48


4 Seiten

Gold/Murads späte Rache

Fantastisches · Kurzgeschichten
Mukhtars Miene wurde düster. Alles schien sich gegen das Glück der beiden verschworen zu haben. Je länger er über die möglichen Ausgänge ihre Liebe nachdachte, je mehr bewölkte sich sein Blick. Auch Shakira stand mit hängenden Schultern und fragendem Blick, als Mukhtar mit gesenktem Haupt langsam den Hof durchmaß. Sie hörte nur seine Schritte und den silberhellen Klang des Stöckchens, das er, ein Schritt um den anderen, hart neben sich aufsetzte. Plötzlich verstummten diese Geräusche und sie hörte ihren Freund erstaunt ausrufen:
„Shakira komm mal schnell her! Ich habe Gold gefunden! Hier muss Gold liegen!
Da die Prinzessin jetzt vollkommen andere Gedanken hegte und mit Mukhtars Ausruf im Moment nichts anzufangen wusste, drehte sie sich zu ihm rum und rief:
„Beim Scheitan, bist du jetzt vollkommen übergeschnappt! Hat dich die Geschichte so sehr mitgenommen? Wir sind doch hier nicht am Klondike , wo das Gold im Fluss steckt und nur noch mit Wasser ausgewaschen werden muss, sondern im Palast des Sultans, wo das das Gold gut verstaut im Stahlschrank liegt!“
Doch Mukhtar hatte nicht auf ihre Worte gehört, sondern war stattdessen auf die Knie gegangen, wo er mit bloßen Händen zu graben begann. Shakira beobachtete dieses Szenario skeptisch, streckte beschwörend beide Hände gen Himmel und rief:
„Oh Allah, schau auf diesen bedauernswerten Menschen Namens Mukhtar. Schaffe Ordnung in seinem verwirrten Geist und beschenke ihn wieder mit etwas Verstand!“
Doch plötzlich sah sie etwas im Mondlicht glänzen. Sie schwieg erstaunt und eilte schnell zu Mukhtar. Dieser hatte den Deckel einer kleinen Schatulle geöffnet, ließ die Goldmünzen durch seine Finger gleiten und rief mit glitzernden Augen:
„Shakira! Schau her...! Ein Wink Allahs! Schau, nun sind wir aller Sorgen ledig. Ob das reichen wird, um bei deinem Vater um deine Hand anzuhalten? Mit diesem Goldschatz kann ich dem Schah von Persien wahrlich Paroli bieten. Soll er nur kommen, der alte Lustgreis, ich werde ihn aus dem Feld schlagen!“

Murads späte Rache
Unbemerkt von Mukhtar und Shakira, hatte Abdullah, der Spion, den Goldfund aus einem Versteck heraus beobachtet. Er glaubte nun genug zu wissen und wähnte den Beweis für Mukhtars Hinterlist und Schuld in seinen Händen. Beseelt von diesem Gedanken sprang er aus einem finsteren Versteck hervor und rief mit lauter, befehlender und machthungriger Stimme:
„Mukhtar, du bist des Hochverrates überführt! Wachen, ergreift diesen Schurken! Er hat den Sultan, der ihm schon immer misstraute, belogen und betrogen. Tragt diese Kunde sofort zum Sultan! Vergesst bei dieser Gelegenheit nicht zu erwähnen, dass ich es war, ich, Abdullah, der Spion, der diesen Fall löste! Der Sultan kennt meine Bankverbindungen! Man möge es auch seinem ersten Leibläufer Murad Marat Hon, der hinterhältig seines Sieges im Wettkampf beraubt wurde und seit jener Zeit eine freudlose Existenz zwischen nassen und kalten Kerkerwänden fristen muss, anzeigen! Nehmt diesem Betrüger hier sofort Stöckchen und Pantoffeln ab. Das Gold, das auf dem Gelände des Palastes gefunden wurde, geht natürlich an die Staatskasse. Ich werde mir nicht nehmen lassen, es dem Sultan persönlich zu überbringen. Der Sultan wird sich über das Gold und die neuen Spielzeuge sehr freuen! Ergreift Mukhtar, diesen Hexenmeister und geleitet ihn zu den Grenzen des Reiches! Dem Sultan sollen Mukhtars Machenschaften als Beweis für Murad Marat Hon´s Unschuld dienen, um ihn aus seinem unwürdigen Dasein zu befreien! Im Namen des allmächtigen Sultans sage ich: Sollte sich dieser Scharlatan hier, nochmals bei Hofe blicken lassen, so ist er des Todes!“
Prinzessin Shakira und Mukhtar erschreckten sich fast zu Tode, als sie plötzlich die grollende Stimme des Spions, wie aus dem Nichts, hörten. Shakira war die erste, die Abdullah die Stirn bot:
„Bei allen Höllen Abdullah! Was soll dieser Auftritt hier? Ich werde dich wie ein lästiges Insekt zerdrücken! Bist du dir denn nicht im Klaren darüber? Das Schauspiel, das du hier lieferst ist genauso alt, wie klassisch und lautet: „Wie die Macht einer Mücke die Kraft eines Elefanten verlieh!“ Aber du bist ja kein Elefant! Nicht einmal eine Mücke. Du bist doch nur die Kreatur Murad Marat Hon´s!“
Sie trat ganz nah an Abdullah heran, lachte voller Spott und rief hämisch:
„Ich habe sein Leben verschont, doch das lässt sich ja auch wiedergutmachen! Ich schwöre und gelobe, nicht eher zu ruhen, bis ich Murad Marat Hon´s Kopf oben auf den Zinnen des Palastes sehe!“
Abdullah, der plötzlich begriffen hatte, dass es ihm an den Kragen geht, verlor blitzartig alle Farbe im Gesicht, schaute die Prinzessin untertänig an, warf sich auf den Boden und schrie:
„Habt Erbarmen, oh Prinzessin, ihr Göttin der Morgenröte, die ihr selbst den hellen Tag mit eurer Eleganz und Schönheiten schlagt. Ihr, die ihr die Zartheit der jungen Lotusblüte übertrefft und in den Schatten stellt! Ich führe nur des Sultans Befehle aus!“
Die Prinzessin traf diese Formulierung hart, wie ein Keulenschlag! Kam ihr das nicht bekannt vor? Wo hatte sie diesen Wortlaut schon einmal gehört? Sie überlegte fieberhaft: „Abdullah? Natürlich Abdullah muss in meinen Gemächern gewesen sein! Aber klar doch! Er war verkleidet als Abida, als ich mit Aischa sprach!“ Sie blitzte Abdullah gefährlich an:
„Die Befehle des Sultans? So, so! Ich glaube du hast einen Sprachfehler! Ich glaube eher an die Befehle Murad Marat Hon´s!“, und fügte kess an: „Und weißt du, was ich noch glaube? Ich weiß nun, dass Geschlechtsumwandlungen eine Erfindung der Kabalisten ist! Ich habe recherchiert“
Sie lief, sich nur mühevoll zur Ruhe und Gelassenheit zwingend, vor den Augen Abdullahs hin und her. Doch dieser verstand wieder einmal nichts, sondern verfolgte jede ihrer Bewegungen mit verstörtem Blick. Jedoch Shakira war alles andere als gelassen und ruhig, sondern von einer alles verzehrenden Flamme erfüllt! Sie dachte verzweifelt:
„Was führe ich hier für eine Komödie auf? Bei allen Göttern! Was kann ich denn gegen Murad Marat Hon oder gegen den Willen des Sultan ausrichten?“
Und ihre Verzweiflung wuchs ins Unermessliche, denn sie spürte ihre Ohnmacht, die wie eine furchtbare Bestie über sie herfuhr. Und um nicht vor allen anwesenden Zeugen ihr Gesicht zu verlieren, nahm sie alle ihre Kräfte zusammen und spielte ihre Rolle zu Ende.
„Tu nun, was du nicht lassen kannst! Als Spion bist du verbrannt, Abdullah.“ Feuerte sie verachtungsvoll gegen den Spion. Dann senkte sie ihren Blick, blitzte ihn an und zischte scharfzüngig: „Ich schlage dir eine Umschulung vor, denn jedes Handwerk hat auch seine Schurken.“ Und fügte spöttisch an: „Übrigens hast du eine erbärmliche Figur in Frauenkleidern abgegeben! Du darfst dich entfernen Abida, über deine Strafe wird noch entschieden!“
Abdullah stammelte Abstruses! Verständnislos schaute er auf die Prinzessin: „Sie hat mich durchschaut und erkannt“, ging es ihm auf, „bei Allah, das ist mein Todesurteil!“ Diese plötzliche Erkenntnis lähmte ihn und machte ihn fast bewegungsunfähig. So schob er sich bäuchlings, wie ein Wurm, aus dem Blickfeld der Prinzessin. Als er dann ihren Augen entschwunden war, rief er mit lauter, aber heftig zitternder Stimme und einem gekünstelten Lachen: „Wache ergreift den falschen Schnellläufer! Bring ihn bis zu den Ufern des Meeres. Wenn er bis dorthin noch nicht schwimmen kann, ha, ha, ha, so muss er eben das Tauchen erlernen! Möge Allah ihm gnädig sein! Ha, ha, ha!”
Nun ging alles sehr schnell. Die Wachen entrissen Mukhtar von Shakiras Seite, warfen ihn auf einen bereitstehenden Maultierkarren, auf dem ein hölzerner Käfig befestigt war und trieben die Tiere mit Peitschen und lauten Rufen vom Hof. Shakira war plötzlich allein. Um sie herum herrsche die finstere Nacht. Sie stand wie festgewurzelt und vermochte sich nicht zu rühren. Jäh schoss ihr die Tränen in die Augen, ihr Mund blieb stumm, doch ihre Ohren hörten noch das sich schnell abschwächende Karre rumpeln und einen entfernten höhnischen Ruf:
„Aus dem Weg! Platz da, für den 1. Leibläufer des Sultans!” Dann war es still, und die Nacht hatte alles verschlungen...
Shakira stand noch lange, unfähig sich zu bewegen, an dieser Stelle. Dann sank sie auf die Knie, verhüllte ihr Antlitz eine lange Zeit mit dem Staub des Bodens, richtete sich auf und ein lauter Schmerzensschrei entfloh ihrem Hals. Ihr Gesicht begann sich maskenhaft zu verhärten und sie schwor sich bei allem, was ihr heilig war, künftig diese verknöcherte Männerdynastie zu zerschlagen, um fortan die Mächtigste, die Sultanin im gesamten Reich der Maoniter zu werden...
 
Wenn du registriert und angemeldet bist und selbst eine Story veröffentlicht hast, kannst du die Stories bewerten, oder Kommentieren. Wenn du registriert und angemeldet bist, kannst du diese Story kommentieren.
Weitere Aktionen
Wenn du registriert und angemeldet bist, kannst du diesen Autoren abonnieren (zu deinen Favouriten hinzufügen) und / oder per Email weiterempfehlen.
Ausdrucken
Kommentare  

Nun besitzt Mukhtar endlich mal Geld und schon sitzt er in der Patsche. Auch mir ist nicht ganz klar, weshalb Murat plötzlich soviel Macht hat und einfach Mukhtar verurteilen kann Aber das wird sich bestimmt in dem nächsten Kapitel klären.

Else08 (10.03.2012)

Der arme Mukhtar gilt nun irgendwie als Hexer. Nur weil Murat ihn beobachtet hatte, wie er mit dem Stöckchen Gold fand. Mit geradezu rasender Schnelligkeit - ohne dass der Sultan informiert wird - hat man Mukhtar aus dem Palast entfernt. Auch die Prinzessin scheint keine Macht anstelle des Sultans zu haben. Das alles wundert mich.

Gerald W. (08.03.2012)

Login
Username: 
Passwort:   
 
Permanent 
Registrieren · Passwort anfordern
Mehr vom Autor
Juche! Ich kann lesen und schreiben!  
Der Ausritt  
Schmied und Dorfschulze  
Shakiras Geständnis  
Mukhtars größter Coup  
Empfehlungen
Andere Leser dieser Story haben auch folgende gelesen:
---
Das Kleingedruckte | Kontakt © 2000-2006 www.webstories.eu
Counter

Counter Web De