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9 Seiten

Mortal Sin Herbst 2007- Crazy, Tattooed, Love

Romane/Serien · Spannendes
© JoHo24
Wir sind alle zu lebenslänglicher Einzelhaft in unserer Haut verurteilt.
- Tennessee Williams


Seine Ohren waren wie betäubt. Das monotone Summen klang wie ein aggressiver Bienenschwarm, der um ihn herumschwirrte und kurz davor stand ihn anzugreifen; hunderte, schmerzhafte Stiche durch seine Haut, die ihn töten würden.
Für andere Menschen ein beängstigender Gedanke, für ihn allerdings nichts Neues, denn nach
sechs Tattoos war er dieses Geräusch mittlerweile gewöhnt, man könnte sagen, er habe es sogar lieb gewonnen. Ebenso den permanenten, dumpfen Schmerz, der seinen Oberkörper fest im Griff hatte.
Michael Suffert schloss die Augen und genoss die Herrlichkeit der körperlichen Qual, nach der er süchtig war. Ja, er liebte es seine Grenzen auszutesten, sich herauszufordern und das Adrenalin zu spüren, das durch seine Adern rauschte und ihn aufputschte. Es war immerhin das Gefühl, wenn er tötete und dies konnte nichts und niemand übertreffen. Na ja, einen Menschen gab es, der für ihn genauso wichtig war, wie seine blutrünstige Tätigkeit. Vor seinem inneren Auge tauchte seine Kollegin Ophelia Monroe in ihrer ganzen Perfektion auf. Mit ihrer überwältigenden Schönheit raubte sie ihm den Atem und Verstand, was aus dem gnadenlosen Killer regelmäßig einen verunsicherten, kleinen Jungen machte.
War sie in seiner Nähe, dann erkannte er sich selbst nicht wieder. Sein sonst so übergroßes Selbstvertrauen schrumpfte in sich zusammen, bis nur ein mickriger Haufen übrig blieb, auf den er nicht gerade stolz war. Er war nervös und bekam nichts mehr auf die Reihe. Leider ging das alles nicht unbemerkt an der Brünetten vorüber. Sie hatte die Fähigkeit in ihren Mitmenschen zu lesen, wie in einem offenen Buch. Vor ihr konnte man nichts verheimlichen, auch wenn man es wollte. Es schien, als durchleuchte sie ihren Gegenüber vollständig und dazu benötigte sie nur einen einzigen Blick. Sie erkannte die Wünsche, Ängste und Sehnsüchte und machte sich dieses Wissen zu Nutze, um überlegen zu sein.
Mickey zog also stets den Kürzeren und musste ihre Reaktion, in Form eines spöttischen Schmunzelns, über sich ergehen lassen, das ihn bis ins Mark traf. Der Rothaarige ertrug es einfach nicht, wenn sie ihn nicht ernst nahm und als lächerlich betrachtete. Er wollte unbedingt ihre Anerkennung, Aufmerksamkeit und ihren Respekt. Er wollte ihr beweisen, dass er bereit war alles für sie zu tun.
Sein neustes Tattoo war daher seiner frenetischen Liebe zu Ophelia gewidmet: Might, Sorrow, Oppression, Madness, so plakativ prangten ihrer beiden Initialen auf seinen Schlüsselbeinen, während dahinter einschlägige Worte standen, die seinen gewalttätigen Lifestyle beschrieben. Es sollte ihre Zusammengehörigkeit symbolisieren, derer er sich absolut sicher war. Sie war sein Schicksal. Sie war für ihn bestimmt und das würde er ihr auch beweisen, nicht nur mit diesem Tattoo. Mickey war entschlossen ihr seine lang gehegten Gefühle endlich zu offenbaren. Ja, er war bereit ihr mutig entgegenzutreten und ehrlich zu ihr zu sein.
„Ich bin fertig, Mickey.“ Die barsche Stimme seines Stammtätowierers Tommy Sykes ließ ihn die Augen öffnen und an sich heruntersehen. Sein Brustkorb war gerötet und leicht angeschwollen, aber das registrierte er bloß am Rande. Ihn interessierte das Ergebnis der stundenlangen Arbeit und dies war genau nach seinem Geschmack.
„Und?“, fragte Tommy nach, obwohl er seine Begeisterung deutlich an seinen glänzenden Augen und dem schiefen Grinsen erkennen konnte.
„Es ist einfach geil, Mann!“, platzte es laut aus ihm heraus, bevor er von der Liege aufsprang und zum Ganzkörperspiegel auf der anderen Seite des langgezogenen Raumes hechtete. Der Killer betrachtete eingehend das Kunstwerk auf seiner Haut. Es war perfekt. Haargenau so hatte er es sich vorgestellt. Ophelia wird große Augen aufmachen, wenn sie das Tattoo sieht. Es wird ihr nichts anderes übrig bleiben, als sich in meine Arme zu werfen und mich anzubeten…
„Verdammt gute Arbeit, Tommy“, lobte er den Tätowierer anerkennend und klopfte ihm auf die massige Schulter. „Du bist und bleibst einfach der Beste.“
„Und du bleibst mein bester Kunde“, kommentierte er zwinkernd mit einer ordentlichen Portion Gier in den Augen. Tommy war offenkundig scharf auf Mickeys Geld, was er nur zu gerne bei ihm ließ. Dies bewiesen seine Tattoos, die er sich die letzten Jahre geleistet hatte und über seinen ganzen Körper verteilten. Tja, wenn man einmal damit angefangen hatte, konnte man nicht mehr aufhören.
„Was schulde ich dir?“, wollte der Rothaarige nebensächlich wissen, während er noch immer nicht den Blick von seinem Spiegelbild lassen konnte.
„350 Dollar, aber nur, weil du es bist“, betonte er, was Mickey spöttisch glucksen ließ.
„Danke, aber du weißt genau, dass du jedes Mal ein nettes Trinkgeld von mir bekommst. Also spiel nicht den Wohltäter.“ Seine grünen Augen lösten sich endlich vom Spiegel und wanderten zu Tommy, der ein Berg von einem Mann war: fast zwei Meter groß, mit muskulösen, breiten Schultern und kaum einer Stelle, die nicht an ihm tätowiert war. Selbst sein kahl rasierter Schädel bildete da keine Ausnahme.
„Wir wissen beide, wie es läuft.“ Seinen trockenen Kommentar unterstrich er mit einer ernsten Miene, die verdeutlichte, dass in Punkto Geld nicht mit ihm nicht zu spaßen war. Mickey entgegnete nichts, stattdessen schnappte er sich sein Hawaiihemd und schlüpfte hinein.
„Hey, ich muss dir noch die Folie draufkleben, Mann. Du bist doch nicht das erste Mal hier!“ Sein harscher Ton missfiel dem Killer, was er gleich mit einem aggressiven Schnauben deutlich machte. Überreizt zog er sich das Hemd wieder vom Oberkörper und schmiss es auf den grauen Linoleumboden.
„Reg dich ab, okay?“, versuchte er ihn zu beruhigen, aber das zog bei ihm nicht.
„Halt dein Maul und kleb die scheiß Folie drauf!“ Eben war Mickey Suffert noch ausgelassen und glücklich wegen seines Tattoos gewesen, nun war er rasend vor Wut. So kannte er sich und seinen unkontrollierbaren Charakter, der hochexplosiv war wie ein feuerspuckender Vulkan. Innerhalb weniger Sekunden konnte seine Stimmung extrem umschwenken und gefährlich für seine Mitmenschen werden. Selbst für die, die ihm eigentlich sympathisch waren, so, wie Tommy.
Dieser murmelte etwas Unwirsches vor sich hin, indes bedeckte er Mickeys empfindliche Haut mit Folie, um sie vor äußeren, schädlichen Einflüssen zu schützen. Kein einziges Wort wurde zwischen ihnen gesprochen; kein Blickkontakt entstand. Als der Tätowierer seine Arbeit beendet hatte, zog er sich an, klatschte einen 500 Dollarschein auf die Theke und verschwand aus dem Tattoostudio.

Obwohl es Herbst war, trug er keine Jacke oder andere Kleidung, die ihn vor dem nasskalten Wetter schützte. Bloß mit Jeans und kurzärmeligen Hawaiihemd bekleidet, ging er zielstrebig an der langen Schlange an Menschen vorbei, die sich vor dem Club gebildet hatte. Es war ein gewohnter Anblick, schließlich war das 38° jeden Abend brechend voll. Er hatte jedoch, wie die übrigen Killer, das Glück den Besitzer Gregory Martinelli sehr gut zu kennen. Daher hatte er es nicht nötig in der Kälte anzustehen, sondern konnte locker an dem Türsteher vorbeigehen und den beliebten Club betreten.
Der Ire traf auf eine Wand aus schwüler Hitze, die ihm den Schweiß auf die Stirn trieb. Er spürte, wie ihm die Röte ins Gesicht stieg und der dünne Stoff seines Hemdes an seiner Haut zu kleben begann. Er ließ sich davon nicht stören und steuerte die Treppe an, die in den Großraum führte und ihm den besten Überblick bot. Am Absatz blieb er stehen und ließ seine engstehenden grünen Augen über den übervollen Club schweifen.
Mickey Suffert suchte die Frau seines Herzens. Die Frau, die er so sehr begehrte, dass es schon weh tat. Er wusste ziemlich sicher, dass sie hier war, da sie sich seit mehreren Monaten beinahe jede Nacht im 38° herumtrieb. Ich muss sie finden. Ich muss mit ihr reden. Ich muss ihr zeigen, was sie mir bedeutet.
Ungeduld überkam ihn, je länger er damit zubrachte den Club nach ihr abzusuchen. Frust machte sich in ihm breit, doch dann…
Ophelia Monroe tauchte an der beleuchteten Bar am Ende des Raumes auf, was ihn seinen Atem anhalten ließ und sein Herz zum Stehen brachte. Oh ja, sie war es unverkennbar. Es gab nur diese eine Frau, die solche Reaktionen seines Körpers hervorrief. Der Killer verlor keine Zeit. So schnell, wie ihn seine Beine tragen konnten, hastete er die Treppe herunter und drängte sich, ohne Rücksicht auf Verluste, durch die tanzende, schwitzende Partymeute und näherte sich ihr.
Es war verdammt viel los, aber sie verlor er kein einziges Mal aus den Augen. Die Brünette war einfach ein absoluter Hingucker, dem man sich nicht entziehen konnte.
Heute trug sie ein Oberteil in einem auffallenden Cerise, das einer Korsage ähnelte und ihre schmalen Schultern mit schicken Federn zierte, was sie zu einem exotischen, seltenen Exemplar der Sorte Mensch machte, das man fasziniert im Zoo betrachtete.
Die pechschwarze Lederhose saß hauteng an ihren langen Beinen und dem Knackarsch, den sie hüfteschwingend und lasziv hin und her bewegte. Das lange, dunkle Haar schimmerte in den Lichtern der Scheinwerfer und blendete ihn. Gleich bin ich da. Gleich bin ich bei ihr.
Kurz vor seinem Ziel aber machte ausgerechnet Ophelia ihm einen Strich durch die Rechnung. Sie wandte sich von der Bar ab und verschwand in der Menge.
„Scheiße!“, rutschte es ihm laut und zornig heraus, ehe er erneut die Verfolgung aufnahm. Es war jedoch nicht schwer ihr auf der Spur zu bleiben, denn sie hielt ihren rechten Arm über den Kopf. In der Hand trug sie einen Martini, den sie auf dem Weg nicht verschütten wollte. Sogleich wurde seine eigene Kehle staubtrocken und sehnte sich ebenfalls nach Alkohol, doch zunächst war sein Anliegen an seine Kollegin wichtiger. Danach konnte er sich immer noch volllaufen lassen.
Mickey befeuchtete flüchtig seine dünnen, trockenen Lippen und schaute dabei zu, wie sie ihren Drink auf einen der Tische abstellte, die abseits der Tanzfläche angesiedelt waren, und sich auf denselbigen setzte, als sei er die Bühne für ihren Auftritt; für die große Ophelia Monroe-Show.
„Da bin ich wieder, Jungs. Habt ihr mich vermisst?“, fragte sie sexy lächelnd in die Runde und beugte ihren Oberkörper demonstrativ nach vorne, um ihr Dekolletè verführerisch ihren Verehren zu präsentieren, die sich um sie geschart hatten und sie sabbernd anhimmelten. Ihre erheiterte Miene fror allerdings ein, als sie ihn plötzlich unter den anderen Männern entdeckte.
„Was zur Hölle…“, erstarb der Rest des Satzes auf ihren vollen Lippen. Ihre blaugrünen Augen schossen wilde Blitze in seine Richtung, die Mickey Suffert hart schlucken ließen. Sein Selbstbewusstsein wusste bereits, was es jetzt zu tun hatte und verkroch sich automatisch in den Tiefen seines Seins. Sogleich zweifelte er an seinem Entschluss hierher zu kommen, um mit ihr zu reden.
Bevor er sich noch weitere Vorwürfe machen konnte, stieg sie wutentbrannt vom Tisch, packte beharrlich sein rechtes Handgelenk und zerrte ihn ein paar Meter in eine ruhige, abgelegene Sitznische.
„Was machst du hier, Suffert?“, zischte sie bösartig und verengte die Augen zu Schlitzen. Im ersten Moment wusste Mickey nicht, was zu tun war. Ophelia brachte ihn durcheinander und störte ihn dabei einen klaren Gedanken zu fassen.
„Hey, ich habe dich was gefragt.“ Sie gab ihm eine saftige Ohrfeige, die ihn zurück ins Hier und Jetzt brachte.
„Ich habe dich gesucht“, brach es unbedacht aus ihm heraus.
„Und warum hast du mich gesucht? Hast du etwa nicht anderes zu tun oder was? Woher weißt du überhaupt, dass ich hier bin?“, prasselten ihre Fragen auf ihn ein, sodass er gar nicht die Möglichkeit hatte zu antworten.
„Hörst du, was ich…“
„Ja, ich höre, was du sagst, Ophelia“, stoppte er ihren übereiferten Redefluss, als er endlich wieder Herr über seine Emotionen war. „Du bist die letzte Zeit regelmäßig im 38° gewesen, darum wusste ich, dass ich dich hier finden würde, okay? Ich habe dich also nicht verfolgt oder sonst so einen Scheiß, wenn du mir das vorwerfen willst. Ich wollte nur mit dir reden, aber du keifst mich gleich an wie eine wild gewordene Furie.“
Sein zügelloses Temperament ging mit ihm durch und statt seiner Kollegin seine Zuneigung zu bezeugen, beleidigte er sie. Mickey Suffert stand wie festgefroren vor ihr und biss sich kräftig auf die Zunge. Unterdessen schnaubte Ophelia lautstark vor Wut und ballte die Hände zu Fäusten.
„Wer glaubst du, wer du bist, dass du so mit mir redest?!“, bellte sie ihn schroff an. Instinktiv wich er einen halben Meter zurück, um ihrer Wut genügend Platz zu geben.
„Hey, es war nicht so gemeint“, versuchte er sie mit erhobenen Händen zu beschwichtigen, was keinerlei Wirkung zeigte.
„Dann schalte zuerst dein Spatzenhirn ein, bevor du den Mund aufmachst, Suffert“, war ihr verletzender Kommentar, den Mickey über sich ergehen ließ. Er entschloss, sich in Schweigen zu hüllen und unterwürfig zu nicken, was gegen seine Natur war, doch diese Frau veränderte sie. Sie rief Facetten in ihm hervor, von dessen Existenz er nicht das Geringste ahnte. Der Killer wusste jedoch noch nicht, ob er dies gut oder schlecht finden sollte.
In der Zeit, in der er sich seine Gedanken machte, atmete Ophelia hörbar tief ein und aus, ehe sie ihn mit einem starken und intensiven Blick durchbohrte.
„Du willst also mit mir reden“, kam sie zu seiner Überraschung selbst auf sein Anliegen zurück. „Was ist so wichtig, dass du mich in meiner Freizeit damit belästigen musst?“
Der Ire zwang sein Selbstbewusstsein wieder hervorzukommen und ihn zu dem Mann zu machen, der er war. Ein Mann, der mutig und verschlagen war und wusste, was zu tun war.
„Es ist viel wichtiger, was ich dir zeigen will.“
Argwöhnisch zog die brünette Schönheit eine Augenbraue in die Höhe und kräuselte die Lippen.
„Ach wirklich? Jetzt willst du mir auch noch was zeigen. Deine Wunschliste wird ja immer länger, Suffert.“ Eisern verschränkte sie die Arme vor der Brust und schien nicht begeistert zu sein, sich mit ihm beschäftigen zu müssen.
„Komm zur Sache und zeig mir, was du zeigen willst.“ Ungeduldig warte sie darauf, dass er aktiv wurde. Bereitwillig knöpfte Mickey kurzerhand sein Hawaiihemd auf und legte somit den Blick auf seinen Oberkörper frei. Seine Kollegin wirkte zunächst irritiert und wusste nicht, wo sie hingucken sollte, aber dann weiteten sich vor Entsetzen ihre Augen und ihre Lippen wurden kalkweiß. Sie schien eins und eins zusammengezählt und verstanden zu haben, dass die tätowierten Buchstaben O und M für sie standen.
„Ist das dein Ernst?!“, kreischte sie wie von Sinnen und schlug mit der flachen rechten Hand auf sein frisch gestochenes Tattoo. Ein brennender Schmerz befiel die empfindliche Stelle, was ihn seine Zähne zusammenbeißen ließ.
„Was denkst du dir dabei? Du kannst doch nicht…“ Mickey ließ sie nicht ausreden, sondern packte sie roh an den Oberarmen und trat so nahe an sie heran, dass er ihre Atemzüge auf seiner Haut spüren konnte.
„Das ist mein Körper und ich entscheide, was ich mir tätowieren lasse“, raunte er gefährlich leise. „Ich entscheide, wen ich will. Ich entscheide, wen ich begehe und liebe.“ Jetzt war das Wort gefallen, das er sonst nie in den Mund nahm und Ophelia beinahe in Ohnmacht fielen ließ. Unter seinen Händen spürte er, wie ein Zittern sie überkam und zum Beben brachte.

Es sah aus, als müsse sie sich übergeben, was ihn innerlich fast ersticken ließ. Mickey hielt den Gedanken nicht aus, dass sie ihn verabscheute. Dabei hatte sie ihm schon einmal klar und deutlich gesagt, dass sie nicht an ihm interessiert war und er sie anekelte. Das war auch der Grund, warum er sich nicht gerne an ihr letztes Treffen im 38° erinnerte. Denn damals hatte Ophelia ihn niedergemacht und sein Ego stark angekratzt. Doch er wäre nicht Mickey Suffert, wenn er sich davon abschrecken ließe. Er war der festen Überzeugung sie umstimmen zu können. Oh ja, er würde seine Kollegin noch dazu bewegen sich ihm hinzugeben.
„Du…du…“ Sie musste sich erstmal sammeln, bevor sie einen vernünftigen Satz zustande bekam. „Du wirst sofort damit aufhören, egal, was auch immer das ist, was du meinst für mich zu empfinden“, ermahnte sie ihn streng. Er öffnete den Mund und wollte bereits widersprechen, doch sie sprach weiter, da sie ahnte, was er ihr sagen wollte.
„Und erzähl mir bloß nicht, dass du dir ja so sicher bist, dass du mich liebst. Wir beide haben nämlich keine Ahnung davon, was Liebe ist. Du hörst einzig und allein auf deinen Penis, Suffert, wie alle Männer. Trotzdem versuchst du mir weis zu machen, dass es dein Herz ist, was dir sagt, was du fühlst. Verdammt, ich habe es satt von Männern umgeben zu sein, die mich mit ihrem kitschigen Romantikgesülze überschütten und meinen, sie hätten ein Anrecht auf mich.“ Ihre Stimme war durchzogen von Bitterkeit und Unverständnis, aber das war zweitrangig. Für den Iren stellte sich nach dieser Aussage nämlich nur die Frage, wie viele Männer um ihre Aufmerksamkeit buhlten und demnach seine Konkurrenten waren.
Wie aufs Stichwort platzte in diesen Augenblick der Verunsicherung ein Typ mit hellblondem Haar, vermutlich einer derer, die Ophelia vorhin umzingelt hatten, was Mickey aus dem Konzept brachte. Perplex schaute er dabei zu, wie er ein schmierig-charmantes Lächeln aufsetzte und sich an seine Kollegin wandte.
„Möchtest du tanzen?“, fragte er sie und ignorierte dabei völlig seine Anwesenheit, als sei er zu unwichtig, um ihm Beachtung zu schenken. Seine Kollegin wirkte gelangweilt und nicht interessiert an seinem Angebot, aber der Typ kam gar nicht auf die Idee abzuziehen und sie wieder alleine zu lassen.
„Sie hat keinen Bock auf dich, Mann. Siehst du das nicht?“
„Ich sehe nur, dass sie von einem hässlichen Bastard angemacht wird.“
„Halt´s Maul und verpiss dich, Wichser!“, brüllte er Speichel spuckend. Dann stieß er ihn rücksichtslos und mit voller Wucht zu Boden. Hart kam der Blonde auf, sodass ihm die Luft aus den Lungen gepresst wurde und er bewegungslos liegen blieb. Daher dauerte es einige Sekunden, bis er sich gequält auf die Unterarme stützte und zu dem Rothaarigen aufschaute. In seinen Augen rangen Zorn und Angst um die Oberhand, was Mickey amüsierte und ihm ein Gefühl der Macht verlieh.
„War das nötig?“, wollte Ophelia entnervt wissen, konnte dabei aber ein schelmisches Schmunzeln nicht unterdrücken. Ihr gefielen ganz offensichtlich seine Aggression und Gewaltbereitschaft, die er demonstrierte.
„Ja, war es. Der Scheißkerl hat mich beleidigt“, maulte er zerknirscht. Zeitgleich beobachtete er, wie der Typ fluchtartig das Weite suchte und in der Menge verschwand. Was für ein Feigling!
„Und jetzt“, er machte einen großen Schritt und trat nah an sie heran, „stört uns niemand mehr.“ Mickey sog begierig ihren süßlichen Duft ein, der gepaart war mit der auffälligen Note von Nikotin.
„Ich bin nicht wie die anderen Männer, Ophelia. Ich werde dir alles geben, was du willst und noch viel mehr. Von mir wirst du nicht enttäuscht. Du kannst dich stets auf mich verlassen“, flüsterte er ihr voller Ehrlichkeit ins Ohr, ehe er sich dazu hinreißen ließ ihren Hals zu küssen. Oh Gott, was war das für ein Gefühl! Ihre weiche Haut unter seinen hungrigen Lippen brachte ihn zur Explosion. Mickey Suffert schwebte in anderen Sphären, zumindest so lange, bis sie ihn in die Realität zurückholte.
„Lass das!“ Abschätzig schnalzte sie mit der Zunge und drehte sich von ihm weg.
Sie entzog sich ihm, was er nicht akzeptieren wollte. Penetrant drängte er sich ihr physisch und psychisch auf, um ihr deutlich zu zeigen, dass er nicht aufgeben würde. Ein weiteres Mal packte er sie und zog ihren göttlichen Körper an sich, was er lustvoll genoss.
„Du weißt nicht, was dir entgeht, Ophelia Monroe“, wisperte er erregt. Ihre Reaktion darauf war für ihn wie ein gewaltiger Schlag in die Magengrube. Unübersehbar rang sie die aufkommende Übelkeit nieder, die sie überkam, als sie seinen heißen Atem auf ihrem Gesicht spürte und die Zweideutigkeit aus seinen Worten heraushörte. Das Blaugrün ihrer wunderschönen Augen verdunkelte sich.
„Du hast keine Vorstellung davon, wie sehr ich dich verachte. Alles an dir ekelt mich an“, würgte sie mühevoll hervor. „Ich habe keine Ahnung, wie oft ich dir das noch sagen muss, damit du es schnallst, Suffert.“
„Das kannst du mir hundertmal sagen, ich werde nicht locker lassen. Ich kämpfe um das, was mir wichtig ist“, erklärte er mit geschwellter Brust.
„Argh!“ Wütend kämpfte sie sich aus seinem Klammergriff und stieß ihn mit unvorstellbarer Kraft von sich. Mickey stolperte über seine eigenen Füße und landete, wie der blonde Typ zuvor, auf dem klebrigen und abgetretenen Boden. Überlegen stemmte Ophelia die Hände in die Hüften und reckte das Kinn in die Höhe.
„Ich habe keine Lust mit dir darüber zu diskutieren. Das Thema ist endgültig beendet. Das heißt, dass ich nie wieder etwas davon hören will. Nie mehr!“ Energisch warf sie sich das lange Haar hinter die Schulter, ehe sie davon schritt und ihn wie einen erbärmlichen Versager zurückließ.
 
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