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Schwarze Schwäne - Weiße Schwäne, Teil 41 - AUF DEM WEG ZUR HOFFNUNG

Romane/Serien · Romantisches
„Und ICH habe heute Abend deinen Bruce besucht. Also erzähl DU mir nichts über Untreue!“
Das trifft mich wie ein Hammerschlag. Er hat alles rausgekriegt, ich bin erledigt. Er ist ein so stolzer Mann und wird mir das nie verzeihen können. Automatisch krümme ich mich zusammen wie eine Raupe.
„Im Unterschied zu dir habe ich nicht mit der Frau geschlafen, ich wollte es zwar, aber es ging nicht. Ich habe tatsächlich keinen hochgekriegt und das - verdammt noch mal - ist nur deine Schuld!“
„Hardy, bitte ...“
„Warum hast du mir kein Zeichen gegeben? Warum nicht?“
Ich bin immer noch geschockt. Er weiß das von Bruce und mir. Und jetzt ist sowieso alles zu spät. Ich muss nun ehrlich sein und das fällt mir furchtbar schwer, denn ich will ihn nicht verlieren, muss retten, was noch zu retten ist.
Zögernd fange ich an: „Ich dachte, du würdest mich zurückweisen, ich wusste nicht, wie ich dich einschätzen sollte.“
„Ich glaube, es geht hier nur ums Zurückweisen. Davor hatte ich auch Angst. Seltsam, nicht wahr? Also Tony, was denkst du überhaupt von mir?“ Er steht immer noch vor mir und blickt auf mich herab. Aber jetzt klingt seine Stimme unerbittlich.
Ich muss jetzt etwas tun, überwinde mich mühsam und sage: „Ich musste immer an den ersten Abend denken, an deine dämliche Art und wie du mir erzählt hast, du hättest letztens mit der Freundin eines Kollegen geschlafen ...“ Ich mache eine verzweifelte Pause, weil mir das peinlich ist.
Er schaut mich aufmerksam an. „Und weiter? Sag's mir!“
Gut, er will es wissen, also sage ich widerwillig: „Und dieses hinterherige Armumlegen, das hat mich einfach nur wütend gemacht ...“ Ich schnaufe verächtlich. „Und ich wäre lieber verreckt, als für dich eine weitere Frau zu sein, mit der du erst schläfst und die dir danach von irgendwelchen Problemen erzählt.“
„Das kann ich verstehen.“ Hardy denkt wohl kurz nach und sagt dann: „Du warst eifersüchtig!“
„Ich und eifersüchtig! Du spinnst ja wohl!“
„Gut, dann fange ich mit mir an. Ich bin zwar ziemlich von mir eingenommen, aber ich kann zugeben, wenn ich etwas empfinde. Und ich empfinde sehr viel für dich.“ Er setzt sich wieder zu mir, aber nicht so nahe, wie ich es gerne hätte. Ich bin stumm, denn ich kann es nicht fassen. Er empfindet sehr viel für mich?
„Natürlich wollte ich dich ficken an diesem Abend.“ Er grinst, aber es sieht verlegen aus. „Du warst so süß und anschmiegsam, so unschuldig, eigentlich unwiderstehlich. Und ich konnte es nicht fassen, dass du mich abgewiesen hast.“
„Also bitte, Hardy! Wenn Clem nicht gewesen wäre, dann wäre ich auf der Stelle mit dir ins Bett gegangen. Aber so nicht. Und hast du so was öfter gemacht? Also eine Frau kurz vor Feierabend in irgendeinem Schuppen aufzureißen?“
„Nicht oft. Das mit dir war eher ein Zufallstreffer, na ja, man trifft nicht oft jemanden wie dich ...“
„Meinst du das im Ernst?“ Ich schaue ihn ungläubig an.
„Du hast keine Ahnung davon, wie viele hübsche, aber auch unglaublich dumme Frauen sich in Discos rumtreiben. Clem und ich hatten sogar mal eine Anzeige geschaltet, um interessantere Mädels zu finden, aber da kam auch nichts bei rum. Deswegen war das mit dir ein echter Glücksfall!“
„Echt jetzt? Ich ein Glücksfall?“
„Oh ja! Und die Sache mit den Problemen erzählen ... Das war nur einmal! Reich mal deine Füße rüber, die sind doch bestimmt wieder kalt.“ Er wärmt mir wieder die Füße.
„Das zweite Treffen mit dir ... Ich hatte Clem angewiesen, nach dir Ausschau zu halten, denn ich wollte dich unbedingt noch einmal sehen.“
„Hat ja gut geklappt“, sage ich bitter.
„Ja, hat gut geklappt. Blöderweise bist du mir nach unserer zweiten Nacht nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Es war auf Mallorca. Da habe ich eine Frau angemacht, sie war, na ja ... schön. Aber es ging nicht. Es war, als hätte ich meinen Schwanz in ein lauwarmes Waschbecken gehalten. Ich musste die Aktion abbrechen“, Hardy hört auf zu sprechen.
Ich schweige, fühle mich selber angeklagt, denn da war doch was mit dem Inkagott Salvador, und ich konnte die Aktion auch nicht vollziehen. Ich muss Hardy davon ablenken, nein, ich muss mich selber davon ablenken, also sage ich: „Machst du es eigentlich immer ohne Kondom? Wenn ich jetzt schwanger geworden wäre, dann hättest du dich bestimmt ganz schnell verdrückt, oder?“
„Hmmm ...“, Hardy lächelt. „Ich habe dir vertraut. Und wenn es in die Hose gegangen wäre...“ Er schaut vor sich und sagt schließlich: „Ich glaube, es hätte mir gefallen, dich abhängig von mir zu sehen. Und nein, ich habe es sonst nie ohne Kondom gemacht!“
„So ein Quatsch! Ich wäre nie im Leben abhängig von dir gewesen!“
Er greift in seine Hosentasche, fördert einen Zettel zutage und hält ihn mir unter die Nase. „Das ist von dir, nicht wahr?“ Ich erkenne den Zettel, was steht drauf? Unter anderem das mit dem Strom und noch ein anderes Gedicht:
Man erobert dein Herz
wie ein Dieb in der Nacht
und quetscht es dann aus
hat vielleicht noch gelacht
„Könnte von mir sein“, sage ich leichthin, „aber ich kann keine Gedichte.“
„Mir hat es gefallen, vor allem die Aussage, dass jemand dein Herz erobert hat, das bin dann wohl ich. Aber ich habe nie über dich gelacht!“
„Das ist doch nur dichterische Freiheit, oder wie man so schön sagt: Das lyrische Ich ...“
„Ach komm schon, gib es zu! Du kannst nicht aufhören, an mich zu denken. Genauso wie ich nicht aufhören kann, an dich zu denken.“ Er kennt mich zu gut und das macht mich hilflos ihm gegenüber. Andererseits ist es ein schönes Gefühl.
„Und ich musste dauernd an dich denken. Ausgerechnet ich, der keine Frau in meiner Wohnung ertragen konnte, regte mich über deine Flüchtigkeit auf, du warst immer so schnell weg, warst leicht wie eine Feder im Wind und genau so schwer zu erwischen. Und ich wollte dich eigentlich immer bei mir haben, aber du ... Na ja, du weißt schon ...“
Er hatte an mich gedacht. Dauernd an mich gedacht. „Und wer war das vorhin?“ Ich muss das jetzt fragen, denn der Anblick von ihm - halbnackt händchenhaltend mit einer anderen Frau - tut immer noch weh.
„Karla, eine alte Freundin. Ich kenne sie noch aus Kinderzeiten, wir waren mal kurz zusammen, aber sie mag mittlerweile nur Frauen. Und sie hat MICH getröstet, nicht umgekehrt“, sagt Hardy eilig. „Ich wollte keine fremde Frau anmachen. Also Karla ... Die hatte auch gerade ihre Freundin verloren. Aber es klappte natürlich nicht. Ich bin impotent, wenn ich es mit anderen Frauen versuche. Das war auch auf Mallorca so. Deswegen habe ich dich ins Anybody geschleppt, weil ich dachte, ich würde keinen hochkriegen. Aber es ging hinterher, es ging so gut wie nie zuvor.“
„Ich weiß nicht, ob ich Freundinnen mag, die sich so um dich kümmern.“
„Karla hat sich auf den ersten Blick in dich verliebt“, sagt Hardy und er schaut unsicher drein. „Und du hast doch Ralf, verdammt noch mal!“
„Ralf ist kein Thema, ich mag ihn sehr, aber er ist nicht der Typ, um mir den Hintern versohlen zu können.“
Hardy fängt an zu lachen. Ich schaue ihn finster an und sage: „Nur symbolisch natürlich. Ralf hat übrigens gesagt, ich solle endlich mit dir ins Reine kommen. Und komisch: Frauen mögen mich irgendwie. Sag Hardy, findest du mich irgendwie männlich?“
Wieder fängt Hardy an zu lachen, bis ich es nicht mehr ertragen kann: „Was zum Teufel gibt es da zu lachen?“
„Der war gut! Du und männlich? Gute Güte, du bist so süß, so weiblich und so unberechenbar, egal was für angeblich männliche Interessen du hast.“
Das ist eine Aussage, die mir gefällt. „Und wer war die Frau, die bei mir angerufen hat?“ So, nun ist er heraus! Der Knackpunkt, weswegen ich mit Bruce rumgemacht habe. Und das alles immer mehr bereue.
„Ach du lieber Himmel! Hab ich dir nicht erzählt, dass sie mich besuchen wollten. Dieser Freund von mir und seine Frau? Du hast das Gespräch natürlich sofort abgewürgt.“ Hardy schaut mich vorwurfsvoll an, und ich schlage die Augen nieder unter seinem Blick. „Er ist sehr krank, hat einen bösartigen Tumor an der Bauchspeicheldrüse, und er musste am Samstagabend in die Notaufnahme.“
„Oooh ...“, sage ich leise. Und fühle mich total schlecht.
„Seine Frau rief an, um es mir zu sagen. Sie haben ihn dann noch mal hingekriegt, aber er wird sterben, nicht sofort vielleicht, aber in absehbarer Zeit.“
„Und ich dachte ... Oh nein!“
„Du ziehst anscheinend immer die falschen Schlüsse. In Wahrheit bin ich gar nicht so schlimm, wie du vielleicht denkst. Und meine wilden Zeiten sind lange schon vorbei.“
Das hört sich beruhigend an. Denn die sogenannten Hörner hat er sich bestimmt schon abgestoßen. Im Gegensatz zu einem wie Parker. Der wird sich immer bestätigen müssen, bis er 90 Jahre alt ist oder noch älter.
Ich habe noch so viele Fragen an Hardy zum Beispiel: Warum musste Clem damals das Taxi bezahlen? Wie viele Frauen hatte er ungefähr? Und was wäre, wenn wir einer davon begegnen würden? Und was war mit der geilen Kusine? Warum hat er Clem nichts von mir erzählt? Und seinem Mob auch nicht? Ich glaube, wir haben noch viel aufzuarbeiten, aber das verschiebe ich erstmal, denn es könnte sein, dass er auch Fragen an mich hat. Und vor denen fürchte ich mich etwas.
„Ich habe mich in dich verliebt, Tony, und das ist, ich weiß nicht ... Ich kenne so was nicht, aber es ist passiert.“
Er ist verliebt in mich? Ich kann es nicht fassen. Einem zärtlichen Impuls folgend will ich seine Lippen mit meiner Hand berühren, aber zu meiner Überraschung hält er mein Handgelenk fest. Ich sehe ihn verwirrt an.
„Ich bin fertig, meine Süße. Jetzt bist du dran, denn ich weiß, dass du deine Männer verachtest, wenn sie dir ihre Gefühle zeigen und ich will nicht so enden. Also musst du mir schon irgendwas sagen. Falls nicht, dann werde ich jetzt gehen.“
Er hat recht, so ist es bisher abgelaufen. Aber weiß er überhaupt, was es mich kostet, meine Gefühle zu offenbaren? Er hat bestimmt keine Ahnung davon. Aber dann sehe ich, dass seine grauen Augen irgendwie feucht sind und das kann ich nicht zulassen, da weine ich doch lieber selber.
Zaghaft fange ich an zu sprechen: „Ich bin ziemlich dumm gewesen ...“ Oh, das wird schwer, alle körperlichen Schweinereien kann ich ihm ohne Hemmungen sagen, aber die gefühlsmäßigen gehen mir schwer über die Lippen. Weiter ... „Ich hätte es merken müssen, aber ich habe es erfolgreich verdrängt ... Ich weiß nicht ...“ Wieder stockt meine Stimme. „Du warst aber auch so ätzend und ich dachte, ich verabscheue dich, aber ... Das stimmt nicht. Ich bin genauso dämlich wie die Weiber, die sich in dich verlieben. Ich bin nichts Besonderes.“
Hardy schaut mich aufmerksam an und es sieht aus, als wolle er etwas sagen, tut er aber nicht.
Also muss ich weiter reden: „Und dann habe ich Dinge getan, die mich selber verletzt haben und dich vielleicht auch - das mit Bruce war das Schlimmste. Es tut mir leid, das kannst du mir nicht verzeihen. Du bist so stolz und ich wollte dir nie wehtun, denn ich ...“ ich breche ab, es ist so schwer, das zu sagen, aber es muss jetzt heraus:
„Denn ich hab dich lieb, ja, verdammt noch mal, ich hab dich lieb! Das ist mir in Daarau klargeworden. Dort fühlte mich sehr einsam und verlassen, denn ich dachte, ich hätte dich verloren.“ Ich höre auf zu reden und schaue irgendwohin, nur nicht in sein Gesicht. Denn ich spüre, dass mir die Tränen kommen.
Hardy zieht mich sanft an sich. „Und? War das jetzt so schwer?“
„Nein“, sage ich erstaunt, denn es war wirklich nicht schwer. „Aber ich habe soviel Mist gebaut, vor allem das mit Bruce. Kannst du mir das verzeihen?“
Er sieht nicht begeistert aus bei meinen Worten. Er überlegt - das sehe ich - und sagt dann ernst: „Es bleibt mir nichts anderes übrig, aber tu so etwas nie wieder! Vielleicht sollte ich mehr auf dich aufpassen.“
„Nein, das brauchst du nicht. Ich kann jetzt selber auf mich aufpassen, jetzt wo ich es weiß.“
„Ich passe aber gerne auf dich auf.“
„Echt jetzt, Hardy? Ich mag es, wenn du auf mich aufpasst!“ Jetzt kommen mir wirklich die Tränen, aber sie erleichtern mich und schämen tu ich mich ihretwegen nicht mehr. Ich küsse Hardy kurz auf den Mund und entferne mich aus seinen Armen.
„Nicht weinen, meine Süße! Alles wird gut“, sagt er.
„Ich hab aber Angst, Hardy. Du weißt doch fast alles von mir, und ich weiß kaum was von dir.“
Hardy zieht mich wieder enger an sich. „Ach was! Ich habe auch bei deinen Männern - obwohl es nur ein paar waren - ein beschissenes Gefühl, wenn ich sie sehe. Ich muss dann immer dran denken, wie sie bei dir und mit dir ... Nein, es ist unerträglich! Ja, ich weiß, früher war ich anders drauf, aber bei dir ... Verdammt! Nein, das geht nicht! Vor allem, weil sie mir immer über den Weg laufen, diese Wichser! Sei es in deiner Wohnung, sei es im E-body oder sei es in einer alten Zeche!“
„Das ist doch alles vorbei - und war mir auch nie wichtig.“
„Trotzdem bin ich immer noch eifersüchtig auf jeden Bastard, der dich gefickt hat!“
„Und ich bin auf jede Frau eifersüchtig, die du gefickt hast. Und das waren bestimmt nicht wenige ...“
„Ach komm schon, meine Süße!“, Hardy nimmt meine linke Hand - sie tut immer noch ein bisschen weh - und drückt einen langen Kuss darauf. Es fühlt sich gut an und ich werde verlegen.
„So schlimm bin ich doch gar nicht.“ Hardy lächelt. „Klar habe ich einiges gemacht, aber in den letzten Jahren bin ich müde geworden, Bis ich dich getroffen habe.“ Er hält immer noch meine Hand, die er vor Wochen so gut gepflegt hat.
„Vielleicht mussten wir diesen langen Weg gehen, um das endlich zu erkennen. Wenn ich nicht so abweisend reagiert hätte, sondern sofort mit dir ins Bett gegangen wäre, dann hättest du mich vergessen wie so viele andere vor mir“, sage ich leise.
Hardy lächelt wieder. „Nein, so schnell hätte ich dich nicht vergessen.“ Er küsst mich wieder. Und nach einer Weile: „Weißt du, dass in meiner Familie die Männer unglaublich treu sind, wenn sie erst die Richtige getroffen haben? Das hat mein Vater mir erzählt.“
Ich glaube, mir kommen wieder die Tränen. „Ja, ich weiß es, ich habe mich mit deinem Vater unterhalten, aber ich hab ihm das nicht geglaubt. Okay, ihm schon, aber dass du selber so ein weißer Schwan sein könntest? Nee, nie im Leben!“
„Kannst du mir aber glauben, meine Süße. Gib deine Wohnung auf und zieh bei mir ein!“
Ich lege meine Arme um ihn. Er ist so gut! Ich muss aber trotzdem noch überlegen. Ach du lieber Himmel, ich habe ihn so lieb, könnte ihn endlos umarmen und küssen. Ralf hatte recht: Hardy ist bestimmt meine große Liebe. Dennoch muss ich meinen Verstand bewahren - und das fällt mir schwer.
Mit letzter Kraft schiebe ich ihn von mir weg und sage: „Aber einziehen bei dir? Ich weiß nicht, es geht mir zu schnell.“
„Warum?“ Seine Stimme klingt enttäuscht.
„Ich hab diese Wohnung gekündigt und schon eine neue bei meiner Schwester im Haus. Die kann ich mir gut leisten, also die Wohnung. Aber wir könnten ja antesten, wie sich das anfühlt, manchmal kann es ätzend sein, ein gemeinsames Bad, dauernd aufeinander zu hängen. Ehrlich gesagt, habe ich Angst davor.“
„Gut, meine Süße, du hast wie immer eigene Vorstellungen. Ich denke aber, die Katzen würden sich bei mir - beziehungsweise bei uns - wohler fühlen. Ich habe da schon eine Idee ... Und außerdem habe ich eine Putzfrau.“
„Ich bin ganz Ohr!“ In Wirklichkeit bin ich fassungslos. Was soll ich dazu sagen? Er ist so gut, und ich muss an alle Momente denken, in denen er für mich sorgte, das waren zwar nicht viele, aber ich brauchte ja auch nicht viel Fürsorge. Das mit der Hand war schön, als er mir beistand. Und als Kater Kiddie weg war, hat er versucht, ihn zu finden. Zwei Wochen später schellten immer noch Hausfrauen bei mir an, um nach dem Kater zu fragen. Oder nach Hardy? Ich hatte einen Geistesblitz und sagte: ‚Der Kater ist da, aber mein Mann nicht ...’ Daraufhin gaben sie Ruhe. Es wird nicht leicht sein. Er ist zu attraktiv, alle Frauen stehen auf ihn und ich weiß nicht, ob ich das auf Dauer ertragen könnte, hab ja kaum Selbstbewusstsein. Aber ich kann nicht anders.
„Wir sind ziemlich blöd gewesen“, flüstere ich und lehne meinen Kopf an seine Schulter.
„Oh jaaa ...“ Hardy fängt an, meinen Hals zu küssen und ich fange leise an zu stöhnen, doch dann lässt er mich los. Er nimmt meine Hand und führt mich in die Küche, hebt mich auf die Küchenarbeitsplatte und drängt sich zwischen meine Beine, die ich natürlich bereitwillig für ihn öffne. Er umarmt mich, und ich lege meine Arme um seinen Hals. Wie beim ersten Mal. Er ist so nahe bei mir, dass mir fast schwindelig wird. Ich streichele sein Gesicht.
Er küsst mich. Seine Zunge dringt sanft in meinen Mund ein. Und ich dränge mich noch enger an ihn und küsse ihn wieder.
Er küsst mich. Ich küsse ihn - und es ist wundervoll.
Ich glaube, ich weine wieder... Mir kommt in den Sinn, wie es damals abgelaufen ist, nachdem ich ihn im Hawaii kennenlernte. Wir verzogen uns in die Küche und küssten uns. Er hob mich auf die Küchenarbeitsplatte und zwängte seine Beine zwischen meine. Wie jetzt. Ich war wie betäubt, wollte ihn noch näher bei mir haben. Wie jetzt. Ich küsste ihn, er küsste mich. Wie jetzt.
Und dann kam die Eiskaltdusche in Form von: ‚Sollten wir nicht ins Schlafzimmer gehen, ich werde dich lecken, bis du mich anflehst, dich zu ficken.’
Ach, diese verdammten Erinnerungen ... Automatisch sage ich: „Jeder Mann, der mit mir schläft, verliebt sich in mich. Und das kann ich keinem zumuten.“
„Da hast du wohl recht, Tony.“
„Quatsch“, sage ich. „Blödes Zeug! Alles gelogen! Und ja, ich will!“
Ich klammere mich mit meinen Beinen an ihn, er hebt mich hoch und trägt mich ins Schlafzimmer.
„Und außerdem bin ich gar nicht frigide, jedenfalls nicht bei dir.“
„Das ist jetzt eine Überraschung!“, Hardy lächelt. Und ich liebe ihn dafür.
-*-*-
Am nächsten Morgen wache ich früh auf und finde mich in Hardys Armen wieder. Und es ist kein Traum, es ist Wirklichkeit. Es regnet immer noch und der Regen hört sich beruhigend an. Ich küsse Hardy, ist egal wohin. Auf den Hals, auf die Schulter, auf alles was in Kussweite liegt. Er schläft zwar noch, scheint es aber zu spüren, denn er legt seine Arme noch enger um mich.
Ob das mit uns wohl klappen wird?
Hardy ist ohne Mutter aufgewachsen, sein Vater hat nicht mehr geheiratet und vielleicht einige Frauen mit nach Hause gebracht, die dann irgendwohin verschwanden. Ein normales Familienleben kennt Hardy nicht. Seine viel ältere Schwester hat ihn wohl aufgezogen, sie ist die große Unbekannte für mich.
Und ich? Mit einer nicht sehr netten Mutter und einem Vater, der oft fremdgegangen ist? Das spricht auch nicht für ein normales Familienleben.
Können wir das meistern? Vielleicht ... Wir dürfen nur nicht wie unsere ‚Vorbilder’ handeln. Wir müssen anders sein als sie, besser sein als sie, dann werden wir vielleicht zu weißen Schwänen.

PS: Es geht weiter. Der neue Roman ‚KOPFBAHNHÖFE’ wird traurig sein, aber auch hoffnungsvoll - und alles auf den Kopf stellen.
 
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Kommentare  

Freut mich sehr, lieber Dieter. Ich hoffe, dass dir der nächste Roman genauso gut gefällt. Drei Kreuze ich mache ... ;-)

Ingrid Alias I (13.01.2022)

Liebe Ingrid, ein sehr schöner Schluss. Und es gibt nichts Schöneres als das Leben zusammen zu meistern. Ich habe diesen Roman gerne gelesen. Er hat mir gut gefallen.

Dieter Halle (11.01.2022)

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