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6 Seiten

Milu auf der Suche nach der Liebe

Kurzgeschichten · Für Kinder
In der Scheune hinter dem großen Bauernhof hatte Milu sein Zuhause. Er war eines von sechs Katzenbabys, die hier im weichen Heu das Licht der Welt erblickt hatten. Die ersten Tage in seinem Katzenleben verschlief er und wurde nur zu den Mahlzeiten wach. Die Katzenmutti brauchte ihre ganze Kraft, um ihre Babys satt zu bekommen. Mi-lu - ein niedlicher, grauer Kater mit weißem Lätzchen entwickelte sich prächtig und wuchs schnell heran. Der kleine Kater war ungeheuer wissbegierig. Alles um ihn her-um Interessierte ihn und seine Katzenmutti hatte große Schwierigkeiten auf ihn aufzu-passen. Milu wollte alles auf einmal wissen - über das Leben und über die Sterne, deren Glanz ihn faszinierte. Jeden Abend beobachtete er aufmerksam das Spiel dort oben am Himmel. Die Katzenmutti lehrte ihn alles, was er für sein junges Leben brauchte. Sie liebte ihre Katzenkinder über alles, aber Milu war für sie etwas ganz be-sonderes. Wenn seine Geschwister auszogen, um Mäuse fangen zu erlernen, saß Mi-lu bei seiner Katzenmutti und stellte die komischsten Fragen über das Leben.
Am liebsten hätte er sich so einen glänzenden Stern vom Himmel geholt, um mit ihm zu spielen und er wartete immer darauf, dass ihn der Mond einmal besuchen und von seiner Arbeit im Himmel erzählen würde. Die Katzenmutti verbrachte viel Zeit mit Milu, und erzählte ihm Geschichten vom Mond, den Sternen und von der Liebe. Die Liebe interessierte ihn ungemein, und er wollte unbedingt wissen, wie die Liebe aussieht und wo sie wohnt. Milu war fasziniert, so viele schöne Dinge über die Liebe zu erfah-ren, aber was die Katzenmutti auch erzählte, er konnte sich einfach nicht vorstellen, wie die Liebe aussieht.
Er grübelte viele Nächte lang und wünschte sich nichts sehnlicher, als einmal die Liebe zu treffen um mit ihr zu plaudern. Obwohl ihm seine Katzenmutti gesagt hatte, dass ei-nes Tages die Liebe auch zu ihm kommen würde, wollte er jetzt nicht mehr länger in der Heuscheune auf sie warten und er beschloss, sich auf den Weg zu machen, um die Liebe zu suchen.
Er nahm sich ein wenig Proviant mit, und verabschiedete sich von seiner Katzenmutti. Seine Reise führte ihn tagelang durch Felder und Wiesen, und er war schon hungrig und müde, als er in der Ferne ein Licht sah. Etwas ängstlich näherte er sich einem klei-nen Haus, und hoffte dort ein Quartier für die Nacht zu finden. Als sich die Tür öffnete, stand der Förster vor ihm, und der große Hund des Hausherrn machte mit lautem Ge-bell auf den unbekannten Gast aufmerksam. Milu hatte plötzlich keine Angst mehr, denn er kannte große Hunde vom Bauernhof und wusste, wenn er jetzt ganz ruhig sein würde, könnte ihm der große Bello nicht gefährlich werden. Der Förster bat den klei-nen Gast herein und versorgte ihn mit frischer Milch und leckeren Leberwurstbroten. Anschließend richtete er ihm neben dem Ofen ein Katzenlager und Milu schlief nun friedlich ein. Am nächsten Morgen, als Milu aus seinen Träumen erwachte, war der Förster mit Bello schon in den Wald gegangen um nach den Tieren zu sehen. Die Förs-terfrau richtete für Milu ein kräftiges Frühstück, und wollte gern von ihm wissen, wohin seine Reise führen sollte. Milu erzählte von seiner Katzenmutti, die ihm soviel über das Leben erzählt hatte und von seiner Suche nach der Liebe. Vielleicht würde er sie ja hier finden, und so fragte er die Försterfrau, wo denn wohl die Liebe wohnt.
Eine kleine Weile verging, und Sie überlegte, was Sie dem kleinen Kater antworten sollte. Dann sagte Sie: die Liebe kann man an vielen Orten finden. Sie wohnt im Her-zen, und nur wenn du dein Herz öffnest, findest du den Weg zu dir. Anfassen oder festhalten, fügte Sie noch hinzu, kann man sie nicht. Du musst sie stets neu für dich fin-den, und ihr mit Ehrlichkeit und Toleranz begegnen. Milu war über diese Antwort sehr enttäuscht, denn er hielt die Menschen für so Intelligent dass sie doch alles über die Liebe und das Leben wissen müssten. So verabschiedete er sich höflich, bedankte sich mit einem herzlichen -MIAU- für die Gastfreundschaft und zog weiter.
Viele Tage wanderte er durch Wald und Flur, bis er endlich die große Stadt erreichte. Voller Angst sah er den vorbeirauschenden Autos nach, und der gewaltige Lärm der Stadt übertönte sein leises Miauen. Er erreichte einen Park, und weil es dort so ruhig war, setzte er sich unter eine Parkbank und verschnaufte eine kleine Weile.
Er beobachtete, wie ein altes Mütterlein langsam des Weges kam, und sich auf die Bank setzte. Sie holte eine große Tüte aus Ihrer Tasche und bevor Sie noch etwas ge-sagt hatte, kamen von überall die Enten angerannt. Milu war verwundert, denn er sah, dass das Mütterlein mit Brotkrumen nach den Enten warf. Ein wildes Geschnatter be-gann, denn die Enten freuten sich über die Gabe. Auch Milu war hungrig, kroch aus seinem Versteck hervor und verschlang hastig ein paar Stücke von diesem köstlichen Brot. Dann sah er eine Weile das alte Mütterchen an und bemerkte, wie zufrieden Sie sich mit den Enten freute. Er war sicher, dass ein Mensch so alt wie diese Frau genau wusste, wo die Liebe wohnt und fragte Sie, welchen weg er gehen muss, um die Lie-be zu finden.
Die Liebe, antwortete Sie, wohnt im Gotteshaus und von dort gibt sie ihre ganze Kraft an die Menschen weiter. Milu war glücklich über diese Antwort, fragte noch nach dem Weg dorthin und verschwand. Es waren einige Hindernisse zu überwinden, denn Am-peln und Straßen hatte Milu vorher noch nie gesehen, doch dann stand er vor dem gewaltigen Gotteshaus. Die Liebe muss groß und von besonderer Schönheit sein dachte Milu und ging zur Pforte.
Der Pfarrer stand draußen, begrüßte den kleinen Kater und bat ihn herein. So gewaltig hatte sich Milu das Haus der Liebe nicht vorgestellt. Er hatte Herzklopfen und wartete voller Ehrfurcht darauf, was ihn erwarten würde. Die Kirche war leer, weil alle Men-schen bei der Arbeit waren und so setzte sich Milu mit dem Pfarrer auf eine Bank. Milu erzählte von seiner langen Reise und von seinem unbändigen Wunsch in seinem Her-zen, der ihn von Ort zu Ort eilen ließ. Aber er war auch neugierig und wollte alles über das Gotteshaus und dem Ort der Liebe erfahren. Viele Stunden verbrachten die bei-den in diesem geweihten Haus. Der Pfarrer erzählte Milu von Jesus, von der Schöp-fung und von der unendlichen Liebe Gottes.
Für Milu war dies alles unverständlich, denn warum sprechen alle Menschen von der Liebe, wenn bisher keiner jemals mit ihr geplaudert und keiner vor Freude mit ihr ge-tanzt hat ? Milu war traurig und machte sich wieder auf den Weg in die unbekannte Welt. Auf der Suche nach einem Nachtquartier setzte er sich vor die Tür eines großen Hauses. Es waren viele fröhliche Kinderstimmen zu hören, und schon bald kam ein kleines Mädchen mit langen Zöpfen heraus, sah den kleinen Kater und nahm in mit in die gute Stube. Drinnen wohnte eine arme Familie mit sieben Kindern. Sie saßen alle um einen großen runden Holztisch und aßen gerade zu Abend. Das essen war spärlich und die Einrichtung schlicht, aber alle waren fröhlich und Glücklich. Nach dem Essen nahm die Mutti ein kleines Büchlein zur Hand, aus dem sie eine Geschichte vorlas. Mi-lu war ein wenig erschöpft von seiner langen Reise und freute sich, dass ihn die Fami-lie so liebevoll aufgenommen hatte. Die Tage vergingen wie im Flug, und Milu erlebte eine harmonische Zeit bei seinen Gasteltern. Er war glücklich, denn alle mochten ihn gern, und sie hatten trotz ihrer Armut immer einen Happen zu Essen für ihn übrig. Er spürte Geborgenheit in dieser Umgebung und vergaß für einige Zeit den Grund seiner Reise.
An einem warmen Sommertag hatte ihn seine Neugier und die Suche nach der Liebe dann doch wieder eingeholt und er verabschiedete sich schweren Herzen von seiner Gastfamilie. Die Kinder, die ihn fest in ihr Herz geschlossen hatten, waren sehr traurig und ängstlich, dass Milu auf seiner Reise in Gefahr geraten könnte, und versprachen ihm, jede Nacht ein Licht brennen zu lassen, damit Milu den weg zu ihnen zurückfinden kann. Der kleine Kater war gerührt von der Fürsorge der Menschen.
Milu war schon viele Tage unterwegs, aber die Liebe hatte er immer noch nicht gefun-den. Er trottete Gedankenverloren durch eine dunkle Gasse, als plötzlich ein großes Auto neben ihm hielt. Zwei finstere Gestalten rannten auf ihn zu, und ehe er sich ver-sah, war er in einen Sack gesperrt und im Kofferraum eines dunklen Autos gelandet.
Der Wagen brauste mit hoher Geschwindigkeit davon und Milu hörte, dass noch meh-rere Tiere im Auto waren die schluchzten und weinten. Dann hielt das Fahrzeug an, und alle Tiere wurden in einen muffig riechenden Stall gesperrt. Milu verstand nicht, was mit ihm geschah. Er hatte große Angst um sein junges Katzenleben. Die anderen Tiere waren genauso ängstlich und so setzten sie sich dicht zusammen und überlegten, wie sie den Tierfängern entkommen könnten. Aber sie fanden keine Lösung. Drei Tage saßen sie schon in diesem dunklen Stall und hatten Hunger und Durst. Sie weinten und miauten in der Hoffnung, dass irgend jemand ihre Hilferufe hören würde.
Milu fror und sehnte sich zurück zu seiner Katzenmutti. Viele Gedanken gingen ihm durch den Kopf, und er hatte Sehnsucht nach den Menschen, denen er begegnet war und die ihm soviel über die Liebe erzählt hatten. Nachts träumte Milu vom Förster und von dem alten Mütterlein, die ihn in das Gotteshaus geschickt hatte, und er träumte auch von der Liebe, die er sich in den schönsten Farben vorstellte. Er erwachte, und dachte über seinen Traum nach. Je mehr er sich damit beschäftigte, um so besser verstand er die Aussagen der Menschen über die Liebe.
Auf der Fahrt in das dunkle Verließ hatte er sein Pfötchen verstaucht und es schmerzte ihn stark. Eine kleine braune Katze nahm sein Pfötchen und leckte es mit ihrer warmen Katzenzunge um seine Schmerzen ein wenig zu lindern. Milu war glücklich darüber, dass er in dieser fürchterlichen Situation Freunde gefunden hatte, die ihn trotz der ei-genen Angst wärme entgegen brachten. Am vierten Tag kam ein großer Sturm auf. Ängstlich kauerten die Tiere in einer Ecke. Milu erinnerte sich an die Worte des Pfar-rers, dass Gott auch in allergrößter Not seine ganze Kraft der Liebe an Mensch und Tier verteilt, und über sie wacht. Er wusste nicht, was er von all dem halten sollte.
Dann gab es einen lauten Knall, die Tiere befürchteten dass die Tierfänger sie nun ho-len würden. Sie rückten noch näher zusammen und zitterten vor Kälte und Angst. Plötz-lich wurde Milu nass. Ein paar Regentropfen fielen auf sein Fell. Er schaute nach oben, und sah eine kleine Öffnung. Der gewaltige Sturm hatte den Stall beschädigt. In ihrem Gefangendasein begriffen die Tiere zuerst nicht, was passiert war. Der Mond leuchte-te ein wenig in den dunklen Stall. Nun hatten die Tiere verstanden, was geschehen war. Alle kletterten so schnell sie konnten aus dem Verließ und liefen Querfeldein um irgendwo ein sicheres Versteck zu finden.
Völlig entkräftet sah Milu einen großen Hof, und aus der Ferne hörte er Stimmen. Er ging auf das Licht zu, dass aus einem Stall kam, in dem Schweine und Kühe wohnten. Milu legte sich ins Heu um ein wenig zu verschnaufen, als er Männerstimmen hörte. Voller Angst verkroch er sich und wartete was geschehen würde. Zwei Männer und ei-ne Frau gingen auf eine dicke Kuh zu. Sie schien krank zu sein. Einer der Männer hatte einen langen Kittel an und kümmerte sich ganz besonders um sie. Dann schlief Milu ein.
Seine Träume drehten sich immer und immer wieder um die Menschen und die Liebe. Der Duft von frischem Heu erinnerte ihn an sein Zuhause und an seine Katzenmutti. Als er erwachte hatte er großes Heimweh. Noch ein wenig verschlafen sah er in die Ecke, wo vor einigen Minuten die Menschen bei der Kuh gestanden hatten. Er traute seinen Augen nicht, die große Kuh lag im Stroh und schlief tief und fest, neben ihr lag ein neugeborenes Kälbchen. Ein angenehmes Glücksgefühl durchströmte ihn. Dieses nied-liche Kälbchen, gerade ein paar Minuten alt, gab ihm das Gefühl von Harmonie und Wärme. Am nächsten Morgen kam der Bauer und versorgte seine Tiere. Milu bekam eine große Schale frische Milch und konnte sich richtig satt essen. Er spazierte über den Hof und sah vergnügt, wie die Schweine sich in der erde suhlten, die Hühner vol-ler Spaß um ein paar Körner kämpften, die vom Frühstück übrig geblieben waren. In der Küche sang die Bäuerin ein fröhliches Lied, während sie das Essen zubereitete. Milu setzte sich in die wärmenden Sonnenstrahlen und dachte nach. Sein kleines Herz war schwer, denn die vielen Erlebnisse mussten Stück für Stück verarbeitet werden. So saß er viele Stunden und dachte über seine Reise nach.
Abends dann machte er sich wieder auf den Weg. Sein Herz trieb ihn in seine Heimat zurück. Bald sah er das Licht, dass immer noch für ihn brannte und setzte sich vor die Tür. Die Freude der Familie war riesengroß, als sie Milu wohlbehalten wiedersahen. Die Kinder nahmen ihn sofort mit hinein und richteten ein Katzenbett für ihn. Gerne hät-te Milu seine Erlebnisse erzählt, aber er war überwältigt vor Glück und konnte das Geschehene nicht in Worte fassen. Dicke Tränen rollten über das kleine Katzengesicht, er war glücklich und spürte die Liebe der Menschen, bei denen er ein so liebevolles Zuhause gefunden hatte. Milu lebte viele Jahre bei der Familie und manchmal, wenn sein kleines Katzenherz Sehnsucht verspürte, machte er sich auf die Reise zu seiner Katzenscheune. Dann setzte er sich zu seiner alten Katzenmutti. Beide sahen den Mond und die Sterne an die über ihnen am fernen Himmel leuchteten, und Milu erzähl-te von seiner Reise und wie er die Liebe fand.
 
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Kommentare  

einfach eine süße und herzige geschichte...
nicht nur für kinder ;-)
wirklich schön geschrieben!


*Becci* (18.07.2002)

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