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Die Couch

Spannendes · Kurzgeschichten
© Glaser
1.
„Wir schicken mal ein paar Leute vorbei. Die schauen sich Ihre Sachen an. Wann würde es Ihnen passen?“, fragte der Geschäftsführer der Entrümpelungsfirma.

„Wie wäre es mit morgen, am Dienstag?“, erwiderte Frau Dr. van den Gumppen.

„Um 13.00 Uhr haben wir noch einen Termin frei.“

„O.k., passt gut.“


2.
Pünktlich kamen zwei Mann. Sie musterte die beiden kurz.

„Wer von Ihnen hat das Sagen?“ fragte sie.

Der Kleinere deutete wortlos mit dem Finger auf den Größeren.

„Gut. Ich gehe mal voraus“, sagte sie. Es geht um diese Couch hier. Dann habe ich noch ein paar Sachen im Keller. Die Männer besichtigten die Möbel und machten sich Notizen.

„Das kann teuer werden, da müssen wir mindestens dreimal fahren“, sagte der Große.

„Macht nichts, das alte Zeug muss weg. Was glauben Sie, wann Sie kommen können?“, fragte sie.

„Das entscheidet der Chef. Vielleicht schon nächste Woche“, sagte der Große.

„Das wäre prima“, sage sie. „Möchten Sie noch kurz was trinken?“

„Gerne“, antworteten beide fast gleichzeitig.

„Darf ich mal Ihre Toilette benutzen?“, fragte der Große.

„Natürlich, vorne links die zweite Tür“, sagte sie.

Dann ging sie mit dem Kleineren in die Küche.

„Setzen Sie sich doch. Was darf es denn sein, einen Kaffee vielleicht?

„Ja, bitte.“

„Wie möchten Sie ihn? Mit Zucker und Milch?“

„Ganz schwarz!“

„Oh, Sie lieben es pur!“, sagte sie, lächelte fein und setzte sich zu ihm.

Jetzt kommt der Trick mit der Bluse, dachte sie und war leicht aufgeregt. Sie hatte sich gut vorbereitet. Durchsichtige Blusen sind in normalen Läden kaum noch zu haben, aber im Internet kann man ja fast alles kaufen. Wie zufällig öffnete sie kurz ihre Jacke und registrierte, wie der Möbelmann größere Pupillen bekam. Schnell schloss sie wieder ihre Jacke und holte ihm den Kaffee.

Wenn er jetzt den Löffel auf den Boden fallen lässt und ihn dann aufhebt, bevor sein Kollege kommt, hat er angebissen. Und genau so geschah es.

Als der Größere hereinkam, blickte sie der Kleinere verstohlen an, und sie erwiderte seinen Blick mit ihren schönen Augen, die sie für den Bruchteil einer Sekunde sehr weit öffnete.
Es läuft, dachte sie.

„Ich gebe Ihnen mal meine Telefonnummer, für alle Fälle“, sagte sie und gab jedem der beiden eine Visitenkarte.

Später rief der Chef der Entrümpelungsfirma an und machte den Termin für die Aktion fest, Donnerstag, 9.00 Uhr.

3.
Nach zwei Stunden klingelte wieder ihr Smartphone.

„Ich glaube, ich habe bei Ihnen was vergessen“, sagte die männliche Stimme.

„Ich habe auf deinen Anruf gewartet, sagte sie. „Du kannst gleich kommen.“

„Nichts lieber als das!“


4.
„Wie hast du es gemerkt?“ fragte sie ihn.

„Kunststück, das weißt du doch!“, murmelte er.

„Komm mit“, sagte sie und führte ihn ins Obergeschoss ihrer Villa.

„Ich stehe auf Fesselspiele“, sagte sie mit weicher Stimme. „Du fängst an, und nachher tauschen wir die Rollen.“

„So schnell?“, meinte er etwas ungläubig. Dann holte sie Handschellen aus dem Nachttisch und ließ sie sich von ihm anlegen.

Nach einer Weile sagte sie: „Jetzt ich. Dabei hatte sie so einen fordernden Ton in der Stimme. Und er fügte sich bereitwillig.

Nach getaner Arbeit ließ sie ihn liegen, verschwand kurz im Nebenzimmer und kam mit einer Spritze wieder.

„Du wirst nicht viel spüren, es geht auch ganz schnell“, sagte sie. Ihre Stimme war jetzt hart und klang böse.

„Bitte nicht“, winselte er. „Was habe ich dir denn getan?“

„Kannst dir das nicht denken? Du hast meine Schwester ermordet. Du hattest ein besoffenes Glück, dass der Gutachter und das Gericht dir verminderte Schuldfähigkeit zugesprochen haben. Und schon nach kurzer Zeit bist die Freigänger geworden. Noch ein paar Jährchen, und dann wärst du wieder ein freier Mann. Du glaubst doch nicht, dass ich da einfach weiter zusehe.“

„Wie hast du mich eigentlich gefunden?“, fragte er.

„Nichts leichter als das. Es gibt ja eine ehrenamtliche Gefangenenbetreuer. In diesem Kreisen spricht sich schnell herum, wo du arbeitest.“

Der Rest des Jobs war schnell erledigt. In den Arm spritzen, warten, bis der Tod eintritt, die Leiche ins Unterschoss schleppen, die Couch aufschlitzen, die Leiche hineinbugsieren und fertig ist der Lack, wie ihr Vater immer sagte.

Dann ging sie zur Spätvorstellung ins Kino.


5.
Justizoberwachtmeister Heinz Wurmansek war ein sehr sorgfältiger Mann. Er hatte Wachdienst im Eingangsbereich der Justizvollzugsanstalt. Es war schon 19.00 Uhr, Limit für die Freigänger, aber Björn Kasumpke war noch nicht da.

Wurmansek machte sofort Meldung und versuchte, noch jemanden bei der Möbelfirma zu erreichen, bei der Kasumpke beschäftigt war. Es ging niemand ans Telefon. Der Diensthabende entschied zu veranlassen, dass Kasumpke zur Fahndung ausgeschrieben wird.

6.
Am Donnerstag, 9.00 Uhr, kamen zwei Leute der Entrümpelungsfirma zu Frau Dr. van den Gumppen.

Der Ältere war schon am Dienstag in der Villa gewesen.

„Wir fangen im Keller an“, sagte er. „Die Couch kommt am Schluss dran.“

Bei der dritten Fuhre nahmen dann auch die Couch mit.

„Noch ein Bier gefällig?“, fragte Frau Dr. van den Gumppen.

„Nein, danke, nicht bei der Arbeit.“

„Dann nehmen Sie wenigstens ein Trinkgeld.“ Sie drückte jedem zwei Zwanziger in die Hand.

„Danke, danke, sehr spendabel, gnä' Frau“, sagte der Ältere.

„Bis zum nächsten Mal!“, sagte der andere.

7.
„So eine tolle Couch, die ist doch zu schade zum Entsorgen. Ich könnte so was gut brauchen, wir richten uns ja gerade einen neuen Hausstand ein“, sagte der Jüngere.

„Alles klar, wir machen einen kleinen Abstecher zu dir“, sagte der Ältere.

Dann brachten sie die Couch zur Wohnung des Jüngeren und fuhren dann zur Deponie und gaben die anderen Möbel dort ab.

8.
Als der Jüngere am Abend nach Hause kam, sah er seine Frau völlig aufgelöst in der Wohnung herumlaufen.

„Was hast du denn da mitgebracht? Sieh dir das mal an!“, sagte sie.
Es hatte sich eine Naht der Couch gelöst und eine Hand war zum Vorschein gekommen.

„Um Himmels willen, bloß weg damit!“, flüsterte er und rief seinen Kollegen an. Zusammen holten sie die Couch ab und stellten sie auf einem Autobahnparkplatz ab.

9.
Zwei Leute vom Reinigungsdienst fanden die Couch am Freitag, inspizierten sie und informierten die Polizei.

Schnell kam sie auf die Spur von Frau Dr. van den Gumppen. Und es kam, wie es kommen musste.
 
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Kommentare  

Lieber Daniel, vielen Dank für Dein Feedback. Mit Deinem
Gefühl hast Du absolut recht:
Die Polizei kam auf ihre Spur, und dann kam es, wie es
kommen musste ...
Gruß Glaser


Glaser (12.09.2019)

Schöne Idee und textlich gut umgesetzt. Aber ich bin mir immer noch nicht so richtig einig, ob sie hätte davon kommen sollen...
Gruß Daniel


Daniel Freedom (12.09.2019)

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