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2 Seiten

No Name#1

Trauriges · Kurzgeschichten
Liebes Tagebuch,
heute Nacht hatte ich mal wieder einen dieser Träume: Ich liege auf meinem Bett und schalte das Licht an. Als ich auf den Boden schaue fange ich an zu schreien. Neben dem Bett ist eine riesige Blutpfütze. Plötzlich ist alles dunkel und ich wache auf. Ich hasse diese Träume. Warum hört das nicht endlich auf!
*
Diese Träume hatte ich ständig seit mein Zwillingsbruder Nate vor 2 Wochen fast bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Ich stellte mir immerwieder vor wie es wäre wenn er nicht überlebt hätte, wenn er ganz plötzlich weg wäre und niemals wieder kommen würde. Tränen stiegen mir in die Augen und fingen an mir über die Wangen zu laufen. Ich weinte oft aber ich konnte es niemandem zeigen, vorallem Nate durfte es nicht mitbekommen. Er hatte es schwer genug, jetzt wo er an einen Rollstuhl gefesselt war. Die Ärtzte meinten es würde ein minimale Chance bestehen das er je wieder laufen könnte. Zum Glück hatte es nur seine Beine erwischt. Der Fahrer des Wagens hatte nicht überlebt. Es war Nates bester Freund Brandon. Brandon konnte nix für den Unfall, es war nicht seine Schuld. Ein Geisterfahrer hatte sie nachts erwischt, dieses Arschloch. Er hatte natürlich überlebt. Nate hatte einen riesigen Schock erlitten und war seit dem Unfall total komisch. Er aß fast nixmehr und er war sehr dünn geworden. Ich machte mir große Sorgen um ihn. Er war sowieso schon so schwach und sein Gesicht war blass. Er hatte immer den selben Gesichtsausdruck was mir solangsam richtig angst machte. Ich wollte ihm helfen aber ich wusste nicht wie. Was sollte ich auch machen. Ich meine wie wäre ich wenn ich meine beste Freundin verloren hätte und zudem auch fast selber ums Leben gekommen wäre. Die Tränen liefen mir immermehr durch mein Gesicht und ich wusste nicht was ich dagegen tun sollte, es geschah einfach. Plötzlich hörte ich im Flur etwas. Ich wischte mir schnell meine Tränen aus dem Gesicht als Nate meine Tür öffnete.
'Alison, kommst du wir wollen fahren.'
Ich nickte. Er sagte das mit solch einem leeren Blick, er hatte mich nie Alison genannt. Seit dem Unfall war unser Verhältnis nicht mehr so wie es mal war. Früher waren wir ein Herz und eine Seele. Wir hatten den meisten Spaß miteinander und ich konnte ihm alles erzählen. Seit dem Unfall redete er mit fast niemandem mehr. Er zog sich in seinem Zimmer zurück und beachtete mich kaum. Ich vermisste ihn so sehr....
Jingizu am 29.10.2012: Natürlich kann ich ihn verstehen, aber das macht es nicht leichter für mich. Seine körperliche Verletzung war schlimm genug für unsere Familie gewesen, aber dass er sich scheinbar aufgegeben hatte, zehrt noch weit mehr an unseren Kräften. Ich kann mittlerweile nicht einmal mehr sagen, wer mehr unter diesem Unfall leidet. Nate oder unsere Mom.
Er lacht nicht mehr, schenkt mir oder Mom nicht einmal mehr ein Lächeln, um zu zeigen, dass er die allgemeine Sorge um ihn überhaupt zur Kenntnis nimmt. Es ist, als hätte dieser Unfall ihn doch aus unserem Leben herausgerissen und nur einen unscheinbaren, schweigsamen Schatten von Nate zurückgelassen, der mit jedem Tag mehr und mehr verschwand.
Wenn er doch wenigstens ab und zu wütend wäre. Brüllen, weinen oder die ungerechte Welt beschimpfen würde, dann gäbe es zumindest ein Lebenszeichen von ihm, aber ohne seine Beine, ohne seinen Sport war das Leben für Nate kein Leben mehr und er wollte sich wohl nicht mit dem Gedanken abfinden, dass es von nun an immer so sein konnte.
Schädigung des Rückenmarks in Höhe des… ich weiß nicht des wievielten Lendenwirbels. Der Arzt hatte es uns zwar lang und breit erklärt, aber ich hab ihm kaum zugehört. Ich hatte nur Augen für Nate gehabt, der mit ausdruckslosem Gesicht auf die beiden unnützen Fleischsäulen gestarrt hatte, auf denen er früher immer so gern durch den Park gejoggt war.
Keiner von uns weiß, warum mein Bruder in dieser Nacht mit Brandon unterwegs gewesen war. Es war doch sonst nicht seine Art, so spät herumzufahren, wenn er am nächsten Tag ein wichtiges Spiel hatte. Aber Brandon war tot und Nate redete nicht…
„Alison?“, verfolgt mich der ungewöhnlich fremde Klang seiner Stimme bis in meine Gedanken hinein.
„Ich komme.“, nicke ich ihm zu und bemühe mich dabei so fröhlich und unbeschwert wie nur irgendmöglich zu klingen.
 
Jolene Dilly am 24.05.2014: Als ich aufstand war er bereits von meiner Tür verschwunden. Er fuhr mit dem Rollstuhl veraus durch den breiten Flur des Hauses, in das wir nach dem Unfall gezogen waren-es hatte breite Flure, breite Türen und ein riesiges Bad mit so einem Sitz in der Dusche und einem Griff neben dem Klo, andem sich Nate aus seinem Rollstuhl hieven konnte. Und es hatte keine Treppen, das machte mich traurig, denn früher, wenn es der Abend vor einem wichtigen Spiel war, war er immer voller Enthusiasmus, voller Vorfreude und Angespanntheit, war er die Treppe zum ersten Stock, dort wo unsere Schlafzimmer und ein Bad lagen, hoch und runter gerannt.

Auf dem Weg zur Haustür kamen wir an alten Familienfotos, die aufgereiht an der Wnad hingen, an einer alten Uhr und an der Tür zum Badezimmer vorbei. Und an einer Vitrine, die voller Pokalen stand, Nate hatte sie allesamt gewonnen. Sie waren für den Sieg bei Schulfesten, bei Basketball, Football oder Baceball Spielen, bei Sportunieren und anderen Wettbewerben, die Nate nie wieder gewinnen würde. Einige Zeit lang hatte Dad versucht Nate dazu zu bringen einen anderen Sport zu machen, so ertwas wie Baskettball im Rollstuhl und alles mögliche andere, das sie aus der Welt der Gehenden in die der Menschen übersetzt hatten, die durch den grausamen Willen des Schicksals nicht mehr in jene Welt gehörten. Nate hatte es gehasst, jedenfalls glaube ich das, denn er sagte ja seit jenem Tag nie ob er etwas mochte oder nicht.

Die Tür stand offen, ich war die letzte die raus kam und schloss sie hinter mir, dann ging ich die Rampe hinunter, die von unserer Haustür zum Bürgersteig führte. Als ich am Auto ankam, war Nate gerade fertig damit sich selber auf die Rückbank unseres Wagens zu hieven. Wir würden einen neuen bekommen, einen der so war wie das Haus, wenn das Geld wieder reichte, denn die zuschüsse von der Versicherung konnten dafür nicht mehr herhalten.
Wohin wir fuhren? Es war eine Therapie, sie wollten dort Nate zurück ins Leben holen und die ganze Familie war anwesend und unterstützte ihn-und Nate nahm diese Unterstützung, sowie unsere Sorge wie immer nicht wahr, weil er ganz in seiner Zwischenwelt gefangen war, die weit jenseits von allem lag. Als wir im Auto saß und Mom in die Richtung des Therapiezentrums fuhr, das etwas weiter auserhalb lag, tat ich die ganze Zeit nichts weiter, als auf meine Hände zusehen. Mein Blick rutschte etwas weiter nach unten, auf meine Handgelenke, diese und meine Unterarme waren von kleinen, gewölbten hellen Narben überzogen. Ich tat es nicht mehr, schon lange, das letzte mal war vor drei Jahren gewesen, damals stimmte etwas mit mir nicht und es war schwer einen Sinn in allem zu finden-Nate ging es wohl nun nicht anders und ich verfluchte mich dafür, das ich einen kurzen Anflug von Verständnis verspürte. Damals hatte er mir geholfen darüber hinweg zu kommen und damit aufzuhören, nach seinem Unfall fürchtete ich für kurze Zeit anzufangen die selben WUnden bei ihm zu sehen. Doch es geschah nicht, Nate hatte zwar die Lust am Leben verloren, doch er hatte auch keine Angst davor-oder war es die fehlende Lust auf das sterben, dass ihn abhielt? Ich wusste es nicht.
 
Nina Günther am 28.06.2014: Ich wollte es auch nicht wissen! Ich wollte ihm nur helfen, so wie er mir, als ich damals mit dem Ritzen angefangen habe. Ich kann mich genau an diese schlimme Zeit erinnern! Es war mit 13Jahren, als ich viele meiner Freunde verloren habe und auch immer schlechter in der Schule wurde:
Meine erste große Liebe hatte mich damals wegen einer anderen verlassen, weil ich danach richtig down war ging ich einige Tage wegen „Bauchschmerzen“ nicht in die Schule. Meine Freundin hatte mir schon vorher erzählt, wie gut Ritze tut und, dass man auch jederzeit damit aufhören kann, wenn man will! Also habe ich es Versucht! Ich nahm die Klingen aus meinem Spitzer und fing an mich zu ritzen. Erst am Arm, dann auch am Bein und später dann noch an der Hüfte, die wunden wurde immer tiefer und ich musste sie verdecken! Am Arm durch viele Armbänder oder durch einen Pulli, am Bein durch eine lange Hose und an der Hüfte hat man es ja eh nicht gesehen… Als ich dann über meine „Deprizeit“ hinweggekommen bin, beschloss ich aufzuhören, aber ich schaffte es einfach nicht! Vielleicht mal 2Wochen oder so, aber mehr auch nicht…! Ich brauchte jemanden, der mir dabei hilft, und weil ich alle meine Freunde verloren habe, erzählte ich es Nate! Er meinte, dass ich wegen dieser Krankheit bin die Klink muss, denn sonst kann dir keiner helfen, nur du dir selbst und damit ich das schaffe bin ich in eine Klinik gegangen. In der Klinik habe ich Leute kennengelernt, denen es genauso geht wie mir und durch Kurse und durch die Betreuer dort konnte ich schon nach wenigen Monaten wieder erst 4-stündig, dann 5-stündig und schließlich auch schon wieder 6-stündig und somit ganz normal in die Schule gehen! Alles nur weil Nate mir geholfen hatte! Als ich dann endgültig aus der Klinik raus war, war er es, der noch ein Paar Wochen meine Hüfte, meine Beine und meine Arme kontrollierte. Ich bin froh, dass ich da endlich durch seine Hilfe raus gekommen bin. Die frage ist nur wie ich ihm jetzt helfen kann…
 
Wie soll es weitergehen? Diese Story kannst du selber weiterschreiben.
 
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Kommentare  

Mann ich bin ganz überrascht. Das ist ja ne richtig hübsche Story geworden. Na, MissUndercover 97da hast du dir ja einen tollen Weiterschreiber angelacht.

doska (30.10.2012)

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