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Mission Titanic - Kapitel 19

Romane/Serien · Fantastisches
Kapitel 19 – Operation Zweiter Oktober


Nordirland, November 1911

Ike und Sergeant Nicole Kalbach marschierten quer durch das Waldgestrüpp, geradewegs zu jener Lichtung, als Ike vor knapp vier Wochen attackiert und Eloise dabei getötet wurde. Nun stand es für die Sicherheitszentrale offiziell fest; diese drei Männer, die sich als Polizisten des Scotland Yard ausgewiesen hatten, waren Time Thieves gewesen, die mitverantwortlich waren um zu verhindern, dass die Titanic untergeht. Beide hatten es zwar bereits alles ausgetüftelt und der Schlachtplan für ihren Hinterhalt, die Attacke auf Ike und Eloise zu vereiteln bevor sie überhaupt ausgeführt wird stand auch schon fest, aber der Schleuser und die SEK-Soldatin wollten ihren geschmiedeten Plan nochmals direkt vor Ort anschaulich besprechen. Nicole hielt dabei beide Kanister mit dem Brandbeschleuniger in ihren Händen, diese sie der Gallagher Bande am gestrigen Tag abgenommen hatte.
Ike war mit einem grauen Mantel und Schirmmütze bekleidet und machte wiedermal einen angeschlagenen Eindruck. Seine Alkoholexzesse der letzten Wochen, seitdem Eloise am 2. Oktober ermordet wurde, hatten ihm zugesetzt und ließen sich nur noch mit Medikamenten aus seinem Medikit behandeln, wenn er wieder schnellstmöglich topfit sein wollte. Nichtsdestotrotz war er klar bei Verstand, obwohl er manchmal nuschelte und erschöpft wirkte. Er öffnete eine Pillendose und schluckte einige Tabletten. Sergeant Nicole Kalbach dagegen sah mit ihrem schwarz gepanzerten Schutzanzug und getarntem Gesicht wie eine Killermaschine aus. Furchteinflößend und absolut kampfbereit. Die große Cyborg Frau mit dem blonden Bürstenhaarschnitt kniete sich, packte mit beiden Händen feuchtes Laub und Waldboden auf und wuschelte sich damit durch ihr Haar.
Der Laubwald hatte bereits all seine Blätter verloren; der Waldboden war zwar mittlerweile vom feuchten Laub überdeckt und die blätterlosen Baumzweige wirkten wie unheimliche Krallen, trotzdem waren die Schützengräben der amerikanischen Soldaten etwas zu erkennen, die vor vier Wochen von Henrys SEK-Team zugeschüttet wurden. Nicole, die ein Cyborg war, öffnete ihre außergewöhnlich großen Augen und berechnete die Entfernung dieser Schützengräber. Dieser Novembertag war zwar grau und etwas neblig, aber für ihre Eagles Eyes stellte die erhöhte Luftfeuchtigkeit und die diesige Sicht kein Problem dar.
„Okay, Mäuschen. Wir sind jetzt genau einhundertzweiunddreißig Meter entfernt, wo diese Arschlöcher sich verschanzt halten werden. Dieser Abstand dürfte ausreichen, damit sie unseren Wiedereintritt am Zweiten Oktober nicht bemerken.“
Ike starrte sie an.
„Dein linkes Auge blinkt schon wieder ständig gelb auf. Bist du auch wirklich funktionstüchtig? Du nützt mir nämlich rein gar nichts, wenn mitten in der Schlacht deine Batterien versagen, oder dir sonst irgendein defekter Mikrochip plötzlich Bauchschmerzen verursacht.“
„Sag nicht funktionstüchtig, sowas mag ich nämlich gar nicht leiden. Ich bin schließlich kein Roboter oder ein dämlicher Android, die nur dafür da sind, um euch beim Haushalt behilflich zu sein“, erwiderte Nicole verärgert. Sie schlug mit ihrer Hand kräftig gegen ihren Kopf, so, als würde sie gegen einen Kaffeeautomaten schlagen, der nicht richtig funktionierte.
„Ist es jetzt weg?“
Ike nickte während er sie emotionslos anblickte.
„Mach dir keine Sorgen, Mäuschen. Bei mir ist alles obama. Es ist nur eine unbedeutende Fehlermeldung, weil der Service meiner Eagles Eyes bereits überfällig ist, weil ich seit zwei Jahren ununterbrochen auf Zeitreise bin. Sobald ich im Centrum ankomme, werde ich mich umgehend in der Technikerstation melden, um einen Termin zu vereinbaren“, lächelte sie.
„Würdest du bitte aufhören, mich ständig Mäuschen zu nennen? Das kann ich nämlich nicht leiden“, meinte Ike sichtlich genervt. Nicole zuckte mit ihrer Schulter.
„Okidoki, Schnucki. Wenn dich das stört, kein Problem.“

Ike blickte zurück zum Waldrand, dort sein Fuhrwagen samt seines Gepäckes bereit stand, um die lange Reise durch Irland bis hinunter in den tiefen Süden nach Queenstown zu bestreiten. Nun war es soweit. Es würde zwar noch über fünf Monate lang dauern, bis er auf der Titanic einchecken könnte, aber insgeheim hatte die eigentliche Schlacht unmittelbar begonnen. Jedenfalls für Sergeant Nicole Kalbach.
„Okay, dann lass uns unseren Schlachtplan nochmal durchgehen. Sobald du durch das Zeitfenster steigst, wirst du genau hier wieder auftauchen, sofort in Stellung gehen und auf mich warten. Unternimm ja nichts ohne mich, denn ich habe keine Lust hier zu erscheinen, wenn mir plötzlich Kugeln um die Ohren fliegen. Wir müssen diese Operation unbedingt gleichzeitig, also gemeinsam starten!“, ermahnte er sie.
Nicole verdrehte ihre großen Augen und stöhnte genervt auf.
„Hältst du mich etwa für so blöd? Ich hab das schon geschnappt, weil ich sowieso nur fünf Geschosse bei mir trage. Also, ich übernehme die linke Flanke und werde mit meinen Blasrohr den Angriff einleiten. Ich schätze mal, dass ich drei von ihnen mit dem Nervengas ausschalten kann, ohne dabei die Aufmerksamkeit der übrigen Soldaten zu erwecken. Aber du musst dich unbedingt gleichzeitig um die rechte Flanke kümmern und sie nach und nach erledigen, damit wir die Jungs in der Mitte der Schützengräben verwirren, sonst werden sie auf mich aufmerksam. Ich bin zwar ein Cyborg, aber ich bin nicht Oskar die Supermaus, die es locker mit acht ausgebildeten Scharfschützen einer Terroreinheit aufnehmen kann. Auch ich bin sterblich und nicht sonderlich erpicht darauf, für dich in einer Schrottpresse zu enden“, sprach sie ihm ernst ins Gewissen. „Versprich mir eher, dass du bei deiner Wiederkehr nüchtern und klar bei Verstand bist. Du hast knapp ein halbes Jahr dazu Zeit, dir dein sinnloses Trinkverhalten abzugewöhnen. Beherzige meinen Ratschlag, andernfalls wird unser Angriff für uns beide böse enden und deine Eloise ist für immer verloren!“
Ike atmete schwermütig auf.
„Glaube mir, ich werde mich bessern. Die letzten Wochen waren eben nicht leicht für mich gewesen. Aber von dir verlange ich auch etwas und zwar, dass du genau zielst! Es darf nur ein Streifschuss sein, denn falls du nur einen Millimeter zu weit auf meinen Kopf schießt, bin ich tot. Und wenn du einen Millimeter meinen Kopf verfehlst, wird mein anderes Ich, mein Pendant, mich selbst erblicken und sogleich in ein Koma fallen. So wie ich auch dann logischerweise sogleich ins Koma fallen werde. Falls das tatsächlich geschehen sollte, bitte ich dich, dass du dann meine gegenwärtige Person, also mich, sofort erschießt. Dann musst du mich erlösen, denn ich will den Rest meines Lebens nicht im Memorial Hospital des Centrums abgeschottet in einem Wachkoma verbringen. Versprichst du mir das? Vielleicht würde ja mein früheres Ich überleben. Wer weiß?“
Ihr verschmutztes, getarntes Gesicht verzierte sich zu einem Lächeln, während sie kniete und erneut im dreckigen Waldboden wühlte.
„Mach dir keine Gedanken. Ich habe noch nie vorbei geschossen. Jemanden aber einen Streifschuss zu verpassen, ist eine wahre Herausforderung für mich. Und ich liebe Herausforderungen“, lächelte sie. Doch dann blickte sie ihn mit ihren großen, technologischen Augen abrupt ernst an.
„Um meine Fähigkeiten brauchst du dich wirklich nicht zu sorgen, sondern eher um dein Alkoholproblem. Ich krieg das schon hin, du solltest mir jetzt endlich mal vertrauen. Ich werde dir jetzt auch vertrauen, dass du absolut topfit, zurechnungsfähig und vor allem nüchtern wieder erscheinen wirst. Aber mal was ganz anderes …“
Die großgewachsene Frau erhob sich und sah in ihrem schwarzen Panzeranzug und getarntem Gesicht bedrohlich aus. Ike schluckte und war heilfroh, dass Nicole an seiner Seite kämpfte. Einen Cyborg als Feind zu haben, verringerte schließlich die Siegaussichten und die Lebenserwartung des Angreifers um mindestens neunzig Prozent. Ein freundliches Lächeln verzierte ihr getarntes Gesicht und ihre großen Computeraugen, ihre sogenannten Eagles Eyes, weiteten sich vor Neugier.
„Jetzt sag schon, Schnucki. Verrate mir endlich, wer den Pokal der Europameisterschaft gewonnen hat. Ich will es jetzt verdammt nochmal wissen! Bestimmt hat Nieuw Cologne mindestens das Viertelfinale erreicht. Ist es nicht so? Oder sind wir sogar Europameister geworden?“, fragte sie erwartungsvoll.
Ike jedoch wies sie sofort zurück.
„Ich habe es dir doch schon erklärt und gehofft, du hättest es begriffen. Und eigentlich weißt du das ganz genau. Ich darf es dir nicht verraten, weil du eine Person aus dem Jahr 2471 bist. Die Europameisterschaft fand im Jahre 2473 statt. Ich darf dir nichts aus der Zukunft mitteilen. Das ist strengstens verboten. Akzeptiere das doch endlich! Es ist einfach unglaublich. Uns besteht eine Schlacht bevor, wobei wir unser Leben verlieren könnten, aber du hast nur dämliche Fußballergebnisse im Kopf?“, empörte sich Ike. „Du verlangst von mir Disziplin, aber hältst dich außen vor. Wer zum Teufel bist du eigentlich, Sergeant Nicole Kalbach!“
Nicole knatschte Kaugummi, blies eine Blase bis sie zerplatzte, spuckte weg uns sah Ike scharf an. Sie hielt ihren Transmitter neben sich und aktivierte ein Zeitfenster. Ein kurzes WUPP spürten sie, wobei einige Laubblätter aufgewirbelt wurden. Das unsichtbare Zeitfenster, welches die Maße eines genormten Türrahmens hatte, flimmerte nur sachte neben einem Baumstamm.
„Dein Einspruch ist zwar korrekt und ich habe es registriert, aber ich will’s jetzt trotzdem wissen, weil mir diese dämlichen Vorschriften scheißegal sind. Es könnte immerhin sein, dass ich beim Einsatz getötet werde und würde es somit nie erfahren. Los, verrate es mir endlich! Wer hat die Fußballmeisterschaft gewonnen, wie hat Nieuw Cologne gespielt oder ich weigere mich, durch dieses Zeitfenster zu steigen“, grinste sie schelmisch.
„Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? Du willst mich erpressen?“ Ike hielt einen Moment inne und blickte sie scharf an. Doch, es war ihr Ernst, stellte er verbittert fest. Sie würde nicht durch das Zeitfenster steigen, bevor sie erfahren würde, wer die Fußballmeisterschaft in United Europe im Jahre 2473 gewonnen hatte. Somit könnte er auch Eloise nicht retten.
„Also gut, wie du willst. Ich mache es kurz und schmerzlos. Nieuw Bruxelles hat den Europapokal gewonnen. Nieuw Cologne hatte sich zwar tapfer geschlagen und war eine Zeit lang gar ein Favorit gewesen, aber letztendlich hatte der FC Centrum euch aus dem Viertelfinale geworfen. Nieuw Cologne war aber insgeheim der Sieger der Herzen gewesen, weil …“
„Was?!“, empörte sich Nicole völlig außer sich. „Der beschissene Fick-Club-Centrum hat uns schon wieder rausgekickt? Ich hasse euch Centrum-Heinis und ich scheiß darauf, Sieger der Herzen zu sein! Sowas … ZÄHLT NICHT!“, brüllte sie wutentbrannt.
Nicole ging in die Knie, ballte ihre Fäuste und ließ einen mächtigen Schrei los, woraufhin jedes Wildtier aus dem Wald türmte und etliche Vögel aufgeschreckt davonflogen. Völlig wutentbrannt trat sie gegen eine festgewachsene Baumwurzel, mit einem beachtlichen Umfang, die mindestens einhundertfünfzig Kilogramm oder gar mehr wog, diese daraufhin aus dem Waldboden gerissen wurde und wie eine Kanonenkugel durch die Baumkronen schoss und meilenweit durch die Luft flog. Ike zog erschrocken seine Nickelbrille auf, verfolgte die fliegende Baumwurzel und sah mit entsetzten Augen zu, wie diese in das Dach seines Nachbars Kuhstall wuchtig einschlug. Zum Glück wurde niemand verletzt, nicht einmal eine herumlaufende Gans. Nur Staub und Federn konnte er sehen und wie die Kühe panisch rumtrampelten, sowie das etliche Hühner über McEnreys Hof flatterten, als der verwurzelte Erdklumpen wie ein Meteorit wuchtig im Kuhstall einschlug.
Ike nahm seine Nickelbrille ab und sah tatenlos zu, wie Nicole wütend tobte, fürchterlich fluchte und sogar einen Baum umklammerte, diesen sie herauszuziehen beabsichtigte. Wie sollte man bloß einen wildgewordenen Cyborg wieder zähmen, fragte er sich?
Der Waldboden wölbte sich bereits, als Sergeant Nicole Kalbach grade eine stämmige Fichte umklammerte und diese mit kraftverzerrtem Gesicht langsam herauszog, als wäre es nur ein widerspenstiges Unkraut. Es knackte und knarrte, als Nicole die über zehn Meter hohe Fichte aus dem Waldboden langsam entwurzelte.
„Nicole, ich ähm … Ich dachte nicht, dass dir Fußball so sehr am Herzen liegt. Ich hätte dir das Ergebnis niemals sagen dürfen. Ich bereue es. Hör bitte auf, diesen Baum zu pflücken. Das würde an der Tatsache auch nichts mehr ändern“, sprach Ike mit fester Stimme und erhobenem Kinn. Sie keuchte, blickte ihn gefährlich an aber ließ von der Fichte ab. Dann stieß sie mit ihrem Kampfstiefel die Erde fest, und der Fichtenbaum stand wieder felsenfest mitten im Wald.
„Mach dir keine Sorgen, mein Süßer. Mir geht es prächtig, denn jetzt fühle ich mich nämlich ausgezeichnet und genau richtig, um den verfluchten Amis gewaltig in die Eier zu treten!“
Ike ging auf sie zu und hielt ihr seine Hand entgegen.
„Ich werde jetzt nach Queenstown reisen, um im April auf die Titanic einzuchecken. Wünsche mir Glück, dass der Schiffsoffizier Murdoch meinen Beamer auch besitzt. Wir werden uns genau in einer Minute wiedersehen. Das wird dann der Zweite Oktober sein und unser Krieg wird beginnen. Ich weiß“, fügte Ike grinsend hinzu, „es wird für dich nicht leicht sein, mal eine Minute ohne mich auszukommen.“
Nicole stampfte noch ein paar Mal auf den Waldboden, damit der Baum auch wieder richtig feste saß. Dann klatschten ihre Hände kräftig zusammen.
„Na klar, Hase. Ich vermisse dich jetzt schon abgöttisch“, witzelte sie. „Pass auf dich auf und bau vor allem keinen Scheiß, okay? Damit meine ich, lass das Saufen sein, umgehe Prügeleien, lass dich nicht verhaften und vor allem, lass dich bloß nicht umbringen. Ansonsten bin ich nämlich voll im Arsch“, fügte sie mit einem bedrückten Unterton hinzu. Ike blickte sie ebenfalls ernst an.
„Du kannst dich auf mich verlassen. Ich lasse meine Freunde niemals im Stich!“
„Ach, noch was, Schnucki“, sagte sie. „Falls du einen Einkaufsladen findest, denk an mich und kauf mir bitte eine Packung Kaugummis“, lächelte Nicole und stopfte sich ihren letzten Kaugummi in den Mund.
„Das wird in diesem Jahrhundert zwar etwas schwierig werden und vielleicht werden sie dir gar nicht schmecken, aber wenn es möglich ist, werde ich gewiss dran denken.“
Nicole schnappte sich die zwei Kanister, vollgefüllt mit Petroleum, und verschwand spurlos durch das Zeitfenster. Ike atmete erleichtert auf, schlenderte betrübt zu seinem Fuhrwagen und machte sich auf dem Weg nach Queenstown.

Nachdem Sergeant Nicole Kalbach mit beiden Kanister durch das Zeitfenster gestiegen war, wurde sie direkt am selben Ort wieder hinausgeschleudert. Nicole rollte sich auf dem Waldboden geschickt ab und blickte sich sofort um. Nun war es der 2. Oktober 1911 und die meisten Bäume hatten noch ihre grünen und gelblichen Blätter. Die Sonne schien strahlenmäßig durch die Baumkronen und es war merklich wärmer als am nebligen Novembertag, als sie durch das Zeitfenster gestiegen war.
Nicole lag bäuchlings am Boden, robbte sich vorsichtig vorwärts und starrte konzentriert hinaus. Ihre Computeraugen hatten die acht feindlichen Soldaten bereits lokalisiert. Sie lagen getarnt in ihren Schützengräben und hielten ihre Scharfschützengewehre im Anschlag. Ein Spaziergänger hätte sie gar nicht auf Anhieb entdeckt, selbst wenn dieser gewusst hätte, dass sie sich dort positioniert hatten. Die Soldaten waren perfekt getarnt; ihre Soldatenhelme wurden mit Gestrüpp und Blätterzweige besteckt, ihre Körper waren mit Gras und Blätterlaub überdeckt, zudem bewegten sie sich nicht und lauerten auf Ike.
Nicole konzentrierte sich und holte ihr Blasrohr mit der Nervengasmunition heraus. Es war ruhig. Sie hatte bereits den ersten Soldat im Visier und hätte diesen problemlos ausschalten können. Aber sie musste unbedingt auf Ike warten, der innerhalb zweiundfünfzig Sekunden erscheinen würde. Sie beobachtete weiter und lokalisierte auch die anderen sieben Soldaten, die sich über hundert Meter vor ihr verstreut in Schützengräben verschanzt hielten. Doch dann zerfetzte ein entfernter Schuss die Waldidylle und hallte sekundenlang nach. Ein Schuss aus einer abgesägten Schrotflinte knallte. Dann hörte Nicole in der Ferne Stimmen, die Stimmen von Anne und Justin, wie sie um Hilfe schrien und brüllten: Ike, das ist eine Falle! Alles verlief genauso, wie Ike es ihr berichtet hatte.
Wieder knallte der Schuss einer Schrotflinte von irgendwoher durch die Luft. Nicole lag bäuchlings, hielt ihr Blasrohr in Position und zielte genau auf einen feindlichen Soldat. Der Plan schien perfekt zu sein. Sie würde von dieser Entfernung mühelos die fünf Soldaten ausschalten können, während Ike von der rechten Flanke aus angreifen wird. Dann müsste sie sofort lossprinten, um Ike zu helfen, um letztendlich Ikes Pendant einen Streifschuss zu verpassen.
In Nicoles Eagles Eyes war selbstverständlich eine Uhr installiert und sie wusste, dass Ike in fünfundvierzig Sekunden auftauchen würde, insofern er nicht bereits verhaftet, getötet wurde oder er seinen Transmitter nicht gefunden hatte. Vierundvierzig Sekunden, dreiundvierzig Sekunden …
Nur noch achtunddreißig Sekunden, doch plötzlich vernahm sie einen kalten Pistolenlauf an ihrer Schläfe, woraufhin sie mit dem Kaugummiknatschen abrupt aufhörte.
„Ganz sachte, Lady. Leg das verdammte Ding runter. Und bloß keinen Mucks“, hörte sie hinter sich eine männliche Stimme sprechen, mit einem ausgeprägten amerikanischen Akzent. „Wir wollen die da vorne doch nicht auf uns aufmerksam machen.“
Nicole ließ ihr Blasrohr sachte los, schloss ihre Augen und schaltete ihren Rundumblick ein und konnte jetzt sogar wahrnehmen, was hinter und sogar über ihr geschah. Ein dunkelhäutiger Mann mit einem Oberlippenbart und muskulösen Oberarmen, sie stufte ihn als einen erfahrenen Sergeant ein, so wie sie es war, hatte sich an sie herangeschlichen und hielt ihr eine Schnellfeuerpistole an die Schläfe. Dahinter knieten fünf weitere Soldaten, bewaffnet mit automatischen Sturmgewehren. Diese Waffenmodelle konnte sie nicht identifizieren, weil diese Schusswaffen in United Europe nicht existierten.
Es ergab sich nur eine einzige Option: Sie musste die Soldaten augenblicklich ausschalten noch bevor Ike erscheinen würde, andernfalls würden sie ihn töten und die Belfast Mission wäre gescheitert. Nicole war eine geborene Soldatin, die sich zu einem Cyborg hatte operieren lassen und ihre Reflexe waren zehnmal schneller als die eines gewöhnlichen Menschen. Sie benötigte nur eine Sekunde, um ihren Schlachtplan gedanklich auszutüfteln, weil ihre Reflexe sogar schneller als die einer Stubenfliege waren.
Blitzschnell packte sie dem feindlichen Sergeant am Hinterkopf, gleichzeitig mit ihrer anderen Hand sein Handgelenk, welche die Waffe festhielt. Sein Zeigefinger war am Abzug. Während sie ihn um ihre Schulter wirbelte, drückte sie sein Handgelenk fest zusammen, sodass sie den Nerv seines Zeigefingers kontrollierte. Nicole empfand und registrierte ihre ausgetüftelte Abwehr jedoch nur wie ein langsamer Zeitraffer, obwohl ihre Attacke blitzschnell ausgeführt wurde.
Exakt fünf Schüsse feuerten aus der automatischen Schnellfeuerwaffe heraus – leiser als ein Champagnerkorken knallte –, wobei sie die Hand des Sergeant gezielt über die Köpfe der amerikanischen Soldaten zog. Jeder Schuss war ein Volltreffer. Die Projektile trafen die Soldaten jeweils genau mitten in ihre Stirnen, die nach und nach mit verdrehten Augen leblos umkippten, als der kräftige Sergeant zeitgleich mit gebrochenem Genick am Boden lag.
Sechs Fliegen mit einer Klatsche erledigt, damit war Nicole zufrieden. Sie schaute regungslos auf die getöteten Soldaten, die mit verdrehten Augen nur noch leblos dalagen.
„Pha, das war ja kinderleicht, ihr Anfänger. Das habt ihr nun davon. Jetzt glotzt ihr alle dumm aus der Wäsche“, spottete sie.
Nicole tastete den toten Sergeant sofort hastig ab und war sehr erfreut darüber, als sie eine Packung Kaugummi gefunden hatte. „Hab`s doch gewusst“, jauchzte sie glücklich.
Sieben Sekunden nur noch, dann würde Ike erscheinen und die eigentliche Schlacht würde beginnen.

Plötzlich erzitterte kurz der Waldboden. Laub flog plötzlich umher und ein WUPP war zu spüren. Dann stürzte Ike genau eben ihr und rollte sich ab. Ike keuchte und blickte Nicole fragend an.
„Hier bin ich, alles klar bei dir? Sind wir für die Operation Zweiter Oktober bereit?“
Nicole musterte ihn kurz während sie Kaugummi knatschte. Er sah etwas verändert aus, viel gepflegter und respektvoller. In Ikes Blick erkannte sie, dass er zum Kämpfen bereit und vor allem, dass er topfit war.
„Hey, da bist du ja wieder. Pünktlich auf die Minute. Schick siehst du mit deinem Smoking aus. Beinahe wie James Bond. Obendrein wirkst du auf mich ziemlich munter. Dir ist es also tatsächlich gelungen, dein Alkoholproblem zu bewältigen. Das sieht man dir an. Okay, jetzt können wir auch vernünftig miteinander arbeiten, Schätzchen“, zwinkerte sie ihm zu.
Ike, der sich eine Minute zuvor noch auf der Titanic aufgehalten hatte und beinahe ein halbes Jahr älter war, erblickte nun die toten Soldaten und war sichtlich erschrocken. Damit hatte er nicht gerechnet, dass noch weitere Soldaten im Hinterhalt auf sie lauern würden.
„Was zum Teufel ist hier los? Du hattest Probleme? Nicole, ich schwöre dir, von diesem Angriff war mir nichts bekannt. Die waren vorher nicht da gewesen. Sie müssen irgendwie …“
„Ich?“, fragte Nicole verwundert wobei sie prustete. „Nö, ich hatte keine Probleme. Wieso?“ Sie zeigte auf die toten Soldaten. „Die hatten ein Problem, mein Hase. Nicht ich“, lächelte sie kaugummiknatschend.
„Aber wo kamen die plötzlich her? Haben die unseren Angriff etwa vorhergesehen und versucht …“
Nicole nickte und unterbrach ihn.
„So ist es. Die TT`s sind schließlich ebenfalls Zeitreisende und hatten wiederum versucht, unseren Hinterhalt aufzuhalten. Ich kann es mir selbst nicht erklären, wie sie ganz plötzlich einen kompletten Soldatenzug zu diesem Zeitpunkt transferieren konnten, denn dazu würde man normalerweise ein ziemlich großes Zeitfenster benötigen. Wahrscheinlich haben sie jeden einzelnen Soldat nach und nach durch die Zeit geschickt. Aber wie ist das möglich? Nur vom Checkpoint aus im Centrum könnte man verschiedene Zeitfenster so präzise berechnen, dass niemand beim Wiedereintritt mitten im Wald gegen einen Baum prallt. Außerdem sind sie Amerikaner. Aber die USA existiert nicht mehr“, meinte Nicole sichtlich verwundert. „Ich bin diesmal ratlos, muss ich zugeben.“
„Doch, sie können es und sie sind nicht vom Checkpoint aus durch die Zeit gereist. Sie bewegen sich mit einem Flugobjekt durch Raum und Zeit. Sie können mehrere Leute gleichzeitig transferieren und somit vor Ort abschätzen, wohin und wann sie ihre Leute transferieren. Ich habe es selbst erlebt. Dieses UFO schwebt momentan über der Titanic, mit einer aktivierten Tarnkappe und ist somit unsichtbar. Aber wir haben diese Schweinehunde am Schlafittchen. Sobald ich gemeinsam mit Eloise im Centrum ankomme, werde ich Vincenzo dazu beauftragen, dass er sich in die Hauptcomputer dieser Zeitmaschine einhackt, damit dieses verfluchte Raumschiff ins Meer abstürzt. Dann wird es ein zweites Schiff geben, welches im Nordatlantik versinkt.“

Alles verlief planmäßig. Ike schlich sich zur rechten Flanke, er war lediglich mit einem Smoking bekleidet und unbewaffnet. Vorsichtig schlich er sich von Baum zu Baum an den ersten Scharfschützen heran, der konzentriert nach vorne zielte. Ike konnte Nicole nicht entdecken und wusste daher auch nicht, ob sie ihren Angriff bereits eingeleitet hatte. Normalerweise müsste sie bereits drei Soldaten mit dem Nervengas erledigt haben, aber er wusste es nicht, weil ihre Waffe absolut lautlos und effektiv war. Dieses Nervengas verursachte bei dem Opfer nicht einmal ein Röcheln, sondern knipste es einfach aus.
Als Ike plötzlich weiter vorne einen der falschen Scotland Yard Beamten und einen Mann entdeckte, der nur mit einem kurzärmligen schwarzen, latexähnlichen Unterhemd und Cordhose bekleidet war, musste er seiner Gefährtin einfach vertrauen und sogleich handeln. Denn dieser Mann mit dem kugelsicheren Unterhemd war er selbst. Sein Pendant durfte ihn jetzt auf gar keinen Fall entdecken und direkt in die Augen schauen. Sonst würden beide auf der Stelle umfallen und sich in einem Wachkoma befinden.
Ike handelte geistesgegenwärtig. Er kroch in den Schützengraben hinein, entnahm dem verdutzten Scharfschützen sein eigenes Jagdmesser, schlitzte ihm die Kehle auf, hechtete zum nächsten Schützengraben und rammte ihm die Klinge ins Genick. Ächzend gurgelte dieser auf, dann lag er ausgeschaltet im Schützengraben.
Nun war der letzte Scharfschütze aufmerksam geworden, dass man ihn von beiden Seiten offenbar attackierte. Nicole hatte fünf Soldaten zwischenzeitlich erledigt, aber ihre Nervengasmunition war nun verbraucht. Völlig erschrocken erblickte er Ike, dessen Smoking und weißes Hemd vom Blut getränkt war und ihn kaltblütig mit einem Jagdmesser in seiner Hand anstarrte. Der Scharfschütze zielte mit seinem Gewehr auf ihn und wollte grade abdrücken, doch dann ächzte er, weil Nicole in seinen Schützengraben hechtete und ihn mit ihrem Körpergewicht von über 200 Kilogramm erdrückte, obwohl sie eine schlanke Frau war und jedes Modell sie für ihre Figur beneiden würde. Aber um sicher zu gehen, hatte Nicole ihm mit einem wuchtigen Ellenbogenhieb zusätzlich den Schädel eingeschlagen, wobei sogar dessen Soldatenhelm wie eine Walnuss aufgeknackt wurde.
Jetzt zählte jede Sekunde.
Nicole schnappte sich ein Scharfschützengewehr, brach mit einem Ruck das Zielfernrohr ab und zielte zuerst auf den falschen Detective des Scotland Yard, der direkt vor dem jüngeren Ike stand und ihn bedrohte. Ein Klacken erklang, wie aus einem Luftgewehr geschossen, woraufhin dieser Mann leblos umkippte. Aber als Nicole auf den jüngeren Ike zielte, zögerte sie kurz. An seinem erstaunten Blick erkannte sie, dass er völlig perplex war und nicht wusste, was gerade passierte und woher dieser Schuss kam. Ike mit der schwarzen Schutzweste blickte sich hektisch um und ging langsam rückwärts.
„Jetzt bloß nicht so viel bewegen, mein Mäuschen. Tut auch gar nicht weh“, flüsterte sie vor sich hin. Nicole weitete ihre technologischen Augen weit auseinander, berechnete die Entfernung und mögliche Schwankungen, dann drückte sie ab und Ike sackte einfach in sich zusammen.
Nicole schaute sofort zum gegenwärtigen Ike rüber, der im Schützengraben hockte, sie anblickte und das Jagdmesser in den Boden rammte. Lächelnd knatschte sie Kaugummi.
„Siehst du, Schnucki. Hat alles geklappt, du lebst noch. Ihr beide lebt noch. Zufrieden?“
„Warum zur Hölle musstest du zuerst das verdammte Zielfernrohr abbrechen? Das hatte eine wertvolle Sekunde benötigt. Mein anderes Ich sowie ich selbst hätten drauf gehen können!“, motzte Ike.
Nicole erhob sich aus dem Schützengraben und wuschelte sich das Laub aus ihrem Bürstenhaarschnitt.
„Ich traue keinem Scharfschützengewehr, was ich nicht kenne. Das Zielfernrohr hatte nur meine Sicht beeinträchtigt. Meine Augen sind zielgenauer, Schätzchen. Ich geh mal gucken, wie es dir so geht. Du bleibst besser hier, denn auch du solltest dich auf gar keinen Fall selbst erblicken. Ach übrigens“, sagte Nicole während sie aufstand, „ein schlichtes Dankeschön hätte völlig ausgereicht.“
Dann stieg sie griesgrämig aus dem Schützengraben heraus und marschierte schnurstracks auf die liegenden Männer zu. Es ärgerte sie, dass Ike ihre Leistung nicht angemessen anerkannt hatte. Der ist ein typischer Centrum-Heini, dachte sie sich. Die sind alle arrogant und glauben, die Besten zu sein. Beim Vorbeilaufen zog sie ihre EM23 und ohne hinzuschauen, schoss sie dem Dedective in seinen Hinterkopf, obwohl er eigentlich bereits tot am Boden lag. Volltreffer. Ein beinahe lautloses Zischen erklang. Sicher ist sicher, dachte sie sich. Schließlich war sie eine erfahrene Soldatin. Und oftmals musste sie auch eine erbarmungslose Killerin sein, um diesen Job zu bewältigen, weil das Zeitgeschehen zu erhalten die allerhöchste Priorität hatte.

Nachdem sich Sergeant Nicole Kalbach vergewissert hatte, dass es dem jüngeren Ike auch wirklich gut ging, das heißt, dass er tatsächlich nur einen Streifschuss am Kopf erlitten hatte und nur bewusstlos am Boden lag, führte Ike sie zu dem TT, diesen er hingerichtet hatte und im Bericht der Sicherheitszentrale als nicht auffindbar erwähnt wurde. Ike schaute auf seinen blutverschmierten Smoking und strich sich mehrmals über seine Kleidung, um sie zu säubern. Doch es war zwecklos. Seine Hände waren ebenfalls blutverschmiert. Allerdings war es gottseidank nicht sein eigenes Blut. Ike war unverletzt und ohne einen Kratzer abzubekommen, hatte er diesen Kampf überstanden.
„Los, schnapp dir dieses fette Schwein und trage ihn zum Auto!“, befahl Ike. „Die Einheimischen müssen nun glauben, dass es Eloise war, die verbrannte.“
„Wieso soll ich das machen? Du hast ihn abgeknallt, obwohl du ihn hättest verhaften müssen. Das hast du mir selbst erzählt. Ich würde lügen wenn ich behaupte, dass ich noch nie jemanden hingerichtet habe, der es verdiente. Aber es gibt unter uns SEK Leuten ein ungeschriebenes Gesetz. Jeder schafft seine eigenen Leichen fort und entsorgt sie irgendwie, wenn die Sicherheitszentrale davon nichts erfahren darf. Geschnappt?“
„Nicole, verdammt nochmal. Du raubst mir meinen letzten Nerv! Wir haben keine Zeit über unsinnige Ehrenkodexe zu debattieren. Schau dir diesen Fettwanst doch an, der wiegt mindestens zweihundertfünfzig Pfund. Wie soll ich ihn wegschaffen? Dir aber macht das doch nichts aus. Du bist doch stark wie eine Bullin“, grinste er verschmitzt.
Nicole blickte ihn mit ihrem getarnten Gesicht missmutig an.
„Ja, das ist typisch. Wir Cyborgs sind für euch Menschen nur die skrupellosen Killer, denen man nicht vertrauen sollte. Aber wenn es was zum Schleppen gibt, ja dann sind wir für euch plötzlich die besten Freunde.“
Ike sah sie scharf an.
„Nicole, ich bitte dich vielmals darum. Uns bleibt wenig Zeit. Keine Diskussionen diesmal. Henry ist bereits mit einem SEK Team unterwegs. Wir müssen jetzt handeln und uns beeilen. Wir müssen sofort von hier verschwinden. Henry und die SEK Einheit dürfen uns keinesfalls hier antreffen!“
Griesgrämig, etwas widerwillig und leise fluchend schnappte sich Nicole die korpulente Leiche und wuchtete sie mühelos auf ihre Schulter. Ike eilte zum Waldrand, direkt zum durchlöcherten „Oldtimer“. Er öffnete die zerschossene Hintertür und nahm die schwerverletzte Eloise in seine Arme, die immer noch bewusstlos war, aber dennoch lebte. Ihr Bauch blutete, denn sie wurde von einigen Schrotkugeln getroffen. Noch war ihre Verletzung zu heilen, aber Eloise drohte zu verbluten.
„Liebes, kannst du mich hören?“, fragte Ike, kniete sich und drückte sie vorsichtig an seine Brust. „Ich werde dich jetzt ins Centrum bringen. Dort wird man dich operieren. Du wirst leben!“
Plötzlich öffnete Eloise zaghaft ihre grünen Augen und blinzelte. Sie atmete schwer, trotzdem verzierte ein kurzes Lächeln ihr Gesicht.
„Ike … Ike bist du das oder ist das nur ein Traum?“, hauchte sie. „W-was ist geschehen?“
Ike lächelte und streichelte über ihren Kopf.
„Endlich habe ich dich wieder. Ich werde dich mitnehmen, in das Fünfundzwanzigste Jahrhundert, ins Centrum. Davon habe ich dir doch erzählt, weißt du es noch? Du hast die Satellitenfotos doch selbst gesehen, zu diesem Ort werde ich dich jetzt bringen. Hast du mich verstanden, Liebes? Weißt du denn, wovon ich rede?“, fragte er sanft.
„Ja, ich werde dir immerzu folgen, in diese Sate-Satellitenstadt in der fernen Zukunft. In die Zukunft. Wie im Roman von H. G. Wells … The Time Machine“, hauchte sie mit geschlossenen Augen. „Paddy … Albert und Laika und auch das Reh … Wir werden sie alle mitnehmen und dort glücklich leben“, sprach Eloise verwirrt. „Wir müssen sie alle …“ Dann verlor Eloise wieder ihr Bewusstsein.

Nicole wuchtete unterdessen die beleibte Leiche des Detective auf die Rücksitzbank und überschüttete das Automobil mit dem Brandbeschleuniger. Sie tränkte zusätzlich die Autositze mit dem Petroleum und ließ die Kanister darin liegen. Eine gewaltige Feuerfontäne entfachte sich, als Nicole ein integriertes Feuerzeug aktivierte, dieses in ihrem kleinen Finger installiert war, daraufhin ein gewaltiger Rauchpilz empor stieg. Nicole sowie Ike mit Eloise auf seinen Armen haltend gingen langsam rückwärts, weil die Hitze unerträglich war. Dies sollte für Agent Henry und sein SEK Team als Zeichen dienen, dass sie hierherkommen sollten, um die verräterischen Spuren zu beseitigen, dass sich dort Zeitreisende bekämpft hatten.
Ike schnallte Eloise, die bewusstlos war, eine Handschelle über ihr Handgelenk, damit er mit ihr gemeinsam durch das Zeitfenster steigen konnte. Ein Zeitfenster, das beide zugleich zum Checkpoint ins Centrum befördern würde. Nicole installierte ebenfalls ein Zeitfenster. Das Automobil brannte bereits lichterloh und eine gewaltige Rauchschwade zog über das Waldgebiet hinweg.
„Jetzt trennen sich unsere Wege“, sagte Ike schwermütig, während er die bewusstlose Eloise in seinen Armen hielt. Hinter ihnen knisterte es gewaltig und die Hitze des Feuers war enorm.
„In welches Jahrhundert wirst du nun beordert, Nicole?“
„Ich habe soeben einen Sonderauftrag erhalten und muss mich umgehend in das Jahr 1947 begeben, nach Roswell in New Mexico, ins Amiland“, sagte sie. „Was weiß ich, was ich da schon wieder machen soll. Wird mir erst vor Ort erläutert. Die Zeitreisen gehen mir langsam voll aufn Keks“, meinte sie griesgrämig. „Hat irgendwas mit der Mission Titanic zu tun, aber ich darf darüber nicht reden. Du weißt schon … Top Secret“, sagte sie kaugummiknatschend. „Deine Eloise wird es zwar schaffen, Schnucki, aber ich hoffe für dich, dass deine Passwörter tatsächlich legal sind, andernfalls werden sie dich am Checkpoint verhaften. Immerhin versuchst du eine Akteurin ins Centrum zu bringen. Was das für dich bedeuten wird, ist dir ja wohl klar.“
„Keine Sorge. Alle Passwörter, die ich besitze, sind aktuell. Ich habe sogar eine Videonachricht von Henry persönlich, die das bestätigt. Selbst du musst dich um keine Konsequenzen sorgen machen. Ich habe alles im Griff“, behauptete Ike.
Nicole nickte und blickte ihn ernst an.
„Wäre auch gesünder für dich. Falls unsere Operation doch Folgen für mich haben sollten und meine Offizierslaufbahn dadurch vermasselt wäre, weil deine Passwörter nur Fake waren, werde ich dich aufsuchen. Egal ob in der Gegenwart, in der Vergangenheit oder irgendwann in der Zukunft. Ich werde dich finden, Freundchen“, sagte Nicole mit strenger Miene.
Ike hielt Eloise in seinen Armen und stand direkt vor seinem Zeitfenster, welches beide direkt ins Fünfundzwanzigste Jahrhundert befördern würde. Direkt ins Centrum, zum Checkpoint. Nicole stand ihm genau gegenüber und war grad dabei, in das Jahr 1947 zu schreiten. Da drehte sich Ike plötzlich um.
„Nicole … Ich danke dir für alles. Ohne dich hätte ich es niemals geschafft. Ich verdanke dir mein Leben, genauso wie Eloise. Dankeschön.“
Nicole blies eine Kaugummiblase und ließ diese zerplatzen.
„Okidoki, Schnucki. Alles easy, alles ist obama. Vielleicht sieht man sich ja in irgendeiner Mission wieder“, lächelte sie freundlich. Dann verschwanden Ike und Eloise mit einem spürbarem WUPP und werden genau in einer Minute am Checkpoint des Centrums erscheinen.
 
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