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Hunde überhaupt - und in Zeiten des Virus

Nachdenkliches · Kurzgeschichten
Ich bin ja eher ein Katzenmensch, natürlich mag ich auch Hunde, kenne mich aber schlecht aus mit diesen Tierchen und habe einen Heidenrespekt auch vor den kleinsten, denn auch die kleinsten mögen mich nicht. Das vermute ich mal so.

Zum Beispiel als ich vor Jahren in einer Kneipe saß und neben mir ein Tippelbruder (Nichtsesshafter) Platz nahm mit seinem Dackel. Ich wollte nett zu dem Hund sein, beugte mich ihm hinüber, sagte "Dutzidutzi" und streckte ihm langsam meine Hand hin, damit er Witterung aufnehmen konnte. Das hatte ich mal irgendwo gelesen.
H A C K!!! Und dieses Mistvieh beißt mir in den kleinen Finger! Aber so richtig mit Schmackes, dass mir gelbgrün und flau vor Augen wurde. Man reichte mir ein Glas Wodka, nicht zum Trinken, sondern zum Desinfizieren. Seitdem habe ich zu kleinen Hunden ein leicht gestörtes Verhältnis. Zu großen sowieso, denen gehe ich angstvoll aus dem Wege. Und Wodka mag ich seitdem auch nicht mehr.

Oder dieser niedliche Scotch Terrier, dessen Besitzerin mich standhaft NICHT grüßt und die ich standhaft auch NICHT wiedergrüße (logisch). Dieser kleine Unhold bellt und knurrt mich an! Vielleicht hat er mitgekriegt, dass ich sein Frauchen - welches aussieht wie eine Mischung aus glotzendem Vogel und verkniffener Maus - nicht ausstehen kann. Ich weiß nur, früher hat er mich NICHT angebellt. Kann aber dran liegen, dass er schon des öfteren ausgetauscht wurde, denn so lange lebt kein Schwein ... äääh Hund.

Oder dieser streitsüchtige Kerl, ich nenne ihn das ‚kleine Puschelhöschen’. Irgendwie ist da ein Spitz mit drin – er sieht nett aus. Wenn der mich schon von weitem sieht, fängt er an zu röcheln und zu geifern, er wirft sich auf den Rücken und windet sich in Krämpfen. Er hofft wohl dadurch länger zu werden, um mich in die Waden beißen zu können. Erinnert mich irgendwie an diesen seltsamen Kampf im Jahre 1976 zwischen Muhammad Ali und dem japanischen Catcher Inoki, denn der kroch auch auf dem Rücken liegend herum, um Muhammad Ali in die Beine beißen, nein ... treten zu können.
Auch die Besitzer vom ‚kleinen Puschelhöschen’ grüßen mich nicht, aber die grüßen sowieso keinen. Gnädigerweise fällt das Hundchen nämlich jeden an – nicht nur mich. Und das beruhigt mich irgendwie.

Dennoch habe ich in den letzten Jahren Freundschaft zu Hunden erfahren. Der erste war groß und schwarz mit einer hellen Löwenmähne. Ich habe diesen Hund geliebt, habe ihn endlos gestreichelt - und er hat es genossen, glaube ich wenigstens. Sein Frauchen allerdings war gar nicht von ihm begeistert, er war ihr nicht "scharf" genug. Das Verhältnis spitzte sich zu, irgendwann biss der Hund ihr in die Nase. Oh! Oh! Nicht gut! Und kurz darauf lief er weg. Frauchen suchte nach ihm, irgendwann meldete sich die Familie, bei der er Zuschlupf gefunden hatte - aber das Wiedersehen lief nicht gut ab: Keine Freude von Seiten des Hundes. Die Familie zahlte dem Frauchen eine hohe Summe Geldes, um den Hund behalten zu können.
Frauchen schaffte sich daraufhin einen Rottweiler an. Mit dem kam ich nun gar nicht klar. Mit dem Frauchen sowieso nicht, irgendwann war Schluss.

Egal, lange schon vorbei ... Der andere Hund ist auch recht groß: Ein Malinois-Mädel, will heißen Belgischer Schäferhund. Das Mädel wohnt direkt nebenan, und wenn es mich sieht, kommt es sofort, um sich kraulen zu lassen. Es hat den größten Teil seines Lebens im Zwinger verbracht, aber es ist deswegen nicht zornig. Aber leider ist es schon alt und wird nicht mehr lange leben. Nach dem Tod meines letzten Katers habe ich mich sehr diesem Hundemädel zugewendet, es ist so lieb und vertrauensvoll. Und jetzt kommt dieses oder dieser Virus ins Spiel. Ach verdammt!

Meine Nachbarin Regina kam gestern weinend aus dem Haus, als ich gerade im Vorgarten war. Das alte Hundemädel musste eingeschläfert werden.
Und ich musste Regina umarmen, habe erst Stunden später gemerkt, dass es für sie oder für mich gefährlich hätte sein können.

Scheiß drauf, ich hab die Schnauze voll von den ganzen Regulierungen! Von dem nicht Ausleben können von Gefühlen! Ach verdammt, es war so ein guter Hund! Jara, ich denke an dich!
 
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Kommentare  

Eine knappe Kurzgeschichte (oder noch besser Kolumne) in der du originell und sehr treffend, deine Meinung über Hunde, deren Besitzer und auch ein klein wenig über die Coronakrise dem Leser verrätst. Locker-flockig geschrieben, so als würdest du mit dem Leser nur darüber plaudern. Daher sehr gelungen. Danke für diesen köstlichen Lesespaß!

Marco Polo (04.05.2020)

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