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Iggy inda house - part 1 - Wie es begann-ein Bericht

Romane/Serien · Amüsantes/Satirisches
Im Laufe meines Lebens bin ich sehr oft umgezogen. Manchmal denke ich, wenn ich stattdessen öfter die Firma gewechselt hätte, dann würde ich heute bestimmt viel mehr verdienen. Oder auch nicht, denn fast alle Firmen von damals gibt es heute nicht mehr. Also habe ich Glück gehabt - zwar mit viel Arbeit und Minimalgehalt - aber GLÜCK.

Wie fing es also an?
Vor zig Jahren war ich süße zwanzig Jahre alt - und noch nicht volljährig (tja, damals war man erst mit 21 volljährig), aber ich wollte raus, und meine Eltern gaben mir die Unterschrift zu einem...

1.) kleinen aber teuren Appartment, das ich mir eigentlich nicht leisten konnte. Ein Kater lief mir zu, Felis nannte ich ihn. Und ein Freund brachte mir ab und zu seinen Schäferhund vorbei, der sich mit Felis überhaupt nicht verstand. Aber wir alle zusammen feierten tolle Parties - nebenbei wurde mir meine Schallplattensammlung geklaut, meine kleine Schwester hatte sie auf dem Flur abgestellt. Es wurde mir gekündigt wegen Tierbesitz, dabei hatte der neben mir wohnende Hausmeister mir den Kater verschafft. Der hatte sich bestimmt auch meine Schallplattensammlung einverlaibt. Egal... Also neues!

2.) Zog mit einer Freundin zusammen. Es ging nicht gut. Nach zwei Wochen lagen wir uns schon in den Haaren: SIE zerdepperte mein ganzes Geschirr, weil SIE immer mit Gummihandschuhen spülte und ihr dabei alles aus den Fingern flutschte. ICH rächte mich dafür, indem ich IHREN Freunden die Tür öffnete, ohne die Gute zu warnen. SIE saß nämlich in rosa Feinripp unterwäschemäßig im Wohnzimmer und rannte wie ein aufgescheuchtes Huhn davon. Außerdem hatten WIR BEIDE Krach mit den Vermietern wegen angeblich unseriösen Lebenswandels (da muss ich echt lachen) und Nichtputzens der Treppe (Mist, das stimmt).

3.) Reine Zweiraumwohnung ohne Bad, aber mit Klo - eine halbe Etage tiefer. Sehr preiswert war sie, als ich ohne viel Geschirr einzog. Aber auch sehr baufällig, die greise Vermieterin kümmerte sich um nichts, auch dann nicht, als es bei mir oben in der Wand zündelte, nur weil ich einen Toaster angemacht hatte. Der Freund meiner Schwester flickte die Leitung notdürftig. Dennoch auf Dauer nicht zu vertreten, obwohl es wirklich sagenhaft billig war...

4.) Wieder ein Appartment, Nordseite, leider ohne Balkon. Nach kurzer Zeit ging der Warmwasserboiler im Badezimmer nicht mehr - und der zuständige Sack von der Wohnungsgesellschaft nicht ans Telefon. Trotzdem tolle Erinnerungen: Gegenüber lag ein wunderschöner alter Friedhof, dort sonnte ich mich zwischen Rhododendrenbüschen und antiken Grabmälern.

5.) Mit Lover halbe winzige Fachwerkdoppelhaushälfte mit Kohleofen, Garten und immensen Stromleitungsproblemen angemietet, 70 DM (!!!) kalt! In idyllischer Lage von Essen, Seenähe, vornehmste Gegend... Ich konnte mir zwei Katzen leisten (den Felis hatten meine Eltern mitgenommen, als sie wieder zurück in die Heimat zogen), ich konnte mir sogar meinen Freund leisten - und das mit einem Gehalt von 800 DM. Dummerweise feierte der ZU laute Parties (da sollte ich mal einen Roman drüber schreiben), und betrogen hat er mich von Anfang an.

6.) Nach ziemlich lauten neun Jahren haben sie uns dann rausgeworfen. Obwohl mein saxophonspielender Lover immer zwecks Lärmdämpfung in den vollen Kleiderschrank saxophongeblasen hatte... Also alles neu: Große 2 1/2-Raumwohnung mit Gartennutzung, renoviert von mir, hat Monate gedauert und ist echt schön geworden. Leider war die Bude nicht gerade billig, NACHDEM Freund ausgezogen war. Mit IHM ging's nicht mehr. Dennoch war die freundlose Zeit nach ihm die irreste und aufregenste meines Lebens...

7.) Seltsame 2-3 Raumwohnung mit Winzküche auf dem Weg zum Bad (Lüftung nicht optimal), ich teilte den Stromzähler mit einem Irren, der mich total übern Leisten zog mit der Stromrechnung - aber Miete nur 350 DM warm! Erleichterung überfiel mich. Die Katzen kamen natürlich mit, leider hatten sie keinen Freigang mehr und ich nur noch einen Balkon Richtung Nordnordwest, also Sonne nur einmal im Jahr und dann noch mit Aussicht auf eine der hauptverkehrsreichsten Straßen der Stadt.

8.) Neue Liebe! Wanderte mit meinen Katzen 100 Meter weiter zu meinem Zukünftigen = 2 1/2 Raum mit großem Wohnzimmer. Die Katzen fühlten sich sofort wohl - ich auch. War nur ein bisschen klein für uns alle.

9.) Bezogen 3 1/2 Raumwohnung mit Nordostbalkon und hysterischen Nachbarn. Meine Güte, die machten sogar Theater an Silvester, als wir nur Karten spielten... "Kann jetzt endlich mal Ruhe einkehren!", kreischte eine hysterische Stimme am Telefon.

10.) Kauften (wegen hysterischer Stimme und vor allem wegen Mieterhöhung) Eigentumswohnung (billig) im vierten Stock eines uralten Hauses. Ohne Aufzug, ohne Balkon, aber das Flachdach war nett, in gefährlicher, unabgesicherter und schwindelerregender Höhe konnte ich mich sonnen. Der neue Kater Pepe fühlte sich dort sofort heimisch. Die beiden Altkater nicht so, weil der Neukater sie ziemlich tyrannisierte, aber das ist wohl bei allen Neukatern der Fall. Und leider war das Flachdach zum Verrecken nicht dicht zu kriegen...

11.) Kauften neun Jahre später alte Klitsche von Haus (bastel, bastel), wohnen immer noch da. Und basteln immer noch...
 
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Kommentare  

Eigentlich ist das ganze ja nur eine Aufzählung,
verschiedener Lebensstationen. Eigentlich. doch du
schaffst es durch klitzekleine Stilmittel und und
Formulierungen, es interessanter zumachen als
manch anderen Text den ich ich anderswo las, die
sich als "Kurzgeschichte" bezeichneten. Danke!!
lG
Cali


Caliope (01.11.2013)

stimmt michael, es waren abenteuerliche jahre, nicht immer angenehm aber immer aufregend.
und du hast recht: kein instrument und keine laute tastatur, dann kommt man mit den nachbarn super klar... ;-)
lieben gruß von mir


Ingrid Alias I (29.10.2013)

Da kannst du ja auf abenteuerliche Jahre zurückblicken. Ich musste gleich mehrmals schmunzeln, obwohl diese Geschichte natürlich auch einen ernsten Hintergrund hat. Am besten wäre es natürlich, man sucht sich gleich einen Lebenspartner, der kein Instrument spielt, der lediglich nur schreibt. Aber wenn selbst das Kartenspiel zu Silvester ein zu lautes Geräusch abgibt, könnte die Tastatur des Computers beim Schreiben für die Nachbarn ebenfalls zu laut sein!
Eine herrlich witzige Schmunzelstory!
LG. Michael


Michael Brushwood (29.10.2013)

@ rosmarin und michael
*lach* da will man mal was anderes machen... aber nett, dass drüber diskutiert wird.
es sollte nur ein bericht werden, eine einführung zu den house-stories, aber dann habe ich den bericht etwas ausgeweitet - ich konnte nicht widerstehen - und deswegen ist ein zwitter draus geworden: kein richtiger bericht, aber auch keine richtige kurzgeschichte. deswegen die fehlenden emotionen. die bringe ich normalerweise in meinen romanen unter, da taucht einiges auf. ich hoffe, ihr verzeiht mir das. ;-)
lieben gruß an euch


Ingrid Alias I (29.10.2013)

danke gerald, wenigstens einer, dem's gefällt. ;-) es sollte auch nur witzig sein und sonst nix.
lieben gruß an dich


Ingrid Alias I (29.10.2013)

So sind die Geschmäcker verschieden. Muss ich doch noch einmal bekräftigen, dass ich die kleine Story köstlich finde, gerade weil sie so knapp geschrieben ist. Ja richtig, die Gedanken sinds die man sich dazu macht, die einen unwillkürlich grinsen lassen. Darum steht ja das Ganze auch unter Amüsantes - Satirisches. Einfach herrlich!

Gerald W. (29.10.2013)

Ja, Rosmarin, aber selbst wenn man aus jeder Nummer eine eigene Geschichte machen würde, so fehlt mir bei jeder Nummer die "eigene Betroffenheit" der Erzählerin. Es wird mir niemand weismachen wollen, dass ein Wohnungs- oder ein Arbeitsstellenwechsel keine emotionalen Reaktionen hervorbringt und nichts in und mit uns verändert. Aber gerade diese Gedankengänge, diese Veränderungen fehlen mir in diesen Geschichten. Stattdessen werden lapidar Tatsachen aneinander gereiht wie farblose Holzperlen auf eine Kette. Aber daraus wird kein Schmuckstück, sondern nur eine farblose Holzperlenkette. Eben wie Rosmarin richtig feststellt: Ein sachlicher Lebenslauf ohne Höhen und Tiefen.

Michael Kuss (29.10.2013)

liest sich wie ein kurzer sachlicher lebenslauf ohne höhen und tiefen. viel scheint da ja nicht passiert zu sein. trotzdem könnte man aus jeder nummer eine geschichte machen.
gruß von


rosmarin (28.10.2013)

Unendlich viele technische Angaben, hinter denen man die menschlichen, die emotionalen Hintergründe und Zusammenhänge (die ja bei jedem "Wechsel" eine Rolle spielen) nur vermuten kann. Vielleicht ist die Geschichte absichtlich so aufgebaut, um den Lesern eigene Interpretationsmöglichkeiten und Gedankengänge zu ermöglichen. Ich habe aber mehr den Eindruck bekommen, du hast vergessen, auch ein paar emotionale Zusammenhänge einzubauen. Dann hätte ich dir sogar zwei Grüne gegeben, wenn das möglich wäre. In der vorliegenden Form halte ich die Story ansatzmäßig gut, aber nicht zu Ende gedacht. Da ist mehr drin...

Michael Kuss (28.10.2013)

Mit kurzen Worten, viel Herz und Temperament hast du hier ein Stück Leben rübergebracht. Amüsant und sehr unterhaltsam.

Gerald W. (28.10.2013)

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