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3 Seiten

Drei Jahreszeiten im Bilde vereint

Nachdenkliches · Kurzgeschichten
Wenn von grünen, sandgelben und rostroten Blättern beleibte Bäume wie Streichhölzer umknicken, hat Gott diesen eine zusätzliche Last aufgebürdet, eine Last, die die Schwächsten dieser Gewächse nicht mehr tragen können. Doch freudig schimmernde Augen erwecken den Eindruck, als wären Sommer, Herbst und Winter schon ewig miteinander vereint wie ein glücklich sich liebendes Paar.
Doch der Schein trügt. All die Jahreszeiten, die Gott uns Menschen geschenkt hatte, damit wir das Glück des Daseins auf Erden in unsere Herzen tragen konnten, gerieten wenige Jahre nach deren Geburt schon aneinander. Diese bekriegten sich schon damals, heutzutage aber noch umso mehr, so wie Hund und Katze, wie Feuer und Wasser, oder - noch treffender gesagt - wie Himmel und Hölle dies immer wieder von Neuem tun.

An einem Sonnabend im Monat Oktober, der sich ganz allmählich seinem Ende neigt, wirft die gutaussehende brünette Iris, deren merklich nach außen getretene Adern ihr empfindsames Herz so laut wie lange nicht mehr um Hilfe schreien lassen, hektisch ihre schneeweiß bezogenes Bettdecke vom Hals.
Wiederholt ist dieser sehr gründlichen Frau, die aber dennoch des Öfteren zu Späßen aufgelegt war, von einem dieser zahllosen Träume, die viel zu lange, in schwarzen, einsamen Nächten, in ihrem Kopf - wie glühende Asche - gnadenlos schmorten, unsanft aus dem Schlafe gerissen worden.

Ihr Gatte, der fast ständig mit Bruder Alkohol in unheilvollem Bunde war, hatte sie ständig gequält, gepeinigt, sie gewaltsam zum Sex gezwungen, und vieles andere mehr mit ihr angestellt, obwohl sie sich von mal zu mal vor diesem, nach schrecklichem Fusel stinkenden, Typen, immer stärker ekelte. Seitdem hatten diese gruseligen Gestalten aus dem schwarzen Schlund der Hölle sich in ihre Traumbilder eingenistet, die sie meistens um ihren lang ersehnten friedlichen Schlaf gebracht haben.
Diesmal ist Iris deshalb aus ihrem Schlafe gerüttelt worden, weil einer von diesen unbezähmbaren Hammerhaien mit seinen messerscharfen Zähnen sie am Schlafittchen gepackt hat. Da hat sie sich wie immer auf ihr Bauchgefühl verlassen, das nichts anderes zulässt, als dieses ewige „Nein, Nein, Nein!“ und nochmals „Nein!“ oder dieses „Lass das sein!“, verzweifelt aus ihre Kehle zu stoßen.

Als ihre sanften meerblauen Augen die nicht mal einen Steinwurf vom Fenster entfernt thronenden Bäume treffen, legt sich ihre Aufregung plötzlich, zumal dieser merkwürdige Blick Iris in helle Begeisterung versetzt hat, eine Begeisterung, die sie für all das entschädigt hat, was so alles, von diesen gefährlich anmutenden Viechern, in diesem schmutzigen Traum an ihr vorübergezogen ist.
Vor ihr baut sich eine heile Welt auf, eine Welt voller Schönheit und Pracht. Bäume und Dächer tragen für diese Jahreszeit seltsame Kleider. Die bunten Blätter sind bepudert mit bezaubernd glitzernden Kristallen, die tief verschneiten Nadelbäume werfen jetzt schon einen echten Vorgeschmack auf das langsam näher rückende Weihnachtsfest voraus, und dennoch weist der Kalender immer noch korrekt auf den Monat Oktober hin...

Iris weiß natürlich nur allzu gut, dass dieses vor ihren Augen betörend schimmernde Wunder, das unserer Natur im Oktober dieses Jahres uns geschenkt hat, in Wahrheit gar kein natürliches Wunder ist, sondern eher die blanke Hölle – eine Hölle des Schreckens, aus der es unmöglich wäre, zu flüchten – eine Hölle, auf die die Menschheit unaufhaltsam entgegen rast, wenn nicht schleunigst etwas gegen den Raubbau an unserer Umwelt getan werde...

„Ach wie herrlich doch so eine Hölle sein kann!“ , stellt Iris mit Erstaunen fest, als sie in ihre eigene, geheimnisvolle Welt eintaucht. Da steckt natürlich eine gehörige Portion Ironie dahinter, eine Ironie, die Iris hilfreich sein kann, gilt es doch darum, die Erinnerungen an die Demütigungen ihres herzlosen Mannes, wenigstens vorübergehend, ein wenig aus ihrem Inneren zu verbannen

Aus einer Hölle kann man fliehen, was Iris in jener Phase ihres Lebens als sie sich von diesem geistlosen Tyrannen trennte, wenn auch erst nach einem langem zähen Ringen, eindrucksvoll bewiesen hat. Löst man sich von einem selbst auferlegten Bund mit der Hölle erst viel zu spät, rutscht man unwiderruflich in den Schlund dieser Hölle.
Eine in die Brüche gegangene Zweisamkeit lässt sich wiedergutmachen, indem man sich auf die Suche nach einem neuen Partner – beziehungsweise einer neuen Partnerin – begibt. Auf eine neue Erde können wir Menschen leider nicht flüchten. Denn Fakt ist eines:
Die Erde braucht uns Menschen nicht, aber wir Menschen brauchen diese Erde dringendst und sollten die Liebe zu diesem herrlichen Planeten tief in unseren Herzen verankern. Hurrikan Sandy, dieses furchteinflößende Monster, das durch New York und dessen Umland eine weite Spur der Verwüstung hinterlassen hat, sollten die Regierenden aller Länder als letzten Warnschuss deuten. Doch dahinter steckt leider wieder dieser verdammte Konjunktiv!


Anmerkung: Dieses Foto stammt vom 27. Oktober 2012.
 
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Kommentare  

Liebe Petra,
danke für die lieben Worte! Deine Einschätzung teile ich auch mit meiner. Trotz aller Unwägbarkeiten muss man versuchen, das beste daraus zu machen.
Einen wunderschönen besinnlichen Ersten Advent wünscht dir von Herzen Michael


Michael Brushwood (02.12.2012)

Da hast du wirklich recht, aber ich muss mich da Else anschließen. Machen wir das beste draus, wie deine Protagonistin.

Petra (01.12.2012)

Hallo Else,
vielen Dank für den netten Kommi! Beides wollte ich mit meiner kleinen Story auch bezwecken. Einerseits sollte diese vor Katastrophen warnen, andererseits auch Mut machen - sowohl im Kleinen als auch im Großen.
LG. Michael


Michael Brushwood (07.11.2012)

Iris macht es richtig, noch das beste aus allem machen, das ist die Devise. Wieder eine Story die Mut macht, auch wenn sie vor Katastrophen warnt.

Else08 (06.11.2012)

Hallo Dieter,
danke für den netten Kommi!
Diesen Vergleich mit dem Schicksal eines Menschen und dem Schicksal unserer Erde habe ich bewusst gewählt, weil beides doch irgendwie im Zusammenhang steht. Die große Zerstrittenheit unter uns Menschen generell macht es so schwer möglich, dass diese einschneidenden Probleme einer respektablen Lösung zugeführt werden können. Dieses fängt beim Kleinen an und setzt sich bis zu den oberen Ebenen hinauf fort.
LG. Michael


Michael Brushwood (04.11.2012)

Sehr gelungen. Dezent weist du auf die Katastrophen hin, die bereits unsere Erde heimsuchen und auf das Schicksal eines kleinen Menschens mit dem sich gut identifizieren kann.

Dieter Halle (31.10.2012)

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