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Gibt es Geister? - Eine wahre Begebenheit.

Schauriges · Kurzgeschichten
Gibt es Geister? Ich weiß es nicht. Weil mich die Sache bis heute beschäftigt, will ich euch eine Begebenheit erzählen.

Ich war vierzehn und verbrachte ein paar Tage bei meinen Großeltern. Sie bewohnten zu dieser Zeit eine sehr große Wohnung, die fast die gesamte obere Etage einnahm.
Unten im Haus befanden sich eine Apotheke, sowie Räume für die Angestellten. Oben, auf der Etage meiner Großeltern, gab es einen langen schmalen Flur, der hinaus, in einen großen Garten und zum Hinterausgang des Grundstückes führte.
Ungefähr in der Mitte des Flures, gab es links eine Tür zu einem fensterlosen Zimmer, das von der Apotheke als Lagerraum genutzt wurde. Ich konnte als Kind oft einen Blick hinein werfen, immer dann, wenn die Angestellten Sachen hinein oder heraus trugen.
Danach verschlossen die Angestellten die Tür wieder.

Es war eine alte Holztür mit einem Kastenschloss, welches von innen an der Tür angeschraubt war.
Zum besseren Verständnis habe ich dieser Geschichte ein Bild beigefügt. Es zeigt nicht die originale Tür von damals, von Digitalfotografie sprach da noch niemand, die Sache passierte zu einer Zeit, als man Filme zum Fotograf schaffte und sechs Wochen auf die Bilder warten musste. Aber ich schwöre, genauso sah die Tür von innen aus, sogar die Farbe kommt hin.

Ich kann mich fast an jedes Detail von diesem Tag erinnern. Es war ein Mittwoch. Ich hatte mich mit zwei Freundinnen verabredet. Wir wollten kurz nach Mittag mit den Fahrrädern hinaus zum See fahren.
Es war kurz vor um zehn, ich war wach, lag aber noch im Bett und wollte gerade aufstehen als ich im Hausflur ein Hämmern hörte. Ich zog schnell meine Klamotten an und lief barfuß in den Hausflur.

Zwei Angestellte der Apotheke sowie mein Großvater versuchten die Tür zu öffnen, aber es funktionierte nicht. Der Schlüssel ließ sich einwandfrei im Schloss drehen und anhand des Geräusches konnte man hören, dass man die Tür auf und zuschließen konnte, aber sie ließ sich nicht öffnen.
Irgendwann gaben sie auf. Die Apotheke verfügte zwar über ein Telefon, aber der Schmied nicht. Also fuhr ein Angestellter der Apotheke mit dem Moped zum Schmied. Der dicke stämmige Mann war zuständig für alle anfallenden Schlosserarbeiten in dem kleinen Ort und den angrenzenden Dörfern. Er hatte immer einen knallroten Kopf.

Ich ging wieder in die Wohnung, trank warmen Kakao und aß ein Milchbrötchen. Ich kann mich sogar noch an das Muster der Wachstuchtischdecke erinnern.
Irgendwann kam dann der Schmied. Auch er probierte eine ganze Weile mit dem Schlüssel und allen möglichen Werkzeugen das Schloss zu öffnen. Ich stand daneben und schaute neugierig zu.
Auch die Angestellten und mein Opa standen dabei. Nur meine Oma war in der Wohnung und schälte Kartoffeln. Schließlich sagte der Schmied:
„Das wird nichts, ich muss die Tür aufbrechen.“

Die Angestellten waren nicht begeistert aber mussten letztendlich zustimmen, denn sie mussten an ihre Waren gelangen. Der Schmied nahm ein großes Brecheisen. Erst knackte es und dann knallte es, als die Tür einen Spalt weit aufflog. Mit den Händen zog er die Tür komplett auf. Das Schloss hing nur noch an einer Schraube, die restlichen Schrauben waren aus dem Holz gebrochen. Und dann kam die Überraschung. Das Schloss war von innen verriegelt worden.
Doch was ich bis heute noch viel gruseliger finde, war die Tatsache, dass sich der Riegel nicht einfach so bewegen ließ. Er wurde ja nie benutzt.
Die Tür war oft, inklusive dem Schloss, gestrichen worden.
Durch die viele Farbe, saß der Riegel bombenfest und ließ sich nur mit einem Hammer zurück schlagen. Niemand konnte sich erklären, wie das fensterlose Zimmer von innen verriegelt werden konnte. Es gibt keine logische Erklärung. Kurz darauf zogen meine Großeltern in eine andere Wohnung und niemand sprach mehr über die merkwürdige Geschichte. Aber mich hat sie die ganze Zeit beschäftigt. Zwei Jahre nachdem mein Opa gestorben war, lag auch meine Oma im sterben.

Ich hielt ihre Hand und sie sagte: „Sei nicht traurig. Jetzt kann auch ich durch Wände gehen.“
Ich wusste nicht was sie meinte und wusste auch nicht, ob die starken Schmerzmittel ihre Sinne trübten.
Doch dann sagte sie noch: „Die Tür, weißt du noch? Die Tür.“
Und in dem Moment ist sie gestorben.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht an diese Geschichte denke und manchmal stundelang nach einer logischen Erklärung suche.
 
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Kommentare  

@Irmgard
Danke für den netten Kommentar.


AndreaSam15 (18.09.2019)

Gruselig! Man sollte doch seine Türen öfters im Auge behalten. Gelungene Geistergeschichte.

Irmgard Blech (18.09.2019)

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