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2 Seiten

Damals 5. Kapitel

Romane/Serien · Erinnerungen
© axel
August versprach Marlene künftig nicht mehr zu trinken, nicht mehr in die Kneipe zu gehen, weil er einfach begeistert von seiner kleinen Tochter war. Er nannte das Kind zärtlich mein kleines Mädchen, mein Engelchen oder Goldspätzchen und er konnte sie kaum aus den Armen lassen, sodass Marlene ihre eigene Tochter bald als Konkurrenz betrachtete.
Es war auch so, dass August in der kleinen Erna endlich jene ideale Frau sah, von der er immer geträumt hatte und die sie in seinen Augen eines Tages sein würde. Er lobte ihre kräftige bäuerliche Figur, die Marlene viel zu unweiblich, weil nicht zart genug erschien und Ernas wachsenden Kampfgeist, den er in ihren oft zu Fäusten geballten Händchen zu sehen glaubte. Das erste Lächeln hatte die Kleine ihrem Papa geschenkt und es war auch das erste Wort, dass sie lernte. All seine Liebe, die er nicht Marlene zu vergeben vermochte packte er in dieses kleine Wesen hinein, dass ihm bald hinterher lief wie ein treuer Hund.
August hielt es tatsächlich durch, in dieser wichtigen Entwicklungszeit seines Kindes, keinen Alkohol zu trinken, vielleicht lag es auch ein klein wenig daran, dass seine große Liebe aus dem Wirtshaus inzwischen weggezogen war.
Drei Jahre lang hielt er das durch, dann zerstritten sich Marlene und er schon wieder. Owohl Marlene dem Sex nicht abgeneigt war und auf diesem Gebiet ihn oft glücklich zu machen verstand, gab doch sehr rasch ein Wort das andere, denn Marlenes Unzufriedenheit darüber, dass er kein Adeliger war, ließ sich selbst durch kleine Geschenke nicht beseitigen. Er konnte ihr ja auch nicht das Gleiche bieten, was sie von Hause aus gewohnt war. Es gab zum Beispiel keine Amme, die für Marlene das Kind stillte und so machte sie ihm allein schon deswegen Vorwürfe. Sie schrie ihn an, dass sie sich ihre schönen Brüste versauen würde mit dieser ganzen Stillerei und plante schließlich sogar der kleinen Erna die Flasche zu geben. Jedoch er beharrte darauf, dass sein Kind vernünftig ernährt würde, denn es gab zu diesen Zeiten keinen guten Ersatz.
Es gab kein Auflehnen, denn sonst schlug er zu, das wusste Marlene. Obwohl August noch immer die schönsten Geschichten zu erzählen verstand, war er nicht in der Lage ruhig und vernünftig mit Marlene zu reden und sie war dazu auch nicht fähig. Schlagen war außerdem üblich. Man diskutierte nicht mit einer Frau. Man belächelte sie höchstens. Und so schlug er nach seiner Meinung sehr berechtigt und schnell zu, denn seine Frau wurde ihm sehr oft frech. Man lästerte bereits über ihn und er hatte Angst sich nicht einmal gegen eine Frau durchsetzen zu können.
In letzter Zeit schlug er sie immer häufiger, da er schon längst wieder trank. Schließlich verschwand er für viele Stunden wieder in der Kneipe und spielte dort mit seinen treuen Freunden. Doch die waren ganz und gar nicht treu und nahmen ihn aus wie eine Weihnachtsgans, immer wenn er volltrunken war und dennoch weiterspielte. Er mochte dies nicht glauben. Nicht etwa aus Dummheit, sondern weil er sich schon immer ungeliebt gefühlt hatte. Gab es denn niemanden auf der Welt, der ihn wirklich lieb hatte? Sein Vater hatte ihm nie seine Liebe zeigen können und seine Mutter war sehr vornehm und hatte stets nur versucht seine Hektik mit übertriegener Hingabe auszugleichen, aber echte Zuwendung war von beiden nie herüber gekommen.
Nun war sein Vater verstorben und seine Mutter dement und er hatte sie in ein Altersheim bringen müssen. Seine Frau fühlte sich bei ihm unglücklich. Sie schimpfte ihn täglich aus und … er fand plötzlich immer mehr Gründe sich wieder seiner Spielsucht hinzugeben und verlor gegen seine Freunde immer wieder. Schließlich hatte er kein Geld mehr und begann um Haus und Hof zu spielen. Er verlor zunächst nur die eine oder andere Wiese, doch schließlich einige Streifen wertvolles Ackerland. Wenn er nach Hause kam, war er von sich selbst zutiefst enttäuscht. Warum spielte er nur so schlecht, konnte er sich den Besitz nicht mehr zurück holen? In seinem Zorn schlug er auf sich selbst ein und ließ sogar seine kleine Tochter nicht mehr an sich heran. Marlene weinte sich jeden Abend in den Schlaf und die kleine Erna wischte mit ihren Händchen sehr nachdenklich die Tränen ihrer Mutter weg. Was war nur mit dem Papa und der Mama immer wieder los?

Fortsetzung folgt:
 
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