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Hoteldach

Nachdenkliches · Kurzgeschichten
Sie hatte ihr Handy auf lautlos gestellt, den Abschiedsbrief nach dem Schreiben, zerknüllt und hinuntergeschluckt und wartete darauf, dass eine Windböe sie vom Dach schubsen würde.
Die Wolken zogen über ihr in einem pathetischen Tempo vorbei, leckten ein paar Mal am Mond, verschlangen und spuckten ihn wieder aus. Dann verschwanden sie im Dunkel irgendwo überm Horizont. Blinklichter der größeren Häuser leuchteten um die Wette und irgendwo ganz tief unten hörte Maria einen Krankenwagen auf Hilfe fahren. Zuerst kam ihr der Gedanke, dass sie irgendwer gesehen hatte und sich jetzt unter ihr ein Pulk von Menschen sammelte, aber da unten blieb es ruhig. Kein Geschrei, kein Fangtuch und Feuerwehrmänner drumherum.
Nur Passanten gingen vorbei, nicht mehr als kleine Ameisenköpfe und ein paar Autos parkten und endparkten.
Ein Zeitgefühl gibt es vor dem Tod nicht und so dehnten sich die Sekunden und ballten sich alle vorher gelebten Tage zu diesem einzigen Moment.
Alles in ihr strebte dazu, zu springen, aber ihr Verstand kämpfte dagegen an. Eben noch hatte sie in diesem Hotel an der Bar zwei Gläser Wein getrunken und wollte einen erfolgreichen Geschäftstag ausklingen lassen. Außer dem Barmann war niemand mehr da. Er wusch ein paar Gläser ab und fragte, während er ein Weizenglas mit einer Düse ausspülte, ob sie Lust hätte auf ein wenig Musik. Lächelnd sagte sie „Ja, gerne“ und rechnete damit, dass er die Musicanlage über den Cocktailgläsern anmachen würde, aber er kam hinter der Bar hervor, legte sein Handtuch über die Schulter und setzte sich an ein Klavier.
Stille die sich spannte, er saß mit dem Rücken zu ihr, drehte sich noch einmal um. „Nur für Sie“.
Dann fing er an und schon mit dem ersten tiefen Ton, schwang etwas auf Maria zu und ließ sie in sich versinken. Dieses Lied hatte sie noch nie im Leben gehört, es hatte nicht einmal eine Melodie sondern war eher ein Klagen oder besser noch ein fernes Säuseln.
Sie war verwirrt, bäumte sich innerlich kurz auf, aber verlor.
Mit einem Mal hörte sie ihre eigenen Gedanken, die tief in ihr herum gruben, verlor sich völlig und hatte irgendwann gar nicht mitbekommen, dass er schon wieder hinter der Bar stand.
Ihre Augen taten weh, der Barmann gab ihr eine Serviette und fragte, ob sie noch etwas trinken wolle. Nein, sie musste hier weg. Irgendwohin, wo sie diese tiefe Einsamkeit, die sie fühlte, loswerden konnte. Und das konnte nur in der Einsamkeit gelingen.
Im Spiegel im Fahrstuhl sah sie, dass sie noch immer weinte. Ihre Augen waren nicht gerötet, sie waren rot und sie wusste nicht, was mit ihr los war. Sie war vielleicht zu tief in sich gereist und war dabei auf Gefühle gestoßen, die sie weder kannte noch kennen wollte. Doch je mehr sie versuchte sie zu verdrängen, desto intensiver wurden sie.
Auf dem Zimmer versuchte sie sich mit dem Fernseher abzulenken, dann kauerte sie auf dem Bett, überlegte eine Freundin anzurufen, aber wollte gleichzeitig mit keinem Menschen sprechen. Alles um sie herum schien auf sie einzudrängen. Mit zitternden Händen schrieb sie ein paar Worte auf einen Briefumschlag des Hotels und stieg wie selbstverständlich aufs Dach.
 
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Kommentare  

Dies ist eine der langweiligsten Geschichten die ich JEMALS gelesen habe. Vor allem, dies ist nicht mal traurig sondern eher abgehackt und langweilig, du versuchst dich gewählt auszudrücken, dabei kommt nur Mist raus. Schreibe Geschichten und deine "Gedanken" nieder, keiner spricht dagegen, aber veröffentliche sie nicht.

Grüße


anonym (19.12.2008)

Gut geschrieben, aber ich finde, dass der Moment deutlicher sein sollte, in dem sie vom Dach springt/ fällt. (Naja, aber das kann man sich ja auch ohne Worte und viel Fantasie vorstellen.) Wie auch immer: Weiter so!

Tintenkleckschen (14.09.2008)

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