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SCHIMMER DER HOFFNUNG, Kap. 1, Teil 3 - DIE SCHÖNE SCHWEDIN

Nachdenkliches · Kurzgeschichten
Als Spike am nächsten Morgen keinen der Jungs telefonisch erreichen konnte, überwand er sich und fuhr zum E-Body. Seinen Van fand er auf dem Parkplatz hinter dem Hyperion. Er hatte ihn dort vor ein paar Monaten abgestellt.
Die Erinnerungen an Lilah waren groß, vor allem im E-body.
Der Parkplatz hinter dem E-body mit der versteckten Bank. Mr. Minuteman ...
Die andere Bank war gepolstert und er hatte oft mit Liliah darauf gesessen, den Arm um sie gelegt, während er mit den Jungs knobelte. Ach Lilah, meine Schöne, meine Gute! Wieder wurden seine Augen nass. Aber er musste da durch.
Zögernd betrat Spike das E-body. Es war elf Uhr, der Laden hatte gerade aufgemacht und Spike hoffte, Bronson dort anzutreffen.
Er mied die Polsterbank und setzte sich auf einen Barhocker.
Bronson, der Bassgitarrist der Band und gleichzeitig Thekenbedienung im E-body, stand hinter dem Tresen und guckte Spike fassungslos an.
„Spike, du bist es. Wirklich?“
„Klar, wer sonst“, Spike grinste.
„Alter, und wie geht es dir?“
„Wie soll es mir schon gehen ...“
„Sie war großartig, Spike.“ Bronson hatte Lilah immer schon gemocht, vor allem ihre dichterischen Fähigkeiten, mit denen sie seine vergessenen Verse wieder aufmöbelte.
„Ich weiß.“
„Was meinst du, sollen wir frühstücken?“ Bronson ging zum praktischen Teil über.
„Du meinst diese fantastischen Brötchen mit dem Krabbensalat?“
„Genau Alter, du müsstest sie allerdings selber besorgen, du weißt ja, ich kann hier nicht weg“, kam von Bronson.
„Kann ich machen, ist ja nicht weit weg.“ Das stimmte, es waren nur ein paar Schritte bis zum Supermarkt nebenan, wo er immer mit Lilah eingekauft hatte. Spike erstarrte. Ach Lilah! Er riss sich zusammen und wollte gerade zur Tür hinausgehen, als die blonde Schwedin Maja, die Ehefrau des Wirts, aus der Küche des E-body kam. Auch das war hart für Spike, denn Maja war Lilahs Trauzeugin gewesen und außerdem ihre Freundin.
Spike und Maja schauten sich an. Spike hatte nie bemerkt, was für eine Schönheit Maja war, welch eine straffe Figur sie hatte, ohne im entferntesten mager zu sein, welch klassische Ebenmäßigkeit ihr Gesicht besaß mit der winzig kleinen Andeutung einer Stupsnase. Und wie voll ihr weizenblondes Haar war, das sie in in einem geflochten Zopf trug es. Maja hatte Lilahs Haar vor der Hochzeit zu dem gleichen Zopf geflochten und ihn mit Orangenblüten verziert. Liliah sah wunderschön aus ...
Lilah war natürlich jünger als Maja gewesen, aber Spike erinnerte sich daran, wie die beiden sich in ihrer Schönheit ergänzt hatten, nur hatte er es damals nicht wahrgenommen, auch jetzt nahm er Majas Schönheit nicht bewusst wahr, er empfand sie als Abglanz von Lilahs Schönheit.
Sie umarmten sich schweigend.
Maja betrachtete ihn sorgenvoll, nachdem sie sich voneinander gelöst hatten.
„Ess hat sich viel verändert, Sspike“, sagte sie schließlich mit einem weichen doppelten ‚s’. Das lag an dem schwedischen Akzent, den sie wohl nie wegbekommen würde, egal wie lange sie schon in den Staaten lebte.
„Was meinst du damit, Maja?“, fragte Spike.
„Er ssäuft wieder“, sagte Maja und ihre Stimme klang traurig.
„Du meinst Karel?“ Spike war nicht wirklich verwundert ob der Tatsache, dass Karel, der Wirt des E-body, wieder mit dem Saufen angefangen hatte. Karel war immer schon ein Säufer gewesen mit gelegentlichen trockeneren Phasen zwischendurch.
„Wen ssonst? Aber jetzt ssäuft er permanent“, sagte Maja.
„Das ist nicht gut!,“ sagte Spike.
„Sspike, aber was ssoll ich machen? Ich kann nicht mehr. Bei unsserem Urlaub in Acapulco, da hat er Tag und Nacht gessoffen, einmal klopfte ess morgens an unssere Tür im Hotel, und dass mexikanisse Ssimmermädchen kam herein und ssagte ssu mir: Da! Mann in Halle! Du kommen mit!“
„Was zum Teufel...“, sagte Spike, dem es allmählich dämmerte, dass Maja von einem Beziehungsdrama oder einfacher ausgedrückt von einem Alkoholiker erzählte.
„Er lag dort!“ Majas Stimme zitterte. „Er lag nackt auf dem Ssofa in der Halle. Er war sso bessoffen, dass ich ihn nicht kaum wach gekriegt habe. Was ssoll ich nur machen?“
„Wenn er wirklich so drauf ist, dann hat es keinen Sinn, Maja“, sagte Spike und er meinte es ernst.
„Ich habe ess sson sso oft erlebt, er trinkt, und er findet keine Ende.“
„Hast du ihm schon mal ein Ultimatum gestellt?“
„Sson oft. Es geht dann ein paar Wochen gut, und dann fängt er wieder an ssu trinken.“ Maja schluckte. „Wir hatten schon sswei Jahren keinen Ssex mehr, nicht dass ess mir wass aussmachen würde, ich liebe ihn doch.“
„Er liebt dich auch, Maja, aber bei dem vielen Saufen kann er wohl nicht mehr ...“
„Auch ohne Ssaufen kann er nicht mehr. Oder will er nicht mehr“, sagte Maja traurig. „Und ich kann auch nicht mehr, Sspike.“
„Was schwebt dir denn vor, Maja?“
„Ich will ssurück nach Ssweden! Wass ssoll ich noch hier?“
Maja schien entschlossen zu sein. Was Spike dazu bewog, sie nach mehreren Stunden, die sie gemeinsam im E-body verbrachten, sie mit ins Hyperion zu nehmen. Warum? Um ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken. Angel würde nichts gegen einen weiteren Gast haben.
Maja kannte nämlich niemanden, zu dem sie gehen konnte, denn Karel und sie hatten zwar immer viele Gäste gehabt, doch wirkliche Freunde hatten sie kaum.
Immerhin waren im Laufe des Tages noch die Jungs nacheinander im E-body eingetrudelt, und Spike konnte wenigstens einen Punkt auf seiner Liste abhaken.
-*-*-*-*-*-*-
Buffy war stinksauer.
Erst war er den ganzen Tag weg, und dann brachte er eine Frau mit! War er jetzt total übergeschnappt? Ein bisschen Rücksicht könnte er ja wohl auf sie, Buffy, nehmen.
Allerdings machte er nicht den Eindruck, als wäre er irgendwie in diese Dame verliebt – die bestimmt schon über fünfunddreißig war. Außerdem war die überhaupt nicht sein Typ.
Andererseits wusste Buffy nicht so genau, was für einen Typ Spike denn so hatte. Das war wirklich schwer zu sagen. Die verrückte Drusilla war hoffentlich Legende.
Andererseits war diese Maja sehr schön. Sie besaß so eine ruhige sichere Schönheit, beherrscht, irgendwie majestätisch, da waren keine unkontrollierten Bewegungen zu sehen, und sie strahlte eine innere Sicherheit aus, die Buffy fremd war und die sie hoffte, irgendwann einmal zu erlangen: So in circa zehn bis zwanzig Jahren. Buffy befürchtete allerdings, ihr Temperament würde ihr dabei immer im Wege stehen.
Buffy hasste die Frau. Obwohl sie eigentlich recht nett war und Gwydion und Morgan sehr freundlich begrüßt hatte, vor allem Gwydion, den sie wohl sehr liebte.
Die schöne Schwedin lebte jetzt seit drei Tagen im Hyperion. Ruhig und unauffällig.
Man könnte wirklich denken, dass Spike sie und die Kinder wegen dieser schwedischen Abba-Imitation vernachlässigte. Aber das stimmte so nicht ganz. Er kümmerte sich um die Kinder wie immer, wickelte Gwydion, badete ihn, scherzte mit ihm, spielte mit ihm, legte ihn zum Mittagsschläfchen hin und danach spielte er mit Morgan, die allmählich anfing zu sprechen mit einem – wie Buffy meinte – leicht britischen Akzent, soweit man das bei den wenigen Worten schon sagen konnte. Aber wie sie Daddy sagte und Spike dabei anstrahlte, das kam Buffy very britisch vor ...
Spike schaffte es spielend, Morgan neue Worte beizubringen. Er hatte sich eine weiße Socke über seine Hand gestreift und tat so, als würde die Socke sprechen. „Warum schlägst du mich? Ich bin doch nur eine blöde Socke an einer blöden Hand“, quietschte er, als Morgan versuchte, die Socke zu hauen.
„Ich liebe es, mit dieser Socke zu sprechen“, sagte Spike zu Buffy, die genauso fasziniert wie Morgan auf die Socke gestarrt hatte.
„Du bist verrückt“, kicherte Buffy, denn sie freute sich, weil er so guter Laune war. Das kam wirklich selten vor. Dann musste sie wieder an die fremde Frau denken.
„Demnächst muss ich so eine Puppe haben!“, meinte Spike. „Eine Handpuppe, mit der ich mich herumstreite. Das wäre geil!“
Kurz danach war er weg. Buffy wusste nicht, ob er bei dieser Maja oder ganz woanders war, vielleicht bei seiner Agentin Vivian. Und sie fühlte sich, ach wie sollte sie es nennen: Traurig? Ausgepowert? Verarscht? Aber vor allem fühlte sie sich vernachlässigt.
So behandelte man nicht die Mutter seiner Kinder. Nein, seines Kindes. Gwydion war nicht ihr leibliches Kind, aber jetzt war sie seine Mutter. Jawoll, das war sie! Und ein bisschen Respekt konnte sie doch wohl verlangen. Oder?
Buffy fühlte, wie Ärger und Frust sie überschwemmten. Sie wartete den ganzen Nachmittag auf Spike, aber der machte keinerlei Anstalten zurückzukommen. Zurückzukommen zu ihr und ihren Kindern.
 
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