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57 Seiten

Return to Home - Piraterie

Romane/Serien · Spannendes
© Alexander
-Beginn-

Mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch schlug Abrah auf die Lehne seines Kommandostuhls. Niemand auf der Brücke sprach ein Wort. Das Summen der technischen Geräte und des Lüftungssystems und das Piepen der Konsolen waren die vorherrschenden Geräusche auf der Brücke der Fregatte der Royal Fleet of Toivan (RFT). Die Janus war das modernste und einzige Großkampfschiff des Königreichs Toivan.
Das Königreich Toivan gehörte der Rodia Konföderation an. Ein Staatenbund, der alle Sternennationen im Sternenhaufen Gamma II zusammenfasste. Auf Rodia, der Hauptwelt der gleichnamigen Republik, war die Konföderation ins Leben gerufen worden. Insgesamt gehörten ihr alle 11 Sternennationen von Gamma II ein. Bis die 11 Staatsoberhäupter die Gründungserklärung unterzeichneten verstrichen 15 Jahre.
Captain Abrah Gesicht verriet seine tobende Wut, den Ärger und den Frust. Er war niemand der seine Gefühle gut Verbergen konnte. Seine Augen starrten den ausgefahrenen Bildschirm an seinem Kommandostuhl an. Vor 10 Monaten hatte er das Kommando aus den Händen der Königin übernommen und geschworen alle Feinde des Königreichs und ihrer Majestät zu bekämpfen. Zu diesem Zweck stand ihm die RFT Janus zur Verfügung.
Die Hauptaufgabe des Großkampfschiffs und seiner Besatzung war die Grenzsicherheit sowie die Bekämpfung der Piraterie innerhalb des Raumgebiets der Konföderation.
Vor 50 Minuten hatte die Janus einen Notruf von einem wilanischen Frachter empfangen. Die Po`ho, so lautete die Schiffsregistrierung. Gleich nach Erhalt der Nachricht ließ Abrah einen Kurs zum Frachter setzen.
Sie waren vor 10 Minuten aus dem Hyperraum gesprungen. 20 Minuten nach Empfang des Notrufs verschwand das Signal vom Schirm der Langstreckensensoren. Schon zu diesem Zeitpunkt brauchte man kein Mathegenie sein, um zu wissen, dass Sie höchstwahrscheinlich zu spät kamen. Ein Umstand der Abrah gar nicht schmeckte.
Als wenig später auf dem Schirm der zusammengeschossene Frachter zusehen war, konnte er den Wutschub nicht unterdrücken oder aussitzen. Die Po`ho reihte sich in eine steigende Zahl von Frachtern und Handelstransportern die der Piraterie im Raum der Konföderation zum Opfer fielen. Die Mehrzahl der Schiffe hatten eine konföderierte Kennung. Der Rest stammte aus Sternennationen jenseits der Grenze vom Staatenbund. Ihre Zahl stieg, auch wenn zur Zeit die heimischen Frachter und Transporter höhere Opferzahlen zu beklagen hatten.
Sie hatten die Piraten nur um wenige Minuten verpasst. Die Sensoren hatten Spuren eines Hyperraumfensters nahe der Po`ho gefunden.
Der 6,1 Megatonnen Frachter, der größte Pott in der Handelsflotte von Wilan, war zu einem Wrack geschossen worden. Die Außenhülle wies klaffende Wunden auf durch die locker ein Schnellzug fahren konnte. Das Energiegitter flackerte. Alle (Über)Lebenswichtige Bordsysteme waren beschädigt oder ausgefallen. Bisher konnten sie auch keine Lebenszeichen der Besatzung oder möglicher Passagiere feststellen.
Falls jemand den Angriff überlebte, konnte man mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass die Piraten sie gefangen nahmen. Geiselnahme war ein profitables Geschäft. So verdiente die Drecksbande doppelt. Am Verkauf der gestohlenen Handelsgüter und den Geiseln.
Bei dem Gedanken rollte eine neue Wutwelle durch seine Eingeweide.
Die Piraterie wurde zu einer ernsten Bedrohung für das steigende Verkehrsaufkommen. Irgendwann begnügten sich die Piraten nicht mehr mit Frachtern und Transportern. Raumliner und Passagierschiffe mit Hunderten, ja Tausenden Leuten an Bord waren verlockende Beute. Dass es bisher nicht zu Kaperungen, Entführungen und Schiffsgeiselnahmen gekommen war, lag daran dass die Reedereien und Schiffsbetreiber ihre Raumschiffe mit besseren Gegenmaßnahmen ausrüsteten als die Frachter und Transporter.
Wie lange dass die Piraten abschreckte wagte Abrah nicht zu schätzen. Eins war aber so sicher wie das Amen in der Kirche, Sie würden es versuchen und sobald die Versuche erfolgreich verliefen brach der Damm schneller als ihnen lieb war.
Schon jetzt war der Flottenbund der Konföderation überfordert die Grenze zu sichern und gegen die Piraterie vorzugehen. Hinzu kam das es an moderner Ausrüstung, geschulten Personal und ausreichend Flotteneinheiten im Format der Janus mangelte. Nicht alle Sternennationen im Sternenbund konnten sich ein oder mehrere Großkampfschiffe leisten.
Außer dem Königreich verfügten lediglich 3 weitere Sternennationen über Großkampfschiffe. Einfach zu wenig um gegen die Piratenbanden effektiv vorzugehen und ihren Machenschaften ein Riegel vorzuschieben.
So ungerne er es sich eingestand, sie brauchten Hilfe. Ein bitterer Beigeschmack bildete sich zu seiner abklingenden Wut. Abrah gehörte zu denen im Königreich und in der Konföderation die dem Vorstoß seiner Königin kritisch gegenüberstanden.
Königin Mila von Toivan, amtierende Ratsvorsitzende der Vollversammlung der Konföderation, beabsichtigte ein Verteidigungs- und Sicherheitsabkommen mit der Union auszuhandeln. Der Vorstoß hatte ihr viel Kritik eingebracht. Zuhause wie von den anderen Mitgliedern.
Jetzt, im Nachhinein, beim Anblick der Po`ho kam ihm die Sache gar nicht mehr so schlimm vor. Wenn ihnen diese Szenerie etwas zeigte, dann das Sie es aus eigener Kraft nicht schafften den Piraten die Stirn zu bieten.
Mit aufkommender Resignation schaute der Toivaner auf den Schirm.
Eine andere Lösung wollte ihm partout nicht einfallen.

***
Sharon Hard, Präsidentin der Vereinten Terra-Gvan Union, schaute vom breiten Balkon über den Westgarten vom President House, ihrem Amts- und Wohnsitz.
In den 3 Jahren ihrer Präsidentschaft hatte sie leichtere, mal schwerere Entscheidungen treffen müssen. Wobei Sie die Leichten ungleich schwerer fand, als die Schweren. Woran das lag, konnte Sharon nicht sagen.
Eine davon war, ob Sie in 2 Jahren erneut kandidierte. Sharon hatte dazu noch keine Entscheidung getroffen. Zum einen fühlte sie sich aus irgendeinem Grund dazu verpflichtet, zum anderen würde sie nicht unglücklich darüber sein sollte man sie nicht wiederwählen. Mit dem Thema würde man sich frühestens in einem Jahr beschäftigen, wenn langsam aber sicher der Wahlkampf begann.
Wie ihr Vater trat Sharon vor knapp 20 Jahre ins Diplomatische Corp ein. Nach 5 Jahren ernannte man Sie zur Botschafterin auf Nelror, die damals frisch in die Galaktische Föderation aufgenommen wurden. 5 Jahre später schickte man sie als Botschafterin der Union nach Tibius, wo die Galaktische Föderation ihren Sitz hatte.
Dann starb ihr Vater. Sharon legte ihr Amt nieder, trotz aller Versuche von Präsident Gerber sie umzustimmen. Sie kehrte nach Gvan zurück, wo sie aufgewachsen war und lebte ihr Leben, ohne im Traum daran zu denken eines Tages das höchste politische Amt der Union zu bekleiden.
Eines Tages stand der Parteivorsitzende der Demokraten vor ihrer Haustür. Er war ein Freund Ihres Vaters. Ihm hatte sie es zu verdanken, jetzt Präsidentin zu sein. Leider konnte Sharon ihn weder verklagen oder sonst wie belangen, da Gallas inzwischen verstorben war. Sie kannte ihn seit ihrer Kindheit. Auf seiner Beerdigung hielt Sharon eine Rede. Seiner Familie versprach sie alle erdenkliche Hilfe.
„Ist alles in Ordnung?“, fragte Max Holzmann.
Er war ihr Stabschef und ein guter Freund geworden. Dass Sharon ihn zu ihrem Stabschef ernannte, kam für einige Leute überraschend. Einen Großteil der Posten, die zu besetzen waren, hatte sie mit Leuten besetzt, die nicht ihrem Wahlkampfteam angehörten, zu ihren Vertrauten zählten oder Freunde waren. Eine ungewöhnliche Praxis, die ihr ungewollt eine Menge Sympathie bei den Bürgern einbrachte.
Wahrscheinlich rührte daher ihre Beliebtheit her.
Zumindest wenn man nach den Politwissenschaftlern und Meinungsexperten ging.
„Ja. Ich habe mich daran erinnert, wie es vor all dem hier war.“
Max trat neben sie. „Geregelte Arbeitszeiten. Gute Bezahlung. Freie Wochenenden. Ein Privatleben. Freizeit.“, zählte er sachlich auf.
Sharon lachte. Sie hatten sich auf Anhieb gut verstanden, weil man gemeinsam irgendwie in die Politik hineingeschlittert war. Keiner von ihnen hatte sich vorgestellt einmal in ihren momentanen Ämtern zu stehen. „Was hältst du davon?“
„Schwierig.“, antwortete Max ehrlich. „Ich möchte jedenfalls nicht ihrer Haut stecken, Madam President.“
Sie lachte, schaute in das lächelnde Gesicht ihres Stabschef. „Kann ich verstehen.“ Sharon gluckste heiter, kehrte zur Gartenanlage zurück. Sauber getrimmte Hecken. Blumenbeete. Beerensträucher. Große Eichen mit ihren gefächerten Kronendächern. Der Fischteich, den die Gattin von Präsident Gomez anlegte, von seinem Nachfolger trocken gelegt und den Sie wieder reaktivierte.
Beim President Dinner hatte Sie ihn eingeweiht. Unter den funkelnden Augen des Mannes, der ihn trocken legte. Am President Dinner nahmen alle ehemaligen Amtsträger teil die noch unter den lebenden weilten. Er fand am Abend der Amtseinführung statt.
„Wir könnten die Forderung ablehnen.“, warf Max ein und brachte ihr Gespräch wieder aufs Thema zurück.
Die Dämmerung brach ein. Der Regen ging in niesel über.
„Zu welchem Preis?“ Die Frage stellte Sharon in den Raum, ohne eine Antwort zu erwarten. „Lehnen wir die Forderung der Toivaner ab, mischt nächstes Jahr die Liga in der Konföderation mit.
Dann werden Manaz und seine Schakale nicht bis zur Wahl warten und ein Amtsenthebungsverfahren gegen mich vorantreiben. Mithilfe von Manheimer und Konsorten.“
Damit konnte sie nicht mal so falsch liegen, dachte Max.
Manaz, der Präsidentschaftskandidat der oppositionellen Republikaner für die kommenden Wahlen, wetzte bereits seine Klingen. Er ließ keinen Versuch aus sich zu profilieren. Bisher ohne großen Erfolg. Wenn sich die Lage in der Konföderation weiter verschlechterte, würde das Fragen aufwerfen zumal ihnen die Möglichkeit zur Verfügung stand den Status Quo wiederherzustellen. Auf Bitten der Königin von Toivan und amtierenden Ratspräsidentin der Vollversammlung der Konföderation.
Manheimer und seine Mitstreiter sowie Dutzende andere Megakonzerne und ihre Lobbyisten würden Manaz den Rachen nur so mit Wahlkampfgeldern zustopfen das er daran erstickte. Metaphorisch gemeint. Dann konnte selbst ihre Beliebtheit nichts daran ändern, dass der Mann ins President House einzog. Was unter allen Umständen verhindert werden musste, da man mit den Folgen der letzten republikanischen Präsidentschaft zu kämpfen hatte.
„Kommen wir der Forderung nach, werden Sie Zeter und Mordio schreien. Gerät die Angelegenheit auf die eine oder andere Weise aus dem Ruder, werden Sie alles daran Setzen uns die Sache ans Bein zu binden.“
„Sie wissen mich aufzumuntern, Hoffmann.“
Er zuckte mit den Schultern, schaute unschuldig drein. „Dafür werde ich bezahlt, Madame.“
Sie lachten, schauten schweigend über den Westgarten.
Augenblicke später nahm Sharon das Pad zur Hand, machte eine Eingabe und reichte es an ihren Stabschef weiter. Er schaute aufs Display. Seine Miene verriet nicht, was er von ihrer Entscheidung hielt. „Madame President.“ Max trank aus, stellte das Glas aufs Tablett und verschwand. Die Entscheidung war getroffen. Jetzt musste sie in die Tat umgesetzt werden. Wofür er die Beteiligten keinesfalls beneidete.
Sharon blieb noch eine Weile auf dem Balkon, dachte über Dinge nach, für die ihr sonst die Zeit fehlte. Als sie ins Innere zurückkehrte, hatte sie eine weitere Entscheidung getroffen. Sie betätigte die Com Konsole an ihrem Schreibtisch.
„Ja, Frau Präsident?“
„Mario. Verbinden Sie mich mit dem Parteivorsitzenden der Vereinten Demokraten.“

***
Eigentlich war er kein großer Leser, jedenfalls vor den Geschehnissen, die ihn hierher brachten. Er schlug die abgewetzte Seite um, las weiter. Moby Dick ein Klassiker von der Erde. Das Originalbuch, das einst einem der Siedler gehörte die auf Terra der Menschheit eine zweite Chance ermöglichten, befand sich in einem Tresor der Präsidenten Bibliothek und war unbezahlbar. Unter anderem befanden sich in dem Tresor, dessen Standort streng geheim war und den nur der oder die Präsident(in) kannte, die Tagebücher von Jason Greenberg sowie Gemälde von Catherine Vega und allerlei mehr aus der Zeit des Neuanfangs.
„Sven.“ 2 uniformierte Militärpolizisten traten an den Tisch heran.
Sven Berg blickte auf.
Er war ein Insasse der Strafanstalt Rikers auf der gleichnamigen Insel auf Terra. Rikers Island gehörte zur Inselgruppe Südinseln zu der auch die Insel Ramirez gehörte. Die Inselkette stand unter Verwaltung der Vereinten Streitkräfte. Ebenso wie die Ostinsel, zu der die Insel Greenberg zählte.
„Du hast Besuch.“
Auch wenn man es ihm nicht ansah, war Sven doch überrascht. Seit 5 Jahren saß er in Rikers, das bei weitem nicht so berüchtigt war wie Alcatraz Island im gleichnamigen Sternensystem und konnte seine Besuche an einer Hand abzählen. In den letzten 2 Jahren brauchte er sich noch nicht mal die Mühe machen nachzuzählen. Es hatten keine stattgefunden. Daher weckte der Umstand seine Neugierde.
Berg klappte das Buch zu, erhob sich vom durchgesessenen Stuhl. Einer der Wachmänner trat vor, er streckte die Arme aus, bekam Energieschellen angelegt. Danach folgte er dem Wachmann, der vor ihm ging. Sein Kollege hielt die Hand auf dem Schockstab, der am Gürtel hing. Die Wachleute bei den Gefangenen durften keine Pulser tragen. Die Gefahr dass Häftlinge sie ihnen abnahmen war zu groß, schließlich war Rikers Island eine militärische Strafanstalt, in der üble Zeitgenossen einsaßen, von denen manch einer in der Lage war die Wachleute zu entwaffnen.
Schockstäbe konnten einen lediglich außer Gefecht setzten. Sie galt als Nahkampfwaffe.
Berg achtete darauf keine ruckartigen oder schnellen Bewegungen zu machen und dem Vordermann nicht zu nahe zu kommen. Eine Begegnung mit dem Schockstab war recht unangenehm.
Sie fuhren mit dem Turbolift in den 3. Stock. Erst wollte er die MP`s darauf aufmerksam machen, entschied sich dann anders. Die Besucherräume befanden sich im 2. Stock.
Seine Begleiter brachten ihn in einen der Befragungsräume im 3. Stock. Doch statt mit hineinzugehen, blieben sie draußen. Als Sven hineintrat, verharrte er einen Augenblick.

***
Hinter ihm schlossen die Wachmänner die Tür und blieben draußen.
Sein Besucher, ein Mischling, trug die Uniform der Flotte. Als Sven ihn das letzte Mal sah, hatte er den Rang eines Commander`s inne. Heute hingegen befand sich am Kragen das Rangabzeichen eines Senior Commodore. Ein aufrichtiges Lächeln erschien auf dem Gesicht seines Besuchers, als Sven in den Raum trat.
„Es ist schön dich zu sehen.“, eröffnete der Mischling das Gespräch. „Du kannst dich ruhig setzen.“ Mit einer Geste bot er ihm den Stuhl vor dem Tisch hinter dem er saß an.
„Ich stehe lieber, Commodore.“ Trotz ihrer einstigen Freundschaft blieb Sven reserviert. Ihn wiederzusehen freute ihn, zeigen tat er es bloß nicht.
Senior Commodore James zuckte mit den Schultern. Die Kühlheit hatte er auf der Fahrt nach Rikers erwartet. Als Sven Berg verurteilt und schließlich in die Rikers Strafanstalt inhaftiert wurde, hatten sie sich nicht mehr gesehen. Das war inzwischen 7 Jahre her. „Ich hab es nicht besser verdient.“, gab James offen zu. Damals wie heute glaubte er dass der Prozess gegen Senior Commander S. Berg mehr ein Schauprozess war. Sein Vergehen war ohne Zweifel kein Kavaliersdelikt, doch wenn man die Umstände in Betracht zog, zeigte zumindest James Verständnis für Sven. Nicht so Admiral Xavier.
Ohne weiter auf seine Schuld einzugehen, schob James seinem einstigen Freund die Pads zu, die zuvor vor ihm lagen.
„Was ist das?“
Er zeigte aufs Linke. „Das ist deine sofortige präsidiale Begnadigung.“ Sven`s starre Miene zuckte. James Finger wanderte zum rechten Pad. „Darin befindet sich deine umgehende Wiedereinsetzung in den Flottendienst, mit Raumkommandopatent und dem Rang eines Captain`s sowie dein Marschbefehl.“
Sven stand einfach da, schaute auf die Pads und konnte nicht glauben, was er hörte. Man Begnadigte ihn nach 7 Jahren Haft, setzte ihn wieder in den Flottendienst ein, mit einem Raumkommandopatent und den Rang eines Captain`s.
Irgendwo war ein Hacken. Häftlinge, die eine 12 jährige Haftstrafe in Rikers absaßen bekamen in der Regel nach 7 Jahren keine präsidiale Begnadigung, geschweige den ihr Raumkommandopatent zurück plus eine Beförderung.
„Einfach so!“
James schmunzelte. Sein Gegenüber hatte mehr Grips, als ihm viele zu trauten. Nicht umsonst gehörte Sven`s Crew während der Flottenakademiezeit zu den Besten bei den Strategisch-Taktischen Simulationen. In dieser Richtung gehörte Sven Berg zu den Besten. Wenn da bloß nicht dieser kleine persönliche Makel wäre.
„Ich bin nur der Bote.“
Jetzt schmunzelte Sven. „Was, wenn ich beschließe, meine Zeit abzusitzen?“ Eine hypothetische Frage, die durchaus im Bereich des möglichen lag.
„Dann werde ich die Pads wieder einpacken und gehen. Draußen werde ich Admiral Renato über deine Antwort informieren, der dann den Stabschef der Präsidentin deine Entscheidung mitteilt und der es der Präsidentin beichten wird.
Doch seien wir mal ehrlich. Du hast noch 5 Jahre vor dir. In 3 kannst du wegen guter Führung auf Bewährung entlassen werden. Und was dann?“ Soweit hatte Sven nicht gedacht. Sein Gegenüber nahm den Faden wieder auf. „Wenn du glück hast, bekommst du einen Job auf einem verrosteten Kahn, der auf den Nebenrouten entlang tuckert und gerade mal soviel Profit für dich und deine Crew abwirft, ohne Bonuszahlungen.“ Er schüttelte leicht den Kopf. Als würde er sagen das sei kein Leben für ihn. Womit James durchaus recht hatte. „Du wirst alt und grau sein, bevor man dir das Kommando über einen der glänzenden Dicken gibt. Wenn überhaupt!“
„Du weißt einen Mut zu machen, James.“, erwiderte Sven gehässig.
James zuckte mit den Schultern. So war das Leben, dagegen konnte man nichts tun. Vor allem nicht, wenn man einer jener Leute war, die ihre Haftstrafe auf Rikers Island abgesessen haben. Ein Führungsposten in der freien Wirtschaft konnte man sich schenken.
Der Mischling hatte recht. Sein Leben so zu fristen wie er es beschrieb war ihm nie in den Sinn gekommen. Wozu auch ein Aufenthalt auf Rikers Island zählte.
„Hör zu, ich wäre froh dich dort draußen zu wissen. Du bist mir alle mal lieber als Lampard, Zu oder Senna.“ Die Leute waren im selben Jahrgang auf der Flottenakademie. Ihre Rivalen, die ihre Entscheidungen nicht zum Wohle des Eids oder ihrer Untergebenen trafen, sondern nur zu ihrem eigenen Wohl. Sie sicherten sich nach allen Richtungen ab, und wenn dabei Hunderte oder Tausende starben, dann würden Sie sie opfern. Eine falsche Entscheidung, so einer ihrer Dozenten, war immer noch besser als gar keine. „Andererseits würde Admiral Xavier Freudensprünge machen, wenn du ablehnst.
Als er von der präsidialen Begnadigung erfuhr, hat er Himmel und Höhle in Bewegung gesetzt um Sie zu verhindern. Weswegen ihn die Präsidentin ins President House zitierte und ihm den Kopf abgerissen hat, ihre Entscheidung in Frage zu stellen.“
Da wäre Sven nur zu gerne dabei gewesen. Admiral Xavier sorgte seiner Karriere willen dafür das Sven Berg vor Gericht gestellt wurde. Eine Verurteilung war aufgrund der Beweislage nur noch eine Formsache gewesen, das wusste der Mann. Niemand hatte es verhindern können. „Wohin werde ich geschickt?“, wollte er wissen und nickte auf das Pad mit dem Marschbefehl.
„Keine Ahnung. Draußen wartet eine Fähre die dich zum Raumhafen Metro II bei Vega Stadt bringt, wo ein Beiboot auf dich wartet. Die Crew weiß, wohin Sie dich fliegen soll.“
Er dachte nicht ernsthaft darüber nach, wie er sich entscheiden sollte. Sven wollte James nur eine Weile schwitzen lassen. Seine Entscheidung hatte er längst getroffen. „Bis wann muss mich entscheiden?“
„Jetzt. Sofort.“, kam es postwendend zurück.
Damit verriet James ihm ein weiteres Detail. Die Angelegenheit musste schnell über die Bühne gehen. Ein Geheimauftrag im Namen der Präsidentin!? Wohl kaum. Für so was holte man keinen Sträfling aus dem Knast.
Was auch immer es war, er würde zu gerne Xavier`s Gesicht sehen wenn er wieder die Flottenuniform an hatte, begnadigt durch die Präsidentin höchstpersönlich von der er einen Einlauf verpasst bekommen hatte.
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-Eins-

Commander Sheila hielt dem mürrischen Blick des Mannes hinter dem Schreibtisch stand. Die Gerüchte hatten sich bestätigt. Dadurch wurde Sie dazu gezwungen.
„Was ist das?“, wollte Admiral Karim wissen. Der Gvaner hatte wirklich Besseres zu tun, was der Stapel Pads auf seinem Schreibtisch bewies.
„Mein sofortiges Versetzungsgesuch, Sir.“
Er lehnte sich zurück, legte das Pad ab und schaute Sie eindringlich an. Commander Sheila war eine 31 jährige Frau, hübsch, clever und einer Portion zu viel Ehrgeiz, der ihr auf absehbare Zeit ein Bein stellen würde. Sie brachte alles mit, um eines Tages ein eigenes Raumkommando zu bekommen.
Karim wusste, dass Sheila insgeheim auf das Kommando der VF Bismark hoffte, vermutlich rechnete sie sogar zu recht damit. Ihre Referenzen sprachen jedenfalls nicht gegen Sie. Dennoch hatte man entschieden jemand anderem das Kommando zu geben. Nicht irgendjemanden wie sich herausstellte.
Vor nicht mal 1 Stunde war das Gerücht, das bis dahin umhergeisterte und niemand für bare Münze nahm, vom Flottenkommando bestätigt worden. Ihn hatte man im Vorfeld informiert.
Es störte Karim nicht im Mindesten. Ganz anders Commander Sheila, der amtierenden EO der VF Bismark. „Abgelehnt.“, sagte er schroff. Für so was hatte er einfach keine Zeit.
Der Einsatzverband war unvollständig, die zugewiesenen Schiffe, die bereits vor Ort waren, waren unterbesetzt. Der Verband litt unter chronischer Unterversorgung. Die Arbeiten jener Schiffe am Raumdock und in den Werften rissen ein Loch in den Zeitplan zum Aufbruch des Einsatzverbandes in die Konföderation. Das strategische Einsatzkonzept konnte man in die Tonne kloppen. Es mangelte an ausreichend Munition, fähigem Personal und medizinischen Gütern, Ersatzteilen und dergleichen. Die Nachschubversorgung war eine Katastrophe. So konnten Sie unmöglich die vorgegebene Einsatzdoktrin umsetzen.
„Dagegen muss ich formell Beschwerde einlegen, Sir.“
Ärger stieg in ihm auf. Karim war ein besonnener Mann, eigentlich. Doch irgendwann riss jedem der Geduldfaden. Seiner stand kurz davor. „Fein, dann tun Sie das, Commander.“, erwiderte er ungeduldig. „Eins sollten Sie jedoch bedenken, Sheila.“, warf Karim auf persönlicher Ebene ein. „Sie werden höchstwahrscheinlich von ihrem Posten als EO der Bismark abgezogen.“ Worauf Sheila es ja scheinbar anlegte. „Man wird ihnen dann sobald kein Raumkommando an die Hand geben.“ Ein wohlgemeinter Rat. Die Suche nach einem neuen EO würde weitere Verzögerungen bedeuten. „Sie werden zurückgestuft und können von Glück sagen, wenn ihr Name in 5 Jahren wieder auf die Liste kommt.“ Er beugte sich leicht vor, schaute ihr ins Gesicht und ließ jede Härte vermissen. Karim nahm das Pad in die Hand, das Sheila ihm gegeben hatte. „Hiermit spülen Sie ihre Karriere das Klo runter, Sheila.“ Er legte es zurück auf seinen Schreibtisch. „Wenn Sie darauf bestehen, kann ich sie nicht davon abhalten. Eins sollte ihnen aber klar sein.
Dann gibt es kein zurück mehr.“
Schweigen senkte sich über das Büro vom Kommandeur über den Einsatzverband Poseidon.
„Es tut mir leid, Sir. Ich kann nicht unter ihm dienen.“
„Wieso?“, hackte Karim nach.
„Er wurde verurteilt und inhaftiert“
„und von der Präsidentin begnadigt.“, beendete er den Satz. „Ich kenne ihn.“, gestand Karim. „Sie kennen nicht die ganze Geschichte, Sheila.“ Er schwieg einen Moment. Es war nicht an ihm sie ihr zu erzählen. Dann musste man nämlich einen neuen Einsatzkommandeur ernennen. „Ich kann ihnen versichern, dass ich vollstes Vertrauen in Captain Berg habe.“ Er sprach die Wahrheit. Berg gehörte zu den fähigsten Männern, die er kannte. Ihn als Kommandeur in seinem Verband zu wissen ließ ihn beruhigter schlafen. Was er nicht von all seinen Schiffskommandanten sagen konnte, die dem Verband angehörten. „Warten Sie mit ihrer Entscheidung, bis wir den Einsatz hinter uns gebracht haben.
Sind sie dann immer noch der Meinung sich Versetzen zu lassen, werde ich ihrem Antrag zustimmen und eine Empfehlung aussprechen.“ Mehr konnte er nicht tun. Sollte Commander Sheila auf ihrem Beschluss beharren, würden weitere Führungsoffiziere der Bismark abspringen. Sie war das Zünglein an der Waage.

***
„Verdammt noch mal.“, fluchte Junior Commander Amy Ritter, schlug mit frustriert mit der Faust gegen ihre Terminalstation. Die Anzeigen veränderten sich dadurch nicht. Sehr zu ihrem Leidwesen. „Diese neue Technik ist der allerletzte Schrott.“, setzte die Leitende Ingenieurin der VF Bismark ihre Triade fort.
Man hatte dem Schiff eine Generalüberholung verordnet bevor der Kreuzer für den Einsatzverband Poseidon zu geteilt wurde. Vor der Ernennung hätte das Großkampfschiff 3 bis 5 Monate in der Werft oder im Dock für die Generalüberholung verbracht. Jetzt lag die Bismark an einem Dock und man musste die Arbeiten von 3 bis 5 Monaten in weniger als 3 Wochen schaffen.
Was machbar gewesen wäre, wenn man ihr das Dreifache an Techniker & Ingenieure zur Verfügung gestellte hätte. Mit ihrer Rumpfmannschaft, einem Dutzend auswärtiger Techniker und den Dockarbeitern wurde das Vorhaben zu einem Ding der Unmöglichkeit.
Vor allem da es auch an der vorhandenen Ausrüstung mangelte.
Einmal mehr verfluchte Amy die Männer und Frauen im Logistikzentrum der Vereinten Flotte. Sie hatten ihr nicht mal ansatzweise das geschickt was sie und ihre Mannschaft brauchte um den Zeitplan auch nur im Ansatz einhalten zu können. Und so langsam gingen ihr die Ideen aus, wie sie den Schlamassel bewerkstelligen sollte.
Amy lehnte sich gegen ihren Drehstuhl, verschränkte ihre Arme hinter den Kopf und grübelte wie sie die verdammte Magnetspule kalibrieren konnte ohne gleich den gesamten 2. Magnetkopf vom Impulsreaktor zu demontieren. Ihre Mittel waren beschränkt, was noch leicht übertrieben war. Die Demontage würde sie um 2 weitere Wochen zurückwerfen. Ein Gutes hätte die Angelegenheit, mit einem demontierten Magnetkopf würde die Bismark nirgend wohin fliegen.
Den Gedanken verwarf Amy gleich wieder, so verlockend er auch schien. Die Bismark gehörte zum Hauptverband, ihr fehlen würde ein Loch ins brüchige Einsatzkonzept reißen das zu stopfen alles in Frage stellte. Was wiederum nicht so schlimm erschien, zumal sich die Entscheidungsträger dann Gedanken machen mussten was für eine Scheiße sie entschieden haben. Der Einsatzverband Poseidon war ein Luftschloss. Ein Einsatz wie der Ihre, brauchte Wochen, ja Monate der Vorbereitung und konnte nicht innerhalb von wenigen Wochen vom Stapel laufen.
Nicht unter den gebenden Voraussetzungen.
Tja es nutzte alles nichts. Sie hatte einen Zeitplan einzuhalten, verfügte weder über das notwendige Personal noch die nötigen Ausrüstungsteile um die Generalüberholung im vollen Umfang zu bewerkstelligen. Also hatte Amy einen abgespeckten Plan aufgestellt, in dem nur die wichtigsten Dinge enthalten waren, die gemacht werden mussten. Ohne Wenn und Aber.
Dazu gehörte eben auch die neuen V7c Magnetspulen zu kalibrieren. Andernfalls riss es im schlimmsten Fall einen der 3 Magnetköpfe des Impulsreaktors auseinander und die Bismark endete in einer Fontäne aus mehrfarbigen Explosionsblitzen.
Den Gedanken fand Sie irgendwie amüsant, auch wenn das ihren Tod zur Folge hatte. Eben Pech gehabt! Der Duft von Zimt stieg ihr in die Nase.
Da schob sich eine dampfende Tasse Kaffee in ihr Blickfeld, gehalten wurde Sie von einem Gvaner mit dunkelroten Dreadlocks und ausrasierten Schläfen. Auf dem dunklen olivenfarbenen Gesicht erschien ein Grinsen, als ihn Amy ansah. „Ich dachte mir sie könnten einen Wachmacher vertragen, Ma’am.“
Amy schüttelte amüsiert den Kopf, nahm die Tasse entgegen, zog den Duft vom aromatischen Kaffee mit der Zimtnote ein und nippte vorsichtig an dem Getränk. „Danke, Lee.“ Der Kaffee schmeckte genauso, wie sie ihn mochte. Es war ein Mix aus Kaffee und Kakao mit Zimt. Ohne diese Mixtur hätte sie die Nächte an der Flottenschule kaum durchgestanden, vor allem vor den Prüfungen. Sie nahm einen weiteren Schluck, schloss für einen Augenblick die Augen, genoss das Aroma und die Wärme ihres Getränks.
„Luna und ihr Team haben den primären Energiekonverter installiert. Die Testläufe sehen zuversichtlich aus.“, berichtete Lee ihr.
Amy schaute ihren Stellvertreter an. Er gehörte zu den wenigen die mit ihr schon vor der Versetzung, auf die Bismark, mit ihr zusammengearbeitet hatte. Das verkürzte die Einarbeitung erheblich. „Wenigstens etwas das zuversichtlich aussieht.“, erwiderte sie bitter.
Lee schaute aufs Display ihrer Terminalstation.
Die Magnetspulen waren ihr größtes Problem. Bisher waren alle Versuche gescheitert die neuen V7c so zum Laufen zu bringen, dass der Magnetkopf heil blieb. Beim Probelauf musste der Impulsreaktor notabgeschaltet werden. Ein schwerer Rückschlag in ihr Bemühen die Bismark flott zu bekommen. Seither arbeitete man Tag und Nacht daran das Wunderwerk der Technik zu kalibrieren.
„Das Interface der Waffenkontrolle?“ Amy wollte sich erstmal nicht mit dem vordringlichsten Problem beschäftigen.
Der Gvaner sah zu ihr, lehnte sich lässig an die Station. „Schrott.“ Amy richtete sich auf. „Die Schussrate liegt weit über dem Nominalwert. Hinzu kommen schwere Anwendungsfehlermeldungen bei multiplen Raketenfeuer.“ Lee hob resignierend die Schultern. „Immer wenn wir einen Fehler ausmerzen, kommen neue hinzu. Uns fehlen einfach die nötigen Uplinkknoten, damit das System effektiv arbeitet.
In einem Gefecht haben wir noch nicht gefeuert, da ist der Pott schon Schrott.“ Er nahm einen Schluck von seiner Schokolade. „Das einzig Positive ist, das Verteidigungssystem läuft tadellos. Wenn uns also der Magnetkopf nicht um die Ohren fliegt, könnten wir bei einem Gefecht rechtzeitig das Weite suchen.“
Wunderbar. Ein Großkampfschiff das in einem Raumgefecht nicht einen Schuss abgegeben konnte, bevor der Feind (wer auch immer es war) auf sie einprügelte. Rosige Aussichten den kommenden Einsatz zu überleben sahen anders aus.
Amy stellte ihre Tasse auf die Anrichte ihrer Terminalstation, machte eine Eingabe auf dem Touchfeld, sah sich die folgende Darstellung an. „Sag Keiko sie soll ein Neues besorgen. Wie sie es anstellt, ist mir egal.“ Lee grinste leicht vor sich hin. „Und sie soll uns Uplinkknoten beschaffen.“
„Wie Sie wünschen, Ma’am.“ Der Gvaner verzichtete darauf zu salutieren und ließ seine Chefin alleine.
Es wurde Zeit schwere Geschütze einzusetzen. Ihr war jedes Mittel recht. Im Krieg und der Liebe ist alles erlaubt. Ohne Ausnahme.

***
„Sie hat sie gestohlen!“, schrie der zivile Leiter der Raumdocks aufgebracht. Sein Kopf hatte eine feuerrote Farbe angenommen und drohte unter dem Druck jeden Moment zu barsten der im Inneren herrschte.
„Das ist eine haltlose Unterstellung, Sir.“, entgegnete EO Sheila sachlich. „Ich verbürge mich für Senior Chief Kasai.“
„Pah.“, brummte der schwergewichtige Mann abfällig neben ihr. „Senior Chief Kasai ist nichts weiter als eine Diebin in Flottenuniform.“ Das Letzte spie der Mann verächtlich aus. Was ihm einen missbilligen Blick von Admiral Karim einbrachte.
„Sir. Wenn ich darf, würde ich gerne zur Aufklärung des Missverständnis beitragen.“, warf LI Ritter ein. Der Zivilist funkelte sie hasserfüllt an.
„Bitte, Lieutenant Commander.“
Amy trat einen Schritt vor, beachtete den Leiter der Raumdocks nicht. „Vor 3 Tagen habe ich ein Anforderungsformular ans Büro von Mr Weinberg geschickt.“ Einen Tag zuvor war ein Nachschubkonvoi eingetroffen. In der Frachtliste hatte Amy Güter gefunden die Sie gut gebrauchen konnte. Mr Weinberg’s Aufgabe war es die ankommende Ausrüstung anhand der Anforderungsprofile zuverteilen. Stattdessen lagerte man die Dinge ein.
Eliah Weinberg wollte eine Erwiderung abfeuern, doch der Blick von Admiral Karim hinderte ihn daran. Somit fuhr Amy fort. „Während die Anfragen der Rushford, Calgary, Ba, Jerusalem und Doha zeitnah bearbeitet wurden, blieb die Meinige trotz mehrfacher Rückfrage liegen.“ Zur Untermauerung reichte LI Ritter dem Mann ein Pad, wo der gesamte Com- und Nachrichtenverkehr gespeichert war. Sie hatte Keiko Kasai nicht ohne Grund mit der Beschaffung beauftragt. Die Frau war ohne Zweifel ein Langfinger. Sie konnte zu jeder Zeit alles besorgen. Ein Talent das viele falsch interpretierten. An Bord von Raumschiffen war diese Fähigkeit Gold wert.
Statt sich lautstark zu beschweren, presste Weinberg die Lippen zusammen.
Karim nahm das Pad entgegen, schaute sich den Inhalt an, legte das Pad beiseite und schaute den Leiter der Raumdocks an. „Können Sie das erklären, Mr Weinberg?“
Der Mann schwieg länger als es nötig. Er warf Amy einen wütenden Seitenblick zu. „Ein Missverständnis“, gab er kleinlaut zu. Um im nächsten Moment seine Stimme zu erheben. „Das gibt Senior Chief Kasai noch lange nicht das Recht ins Depot einzubrechen und sich nach gut dünken zu bedienen als wäre sie in einem Selbstbedienungsgeschäft.“
„Nichts davon kann Mr Weinberg beweisen.“, sprang Amy in die Presche. „Captain Svörd hat die Bismark durchsuchen lassen. Er fand nichts von dem, was Senior Chief Kasai angeblich aus dem Depot entwendet haben soll.“
Karim schaute den Hünen vom Vereinten Terra-Gvan Marine Corp an. „Das kann ich bestätigen, Admiral.“ Weinberg presste etwas Unverständliches heraus. Beim Blick des Marines zog er den Kopf ein. „Wir haben keinen Beweis gefunden das Senior Chief Kasai in das Depot einbrach. Was im Übrigen nicht allzu schwer ist. Das Depot ist bei weitem nicht so gesichert wie es sein müsste.“ Dieser Tadel ließ Weinberg weiter schrumpfen. „Selbst wenn Sie es getan hat“ Svörd sah beschwichtigend zu LI Ritter. „kann ich mir nicht erklären wie sie alles unbemerkt zur Bismark schaffen konnte.“
Karim nickte dem Marine zu. Er zweifelte nicht daran dass die Anschuldigen von Mr Weinberg stimmten (sie taten es, darauf würde er sein Jahressold wetten) doch gab es keinerlei Beweise. „Also gut.
Mr Weinberg sie können selbstverständlich Anzeige erstatten.“, teilte er dem Mann mit, ohne auch nur die Spur von Anteilnahme zu zeigen. „Nichtsdestotrotz erwarte ich das Sie die Anforderungen der Bismark unverzüglich bearbeiten.“ Der Kopf des Mannes ruckte hoch. Seinen Widerspruch schluckte er herunter. „In 10 Tagen laufen wir aus.“ Das richtete er alle im Raum. „Sollte eins der Schiffe bis dahin nicht fertig sein, wird es eine intensive Untersuchung geben. Dafür werde ich Sorgen.“ Weinberg vermied jeglichen Augenkontakt. Er schaute zu Boden. Denn ihm war genauso wenig an einer Untersuchung gelegen wie allen anderen. Dann käme er nämlich in Erklärungsnot. „Guten Tag.“
Die Runde löste sich auf. Mr Weinberg war rasch verschwunden.
Karim schaute der Gruppe hinterher.
Er glaubte nicht das Mr Weinberg Anzeige erstattete. Und wenn stand zu bezweifeln, dass man Senior Chief Kasai die Tat nachweisen konnte, ebenso wenig eine Mitwisserschaft von LI Ritter. Jemand wie Keiko Kasai gab es beinahe auf jedem Schiffe der Flotte. Einer von Ihnen hatte sogar ein Raumkommando erhalten …
Karim schaute auf die Uhranzeige.
… und würde in 2 Tagen eintreffen.
Das konnte ja heiter werden!!

***
Sven Berg, Captain der Vereinten Terra-Gvan Flotte, Kommandeur der VF Bismark, schaute die Reflexion seiner Person an. Durch die spärlichen Betätigungsmöglichkeiten während seiner Haftzeit hatte er wie die meisten Haftlinge seinen Körper trainiert. Dadurch hatte er unweigerlich an Muskelmasse zugelegt. Er wirkte auf sich bulliger. Seine Oberarme und der Brustkorb hatten an Umfang gewonnen. Die Uniform spannte sich da.
Er war das typische Abziehbild eines entlassenen Häftlings, da machte Sven sich keine Illusion. Als die Fähre mit ihm vom Flaggschiff des Einsatzverbandes zur VF Bismark rüber setzte, hatte er bereits mehrere Stunden Flug hinter sich. An Bord eines Raumtransporters zum Everest System, wo der Einsatzverband Poseidon zurzeit lag. 5 Tage Flug im Hyperraum mit gut 400 Passagieren an Bord, die genau wie er ins Everest System kutschiert wurden.
Von allen Mannschaftsteilen waren welche an Bord. Taktik. Wissenschaft. Sensor. Waffen. Steuer. Technik. Sogar ein Trupp Marines war darunter. Hauptsächlich Menschen, Gvaner und Mischlinge.
Sven verließ seine Kabine nur zum Essen in der Schiffskantine. Wie schon bei seinem Aufenthalt auf Rikers Island las er. Denn aus dem Marschbefehl ging nicht hervor was für eine Aufgabe auf ihn im Everest System wartete. Seine Wiedereinsetzung in den Flottendienst mit dem dazugehörigen Raumkommandopatent ließ platz für Spekulationen.
Als der Raumfrachter am Vormittag Standardzeit an der Raumstation -Everest Station- andockte und die Passagiere von Bord gingen, wurde er im Gegensatz zu den 400 Frauen und Männern in Empfang genommen, zu einer startbereiten Fähre gebracht, die gleich nach seinem Einstieg abflog. Sie brachte ihn zum Flaggschiff, wo er auf einen alten Bekannten traf, Admiral Karim.
Der Mann empfing ihn herzlich und frei von Vorurteilen. Zweifelsohne lag das daran, dass Karim über die Geschehnisse bescheid wusste, die letztlich zu seiner Verurteilung und anschließenden Inhaftierung auf Rikers Island führte. Die Blicke derjenigen die mit ihm zu später Stunde (nach Terra-Gvan Stern Standardzeit) in der Kantine an Bord des Raumfrachters saßen und aßen waren häufig misstrauisch, unschlüssig oder abwertet. Wer er war, hatte längst die Runde gemacht. Auch wo Sven sich die letzten Jahre aufgehalten hatte.
Ihm war von vorne rein klar gewesen, als er das Angebot annahm, das es so kommen würde. Für diese Leute war er ein Sträfling, der eigentlich in Gefängniskluft in einer kleinen Zelle sein sollte, statt an Bord eines Raumfrachters auf dem Weg ins Everest System.
Admiral Karim eröffnete ihm schließlich welche Aufgabe ihm zuteil wurde. Sven Berg bekam das Kommando über den Kreuzer VF Bismark. Sofern der Einsatzverband Poseidon in Richtung Konföderation auslief, würde die Bismark ins Toivan System entsandt, wo der Kreuzer im Kampf gegen die Piraten stationiert wurde.
In diesem Moment bekam Sven eine Ahnung über den Grund der präsidialen Begnadigung. Die Sicherheitslage in der Konföderation verschärfte sich mit jedem Tag, jeder Stunde und jeder Minute mehr. Piraten wurden für den steigenden Handelsverkehr aus und in die Konföderation zu einem ernsten Problem. Alleine konnte man der Sache nicht Herr werden, daher bat die Ratspräsidentin der konföderierten Vollversammlung die Union um Hilfe. Dass die Präsidentin der Union diese gewährte überraschte Sven nicht sonderlich. Seine Rolle in dem Ganzen war ihm noch nicht ganz klar.

***
Eine Fähre brachte ihn zu seinem Großkampfschiff.
Der Kreuzer lag eingerüstet an einem der Oberen 12 Arme des Raumdocks im Everest System. Ihm kam das Raumdock wie eine überdimensionale Spinne vor. Vom Rumpf, das eigentliche Raumdock, gingen 12 obere und 12 untere Arme ab. An jedem Arm konnten Großkampfschiff vom Typ Schlachtkreuzer bis zur Simone Klasse festmachen. Die Simone Klasse der Schlachtkreuzer war die Kleinste in der Vereinten Flotte. Größere Raumschiffe mussten entweder an Werftschiffen oder in Raumdocks untergebracht werden.
Drohnen und Robots schwirrten umher. Dockarbeiter in Raumanzügen klebten am Rumpf der Bismark wie Blutegel, schweißten, schnitten oder hantierten an seinem Schiff.
Ein warmes Gefühl stieg in ihm beim Anblick des Kreuzers auf.
Die VF Bismark gehörte zur Mandela II Klasse. Kreuzer der Mandela I Klasse waren seit 20 Jahren nicht mehr im Dienst der Vereinten Flotte. Für Kreuzer der Mandela III Klasse gab es bereits Pläne, die im Zuge des Flotteninstandsetzungsprogramms umgesetzt werden sollten. Die Mandela Klasse zeichnete sich als kampfstarke und robuste Großkampfschiffklasse aus. Von den 143 in Dienst befindlichen Kreuzern gehörte die Bismark zur zweiten Generation der Mandela II Klasse. 7 Jahre hatte der Kreuzer auf dem Buckel, unzählige Kilometer auf dem Tacho, hatte an zig Kampfhandlungen teilgenommen und sie überstanden.
Die Bismark gehörte nicht zu den modernsten Kreuzern seiner Art sein, dafür aber zu den langlebigsten. Das Schiff hatte in Schlachten zweier Kriege sein Können gezeigt. Jetzt sollte es unter seinem Kommando auf Piratenjagd gehen. Sofern es LI Ritter und ihrer Mannschaft gelang den Kreuzer rechtzeitig flott zu bekommen.
Woran Sven keinen Zweifel hatte.
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-Zwei-

Amy Ritter gehörte zu der Handvoll Leuten an Bord der Bismark die sich freuten das Sven Berg das Kommando hatte. Sie diente bereits auf 2 Schiffe, auf denen auch Sven Berg seinen Dienst tat. Auf ihrer ersten gemeinsamen Station war er 1. Taktikoffizier. 3 Jahre später bekleidete er den Posten des EO. Was auch gleichzeitig sein letzter Posten war, denn danach wurde Berg unter Anklage gestellt, verurteilt und nach Rikers verfrachtet. Sie hätte damals für ihn ausgesagt, doch sein Verteidiger setzte Amy nicht auf die Zeugenliste. Wie 4 Andere auch, die bereit waren für ihn auszusagen. Bis heute hatte sie nicht in Erfahrung bringen können, wieso man auf ihre Aussage verzichtete. Schließlich hätte dann die Möglichkeit bestanden, dass das Tribunal ein anderes Urteil fällte.
Die Vergangenheit ist vergangen, wie ihre Mutter zu sagen pflegte.
Die 1. Stabsbesprechung war sehr unterkühlt gewesen. Außer ihr und Senior Lieutenant Darnell, der 1. Sensoroffizier, hatte keiner der weiteren Führungsoffiziere den Kommandanten mit offenen Armen empfangen. Irgendwie verständlich, gestand sich Amy ein. Von wem Sie jedoch am meisten enttäuscht war, war Sheila. Ihre Freundin machte sich zurecht Hoffnung auf das Schiffskommando. Das Sie es nicht bekam war andererseits nicht überraschend. In den seltensten Fällen erhielt ein EO das Kommando über das Schiff, auf dem er/sie diente.
Ihre Kühlheit gegenüber Berg sprach Bände und sorgte für einen schweren Stand des Kommandanten gegenüber den Führungsoffizieren, was zu einer Kluft führte die sich zu schwerwiegenden Problemen ausweiten konnte. Der EO war das Bindeglied zwischen dem Kommandanten, den Führungsoffizieren und der Mannschaft.
Amy jedenfalls würde sich nicht damit reinziehen lassen. Ebenso wenig Darnell. Auch wenn viele etwas anderes behaupteten, Sven Berg war ein guter Mann, der in hitzigen Situationen kühlen Kopf bewahrte. Sie hoffte bloß die Vorurteile, die ihm entgegengebracht wurden, sorgten nicht für eine Katastrophe.
Trotz allem hatte Sie einen Grund zur Freude. Ihnen war es endlich gelungen die Magnetspulen zu kalibrieren. Dafür mussten Sie sie zwar erst neu konfigurieren, doch letzten Endes zählte das Ergebnis. Die Bismark konnte sich fortbewegen ohne Gefahr zulaufen in Stücke gerissen zu werden.
Seit dem schien der Knoten geplatzt zu sein. Sie konnte weitere Problemfälle von ihrer Liste streichen. Nun sah die Sache nicht ganz so hoffnungslos aus, wie noch vor 20 Stunden, wo an ein Auslaufen nicht zu denken war.
„Commander.“
Sie hatte sich so in dem Erfolg gesuhlt, dass Amy nicht mitbekam das Cpt Berg ihren offenen Arbeitsplatz im Hauptmaschinenraum betrat. Als sie ihn das letzte Mal sah, wirkte er gar nicht so kompakt wie bei seiner Ankunft. Er wirkte mehr wie ein Ringer oder Rugby Spieler, als ein Flottenoffizier.
Er hob die Hand, als Sie sich aus ihrem Stuhl erheben wollte. „Ich hab einen kleinen Rundgang durchs Schiff gemacht.“ Auf ihrem Gesicht war der Ansatz eines schiefen Lächelns zu erkennen. In ihrer Flottenlaufbahn hatte Amy nur einen weiteren Schiffskommandanten kennengelernt der ein Rundgang durch sein neues Schiff machte. Ihr jetziger Kommandant hatte genau wie Sie unter der Person gedient, Admiral Vic’torja. Eine lebende Legende der Vereinten Flotte. „Dabei bin ich am Lager 4 vorbei gekommen.“ Der Ansatz ihres Lächelns verschwand sofort. Falls er den Wechsel bemerkte, behielt der Cpt es für sich. „Zu meiner Verblüffung musste ich feststellen das Lager 4 belegt ist, obgleich die Lagerplanung etwas anderes offenbarte.“
Sie zuckte unschuldig mit den Schultern. „Keine Ahnung wie das passieren konnte. Muss eine Fehlplanung sein.“
Er schaute Amy mit einer neutralen Miene an. Berg wusste, was gespielt wurde, schließlich hatte er die Berichte in seinem Postfach ausgiebig gelesen. Darunter befand sich die Beschwerde von Mr Weinberg sowie der darauffolgenden Durchsuchung durch die Marines von Captain Svörd. Während der Durchsuchung war Lager 4 versiegelt. Die Marines hatten daher keinen Blick hineingeworfen.
Sven schon und was er sah, ließ ihn schmunzeln. Was er gegenüber LI Ritter natürlich nicht zeigte. So froh er war sie unter seinem Kommando zu wissen, musste doch eine gewisse Distanz wahren. Er kannte die Spielchen, wusste, worauf er achten musste. Immerhin gehörte Sven einst zu denen die auf den Schiffen nur die Organisatoren genannt werden. Jene Leute besorgten einem alles, egal ob das Schiff im Orbit eines Planeten lag, an einer Raumstation angedockt war oder durchs All flog.
Daher schätzte er Senior Chief Keiko Kasai als eine der Besten ihres Fachs ein. Bisher schien seine Einschätzung sogar zu stimmen.
Sven hatte nicht vor ihr auf die Finger zu schauen, solange es im Rahmen blieb und niemand ernsthaft zu schaden kam, hatte Keiko Kasai nichts zu befürchten. Wie sagte einst, Lady Vic’torja, was ich nicht weiß macht mich nicht heiß. Es hatte Jahre gebraucht, bis er den Sinn dahinter verstand.

***
In den letzten Tagen, vor dem Starttermin des Einsatzes, nahm die Sache Fahrt auf. Weitere Transporter und Frachter mit Ausrüstung und Personal trafen im Everest System ein, um zügig auf die Schiffe des Einsatzverbandes verteilt zu werden. Die unterbesetzten Schiffsbesatzungen erreichten Soll Stärke. Die Ersatzteile und Ausrüstungsbestände füllten die Depots und Lagerräume der Schiffe. Ein logistischer Albtraum, der irgendwie nicht aus dem Ruder lief. Hier und da hackte es zwar, vor allem bei den Instandsetzungsarbeiten, aber Admiral Karim war guter Dinge dass der Einsatzverband pünktlich in die Konföderation aufbrach.
Vor 10 Tagen jedenfalls hätte er keinen Cent darauf gesetzt. Nicht weil er es den Beteiligten nicht zutraute, sondern der Umfang der zuerledigen Arbeiten einfach schier unmöglich war in der vorgegeben Zeit zu bewerkstelligen. Zum Glück war er kein Spieler.
Ein fader Beigeschmack blieb dennoch.
Dem Einsatzverband fehlte die nötige Einspielzeit. Am Ende konnte man behaupten das sei nicht wichtig, da der Verband nicht in seiner Gesamtheit in der Konföderation operierte, sondern auf das Raumgebiet verteilt wurde, um eine flächendeckende Operation zu gewährleisten.
Manches Schiff, wie die Bismark oder die Vancouver mussten alleine operieren. Sie konnten zwar auf die Unterstützung der einheimischen Einheiten zurückgreifen, doch im Ernstfall konnte deren Kampfkraft ihnen nicht wirklich weiterhelfen. Ein Umstand, der ihm nicht besonders gefiel.
Daher hatte Karim beim Flottenkommando auf mehr Einheiten gedrängt. Er bekam lediglich einen altersschwachen Leichten Kreuzer zusätzlich, der weit oben auf der Verschrottungsliste stand. Es war offensichtlich dass die Vereinte Flotte größere Schwierigkeiten hatte die optimale Mischung bei den Einsatzverbänden zu finden. Der letzten Regierung sei Dank.
Er konnte es nicht ändern, jammern brachte ihn ebenso wenig weiter, wie zu klagen dass das Einsatzkonzept mit dem ihm zur Verfügung stehenden Einheiten nicht umsetzbar war. Diejenigen im Flottenkommando mit Ahnung wussten, das er recht hatte, konnten es aber nicht ändern. Man ging auf dem Zahnfleisch, was die Einsatzmöglichkeiten der Flotte anging.
Ihm wurde übel, wenn er daran dachte, das sich irgendjemand dazu genötigt sah die Union herauszufordern. Sicherlich war man weiterhin eine Raummacht. Sie verfügten bloß nicht mehr über die Variablen vor dem Modernisierungsprogramm der Vorgängerregierung.
Karim zuckte innerlich mit den Schultern. Es half ja nichts. Sein Einsatzverband war vollzählig, das überarbeitete Einsatzkonzept stand. Mehr war einfach nicht drin. Alleine die Versorgung des Einsatzverbandes Poseidon im Everest System war eine logistische Herausforderung für das Amt für Logistik & Versorgung der Vereinten Flotte.
Er schaute auf den Chronometer. 4 Tage noch.
Vielleicht konnte der Verband eine gemeinsame Übung abhalten, bevor Sie ausliefen. Und wenn nicht mussten Sie halt unterwegs nachholen, was sie jetzt verpassten. Sie hatten schließlich 6 Tage Hyperraumflug in die Konföderation vor sich. Genug Zeit um die neuen Besatzungsmitglieder des Verbandes zu drillen, auszubilden und zu schulen.
Karim betete, dass der Einsatz nicht zu einem Desaster wurde.

***
Scheiße. Junior Fähnrich Jacobson sprintete durch den Gang, überholte andere Besatzungsmitglieder der Bismark, schlug dabei Hacken wie ein Hase, ignorierte die Rufe und Kommentare und setzte seinen Lauf fort. Ein Blick auf die Uhr. Verfluchte Scheiße.
Es war gerade Mal 20 Minuten an Bord des Kreuzers und als Frischling hatte man von vorne rein keinen guten Stand. Ob ihm seine Läuferfähigkeiten, weswegen er zur Laufmannschaft seines Jahrgangs an der Flottenakademie gehörte, halfen noch rechtzeitig sein Ziel zu erreichen war schwer zu sagen. Drauf wetten würde er nicht.
Er erreichte die Abzweigung, lief um die Ecke, sprang im letzten Moment beiseite und vermied so einen Crash mit einem Crewmen der Taktik. Das war knapp!! Nichtsdestotrotz war er in Eile. Mist!! „Pass doch auf, Frischling.“, rief ihm der weibliche Crewmen hinterher.
Für eine Erwiderung oder Entschuldigung fehlte ihm die Zeit. Irgendwie sah man den Frischlingen an das Sie Frischlinge waren, obwohl Sie die gleiche Uniform wie alle anderen trugen. Mit dem Mysterium konnt er sich jetzt nicht befassen. Die Zeit wurde knapp.
Er zog den Sprint an, schaute flüchtig auf die Plakette im Gang, die ihm mitteilte in welchem Gang welcher Sektion und auf welchem Deck er sich befand. Hier war er richtig, hoffte er zumindest, andernfalls konnte er sich eine Standpauke über die Notwendigkeit der Pünktlichkeit anhören.
Am Ende des Gangs sah er wie eine Frau und zwei Männer, durch die letzte Tür gingen. Mist!! Er hatte die falsche Abzweigung genommen. Wie er waren die 3 Frischlinge. Man sah es ihnen wirklich an.
Außer Atem, schwitzend, erreichte Jacobson die Tür, hinter der der Einführungsunterricht für die Frischlinge stattfand. Durch den Türsensor glitt die Tür automatisch beiseite. Er unterdrückte das Keuchen, trat ein, blieb stehen und schaute sich um.
Im Raum standen in Siebener Reihen Stühle, die ihn aus seiner Grundschulzeit erinnerten. Auf den ersten Blick zählte er 10 Frauen und Männer. Alle in Uniform. Oh!! Jacobson hatte keine Uniform an, weil er nicht davon ausgegangen war gleich nach seiner Ankunft ins kalte Wasser geworfen zu werden. Mal wieder hatte er sich geirrt.
Einige der Frischlinge machten sich stillvergnügt lustig über den Umstand, dass er in Zivilkleidung erschienen war. Wie schon auf der Akademie war das Tragen der Uniform im Unterricht Pflicht. Das fängt ja gut an. Andere schüttelten bei seinem Anblick leicht mit dem Kopf. Den Rest interessierte es einfach nicht.
Ein massiger Mischling winkte ihm zu.
Jacobson machte sich auf dem Weg zu ihm. Zum Glück war er nicht der Einzige aus seinem Jahrgang an Bord der Bismark. „Hey, Bo.“, grüßte er den Mischling. Der Anblick wie der 1 Meter 95 große und über 100 Kilo schwere Mischling auf dem Stuhl saß, wirkte geradezu lächerlich. Man sah Bo auch an das er unglücklich war.
„Du bist also auch einer der Glücklichen!“ Die Ironie darin war unüberhörbar.
„Scheint wohl so. Ist noch jemand aus unserem Jahrgang hier?“
Bo schüttelte den Kopf. „Hab keinen gesehen.“
So langsam kam er wieder zu Atem.
Da ging die Tür auf. Eine drahtige Menschenfrau mit strengen Gesichtsausdruck und mandelförmigen Augen trat ein.
„ACHTUNG.“
Die Frischling erhoben sich von ihren Stühlen, salutierten.

***
Die Unterweisung und Schulung der Frischlinge an Bord eines Schiffs der Vereinten Flotte gehörte zur Undankbarsten Aufgabe des ZO, Zweiten Offiziers. Daher hielt sich Devon’s Laune in Grenzen, als Sie in den Raum trat der für den Unterricht umfunktioniert worden war. Beim Anblick der Frischlinge gewann Devon den Eindruck das Personalbüro hatte der Bismark mehr Frischlinge zugeteilt als den anderen Schiffen. Sie machte sich gedanklich eine Notiz dem nachzugehen. Wenn Sie demjenigen über den Weg lief, der dafür verantwortlich war, würde er seines Lebens nicht mehr froh.
Lieutenant Commander Devon Akira trat hinter ihren kleinen Tisch, schaute in die jungen Gesichter, blickte auf die digitale Uhranzeige auf dem Eingabefeld ihres Tischs. Da sprang die Zahl auf 12:30 um, Unterrichtsbeginn.
„Rühren.“ Die Frauen und Männer setzten sich.
Devon machte eine Eingabe. Der Sitzplan erschien auf dem Tischdisplay. Sie sah auf, ließ ihren Blick schweifen, blieb an einem Frischling haften und kehrte auf das Display zurück. Jene Stühle im Sitzplan die besetzt waren hatten einen grünen Kreis im Kastensymbol, der für die Stühle stand. Devon zählte 11 Kreise aber 12 Teilnehmer. Sie vergewisserte sich.
„Sie sind?“, forderte Devon den jungen Mann in Zivil auf.
Er räusperte sich verlegen, erhob sich. „Junior Fähnrich Thor Jacobson, Ma’am.“
Auf einigen Gesichtern lag ein belustigender Ausdruck. Vermutlich rechneten diejenigen jeden Augenblick, damit das Sie zusammenstauchte. „Nun Fähnrich, ihnen scheint höchstwahrscheinlich entgangen zu sein, dass der Unterricht Dienstzeit ist und demzufolge das nicht Tragen der Uniform ein ernster Verstoß gegen die Dienstvorschriften an Bord eines Schiffs der Flotte darstellt. Er kann mit bis zu 7 Tagen Arrest geahndet werden.“ Diebische Freude erschien auf dem einen oder anderen Gesicht.
Im Gegensatz zu manch anderem hielt der Fähnrich Augenkontakt. „Darüber bin ich mir im Klaren, Ma’am.“ Keine Ausflüchte oder Ausreden. Das zeugte von einem starken Charakter. Wer wohl sonst so reagiert hätte in seiner Situation, machte Devon ein wenig neugierig.
Ein schlichtes Nicken ihrerseits folgte. „Dann sollten Sie sich wenigstens über die Eingabe an ihrem Stuhl am Unterricht anmelden, Fähnrich.“
Für einen Moment fiel der Fähnrich in eine lähmende Starre. „Tut mir leid, Ma’am. Ich hab meine ID-Card nicht bei mir.“ Leises Gelächter kam auf. Mit einem scharfen Blick brachte sie die Verursacher umgehend zum Schweigen. „Ein weiterer Verstoß, Fähnrich.“, stellte sie unmissverständlich klar.
„Ja, Ma’am.“, stimmte er ihr nickend zu. Den Blickkontakt hielt er aufrecht.
So ungerne es Devon auch zugab, das beeindruckte sie doch ein wenig. Sie machte eine Eingabe. Das Rote Kreuz im Stuhlsymbol den Fähnrich Jacobson sein eigen nannte wechselte zum Grünen Kreis über. „Setzen Sie sich, Fähnrich.“ Das tat er ohne Zögern. Sie schaute in die Runde. Die Enttäuschung war manchen anzusehen. Das barg Potenzial für Ärger.
Wunderbar. „Beginnen wir mit dem Unterricht …“

***
„Wie ist es gelaufen?“ Sheila konnte sich die Heiterkeit nicht verkneifen.
Devon funkelte sie ernst an. „Erinnern Sie mich daran die nächste Beförderung abzulehnen.“, kommentierte die Frau bissig. „Oder mir einen Kopfschuss zu verpassen sollte ich Sie annehmen.“
Sheila gluckste und lächelte. Als Lt. Cmdr. Akira nach der Beförderung klar war, welche Aufgaben als ZO auf Sie zu kamem, hätte Sie die Beförderung am liebsten zurückgegeben. „So schlimm!“
Devon machte eine abweisende Handbewegung. „Der Eine oder Andere ist brauchbar.“
„Brauchbar?“ Die EO hob verwundert eine Augenbraue.
Worauf die ZO nicht einging. „Die Standards der Akademie sind nicht mehr das was Sie mal waren, Ma’am.“ Die Anrede sprach absichtlich bissig aus. Dabei mochten sich die Frauen. Sie kamen miteinander aus, auch wenn es im Moment nicht so den Eindruck hatte.
Dem konnte Sheila nur nickend zustimmen. Ein weiterer Fehlgriff der letzten Regierung, bzw. dem Vorgänger von Flotten Admiral Renato. Die verabschiedete Reform der Grundlagenbildung der Flottenschule und Akademie konnte den angerichteten Schaden nur bedingt wettmachen.
„Dann sind Sie ja die Richtige um die Frischlinge fit zu machen.“
Das Lob nahm Devon mit einem Funkeln entgegen. „Wenn Sie es sagen, Ma’am.“
Sheila schmunzelte aufrichtig.
Sie beneidete Lt. Cmdr. Akira nicht um ihre Aufgabe die Frischlinge zu betreuen.
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-Drei-

Ruhig, aber mit einem ernsten Gesichtsausdruck, schaute Berg sich auf seinem Taktikplot das desaströse Ergebnis der Übung an. Eine Katastrophe würden andere sagen und nicht unrecht haben. Im Umkehrschluss musste der Bismark und deren Besatzung zu gute gehalten werden, das nahezu 35 Prozent der Mannschaft neu war und es unmöglich war in der kurzen Zeit zu einer homogenen Masse zu verschmelzen. Ein Großteil der Mannschaft war zudem noch grün hinter den Ohren, hatten gerademal ein Dienstjahr oder weniger auf dem Buckel.
Unerfahrenheit war der Todesstoß für jedes Schiff, egal ob Kreuzer, Zerstörer, Schlachtschiff, Schlachtkreuzer oder Megaträger. In der Regel kam vor dem Einsatz ein mehrwöchiges Training um sich einzuspielen. Die Gegebenheiten hier ließen es nicht zu.
Was Zuckerbrot und Peitsche zur Folge hatte. Ein Ausdruck den Admiral Vic’torja prägte.
Berg hingegen ließ es ruhig angehen. Die Mannschaft musste sich finden, in allen Teilen. Wiederum konnte sich die Bismark aber nicht allzu lange mit dem Findungsprozess aufhalten, in wenigen Tagen trafen sie im Toivan System ein und dann begann ihr Einsatz. Bis dahin musste das Gröbste abgearbeitet sein, andernfalls konnte es zu ernsten Schwierigkeiten kommen. Eine intakte Mannschaft war durch nichts zu ersetzen.
Er atmete einmal tief durch.
Auf der Brücke herrschte eisernes Schweigen. Jedem der Anwesenden war klar, dass das nicht das Wahre war und im echten Leben soeben mehrere 100 von Ihnen ums Leben gekommen waren. Ganz davon abgesehen dass der Kreuzer zu einem Haufen Schrott zusammengeschossen wurde. Von lediglich 2 Zerstörern und einem antiken Schlachtschiff, dessen Bewaffnung nicht mal ausreichend dürfte um den Lack der Bismark anzukratzen.
Das Ergebnis zählte, nicht wer mitspielte.
„EO.“
„Ja, Captain.“ Ihre Grimmigkeit richtete sich nicht ausschließlich gegen den Captain.
Sein Verhältnis zu Commander Sheila war weiterhin äußerst angespannt. „Wir kehren in den Normalstatus zurück.“
„Aye, Sir.“
Die Beleuchtung wurde der aktuellen Stunde angepasst. Der Gefechtsalarm aufgehoben. Die Sicherheitssperren entriegelt, damit in der Übung keine scharfe Rakete oder ein Geschützturm abgefeuert wurde.
Berg schaute ein letztes Mal auf den Plot. Einen Augenblick später schaltete er das Taktikdisplay ab und fuhr in die Armlehne vom Kommandositz zurück. „Ich wünsche den Abschlussbericht in“ Er sah auf den Chronometer in der Lehne. „2 Stunden auf meinem Tisch zu haben, Commander.“
Das Zögern machte deutlich, wie schwierig die Zusammenarbeit war. „Natürlich, Captain.“
Berg nickte, er machte eine weitere Eingabe. „EO. Sie haben das Kommando.“ Er erhob sich aus seinem Sessel, zog die Uniform glatt schaute in das steinerne Gesicht seiner Stellvertreterin, bekam ein schwaches abgehacktes Nicken. „Habe das Kommando, Aye.“ Sie ließ jede Freundlichkeit vermissen.
Ohne darauf einzugehen ging Berg in sein Büro und überließ seinem EO die Brücke.
Im Büro setzte er sich hinter seinen Schreibtisch, machte eine Eingabe. Ein Display fuhr aus der Tischplatte, stellte sich auf und erwachte umgehend zum Leben. Mit einer erneuten Eingabe lud er die Trainingsaufzeichnung, startete sie und schaute sich das Desaster ein weiteres Mal an.

***
20 Minuten später war Sie zu Ende.
Ein Angreifer zerstört, die orbitale Infrastruktur einer befreundeten Sternennation vernichtet, das eigene Schiff ein Wrack, bis zu 15000 Tote, 1 Billionen galaktische Credits in Rauch aufgegangen.
Das Ergebnis war kein Desaster, sondern eindeutig eine Katastrophe.
Er schaltete das Intercom ein.
„Der EO hier.“
Die Frau war ein harter Brocken. Zwischen einem Captain (Schiffskommandanten) und dem EO musste keine innige Freundschaft herrschen. Verfeindet durften sie ebenso wenig sein. Ein Professionelles neutrales Arbeitsverhältnis. Davon waren Sie weit entfernt. Ihre Enttäuschung und seine Vergangenheit standen Ihnen im Weg. „Wenn der Schichtwechsel stattgefunden hat“ In etwas 5 Stunden wäre dass der Fall. „setzen wir eine zweite Trainingsrunde an.“ Das Schweigen währte länger als nötig.
„Verstanden, Sir.“ Sie wartete ob er noch, was sagen wollte.
„Berg, Ende.“ Er schloss den Intercomkanal, lehnte sich in seinen Stuhl zurück.
Sie mussten zu einem Konsens kommen, andernfalls endete die Sache in Hauen und Stechen. Dann war man von einer Meuterei nicht mehr weit entfernt.
Dieser Eintrag in seiner Flottenakte fehlte noch; Meuterei.
Seine nächste Station führte dann unweigerlich nach Alcatraz.
Obwohl nichts Komisches daran war, verzogen sich seine dünnen Lippen zu einem markanten Schmunzeln.

***
Auf Rodia hatte die konföderierte Vollversammlung ihren Amtssitz. Gleichzeitig war der Planet die Heimat- und Hauptwelt der Demokratischen Republik Rodia. Von der Idee bis zur endgültigen Gründung des, damaligen 5 köpfigen Staatenbundes, vergingen 15 Jahre. Der langjährige Prozess war die Folge unterschiedlicher politischer Auffassungen, verschiedener gesellschaftlicher Strukturen, religiöse Konfessionen, Wirtschaftssystemen, Justizgliederungen und dergleichen. Zyniker behaupteten von Anfang an, dass der Versuch einen Staatenbund im Sternenhaufen Gamma II zu installieren zum Scheitern verurteilt war, da die Unterschiede der jeweiligen Sternennationen zu gravierend waren. Sie zweifelten, dass sie zu grundlegenden Reformen bereit waren.
Die Konföderation stand in den 15 Jahren des häufigeren vor dem Aus.
In der Konferenz von Rodia Prime traf die, von 5 auf 7angewachsene, Gründergruppe zusammen. 20 Stunden tagte man hinter verschlossener Tür. Die heimischen Medien berichteten Live aus dem Pressezentrum. Außer im Sternenhaufen nahm niemand so wirklich Notiz von dem Vorhaben.
Man musste dazu sagen, dass zu jener Zeit ein Krieg zwischen der crjanischen Bruderschaft und dem Königreich Aquian, gemeinsam mit der Union tobte. Während in den dortigen Sternennationen das Kriegsgeschehen Thema Nummer 1 war, war der Krieg wegen seiner Entfernung zum Sternenhaufen mehr ein Lückenfüller, eine Randnotiz in den Medien.
Die Generalversammlung wählte alle 5 Jahre einen neuen Vorsitzenden. Zur Wahl konnte sich so gut wie jeder stellen. Einziges Kriterium, er/sie musste eine Staatsbürgerschaft der Mitgliedsnationen haben. Vom einfachen Bauer, bis hin zum hohen Politiker konnte sich jeder aufstellen lassen. Sie mussten in ihren Sternennationen zum Vertreter gewählt werden, sofern die jeweiligen Mitglieder den Vertreter auswählen ließen und nicht ernannten, ohne vorherige Wahl. Jede Sternennation konnte nur einen Kandidaten aufstellen. Derjenige mit mehr als der Hälfte der Stimmen (50 + 1) wurde Vorsitzender der Vollversammlung der Konföderation.
Vor gut 4 Jahren wählten die Bürger des Staatenbundes die Königin von Toivan zur Vorsitzenden. Lediglich 2 Wahlgänge waren nötig. Eine maximale Anzahl an Wahlgängen gab es nicht. So konnten gut 22 (bisheriger Rekord) Wahlgänge abgehalten werden, ohne einen Sieger. Damals hatte die Prozedur eine ernste Krise ausgelöst.
Heute war man davon weit entfernt, sofern sich die Sicherheitslage nicht weiter verschlechterte. Um dem entgegen zu wirken, hatte Königin Mila, die amtierende Ratsvorsitzende der Vollversammlung, die Union ins Boot geholt. Sie war die am nächstgelegene Sternennation, abgesehen von der Liga Neutraler Welten, die über entsprechende Ressourcen verfügte, ihnen unter die Arme zu greifen.
Die Probleme der Unioner Flottenaufstellung blieb ihr Verborgen.
Für ihren Vorstoß hatte Mila viel Kritik einstecken müssen. Sie gehörte jedoch nicht zu den Zartbesaiteten. Mila warb im Sternenhaufen für ihr Vorhaben, machte klar, welche Alternativen ihnen blieben und wie ihre Chancen standen alleine damit fertig zu werden. Der Meinungsumschwung fand nur schleppend statt, aber er tat es. So dass die Generalvollversammlung der Vereinbarung mit der Union zustimmte.
Von der Forderung, die die Toivaner bei den Verhandlungen stellten, wurde nichts bekannt. Mila schämte sich deswegen nicht, im Gegenteil sie hielt es für angemessen, auch wenn Sie es war, die den Ball ins Rollen brachte. Die Möglichkeit dass die Union daraufhin die Verhandlungen abbrach waren nicht von der Hand zu weisen, hatten ihren Vertrauten und dem Verhandlungsführer die Sorgenfalten ins Gesicht gegraben. Sie blieb trotz aller Überredungsversuche dabei, rückte keinen Millimeter ab. Daran konnte alles Scheitern. Die daraus resultierenden Folgen waren schwer vorhersehbar.
Letzten Endes hatte die Union zugestimmt, die Forderung erfüllt und die Vereinbarung unterzeichnet. Königin Mila hatte bekommen, was Sie wollte. In zweierlei Dingen. Die Hilfe der Union und …
Bevor Sie den Gedanken abschließen konnte, landete die Fähre auf dem Landeplatz des Weltraumbahnhofs auf Rodia. Das Raumvehikel trug das Emblem der Vereinten Terra-Gvan Flotte. Der Einsatzverband, den die Union entsendete, war vor 10 Stunden ins Rodia System gesprungen und vor 1 Stunde in den Orbit des Planeten eingeschwenkt.
An Bord der Fähre war der Kommandeur des Verbandes sowie die Schiffskommandanten der Flotteneinheiten und jemand auf den sich Mila besonders freute. Sie hatte ihn seit 10 Jahren nicht mehr gesehen.
Der Pilot landete die Fähre perfekt im Einklang mit den Vorbereitungen, bzw. dem Beginn des Roten Teppichs der zu Ehren der Passagiere ausgerollt worden war. Eigentlich war er nur Staatsgästen vorbehalten, doch dahin gehend machte man eine Ausnahme.
Die Triebwerke heulten aus. Die Luke öffnete sich.
Zwei stämmige Marines traten hinaus, postierten sich seitlich zur Gangway. Hinter ihnen verließ ein 2 Sterne Admiral der Vereinten Flotte das Vehikel. Kaum hatte er einen Fuß auf den Roten Teppich gesetzt, begann die Militärkapelle die Nationalhymne der Union zu spielen.

***
Eigentlich hätten zu dem Empfang alle Führungsoffiziere jedes Schiffs im Einsatzverband Poseidon zugegen sein müssen. In der Eile der Zusammenstellung des Verbandes hatte niemand diesen Punkt beachtet. Dem Verband stand kein flugtüchtiges Vehikel zur Verfügung in das Alle passten. So hatte Admiral Karim letztlich beschlossen, nur die Kommandanten und ihre EO’s mit runter zu nehmen. Die Führungsoffiziere blieben an Bord ihrer Schiffe. Was gar nicht so schlecht war, denn der Verband war bei Weitem noch nicht so einsatzbereit, wie er hätte sein müssen, wenn nicht alles so hurtig gegangen wäre.
Der Empfang fand in der größten Halle eines Kongresszentrums statt. 3000 (!!) geladene Persönlichkeiten aus dem Sternenhaufen. Strenge Sicherheitsvorkehrungen. Die Ankunft des Einsatzverbandes wurde wie ein mystischer Heilsbringer gefeiert.
Karim gehörte nicht zu den Leuten, die an solchen Feierlichkeiten gefallen fanden. Er mied Sie, wo er nur konnte, ohne einen diplomatischen Zwischenfall auszulösen. Hier hingegen konnte er nicht abwesend sein. Zu allem Überfluss musste er sogar eine Rede halten. Was seine Untergebenen amüsierte, jene die er zu seinen Freunden zählte zogen ihn damit auf, hatten HD-Aufnahmen gemacht, um Sie gegebenenfalls gegen ihn zu Verwenden oder Anderen zu zeigen. Karim warnte Sie es nicht mal in Erwägung zu ziehen, andernfalls würde selbst Gott Sie vor ihm nicht beschützen können.
Berg hingegen empfand das Schauspiel nicht unbedingt als störend. Sicherlich mussten viele Hände geschüttelt, Farcen gesprochen werden und eine Freundlichkeit an den Tag gelegt werden, was die Mimik lähmte vor lauter Lächeln. Ansonsten war es eine angenehme Abwechselung. Es gab zu Essen, zu Trinken. Man lernte neue Leute kennen, wenn auch nur oberflächlich, sah neue Gesichter und schnappte das eine oder andere auf.
Die Völker des Sternenhaufens, bzw. die Ausrichter hatten sich allergrößte Mühe gegeben trotz der Größe eine wohlfühl Atmosphäre zu schaffen. Nicht ganz einfach bei 3000 Gästen, unzähligen bewaffneten Sicherheitskräften und der Schwadron Servicepersonal zur Bewirtung der Massen. Die Mühe zeigte sich vor allem beim Buffet. Neben regionalen Köstlichkeiten hatte man sich auch an Unioner Spezialitäten gewagt. Manches war sogar genießbar oder schmeckte besser als Zuhause.
„Herr Berg.“, sprach ihn jemand in seinem Rücken an.
Er wandte sich um.
Die Königin von Toivan stand, in einem rotblauen Gewand, vor ihm. Ihre sonst politisch kühlen Augen strahlten mit einer Herzensfreude. Es war keine Liebe oder leidenschaftliche Zuneigung, wie viele vermuten würden. Die Ursache für diese starke Emotion kam aus ihrem Herzen, die sich mit Freude vermischte. Sie freute sich einfach ungemein den Mann wiederzusehen.
„Majestät.“, gab Berg mit dem Ansatz einer Verneigung zurück.
Sie beugte sich leicht vor. „Sie sollen mich doch Mila nennen.“, tadelte die Königin ihn leise.
„Tut mir leid, Majestät, Mila“, erwiderte er ebenso verschwörerisch wie die Toivanerin. „aber wir befinden uns auf einem höchst sensiblen politischen Empfang und ich bin als Offizier der Flotte hier.“
Mila lachte herzlich, kehrte in die Aufrechte zurück, schaute verschwörerisch nach rechts und links. Außer ihren Leibwächtern war niemand zugegen der ihre Unterhaltung möglicherweise belauschen konnte. „Dann sehen ich von dem Disziplinarvergehen ab.“ Berg hob die Augenbrauen. Sie gluckste heiter.
„Königin Mila!“ Ein vollbärtiger Mensch, in einem maßgeschneiderten Anzug, torpedierte die Zusammenkunft der Beiden. Im Schlepp hatte er Admiral Karim. Seine Augenbrauen zuckten kurz, als er Berg bei der Königin sah.
„Botschafter Özil.“ Die diplomatische Kühle war in ihre Stimme zurückkehrt.
Der Mann warf einen Seitenblick auf Berg, seine Augen blitzten auf, als er ihn erkannte, und schob sich einfach dazwischen.
Den Blick hatte Berg inzwischen zu genüge gesehen. Er blieb wirkungslos. Schließlich war er kein Kind mehr, den man strafend ansehen musste.
Der Botschafter wandte sich um, ignorierte den Captain in seinem Blickfeld und richtete seinen Blick auf den Admiral. „Darf ich ihnen Admiral Karim vorstellen, Eure Majestät, er kommandiert den Einsatzverband Poseidon, den wir zur Unterstützung entsendet haben.“ Als wäre der Einsatz auf seine Intervention hin beschlossen worden. Dabei war er nicht mal ein richtiger Botschafter, sondern bekleidete den Posten eigentlich Interims mäßig und war nur ein Konsul, der im äußeren Raumgebiet vom Königreich Aquian sein Leben fristete. Den bisher verfügte die Union über keinerlei diplomatische Vertretungen in der Konföderation.
„Admiral Karim“, sagte Mila mit ein wenig mehr Herzlichkeit als gegenüber dem möchte gern Botschafter, der falls er es bemerkte keine Reaktion zeigte. „es freut mich Sie kennenzulernen.“
„Majestät. Die Ehre ist ganz auf meiner Seite.“
Berg machte sich ganz heimlich aus dem Staub. Das Wiedersehen mit der Königin hatte ihn gefreut. Er schlenderte ans Buffet zurück, schaute sich die Köstlichkeiten an, überlegte und wagte es mal was Fremdes zu probieren. In der ins geheimen Hoffnung Krämpfe und andere Schmerzsymptome zu bekommen, um schnellstmöglich von hier zu verschwinden. Dumm nur dass ihm der Happen schmeckte und nichts dergleichen geschah.

***
Das Gespräch zwischen Berg und der Königin blieb nicht ungesehen. Commander Sergej, EO der VF Tibet, einem Schweren Zerstörer, beobachtete die Beiden mit glitzern des Zorns in den Augen. Er gehörte zur Mehrheit im Verband die der Meinung waren das Captain (!!!) Berg nicht das Recht haben sollte in den Flottendienst zurückzukehren. Als Sergej dann auch noch das Gerücht zu Ohren kam, das Berg nur begnadigt wurde weil die Königin von Toivan es verlangte (verlangte!!!), empfand er für den Mann nichts weiter als Wut und Zorn. Dazu mischte sich Ärger darüber dass die Königin die Unverfrorenheit besaß seine Begnadigung zu verlangen und damit sogar Erfolg hatte. Er an seiner Stelle hätte ihr dafür eine unmissverständliche Botschaft geschickt.
Daher war es ihm ein Genuss, ja eine Freude, gewesen Commander Sheila, der EO der Bismark davon zu erzählen. Zwar war er ein wenig enttäuscht von ihrer scheinbar gleichgültigen Reaktion aber man musste der Mannschaft der Bismark reinen Wein einschenken. Die Stimmung an Bord des Kreuzers war am Siedepunkt. Viele fragten sich nach dem wieso und warum. Die Antwort hatte Sergej gegeben. Das sollte die Lage verschärfen.
Ein bösartiges Grinsen erschien auf seinem Gesicht. Der Mann hatte nichts anderes verdient. Er konnte froh sein, das er ihn nicht standrechtlich erschoss, als man sich auf der Poseidon, dem Flaggschiff des Einsatzverbandes, traf. Ja, das wäre die gerechte Strafe gewesen. Der Tod.

***
Seit ihrem Abflug war die Stimmung an Bord weiter gefallen. Vor allem bei den Führungsoffizieren. Nicht das Berg damit gerechnet hatte eine Freundschaft zu ihnen aufzubauen, aber die aktuelle Lage ließ eindeutig zu wünschen übrig. Er konnte Sie zum Rapport zitieren und klipp und klar sagen, dass das Verhalten sehr zu wünschen übrig ließ, auf die Mannschaft abfärbte und somit das Schiff gefährdete.
Sehr gut sah man das an den Stabsbesprechungen, Einsatzübungen und den Nachbesprechungen. Die Sicherheit des Schiffs und somit aller an Bord hatte oberste Priorität. Manche mochten den Einsatz auf die leichte Schulter nehmen, weil man ja nur gegen Piraten ins Felde zog, doch eine solche Einstellung war töricht.
Seine Geduld gegenüber den mageren Leistungen in den Übungen, dem ausbleibenden Fortschritt und der fehlenden Motivation neigte sich dem Ende. Er hatte allen Beteiligten genug Zeit gelassen sich mit der Situation abzufinden, sich zu arrangieren. Ohne sichtbaren Erfolg. Die Mannschaft war längst nicht so eingespielt, wie sie sein musste. Ob Absicht oder Unvermögen spielte für ihn keine Rolle.
Mit entschlossener Miene verließ er die Liftkabine, betrat die Brücke der Bismark.
„Captain an Deck.“, sagte der Wachhabende lasch.
Berg ging zu seinem Kommandostuhl, setzte sich, tippte seinen ID-Code in die Konsole, wartete bis die Displays für Sensor, Steuer und Waffen sowie der Com Schirm ausgefahren waren. Mit einer weiteren Eingabe erwachten alle zum Leben. Er sah auf den Chronometer.
Die Anzeige zeigte 02 Uhr 14 Standardzeit an. Mitten in der Nacht.
Es wurde Zeit die Zügel anzuziehen.
Er tippte eine Eingabe ein, bestätigte Sie.
Augenblicklich schrillte der Gefechtsalarm durchs Schiff.
Nur Sekunden später, plärrte die Stimme vom diensthabenden Taktikmen durch die Innereien des Kreuzers. „Alle Mann auf Gefechtsstation.“
Ab dem Augenblick, wo der Gefechtsalarm losging, startete ein Zeitmesser auf dem Hauptdisplay an Berg’s Kommandostuhl.
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-Vier-

Sheila war fix und fertig. Wie wohl jeder an Bord. Seit der Gefechtsalarm Sie aus ihrem Schlaf gerissen hatte, waren 17 Stunden vergangen. Sie war hundemüde, die Wachmacher in Form von Kaffee und Koffeintabletten hatten ihre Wirkung verloren. Ein schnelles Frühstück, ein Vitamindrink und fixes Mittagessen waren die einzigen Mahlzeiten. Den Anderen am Konferenztisch erging es nicht besser. Der Eine oder Andere sah sogar schlechter aus.
Cpt Berg warf das Pad auf den Tisch. Der Knall ließ einige zusammenzucken. „Die Ergebnisse sind nicht hinnehmbar.“, sagte er mit fester, klarer und aggressiver Stimme. „Das hier ist ein Schiff der Flotte und kein Ausflugsdampfer.“ Er war restlos bedient. „Bringen Sie ihre Abteilungen auf Vordermann oder ich werde Veränderungen vornehmen.“
„Bei allem Respekt, Captain.“, sprang Lieutenant George dazwischen. Er war der 1. Waffenoffizier (WO). „Unsere Leute sind erschöpft und brauchen eine Ruhepause, um wieder zu Kräften zu kommen.“
Berg schaute den Mischling mit harten Gesichtsausdruck an. „In 1 Stunde findet die nächste Alarmübung statt.“ Er hatte den Einwand des WO einfach ignoriert. „Das wäre alles.“, richtete er an alle, erhob sich und verließ den Konferenzraum neben der Brücke.
Die Tür schloss sich hinter ihm.
„Arschloch.“, giftete jemand aus der Runde hörbar für alle.
Amy Ritter und Darnell sahen einander an. Von ihnen war der Kommentar nicht gekommen. Sie schwiegen aber, denn es war nicht ihre Aufgabe denjenigen zurecht zuweisen. Das fiel dem EO zu. Doch Commander Sheila sagte kein Wort. Worüber Amy geschockt war. Der Kommandant hatte nur in 2 Führungsoffizieren Rückhalt. Alle Anderen waren gegen ihn. Mehr oder weniger.
Wann hatte es die letzte Meuterei auf einem Schiff der Vereinten Flotte gegeben? Die Frage stellte sich Amy beim Rundblick.

***
„Was ist das?“, wollte der Mann von seiner Kontaktperson wissen. Vorsichtig schaute er sich in der Lounge für Vielflieger um. In ihrer Nähe hielt sich niemand auf.
„Eine kleine Aufmerksamkeit.“ Der Trillaner paffte genüsslich an seiner Zigarre.
Er aktivierte das Pad. Die Entschlüsselungssoftware begann umgehend die Daten umzuwandeln. Sekunden später gab der Mann sein ID-Code ein und der Bildschirm erwachte zum Leben. Seine Augen weiteten sich immer mehr, je länger er den Datenstrom betrachtet. Sie drohten ihm jeden Moment aus dem Kopf zufallen.
„Damit sollte ihr Tun ein wenig leichter von der Hand gehen.“, äußerte der Trillaner beiläufig, steckte die Zigarre in seinen Mundwinkel, erhob sich vom gepolsterten Sitz und ging. Ein breitschultriger Golo in einem treuen Anzug folgte ihm. Er war der Leibwächter des Trillaners.
Reek konnte seine Augen nicht vom Bildschirm lösen. Was er dort sah, war eine Goldader. Signalcodes, Bewaffnung, Technische Daten, ID Kennungen, Schiffsdaten. Das konnte unmöglich echt sein!!
Sie waren echt, daran hegte er keinen Zweifel. Man hatte ihm soeben den Einsatzverband Poseidon auf einem Silbertablett serviert.
Als er aufschaute, fehlte vom Trillaner und seinem Schatten jede Spur. Woher hatte er die Daten? Einiges davon war klassifiziert. Geheim.
Wer zum Teufel waren seine Auftraggeber?
Der Trillaner verließ das Terminalgebäude vom Raumbahnhof, stieg in die Fluglimousine, setzte sich auf die Rückbank. Sein Leibwächter nahm auf dem Beifahrersitz platz. Der Fahrer flog sofort los.
Mit ihm auf der Rückbank saß ein Kolianer, mit kurzen grauen Haaren, einem zerknitterten Gesicht, tief sitzenden Augen, sonnengebräunter Haut und einem Anzug, der mehr kostete als der Trillaner auf seinem Konto hatte.
Sie schwiegen, als das Vehikel sich in die Lüfte erhob, in den spärlichen Verkehr eingliederte und Richtung Festland flog. Am Horizont brach die Dämmerung auf Cris Doaa an. Violette Schlieren bildeten sich, als hätte ein Maler den Pinsel geschwungen und ein Gemälde geschaffen, dass irgendwann ein Vermögen wert war.
„Alles läuft nach Plan.“, versicherte der Trillaner unterwürfig.
Der Kolianer zeigte keine Reaktion. „Wollen wirs hoffen. Das Konsortium hat ein Vermögen investiert.“ Artig nickte der Trillaner. Dazu gehörte unter anderem auch der Erwerb der Daten, die er Reek gab. Damit und den bisherigen Investitionen sollte es dem Mann möglich sein der Union das Leben in der Konföderation so schwer wie irgend möglich zu machen.
Dem Konsortium war nämlich nicht daran gelegen dass die Union in der Konföderation herumschnüffelte. Was schlecht für das Geschäft war.

***
Commander Sheila warf 2 rosa Tabletten ein, trank ein Schluck Wasser und spülte sie damit herunter. 3 Besatzungsmitglieder waren vor Erschöpfung bereits zusammengebrochen und wurden auf der Krankenstation behandelt. Der Chefarzt versuchte den Captain davon zu überzeugen der Mannschaft eine Pause zu gönnen.
Vergebens.
Wogegen der Chefarzt der Bismark Protest einlegte. Was zu Kenntnis genommen wurde. Ein entsprechendes Schreiben hatte vor 1 Stunde den Kreuzer via Subraum zum Flaggschiff verlassen. Eine weitere Stunde würde vergehen, bis eine Antwort eintraf, wenn es überhaupt eine Antwort gab.
Letztlich lag kein grober Verstoß vor. Demnach rechnete Sheila nicht mit einer Zurechtweisung seitens des Admirals. Zumal der Admiral mit dem Captain befreundet war.
Der Drill, der letzten 37 Stunde machte, deutlich, wie groß die Kluft an Bord war. An allen Ecken und Kanten stieß man sich. Die Stimmung war ins bodenlose gefallen. Erschöpfung und Müdigkeit rissen ein Loch, das alles aufsog und verschluckte.
Dagegen musste Sie etwas unternehmen.
Aus diesem Grund stand sie jetzt vor der geschlossenen Bürotür des Kommandanten. Sie betätigte den Rufer.
„Ja.“
„Commander Sheila, Sir. Haben Sie einen Moment Zeit.“
Keine Sekunde war verstrichen, da glitt die Tür zu Seite und gab den Weg frei. Sheila trat ein.
Der Captain sah genauso Müde aus wie inzwischen jeder an Bord. Sie war überrascht, dass er das Pensum, das er an den Tag legte, mitging. Als Kommandant hatte er das Recht eine Mütze voll Schlaf zu nehmen, während der Rest knüppelte. Die Bewunderung ging in ihrer Müdigkeit verloren.
„Was gibt es, EO?“ Berg lehnte sich zurück, faltete die Hände auf seinen Bauch und schaute die Frau an.
„Das hält die Mannschaft nicht länger durch.“
„Wie bitte!“
Sheila strafte ihre Schultern. „Bei allem nötigen Respekt, Captain, aber wi… die Crew ist weit über das Erträgliche hinaus von Ihnen gefordert worden.“ Durch die Müdigkeit konnte sie ihrer Stimme nicht den nötigen Biss geben, an dem es jetzt fehlte. „Sie können sich kaum auf den Beinen halten, geschweige den einen zusammenhängenden Gedanken fassen.“
Der Mensch schaute Sie einfach an. „Ist dem so.“, sinnierte Berg emotionslos. „Wie kommen Sie darauf ich wüsste nicht Bescheid?“ Sheila’s Augenglieder zuckten. „Sie halten das für eine Strafe!“ Rein rhetorisch. Er veränderte leicht seine Sitzhaltung. „Sie irren sich, Commander.“
„Sir!“ Das war’s. So leicht ließ sie sich abspeisen.
„Ich muss mich vor ihnen nicht rechtfertigen, Commander.“, stellte Berg mit fester Stimme klar. „Wer das Pensum nicht durchhält, ist ungeeignet für diesen Einsatz.“
Ein Funke des Zorns entzündete sich in ihrem übermüdeten Körper. „Die Intensität ist unverhältnismäßig, Sir.“
„Das ist ihre Meinung, Commander.“ Sie wollte zu einer Erwiderung ansetzen, doch eine unmissverständliche Handbewegung von Berg ließ es nicht zu. „Wenn es Ihnen nicht passt, wie ich das Kommando führe, können Sie jederzeit von ihrem Posten zurücktreten. Ansonsten sollten Sie ihren Pflichten als EO an Bord nachkommen. Dazu zählt auch, falls es ihnen entfallen ist, die Einsatzdoktrin der Vereinten Flotte umzusetzen.
Und die bisherigen Ergebnisse der Übungen zeugen nicht gerade von großen Erfolg.“
Als hätte man ihr eine Ohrfeige gegeben stand Sheila dar. Sie war vollkommen perplex. Er hatte sie soeben offen der Pflichtverletzung bezichtigt. Ein Wurm der Wut fraß sich durch ihre Innereien. In all den Jahren ihrer Flottenzugehörigkeit war Sheila nie der Pflichtverletzung bezichtigt worden. Manch einer lobte sie sogar. Wie konnte der Sträfling es wagen!! Schock setzte ein, lähmte sie für einen Moment, der eine Ewigkeit zu dauern schien.
Mein Gott er hatte recht. Die Einsicht war wie ein Lebertreffer. Sie hatte sich von der allgemeinen Meinung über den Kommandanten mitziehen lassen, zu gelassen, dass ein Graben entstand, den man jetzt unmöglich reparieren konnte. Der Schaden war angerichtet, nachhaltig und auf Dauer. Quatsch polterte eine Stimme in ihrem Kopf, er ist ein Sträfling, der nur begnadigt wurde, weil die Königin von Toivan es wollte und nicht weil er ein so herausragender Offizier ist. Er hat das Kommando nicht verdient. Du schon. Der Zwiespalt schleuderte sie herum, ohne das es ihr gelang irgendwo halt zu finden.
„Ich mag meinen Teil dazu beigetragen haben.“, gab Sheila aufmüpfig zu. „Doch ihr Ruf ist daran nicht ganz unschuldig, Captain.“ Sie spie das Wort absichtlich aus. Sheila wandelte auf einem schmalen Grad. Worüber Sie sich im Moment keine Gedanken machte. Dazu war sie zu Müde und aufgebracht. „Sie haben das Kommando doch nur erhalten, weil die Königin von Toivan es verlangte. Ansonsten säßen Sie nicht an ihrem Platz.“
„Sie gehen zu weit, Commander.“, wies er sie zurecht.
„Vielleicht.“ Sheila zuckte mit den Schultern. „Sie können mich ja meines Postens entheben, Sir.“ Wütend und geschockt über den Verlauf des Gesprächs drehte sich Sheila um und verließ den Raum.

***
Berg starrte auf die geschlossene Tür.
Beide waren Sie zu weit gegangen. Der Dialog brachte Sie in eine Arrestzelle und vor ein Militärgericht. Alles, was sich aufstaute, hatte sich im Gespräch entladen, wie eine Kernexplosion. Der Rauch hatte sich längst nicht verzogen um zusehen was für ein Schaden eingerichtet war.
Wie oft sein Com piepte, konnte Berg nicht sagen. Irgendwann nahm er den Ruf entgegen. „Ja.“
„Sir. Die angesetzte Alarmübung steht bevor.“
Fast 50 Minuten hatte er einfach da gesessen, auf die Tür gestarrt und sich nicht vom Fleck gerührt. Wie zum Teufel konnte es nur soweit kommen? Sie hatte recht, sein Ruf trug einen gehörigen Teil dazu bei, dass die Lage so war, wie sie war.
„Sir!“, hackte die Stimme vom 1. Taktikoffizier nach.
„Wann erreichen wir Toivan?“
Eine kurze Pause. „In 17 Stunden, Sir.“
„Sagen Sie die Alarmübung ab.
Bereitschaftscode Grün.
Berg Ende.“

***
Admiral Karim Holoabbild sah die Beiden tadelnd und mit missbilligender Miene an.
Gleich nach der Ankunft im Toivan System hatte Berg eine Abschrift der Unterhaltung, die protokollarisch aufgezeichnet wurde, an den Admiral gesendet. Im Anhang stellte er sein Amt als Schiffskommandant zur Verfügung.
Als der Admiral die Abschrift las, stockte ihm der Atem. Selbst jetzt fast 10 Stunden später konnte er immer noch nicht glauben was sich auf der Bismark zu getragen hatte. Dass es Spannungen gab, konnte er nicht leugnen. Niemals hätte er jedoch gedacht das sich daraus ein solcher Schlamassel entwickelte, das Zeug dazu hatte eine Meuterei auf einem Schiff der Vereinten Flotte auszulösen. Die Stimmung im Verband war schon vor dem Abflug nicht die Beste gewesen. Daran hatte sich auch nichts geändert.
Der Einsatz lief gerade an. Die Schiffe nahmen ihre Arbeit auf, im Raumgebiet der Konföderation für Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Weit verstreut mit kaum nennenswerter Unterstützung im Rücken. Täglich trafen neue Meldungen von Piraterie ein. Inzwischen wurden vermehrt Transporter und Frachter von auswärtigen Gesellschaften angegriffen. Die Kaperungen stiegen ebenfalls. Damit einher gingen die Lösegeldforderungen.
Alleine wegen der größere der Konföderation war der Einsatz nicht gerade einfach, zumal dem Verband die nötige Größe fehlte, um das gesamte Raumgebiet abzudecken. So fuhren die Großkampfschiffe der Union die Hauptverkehrsrouten ab, begleiteten Konvois und hielten nach Verdächtigen Aktivitäten Ausschau. Bisher ohne nennenswerten Erfolg.
Der Einsatz hatte noch gar nicht begonnen da stand Admiral Karim schon unter Druck Erfolge vorzuweisen. Und am besten noch Gestern. „Sie haben beide den Bogen deutlich überspannt.“, sprach er Cpt Berg und Cmdr Sheila an. „So etwas ist mir in meiner bisherigen Karriere noch nicht untergekommen.“ Sicherlich gab es Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Kommandanten und seinem EO, doch was er gelesen hatte, ging weit darüber hinaus. „Ich müsste sie umgehend ihrer Posten entheben.“, stellte er fest. Nur sah er sich außer Stande seinen Worten Taten folgen zu lassen. Bis die Posten neu besetzt waren, musste die Bismark von ihren Aufgaben entbunden werden. Was den Kreuzer zur Untätigkeit verdammte. „Dummerweise kann ich es mir nicht leisten die Bismark bis zur Neubesetzung außer Dienst zu stellen.“, gestand Karim offen. „Daher werde ich es bei meiner mündlichen Ermahnung belassen.
Sollten Sie sich nicht zusammenraufen, sehe mich gezwungen Sie sofort abzukommandieren. Haben Sie mich verstanden?“
„Jawohl, Sir.“, bestätigten Sie gleichzeitig.
Mit einem Nicken nahm er es entgegen. „Gut.
Ein Gutes hat die Sache.“ Überrascht hoben Sie jeweils eine Augenbraue. Was den Admiral schmunzlen ließ. „Sie haben reinen Tisch gemacht. Nutzen Sie die Chance.
Admiral Karim Ende.“
Das Holoabbild des Mannes löste sich auf.
Berg und Sheila standen eine Weile Seite an Seite zusammen. Keiner rührte sich oder sagte etwas.
„Er hat recht.“, hob er die Stille auf. Sie stimmte ihm nickend zu. „Machen wir das Beste draus.“
„Uns bleibt wohl keine andere Wahl.“, sagte Sheila.
Berg lächelte. „Jeder verdient eine zweite Chance.“ Er streckte ihr die Hand entgegen. „Sven Berg. Kommandant der Bismark.“
Sie schaute ihm ins Gesicht, nahm die ihr angebotene Hand. „Sheila. Erster Offizier der Bismark.“
Per Handschlag besiedelten Sie einen Neuanfang.
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-Fünf-

„Lieutenant.“ Jacobson schaute auf seinen Plot. Seine Stirn wurde runzeliger, je länger er den Schirm betrachtete. Der Plot zeigte die 5 Frachtersignaturen, die man vor 9 Stunden angeflogen und sich ihnen angeschlossen hatte. Die Bismark übernahm den Geleitschutzpart des Konvois. Aufgrund der Megatonnen Fracht, die jeder Frachter transportierte, schienen Sie ein lohnendes Ziel für die umtriebigen Piraten.
Seit der Kreuzer seinen Einsatz begonnen hatte, waren 4 Frachter im Einsatzgebiet der Bismark angegriffen worden. 3 waren geplündert und 1 entführt. Bisher fehlte die Spur und eine Lösegeldforderung war bei der Reederei ebenfalls nicht eingegangen. Dafür konnte bis zu einer Woche vergehen.
Die Piraten erwiesen sich nicht nur im Einsatzgebiet der Bismark als schlüpfrig. Auch andernorts hatten die Schiffe des Einsatzverbandes Sie nicht zu fassen bekommen. Seit der Einsatz begonnen hatte, waren im Raumgebiet der Konföderation 17 Angriffe registriert worden. Der Einsatzstab rechnete aber mit einer deutlich höheren Zahl.
Jacobson kam es so vor als wüssten die Piraten genau, wo sich die Schiffe des Einsatzverbandes aufhielten, und schlugen andernorts zu, um einer Konfrontation aus dem Weg zu gehen.
Die 4. Einsatzwoche lief.
Bisher hätte man auf die Piraten treffen müssen. So groß war das Raumgebiet der Konföderation nun auch wieder nicht.
Sollten sich die Offiziere darüber den Kopf zerbrechen, sein Gehirnschmalz jedenfalls ging für die Angelegenheit auf dem Plot drauf, mit der er sich beschäftigte, seit sie ihm aufgefallen war. Es handelte sich um 2 Ortungsechos, die sich nicht verifizieren lassen konnten oder wollten. Vor 20 Minuten waren Sie das erste Mal auf seinem Ortungsschirm aufgetaucht. In unregelmäßigen Abständen verschwanden Sie wieder und kehrte zurück. Die Signale waren nicht zu erfassen.
Lieutenant Darnell kam an seine Seite. Jacobson war der Sensormannschaft zugeteilt worden. Worüber er erleichtert war. Der Lieutenant machte einen netten Eindruck, behandelte einen zuvorkommend und half, wo er konnte. Nichts selbstverständlich, wenn man ein Frischling war. Von den Anderen wusste Jacobson, dass er es auch hätte schlechter treffen können.
„Was gibt es, Fähnrich?“, wollte der SO freundlich wissen.
„Ich weiß es nicht genau, Sir.“ Er zeigte auf die Echos. „Sie verschwinden und tauchen in unregelmäßigen Abständen immer wieder auf. Zudem kommen Sie dem Konvoi in einem weiten Bogen näher. Zu Anfang schienen Sie auf einem Parallelkurs.“ Über eine Eingabe zeigte er dem Lieutenant die Sache auf dem Wiederholungsplot.
„Hmm.“, murmelte Darnell.
Wenn sich die Bismark nicht als ein 4,2 Megatonnen Frachter ausgegeben hätte, wäre man in der Lage die Echos zu verifizieren. Durch die Scharade war die Leistungsfähigkeit des Kreuzers eingeschränkt. Ein Frachter verfügte eben nicht über hochmoderne militärische Ortungssensoren eines Kreuzers der Mandela II Klasse aus Beständen der Vereinten Flotte der Union. Sie sollten sich wie ein gewöhnlicher Frachter verhalten. Bloß keine Aufmerksamkeit erregen, die ihre wahre Identität enthüllen könnte.
Darnell’s Finger huschten über die Eingabefläche. Ein Nebenfenster öffnete sich im Plot. „Hmm.“, wiederholte er vertieft in die Materie. Der Mann rieb sich das Kinnbärtchen, das er sich stehen ließ. „Commander.“
Die EO schaute von ihrer Station auf, kam zu ihnen. „Ja, Darnell?“
„Fähnrich Jacobson ist möglicherweise auf 2 Anhängsel gestoßen.“
Commander Sheila kam rum, stellte sich neben Sie und schaute sich das Ortungsbild im Wiederholungsplot an.
Als die Wiederholungssequenz stoppte, sagte Lieutenant Darnell. „Mit den gegebenen Kapazitäten können wir keine Verifizierung vornehmen.“
Sie stimmte ihm nickend zu. Dann wandte sich unerwartet an Jacobson. „Für was halten Sie die Echos, Fähnrich?“
Die Frage überrumpelte den Frischling sichtbar. Nervös suchten seine Finger irgendeine Beschäftigung. Der Schweiß brach ihm aus. „Ähm …“ Sie wartete geduldig, bis er sich gefangen hatte. Jacobson atmete ein paar Mal tief durch. „Ich weiß es nicht, Ma’am.“
„Was sagt ihnen ihr Gefühl?“, hackte die EO unnachgiebig aber keinesfalls fordernd nach.
Er schaute auf seinen Plot. „Für Großkampfschiffe unter Schleichfahrt.“ Jacobson hielt die Luft an. Er rechnete damit eine Standpauke zuhören zu bekommen.
Commander Sheila tat nichts dergleichen. Sie schaute zu Lieutenant Darnell. Der Mann nickte. „Möglich ist es.“
Sie blickte wieder auf den Ortungsschirm, wanderte zum Wiederholungsdisplay, ließ die Sequenz erneut abspielen, blieb auf dem Plot haften. Am Ende der Sequenz machte Sie eine Eingabe, gab einen Zahlencode in ihr Interkom ein.
„Ja.“ Die Stimme des Captains drang aus ihrem Interkom.
„Sir. Wir scheinen Besuch zu haben.“
Jacobson atmete aus. Der SO nickte ihm aufmuntert zu.
„Wie viele?“
Sie schaute den Fähnrich an. „Laut Fähnrich Jacobson sind es 2.
Keine saubere ID möglich.“
Eine kurze Pause. Der Captain ging wohl die Optionen durch. „Er soll am Ball bleiben. Wie lange bis zum erreichen der Hyperraumgrenze?“
Sheila machte eine Eingabe. „Etwas mehr als 15 Stunden.“
Wieder eine Pause. „Ich bin gleich oben, Commander.“
„Soll ich Captain Keoro informieren?“
„Nein. Dafür ist es noch zu früh. Warten wir ab als was sich unser Besuch herausstellt. Wir müssen ihn nicht unnötig verängstigen.“
„Wie Sie meinen, Captain.“
„Berg Ende.“
Sheila wandte sich dem Frischling und Darnell zu. Sie klopfte dem Fähnrich auf die Schulter. „Gut gemacht.“ Dann verließ Sie die Sensorstation, kehrte an ihre Konsole zurück.
Euphorisch wandte sich Jacobson seiner Aufgabe zu herauszufinden wer und was sich hinter den Echos verbarg. Sein Gefühl sollte ihn nicht getäuscht haben.

***
„Sind Sie sich sicher?“, hackte Captain Keoro nach, nachdem er die Informationen verdaut hatte. Der Mann kommandierte den Konvoi.
„Ja.“, gab Berg zurück. Es war nicht gelogen, den die Verifizierung blieb weiterhin aus, ebenso eine saubere Ortung. Doch das, was Sie bisher hatten, reichte aus um sagen zu können das sich die Echos als Großkampfschiffe unter Schleichfahrt herausstellten. Den Umstand, dass die Schiffe über bessere, ECM (Elektronische Gegenmaßnahmen) Systeme verfügten als die Feindaufklärung für möglich gehalten hatte verschwieg Berg dem Mann.
Das ECM der Beobachter machte es bisher unmöglich ein sauberes Ortungsbild zu erhalten. Das wiederum verriet ihnen, dass die Piraten über modernes Kriegsgerät verfügten. Zwar bezweifelte Berg das es sich mit dem der Union messen konnte aber alleine die Tatsache das dem so war beunruhigte ihn. Wenn die Piraten über moderne ECM Systeme verfügten, konnten sie auch andere moderne Kampfsysteme angeschafft haben. Auf dem Liga Schwarzmarkt konnte man für Geld praktisch alles kaufen.
„Wir sollten wie besprochen weiter machen.“
Keoro dachte darüber nach. Er hatte das letzte Wort, da er für die Sicherheit der Fracht, der Raumschiffe und der Besatzung verantwortlich war. „Also gut, Captain Berg.“, stimmte er nickend zu.
Berg war ein wenig erleichtert. Denn um die Piraten zu stellen, waren Sie zu weit weg. Hätte sich Keoro anders entschieden, konnten die Piraten unverrichteter Dinge abziehen und sie waren gewarnt. Was sie beim nächsten Mal vorsichtiger operieren ließ. Dadurch wäre die Aufgabe des Einsatzverbandes nicht leichter geworden.
„Ich danke ihnen für das Vertrauen, Captain. Ich versichere Ihnen das Wir dafür sorgen werden das Ihnen und allen anderen nichts geschehen wird.“ Damit wagte er sich weit aus dem Fenster. Falls sich Keoro dessen bewusst war, zeigte er es nicht.
Die Verbindung war beendet.
Berg beobachtete den Plot.
„EO. Status?“

***
Der Konvoi setzte seinen Flug unbeirrt durchs System in Richtung Hyperraumgrenze fort. Nichts deutete daraufhin das man wusste das Sie verfolgt und beobachtet wurden. Mit circa 30 Megatonnen an Fracht- und Handelsgütern zeichnete sich der Konvoi als lohnendes Ziel, alleine durch die Güter. Inzwischen hatten sich die Piraten ja auch auf Lösegelderpressung verlagert. Für diesen Fall waren die Besatzungen eine tragende Säule.
Dass sich aber ein Wolf im Schafpelz befand, ahnten die Piraten nicht. So gut deren ECM auch war, dass der Bismark war um Längen besser. Je näher die Piraten kamen desto wahrscheinlicher war es das Sie den Wolf entdeckten. Wenn dem so war, sollte die Distanz nicht mehr ausreichen, um einem Raumgefecht aus dem Weg zu gehen. Genau darauf zielte Berg Einsatzplanung ab. Er wollte die Piraten heranlocken, ködern, bis ihnen der Köder im Halse stecken blieb.
1,5 Millionen Kilometer noch, schätzte Berg. Dann blieb den Piraten keine andere Wahl als sich entweder zu ergeben oder zu kämpfen. Ersteres würde er vorziehen. Ein Raumgefecht sollte immer das letzte Mittel sein. Diese Divise gehörte zu seinen Grundsätzen.
Er beobachtete den Taktikplot. „Taktik.“
„Ja, Sir.“, meldete sich der 1. Taktikoffizier monoton.
„Wir nehmen Gefechtsplan Delta.“
„Aye, Gefechtsplan Delta.“, wiederholte der TO. Zusammen mit seiner Crew begann er alles in die Wege zu leiten.
Gefechtsplan Delta war offensiv ausgelegt. Berg wollte in einem Raumgefecht von Anfang an klar machen, was Sache war. Die Erbsenzähler im Haushaltsausschuss der Vereinten Flotte würden wahrscheinlich Zeder und Mordio schreien. Was ihm relativ egal war.
Er wollte keine Überraschungen erleben in dem Sie zu defensiv agierten. Schließlich konnte niemand sagen, über was die Piraten an Systemen verfügten. Die Hoffnung das lediglich das ECM moderner Art war, konnte man wohl abhaken.
„Einkommendes Signal.“, meldete ein Crewmen der Signalstation.
Etwas zu früh, fand Berg. Andererseits konnten die Systeme der Frachter das Signal nicht zurückverfolgen. Dadurch wussten Sie nicht, wo sich der Absender aufhielt. Die Bismark hingegen war dazu in der Lage. Ein blinkendes Sechseck erschien auf dem Taktikplot und umrahmte eine der Signaturen.
„Wollen man hören was unsere Schatten zu sagen haben.“
„An den Führungsfrachter.“, ertönte eine markante tiefe Stimme aus dem Com. „Gehen Sie auf Null, schalten Sie ihren Antrieb ab und machen sich bereit geentert zu werden.“ Eine einstudierte Warnung. „Andernfalls eröffnen wir das Feuer.“ Das Signal brach ab.
„Waffen!“, hackte Berg nach und drehte sich zum WO um.
Der Gvaner schaute auf sein Plot, machte eine Eingabe, gab seinen Leuten knackige Anweisungen. „Ich bezweifle, dass er aus dieser Entfernung einen sauberen Schuss setzen kann.“
„Raketenstart!“
Sofort schaute Berg auf seinen Plot. Die umrahmte Signatur hatte eine einzelne Rakete in Richtung Konvoi abgefeuert. Selbst für moderne Langstreckenraketen war diese Entfernung zu weit um einen sauberen Schuss zu setzen, wie es der WO ausdrückte. Dazu zählten auch die neueren Mehrstufenraketen. Ein Warnschuss.
Keine 2 Minuten später erlosch der kleine rote Punkt vom Plot. Weit weg vom Konvoi.
Weitere 20 Minuten vergingen, als ein zweite Warnung via Com den Konvoi erreichte. Nach dem, was sie gesehen hatte, durch den Warnschuss, würden die Piraten in 20 – 30 Minuten in ihre maximale Schussweite kommen. Zu der Zeit würden die Werfer der Bismark beide seit 15 Minuten ins Fadenkreuz genommen haben und nur darauf warten ihre tödliche und zerstörerische Ladung auszuwerfen.
Die Piraten kamen näher. Sie lagen parallel zum Konvoi, erhöhte stetig ihre Geschwindigkeit.
„Weiterer Raketenstart!“
Wie abgesprochen herrschte daraufhin wirrer Funkverkehr zwischen den Frachtern.
Berg machte eine Eingabe. Der Com Schirm seines Stuhl erwachte zum Leben. LI Ritter erschien.
„Ja, Captain?“
„Sind Sie bereit für die Show?“
Ein freudiges Grinsen erschien auf ihrem Gesicht. „Wir warten nur auf ihr Kommando.“
Er warf einen Seitenblick zum Taktikplot. Die einkommende Rakete detonierte wirkungslos vor dem Führungsschiff. Eine mehr als deutige Botschaft.
„Com.“
„Ja, Sir.“
Die Piratenschiffe waren den Parallelflug leid, sie nahmen direkten Kurs auf den Konvoi und entblößten sich unwissentlich vor der Bismark.
„Kontakt!“, rief ein Crewmen der Sensorstation.
Sein Gesichtsausdruck wurde finster.

***
Damit hatte er nun wirklich nicht gerechnet, obgleich es ihn nicht sonderlich überraschte, was die Sensordaten im Fenster anzeigten. Bei den Piratenschiffen handelte es sich um einen Zerstörer und einen Kreuzer. Großkampfschiffe ohne galaktische Flottenkennung. Demzufolge waren Sie nie in einer Flotte in Dienst gestellt worden. Im Endeffekt spielte das keine Rolle.
Wie ein paar Raubtiere jagten Sie auf die Frachtersignaturen zu.
„Starten Sie die Show, LI.
EO geben Sie Captain Keoro das Signal.“ Die Frauen nickten. Amy Ritter gab jemand außerhalb des Sichtbereichs ein Zeichen.
Berg machte eine Eingabe ins Interkom. Das Tonsignal ertönte, dass der Captain zur Besatzung sprach. „Hier spricht der Captain.“, fügte Berg zu dem verklungenen Signal hinzu. „Alle Mann auf die Gefechtsstationen.“ Mehr sagte er nicht. In diesem Moment schrillte der Gefechtsalarm durch den Kreuzer. Umgehend gingen Meldungen der Stationen bei der Com-Station ein, um die Gefechtsbereitschaft zu signalisieren.
„Starte Houdini in 5“ Amy zählte den Countdown runter „…4…3…“ Ein kurzer Blick auf’s Display. „… 2 … 1 … Start.“
Im gleichen Moment löste der Konvoi, nach regem Com-Verkehr seine Formation auf, drehte ab und jagte mit überhöhter Geschwindigkeit davon. Die Frachter zerstreuten sich. Mindestens 1 würde durchkommen. Denn Alle konnten die Piraten nicht aufbringen oder Manövrierunfähig schießen. Außerdem besaßen die Raumschiffe eine Überraschung. Sie war in Zusammenarbeit mit der Bismark erarbeitet worden. Für den Fall das es doch brenzlicher für den Kreuzer wurde als erwartet.
Beim Auflösen entstand bei einem der Frachtersignaturen eine Fluktuation im Antriebssystem. Die Folge war scheinbar eine Notabschaltung der Betaemitter, wodurch die Antriebsleistung des Frachter um mehr als 50 % sank. Unbeantwortete Com Rufe eilten vom Schiff zu den fliehenden. Sie sollten nicht beantwortet werden, daher ignorierten die Crews der anderen Frachter die Rufe. Das Schiff konnte den näher kommenden Piraten nicht entkommen. Es lag genau zwischen den Piratenschiffen und den fliehenden Frachter. Zu ungünstig um den Anderen Raketen hinterher zuschicken, die im Flug möglicherweise die sichere Beute anvisierten und zerstörten. 4,2 Megatonnen Güter waren besser als Nichts. Hinzu kam die Besatzung, mit der man Lösegeld erpressen konnte. Hätten die Piraten gewusst dass der Frachter in Wahrheit ein Kreuzer der Unioner Flotte war, hätten sie keinen Moment gezögert und geschossen.
So liefen sie direkt in die Falle, die die Bismark für das Pack legte. Dafür machten Sie zwar einen Konvoi zum Köder, aber ohne Köder fischte es sich schwer im trüben Gewässer.
Berg empfand bei der Vorstellung keine Reue oder Scham. Wieso auch? Die Piraten legten sich auf die Lauer, fielen über hilflose Frachter und Handelsschiffe her, töten die Besatzungen oder benutzten Sie um Lösegeld zu erpressen. Diese Leute, egal welchem Volk sie angehörten, waren Verbrecher mit Großkampfschiffen.
Eine Falle bedeutete nicht zwangsläufig das es hier und jetzt zu einem Raumgefecht kommen musste. Sie war eine Option um dem Feind, in diesem Fall Piraten, das Handwerk zu legen. Auf die Eine oder andere Weise. Welche es sein würde lag ganz allein beim Gegner.
„Com.
Signal an Bandit 1 und 2.“
„Aye, Captain.“ Der CO richtete alles ein. „Bereit, Sir.“ Via Echtzeit wurde das Comsignal an die Piratenschiffe gesendet. Mit Sicherheit würden sich die Piraten wundern wieso das Signal vom lahmenden Frachter vor ihnen kam. Der Signalcode würde es als Unioner Signal identifizieren. Die Bismark machte sich nicht die Mühe die Signalkennung zu verschleiern. Wozu auch, die Piratenschiffe hatten, soeben den -Point of No Return- (Punkt ohne Rückkehr) passiert. Sie konnten einem Raumgefecht nicht mehr entfliehen.
„Hier spricht Captain Berg vom Kreuzer Bismark der Vereinten Flotte der Union.
Reduzieren Sie ihre Geschwindigkeit auf Null, deaktivieren Sie die Schilde und leisten Sie keinen Widerstand. Marines werden an Bord kommen und Sie in Gewahrsam nehmen.
Kommen Sie unserer Forderung nicht in der nächsten Minute nach, sehe ich mich gezwungen das Feuer auf Sie zu eröffnen.
Bismark Ende.“
Der CO beendete das Signal.
Wahrscheinlich fragten sich die Piraten, was Sie von der Nachricht halten sollten. Auf ihren Ortungsgeräten musste es bei der Signatur weiterhin um einen 4,2 Megatonnen Frachter handeln. Vielleicht glaubten Sie sogar die Besatzung des Frachters bluffte, imitiere den Unioner Signalcode und gab sich als Kreuzer aus.
Geduldig wartete man auf eine Antwort.
Die Piratenschiffe hielten weiter auf den falschen Frachter zu. Com Signale hüpften vom Zerstörer zum Kreuzer und zurück.
Dann war die Minute verstrichen. Berg gab ihnen weitere 30 Sekunden für ihre Entscheidung. Als nach 1 Minute und 30 Sekunden keine Antwort via Com oder durch die Ortung, dass die Schiffe ihre Geschwindigkeit herabsetzten, einging, ließen sie ihm keine Wahl.
Berg schaute zu Cmdr Sheila. Er musste ihr kein Kommando geben. Der Blickkontakt reichte aus. Sie nickte, wandte sich ihrer Konsole zu, machte eine flinke Eingabe. Sekunden später verschwand die Frachtersignatur vom Ortungsschirm von Freund und Feind. An dessen Stelle tauchte sofort eine Signatur auf, die Sie als Kreuzer der Mandela II Klasse der Vereinten Flotte der Union identifizierte.
In diesem Augenblick musste den Piraten das Herz in die Hose rutschen.
________________________________________

-Sechs-

Das Raumgefecht, falls man es als solches überhaupt bezeichnen konnte, währte keine 30 Minuten. Trotz allem offenbarte sich der Unioner Besatzung einiges Unvorgesehenes. Die Großkampfschiffe der Piraten verfügten nicht nur über moderne ECM Systeme, sondern über weiteres modernes Kriegsgerät. Mit der richtigen Bedienmannschaft hätte man ihnen das Leben schwerer machen können als den Piraten bewusst war. Ein Grund dafür sah Berg darin dass die Piraten bisher keinem Gegner wie der Bismark in der Konföderation gegenüberstanden. Daher mussten Sie nie bis zum äußersten gehen.
Der Zerstörer und der Kreuzer hatten in dem 15 Minuten (reine Gefechtszeit) Gefecht schwere Treffer einstecken müssen. Eine eingespielte Besatzung hätte sich besser gegen die Unioner behauptet, davon war Berg überzeugt, als er das Gefecht rekapitulierte.
Jetzt lag sein Hauptaugenmerk auf etwas anderem. Er legte das Pad beiseite, schaute seinen EO, TO und einen Major der Vereinten Marines an. Der Mischling befehligte den Trupp Marines an Bord der Bismark. Jedes Schiff abseits des Einsatzverbandes, das alleine in der Konföderation operierte hatte einen Trupp Marines an Bord. Für den Fall das geentert wurde oder eben das selbst tat.
Als sich die Piraten ergaben, schickte Cpt Berg jeweils eine Enterfähre aus um die Kontrolle über die Großkampfschiffe zu übernehmen. Insgesamt konnten bis zu 500 Piraten lebend in Gewahrsam genommen werden.
Was die Marines zu Tage förderten, konnte man durchaus als Jackpot bezeichnen.
Wie sich herausstellte, stammten die Schiffe aus Liga Produktion. Ein Joint Venture Unternehmen der Megakonzerne Centauri E Ltd. und General Semper United hatten sie gefertigt. Beide Megakonzerne hatten ihren Sitz in der Liga. Centauri E Ltd. war ein Mischkonzern. General Semper United ein Rüstungskonzern. Zusammen bauten sie für jeden der den Listenpreis bezahlen konnte vom einfachen Pulser bis hin zum Großkampfschiff alles was unter die Sparte: Kriegsgerät fiel.
„Allem Anschein nach“, sagte Cmdr Sheila. Sie hatte sich mit dem erbeuteten Material befasst. „sind die Schiffe vor 5 Jahren vom Stapel gelaufen. In der Zeit waren Sie sehr umtriebig. Hauptsächlich Schmuggel, Schutzgeld und Überfalle.“
„Wie haben die Typen die Dinger bezahlt?“, fragte der Major neugierig.
„Sie bekamen Sie frei Haus geliefert.“ Überrascht hob der Mischling die Augenbrauen. „Als Gegenleistung mussten Sie anfangs 77 Prozent aller Gewinne an den Konzern abführen. Inzwischen liegt die Quote bei 59 Prozent.“ Sie wandte sich wieder dem Kommandanten zu, warf einen Seitenblick auf den TO. „Glücklicherweise hat der Kommandant des Zerstörers besser Buch geführt als sein Amtskollege auf dem Kreuzer. Dadurch konnten wir einen sehr guten Einblick bekommen.
Wie es aussieht, wurden unsere Piratenschiffe zusammen mit 7 weiteren vor 4 Monaten einer kostenlosen Generalsüberholung unterzogen.“
Berg zog die Augenbrauen zusammen. Das konnte kein Zufall sein. Genau vor 4 Monaten stellte die Königin von Toivan den Antrag um Amtshilfe bei der Union. Demnach hatten Sie schon im Vorfeld Bescheid gewusst und entsprechende Maßnahmen ergriffen.
„Das ist aber noch nicht alles.“
Berg horchte auf.

***
Admiral Karim starrte immer noch auf die Liste der Toten und Verletzten. Er konnte einfach nicht fassen dass sich der Einsatz zu so einem Blutbad entwickelte. Mal wieder hatte die Feindaufklärung ganze Arbeit geleistet.
Bei dem Gedanken stieg Zorn in ihm auf.
Sein Einsatzverband verfügte über zu wenig Schiffe mit einer einschüchternden Feuerkraft. Mit Zerstörern und Kreuzern deren Zenit überschritten war, trotz aller Maßnahmen zur Aufrüstung, ließ sich kein Blumentopf gewinnen. Er hätte darauf bestehen müssen mehr und neuere Schiffe zu geteilt zu bekommen.
Schuldgefühle spülten sich an die Oberfläche.
Karim richtete seinen Fokus auf die jüngsten Geschehnisse.
Die Zerstörer VF Palermo und VF Rushford sowie der Kreuzer VF Doha waren auf Patrouille, als sie einen zerstückelten Notruf empfingen. Sie sprangen in das System, wo eine wenig befahrene Handelsnebenroute lag. Was sie vorfanden, war ein Massaker.
Ein Konvoi, registriert in Soria, bestehend aus 7 Raumschiffen mit einem Gesamtwert von bis zu 47,7 Megatonnen, war im Systeminneren regelgerecht abgeschlachtet worden. Die VF Rushford war gerade dabei die Rettungskapseln und Boote einzusammeln, Marines suchten in den Schiffen nach Überlebenden, als plötzlich einer der Frachter explodierte. An Bord, eine Hundertschaft Marines.
Eine Fernzündung.
Aus dem Nichts raste eine Salve Raketen, auf die Palermo zu, sie war das nächstgelegene Ziel. Man beorderte umgehend alle Marines zurück. Eine Fähre, mit einer Hundertschaft an Bord, entfernte sich von einem Frachter, als dieser in Stücke gerissen wurde. Die Druckwelle erfasste die Fähre, warf Sie gegen ein rumpfgroßes Trümmerstück, dass die Fähre aufschlitzte. Keiner der Insassen überlebte.
Von der 300 Salve prasselten letztlich 145 Raketen auf den Zerstörer ein. Dass das Schiff nicht in Flammen aufging, grenzte an ein Wunder, das keins war. Die Palermo besaß keine Chance der Vernichtungssalve zu entkommen oder sie zu überleben. Rettungskapseln und Fähren verließen das sinkende Schiff. Nach der Evakuierung hatte man das Schiff gesprengt.
Die Rushford übernahm die Bergung, während sich die Doha ins Raumgefecht warf und auf Rache sann.
Das Gefechtsverhältnis stand 5 gegen 1 (da die Rushford mit der Bergung beschäftigt war). Der Feind verfügte über einen Schlachtkreuzer, das Flaggschiff der Piratendivision, 2 Kreuzer und 2 Jagdfregatten. Alleine konnten sich die Schiffe nicht mit der Doha messen, im Verbund wurde das technische Defizit ausgemerzt und hatten sogar einen leichten Vorteil. Nichtsdestotrotz warf sich die VF Doha unter dem Kommando von Captain Levi ins Gefecht, spuckte Tod und Vernichtung aus, schützte mit ihrem Körper die Rushford, ließ nichts unversucht es den Piraten heimzuzahlen, ohne sich dabei blind ins Gefecht zu stürzen.
Captain Levi verlor dabei ihr Leben. Wie 220 ihrer Leute.
Admiral Karim musste in der Nachbetrachtung schlucken.
Als die Bergung durch die Rushford abgeschlossen war, deckte man deren Rücken, als Sie sich zurückzogen. Die Piraten ließen nicht locker, jagten ihnen mit ihrer gesamten Feuerkraft hinterher. Sie wollten die Unioner nicht davon kommen lassen. Dabei musste eine Jagdfregatte abdrehen, sie hatten einen Reaktortreffer abbekommen. Ein Kreuzer verging in einer Kaskade, als ein Dutzend Raketen den Panzermantel knackten und ihre Ladungen hineintrieben. Die verbliebenen Piratenschiffe brachen die Verfolgung ab, sammelten ihre Leute von der Jagdfregatte auf und sprangen in den Hyperraum.
Bei dem Versuch riss es den letzten Kreuzer auseinander.
Sie hatten versucht mit 2 Hyperraumemittern zu springen. Außerhalb der Hyperraumgrenze in einem Sternensystem brauchte es mindestens doppelt so viele Emitter, die der Belastung standhalten konnten. So überlebte nur die Jagdfregatte aus dem Verbund das Raumgefecht. Der Schlachtkreuzer war der Anfang gewesen.
Die Piraten hatten nichts anderes verdient, spuckte er den verächtlichen Gedanken aus.
Die Großkampfschiffe VF Rushford und VF Doha hatten das Gefecht ebenso wenig unbeschadet überstanden waren aber flugtauglich. Deren Schäden überstiegen mit den Reparaturkosten nicht den Schiffswert.
Die Palermo hatte eine Besatzung von um die 3000 Männer und Frauen. Bei dem Raumgefecht waren trotz der schweren Beschädigungen lediglich 500 Personen an Bord des Zerstörers gestorben. Manch einer würde von einem Wunder sprechen. Admiral Karim dachte nicht mal daran. 500 Frauen und Männer waren immer noch zu viele.
Knapp 800 Opfer hatte das Geschwader zu beklagen. Eine geringe Zahl wenn man sich die Geschehnisse in der Nachbetrachtung ansah.
Für ihre Tat würden die Frauen und Männer des Geschwaders den Greenberg Star erhalten, die höchste Auszeichnung der Vereinten Streitkräfte, dafür würde Karim sorgen. Eine entsprechende Empfehlung befand sich im Paket, das man per Subraum ans Flottenkommando schickte.
Zu der Zeit wusste Karim noch nichts von der Entdeckung, die Captain Berg und seine Mannschaft machte. Die Informationen landeten 2 Tage später auf seinem Tisch und waren nach der Durchsicht per Eilmeldung via Subraum ans Flottenkommando gesendet worden. Der Inhalt war höchst brisant und würde mit Sicherheit klassifiziert werden.
Karim warf einen Blick auf das Datenpad, in dem die Infos gespeichert waren.
Die Liga hatte sich bei der Sache eindeutig zu weit aus dem Fenster gelehnt. Oh, sie würden ihre Hände in Unschuld waschen. Jede Verantwortung und Beteiligung abstreiten. Die Verbindungen zu den Piraten und Konsorten kappen oder auf Eis legen. Wenn der Sturm vorüber war, begann es von Neuem.
Ab diesem Zeitpunkt würde jemand anderer seinen Posten bekleiden. In 5 Monaten kam die Ablösung. Bis dahin sollte es relativ ruhig bleiben. Na ja, zumindest hoffte er es. Und wenn nicht, dann sollten die Piraten ihr blaues Wunder erleben. Von nun an wehte ein anderer Wind durch die Konföderation.

***
Der Turm von Pisa, so nannte der Mensch hoch oben im Megatower, das Gebäude in Anlehnung auf den schiefen Turm von Pisa auf der Erde. Er hatte zum ersten Mal in der Grundschule davon gehört, als die Geschichte der Erde behandelt wurde.
Von seinem großen Büro aus schaute er hinab auf die Metropole Sing City. Kein anderes Gebäude war höher. Es symbolisierte seine Macht über die Stadt, ihre Bewohner und alles was dazu gehörte. Das Rathaus war nichts weiter als eine leere Hülle.
Sein Großvater und Vater hatten ihm den Weg geebnet.
„Anscheinend hatten Sie zu so großes Vertrauen in Mr Reek.“, sprach er ohne eine Spur von Ärger, Wut oder Zorn. Was seinen Worten nicht weniger Gewicht verlieh. Im Gegenteil dadurch wirkten Sie noch bedrohlicher.
Der Kolianer in seinem Rücken blieb stumm.
Der Mensch stand mit verschränkten Armen vor dem großflächigen Fenster hinter seinem Schreibtisch, blickte hinaus. „Ihre Fehleinschätzung wirft ein schlechtes Licht auf mich.“ Die Schärfe in seiner Stimme war unüberhörbar.
Der Kolianer bemühte sich, sich nichts anmerken zu lassen. Nicht gerade leicht, wenn man mit dem Rücken zur Wand stand. Er konnte nichts vorbringen, um sich Luft zu verschaffen. Nichts konnte ihn aus dem Schlamassel holen.
Der Mensch wandte sich um, schaute den Kolianer aber nicht an. Seine Gedanken schweiften kurz ab. Zu einer anderen Zeit hätte der Kolianer sein Büro nicht lebend verlassen oder nur für eine kurze Zeit. Heute war fähiges Personal rar. Andererseits hatte der Mann ihm bisher gute Dienste geleistet. Die Einfachheit vermisste er. „Ganz zu schweigen von den Summen, die investiert wurden.“ In Wahrheit war das Geld nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Alleine die Tageseinnahmen von heute machten die Ausgaben für Sonderprojekte mehr als wett. „Sorgen Sie dafür das sich die Verluste in Grenzen halten.“ Der Mann nickte, eilte aus dem Büro bevor sein Chef seine Entscheidung ihn nicht zu ersetzen revidierte. Dabei galt der Mensch keineswegs als launisch.
Er kehrte zur Aussicht zurück. Wie lange er sie genoss, spielte keine Rolle. Er konnte sich einfach nicht satt daran sehen, wie sich die Welt, seine Welt, weiterdrehte. Dieser Planet, ja das ganze Sternensystem gehörte seiner Familie. Es hatte seine Vorfahren viel Schweiß, Blut und Geld gekostet aus dem kargen Sternensystem eine blühende Landschaft zu machen, in der Sie mehr Geld verdienten als mancher Haushalt einer Sternennation zur Verfügung hatte.
Neben seinem Spiegelbild tauchte eine Frau auf, die sich aus dem Nichts materialisiert zu haben schien. Er ignorierte ihre Anwesenheit einige Augenblicke.
„Wo stehen wir?“, fragte die Menschenfrau gefrierend.
„Alles läuft genauso, wie sie wollten, Ms Holm.“, antwortete er zuversichtlich.
Ihr Nicken bestätigte seine Aussage. „Freut mich zu hören.“ In ihrer Stimme lag kein einziger Funken Freude. „Wir wünschen, dass das so bleibt.“, stellte Miranda Holm unmissverständlich fest.
Er blickte in die kalten Augen des Spiegelbilds der Frau, die seine Investoren vertrat.
Nirgendwo in den Büchern von General Semper United oder dem Mutterkonzern fand man etwas über die Investoren. Die Eigentumsverhältnisse vom Rüstungskonzern lagen verborgen unter einem undurchsichtigen Geflecht aus Scheinfirmen, Fonds und Gesellschaften. Es war praktisch unmöglich herauszufinden, wem General Semper United wirklich gehörte.
„Ich werde alles in die Wege leiten.“, versprach er. Wenn die Frau zufrieden war, zeigte sie es nicht. So wie jetzt hatte er Ms Holm auch nie anders erlebt.
Er wendete den Blick von ihr, suchte sich einen Punkt in der Stadt, auf den er sich konzentrieren konnte. Wann sich das Spiegelbild der Frau auflöste, spielte keine Rolle. Echte Erleichterung wollte nicht aufkommen. Er wusste nämlich, dass Sie zurückkehren würde, unangemeldet und aus dem Nichts. Sie war einer jener Leute, auf deren Besuch er liebend gern verzichten konnte, selbst wenn er dafür sein gesamtes Vermögen opfern musste.

***
Die Wiederwahl der Königin von Toivan zur Ratspräsidentin der Vollversammlung der Konföderation kam für niemanden überraschend. In den Medien wurde lediglich über den Vorsprung spekuliert, den Königin Mila haben würde.
Sie trug einen historischen Sieg von 91 Prozent davon. Kleinlaute Kritiker äußerten, dass Sie dadurch Allmächtig wurde. Wo die Leute in gewisser Weise recht hatten.
Captain Berg hingegen kümmerte sich nicht um die politischen Ränkespiele. Weder in der Union noch hier in der Konföderation. Seine Aufgabe, bzw. die des Einsatzverbandes Poseidon unter dem Kommando von Admiral Karim, stand kurz vor dem Ende. In einem Monat wurden Sie abgelöst.
Er konnte nicht behaupten traurig darüber zu sein.
Die Sicherheitslage in der Konföderation, vor allem im Grenzgebiet zur Liga, hatte sich seit den Vorfällen vor 4 Monaten beruhigt. Wie lange das so blieb, war schwer vorhersehbar. Noch gab es Nachbeben wegen der Beteiligung und Unterstützung der Liga gegenüber der Piraterie in Gamma II.
Die Union, Aquian, Benien, Malian, ja selbst die Bruderschaft Crja verhängten Sanktionen und ein umfangreiches Embargo über die Liga und die Konzerne Centauri E Ltd. und General Semper United. Ob Sie jedoch ernsthafte wirtschaftliche Folgen hatten, war zweifelhaft.
Die Fähre setzte zum Landeanflug an.
Berg schaute aus dem Bullauge.
Unter ihm lag die Landschaft von Toivan Home. Zum Vorschein kam die weitläufige Anlage in dessen Palast die lebenslange Kronenträgerin von Toivan residierte. Das Bauwerk gehörte zu architektonischen Meisterwerken, die ihm je unter die Augen gekommen waren. Es wirkte wie eine mittelalterliche Festung, umgeben von einer imposanten Mauer und Wehrtürmen auf denen heute stationäre Flugabwehrlafetten Wache schoben, statt gerüstete Soldaten. Im Zentrum der Festung lag der Palast.
Der Pilot ging tiefer, flog eine Schleife und visierte den nördlichen Landeplatz an. Geschmeidig, das Vehikel zitterte lediglich, landete die Fähre.
Berg schnallte sich ab, erhob sich und verließ das Luftfahrzeug über die Gangway. Außerhalb des Sicherheitsbereichs erwartete man ihn. Einer der Assistenten der Königin begrüßte ihn herzlich. Die Gardisten hingegen musterten ihn nichtssagend. Obgleich er wohl zu den wenigen Außenweltler zählte, die als Vertrauenswürdig und Unbedenklich galten.
Über einen Säulengang führte man ihn in den Innenhof. Er war alleine gekommen. Die Königin hatte Berg zu einem persönlichen Treffen eingeladen, sobald seine Zeit erlaubte. In den letzten Tagen war Ruhe eingekehrt und man war nach Toivan Home zurückkehrt. Seiner Mannschaft gönnte Berg, mit Erlaubnis der toivanischen Behörden eine 3 tägigen Landurlaub. Sie hatten es sich verdient. Von der anfänglichen Antipathie ihm gegenüber war kaum noch etwas vorhanden. Man war zusammengewachsen, zu einer Einheit verschmolzen.
Woran man durchaus Zweifel haben konnte, wenn man die Anfänge ihrer Zusammenarbeit kannte. Der Gedanke, bzw. die Entwicklung ließ ihn schmunzeln, als sie durch einen der Sommergärten inmitten eines verschlungenen Platzes schritten.
Durch einen Säulengang brachte man ihn in den Palast. Alles blitzblank. Der Marmor poliert. An den Wänden hingen Gemälde, deren Maler Motive von ihrer Heimatwelt verewigten. Geschenke, wie eine wilanische Skulptur, standen auf Steinsäulen und Podesten, hingen an den Wänden. Für Jedermann sichtbar.
Die Führung endete auf einer tuchüberspannten Terrasse.
Dort erwartete die Königin ihren Gast.
„Captain Berg.“ Ihr Lächeln war entwaffnend. Wenn er den eine Waffe getragen hätte.
„Majestät.“, entgegnete er ebenso herzlich und offen wie die Frau, die viel riskierte und mehr gewonnen hatte als viele ihr zutrauten. Nicht nur auf den Welten der Konföderation bezogen.
„Bitte, Captain, nehmen Sie platz. Möchten sie was trinken? Essen?“, bot Königin Mila ihm an.
Vor dem Abflug auf Toivan hatte er zu Mittag gegessen. „Nein, danke.“
Mit einem Blick schickte sie alle umstehenden weg. Die Leibwächter ihrer Leibgarde ausgenommen. Sie waren überall, wo die Königin war. Außer in ihrem Privatgemach. „Es freut mich das Sie meiner Einladung gefolgt sind.“
„Kein Problem, Majestät.“ Was nicht mal gelogen war. „Ich hatte ein wenig Zeit übrig und es ist eine nette Abwechselung.“
Sie lachte spottlos. „Sicherlich haben Sie sich gefragt weshalb ich eine persönliche Einladung ausgesprochen habe.“ Das war keine Frage, sondern eine Feststellung.
Dem war tatsächlich so. Näher darüber nachgedacht hatte er aber nicht. „Ich würde Lügen, wenn ich Nein sage.“
„Ich bin Ihnen zu großen, unschätzbaren Dank verpflichtet, Captain.“, sprach Königin Mila offen, vorbehaltlos. „Nicht als Königin von Toivan. Sondern als Mutter.“
Berg rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her. „Das müssen Sie nicht, Majestät.“, warf er schnell ein. Bevor er daran anschließen konnte, hob sie die Hand.
„Sie irren sich.“ Die Frau beugte sich leicht vor. „Hätten Sie damals nicht getan was sie getan haben, müsste ich eins meiner Kinder betrauern.“ An ihrer Stimme hörte man die Ernsthaftigkeit.
Er schwieg, weil Berg nicht wusste, was er darauf sagen sollte. Möglicherweise hatte sie recht. „Ich habe nichts Außergewöhnliches getan.“, versicherte er ihr.
Königin Mila lehnte sich zurück, betrachtete ihn ausgiebig. „Da muss ich ihnen widersprechen. Doch es scheint mir mühselig ihnen ihre bewundernswerte Tat vor Augen zu führen.“, gab sie resignierend zu, schüttelte leicht den Kopf und schaute kurz weg.
So bewundernswert hatte er gar nicht gehandelt. Zumindest sah Berg es so und ließ sich davon nicht abbringen.
„Mein Dank war nur ein Grund für die Einladung.“, setzte die Königin die Unterhaltung fort. Sie nahm einen Schluck Wasser, wartete ein wenig, bis sie sich die kommenden Worte zurechtgelegt hatte. Sie auszusprechen war nicht das Problem. „Sie haben sicherlich davon gehört oder wissen bereits darüber bescheid.“ Mila schaute den Mensch mit klarem Blick an. „Ich forderte ihre Begnadigung und die Teilnahme an dem Einsatz Poseidon.“
Berg wusste davon. Inzwischen war es ihm egal. Obgleich es weiterhin einen bitteren Beigeschmack hatte, wieder die Uniform der Vereinten Flotte zu tragen. Es fühlte sich anders an, als vor der Geschichte die zu einer Verurteilung und Inhaftierung führte. Er nickte schlicht.
„Damit bin ich in mancher Augen hier und in der Union zu weit gegangen.“, fuhr sie sachlich fort.
„Das kann man so sagen.“, kommentierte Berg abwartend.
„Ich werde es wieder tun.“ Die Sicherheit in ihrer Stimme ließ bei ihm Spannung aufkommen. Berg saß einfach da. Ein Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. „Ich brauche einen Nachfolger für Flottenadmiral Khan.“ Die Pause dehnte sich aus. „Hätten Sie Interesse, Captain?“
________________________________________

-Ende-

Reek war am Verzweifeln. Sie hätten ihn längst treffen sollen. Stattdessen ließ sich niemand blicken. In der Stadt war die Höhle los. Explosionen und Schusswechsel waren entfernt zu hören. Über der Stadt lag der Geruch von Rauch. Der Regen filterte den Ruß aus der Luft und klatschte ihn in schwarzen Tropfen auf die Stadt nieder.
Er stand unter einer löchrigen Markise. Seine Kleidung tropfnass, schmierig, wie alles was mit dem Regen in Berührung kam. Er wechselte unruhig von einem Bein aufs andere. Sicherlich konnte man ihn nicht als Chorknaben bezeichnen oder als gesetzestreu. Das war niemand der in der Liga sein Leben fristete. Auf einiges das er getan hatte, war Reek nicht stolz. Schämen tat er sich aber auch nicht. War man deswegen eine schlechte Person!?
Die Chancen dafür sprachen nicht für ihn. Früher hatte ihn das auch nicht gestört. Ändern tat es sich, als der Kolianer ihn anheuerte. Je länger Reek für den Mann und dessen Hintermänner arbeitete, desto mehr zweifelte er an sich. Wie hatte er nur zulassen können, dass es soweit kam? Die Antwort darauf war einfach. Geld. Eine Menge Geld. Ganz zu schweigen von dem Einfluss und der Macht, die sich ihm dadurch eröffneten.
Wovon ihm jetzt nichts mehr behilflich sein konnte. Das Geld war so gut wie aufgebraucht. Zum Schutze derer die Reek über alles liebte. Sie hatten ihm vertraut und er enttäuschte sie, verdammte sie zu einem Leben in Furcht und Angst.
Genau deshalb war er hier. Er wollte sie in Sicherheit bringen. Was mit ihm geschah, spielte eine untergeordnete Rolle.
Mist!! Wo zum Teufel steckten Sie!! Die Warterei machte ihn wahnsinnig. Reek umfasste den Pulser in seiner Manteltasche. Seine Nerven beruhigte es nur bedingt.
Ein Zischen hinter ihm ließ den Mann zusammenzucken. Er bekam umgehend eine Gänsehaut. Aus seinem Körper wich jegliche Wärme, verwandelte ihn in einen Eisblock. Seine Glieder waren eingefroren, ignorierten die Impulse seines Gehirns wegzurennen. Egal wohin bloß weg.
Der Pulser war wertlos.
Reek spürte nichts. Ihm sackten die Beine weg, er fiel wie eine Puppe zu Boden. Seine Blickfeld verschwamm.
Ein Gesicht tauchte auf. Eine Frau.
Wieder nahm er das Zischen wahr. Es stammte nicht von der Frau. Ausdrucklos schaute Sie ihn an. Kein Mitleid, Erbarmen oder Reue sah Reek in ihrem Gesicht. Er wollte um das Wohl seiner Lieben bitten, doch die Worte schafften es nicht aus seinem Mund. Reek hätte sogar wie ein Bettler um ein wenig Kleingeld gebettelt. Sie hätte ihn ignoriert, darin war er sich absolut sicher. Die Erkenntnis machte das Ende aber nicht erträglicher.
Dann verschwand sie. Mit ihr verklang auch das Zischen.
Er schien eine Ewigkeit da gelegen zu haben. Ihm wurde schwindlig. Dunkelheit umgab seinen Geist, lullte ihn ein, machte Reek schläfrig. So Müde wie jetzt hatte er sich in seinem ganzen Leben noch nie gefühlt.
Bevor sich seine Lieder schlossen, tauchte eine Gestalt über ihm auf. Für einen winzigen Moment, kaum messbar, schob er die Müdigkeit beiseite. Der Mund des Menschen bewegte sich, doch Reek hörte ihn nicht. Er schloss seine Augen, für immer.

***
Es war ein komisches Gefühl. Trotzdem erfüllte es ihn mit einer gewissen Genugtuung die Weißviolette Uniform mit den 5 Platinstreifen auf den Schultern zu tragen. Sie saß perfekt, bot genug Bewegungsfreiheit ohne schlabberig zu wirken, maßgeschneidert in Handarbeit genäht.
Berg kam es immer noch unwirklich vor dass er das Angebot der Königin tatsächlich angenommen hatte. Was ihn zu einem Flottenadmiral machte. In keiner Flotte gab es einen höheren Posten. Er, ein Mensch, befehligte die Raumflotte vom Königreich Toivan. Mit seiner ersten Amtshandlung stellte er ein umfangreiches Flottenprogramm auf die Beine. Im Rahmen dessen was möglich war. Und es war weit mehr möglich als er vermutet hatte. Berg freute sich schon die Früchte des Programms in Augenschein zu nehmen. Bis dahin verging noch etwas Zeit.
Die Fähre landete pünktlich auf die Minute.
Eine diebische Freude flammte in ihm auf.
Die Luke öffnete sich, automatisch fuhr die Gangway aus, fügte sich nahtlos an den Roten Teppich an, der zu Ehren der Insassen ausgelegt wurde. Es handelte sich um den Kommandanten des Einsatzverbandes Köhler, der den Verband Poseidon in der Konföderation ablöste, zuvor war dieser verabschiedet worden.
Das Flottenkommando der Vereinten Flotte hatte entschieden dass der Stützpunkt des Verbandes Köhler im Toivan System lag. Von dort würden die Schiffe operieren. Was aber nicht der Grund für seine diebische Freude war.
Einer der Insassen, ein Marine verließ die Fähre, stellte sich neben die Gangway. Hinter ihm folgte das erste Mitglied vom Verbandstabs. Dann erschien der Mann in der Luke dem seine diebische Freude galt. Das man sich je wiedersah hatte keiner von beiden erwartet. Vor allem nicht unter diesen Umständen. Genau darin bestand seine Freude.
„Willkommen auf Toivan, Admiral Xavier.“
Mit regungsloser Miene aber mit finsterem Blick nahm der Mann den Gruß entgegen, salutierte wie es sich vor einem ranghöheren Offizier gehörte.
Berg ließ den Admiral schmoren. Solange er den Gruß nicht erwiderte musste der Salut aufrecht gehalten werden. Der Genuss der durch seine Venen floss war einmalig und mit nichts zu vergleichen. Keine Droge der Galaxie konnte das Gefühl simulieren.
______________________________________________________

Ende
© by Alexander Döbber
 
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Hallo Leute.
Hab den Titel dieser Episode wieder geändert nach "Der Einsatz" & "Unternehmen Poseidon" heisst Sie jetzt "Piraterie".


Alexander Bone1979 (23.07.2010)

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