Ritter Schrapscherapp war kein gewöhnlicher Held. Seinen klangvollen Namen verdankte er nicht etwa einer alten Adelslinie, sondern dem unverkennbaren Geräusch, das seine etwas zu große, rostige Rüstung bei jedem Schritt machte: Schrap, scherapp, schrap, scherapp.
Schrapscherapp war ein Mann der Tat. Er dürstete nach Ruhm, nach Gefahr und vor allem nach einem wahrhaft tapferen Gegner. Doch die Zeiten waren schlecht für abenteuerlustige Ritter. Die Drachen waren in den tiefen Süden gezogen, die Trolle litten an chronischen Rückenproblemen und die Riesen hatten das Gärtnern für sich entdeckt. So zog Schrapscherapp wochenlang durch die Lande, sein rostiges Schwert stets griffbereit, auf der Suche nach einem Duell, das in die Lieder der Barden eingehen würde.
Eines Tages erreichte er den Rand des sagenumwobenen Gummiwaldes. Die Dorfbewohner im angrenzenden Tal hatten ihn mit zitternden Stimmen gewarnt.
„Geht nicht dorthin, edler Ritter! Dort hausen die gefürchteten Plompohnen! Niemand, der sie herausgefordert hat, kam jemals als derselbe zurück!“
Das war Musik in den Ohren von Schrapscherapp. Er rückte seinen Helm zurecht, zog sein Schwert, das mit einem metallischen Kratzen die Scheide verließ, und marschierte in den Wald. Schrap, scherapp, schrap, scherapp.
Die Bäume hier waren seltsam biegsam, und der Boden federte unter seinen eisernen Stiefeln. In der Mitte einer Lichtung blieb er stehen, baute sich in seiner vollen, scheppernden Größe auf und brüllte in den Wald hinein:
„Hört mich an, ihr Kreaturen der Finsternis! Ich bin Ritter Schrapscherapp! Kommt heraus und stellt euch meinem Stahl, wenn ihr den Mut dazu habt!“
Zunächst passierte nichts. Dann, ganz leise, hörte er ein Geräusch. Es war kein furchterregendes Brüllen, kein Zischen und kein Knochenknacken. Es klang eher wie...
Plomp.
Aus dem dichten Farn hüpfte etwas auf die Lichtung. Es war kugelrund, leuchtend pink und etwa so groß wie ein Kürbis. Es hatte keine Arme, keine Beine, nur zwei riesige, neugierige Kulleraugen.
Plomp. Plomp.
Zwei weitere Wesen, eines quietschgelb, das andere himmelblau, hüpften hinterher. Bald war die ganze Lichtung gefüllt mit Dutzenden dieser runden, weichen Kreaturen. Die gefürchteten Plompohnen.
Schrapscherapp blinzelte durch sein Visier. Das konnten unmöglich die Schrecken des Waldes sein. „Ist das ein Scherz?“, rief er empört. „Ich fordere einen Kampf auf Leben und Tod!“
Er holte mit seinem Schwert aus und schlug mit der flachen Seite nach dem nächsten pinken Plompohnen, um ihn wegzuschieben.
Boing!
Das Schwert traf auf den Plompohnen, federte mit enormer Wucht zurück und riss dem Ritter beinahe den Arm aus dem Gelenk. Schrapscherapp taumelte rückwärts. Der pinke Plompohn kicherte – ein Geräusch, das wie platzende Seifenblasen klang – und hüpfte fröhlich in die Luft, direkt auf die Brustpanzerung des Ritters zu.
Plomp!
Der Aufprall war weich, aber wuchtig. Schrapscherapp verlor das Gleichgewicht und fiel mit einem lauten KRASCH auf den Rücken. Seine Rüstung schepperte ohrenbetäubend.
Plötzlich sahen alle Plompohnen zu ihm herüber. Die Kulleraugen leuchteten auf. Anscheinend dachten sie, das sei ein großartiges neues Spiel.
Plomp! Plomp! Plomp!
Von allen Seiten regnete es bunte, federnde Kugeln. Sie prallten gegen seinen Helm, hüpften auf seinem Bauchpanzer auf und ab und rollten über seine Beine. Jeder Versuch des Ritters, sich aufzurichten, wurde durch einen freundlichen, aber bestimmten Plomp-Treffer vereitelt. Sein Schwert lag nutzlos im Gras; gegen Gegner, die aus purem, fröhlichem Gummi zu bestehen schienen, half kein geschliffener Stahl.
„Halt! Stopp! Ich bin ein furchteinflößender Krieger!“, rief Schrapscherapp, doch seine Stimme ging im fröhlichen Kichern und Hüpfen der Plompohnen unter.
Nach einer gefühlten Ewigkeit gab der Ritter auf. Er ließ die Arme sinken, öffnete sein Visier und starrte in den Himmel, während ein gelber Plompohn es sich auf seiner Brust bequem machte und leise schnurrte.
Schrapscherapp musste unwillkürlich schmunzeln. Er hatte einen tapferen Gegner gesucht und eine weiche, hüpfende Armee gefunden, die ihn völlig besiegt hatte – ganz ohne Blutvergießen. Als er an diesem Abend in das Dorf zurückkehrte (mit einem himmelblauen Plompohnen, der fröhlich auf seiner Schulter saß), sangen die Barden vielleicht kein Lied von epischen Schlachten. Aber sie sangen das Lied von dem Ritter, der auszog, um zu kämpfen, und der lernte, dass nicht jedes Monster mit dem Schwert besiegt werden muss.
Schrap, scherapp, plomp, scherapp.