartier Richtung Kommandobrücke.

***

Aus dem Augenwinkel bemerkte Sofia die Ankunft von Leopold Alexander auf der Kommandobrücke. Für den Bruchteil einer Sekunde war Sie gewillt ihn anzusehen, tat es aber nicht. Er ging zu seiner Konsole, die extra für ihn eingerichtet worden war. Als Verbindungsoffizier hatte er die Berechtigung für die Brücke, auch wenn er nicht zum Kommandostab gehörte.
Die Mischlingsfrau lenkte ihren Fokus wieder auf den Sensorplot.
Bei dem Sonnensystem, in das der Verband geflogen war, war in der Sternenkarte vom Server des Außenpostens als Nebensystem verzeichnet. Ohne besondere Industriekapazitäten. Was sich sichtbar geändert hatte, wie man an Bord der VF Dakar feststellte.
Drei Zentrale Werftknoten mit jeweils neun Werftplattformen. Jede davon hatte Schiffsbauprojekte in unterschiedlichen Stadien am Start.
Auf der Oberfläche eines großen Gasriesen befanden sich Raffinerieanlagen. Unter dem meterdicken Erdmantel des Planeten lagerten enorme Mengen an flüssigen Edelgassen, die in Kombination zur Energiegewinnung und für Schiffsantriebe genutzt werden konnten.
Modernen Antriebsmöglichkeiten.
Zusätzlich plünderte man den Asteroidengürtel vom Mond des lebensfeindlichen 2ten Planeten. Der Grund war die hohe Dichte an Duraniumerz. Grundbaustein im Schiffsbau. Vor allem bei Panzerlegierungen.
Trotz der Vier Planeten im Sternensystem war keiner bewohnbar.
Außerdem wurden Überreste von Werften und Raumdocks gefunden.
Die Industrie musste mehrere Billionen Wert sein. Eine vorläufige Analyse ergab, dass sich bis zu 70 Großkampfschiffe im System befanden. Dazu kamen Hunderte von Verteidigungsplattformen. Eine durchaus schlagkräftig-nennenswerte Systemverteidigung.
Allein von der Größe des Industriekomplexes ging eine Schätzung von 50.000 humanoiden Lebensformen aus die Nötig waren um alles am Laufen zu halten. Und nach den bisherigen Erkenntnissen konnte man davon ausgehen, dass es sich bei den 50 Tausend Frauen und Männer nicht ausschließlich um Gmah Vasallen handelte.
Die Biosignaturen der Aufklärungsdrohnen ergaben keine Verwandtschaft mit bekannten Völkern aus ihrer Galaxie.
Innerhalb von 4 Jahren hatten die Gmah Vasallen ein unbedeutendes Sonnensystem zu einem wichtigen Industriestandort ausgebaut. Die vorhandenen Kapazitäten waren zwar rückständig, aber die Grundbausteine dessen, was hier gefördert wurde, konnte eine Modernisierungswelle auslösen.
Tatsächlich hatten die Vasallen beim Flottenbau einen enormen Schritt nach vorne gemacht. Ein Drittel der Großkampfschiffe schienen vor Ort gebaut worden zu sein. Und nicht erst seit gestern. Demzufolge hielt man Sie zurück. Um das System zu schützen, was Sinn machte. Gleichzeitig nutzte sie die gestiegene Einsatzmöglichkeit der neuen Schiffe nicht. Angesichts der Bedrohung durch den Sternenbund unverständlich.
Die Sensoren konnten bei den Schiffen keine direkte Gmah Technologie feststellen. Auch gab es von ihnen keinerlei Lebenszeichen. Auf den Schiffen gab es Biosignaturen der Vaan und Maris. Bei den Industriekomplexen sah das schon wieder ganz anders aus. Etwas mehr als 50 Tausend wurden von den Sensoren erfasst.
Ein eingehender InterCom-Ruf erschien auf Sofia’s Com-Schirm. Sie nahm den Ruf entgegen, woraufhin sich das Gesicht der Chefärztin an Bord aufbaute. „Was gibt es, Doc?“
Senior Lieutenant Francesca Maldini hatte ihre Uniform gegen den Arztkittel getauscht. Anhand des Hintergrunds sah man, das Sie sich in ihrem Büro aufhielt. „Ich hab mir mal die Biosignaturen näher angesehen.“, eröffnete Francesca den Grund ihres Anrufs bei ihrer Freundin und Kommandantin. „Dabei ist mir aufgefallen“ Die Ärztin machte eine Eingabe, woraufhin ein Nebenfenster auftauchte. „dass die Biowerte mit den DNA-Daten übereinstimmen, die uns die Gvaner von der Mondstation gegeben haben.“
Bei den DNA-Daten handelte sich um das genetische Material das die Gvaner auf Alt-Gvan den Vaan im Zuge des Technologieaustauschs zur Verfügung stellten. Die Vaan wiederum brauchten es, um zu überleben, da Sie in diesem Teil Galaxie gestrandet waren und keinen Zugriff von neuem genetischen Material aus der Heimat hatten. Welches Sie brauchten, da sie selbst unfurchtbar waren. „Auf den Ersten Blick ist die Basis-DNS identisch.“ Die Vaan hatten das genetische Material nicht nur für ihre eigene Zwecke benutzt, sondern daraus Klone geschaffen. Wie das Ligaunternehmen GenLab. „Mehr kann ich erst sagen, wenn ich eine Vergleichsprobe untersucht habe.“ Womit Francesca ihre Aussage verifizieren konnte.
Sofia zweifelte nicht daran dass das, was ihre Freundin ihr mitteilte, der Wahrheit entsprach. Arbeiter. Soldaten. Führer. Genetische Gehorsamkeit. Auf diesen Drei Säulen fußte im Grunde der Einfluss und die Macht der Gmah. Alles andere war nur Beiwerk. Hilfreich aber irgendwann Ballast, von dem Sie sich im Nu trennten, sobald es notwendig war. Dies war sicherlich hier nicht anders als bei ihnen Zuhause. Es war nur eine Frage der Zeit.
Sie schaute zu Lucio, der neben ihr saß und blickte zu Leo, der an seiner Konsole stand, kurz zu ihr sah und sich wieder dem Touchschirm zu wendete. Sofia hingegen sah zur Chefärztin. „Danke für die Info.“ Mit einem Nicken beendeten die Frauen die Com-Unterhaltung.
„Unbekannte Abdrücke!!“, meldete ein Mitglied der Sensor-Mannschaft begleitet von der passenden Tonmelodie. „2… Nein 4 UA’s.“, gab ein zweites Mitglied weiter.
Bei den reinkommenden Sensordaten hoben sich verwundert Sofia’s Augenfalten. Sie waren der Gegenpart zu den menschlichen Augenbrauen.

***

„Warp Abdrücke.“, wiederholte die Kommandantin die Erklärung ihres Leitenden Ingenieurs.
Lieutenant Commander Andreas Meier nickte über den Com-Schirm.
Bisher galten Reisen mit Warp als eine unbewiesene wissenschaftliche Theorie.
Bis heute jedenfalls.
„Danke, LI.“, nuschelte Sofia.
Ein kurzer Blick zu David, ihrem EO.
An seinem Gesichtsausdruck konnte die Mischlingsfrau erkennen, dass er sich darauf im Moment ebenso wenig einen Reim machen konnte wie Sie. Ihre Aufmerksamkeit kehrte zum Sensorplot zurück, während LI Meier vom Com-Schirm verschwand.
Aus den Warp Abdrücken waren Großkampfschiffe in Geschwaderstärke in das System der Gmah Vasallen gesprungen. Die Schiffssignaturen entsprachen dem des Wracks. Demnach schien es sich um Kräfte des Sternenbundes zu handeln.
„Ma’am.“, meldete sich LTO Sènà. Die Gvanerin machte eine Eingabe. Woraufhin ein Nebenfenster auf dem Hauptplot von Sofia erschien. „Das sollten Sie sich ansehen.“
Vier der Fünf Schiffe flogen auf die sich formierenden Verteidiger zu, flankiert von jeweils 2 Geschwadergruppen.
Während es sich bei den vorrückenden Großkampfschiffen um Kreuzer und Schlachtkreuzer handelte, war die zurückgebliebene Signatur ein Megaträger ähnliches Schiff. Das Alleine war noch nicht alles. Die Sensoren zeigten fortwährende Multiphasendatenströme deren Datenaustausch enorm und vielschichtig war. Er fand in Echtzeit statt.
Sofia machte eine Eingabe.
Im Nebenfenster erschienen Reihen von Sensordaten, die sie anhand der aufgedeckten Echtzeitmultiphasendatenströme keineswegs überraschte. Alleine für die eingehende Datenmenge bedurfte es mehr als einen Supercomputer zur Verarbeitung. Der scheinbare Megaträger war ein Basis-, nein Kontrollschiff. Und die Kreuzer und Schlachtkreuzer waren Drohnenschiffe. Die von ihr eingeholten Sensordaten zeigten nämlich keinerlei Lebenszeichen auf den anfliegenden Raumschiffen des Sternenbundes.
Darum fand die Einsatzgruppe keine Quartiere oder Ähnliches auf dem Wrack. Alles war computerisiert worden. Was eine Besatzung vor Ort unnötig machte. Ein aus der Ferne operierendes Basisschiff reichte völlig. Ein fliegender Befehls- und Kommandostand.
Auf dem Sensorplot erreichten die Raumschiffe Kampfdistanz.
Umgehend spuckten die Kräfte des Sternenbundes Raketenschwärme aus, die keine 5 Sekunden später von den Sensorschirmen verschwanden. Sie verschossen 4 weitere Schwärme, die kein normales Großkampfschiff in der Lage war zu verschießen. Doch diese Schiffe hatten keinen Platzmangel, sondern konnten jeden Quadratzentimeter mit Waffentechnik vollstopfen.
7 Minuten später ging ein Hagelregen aus ultramodernen Raketen über die Verteidiger nieder, der bereits mit der Ersten Welle ein Massaker anrichtete, ohne das die Gmah Vasallen einen Schuss abfeuerten. Dennoch flogen die Drohnenschiffe immer tiefer in das Feindgebiet, spuckten weitere Vernichtungswellen aus die von den Sensorschirmen verschwanden und erst bei der anstehenden Vernichtungsorgie ihr Ziel preisgaben.
Die Raketen sprengten sich ihren Weg einfach frei. Verteidigungsplattformen aller Arten wurden im Sekundentakt vernichtet. Großkampfschiffe von der zerstörerischen Ladung dutzendfach punktiert. Sie wurden auseinandergesprengt. Zerrissen in Fusionsexplosionen.
Nichtsdestotrotz eröffneten die verbliebenen Schiffe der Gmah Vasallen das Feuer. Der Schaden war nicht mal annähernd gleichwertig. Die Kräfte des Sternenbundes erhielten wahrlich nur oberflächliche Treffer. Lackkratzer. Dellen. Nicht mehr. Die Schiffsabwehr vernichtete den Gegenangriff mühelos. Das, was übrig blieb, war kaum gefährdend für die Drohnenschiffe.
Die Schlacht, sofern man nach Sofia’s Meinung davon sprechen konnte, dauerte keine 20 Minuten. Trotz der klaren vorgezeichneten Niederlage wich nicht ein Schiff der Gmah Vasallen in Person der Vaan-Maris zurück. Sie verteidigte hoffnungslos unterlegen das verlorene System bis zum letzten Schiff.
Sofia erinnerte sich an ein Zitat von Admiralin Vic’torja: Die Stärke ist auch gleichzeitig die Schwäche.
Sie atmete tief ein.
Ein entscheidender Grund für die Stärke des Sternenbundes war sicherlich ein nicht zu leugnender Technologievorsprung, der wiederum davon herrührte das ihnen Captain Lucio vor 7000 Jahren Zugriff auf gegenwärtige Technologiestandards ermöglichte die ihnen sicherlich als Basis dienten.
Die Entwicklungsabteilung der Vereinten Flotte hatte einst mit der Möglichkeit von Drohnenschiffen experimentiert. Das Programm aber als unverwirklichbar eingestellt. Die Nutzkapazitäten waren gegenwärtig nicht gegeben.
Eiseskälte ließ Sofia erzittern.
Detonationsblitze brachten Tod und Verwüstung über die Zentrale Werftknoten. Auch die übrigen Industriekapazitäten wurden bombardiert. Zehntausende unschuldiger Klone starben.
Eine stille Furcht und Wut packte Sie. „Rufen Sie das Kommandoschiff.“, presste Sofia zähneknirschend hervor. „Sie sollen den Angriff einstellen.“ Eine klar formulierte Forderung.

***

Ihr von Seiten des Sternenbundes nachzukommen bestand kein Grund.
Die VF Dakar konnte ihnen in keinster Weise Einhalt gebieten.
Dessen war sich Sofia durchaus bewusst. Dennoch würde sie von ihrer Forderung keinen Millimeter abrücken. Auch wenn es keinen Grund gab, für das Leben der Klone einzutreten, so würde sie es tun. Die Sensoren zeigten, das während der Schlacht mehrere Tausend rebellierten. Sie griffen die Vaan und Maris an. Demzufolge schwoll der Funke der Rebellion schon länger unter den Klonen.
„Ma’am.“, sagte LTO Sènà.
„Ich sehe es.“, erwiderte Sofia entschlossen.
Zwei der Drohnenschiffe scherrten aus, gingen auf Abfangkurs. Ihre Fernwaffen waren geladen, feuerten jedoch nicht. Noch nicht.
„EO.“, richtete die Mischlingsfrau an ihren Ersten Offizier. „Es ist nicht mehr nötig hier herumzuschleichen.“
„Aye.“
Somit fand die Schleichfahrt der VF Dakar ein Ende.
Die diffuse Lichteinstellung auf dem Kreuzer wich der Tag-Nacht-Modus an Bord, welcher sich nach dem Tag-Nacht-Zyklus auf Terra richtete, der auf allen Unioner Schiffen galt.
Wenn der Kreuzer nicht vorher schon von den Sensoren erfasst worden war, so würde er es jetzt. Als wenn man ein Licht in der Nacht einschaltete, so wurde das Großkampfschiff eingeschaltet. Jetzt waren alle zuvor schlafende Hauptsysteme geweckt worden.
„Gefechtsstufe Orange. Keine Zielerfassung.“, ordnete Sofia Befehlsgebend an.
Auf dem Schiff wurde die entsprechende Gefechtsstufe an alle Stationen weitergegeben. Es war die Vorstufe zur vollständigen Gefechtsbereitschaft.
An der Com-Station ertönte ein Tonsignal. „Ma’am.“, richtete Junior Commander Shinj, Leitende Com Offizierin, an die Kommandantin. „Wir werden gerufen.“
Sofia öffnete ihren Mund, um der Gvanerin zu sagen Sie solle den Ruf durchstellen, als holografische Projektionen vor ihnen auf der Kommandobrücke materialisierten.
Es handelte sich um 3 Personen.
Eine Frau und zwei Männer.
Sie besaßen entfernte Wesenszüge von Menschen und Gvanern.
Sofia erhob sich aus ihrem Kommandosessel. Anscheinend hatten sich die Mitglieder des Sternenbundes einfach selbst durchgestellt.
Die Frau stand vor den Männern, die beidseitig 2 Schritte hinter ihr standen. Sie schaute sich nach der Materialisierung auf der Kommandobrücke um, blieb auf Captain Lucio haften. An ihrem Blick sah man ein wiedererkennen. „Captain Lucio.“, sprach Sie den Mann überrascht an. Mit seiner Anwesenheit schien Sie nicht gerechnet zu haben.
Lucio erhob sich nicht minder verblüfft aus seinem Sessel, trat einen Schritt auf die Fremde zu. Er erkannte in der Frau die Züge von Tasha Rockwell.
Der LTO der VF Orion, seinem Schiff, das vor 7000 Jahren in die Vergangenheit gereist (geschickt wurde) war und den damaligen Vormarsch der Gmah in ihrer Galaxie verhinderte. Dabei verschloss er das Silaa-Wurmloch, zerstörte damit eine gewaltige Streitmacht der Gmah und strandete in diesem Teil der Galaxie.
Die Fremde besaß typische Merkmale eines Mischlings.
Er wusste sofort, wer vor ihm stand. Natürlich nicht namentlich. Diese Frau war eine Nachfahrin von Tasha und seinem EO und besten Freund Hazàrd. Beide waren ein Liebespaar und gehörten zu den Evakuierten, die Lucio in die Obhut von Ratsfrau Saria gab. „Sie sind…“, nuschelte er.
Ein schwaches Schmunzeln erschien auf ihrem Gesicht. „Ich bin die Nachfahrin der Tochter von Tasha und Hazàrd.“, bestätigte Sie ihm freundlich. „Es ist mir eine Ehre euch kennenzulernen, Captain Lucio.“ Wie das möglich war, schien nebensächlich.
Ihm kamen die Tränen. Er konnte Sie zurückhalten. Eine unbeschreibliche Freude durchströmte ihn. Seine Freunde hatten eine Familie gegründet, dessen Nachfahrin vor ihm stand und außergewöhnliche Ähnlichkeit mit ihnen besaß.
Die Mischlingszüge waren vorhanden, doch das dominantere Erbgut war jenes vom Sternenvolk, dem Ratsfrau Saria angehörte. Was ihr ein noch exoterisches Aussehen verlieh als ohnehin schon durch das Mischling Dasein.
Sofia machte einen Schritt auf Sie zu. Wodurch die Mischlingsfrau ihre Aufmerksamkeit auf sich lenkte. „Ich bin Captain Sofia. Kommandantin der VF Dakar.“, stellte Sie sich nüchtern vor.
Ein kurzer Blick der Fremden zu Lucio, dann wendete Sie sich ihr zu, verneigte knapp ihr Haupt. „Captain Sofia.“, sagte Sie diplomatisch. „Ich bin Obfrau Tia.“, stellte sich die Fremde vor. „Mir untersteht die Aufsicht des Flottenverbandes der 7 Kolonien.“
„Die 7 Kolonien.“, führte Senior Commander Alexander gleich an. Er hatte seine Station verlassen und stand hinter Sofia, die ihm über die Schulter hinweg ansah. „Sie sind nicht vom Sternenbund?“
Obfrau Tia sah kurz zu Lucio, schaute dann abwechselnd den Menschen und die Mischlingsfrau an. „Der Sternenbund“ Ein flinker Blickwechsel. „existiert nicht mehr.“ Die Neuigkeit war wie ein Schock und lähmte die Beteiligten aus Fleisch und Blut.
Damit hatte man nicht gerechnet.

***

Schließlich war die Mission den Sternenbund im Namen der Allianz als Bündnispartner zu gewinnen. Was schwer zu bewerkstelligen war, wenn dieser gar nicht mehr existierte. Gleichzeitig eröffnete sich eine Alternative.
Das Gespräch wurde im Konferenzraum fortgesetzt.
Captain Sofia, EO David, ZO Sènà, Senior Commander Alexander als VO der Allianz, Lucio und Obfrau Tia mit ihren beiden namenlosen Begleitern nahmen daran teil.
Sie hätte zwar den gesamten Kommandostab einberufen können, doch ein kleiner Kreis erschien ihr passender. Später würde Sie die Offiziere informieren.
„Was ist geschehen?“, richtete Leo an Obfrau Tia.
Die Holoprojektionen standen.
Sie wartete einen Moment ab.
Ihre Aufmerksamkeit pendelte immer wieder zu Lucio. Seine Anwesenheit schien ebenso erklärungsbedürftig. Immerhin neigten Menschen nicht dazu 7000 Jahre zu leben. „Die Völker des Sternenbundes stammten vom gleichen Urvolk ab. Ähnlich den Menschen der Erdgeschichte.“, legte Sie als Vergleich dar. „Ein in der DNS verankerter Virus ist seither immer wieder ausgebrochen. Wissenschaftler fanden eine Methode ihn zu isolieren. Mithilfe eines Antivirus entfernen Sie ihn dauerhaft.“ Ein Blick zu Lucio. „Ungefähr kurz nach den Geschehnissen mit der Orion begann man mit der Impfung der Bevölkerung.“ Er hörte wie alle Anwesenden zu. Tia wartete einen Moment, sah in die Runde und fuhr fort. „Ein Jahrhundert später brach unter den Völkern eine Krankheit aus, die sich trotz intensiver Bemühungen nicht eindämmen ließ.“ Das schleichende Ende einer ganzen Sternenzivilisation. „Man fand heraus, dass der entfernte Virus als Impfschutz diente. Eine Wiedereingliederung in die DNS scheiterte. Das Erbgut war durch die Entfernung irreparabel geschädigt. Auch ein Serum basierend auf dem Virus schlug fehl.“ Ein betroffener Schatten huschte über ihr Gesicht. Obfrau Tia blickte in die Runde. Die daraus entstehenden Folgen musste Sie nicht extra erwähnen. Der Zusammenbruch der Zivilisation. Es zeigte sich einmal mehr, dass die Wissenschaft todbringender war als ein Krieg. „Einzig die Menschen, Gvaner und beidseitigen Mischlingskinder zeigten sich Immun gegen die Krankheit. Alle Versuche ein Heilmittel zu finden oder den Krankheitsverlauf hinaus zu zögern scheiterten. Die Völker starben.“ Die Schwere in ihrer Stimme war nicht zu überhören.
Das Ende einer Sternenzivilisation.
Ausgelöscht durch eine unheilbare Krankheit.
Alle am Tisch waren sichtlich erschüttert.
Betroffenes Schweigen setzte ein, dehnte sich aus.
Bis jemand aus der Runde seine Stimme wiederfand.
EO David lehnte sich nach vorne. „Die Sieben Kolonien setzen sich also aus den Überlebenden der Orion zusammen?“ Halb Feststellung, halb Frage. Basierend auf dem was ihnen die Obfrau erzählte.
Tia blieb geduldig. „Ja.“ Eine erwartete Antwort. „Ratsfrau Saria gewährte den Überlebenden Zuflucht.“ Ein kurzer Blick zu Lucio. Er schaute erleichtert auf. Schließlich hatte er Hazàrd und Co weggeschickt, um Sie in Sicherheit zu wissen. „Sie forschten basierend auf dem medizinischen Wissen der Union an einem Heilmittel.“ Ohne Erfolg. „Man suchte nach dem Zusammenbruch des Sternenbundes weiter.“ Bis es niemanden mehr gab, den man heilen konnte. „Die nachfolgenden Generationen besiedelten die einstigen Kernwelten des Sternenbundes. Nutzten das zurückgelassene Wissen, schufen eine neue Gesellschaft und Zivilisation.“ Wie Phoenix aus der Asche erhoben sich die 7 Kolonien aus dem Erbe des Sternenbundes in die Lüfte. Der Geschichte der Siedler und Überlebenden von Alpha Centauri nicht unähnlich. Wie Greenberg und Co gründeten sie eine neue Heimat. Ohne dabei zu vergessen woher Sie kamen. Oder wer der Feind und eine Bedrohung für die neue und alte Heimat war.
Die Gmah.
Zumindest glaubten Sie es.
Die Wahrheit war eine andere.

***

Obfrau Tia saß mit geschlossenen Augen zusammen gesunken in ihrem Sessel. Mit der Anwesenheit von Captain Lucio an Bord der VF Dakar hatte Sie nicht gerechnet. Wie auch!!
Immerhin ging man davon aus das er 7000 Jahre in der Vergangenheit strandete und starb. Dem war nicht so. Im Endeffekt spielte es keine Rolle. Die Gegebenheiten waren nun mal so wie sie waren. Daran ließ sich nichts mehr ändern.
Mit einem seufzen öffnete Sie die Augen, schaute zum Schaukasten. Worin sich unter dem Glas einer der Planeten der Sieben Kolonien befand. Ihre Augen nahmen einen sehnsüchtigen Glanz an. Die Unterlippe zitterte. Ihre Hände krallten sich in die gepolsterte Lehne. Mit der Heftigkeit ihrer Reaktion hatte Tia nicht gerechnet. Sie amtete mehrmals tief ein, hielt schließlich die Luft an und mühte sich um Entspannung.
Sie durfte sich von ihren Empfindungen nicht übermannen lassen.
Auch wenn Tia bei dem Gespräch nicht den Eindruck vermittelte, war die Obfrau doch froh auf das Großkampfschiff der Vereinten Flotte gestoßen zu sein. Ein Hoffnungsschimmer am entfernten Horizont. Ein Lichtpunkt inmitten der facettenreichen Dunkelheit und den umher wappenden Schatten.
Eine Chance.
Die Tia sich nicht nehmen lassen wollte.
Ja. Sie hatte den Frauen und Männern an Bord der VF Dakar wichtige Fakten verschwiegen. Zum einen wegen der Anwesenheit von Mr Lucio, zum anderen wartete Sie auf den geeigneten Zeitpunkt. Andererseits gab es dafür kaum einen. Eine Erkenntnis die es ihr eigentlich hätte leichter machen müssen.
Wieder sah Sie zu der detaillierten Gipsnachbildung des Planeten, den Tia als ihre Heimat bezeichnete. Dort war die Obfrau geboren und aufgewachsen. Diesmal hatte Sie ihre Emotionen im Griff, als die Welle gegen die imaginäre Küste ihres Seins prallte.
Auf dem ausgefahrenen Flachbildschirm ihre Schreibtischs erschien infolge einer Tonmelodie ein Fenster. Eingehende Datenströme wurden angezeigt, die ihre Aufmerksamkeit erforderten. Die Sehnsucht schwand aus ihren Augen, ihrem Gesicht, Geist und Bewusstsein.
Eine flinke Eingabe folgte.
Woraufhin ein neuer Datenstrom abgespielt wurde, der Sie sich zurücklehnen ließ. Tia tippte gedankenvoll mit den Daumen gegeneinander. Ein Tick, den ihr Vorfahr Hazàrd sich aneignete, als er herauszufinden versuchte was mit der VF Orion und ihrem Captain geschah. Den er allem Anschein nach über die Generationen hinaus vererbte.

***

Da die Kräfte der Kolonien bzw der Obfrau keine Anstalten machten den Klonen in jedweder Art zu helfen, übertrug Sofia die Aufgabe an ZO Sènà. Sie sollte einen entsprechenden Aktionsplan ausarbeiten. Bei den nächsten Gesprächen wollte Sie versuchen die Obfrau dazu zu bewegen ihnen dabei zu helfen. Die Klone waren Unschuldige zwischen den Fronten. Potenzielle Verbündete, sagte ihr strategischer Verstand. Die Warnung im Hintergrund, dass es sich bei den Klonen auch um Wölfe im Schafspelz handeln konnte, fand kein Gehör. Jetzt brauchten die Klone ihre Hilfe. Was wenn diese nicht mehr nötig war!!
Noch etwas anderes beschäftigte Sofia.
Der Sternenbund existierte nicht mehr. Deren Platz hatten die Sieben Kolonien eingenommen. Ihre Aufgabe war es den Sternenbund als Verbündete zu gewinnen. Dies war nicht mehr möglich. Hingegen bei den Kräften der Sieben Kolonien schon. Trotzdem spürte Sie in ihren Tiefen ein zögern. Vorbehalte gegenüber der Obfrau, obgleich Sie die einzige kampfstarke Verbündete auf dieser Seite des Silaa-Wurmlochs darstellte. Die Nächsten, die dem Nahe kamen, waren die Alt-Gvaner. Auch wenn Sie über keine Flotte verfügten. Ganz zu schweigen von der Überzeugungsarbeit und dem enthüllen der Machenschaften der Elite.
All das brauchte Zeit. Zeit, die Sie nicht hatten. Sobald den Gmah Vasallen in diesem Teil der Galaxie klar war, dass das Wurmloch Durchflugtüchtig war, würden Sie alle Kräfte zusammenziehen. Ihren Marsch konnten die Alliierten nur mit einer entsprechenden Gegenflotte verhindern. Was nicht unbemerkt blieb. Auf Dauer konnte es sich weder die Alliierten noch die einzelnen Sternennationen leisten einen Zwei-Fronten-Krieg zu führen. Die Gmah, deren Verbündeten und Vasallen aller Wahrscheinlichkeit auch nicht, aber ihre Ausgangssituation war besser.
Somit erschien es nur logisch und richtig die Kräfte der Sieben Kolonien als Verbündete zu gewinnen.
Dennoch nagten an ihr Zweifel. Mikroskopisch klein zwar, aber Sie waren zuvor winzig gewesen. Je länger Sofia darüber nachdachte, umso mehr wuchsen sie. Wodurch ein Verdacht entstand, den Sie irgendwann nicht mehr ignorieren und leugnen konnte. Dann konnte es zu spät sein. Andererseits konnte Sie sich nicht vorstellen weshalb es mit den Sieben Kolonien soweit kommen sollte. Vielleicht interpretierte Sie auch nur zu viel hinein.
RING! DING! DONG!
Mit dem Ertönen der Klingel ihrer Quartiertür schob Sofia ihre Überlegungen beiseite. Ein Blick auf die Wanduhr ließ Sie hingegen verwundert die Augenbrauen heben. Es war recht spät. Um genau zu sein mitten in der Nacht. Der Standardzeit nach, die auf allen Unioner Raumschiffen herrschte.
„Wer ist da?“ Sie stellte die Tasse mit dem lauwarmen Kakao auf den Couch-Glastisch. Bei allem, worüber sich Sofia den Kopf zerbrach, hatte Sie jegliches Zeitgefühl verloren. Auf dem Glastisch lagen Pads, deren Inhalt Sie gedachte zu lesen. Ein notwendiges Übel für jemanden mit einem Raumkommando.
„Lucio.“ Ein kurzes Schweigen. „Captain.“ Schwang Unsicherheit in seiner Stimme mit. „Ich müsste Sie sprechen.“
Mit einer Eingabe in das holografische Bedienfeld im Glastisch schaltete Sofia das Übertragungsbild der Überwachungskamera der Quartiertür auf den Wandschirm, wo zuvor ein Aquarium-Bildschirmschoner zusehen war.
Tatsächlich stand Captain Lucio vor ihrem Quartier, wirkte gefasst und keinesfalls unsicher. Dass der Mann Sie aufsuchte, bedeutete das es sich um eine wichtige Angelegenheit handelte. Eine Schiffsinterne konnte Sofia demnach ausschließen. Auch wenn ihn nahezu jeder mit Captain ansprach, besaß er an Bord der VF Dakar keinen militärischen Rang, sondern war Zivilist. Er sollte ihnen helfen einen Draht zum Sternenbund zu bekommen, um Sie als Verbündete zu gewinnen. Mit dem Verschwinden des Sternenbundes hatte der Mann seinen Nutzen nicht verloren. Im Gegenteil. Ihm fiel jetzt sogar eine gewichtigere Rolle zu.
„Kommen Sie rein.“ Über eine Eingabe hob Sofia die Türsperre auf.
Lucio trat zögerlich über die Schwelle.
Per Geste bat Sie ihn Platz zu nehmen. „Bitte.“ Das Captain lag ihr auf der Zunge. „Setzen Sie sich.“ Trotz der ungewöhnlichen Besuchszeit wahrte die Mischlingsfrau die Umgangsformen abseits der Uniform. „Möchten Sie etwas trinken?“
„Einen alt-irischen Single Malt.“
Sofia ging zum Getränkespender, gab den Wunsch an den Computer weiter, der den Single Malt produzierte. Sie reichte ihm das Glas, setzte sich in den Sessel und schob die Pads ein wenig zusammen. Woraufhin auf seinem Gesicht der Ansatz eines Schmunzeln erschien. Er kannte das Übel, das mit dem Raumkommando einherging. „Worum geht?“
Lucio stellte das Glas nach einem Schluck ab. „Um Obfrau Tia, Captain.“, sagte er gerade heraus. Ein kurzer abwesender Blick folgte. „Ich glaube Sie verschweigt uns etwas.“ Sofia wurde hellhörig.
Ihr erging es genauso. Dass die Obfrau nicht alles frei offenlegte, verwunderte wiederum nicht. Alle Gemeinsamkeiten zum Trotz hatten beide Seiten eigene Interessen, die sich möglicherweise im stillen Kämmerlein überschnitten. „Wie kommen Sie darauf?“
Er schwieg einen Moment, schaute zum Glas Single Malt, nahm aber keinen Schluck. „Ich kannte Ihre Vorfahren Hazàrd und Rockwell.“, begann Lucio seine Erklärung. „Besser als ihnen vermutlich klar war.“ Die Erinnerungen an seine Freunde ließen ihn kurz pausieren. „Sie versuchten ihre Beziehung zu verheimlichen.“ Wofür es eigentlich keinen Grund gab. Das Flottenkommando sah Liebschaften zwischen Offizieren auf einem Schiff zwar nicht gerne, sanktionierte oder bestrafte Sie nicht. Beziehungen zwischen Offizieren und Mannschaftsmitgliedern wurden hingegen nicht geduldet. Zeitnahe Versetzungen von einem oder beiden war die Folge. Sofern Sie gemeldet wurden. Was in der Regel vom kommandieren Offizier gemacht werden musste. „Ich wusste es von Anfang an.“ Ihre Heimlichkeit und Scharade hatte ihn amüsiert. „Obfrau Tia hat ihre Wesenszüge.“, fuhr Lucio fort. „Daher weiß ich das Sie uns etwas verheimlicht.“, legte er unmissverständlich dar.
Sofia hatte sich also nicht getäuscht. Ihr erging es genauso. Auch ohne die gemeinsame Vergangenheit der Vorfahren. Bis hierher war es mehr ein Gefühl gewesen. Jetzt besaß die Kommandantin der VF Dakar Gewissheit. Dadurch stellte sich die Frage, was Obfrau Tia vor ihnen verheimlichte. „Das Gefühl hatte ich auch.“, bestätigte Sie ihm. Was ihren Gesprächspartner keineswegs überraschte. „Die Frage ist bloß“, meinte Sofia. „was Sie uns verheimlicht.“
Lucio stimmte ihr nickend zu.
______________________________________________________

ENDE
© by Alexander Döbber
 
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