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Nachdenkliches · Kurzgeschichten
Ich habe gerade gesehen, dass unten im Hausflur ganz viele Kartons stehen. Ziehen Sie aus?

Ja, tun wir.

Sie sind doch vor zwei Monaten erst eingezogen.

Ja, das ist uns hier aber nichts. Viel zu laut und so.

Die laute Musik meinen Sie?

Nein, das sind wir. Aber dieses Bullern, Klopfen und Klingeln geht uns auf die Nerven.

Aber sie haben ja jetzt auch die Musik ein wenig leiser gemacht.

Nein, wir haben keinen Strom mehr.

Sie haben keinen Strom mehr.

Nein.

Und wie leben Sie jetzt in der Wohnung?

Ohne Strom!

Aber ich höre doch jeden Morgen ein Radio.

Das läuft mit Batterien.

Ist ja auch auf die Dauer ganz schön teuer, oder?

Na ja, geht so. Wir zahlen ja keine Miete. Dadurch sparen wir ganz schön Geld.

Oh, dann werden Sie rausgeschmissen?

Nein, aber würden wir wahrscheinlich in einem Jahr oder so. Nein, meine Frau ist wieder schwanger und da brauchen wir eine größere Wohnung.

Was haben Sie denn an Räumen? Müsste doch baugleich mit unsrer Wohnung sein.

Drei Räume aber das reicht für acht Kinder nicht.

Sie haben acht Kinder?

Ja. Haben Sie damit ein Problem?

Nein, nein, aber man sieht immer nur ein Kind von Ihnen draußen spielen.

Ja, die anderen haben Hausarrest.

Ständig?

Ständig!

Was haben Sie denn ausgefressen?

Das geht Sie nun wirklich nichts an.

Ja, ich war nur neugierig.

Ja, die sind hier im Haus alle neugierig. Wenn ich mit meiner Frau Sex habe ganz besonders.

Wie bitte?

Na, Sie sind doch auch so ein Wandlauscher dann, oder?

Ich wohne drei Etagen unter Ihnen.

Ach, dann sind wir Ihnen wohl zu leise?

Nein, ich höre rein gar nichts. Ich hab nur ständig die laute Musik gehört, aber das kam hier unten eh nur gedämpft an. Sagen Sie mal, haben Sie vielleicht einmal aus Versehen meine Computerzeitschrift mit nach oben genommen? Vielleicht hat der Zeitschriftenbote die bei Ihnen in den Kasten getan.

Nein, keine Ahnung. Ich hab ja auch gar keinen Strom und auch keinen Computer.

Ok. Wo ziehen Sie denn hin?

In den Keller.

In den Keller?

Ja.

Und der ist groß genug?

Wir haben uns einen Gang unters Haus gegraben und haben da jetzt genug Platz, aber wehe Sie erzählen irgendwem was?

Nein.

Ich hab Ihnen das jetzt auch nur gesagt, weil ich gerade auf LSD bin.

Oh, ok.

Haben Sie die Kinder alle unten im Keller?

Sie meinen wie in Österreich?

Ja.

Nein.

Gott sei Dank.

Die dürfen nicht in den Keller. Die haben Hausarrest.

Ja, ich weiß, aber ich dachte, die haben bei dem Gang mitgeholfen!

Nein. Mein eigen Fleisch und Blut doch nicht.

Sondern?

Das geht Sie nichts an. Und wenn Sie irgendwas davon irgendwem erzählen, werde ich Sie umbringen. Ein Gang endet vielleicht genau in Ihrem Schlafzimmer.
 
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Kommentare  

Diesen Text betrachte ich kritisch. Auf der einen Seite werden üble Taten wie in Österreich aufs Korn genommen, mit soetwas macht man keine Witze (Obwohl die Witze schon fast wieder eher auf dem Markt waren als die Menschen aus dem Keller - unglaublich!) auf der anderen Seite denke ich aber, dass es eine Kritik an den Mitmenschen ist. Nachbarn, die einfach nichts checken, wegsehen bzw. weghören. (siehe Dialog/ Realität) Habe also eine sehr gespaltene Meinung zu dem Text. Button wird nicht gedrückt. LG Sabine

Sabine Müller (18.06.2008)

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