332


8 Seiten

Schwarze Schwäne - Weiße Schwäne, Teil 25 - VERLOBUNG ... -*-*- KONZERT IN SICHT

Romane/Serien · Nachdenkliches
Na gut, ich habe Mist gebaut mit Harald, und Hardy hat bestimmt auch Mist gebaut mit der Cousine, ich werde einfach nicht mehr dran denken, denn aufgeben will ich ihn nicht, dafür ist er zu gut in gewissen Dingen. Außerdem fällt mir gerade siedendheiß ein, dass meine Exquasischwiegermutter sich für heute angesagt hat. Vermutlich habe ich es verdrängt. Was nun? Ich kann Hardy auf die Schnelle nicht mehr ausladen, also wird er sie voll erleben müssen. Wie peinlich! Hoffentlich kommt er später.
Meine EX-SM, wie ich sie nenne, steht immer noch voll auf mich. SM könnte zwar Schwieger-Mutter bedeuten, hat aber viel von Sado-Masochismus, und genau darum ging es zwischen ihr und mir. Sie sado, ich maso, obwohl der Vergleich hinkt: Ich habe ihre blöden Anspielungen nicht genossen, war eher gepeinigt.
Möglicherweise ist Parkers Neue nicht so duldungs- und peinigungsgeeignet wie ich. Die will bestimmt nicht einmal in der Woche die Brötchen meiner EX-SM essen. Obwohl die lecker waren. Unser SM-Verhältnis hat also keine Basis mehr, die einzige Verbindung zwischen uns war ihr Sohn, nämlich Parker. Aber sie hat den Garten angelegt und möchte am liebsten mal wieder drüber gucken. Na und, das kann ich selber! Ich habe den Rasen erneuert, er sieht ganz nett aus, obwohl ich mir anderes vorstelle, irgendwas mit grünen Büschen rundherum und dazwischen große Steinplatten, kann ich mir aber nicht leisten, weil ich mir die Wohnung auf Dauer auch nicht leisten kann.
Also SM: Ich sollte das beenden, und urplötzlich kommt mir eine Idee. Die ist zwar gemein, aber es geht nicht anders. Ich muss ihre Hoffnungen auf eine Zukunft, in der Parker und ich wieder ein Paar sein werden, gnadenlos zerstören. Aber schade, die belegten Brötchen waren wirklich lecker ...
Und ich werde noch einen anderen dazu benutzen. Es wird Hardy sein. Mittlerweile hoffe ich, dass er pünktlich kommt. Aber vorher muss ich noch etwas erledigen. Ich suche nach einem ganz kleinen Schraubenzieher, finde ihn, gehe hinaus und ersetze das alte Namensschild - das mit A. LUNDBERG und CH. PARKER - durch ein neues, worauf geschrieben steht: A. LUNDBERG - und sonst nix. Warum habe ich so lange damit gewartet? Weil ich faul bin? Ja.
Hardy kommt pünktlich. Das ist eine seiner guten Eigenschaften. Wir gehen ins Wohnzimmer, und ich präsentiere ihm meine neueste Errungenschaft, nämlich ein Video von Joy Division:

https://www.youtube.com/watch?v=TC0Y3kBPJxI ((Joy Division - Dead Souls (Performance From "Control")*

Die Musik ist irre und aufwühlend - und ich bin in Versuchung, sofort ins Schlafzimmer zu gehen, um mich dort auszuziehen und mich Hardy hinzugeben, aber ich tue es nicht. Ich warte ...
Es schellt. Na also, sie kommt! Gruselig irgendwie.
Aber diesmal ist es anders, denn ich habe einen Mann hier, einen attraktiven Mann, einen, bei dem man die sexuelle Anziehungskraft förmlich knistern hören kann. Fast tut SM mir leid, aber ich muss das jetzt durchziehen, denn ich will den alten Mist nicht mehr! Und mit dem neuen Mist komme ich gut klar.
Ich geleite sie ins Wohnzimmer, wo sie auf Hardy trifft. Hardy erhebt sich höflich - der Mann hat Manieren, Respekt, Respekt - und stellt sich vor mit den Worten: „Guten Tag, mein Name ist Hardmann, Oliver Hardmann.“
EX-SM stutzt und schaut mich an. Entsetzen steht in ihrem Blick. Sie sagt nichts.
Ich werde ihr helfen: „Oliver ist mein Freund, und er gibt mir gerade Nachhilfestunden in Mathe. Er ist nämlich Mathelehrer.“
Das ist so geil! Ihr Sohn Parker ist nämlich nicht viel außer Taxiunternehmer mit nur einem Taxi. Und weil er letztens den Führerschein wegen Saufens verloren hat, kann er das nicht mal selber fahren, sondern musste jemanden einstellen. Das schmälert natürlich den Gewinn.
Aus den Augenwinkeln heraus sehe ich, dass mein Freund und Mathelehrer mich von der Seite her skeptisch anguckt. Doch dann kommt er auf mich zu und küsst mich auf die Wange. „Mein Schatz“, sagt er, „es stimmt, du bist in Mathe schon viel besser geworden!“ Ich strahle ihn an und hoffe, dass das Strahlen überzeugend rüberkommt: „Ja, mein Liebling, du hast mir wirklich einiges beigebracht ...“
Ich muss mich abwenden, denn SM soll nicht sehen, dass ich fast einen Lachanfall kriege. Mühsam beherrsche ich mich. Hoffentlich hat sie die Lüge geschluckt hat, denn warum zum Geier sollte ich Unterricht in Mathe brauchen?
„Oh“, sagt sie nach einer Bedenkpause, „das freut mich, Tonychen. Aber ich wollte eigentlich nur vorbeikommen, um ...“, ihre Stimme stockt und sie schaut sich suchend im Wohnzimmer um. „Um diese Zimmerpflanze mitzunehmen. Liebe Tony, du hast sie lange genug aufgepäppelt, aber ab jetzt werde ich das selber übernehmen.“
Kryptische Worte irgendwie, aber sie passen. Sie will es von nun an selber übernehmen, wen und was auch immer. Ich bin raus! Wenn sie nun wüsste, dass alles nicht wahr ist, dass ich alles nur vorgetäuscht habe? Ist mir egal. Es muss endlich ein Ende haben!
Ich geleite sie zur Tür und dabei fällt mir noch was ein. Ich flüstere ihr zu: „Er hat mich heute gefragt, ob ich ihn heiraten will. Ich habe natürlich ja gesagt, ich kann es immer noch nicht fassen. Ich bin so glücklich, so unglaublich glücklich!“
Sie sagt nichts, sie geht, und ich werde sie nicht mehr wiedersehen. Irgendwie tut sie mir leid. Einmal habe ich bei ihr übernachtet, Parker war so furchtbar gewesen, und ich bin einfach abgehauen und zwei Stunden durch die Nacht marschiert. Stimmt ja, da hatte ich noch kein Auto. Ich wusste nicht, zu wem ich gehen sollte. Die Freunde? Nein, zu peinlich! Also blieb nur die SM. Ich will nicht mehr dran denken, und ich will nie wieder so was erleben! Und dauernd sollte ich was von meinem Geld nehmen, um irgendwelche Sachen fürs Häusle zu kaufen. Ja nee is klar, ich war ja reich ... Ihr eigenes Geld hat sie natürlich an Parker verschwendet, sonst hätte der jetzt keine Taxikonzession. Aber was soll's, es ist vorbei. Endgültig vorbei, obwohl da ein bisschen Trauer mitschwingt.
„Sie ist weg, sie ist weg! Und ich bin soooo glücklich!“ Ich führe einen Freudentanz auf, er passt gut zu der Joy Division Musik, die immer noch gespielt wird, Hardy mag das Video wohl auch, denn er lässt es immer wieder laufen. „Sie ist weg, und sie wird nie mehr wiederkommen!“
„Wer war denn das, Tonychen? Eine Verwandte?“ Hardy schaut mir direkt in die Augen. Ich hab ja gedacht, ich könnte ihn benutzen, um meine EX-SM loszuwerden - und dann hegt er blöde Vermutungen, vielleicht sogar über meine Mutter.
„Es war jedenfalls nicht meine Mutter!“ Oh oh, ich halte mir die Hand vor den Mund, das wollte ich gar nicht sagen, denn davon muss Hardy nichts wissen. Unauffällig nehme ich die Hand wieder runter und lächele meine Aussage hinweg.
„Und wer war es dann?“, kommt als Nächstes.
„Es war die Mutter von Parker. Die kann sich einfach nicht von mir trennen, ich glaube, es ist der Garten, den liebt sie heiß und innig. Weil sie keinen hat vielleicht?“ Atemlos beende ich meine Rede.
„Tony, Tony, was ist denn los mit dir?“
„Mit mir? Was soll denn los sein mit mir?“
„Warum lässt du diese Gestalten zu, die sind doch wohl Vergangenheit mittlerweile. Oder nicht?“
Das muss ich erstmal sacken lassen. Doch dann werde ich rebellisch. Der hat überhaupt keine Ahnung von Beziehungen, die jahrelang gehalten haben. Okay, diese eine Beziehung war voll Schrott! Aber Hardy, ausgerechnet Hardy, der weiß nichts von solchen Sachen!
„Ach was soll's“, sage ich schließlich gelassen, nachdem ich meinen Atem unter Kontrolle gebracht habe, „Sie wird nicht wiederkommen, sie ist Vergangenheit! Und danke für deine guten Ratschläge!“
Ich bin sauer. Auf mich, auf meine Ex-SM, auf Hardy - und auf meine Mutter sowieso.
„Das Video von Joy Division ist absolut geil.“ Will er mich besänftigen? Stimmt, es ist wirklich geil. Und es gefällt ihm, obwohl er mehr Klassik, Blues und Jazz mag. Und dass es ihm gefällt, versöhnt mich etwas.
„Na klar, mein Freund und Mathelehrer“, kichere ich, „Ich wusste, dass es dir gefallen würde!“
„Glaube ich gerne, aber du gefällst mir auch ganz gut. Und ich könnte dir ja noch mehr beibringen, allerdings nicht in Mathe.“ Hardy grinst und fügt noch hinzu: „Kann es sein, dass du mich eben benutzt hast?“
„Stimmt, habe ich, und jetzt kannst du mich auch benutzen. Ist doch ein guter Deal, oder?“
Er legt seine Hände um meine Taille und streichelt dann meinen Hintern. Und kurz darauf denke ich nicht mehr an die EX-SM, geschweige denn an deren Sohn und meine Mutter ist auch verschwunden.
„Ach ja, übrigens sind wir jetzt verlobt“, das kann ich mir gerade noch abringen.
„Du bist irre, mein Tonychen!“ Hardy fängt an zu lachen. „Irgendwann, möglicherweise aber auch nie, werde ich dich bitten, mir eine kleine Gefälligkeit zu erweisen.“
Er zitiert aus dem Paten, unglaublich! Ich hoffe nur, er nennt mich von jetzt an nicht Tonychen. „Gut, ich bin einverstanden! Habe ja keine andere Wahl ...“, sage ich und begebe mich in seine Hände. Und ausnahmsweise wird nicht Level 42 mit ihren Love Games dazu gespielt.

-*-*- KONZERT IN SICHT

„Nein, es geht auf Dauer nicht, die Heizung ist viel zu teuer ...“ Ich telefoniere mit Andrea. Oh, es schellt und das an einem Samstag? Wer könnte das sein? „Warte“, sage ich zu Andrea.
Ich erhebe mich vom Teppichboden und schaue nach, wer mich besuchen kommt. Egal wer es ist, Madame darf es nicht sein! Madame ist es auch nicht, sondern Hardy. Hardy?
„Hi, hast du hier was vergessen?“, frage ich ihn verwundert.
Er grinst. „Ja vielleicht“, sagt er und geht ohne weiteres ins Wohnzimmer.
Was soll das? Es war klar, dass ich nur am Freitagnachmittag bei ihm vorbeikomme - und er nur mit Ansage bei mir. Und das war gestern Abend bis heute Morgen. Es ist doch erst ein paar Stunden her, seit er weggegangen ist, und er hat Glück, dass ich überhaupt da bin, denn ich hatte mich auf eine Kneipentour mit Andrea eingestellt, aber die ist mit einem Typen verabredet. Und mittlerweile bin ich froh drüber, denn die Sauftouren mit Andrea enden immer chaotisch, sie total besoffen, lässt sich voll anmachen, und ich kann und will da nicht mithalten. Es gibt Grenzen bei mir und dann gehe ich einfach nach Hause. Aber jetzt ist Hardy da und ich bin verwirrt. Haben wir keine Regeln aufgestellt? Anscheinend nicht. Aber er müsste es doch wissen und könnte mich überraschen, wenn ich mit anderen Männern ... Nein, das tue ich natürlich nicht. Na gut, jetzt ist er wieder hier. Eigentlich habe ich ihn gerne in meiner Wohnung. Er ist nicht so penetrant wie Robert, nicht so teuer wie Parker und nicht so flüchtig wie Bruce, es ist nett mit ihm. Er guckt Fernsehen, ich lese ... Gut, die Bettsache ist natürlich das Beste daran.
„Hattest du nicht einen Ausflug mit deinen Cobbers geplant?“ Hardy fährt gerne in die Natur hinaus mit seinen Cobbers. Ha, von wegen in die Natur fahren ... Vermutlich schlafen sie nachts nicht in ihren Schlafsäcken, sondern in den Betten von willigen Frauen.
„Es hat nicht geklappt mit dem Ausflug“, erklärt Hardy mir, „es sprangen zu viele ab.“
Ach ja? Und jetzt bin ich sein Notgeilernagel? Hat er nichts Besseres gefunden? Seltsam, irgendwie fühle ich mich geschmeichelt. Ich folge ihm ins Wohnzimmer. Er setzt sich auf das kleine Sofa und sieht aus, als wüsste er nicht, was er tun soll. Muss ich ihn jetzt bespaßen? Das fehlte noch! Ich weiß aber, dass er mir nicht beim Telefonieren zuhören sollte. Da könnten mir Sachen entflutschen, die ihn nichts angehen. Ich muss ihn also ablenken und mein Bücherregal ist dafür hervorragend geeignet.
„Hast du schon mal was von Stanislaw Lem gelesen“, frage ich ihn.
„Nee, nicht gelesen“, sagt er, „ich kenne aber den Film. Wie heißt der noch?“ Er denkt kurz nach. „Jetzt weiß ich's, ‚Solaris’ heißt er.“
„Den finde ich langweilig! Ich mag diese schwermütigen psychologischen Sachen von Lem nicht. Und mit den ‚Memoiren, gefunden in der Badewanne’ wurde - glaube ich jedenfalls - mein geistiger Horizont überschritten. Wer dieses Buch versteht, muss entweder ein Genie sein oder total bekloppt. Also bin ich total bekloppt.“
Hardy muss lächeln, und das Lächeln steht ihm gut. Gibt es was, was dem nicht gut steht?
„Die Kurzgeschichten von Lem sind vieeel besser! Ich liebe die!“ Ich krame im Bücherregal herum und finde schnell die ‚Sterntagebücher’, ich habe eine Geschichte darin mit einem Lesezeichen markiert, es handelt sich um die ‚Waschmaschinentragödie’. Ich reiche Hardy das Buch und wende mich wieder meinem Telefongespräch zu. Ich sehe aus den Augenwinkeln heraus, dass Hardy sich in das Buch vertieft hat. Also kann ich frei mit Andrea sprechen. Nee, nicht ganz frei, aufpassen sollte man immer ... „Wo waren wir, Schätzelein?“
„Da war was mit deiner Wohnung und den Nebenkosten.“
„Stimmt ja, die Bude ist viel zu teuer. Meine Güte, 800 Mark Nachzahlung für die Wintersaison und die Abschläge sind jetzt noch höher! Außerdem sind die Decken hier viel zu hoch, und es wird nie richtig warm. Es geht nicht! Ich muss mir was anderes suchen, am besten zum Herbst hin. Oh, das ist ja schon bald.“
„Aber sie ist doch so schön!“ Andrea wohnt in einer kleinen Dachgeschosswohnung, klar ist meine Wohnung im Vergleich zu ihrer schön ... „Und was ist dann mit deinen Katzen?“, fragt sie.
„Die Katzen müssen mit einem Balkon klarkommen. Sie sind ja schon älter, die Süßen. Aber ich würde sie nie abgeben wie die Stephanie.“ Das bezieht sich auf eine Freundin von Andrea, die Freundin hat einen Mann kennengelernt, er wollte sie heiraten, aber nur, wenn ihre beiden Katzen verschwinden würden. Die Freundin hat die Jungs daraufhin abgegeben. Wohin, weiß keiner.
„Ja stimmt, die blöde Kuh!“, sagt Andrea. „Ich kann es immer noch nicht glauben. Für so einen die Katzen aufgeben? Das ist der Typ nicht wert!“
„Das ist keiner wert. Nein, ich schaffe das schon. Ich hab da so eine Idee: Ich könnte mir eine Eigentumswohnung kaufen, mein Chef würde mir ein Darlehen geben und das sogar zinslos. Und die Raten würden dann mit dem Gehalt verrechnet werden. Das müsste natürlich ein Steuerberater prüfen.“
„Gute Idee! Du wärst dann aber an die Firma gebunden und könntest auf Jahre hinaus nirgendwo anders arbeiten.“
„Stimmt! Andererseits wird diese Firma nie pleite gehen. Das Bürohaus gehört dem Alten und das Lager auch. Der muss nur die Gehälter zahlen.“
„Das hört sich gut an, aber überleg dir alles noch mal. Was ist, wenn du heiratest und ein Kind kriegst und du nicht mehr arbeiten kannst oder willst. Dann müsstest du das Darlehen früher zurückzahlen.“
Ich muss vor mich hin prusten: „Ich und heiraten und dann noch ein Kind kriegen? Nee, kann ich mir nicht vorstellen. Aber ich muss gut überlegen, da hast du Recht.“
„Tja, heiraten kann ich mir auch nicht vorstellen ... Wer ist denn da gerade gekommen?“
„Hardy ist gekommen.“ Ich muss automatisch lachen.
„Ach Hardy schon wieder? Kommt er oft? Dann wünsche ich dir viel Spaß mit ihm, möge er noch oft kommen ...“ Andreas Stimme klingt, wie soll ich das sagen ... süffisant?
„Wollen wir doch hoffen! Tschüss und bis dann Baby!“ Und wieder habe ich ein gesteuertes Telefongespräch geführt, die Ansage an Hardy war diesmal: ‚Ich bin nicht aufs Heiraten scharf, mein Chef schätzt mich sehr, und ich brauche absolut keinen Mann, der meine Katzen nicht akzeptieren kann.’ Ha, das reimt sich sogar.
Hardy steht vor mir, er hat die Sterntagebücher noch in der Hand.
„Schon ein bisschen reingelesen?“, frage ich ihn.
„Oh ja, der könnte mein Lieblingsautor werden. Ich muss mehr von ihm lesen.“
„Da gibt es noch einiges ...“
„Es gibt auch noch einiges, was ich von dir noch nicht weiß, aber das können wir ja rauskriegen ...“
Er legt die Sterntagebücher zur Seite und kommt noch näher. Und wie immer schaltet mein Verstand sich ab und was anderes - es ist wohl mein Körper - übernimmt die Kontrolle und lässt sich richtig gehen.
Mittlerweile glaube ich, dass ich süchtig nach Sex mit Hardy bin. Dieses süße Gefühl, diese Mischung aus Wollust und Ekstase. Aber ich kann einfach nicht darauf verzichten. Und wie immer ist es gut, sehr gut, phantastisch gut.
Eine halbe Stunde später klingelt das Telefon. Nackt, wie ich gerade bin, gehe ich ins Wohnzimmer und greife danach.
Es ist Ralf. „Meine Kleine, in drei Wochen spielen ‚Magazine’ in der Zeche Bo. Hast du Lust hinzugehen?“
„Echt jetzt, Magazine? Klar doch, bin dabei! Ach, die sind der Hammer, vor allem der Sänger, der hat was Diabolisches an sich. Ich glaub's einfach nicht!“
„Soll ich die Karten besorgen?“
„Auf jeden Fall, das will ich nicht verpassen!“
„Ich hab aber kein Auto im Moment, wir müssten mit deinem Karmann fahren.“
„Kein Problem! Kommt sonst noch jemand mit? Dann könnte es eng werden.“
„Wenn überhaupt, dann nur eine Person.“
„Mehr passt ja auch nicht rein in den Karmann.“ Ich muss lachen, denn der Karmann ist wirklich sehr klein, vor allem die winzige Rückbank. „Kriegen wir schon hin. Ach Ralf, ich freu mich unheimlich drauf! Jetzt fehlt eigentlich nur noch ‚New Order’, so konzertmäßig.“
„Das ist schon ein größeres Kaliber, aber die kommen auch noch irgendwann! Alles klar, ich besorge also die Karten. Mach’s gut, Tony und Tschüss!“, sagt Ralf und legt auf.
Ich gehe zurück ins Bett zu Hardy, der mich skeptisch anschaut. „Magazine spielen in der Zeche Bo“, verkünde ich enthusiastisch. „Die sind so was von geil und unglaublich schräg!“
„Ich bin auch so was von geil, meine Süße“, sagt er - und ich glaube ihm aufs Wort. Fast bin ich geneigt, ihn zu fragen, ob er die dritte Person sein möchte, die mit zu diesem Konzert kommt, aber ich verkneife es mir. Ich weiß ja, dass er mir alles abschlagen wird, um das ich ihn bitte. Und wenn es nun keine Bitte wäre, sondern nur eine Frage? Nein besser nicht ... Der hat mich ja auch nicht in die Oper eingeladen, aber die geile Kusine schon. Mist, das nervt mich immer noch! Außerdem ist die Zeche Bo vermintes Gelände. Parker könnte dort sein, Bruce könnte dort sein, und eventuell auch Robert.. Nein, das geht gar nicht! Und Hardy würde Ralf kennen lernen. Würde mir das gefallen? Ich weiß es nicht. Egal, ich freue mich schon unheimlich auf dieses Konzert, mit oder ohne Hardy. Der beugt sich gerade über mich und ich vergesse das Konzert ...

*Ian Curtis – der Sänger von Joy Division - befand sich damals wohl schon am Rande des Wahnsinns, er litt an Epilepsie und hatte Selbstmordgedanken, er wollte einen großen Abgang hinlegen und vielleicht seinem Vorbild Jim Morrison von den Doors nacheifern. Ian hat sich 1980 erhängt. Er wurde 23 Jahre alt.
 
Wenn du registriert und angemeldet bist und selbst eine Story veröffentlicht hast, kannst du die Stories bewerten, oder Kommentieren. Wenn du registriert und angemeldet bist, kannst du diese Story kommentieren.
Weitere Aktionen
Wenn du registriert und angemeldet bist, kannst du diesen Autoren abonnieren (zu deinen Favouriten hinzufügen) und / oder per Email weiterempfehlen.
Ausdrucken
Kommentare  

Noch keine Kommentare.

Login
Username: 
Passwort:   
 
Permanent 
Registrieren · Passwort anfordern
Mehr vom Autor
MEISTER LEM - ICH MAG DICH  
Schwarze Schwäne - Weiße Schwäne, Teil 34 - MUTTER-TOCHTER-ANALYSE ...  
Schwarze Schwäne - Weiße Schwäne, Teil 33 - HÖHEPUNKT BEI EINEM KONZERT ...  
Schwarze Schwäne - Weiße Schwäne, Teil 32 - WO EXLIEBHABER NICHT SEIN SOLLTEN ...  
Schwarze Schwäne - Weiße Schwäne, Teil 31 - FILME -*-*- UNFALL -*-*- HARDY KOMMT  
Empfehlungen
Andere Leser dieser Story haben auch folgende gelesen:
Bundestagswahl 2021 oder neue Wirtschaftspolitiker braucht das Land  
Imhotep, der Junge aus Heliopolis - Kapitel 28  
Genau hier genau jetzt  
Schwarze Schwäne - Weiße Schwäne, Teil 14 - AUF ZUR PARTY ...  
Imhotep, der Junge aus Heliopolis - Kapitel 29  
Das Kleingedruckte | Kontakt © 2000-2006 www.webstories.eu
www.gratis-besucherzaehler.de

Counter Web De