Es war einmal, so fangen alle Märchen an, so auch dieses, es war einmal ein Dorf, das lag am Hange eines bewaldeten Hügels, der sich so hochtrabend Berg nannte. In diesem Dorf gab es einstmals einen Streit, ob man den Wald roden und ein paar Windräder aufstellen soll, damit die Welt mit Strom versorgt werde, Strom, der ausreichen würde, um die Funzel in einem Stall anzutreiben, in dem ein Kind geboren werden sollte, das auserkoren worden war, die Welt zu erlösen. Das Dorf stritt sich einige Wochen lang heftig um den Wald, um die Windräder und um ein Krankenhaus, das auf dem Hügel lag, bis ein paar Fußballspiele später der ganze Streit vergessen war und nur noch ein paar wenige Grünlinge um die nicht gebauten Windräder trauerten.
Ja. man hatte entschieden, dass die Windräder nicht gebaut werden dürften, einigen seltenen Regenwurmarten zuliebe und weil auf einigen Bäumen im Wald Kartoffelkäfer, eine fast ausgestorbene Spezies, brüteten.
Doch in einer finsteren Nacht stiegen die Grünlinge heimlich hinauf auf den Hügel, der sich Berg nannte, sie rodeten den Wald und stellten sieben kirchturmhohe Windräder auf.
Da standen sie nun in ihrer zweifelhaften Pracht, die Regenwürmer packten ihre Siebensachen und die Kartoffelkäfer flogen davon.
Da standen die sieben Windräder, nur drehten die sich nicht, denn über dem Hügel, der sich Berg nennt, dort weht fast nie ein Wind, nicht einmal ein laues Lüftlein. Da setzten sich die Grünlinge hin und überlegten, was zu tun sei. Sie verstanden sich auf windige Geschäfte, sie verschoben Gebrauchtwagen, die nur durch Rost zusammengehalten wurden, sie offerierten Wein, der nichts weiter als gefärbtes Wasser war, sie verkauften Frischfleisch von Tierarten, die es seit Jahrtausenden nicht mehr auf unserem Planeten gibt. Auch verkauften sie Nashornpulver zur Erhaltung der Manneskraft und schöne bunte Pillen gegen die Traurigkeit. Doch alle diese windigen Geschäfte erzeugten längst nicht genug Wind, um die Propeller auch nur ein klein wenig zu bewegen.
Da kam einer auf die Idee, einen philosophischen Kongress zu veranstalten, so, wie er es einstmals im Fernsehen gesehen hatte, da saßen vier Philosophen um einen Tisch, die hatten sich ihre Wassergläser mit Schnaps gefüllt und sie redeten und redeten und redeten, bis es ihm vor dem Fernseher ganz schwindlig geworden war. „Ja, so etwas müssen wir auch machen am Fuße des Hügels, der sich Berg nennt“, so sprach er und unverzüglich lud er die berühmtesten Köpfe des Landes ein, diese setzten sich an einen Tisch und redeten durcheinander, sie machten reichlich Wind um ihre Theorien und tranken ihre mit Schnaps gefüllten Wassergläser leer. Und in der Tat, es erhob sich ein leises Säuseln, das zu einem Wind wurde, dieser sich zu einem Sturme, ja zum Orkan steigerte. Jetzt kann die Funzel brennen in dem Stall, in dem das Kind geboren werden wird, das unsere Welt erlösen soll.
Ja, die Funzel brannte, und hätte einer der Hirten nicht den Stecker gezogen, so hätte nicht nur die Funzel gebrannt, sondern es wäre der ganze Stall in Flammen aufgegangen. Die Windräder drehten sich mit rasender Geschwindigkeit, bis deren Getriebe anfingen zu rauchen, um dann lichterloh zu brennen und zu guter Letzt mit donnerndem Getöse die Windräder umfielen.
Inzwischen hatten die berühmtesten Köpfe des Landes ihre Gläser leergetrunken und sie hörten zu reden auf, denn wer nichts zu trinken hat, der macht nicht gern Wind, und so erstarb der Sturm augenblicklich, die Windräder lagen am Boden und der Wald konnte wieder wachsen, wie es ihm gefiel. Und wenn die Bäume nicht gestorben sind, so wachsen sie noch heute....