437


80 Seiten

PK Chat Story 2 - return to life - (1-22)

Romane/Serien · Spannendes
Einleitung:
Ich sah die Stufen nicht mehr. Sie schienen zu einem endlosen Band ineinander zu verlaufen. Meine Schläfen pochten. Mein Magen krampfte sich zusammen. Ich spürte den Schlag meines Herzens. Immer weiter entfernte ich mich von dem Geschehen um mich. Die Gesichter die mich anschauten verschwammen zu einer farblosen Masse. Alles schien sich um mich zu drehen. Immer schneller. Meine Hand krampfte sich am Geländer fest. Ich hatte das Gefühl als falle ich aus einem sich rasend drehenden Karussell. Immer schneller. Ich schnappte nach Luft. Meine Kehle war zugeschnürt. Tod. Ende. Ich werde sterben, dachte ich. Ohne ein Gefühl von Angst verspürte ich Wärme. Immer heißer wurde mir. Drehen. Musik. Feuer. War ich tot? Ich versuchte etwas zu sehen. Ich hörte nur noch Musik. Die herzzerreisende Stimme von Edda Dell'Orso setzte ein.
Endlos schien ich zu fallen, als ich das Bewusstsein verlor.

Doch begonnen hat alles viel früher:









Kapitel 1
Samstag, 23. Oktober 1999
Ich bin ziemlich zeitig aufgestanden. Es ist gerade 10 Uhr und das ist wirklich zeitig für meine Begriffe, zumindest an einem Samstag. Meine Eltern sind da. Auch das ist ungewöhnlich oder nicht alltäglich. Sie arbeiten im Ausland. Mich stört es nicht weiter. Ich komme mit Christiane, dem Dienstmädchen, sehr gut aus. Für die Jahreszeit ist es ziemlich warm. Mein Frühstück steht als einziges noch unangetastet auf dem großen ovalen Tisch im Salon. Ich hatte mir fest vorgenommen heute mit meinen Eltern zu frühstücken. Am Nachmittag stand ein Besuch meiner Tante in München auf dem Plan. Meine Eltern haben die Angewohnheit alles zu durchplanen, schon wochenlang im voraus.
Ich schaltete die Anlage auf „Zimmerlautstärke“ und nahm ein Glas Orangensaft und ein Toast und setzte mich in den großen grünen Sessel am Rande des Salons. So nahm ich mein Frühstück am liebsten ein. Im Schneidersitz auf dem Sessel, den Teller und das Glas neben mir auf dem kleinen runden Rauchertisch neben den Sessel. Meine Mutter meckert zwar jedes Mal den selben Text, wenn sie das sieht, aber bestimmte „Rituale“ lasse ich mir nicht abgewöhnen. Mein Blick fällt zufällig auf die
BILD –Zeitung, die mein Vater gewöhnlich nach dem Frühstück bei einer Pfeife mit Vanillegeschmack liest. Mir wäre fast der Toast aus den Händen gefallen. Ich musste die Überschrift zweimal lesen. Aber mit großen schwarzen Lettern stand dort wirklich:

VOGTLÄNDER HACKER SCHOCKEN INDUSTRIE – PASSWORT FÜR’S INTERNET IN MINUTEN GEKNACKT.

Ich überflog den Text, las ihn dann noch mal langsam. Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf. Wochenlang habe ich probiert und mir den Kopf zerbrochen. Viag Interkom war geknackt. Jemand war mir zuvor gekommen. Zur Erklärung muss ich hinzufügen, das meine große Leidenschaft, neben anderen altersgerechten Beschäftigungen , das Programmieren ist. Das ganze läuft auf das Hacken von Zugängen, Sicherheitscodes und so weiter hinaus.

Nicht das ich Schaden anrichten möchte. Es ist wie ein Sport oder eine Sucht sogar. Ich fühlte mich sichtlich in meiner Ehre gekränkt. Wer wagte es meine wochenlange Arbeit mit einen Schlag zu zerstören? Wieder lass ich den Text durch. Mir kam es vor als stammte der Artikel nicht aus der Bildzeitung sondern aus einem Brief an mich: ...in Minuten geknackt. Bah, ich mühe mich wochenlang ab und dann kommt so ein dahergelaufener Möchtegernhacker und schnappt mir meine Ideen weg. Ich warf die Zeitung in die Ecke, ließ mein Frühstück stehen und rannte die große Treppe hinauf in mein Zimmer. Christiane war gerade dabei mein Bett zu machen. Sie kam nicht mal dazu mir guten Morgen zu sagen. Im gleichen Moment wie ich die Tür aufriss schrie ich sie an: „Raus“. Sie stand da, mit offenen Mund , überrascht und wusste anscheinend nicht ob ich Spaß machte oder das ganze ernst meinte. Das machte mich noch wütender. Ich schob sie zur Tür und schrie noch mal : „Raus“. Ich schlug die Tür hinter ihr zu und schloss ab. Ich schaltete meinen Computer an, ohne zu wissen was ich machen will. Mein Vater klopfte zaghaft an die Tür und fragte was los sei. „Nicht’s ist los, lasst mich in Ruhe und fahrt zu Tante Evi allein, lasst mich einfach ! „ gab ich zur Antwort. Draußen hörte ich meine Mutter wie sie zu meinem Vater sprach: „Das ist das Alter, das gibt sich.“ Das Gespräch wurde leiser bis ich die Worte nicht mehr verstehen konnte. Sie liefen die Treppe runter.
Jetzt erst sah ich das der Computer nicht hochgefahren ist. Stattdessen prangte wie um mich zu ärgern eine Schutzverletzung auf dem Monitor.

Ich legte mich auf das Bett. So nach und nach wurde ich ruhiger und mir kam eine Idee. Ich musste den Typen kennen lernen , der das geschafft hat Viag Interkom in Minuten zu knacken. Ich wusste nicht warum, aber ich musste ihn kennen lernen ! Zuerst müsste ich mal mehr über ihn herausfinden.

So was kostet meistens. Mein Taschengeld ist zwar mehr als großzügig , aber für diesen Monat ist nichts mehr übrig geblieben. Ich musste wohl oder übel mit zu meiner Tante fahren, die mir meistens was gibt. Meine Laune verbesserte sich etwas.

Kapitel 2 - Fieber

Zwei Tage später

Obwohl ich den ganzen Tag herumtelefoniert habe, habe ich nichts brauchbares herausgefunden. In der BILD - Zeitung war noch der Hinweis auf die Sendung Neues - Die Computershow in der ein Beitrag über Mike , soviel wusste ich schon mal, gezeigt werden sollte. Die Sendung kommt um 21.30 Uhr. Es war 19 Uhr. Ich hatte also noch jede Menge Zeit. Zuerst ging ich in die Garage um nochmals den Schaden zu begutachten den ich heute am frühen Nachmittag angerichtet hatte. Das ganze sah wirklich nicht gut aus. Zum Glück waren meine Eltern bereits am Morgen abgereist und ich konnte mir jetzt 3 Wochen lang überlegen was ich ihnen erzählen könnte. Das ganze fing damit an, das ich nach der Schule zu meiner Freundin wollte. Ich kam auf die Idee, mit meinem Rad zu ihr zu fahren.
Allerdings kam ich ohne weiteres nicht an mein Fahrrad heran.
Mein Vater hatte sein Auto so geistreich dicht an der Garagenwand abgeparkt, das ich ohne Kratzer an dem Auto mein Rad nicht herausbekommen hätte.
Ohne überhaupt lange zu überlegen, öffnete ich die Tür vom Auto. Der Schlüssel steckte nicht, aber ich wusste wo ihn mein Vater aufbewahrte.
Im Auto sitzend stellte ich erst mal den Sitz ein , so gut es ging. Da ich den Sender für das Garagentor nicht finden konnte stieg ich noch mal aus und öffnete das Tor. Ich überlegte noch, als ich wieder eingestiegen bin ob ich vielleicht eine Runde im Grundstück mit dem Auto herum fahren werde. Mit meinen Überlegungen kam ich nicht weit, in dem Moment als ich den Zündschlüssel herum drehte gab es einen gewaltigen Ruck und einen dumpfen Knall. Na Prima ! So hatte ich mir meine erste Fahrt nicht vorgestellt. An statt vorwärts aus der Garage zu fahren bin ich rückwärts gegen die Wand und meinen Fahrrad gefahren. Dieses sah im Gegensatz zur Stoßstange, Kotflügel und Rücklicht des Auto's erstaunlich gut aus. Trotzdem war eine acht im Vorderrad, also verwarf ich den Plan zu meiner Freundin zu fahren. Statt dessen rief ich sie an, um sie nach einer gescheiten Lösung für das verbeulte Auto zu fragen. Wie es so ist, in solchen Fällen kommen einem nie gute Einfälle.
Ich ging also noch mal gegen 19 Uhr in die Garage. Das Auto stand immer noch so da. Mein Wunsch, dass alles nur ein Traum war, erfüllte sich leider nicht. Zum Glück hat es Christiane noch nicht bemerkt, dachte ich. Die hätte sicherlich meine Eltern angerufen. Ich kehrte die Splitter vom Rücklicht zusammen. Ich überlegte hin und her wie ich es meinem Vater beibringen würde. Während ich überlegte strich ich mit der Hand über die große Delle die sich fast bis zur Mitte des Hecks erstreckte.
Da mir in diesem Moment sowie so nichts einfiel, ging ich nach oben in mein Zimmer und versuchte den Gedanken zu verdrängen.
Die Zeit bis 21.30 Uhr überbrückte ich mit in meinen Augen sinnlosen Spielchen am PC. Christiane nervte noch zwei mal mit den Hinweis auf die Schule und das ich ins Bett gehen sollte. Schule - dachte ich, welche Schule ? Mein "Zur - Schule - gehen" bestand daraus, das ich morgens in die Bibliothek im Haupttrakt ging. Dort empfing mich mein Privatlehrer zum Privatunterricht. Mein Lerneifer hielt sich also wegen der gegebenen Situation in Grenzen. Ich wollte mit allen Mitteln auf eine normale Schule, was aber mitten im Schuljahr sich als schwierig herausstellte. Zumindest für das nächste Schuljahr wurde mir jedoch dies von meinen Eltern und auch einigen renommierten Privatschulen in Aussicht gestellt.
Ich machte es mir in meinem Bett bequem. Die Sendung begann.
Wahnsinn! Gleich am Anfang der Sendung wurde der Beitrag gesendet.
"Boah" sagte ich zu mir selbst. Der Typ, also Mike, sah ja nicht mal schlecht aus. Irgendwie machte mich die Sendung wütend. Mike erklärte mit einer Mischung aus Gelassenheit und Arroganz die Sicherheitsmängel, als würde er den ganzen Tag nichts anderes tun. Der Text schien trotzdem
nicht eingeübt oder vorgegeben zu sein. Auf manche Fragen wich Mike gekonnt aus. Ich ertappte mich mehrmals wie ich Mike richtig anstarrte. Das war es was mich so wütend machte.
Der Typ kommt mir zuvor und präsentiert sein Wissen stolz in der Zeitung und im TV und nun finde ich ihn auch noch süß !
Viel neues konnte ich der Sendung nicht entnehmen, nur ich wusste jetzt seine E-Mail -Adresse. Das Schreiben was er an 3 Sat geschickt hatte wurde eingeblendet, mit seiner E-Mail-Adresse. Absicht? Egal ich hatte sie. Obwohl ich noch gar nicht wusste was ich mit ihr sollte. Ich wusste nicht mal so genau warum ich diesen Mike kennen lernen wollte. Zumindest bis dahin. Nach der Sendung gingen mir die Bilder nicht mehr aus dem Kopf. Dauernd musste ich an Ihn denken. Ich versuchte krampfhaft an andere Dinge zu denken. An das kaputte Auto und an andere Sachen. Aber es gelang mir nicht. Nicht nur das er es geschafft hatte Viag zu knacken - vor mir, sondern er war der erste Junge seit langem der mir richtig gefiel. Trotzdem war ich wie gesagt in dem Moment sehr wütend. Ich glaube ich hätte ihn am liebsten paar geknallt, wenn er vor mir gestanden hätte. In der folgenden Nacht schlief ich sehr unruhig. Ich wachte paar mal auf. Wenn ich schlief, träumte ich wirres Zeug. Mein Hals tat mir weh und ich bekam Fieber.
Mein Kopf war am Morgen ganz heiß. Christiane rief Doktor Seidel an, der auch kurz darauf erschien. Christiane war sehr besorgt um mich und lief die ganze Zeit im Zimmer auf und ab. Doktor Seidel untersuchte mich sehr gründlich und meinte abschließend das es eine ziemlich heftige Virusinfektion sei: "Ich schaue heute Nachmittag noch mal nach Dir, ich will hoffen, das dann das Fieber gesunken ist."
"Und wenn nicht?" fragte Christiane. "Nun, das werde ich heute Nachmittag entscheiden, aber ich denke das sie nicht ins Krankenhaus muss." antwortete er. Ich erschrak. Nein, das wollte ich auf keinen Fall. Mir ging es wirklich nicht gut, aber Krankenhaus - das wollte ich auf jeden Fall vermeiden. Ich bleib also ganz brav, wie es Doktor Seidel angeordnet hatte, im Bett liegen. Die Andeutung mit dem Krankenhaus hatte seine Wirkung nicht verfehlt. Ich dachte wieder an Mike. Mir kam es vor als wäre ich für paar Sekunden eingeschlafen. Ich blickte auf große runde Uhr, die aussah wie eine Bahnhofsuhr. Es war kurz nach 16 Uhr. Ich hatte mehrere Stunden geschlafen ! Gerade wollte ich nach Christiane rufen, da kam sie auch schon zusammen mit Doktor Seidel rein.
Die Stunde der Wahrheit - dachte ich. Er holte ein Fieberthermometer heraus und klemmte es mir unter den Arm. Mein Halt schmerzte immer noch und mein Kopf tat schrecklich weh. Ich versuchte so gut es ging, mir die Schmerzen nicht anmerken zu lassen.
Hoffentlich ist das Fieber gesunken! Doktor Seidel und Christiane schaute mich die ganze Zeit an. "So, da wollen wir mal schauen." sagte Doktor Seidel nach drei Minuten Stille und nahm er das Thermometer. Er hielt es senkrecht mit Daumen und Zeigefinger nach unten in höchstens 10 Zentimeter Abstand von seinen Augen. Dann drehte er sich mit dem gesamten Körper um ca. 30 Grad nach links, weil anscheinend das Licht das durch das Fenster fiel, ihn blendetet.
Er zog die Augenbraun hoch und blickte mich forschend an. Ich hielt den Atem an.

Kapitel 3 - Kontakt


Sein Blick ließ nichts gutes verheißen. Doch überraschenderweise sagte er: "Na da hast du ja noch mal Glück gehabt, das Fieber geht langsam runter. Es wird in der nacht nochmals ansteigen, aber in ein paar Tagen wirst du wieder munter herumspringen" Munter herumspringen ? - dachte ich. Für was hält der mich? Das klingt ja gerade so, als wäre ich das kleine verwöhnte Mädchen einer reichen Familie die im Garten schaukelt und Blumen pflückt. Dabei war ich eher das Gegenteil. Nach dem Doktor Seidel mich noch mal untersucht hatte und er mindestens drei mal Christiane versichert hatte, das es mir gut ging, drehte ich mich auf die Seite und versuchte zu schlafen. Ich war müde, obwohl ich den ganzen Tag geschlafen hatte. Meine Gedanken waren bei der Sendung und den Zeitungsartikeln. Nach und nach wich die Müdigkeit und ich wäre am liebsten aufgestanden und hätte diesen Mike eine Mail geschrieben. Mir fiel ein, das ich gar nicht wusste, was ich ihm hätte schreiben können. Und wenn, ob er überhaupt geantwortet hätte? Seine Telefonnummer müsste auch herauszufinden sein. Aber was hätte ich ihm am Telefon sagen sollen?
Sicherlich hätte er sowieso aufgelegt.
Langsam wurde mir aber immer mehr klar was ich wollte. Am liebsten wäre mir zu dem Zeitpunkt eine Freundschaft gewesen. Von ihm hätte ich eine Menge lernen können. Aber langsam wurde mir klar, das ich mich verliebt habe, in jemand den ich nicht einmal kannte, ja der nicht mal wusste das ich existiere. Ich überlegte hin und her, wie ich am besten Kontakt zu ihm aufnehmen könnte. Sicherlich hat er eine Freundin, ist vielleicht verheiratet.
Ich versuchte diesen Gedanken schnell wieder zu verdrängen.
Ich musste mir schnell was einfallen lassen. Christiane kam herein und brachte mir eine Tasse Kamillentee. "Versuche zu schlafen" sprach sie ruhig und einfühlsam mit ihren französischem Akzent. "Mir reichen die letzten Stunden" entgegnete ich. "Sag mal Christiane..." fing ich an "warst du schon mal so richtig verliebt?" Sie fing an zu lächeln: "Ja mehrmals, warum fragst du." Ich hatte plötzlich keine Lust mehr auf ein Gespräch: "Du hast recht, ich sollte schlafen" Sie schaute mich etwas verwundert an und ging zur Tür: "Wenn was ist, dann rufst du mich, ja" Ich drehte mich um: "Ok". Sie war kaum 10 Sekunden aus dem Zimmer, als ich aufstand und den Tee in den Abfluss der Dusche in meinem Badraum kippte. Ich sah in den Spiegel. Ich sah wirklich nicht gut aus. Ich war blass. Ich schaltete meinen Computer ein und begann nach der Telefonnummer von Mike zu suchen. Ich musste sie nicht lange suchen. Es gab nur einen Eintrag.
Mit zittrigen Händen wählte ich die Nummer. Doch nach dem ersten Klingeln legte ich wieder auf. Das bringt nichts, dachte ich mir. Bei meinem jetzigen Zustand würde ich sicherlich alles vermasseln. Ich brauchte zunächst einmal einen Plan. Ich muss irgendwie zu ihm Kontakt aufnehmen. Telefon ist blöd. Über was soll ich mich mit ihm unterhalten? So werde ich ihn nie für mich gewinnen können. Ich hatte keine Lust mir weiter den Kopf zu zerbrechen. Ich hatte sowieso Kopfschmerzen. Obwohl ich gar nicht mehr müde war legte ich mich ins Bett und schlief irgendwann ein.
Ich wachte auf . Die Kopfschmerzen waren fast weg. Christiane kam herein und fragte: "Wie geht es dir heute? "
"Sag mal, beobachtest du mich die ganze Nacht?, Wie schaffst du es, immer genau 10 Sekunden nachdem ich aufwache ins Zimmer zu
kommen ? " sagte ich. Das hat mich echt verwundert, mir fiel das in dem Moment zu ersten Mal bewusst auf. Sie lachte und sagte: "Ich habe schon mehrmals nach dir geschaut. Ich muss doch wissen wie es meiner kleinen Prinzessin geht. Aber du hast geschlafen wie ein Murmeltier." Sie wusste genau, das ich es nicht mag wenn sie mich Prinzessin nennt. Und klein bin ich schon lange nicht mehr. Gewöhnlicherweise sagte ich darauf immer etwas, um sie zu ärgern. Nicht um sie wirklich zu ärgern, aber wir führen manchmal lange Diskussionen um mehr oder weniger sinnvolle Themen und hauen uns so manche Dinge an den Kopf. Wir haben beide Spaß daran.

"Ist denn das Frühstück für die Prinzessin fertig " fragte ich und sah sie dabei besonders unschuldig blickend an. "Na dir geht es ja wirklich schon besser, morgen kannst du wieder lernen." meinte sie.
"Oh, dazu fühlt sich die Prinzessin nicht in der Lage, außerdem muss die Prinzessin ihre persönlichen Interessen wahrnehmen." weiter kam ich nicht.
Sie fiel mir ins Wort: " Wenn Prinzessin ihre geistigen Tiefflüge beendet hat, das Frühstück steht bereit." Sie ging aus dem Zimmer.
Ich ging erst mal in mein Badezimmer und drehte die Dusche auf.
"Verdammt" schrie ich, "das ist ja eiskalt !" Christiane kam ins Zimmer hereingestürzt als wäre sie vor einem Monster auf der Flucht: "Was ist los?"
"Das Wasser ist eiskalt." Sie reichte mir ein großes Handtuch. "Man musst du hierein kommen, wenn ich unter der Dusche stehe ?" giftete ich sie an.
"Ich werde dir schon nichts weggucken. Dusche unten, unten ist das Wasser warm" entgegnete sie. "Ich will aber sofort hier und jetzt warmes Wasser !" sagte ich trotzig. Aber sie war schon wieder aus meinem Zimmer verschwunden. "Verdammt, verdammt noch mal, das kann doch alles nicht sein." Nach dem Frühstück hatte ich Zeit. Christiane ging einkaufen. Mir hatte sie verboten vor den Computer zu gehen, ich müsse mich schließlich noch schonen. Also ging ich vor den Computer und suchte nach Hackerclubs. Mir kam damals die blödsinnige Idee so einem Club beizutreten um eventuell damit Mike zu imponieren. Nach fast zwei Stunden hatte ich geglaubt gefunden zu haben, wonach ich suchte.

WHILE LOOP hieß die Vereinigung. Die Webseite sah nicht sonderlich legal aus. Aber was mich neugierig machte waren folgende Sätze: Wir sind auch in deiner Nähe. Wenn Du würdig bist und nachfolgendes Kennwort knacken kannst erhältst Du weitere Informationen.
Was am Anfang so einfach aussah, erwies sich als echte Herausforderung.
Zumal machte Christiane einen Aufstand als sie mich vor dem Computer sah. Ich unterbrach meine Arbeit, als sie drohte Doktor Seidel anzurufen.
Nach dem Mittagessen - es gab Spagetti mit Tomatensoße - konnte ich mich wieder der Webseite widmen. Ich hatte Christiane überzeugen können , das es mir besser geht und sie auch mal an die Sommerferien denken soll, in denen ich sicherlich nicht meinen Eltern gegenüber erwähnen werde, das ihr Freund hier paar Nächte übernachten wird.
"Woher weißt du das , du Schnüfflerin?" frage sie böse: "Das ist ja Erpressung !, Ach meinetwegen mache was du willst, irgendwann bekommst du eckige Augen vom Computer und sage nicht ich wäre dran schuld."
Ich fand es immer lustig, wie sie mit ihrem französischem Akzent schimpfte. Ich konnte dabei nie ernst bleiben.
Ich brauchte noch fast drei weitere Stunden, bis ich endlich die schwierige Aufgabe gelöst hatte. Ich war schon drauf und dran es aufzugeben. Schließlich war ich dann doch froh, das ich das nicht getan habe.
Viel Aufregendes bot die Seite nicht. Außer einer weiteren Aufgabe und einer Liste mit Orten war nichts zu finden. Nürnberg stand mit auf der Liste. Doch weitere Informationen über Treffpunkte oder Anschriften konnte man nur erfahren, indem man die zweite Aufgabe löste. Diese war nach einem völlig anderen Schema aufgebaut. Ich schaffte sie in 30 Minuten und kam endlich zur Aufnahmeseite für neue Mitglieder.
Ich füllte den langen Antrag aus. Weder nach richtigem Namen, oder Adresse wurde gefragt, dafür mussten aber verschiedene andere Fragen beantwortet werden. Bei einer Frage nach der politischen Haltung überlegte ich ziemlich lang. Als Nickname wählte ich A5 aus.
Ich klickte auf 'Absenden'. Es erschien eine Meldung das ich bald eine E-Mail erhalten werde.

Kapitel 4 - In der Höhle des Löwen

Wochenende

In meinem Postfach fand ich tatsächlich eine Mail von dem besagten Club vor. Ich wurde zu einem Treffen schon am selben Tag um 17 Uhr eingeladen. Ich suchte zunächst einmal im Stadtplan die Strasse heraus. Na toll, dachte ich. Das ist ja nicht gerade in meiner Nähe. Ich überlegte wie ich am besten dorthin kam. Die Überprüfung meiner Sparbüchse ergab, das ich mir ein Taxi leisten konnte. Cristiane rief mich zum Mittagessen.
Wenn wir allein waren, speisten wir meistens nicht im Salon, sondern in der Küche. Hier fand ich es gemütlicher. Oft saßen wir nach dem Essen noch lange am Tisch und unterhielten uns. Sie erzählte oft von ihrer Heimat. Sie stammte aus dem Süden Frankreichs. Ich hörte ihr gern zu wenn sie mit ihrem französischen Akzent wehmütig über ihre Familie sprach und jedes Mal sagte: "Ös isst schon ain Jammer, isch sehe sie so selten." Sie war als Au pair vor 5 Jahren nach Deutschland gekommen. Meine Eltern waren von Ihr so begeistert gewesen das Sie sie danach als Haushälterin eingestellt hatten. Christiane fühlte sich hier wohl, soweit ich das einschätzen konnte.
Auch wenn sie immer darüber jammerte, ihre Familie nur so selten zu sehen. "Schau mich an, wie oft ich meine Eltern sehe." versuchte ich sie zu trösten. "Ja, Du bischt auch zu bedaurn." sagte sie. "Achwo, ich fühle mich pudelwohl." Nach dem Essen ging ich auf mein Zimmer und bereitete mich auf das Treffen vor, indem ich meinen Kleiderschrank durchwühlte. Ich betrachtete mich im Spiegel. Ich sah nicht im geringsten wie ein Hacker aus. Viel zu brav ! Ich suchte mir ein Tuch raus. Nein das passte nicht.
Das Basecape passte besser zu diesem Image. Ich band meine Haare zusammen. Mit dem Basecape auf dem Kopf war kein einziges Haar mehr zu sehen. Dazu zog ich ein weites Sweatshirt an und eine enge Jeans. So sah ich erstmal ziemlich verändert aus. Ich war mit dem Ergebnis zu Frieden. Nur wohin mit dem Handy? Ich rannte die Treppe herunter zu Christiane : "Sag mal du hast doch so eine Gürteltasche." "Wie hast Du dich den hergerichtet?" fragte sie mich erstaunt. "Frage jetzt nicht, hast du sie nun?" Sie ging in ihr Zimmer und brachte mir nach kurzer Zeit die Tasche. So sah ich fast perfekt aus. Ich packte mein Handy in die Tasche.
Dazu 150 Mark und eine leere Diskette, sowie ein Streamband. Ich bestellte mir auf 16 Uhr ein Taxi. Ich wollte mir vorher dort die Gegend noch etwas anschauen. Christiane meckerte rum, als ich ging. "Wo gehst Du jetzt schon wieder hin ?" Die Fahrt dauerte wider Erwarten gar nicht so lang. Ich bezahlte 37 DM und war 16.21 Uhr da. Ich lief die Strasse ein paar mal auf und ab. In der Hausnummer 21 sollte das besagte Treffen stattfinden. Die Häuser sahen ziemlich verkommen aus und viele Wohnungen standen leer wie man unschwer an den fehlenden Gardienen erkennen konnte. Das Haus mit der Nummer 21 hatte eine Besonderheit gegenüber den anderen Hauseingängen: Neben der großen alten Tür, gab es eine Treppe die entlang des Hauses 8 Stufen tief zu einer zugenagelten, höchstens 1,50 Meter hohen, Tür führte. Die Treppe sah so aus, als wäre die letzten 50 Jahre keiner mehr auf ihr gelaufen. Zwischen den Ritzen wuchsen Löwenzahn und Brennnesseln. Die unteren Fenster des Hauses waren sowie rechts, wie auch links vom Eingang zugeklebt. Auf der rechten Seite mit schwarzer Folie. Auf der linken Seite waren die Fenster mit alten Werbeplakaten zugeklebt. Das kann ja heiter werden, dachte ich. Ich hatte ein mulmiges Gefühl. Ich hatte schon mehrere Sachen über solche Clubs gehört. Von kriminellen Vereinigungen bis hin zu sektenartigen Strukturen war die Rede.
Ich überlegte ernsthaft ob ich umkehren sollte. Nicht mal ein Ladengeschäft gab es auf der Strasse. Das einzige was an die Zivilisation erinnerte war ein Zigarettenautomat, der auch recht neu aussah. Und natürlich das Auto. Ein BMW 750. Das einzige Auto auf dieser Straßenseite. Es war kurz vor 17 Uhr. Jetzt oder nie dachte ich und wollte die Tür öffnen. Kurz bevor ich die Hand an der Türklinge hatte vernahm ich das Summen eines Türöffners.
Ich zuckte zusammen, das hatte ich nicht erwartet. Der Hausflur sah noch verkommener wie das Haus von außen aus.
Im Hausflur ging es zunächst drei Stufen nach oben. Rechts befanden sich drei Türen und links hingen neun Briefkästen aus Holz. Die Klappen der Briefkästen standen alle offen. Ich überlegte an welche Tür ich klopfen sollte, da vernahm ich an der zweiten Tür wieder das vertraute Geräusch eines Türöffners.


Das Geräusch verstummte für eine Sekunde noch ehe ich an der Tür war um danach von neuen zu beginnen. Ich trat ein. Was ich sah konnte ich nicht glauben. Der Raum war ca. 50 qm groß. Hell durch Leuchtstoffröhren erleuchtet. Der Fußboden bestand aus Parkett. Ich zählte mindestens zwanzig Computer die mit unzähligen Kabeln verbunden waren. Dicke Kabelbäume liefen auch an den Wänden und der Decke entlang. Die Tische waren U-förmig aufgebaut. In der Mitte des Raumes stand eine Spanische Wand die voll mit Notizzetteln beklebt war. Es befanden sich neun Leute im Raum. Alle saßen vor Computern. Wie ich sah , war ich nicht die einzige mit Basecape. Auch ein Mädchen , ca. 19 Jahre alt, saß vor einem der Computer. Einige schätze ich auf 23. Ein Junge, der vielleicht 14 oder 15 war, sah gar nicht übel aus. Ein anderer kam auf mich zu, gab mir die Hand: "Hallo, du bist A5 ?" Ohne das ich Zeit zum Antworten gehabt hätte sprach er weiter: "Schön, das Du da bist. Ich bin Aikira. Richtige Namen brauchen dich hier nicht zu interessieren. Du hast dich schon in der Gegend umgeschaut, das ist gut, wir brauchen nur aufmerksame und kluge Köpfe." Er machte eine Kopfbewegung in Richtung der zugeklebten Fenster. Jetzt erst sah ich vier Überwachungsmonitore die die Strasse und den Hauseingang zeigten. Er sprach weiter: "Du bist die jüngste, das soll dich aber nicht stören. Du kannst stolz sein, von den 2000 Versuchen pro Monat schaffen es höchstens zwei." Sollte das ein Witz sein? dachte ich? Oder alles Taktik? Auf einem der Computermonitore liefen pausenlos Zahlenreihen durch. Er bemerkte meinen Blick: "Das läuft schon seit drei Tagen, in höchstens 12 Stunden haben wir es." Ich wusste zwar nicht was sie in 12 Stunden haben, warf ihn allerdings einen interessierten Blick zu , als ob ich genau weiß um was es geht. "So setz dich mal hier hin." Er schob mir einen Bürosessel an einen Tisch. Auf dem Monitor vor dem Tisch lief ein Bildschirmschoner: Der Stärkste ist am mächtigsten allein. Das verstand ich nicht, wo sie doch alle hier in einer Gruppe arbeiteten. Die anderen schienen von mir keine Notiz zu nehmen. Nur der ca. 14- jährige Junge schielte ab und zu zu mir herüber. "Pass auf. Du bist ja nicht dumm, wie du bewiesen hast. Du nimmst dir jetzt mal diesen Server vor". Er schob mir einen Zettel mit einer IP zu. "Ich möchte volle Zugriffsrechte. Mal sehen wie lange du brauchst". Ich hatte bisher noch kein einziges Wort gesprochen. Was ich hier sah konnte ich alles nicht glauben. Es war eine seltsame Atmosphäre. Selten sprach jemand. Aikira stellte mir eine Büchse Cola hin: "Also fang an, viel Erfolg." Prima dachte ich, noch eine Prüfung.
Vor allem glaube ich nicht daran, das ich das schaffen werde. Ich probierte mehrere Methoden aus, wie ich auch schon zuhause vorgegangen bin. Nichts schien zu klappen. Ich wurde nervös. Auf dem Bildschirm öffnete sich ein Fenster mit folgenden Text: "Hallo, süße Neue". Ich sah mich im Raum um. Keiner sah zu mir. Ein weiterer Text erschien: Gebe deine Laufwerk C frei, ich helfe Dir. Meine Hände zitterten. Ich schaute zu Aikira, er saß an einem Rechner auf der anderen Seite des langen Tisches. Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf. Wenn er nun...? Ich sah noch mal zu dem Jungen. Hatte er mir mit dem Auge zugezwinkert oder habe ich mir das eingebildet? Ich gab das Laufwerk frei. Nichts passierte. Immer wieder schielte ich zu Aikira. Nach endlosen drei Minuten erhielt ich wieder einen Text mit einem Benutzernamen und einen Kennwort. Ich trennte die Laufwerksfreigabe, lehnte mich zurück und verschränkte die Arme. Nach ca. 5 Minuten kam Aikira zu mir: "Du bist schnell, das ist gut.
Wir treffen uns morgen um 22 Uhr, dann sind wir ungestört und ich kann dir mehr erzählen. Für heute ist es gut, du hast bestanden." Er gab mir die Hand. "Ach ja, Handys funktionieren hier nicht." Er zeigte auf einen Kasten in der Größe einer Zigarettenschachtel der neben der Tür befestigt war.
"Ein Störsender" Ich holte mein Handy heraus. Tatsächlich, kein Netz. Er lächelte: "Bis morgen". Wieder sagte ich nichts. Ich hatte die ganze Zeit geschwiegen. Als ich zur Tür hinaus ging schaute mir der Junge noch einmal hinterher. Draußen auf der Strasse holte ich erst einmal tief Luft. Ich schaute auf mein Handy. Hier war wieder Empfang. Ich rief ein Taxi. Ich war froh als es nach 10 Minuten kam. Auf der Fahrt überlegte ich wie ich unbemerkt um diese Zeit an einem Sonntag hier her kommen sollte.
Wenn Christiane das bemerkt wird sie meine Eltern anrufen. Ich konnte gar nicht mehr klar denken. Ich wunderte mich nicht einmal darüber das ich für die Heimfahrt nur 29 DM bezahlte.

Kapitel 6 - Tina



Ich war noch nicht ganz zur Haustür hereingegangen, als mich schon Christiane mit einer Moralpredigt empfing. Ich hörte einfach zu ohne was dazu zu sagen. Christiane verwunderte das, weil sie das ganz und gar nicht gewohnt war. Aus diesem Grund dämpfte sich wahrscheinlich ihre Stimme. "Was hast du ?" frage sie schließlich. Ich winkte einfach ab und ging in mein Zimmer.
Ich lag noch ziemlich lange wach. Der Unterricht am nächsten morgen nervte mich. Ich konnte mich weder konzentrieren noch konnte ich still sitzen. Herr Richter bemängelte wieder mal meinen Lerneifer und sprach mich wie immer mit Sie an: " Wie sie wissen, werden Sie ab dem nächsten Schuljahr eine öffentliche Lehranstalt besuchen. In Anbetracht ihres jetzigen Leistungsstand kann ich allerdings eine Einstufung in eine ihren Alter entsprechende Klasse nicht befürworten. Es sei denn, sie ändern ihre Einstellung ab sofort..." Er sprach wie wichtig es ist zu lernen. Ich sah ihn an aber hörte nicht zu. Meine Gedanken waren bei Mike. Mir kam alles wie ein Traum vor. Ich war müde. Nach dem Mittagessen legte ich mich ins Bett und wachte erst gegen 17 Uhr auf. Die nächsten Tage vergingen ohne irgendeine Besonderheit. Draußen fiel der erste Schnee und nun kam der Moment wo ich das erste Mal bewusst meine Eltern vermisste. Zu Christine herrschte zur Zeit ein eisiges Verhältnis. Wir sprachen nur das notwendigste miteinander. Meine Stimmung passte zu dem Wetter. Am Freitag Nachmittag veränderte ein Brief meine, sowie Christianes schlechte Laune. Meine Schwester hatte geschrieben. Sie schrieb das sie einen Studienplatz in München erhalten hat und schon am Sonntag zu Hause sein wird. Auf einmal war alles zwischen mir und Christiane vergessen. Sie erzählte aufgeregt was sie noch alles tun müsse. Ihr Zimmer herrichten und einen Kuchen müsse sie backen. Auch ich konnte kaum den Sonntag abwarten und war froh bald meine Schwester wieder hier zu haben.
Am Nachmittag rief meine Schwester sogar an und sagte mir das sie schon Sonntag früh kommen würde.
Ich freute mich wie ein kleines Kind. Christiane meckerte nicht mal das ich die Anlage im Salon ziemlich laut drehte ". ...If you want, then start to laugh If you must, then start to cry , Be yourself don't hide Just believe in destiny..." Ich saß im Sessel und freute mich einfach. Selbst als ich für einige Augenblicke an das kaputte Auto dachte, blieb meine Freude ungetrübt. Meine Schwester würde mir schon helfen. "....That's not the beginning of the end That's the return to yourself The return to innocence..." Da ich nicht genau wusste wann ich am Samstag in den Club kommen sollte, ging ich einfach am Nachmittag hin, traf dort allerdings niemanden an. Die Tür war verschlossen. Mich wunderte das zwar, aber ich freute mich so auf meine Schwester das mir im Moment alles andere egal war. Ich setzte mich abends an den Computer und suchte ein paar Artikel über Mike heraus. Ich wäre am liebsten die ganze Nacht aufgeblieben. Ich legte mich aufs Bett und las eine Zeitschrift. Irgendwann musste ich eingeschlafen sein.
"Eh was ist das für eine Begrüßung ?" Ich bekam ein Kissen an den Kopf geworfen. Dann hörte ich Tina,meine Schwester lachen. Ich sprang aus dem Bett und umarmte sie. Dann setzte sie sich auf's Bett und wir redeten bis Christiane uns zum Kaffe rief. "Christiane du brauchst heute nichts zu kochen" sagte Tina. "Ich lade euch zum Essen ein."
Kurz vor halb zwölf fuhren wir dann mit Tinas klappriger Ente los. Christiane hatte sich auf den Hintersitz gezwängt. Meine Schwester liebte dieses Auto und war ihm trotz großzügiger Angebote unseres Vaters treu geblieben. Sie störte es nicht, das die Scheiben ständig anliefen. Das Radio hatte Mühe das Motorgeräusch zu übertönen. Die Temperatur im inneren übertraf die der Außentemperatur nur unwesentlich. "Mensch Tina, kauf dir bloß ein anderes Auto." sagte Christiane mit zittriger Stimme. Ihre Nase war ganz rot. Ich und Tina lachten. Christiane hatte Recht. Es war saukalt. Und lange würde es die Ente nicht mehr machen. Es gab nur wenige Stellen an den das Auto nicht rostete. Genau genommen rostete es nicht an den Scheiben, den Reifen und am Verdeck.


Tina wusste anscheinend was ich gerade dachte: "Werde du erst mal so alt wie das Auto." Ne du, so alt wird kein Mensch" sagte ich lachend. "Meckert nicht rum. Hier sitzen wir trocken, ihr könnt ja auch laufen, wenn ihr wollt."
Wir wollten nicht. Tina fuhr uns natürlich nicht zu einer Gaststätte, sondern zu einer bekannten Schnellimbisskette. Sie war, meinen Eltern zum trotz, immer das einfache Mädchen geblieben. Manchmal gab es einen riesengroßen Krach mit meinen Eltern, wenn sie auf einer Feierlichkeit mit Jeans erschien. So wie die Einstellung zu ihrem geliebten klapprigen Auto, war auch ihre Einstellung zu ihren Leben. Anders als ihre Freundinnen trug sie keinen teuren Schmuck und keine Designerklamotten und hielt nichts von Markenprodukten. Sie war immer mein großes Vorbild. Was sie gut fand, gefiel auch mir. Angefangen von der Musikrichtung bis hin zum Geschmack was Jungs anbetrifft. Auch das Essen im besagten Schnellrestaurant hielt ich für angebrachter als in einen der teuren Restaurants der Innenstadt in denen man sich an gewisse Verhaltensregeln halten muss um nicht schief angesehen zu werden. Das Aufenthalt im MCD
war immer sehr lustig. Christiane versuchte zwar immer sich an ihren guten (gelernten) Verhaltensregeln zu erinnern, aber kam jedoch ab und zu gänzlich davon ab. Nachdem wir unser Essen hatten und es uns bequem gemacht hatten suchten sich Tina und Christiane erst mal ein männliches "Opfer" aus, mit denen sie dann hemmungslos flirteten. Dumme Bemerkungen über mein Alter und meiner Unerfahrenheit kamen dadurch natürlich nicht zu kurz, was mich allerdings nie störte. Ich hörte den beiden gerne zu. Es war jedes Mal ein Erlebnis. Nach dem Essen rauchte meine Schwester und kam der Aufforderung eines ziemlich jungen Angestellten, das Rauchen einzustellen , nicht nach. Meine Schwester fing wieder mit ihrer "Auslandsmasche" an. Da sie fließend spanisch reden konnte spielte sie den sichtlich genervten Angestellten eine nichts,-aber rein gar nichtsverstehende Spanierin vor. Christiane bog sich vor lachen und fing an französisch zu reden. Der Angestellte ging schließlich einfach und wir hatte den ganzen Nachmittag was zu lachen.
Zu Hause angekommen, hielt ich den Zeitpunkt für günstig um Tina die dumme Sache mit dem Auto zu sagen. Anstatt auch nur ansatzweise mich auszuschimpfen fing sie wieder an zu lachen. Sie ging in die Garage und als sie die Delle sah lachte sie noch mehr. "Da bist du aber nicht weit gekommen..." sie lachte so sehr das sie Mühe hatte einen Satz heraus zu bringen. Obwohl ich das ganze gar nicht so lustig fand musste ich nun auch lachen. "Weißte was..." sagte sie. Und ich dachte es kommt ein ernsthafter Vorschlag. Statt dessen erzählte sie weiter: "Christiane wird uns einen schönen Teig anrühren und den schmieren wir dann in die Delle..." Nun konnte ich auch nicht mehr vor lachen. "Also gut" sagte sie nach einer Weile. " war ja zum Glück nicht mein Auto. Ich bringe den Schrotthaufen morgen in die Werkstatt." Mir fiel ein Stein vom Herzen. Ich hätte sie in diesen Moment am liebsten umarmt. Manchmal bedauere ich es heute, das ich ihr nie gesagt hatte, was sie mir bedeutet hat und wie sehr ich sie geliebt habe. Ich glaube eine bessere Schwester kann man sich nicht wünschen.
Den Abend verbrachten wir damit unsere Zimmer umzuräumen. Wir zogen in das große Doppelzimmer am Ende des Flurs. Es bestand aus zwei großen Räumen. Diese waren nur halbseitig durch eine Wand abgeteilt. Das gemeinsame Badzimmer befand sich rechts neben der Tür. "Aber wenn ich mal nen Kerl anschleppe, dann gehe ich in ein anderes Zimmer" sagte Tina. "Ja, wenn. Aber dann bin ich ja schon alt und wohne bestimmt nicht mehr hier." sagte ich lachend. "Und du, kleine, hast du schon was in Aussicht?, Biste immer noch Jungfrau? " konterte sie zurück. Von Mike erzählte ich ihr nichts. Christiane kam herein mit den Vorschlag Monopoly zu spielen. "Haben die Angestellten nun auch schon was zu sagen ? " sagte Tina im Scherz. "Ok, tun wir ihr den Gefallen." Das wird bestimmt wieder lustig, dachte ich. "Aber lass sie gewinnen, sonst kündigt sie noch und macht uns nicht den Teig für das Auto" lachte Tina weiter. Später klärte Tina Christiane über die Sache mit dem Auto auf.

Kapitel 7 - Flucht



Am Mittwoch war das Auto fertig repariert. Die Rechnung war mit über fünftausend Mark nicht sonderlich günstig. "Das war ne teure Fahrstunde gewesen" sagte sie zu mir. Jedes Mal wenn wir auf das Auto zu sprechen kamen fing sie an zu lachen. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen wo es die Stelle zum lachen gab. Vielleicht sieht man das als Außenstehender anders. Und obwohl Tina gerade die Rechnung bezahlt hatte, hatte sie Ihre helle Freude. Immer wieder fing sie an: "Schade das hätte ich zu gern gesehen." Ihr machte es Spaß mich damit aufzuziehen: "Weißt du was, du zeigst mir das dann noch mal wie du das geschafft hast. Die Eltern kommen erst in zwei Wochen heim, zwei Tage dauert die Reparatur, also kannst du es mir sogar noch siebenmal zeigen." "Wir könnten gleich noch ne Spritztor machen" sagte Sie als wir die Werkstatt verlassen hatten. Wir begutachteten das Auto von allen Seiten. Es war wirklich nichts mehr zu sehen. Sie fuhr ziemlich zügig in Richtung Zentrum. "Meine Ente ist mir lieber" sagte sie mehr als einmal. Nach einem Einkaufsbummel sagte sie: "Ich habe ne Idee." Sie verriet mir nicht um was es ging fuhr auch nicht die Richtung aus der wir gekommen waren. Schließlich kamen wir auf einen ziemlich großen Platz an. "So hier kannst du mir mal zeigen wie du fahren kannst" sagte sie. Ich blickte mich um. Außer ein paar Stapel Holzpaletten am Rande des Platzes war nichts was mir hätte in den Weg kommen können. "Ich weiß nicht, Vater bringt mich um , wenn er das rausfindet." sagte ich. "Mach halt, wir haben ja noch zwei Wochen Zeit für Reparaturen" sagte sie in einem Ton, an dem ich schon wieder ihr unterdrücktes Lachen heraus hörte. Wir tauschten die Plätze. Tina erklärte mir zunächst einiges. Das ging es los. Ich startete den Motor. "Nicht soviel Gas" sagte sie. Es gab einen Ruck und dann standen wir. "Naja, zumindest die Richtung hat schon mal gestimmt." sagte Tina. Das ging dann noch drei Mal so. Dann fuhr ich die ersten Meter. Tina saß da, also schaute sie einen spannenden Film an. Sie gab immer neune Anweisungen: "Schau du nach vorn, jetzt lenken, mehr Gas, langsamer." Das Fahren machte mir großen Spaß. Ich hätte noch stundenlang so weiter fahren können. Als es langsam dunkel wurde, tauschten wir wieder die Plätze und wir fuhren heim. Christiane hatte das Abendessen bereits fertig.
Kurz nach dem Essen bekam ich eine SMS. Sie war von Aikira ! Der Inhalt der SMS bestand aus einer Nummer: 458177. Da ich mit dieser nichts anfangen konnte, schrieb ich eine SMS zurück. Nach fast zwei Stunden hatte ich immer noch keine Antwort erhalten. Ich fasste meinen ganzen Mut zusammen und wählte seine Nummer. "Der gewünschte Teilnehmer ist vorübergehend nicht zu erreichen..." Tina kam ins Zimmer : "Komm mal mit, das musst du dir ansehen.." Ich rannte ihr hinterher. Sie ging in den Keller, am Partyraum vorbei und schließlich zum Pool. Sie stand am Beckenrand und schaute ins Wasser. Ich stellte mich daneben und schaute auch, konnte aber nichts auffälliges feststellen. "Wieso, was ist ?" fragte ich. In diesen Moment bekam ich auch schon einen Schups und landete im Wasser. "Wird Zeit das wir mal wieder um die Wette schwimmen" sagte sie. "Na warte !" sagte ich während Tina sich einen Bikini anzog. "Na hör mal: Eine Strafe musst du ja bekommen, wenn Du das Auto zu Schrott fährst." Sie sprang ins Wasser. "Ok, dann sind wir quitt, ich wette das ich sogar mit Klamotten schneller schwimme als Du ohne.." Wir sind oft um die Wette geschwommen, ich hatte immer gewonnen. Das war so ziemlich das einzigste, in was ich meiner Schwester überlegen war. Doch diesmal war sie wirklich schneller. Am Abend lagen wir noch lange wach im Bett und erzählten lange miteinander. Tina sprach von einen Jungen, den sie kennen gelernt hatte. Durch die Balkontür konnte ich den sternenklaren Himmel sehen. Ich schloss die Augen und dachte an Mike. Irgendwann vernahm ich nur noch stellenweise das was Tina erzählte. Immer weiter schien sich ihre Stimme zu entfernen. In einen Zustand voller Zufriedenheit schlief ich ein.
Die nächsten zwei Wochen vergingen wie im Flug. Ich hatte Aikira immer noch nicht erreicht. Zweimal war ich zum Club gegangen und hatte niemanden angetroffen. Das Wochenende stand vor der Tür. Meine Eltern kamen, völlig unerwartet schon am Freitag Vormittag nach Hause. Der weitere Unterricht an diesem Tag fiel dann aus. Anders als ich vermutet hatte, erzählte Herr Richter meinen Eltern von meinen guten Lernergebnissen bei einer Tasse Tee. Ich hätte mich beinahe verschluckt. So ein Schleimer, dachte ich. Über die Studienplatzzusage von Tina freute sich mein Vater am meisten. Obwohl er in der Garage war, hatte er nichts von dem reparierten Schaden am Auto gemerkt. Kurzerhand beschlossen meine Eltern, besser gesagt mein Vater die nächsten zwei Wochen zu Hause zu bleiben. Meine Mutter konnte er dann auch überzeugen. Ihren Einwand : "Jetzt im alten Jahr kann ich nicht freimachen, ich werde auf jeden Fall gebraucht, ausgerechnet jetzt wo Gisela krank ist..." wiederlegte er :" Schatz, ich weiß zwar das du unersetzlich bist für deine Familie, aber dein Chef wird jetzt mal ohne dich auskommen müssen. Wir sehen uns viel zu wenig alle."
Wenn ich die letzten Jahre zurückdenke hat er damit mehr als recht. Oft habe ich darüber nachgedacht, ob es in ihrer Beziehung kriselte. Wer geht sich schon freiwillig ständig aus dem Weg? Jedenfalls wenn es so ist, dann verbergen sie es sehr gut. Vielleicht aus Rücksicht zu mir? Ich habe mit meiner Schwester nie darüber gesprochen.
Wenn ich mir heute eine Zeit zurückwünschen könnte, so wäre es sicherlich diese damals. Wir führten in den zwei Wochen ein richtiges Familienleben. Mit gemeinsamen Frühstück und wir unternahmen sogar sehr viel gemeinsam. Wir hatten viel Spaß und in dieser Zeit dachte ich sogar weniger an Mike. Ich war bisher keinen Schritt weiter. Außer das ich in einen Club eingetreten bin, der sich in Luft aufgelöst zu haben schien und einer Telefonnummer von Mike hatte ich nichts.
Meine Eltern reisten nach den zwei Wochen wieder ab und wollten spätestens Anfang Dezember wieder da sein. Ich wollte die Zeit nutzen um mich mehr auf das lernen zu konzentrieren. Tina half mir dabei. Meine Leistungen wurden schon nach kurzer Zeit besser. Draußen fiel der erste Schnee. Da Tina mir zweihundert Mark gegeben hatte, fuhr ich an einem Mittwoch mit einem Taxi zum Club. Doch die Strasse war abgesperrt. Ich bezahlte und stieg aus. Vor dem Gebäude mit der Hausnummer 21 stand ein Feuerwehrauto. Zwei Polizeiautos versperrten den Zugang zur Strasse. Das Feuer war schon gelöscht. Die Luft war noch voller Qualm. Ich schaute noch einige Minuten zu. Ein dicker Polizist befragte einen noch dickeren Mann. Dieser hatte bei der Kälte nur ein T-Shirt an, welches sich um seinen Bauch spannte. Er fuchtelte mit seinen dicken Armen herum und zeigte mehrmals auf die verkohlten Fensterrahmen in denen die beklebten Fensterscheiben gewesen waren. Da ich nicht näher heran konnte, konnte ich nicht hören was er sagte. Plötzlich schaute er zu mir herüber und zeigte auf mich. Mir blieb fast das Herz stehen. Ich drehte mich ganz langsam um und rannte die Querstrasse hinauf. Ich drehte mich mehrmals um, niemand folgte mir. Ich rannte weiter. Mein Hals war ganz trocken. Immer wieder drehte ich mich um. Ich war fast oben angekommen, drehte mich noch einmal um und sah langsam ein Polizeiauto die Strasse herauffahren.
Ich spürte meine Beine gar nicht mehr. Ich hatte wahnsinniges Seitenstechen und bekam fast keine Luft mehr. Mein Herz pochte wie wild.
Ich rannte die nächste Querstrasse rechts weiter. Als ich mich wieder umdrehte wäre ich fast gegen eine Laterne gerannt. Jetzt müsste das Polizeiauto die Kreuzung erreicht haben, wenn es mit der Geschwindigkeit weitergefahren ist, dachte ich. Ich überlegte ob eine der Haustüren offen sei. Im Falle, das sie verschlossen sind hätte ich allerdings zu viel Zeit verloren. Es gab einige Ladengeschäfte. Ganz vorn auf der nächsten Querstraße sah ich eine Apotheke. Vielleicht folgen sie auch gar nicht mir, versuchte ich mir einzureden. Es wurde langsam dunkel. Auf der andere Straßenseite sah ich einen schmalen Weg. Ich rannte über die Strasse. Jetzt haben sie mich gesehen, dachte ich. Das Polizeiauto war höchstens einhundert Meter von mir entfernt. Der Weg ging ziemlich steil nach oben machte einen Bogen. Plötzlich führten mehrere Stufen wieder nach unten. Ich wäre beinahe hingestürzt. Unten führte der Weg wieder auf eine Strasse. Ich schaute kurz nach links und nach rechts.
Kein Polizeiauto war zu sehen. Doch wohin? Ich wusste nicht mal wo ich war. Ich entschied mich für rechts und rannte weiter. Weiter vorn gab es Ladengeschäfte. Die nächste Querstrasse war belebt. Hier gab es viele Geschäfte. Ich ging in ein Modehaus und dort auf die Toilette. Ich glaube ich war noch nie so außer Atem wie in diesen Moment. Ich lehnte mich mit den Rücken an die Wand. Wieso war ich so blöd und bin weggerannt? Ich hatte doch gar nichts zu befürchten gehabt. Ist das Polizeiauto überhaupt mir gefolgt? Ich kam auf keine Lösung. Wenn sie nun eine Adresse von mir gefunden haben? Hatte mich der Dicke vielleicht gesehen, als ich in den Club gegangen bin? Ich verdrängte den Gedanken. Vielleicht war die Polizei auch schon bei mir zuhause? Schnell holte ich mein Handy raus. Ich wählte die Nummer meiner Schwester und legte wieder auf. Vielleicht ist die Polizei wirklich schon da. Vielleicht nehmen sie den Rechner mit. Die Daten ! Wenn sie den Rechner haben, finden Sie Verbindungen zu den Club ! Auch ein paar gehackte Zugangskennwörter befanden sich auf dem Rechner. Ich war immer noch völlig außer Atem, ging aber trotzdem hinauf auf die Strasse. Ich fror. Ich lief die Strasse langsam weiter. Hier war ich schon mal mit meiner Freundin Eis essen gewesen. Hier kannte ich mich aus. Ich rief meine Schwester erneut an. Sie klang nicht so , als wäre etwas passiert. Zum Glück, dachte ich. Ich fragte, ob sie mich abholen könne. Es dauerte fast dreißig Minuten ehe Tina angelaufen kam. Sie hatte das Auto in einem Parkhaus abgeparkt. Ich fand es komisch , das sie mich nicht fragte was ich hier wollte. Noch vor dem Abendessen ging ich in mein Zimmer und löschte meine Festplatte. Nach dem Essen legte ich mich gleich ins Bett und hatte ständig das Gefühl das jeden Moment die Polizei klingeln würde. Doch nichts geschah. Gegen Mitternacht lag ich noch immer wach im Bett. Tina war mit einer Freundin ins Kino gegangen.
Ich konnte nicht schlafen. Noch einmal wählte ich Aikira's Nummer, ehe ich sie aus dem Handy löschte. Die Nummer die in der SMS stand schrieb ich mir auf und löschte auch die SMS.

Kapitel 8 - Die Falle



Die nächsten Tage lebte ich in ständiger Angst. Aber es geschah nichts. Am Donnerstag erhielt ich eine Mail mit folgendem Inhalt:

Hallo, ich denke wir sollten uns einmal treffen. Ich finde dich süß. Du weißt sicherlich wer ich bin. Falls Du Interesse hast so findest du mich heute um 16 Uhr vor dem Reitclub Marienberg. Jens
Jens hieß er also. Das konnte nur der Junge aus dem Club sein. Ich holte den Stadtplan hervor und suchte den Club. Ich habe ja wirklich immer ausgesprochenes Glück, dachte ich. Kann es nicht mal einen Treffpunkt geben, der wenigstens ansatzweise in meiner Nähe liegt ?
Wenn ich das schaffen will, muss ich ja gleich los. Ich überlegte was ich anziehen soll. Wenn es Sommer wäre hätte ich ein Kleid angezogen. Nur in der Kälte... Ich verbrachte die nächsten 20 Minuten vorm Kleiderschrank mit aus- und anziehen. Dann fuhr ich mit dem Bus, musste einmal umsteigen. Ich versuchte mir diesen Jens vorzustellen. Er kam schon von weiten auf mich zugelaufen. Ich hatte ihn anders in Erinnerung. Er hatte seine Haare ganz kurz. Er trug eine FILA-Jacke. "Hallo, schön , das du gekommen bist, ich hatte nicht daran geglaubt" sagte er. Er streckte mir seine Hand entgegen. "Hallo" sagte ich auch. Er sah ja wirklich nicht schlecht aus, stellte ich fest. Wir standen beide verlegen da. "Und nu ?" fragte ich. "Der Club ist abgebrannt" sagte Jens. "Ich weiß, ich habe es gesehen, aber hier ist es kalt wo gehen wir hin? " Er überlegte kurz. "Du hast recht, lass uns in ein Cafe gehen." Er kannte (reinzufälliger weise ?) eins welches gleich um die Ecke war. Er wollte wissen, was ich möchte. Ich wählte eine heiße Schokolade. Er bestellte dann zwei Stück. Nach anfänglichem Zögern kamen wir langsam ins Gespräch. Nach einer halben Stunde kam es mir vor, als kenne ich ihn schon eine Ewigkeit. Er wusste auch nicht wo Aikira abgeblieben ist und warum der Club abgebrannt ist. Ich wollte ihn fragen ob ihm die Zahlenkombination, welche ich per SMS erhalten habe, bekannt vorkommt. Doch ich hatte sie ja aus dem Handy gelöscht. "Hast du einen Freund ? " frage plötzlich. "Ja" log ich. Er schien dies wirklich zu bedauern, sprach davon wie gut es mein "Freund" hat, mich als Freundin zu haben. Man merkte es ihn an, das er verliebt war. Ausgerechnet in diesen Moment musste ich an Mike denken. Genau jetzt wurde mir klar das ich Mike richtig liebe. Ich versuchte an etwas anderes zu denken. Jens sprach aber ich konnte mich nicht konzentrieren und nickte nur ab und zu mit dem Kopf. "Also was hältst du davon? " frage er.
Ich wusste nicht mal was er meinte. "Ja nicht schlecht" sagte ich. "Was ?" er verstand nicht. "Also treffen wir uns wieder." Jetzt wusste ich nicht was er meinte: "Sorry, ich muss jetzt gehen" "Wann treffen wir uns wieder? " frage er. Ich wusste es noch nicht, ich wusste nicht mal ob ich ihn überhaupt noch mal treffen sollte. Ich fand ihn sehr nett und er sah auch gut aus. Aber ich hatte mich gerade in einen anderen verliebt, den ich nicht einmal kannte, der bestimmt 10 Jahre älter ist. Wir verabschiedeten uns vor dem Cafe. Ich musste versprechen, ihn anzurufen. Er gab mir einen Kuss auf die Wange und ging ohne sich noch einmal umzuschauen. Ich war so verduzt das ich noch einen Augenblick stehen blieb. Langsam schlenderte ich zum Bus. Ich beschloss jetzt endlich mal etwas zu unternehmen. Ich war bisher noch keinen Schritt weiter. Wer weiß wie viele andere sich schon bei Mike gemeldet haben. Ich muss ihn haben , dachte ich. Ich werde ihn einfach anrufen. Seine Nummer kannte ich schon auswendig. Plötzlich kam mir eine wirklich saublöde Idee. Doch der Akku vom Handy war leer. Also ging ich zur Bushaltestelle und fuhr nach Hause. Keiner war da. Tina hatte einen Zettel auf meinen Schreibtisch gelegt. "Wir sind einkaufen."
Ich wählte Mikes Nummer. Ich war total aufgeregt. Am anderen Ende der Leitung meldete sich jemand einfach mit "Ja?" "Ähm...ich wollte ihre Frau sprechen.. " fing ich an. "Da müssen sie falsch verbunden sein." Er sagte SIE zu mir ! "Sie sind doch Mike..., dann geben sie mir Ihre Freundin"

Er lachte: "Ja, also wenn Sie ...wie alt sind sie überhaupt ?, ...also wenn sie eine Frau gefunden haben, dann schicken sie sie ruhig bei mir vorbei. " Ich legte einfach auf. Ich war überglücklich. Er war nicht verheiratet ! Er war vielleicht sogar solo. Aber warum?? Ich hatte seine Stimme am Telefon gehört ! Ich hätte die ganze Welt umarmen können.

Aber noch wusste ich nicht, wie ich an ihn rankommen soll. So sehr ich auch darüber nachdachte, ich fand einfach keine Lösung. Vielleicht sollte ich einmal mit Tina darüber reden, dachte ich. In diesen Augenblick kamen Tina und Christiane auch schon. Beide schleppten mehrere Tüten. "Eh Kleene, schau mal was ich dir mitgebracht habe." Ich ging die Treppe runter und Tina drückte mir eine Tüte in die Hand. In der Tüte war ein Top. Es sah sehr gut aus. "Jetzt musste aber auch mal mit zur Disco gehen" sagte Tina. Ich zog das Top gleich mal an. "Passt ja prima." sagte Christiane. Nach dem Abendessen erhielt ich eine Mail von Jens. Er bedankte sich für den schönen Nachmittag und bat darum das ich ihn anrufe. Ich rief ihn nicht an,. Ich hätte ohne hin nicht gewusst was ich ihn sagen soll. Statt dessen schrieb ich ihm eine Mail zurück in der ich die Zahl aus der SMS mitteilte und ihn bat herauszufinden was es mit der Zahl auf sich hat. Nach ca. 10 Minuten kam eine Mail zurück. Er schrieb es sei eine codierte Nachricht von Aikira und es fehlen noch zwei dieser Zahlen. Die müssten noch kommen. Jetzt rief ich ihn an und wollte es genau wissen. Er freute sich wie ein kleines Kind zu Weihnachten, er erzählte mir, das jeder im Club eine Zahl hat. Diese sei von Aikira. Die eigentliche Nachricht müsse noch kommen, bzw. müsste normalerweise schon da sein.
Und tatsächlich kam zwei Tage später zwei SMS mit je einer Zahlenkombination. Als die zweite SMS kam, rief ich bei Aikira an. Und tatsächlich er ging ran. "Melde dich nicht mehr per Handy, das Wetter ist schlecht. Ich habe eine neue Wohnung für uns gefunden. Geschenke für Weihnachten habe ich auch schon. Was macht die Arbeit? Ich muss jetzt Schluss machen, die Bestellnummern für die Sportgeräte habe ich dir ja geschickt. Machs gut." Er legte auf. Ich kam gar nicht dazu etwas zu sagen. Ich verstand nichts von dem was er mir gesagt hatte, nur das ich nicht mehr anrufen soll. Ich schickte Jens die beiden anderen Nummern. Nach zwei Stunden rief ich an, weil ich noch keine Antwort hatte. Er war gar nicht zu Hause. Er versprach sobald er zu Hause ist, die Nummern zu decodieren und mir das Ergebnis zu senden. An diesem Tag erhielt ich keine Mail mehr. Dafür bekam ich am nächsten Morgen einen Anruf. Ich war gerade im Bad. "Sag mal, warum rufst du so zeitig an? " "Ich habe eine Neuigkeit. Wir haben einen neuen Club. Kann ich dich heute Nachmittag abholen? " Ich überlegte, nannte ihn dann meine Adresse. Wir verabredeten uns auf auf halb drei. Er kam schon zehn Minuten früher.
Ich bat ihn inzwischen im Salon Platz zu nehmen, während ich mich anzog.
Er war sichtlich vom Haus beeindruckt. Er war mit seinem Fahrrad da. Da ich nicht mit dem Fahrrad fahren wollte, stellte er seins am Haus ab und wir gingen zu Fuß los. Es war ziemlich weit. Nach dreißig Minuten waren wir da. Es war ein relativ ansehnlicher Flachbau neben einer Schule.
"Hier muss es sein" sagte Jens. Er drückte auf den Klingelknopf. COMPUTERCLUB While Loop e.V. stand auf dem Schild neben der Klingel. Ein Handwerker öffnete uns. Innen waren noch mehr. Es wurden elektrische Leitungen verlegt. Es gab mehrere Räume. In einem Raum standen Kartons mit Monitoren. "Ich soll euch ausrichten, das ihr warten sollt." sagte der Handwerker, der uns reingelassen hat. "Von wem?" wollte Jens wissen. Bei dem Handwerker klingelte ein Handy. Er sagte nur einmal ja und einmal OK und legte wieder auf. "Ist ja cool hier" sagte Jens. Wir liefen durch die Räume und sahen uns überall um. Plötzlich schaute mich Jens an, als wäre ich ein Geist. Er wurde blass und schluckte. Er zeigte in Richtung Fenster. "Oh Shit !" Draußen vor der Tür stand ein Polizeiauto. Jens sprang zur Tür. "Was machen wir jetzt? " frage ich ganz aufgeregt und voller Angst. Jens machte die Tür zu. Hier im Raum war außer einer Werkzeugkiste und einigen Rollen Kabel nichts weiter. Jens nahm einen großen Schraubendreher und keilte ihn unter die Tür. An den Fenstern waren keine Griffe. "Mist !, warte geh rüber" Jens drängte mich zur Seite, nahm die Werkzeugkiste und warf sie mit voller Wucht gegen das Fenster.
Die Scherben der Scheibe fielen bis zu dem Polizeiauto vor dem Eingang. Plötzlich rüttelte es an der Tür. "Los schnell !" sagte Jens. Mir war speiübel.
Er packte mich am Arm und zog mich zum Fenster. Vor mir lief alles wie ein Film ab. Mit einer Rolle Kabel entfernte er die restlichen Scherben am Fenster in dem er die Rolle hin und her schwenkte. Jens sprang zuerst. Es war nicht mehr als einen Meter. Die Tür flog auf. Der Handwerker rannte auf mich zu. Ich hockte mich aufs Fensterbrett und sprang. Ich wollte wegrennen und rannte einen Polizisten genau in die Arme.

Kapitel 9 - Fragen

Er packte mich am Handgelenk. Ich sah Jens auf dem Rücksitz eines Polizeiauto sitzen, welches mit mäßigem Tempo davon fuhr. Der Polizist brachte mich zu einem Polizeiauto welches rechts neben dem Eingang stand. Nachdem er mir alles was ich bei mir hatte abgenommen hatte, musste ich hinten einsteigen. Der Polizist nahm neben mir Platz. Er hatte bisher noch kein einziges Wort gesagt. Ein weiterer Polizist stieg vorn ein und wir fuhren los. Der Polizist neben mir schaute mich ein paar mal an, sagte aber immer noch nichts. Mir ging es mehr als schlecht. Sicherlich weiß Tina schon Bescheid, dachte ich. Öfters kamen Meldungen aus dem Funkgerät, die anscheinend nicht an dieses Polizeiauto gerichtet waren.
Das einzige an was ich die ganze Zeit dachte war: Warum bin ich nur mit zu den Club gegangen. Warum habe ich mich überhaupt angemeldet. Am liebsten hätte ich die Zeit zurück gedreht. Ich starrte aus dem Fenster ohne etwas mitzubekommen, was sich dahinter abspielt. Wir bogen in eine Einfahrt ein. Ein großes Tor öffnete sich. Der Fahrer stieg aus und redete kurz mit einen Mann welcher keine Uniform trug. Der Polizist neben mir brachte mich schließlich in einen Nebeneingag des großen Gebäude. Es ging viele Treppen nach oben. Jede Etage war durch eine Gittertür abgeschlossen, die das Polizist aufschloss und nach uns wieder abschloss.
"Na sie werden dir schon nicht den Kopf abreißen, Mädel" sagte er plötzlich fast freundschaftlich zu mir. Doch seine Worte konnte mich nicht trösten. Oben angekommen, brachte er mich in einen Raum. "So du musst dich noch etwas gedulden, der Kommissar holt dich dann gleich ab." Ich setzte mich auf einen der beiden Stühle. Außer ihnen gab es nur einen Tisch, sowie einen verschlossenen Kleiderschrank im Raum. Die Fester waren vergittert. Vom Fenster aus konnte man auf die Strasse blicken. Wie gern hätte ich mit einen der Menschen getauscht, die unten frei herum laufen konnten. Ich überlegte wie spät es sein mochte. Ich hatte keine Uhr mehr. Ich ging mehrmals im Zimmer hin und her. Die Zeit kam mir unendlich lang vor. Dann endlich wurde die Tür geöffnet und ein Mann, so um die 50 Jahre ohne Uniform, kam herein: "Ich bin Kommissar Reuter, komm mit..." Er klang unfreundlich und sein Akzent war ausgesprochen bayrisch. Wir liefen durch unzählige Gänge Treppen runter , wieder durch Gänge. So groß kann doch ein Gebäude gar nicht sein dachte ich mir. Der Kommissar gab immer Anweisungen: "Da entlang, nächste Tür rechts." In einem kleinen Zimmer sollte ich mich auf einen Stuhl setzen. Er selbst nahm hinter dem Tisch Platz. Das erste was mir auffiel, war einen große uralte Schreibmaschine. Ein Computer war nicht vorhanden. Er begann mich nach meinen Namen und meiner Adresse zu fragen. Als ob er das nicht schon längst wusste, dachte ich. Langsam wich meine Angst. Das er doch nicht soviel wusste stellte sich in den nächsten Minuten heraus. Es ging weder um Aktivitäten des Clubs noch vermutete er in mir eine Hackerin. Es ging um den Brand: "Du wurdest am Tatort gesehen, der Schaden ist nicht unerheblich..." Jetzt verstand ich. Der Dicke hatte mich mehrmals gesehen, immer als ich niemand im Club angetroffen hatte. Jetzt wurde ich verdächtigt den Club angebrannt zu haben. Na Prima, dachte ich. Aber meine Angst war gewichen. Mich ärgerte nur der Fluchtversuch aus dem neunen Club, welcher meine Unschuld sicherlich nicht gerade glaubhaft erscheinen lassen würde. Dann kam ein Anruf. Der Kommissar nickte mehrmals, als ob der andere der Anrufer am anderen Ende der Leitung dies sehen könnte. Der Kommissar wurde plötzlich freundlicher. Auf einmal ging es nur noch um die Flucht. Ich stellte mich dumm, nur die Masche zog nicht bei dem Kommissar. "Also..." fing ich an zu lügen "...ich , ich... habe im Supermarkt eine Tafel Schokolade geklaut." Der Kommissar war sprachlos. Anscheinend hatte er nicht mit so was gerechnet. Aber er schien es zu glauben. Er wollte wissen, wann und wo. Ich log immer selbstsicherer. "War das das erste mal, das du was gestohlen hast? " Ich spielte ihm die Betroffene vor und versprach so etwas nie mehr zu tun. "Da der Sachwert unter fünf Mark liegt, hast du Glück gehabt. Auch liegt keine Anzeige vor. Bleibt nur noch die Sachbeschädigung am Fenster im Computerverein." "Das war ich doch nicht...." "Gegen den Betreiber des Clubs liegen mehrere Anzeigen vor, es ist nicht damit zu rechnen das er Schadensersatz fordern wird." Mir war plötzlich wieder schlecht. Aikira? War er verhaftet worden? Was ist, wenn er anfängt was zu erzählen? Oder vielleicht hat er Adressen aufgeschrieben? Meine SMS, auf die er nicht geantwortet hat ! Hatte die Polizei sein Handy? Habe ich anstatt mit Ihm mit der Polizei telefoniert? War das ganz eine Falle gewesen? Ich verstand nichts mehr.
Der Kommissar fing an, alles mit der Schreibmaschine aufzuschreiben. Er benutzte nur zwei seiner zehn Finger dazu. Obwohl mich tausend Fragen quälten, konnte ich mir nicht die Frage verkneifen ob ich nicht besser das ganze auf der Maschine schreiben solle. Er schaute mich für paar Sekunden regungslos an, indem er über seine Brille schielte. Er schnaufte wie eine alte Dampflook Ich dachte gleich jetzt brüllt er mich an. Plötzlich jedoch nieste er so laut, das ich erschrak. "Ja ihr lernt ja alles in der Schule, aber ich mit meinen 57 Jahren fange nicht mehr an Maschinenschreiben zu lernen." "Donnerwetter, ich hätte sie auf höchstens fünfzig geschätzt." sagte ich, ohne zu lügen. Er wurde sichtlich verlegen. Seine Stimme klag viel freundlicher. Die Fragen die er immer stellte, bevor er etwas tippte, schienen so, als stellte er sie beiläufig nebenbei.
"Ich mache das als Zeugenbefragung" sagte er als er fertig war. Er schaute auf die Uhr, tippte die Uhrzeit als letztes ein. "Ein Kollege wird dich nach Hause fahren." Diesmal saß ich allein, auf der Rücksitzbank. Zwei Polizisten fuhren mich nach Hause. In Richtung Kanal war wieder mal Stau. Christiane kam gleich in das Treppenhaus gerannt. Sie war froh, das ich heil vor ihr stand. Die Polizisten verabschiedeten sich und fuhren davon. In der Küche musste ich dann Tina und Christiane alles erzählen. Die Sache mit der versuchten Flucht verschwieg ich. "Die spinnen wohl, einfach unschuldige Kinder wegzufangen und zu verhören. Ich rufe gleich mal Dr. Köhler an." Dr. Köhler war ein Rechtsanwalt. "Nein, erstens bin ich kein Kind und zweitens bin ich ja wieder da." "Nein, nein so geht das nicht...Du und eine Brandstifterin, was denken die sich, die sollen Verbrecher fangen und nicht meine kleine Schwester verdächtigen !" "Es hat sich ja alles herausgestellt" Ich brauchte noch einige Überredungskunst meine Schwester von ihrem Vorhaben abzubringen.
In der folgenden Nacht schlief ich unruhig. Immer wieder wachte ich auf. Die ganze Zeit redete ich mir ein, falls die Aikira wirklich verhaftet haben, das nichts weiter herauskommt. Gegen halb fünf war meine Unruhe nicht mehr zum aushalten. Ich stand auf, nahm alle CD's auf denen wichtige Daten waren und ging in die Garage. Ich nahm einen Eimer und schüttete etwas Benzin das für den Rasenmäher gedacht ist, hinein. Ich musste noch mal in unser Zimmer gehen, dort hatte ich meine Zigaretten und ein Feuerzeug versteckt. Tina schlief. Ich schlich mich wieder nach unten.
Ich knüllte ein Stück Zeitung zusammen, brannte es an und warf es in den Eimer. Die CD's warf ich hinterher. Vielleicht sollte ich das Tor aufmachen, dachte ich. Es nebelte ganz schön. Ich war noch nicht ganz am Tor als plötzlich die Sirene losheulte. Oh, Nein.. ich hatte nicht an den Rauchmelder gedacht! Ich wusste gar nicht was ich machen sollte. Ich lief zum Eimer, dann wieder zum Tor. Die Anlage lässt sich nur im Flur ausschalten. Doch zu spät ! Christiane und Tina kamen beide in die Garage gestürzt. Christiane hatte einen Morgenmantel an, während Tina barfuss und nur mit Slip und T-Shirt mich sprachlos anschaute. Ich stand am Tor, hatte es halb geöffnet, der Eimer stand mitten in der Garage und brannte. Schwarze Rusteile flogen herum. "Spinnst Du? Was machst Du ? frage mich Tina. Christiane holte eine Decke und warf sie über den Eimer. Das Feuer ging aus. Christiane schaute in den Eimer. Ein dicker schwarzer Klumpen aus geschmolzener Plaste lag drin. Eine halbe CD war noch als solche zu erkennen. "Wolltest Du CD's brennen? " frage Christiane. "Hör auf mit deinen Scherzen, ich finde das nicht komisch." fauchte Tine Christiane an. "Willst Du uns umbringen? Bist Du wirklich eine Brandstifterin?" Ich erschrak. "Was bitte schön, machst du in der nacht hier?" Tina nahm einen Putzlappen und holte den Klumpen aus dem Eimer.
Sie schaute ihn an, als wäre es was außerirdisches. Ich stand noch immer regungslos am Tor. Alles schien in Zeitlupe abzulaufen. "Christiane, schalte das Ding ab !" Christiane verließ die Garage und kurz darauf verstummte die Sirene. "Du gehst jetzt ins Bett, wir reden morgen drüber." Sie wendete sich noch einmal zu mir: "Ich bin enttäuscht." Sie ließ mich einfach stehen. Ich hätte einfach losheulen können. Ihre Worte machten mich traurig. Sie hatte das bestimmt ernst gemeint. Sicherlich war sie wirklich enttäuscht von mir. Und was sollte ich ihr nur erklären? Am besten die Wahrheit. Alles, von Anfang an. Ich ging ins Zimmer. Tina stand am Fenster und rauchte. "Tina, hör mal, es tut mir leid. Ich erzähle Dir alles, OK ? Lass es mich Dir erklären." Doch sie drehte sich nicht einmal um zu mir. Sie drückte die Zigarette aus nahm ihre Decke und ging aus dem Zimmer. Ich setzte mich auf mein Bett und fing an zu weinen.

Kapitel 10 - Abschied für immer

Am Morgen fiel mir sofort die Aktion der letzten Nacht ein. Tina war in der Küche und hatte ein großes Glas Milch in der Hand. Ohne Guten Morgen zu sagen fing sie an: "Ich höre... du wolltest mir was erzählen." Ich fing an zu erzählen und ließ nichts aus. Tina saß stumm da und hörte interessiert zu.
"Du hast dich verliebt ? " frage sie schließlich ungläubig als ich fertig war.
Ihre schlechte Laune war verflogen. "Rufe ihn an" lachte sie. "Sicherlich wartet er nur auf dich " höhnte sie weiter. "Oder schreibe einen Brief, oder eine Mail, chatte mit ihm oder schlage ihn dir aus dem Kopf." Das war es ! Chatten! Freudetaumelnd rannte ich die Treppe hinauf in mein Zimmer. Doch halt, warum sollte er ausgerechnet chatten? Und wo? Sicherlich hat er noch nie gechattet und wenn es gibt unzählige Räume und es gibt 24 Stunden am Tag. Ich muß ihn in einen bestimmten Raum zu einer festgelegten zeit bringen. Aber ob er überhaupt kommt? In Gedanken versunken fing ich an nach einem geeigneten Raum zu suchen. Plötzlich hatte ich eine Idee. Ich brauchte einen eigenen Chat. Das wäre viel besser. Und schon schoss mir die nächste Idee durch den Kopf. Softwareentwicklung stand auf seiner Homepage. Er schreibt Software. Warum nicht einen Chat. Jawohl einen Auftrag. Ich erteile einen Auftrag für die Erstellung eines Chatraumes. Sicherlich wird er in diesen reinschauen. Er muß ja gucken ob alles funktioniert. Mich faszinierte meine Idee immer mehr. Ein Plan war da. Mir kamen immer neue Ideen dazu. Eine ganze Seite muß es werden. Jawohl, eine Seite. Mir fiel kein passendes Thema ein. Ich rannte zu Tina und erzählte von meiner Idee. Sie tippte sich an die Stirn: "Bist du jetzt völlig durchgeknallt?" Mein Blick fiel auf die Fernsehzeitung die vor Tina auf dem Tisch lag. Gute Zeiten - Schlechte Zeiten. "Ich hab's" rief ich freudig. Ich saß den Rest des Tages vorm PC und schaute mir Webseiten an. Es ist kaum zu glauben wie viele GZSZ - Seiten es gab. Schließlich kam ich ein paar Tage später durch das Fernsehen auf eine Idee , die mich nicht mehr losließ. Pfefferkörner. Es gab nur eine Seite im Netz. Ich überlegte wie ich den Auftrag am besten formulieren soll. Zu mehr kam ich auch nicht. Am Nachmittag kamen meine Eltern überraschend nach Hause. Die Freude war rießengroß. "Am Abend gibt es was zu feiern" sagte mein Vater mit hochachtungsvoller Mine. Was es zu feiern gab verriet er nicht. "Kommt der Weihnachtsmann schon heute?" fragte Tina langgezogen. Christiane lachte, als schien sie etwas zu wissen. Am Abend trafen Gäste ein. Mehrere Freunde der Familie, darunter auch ein Mädchen in meinem Alter, welche ich nicht ausstehen konnte. Nach dem Essen erhob sich mein Vater und verkündete nun auch uns den Anlass für die Feier: "Tina hat die Zusage für eine der besten Universitäten erhalten. Ich bin stolz auf meine Tochter. Und ich habe auch was für dich was du schon immer brauchtest." "Du hast einen Freund für mich?" scherzte Tina und alle lachten. "Ja du wirst ihn lieben." sagte mein Vater. Jetzt wurde auch ich neugierig. Was sollte es sein? Hatte er ihr einen Hund gekauft? Mein Vater bat uns ihn zu folgen. Alle gingen hinterher. Er führte uns in die Garage. Da sah ich es. Mit einer großen Schleife verziert und ganz schwarz stand er da: majestätisch, sportlich und elegant zu gleich. Es war ein Porsche Carrera. Ein 'Ohhh' ging durch die Runde. Alle bestaunten das Auto. Ich beobachte Tina. Sie schien auch nicht abgeneigt zu sein. Und konnte wahrscheinlich gar nicht glauben, das der Wagen ihr gehören soll.
"320 PS, 290 Spitze" verkündete mein Vater. Tina setzte sich hinein. Ich stieg auf der Beifahrerseite ein. "Nicht übel" sagte Tina und umfasste das Lenkrad. Gerade das werde ich nie vergessen. Es waren die letzten Worte außer das Gute Nacht, die ich von Tina gehört habe. Wie eingebrannt ist die Erinnerung an diesen Moment. Glasklar als erlebe ich es jetzt. Der nächste Morgen war kalt und grau. Als ob ich eine Vorahnung hatte schmeckte mir das gemeinsame Essen mit meinen Eltern nicht. Tina war zeitig aufgebrochen. Außer das sie zum Abendessen zurück sei hat sie nichts gesagt. Tagsüber schrieb ich verschiedene Anfragen für Aufträge für die Pfefferkörnerseite. Doch mit der Formulierung war ich nicht zufrieden. Ich beschloss das ganze auf später zu verschieben. Tina kennt sich mit solchen Sachen besser aus, dachte ich. Obwohl wir mit dem Abendessen gewartet haben kam Tina nicht. Gegen 20 Uhr fuhr ein Polizeiwagen vor. Ich erschrak. Ich dachte sofort an Aikira. Ich ging vorsichtshalber in mein Zimmer. Doch nichts geschah. Nie werde ich den Anblick vergessen als ich die große Treppe zum Salon hinunter eile. In mir kam ein schlimmer Verdacht auf. Meine Mutter in Tränen aufgelöst in den Armen meines Vaters. Ein Polizist steht sprachlos daneben , seine Mütze in der Hand. Christiane kam auf weinend mich zu. Mein Herz schlug immer schneller, ich versuchte den schrecklichen Verdacht zu verdrängen. Ohne das jemand ein Wort zu mir sprach verstand ich in diesen Moment das ich Tina nie wieder sehen werde. Ich rannte in mein Zimmer, niemand kam hinterher. Fassungslos wünschte ich mir das ich aufwache. Ich schrie. Ich konnte nicht mal heulen. Ich wollte tot umfallen aber nichts geschah. Keine Gedanken, nur Stille. Die nächsten Tage erlebte ich in einem Zustand zwischen Traum und Realität. Ich aß nichts. Wenn ich einschlief dann nur für Minuten. Immer wieder dachte ich an den letzten Tag von Tina. Von dem was um mich geschah nahm ich nichts mehr war. Ich hatte den Wunsch tot zu sein. Ich wollte nicht von meinen Eltern anhören wie es passiert ist. Am Tag der Trauerfeier erwachte ich aus meinem rauschartigen Zustand. Christiane hatte mir ein schwarzes Kleid gebracht und saß an meinem Bettrand. Sie sah nicht gut aus. Ich weiß nicht mehr wie lange ich geweint habe, irgendwann kamen keine Tränen mehr. Nichts konnte mich ablenken, immer wieder sah ich glasklar die letzten Bilder von Tina vor mir. Ich blieb in meinem Zimmer. Ich glaube Beileidswünsche von den ganzen vielen Freunden hätte ich nicht verkraftet. Irgendwann kam mein Vater in mein Zimmer. "Wir müssen, jetzt, Andrea, glaube mir..." weiter sagte er nichts. Weinend drehte er sich zum Fenster. Minuten später saß ich noch immer regungslos auf dem Bett. Als ich die Treppe herunterlief spürte ich meine Beine nicht mehr. Ich sah alle Blicke auf mich gerichtet. Alle Gesichter waren verzerrt. Nur bruchstückhaft erinnere ich mich an den schlimmsten Moment in meinem Leben. Kerzen. Ich sah viele Kerzen. Ich mußte mich am Geländer festhalten. Mir war schwindlig. Die Stimmen waren gedämpft. Ich hörte sie verzerrt. Wie schwebend ging ich Schritt für Schritt die Stufen herunter. Musik. Ich hörte Musik. Nur leise und unwirklich dringt sie zu mir durch. Tinas Lieblingsstück. Friendship and Love - Ennio Morricone. Ich sah die Stufen nicht mehr. Sie schienen zu einem endlosen Band ineinander zu verlaufen. Meine Schläfen pochten. Mein Magen krampfte sich zusammen. Ich spürte den Schlag meines Herzens. Immer weiter entfernte ich mich von dem Geschehen um mich. Die Gesichter die mich anschauten verschwammen zu einer farblosen Masse. Alles schien sich um mich zu drehen. Immer schneller. Meine Hand krampfte sich am Geländer fest. Ich hatte das Gefühl als falle ich aus einem sich rasend drehenden Karussell. Immer schneller. Ich schnappte nach Luft. Meine Kehle war zugeschnürt. Tod. Ende. Ich werde sterben, dachte ich. Ohne ein Gefühl von Angst verspürte ich Wärme. Immer heißer wurde mir. Ich spürte wie das Geländer immer heißer wurde. Drehen. Musik. Feuer. War ich tot? Ich versuchte etwas zu sehen. Ich hörte nur noch Musik. Die herzzerreisende Stimme von Edda Dell'Orso setzte ein.
Endlos schien ich zu fallen, als ich das Bewusstsein verlor.

Kapitel 11 - Überleben

Licht blendete mich. Erst langsam, Stück für Stück gewöhnten sich meine Augen an die Helligkeit. Ich sah mich in den mir unbekannte Raum um. Hell waren die Wände, rechts neben meinem Bett waren verschieden Geräte aufgebaut. An meinem Arm hing ein Schlauch, welcher zu einem Tropf führte. Langsam kam die Erinnerung wieder. Mein Herz krampfte sich zusammen. Es war kein böser Traum gewesen. Nein, mir wurde bewusst, das ich meine Schwester nie wieder sehen würde. Wieder bekam ich das Gefühl ersticken zu müssen. Eines der Geräte neben mir fing an zu piepsen.
Eine Frau rieß die Tür auf, verschwand wieder. Für mich endlos vergingen Sekunden bis ein Arzt ins Zimmer kam. Dann folgte ein Gefühl der endlosen Leere. Tief im Bewusstsein verborgen ist das erste an was ich mich erinnern kann, ein gleißend helles Rot, durchzogen von einem astähnlichem Gebilde. Abermals wachte ich auf. Das Zimmer kannte ich bereits, langsam tauchte wieder die schreckliche Erinnerung auf. Diesmal waren meine Gedanken klar wie nie zu vor. Ich konnte nicht mehr weinen.
Ich wollte Tod sein. Ich dachte an meine Mutter, nichts regte sich bei diesem Gedanke. Ich sah die Bilder meines Vaters vor mir. Wie er in meinem Zimmer stand. Trauererfüllt sein Blick. Starr lag ich im Bett und immer stärker wurde der Wunsch bei meiner Schwester zu sein. Ich konnte an nichts mehr anders denken. Die vielen Untersuchungen und die Besuche meiner Eltern und Christiane liefen an mir vorbei, als wäre ich nicht anwesend. Ich sprach nichts, dachte nur noch nach. Immer wieder redete ich mir ein, das es nur noch einen Ausweg gibt. Den Tag der Entlassung rückte näher. Mein Plan aus dem Leben zu scheiden nahm konkrete Formen an. Ich wollte nie mehr nach hause zurück kehren. Nicht in das Haus wo mich jeder Gegenstand an Tina erinnert. Doch dann wurde ich überraschend eher entlassen. Meine Eltern holten mich ab. Stumm saß ich im Auto. Nur mit Überwindung konnte ich in mein Zimmer gehen. Auf meinem Handy waren 19 Anrufe in Abwesenheit. Ohne nachzuschauen, wer angerufen hat warf ich es gegen die Wand. Ich ging nicht zum Essen hinunter. Christiane brachte mir was auf's Zimmer. Sie versuchte ein Gespräch anzufangen. Ich drehte mich weg, bis sie das Zimmer wieder verließ. Ich beschloß Abschiedsbriefe zu schreiben. Ich schaltete meinen Computer ein. Die nächsten Stunden verbrachte ich damit an meine Eltern, an Christiane und an verschieden Freunde Briefe zu verfassen. Ich druckte sie anschließend aus, steckte sie einzeln in Briefumschläge und versah sie mit Namen. Plötzlich hatte ich den Wunsch an Tinas Grab zu gehen. Ohne Irgendjemand Bescheid zu sagen verließ ich am späten Nachmittag das Haus. Lange saß ich vor Tinas Grab. Ich bemerkte nicht mal wie es dunkel wurde. Ich spürte die Kälte nicht. Erst kurz nach 22 Uhr war ich wieder zu Hause. Ein Polizeiwagen stand vor der Tür. Weinend kam meine Mutter auf mich zu , nahm mich in den Arm. Ich entzog mich ihrer Umarmung, rannte in mein Zimmer und sperrte die Tür ab. Mein Vater klopfte an. Langsam fing er an zu erzählen: "Andrea, du brauchst nicht aufmachen, aber bitte hör zu. Irgendwann geht das Leben vielleicht weiter. Du darfst niemand die Schuld geben. Uns fehlt sie doch genau so wie dir. Wir haben viele Fehler gemacht, die wir leider nie mehr rückgängig machen können. Andrea, wir haben nur noch dich..." Während mein Vater vor der Tür erzählte saß ich vor meinem Bett und weinte leise. Immer wieder wollte ich aufstehen, die Tür aufschließen aber etwas war stärker - der Wunsch zu sterben. Ich versuchte mir den traurigen Blick meines Vaters vorzustellen. Das war es, es war die Angst, das mich irgendetwas von meinen Plan abhalten konnte. Ich versuchte mir einzureden das ich meine Eltern hasse. Das es mir egal wäre wenn sie um mich trauern. Es ging nicht. Ich war hin und her gerissen zwischen dem Wunsch zu sterben und dem Gefühl der elterlichen Liebe. Irgendwann hörte er auf zu erzählen. Ich saß bis tief nach Mitternacht vorm Bett und weinte. Ich ging in den Salon, meine Eltern schliefen. Bei Christiane im Zimmer brannte noch Licht. Ich schaute durchs Schlüsselloch konnte aber nichts entdecken. Leise schlich ich zum Tisch und brande eine Kerze an. Dann ging ich in die Garage. Ich schaltete das Licht ein. Eine Leuchtstoffröhre flackerte. Das Auto meines Vaters war verschlossen. Ich ging zurück in den Salon. In der Ecke des Raumes stand der Waffenschrank. Wie ich nicht anders vermutet hatte war er abgeschlossen. Durch das bruchsichere Glas des mit Holzelementen verzierten Schrankes sah ich, wonach ich suchte. Leise schlich ich in das Schlafzimmer meiner Eltern. Tief und fest schliefen sie. Millimeterweise zog ich die Schublade des Nachtisches meines Vaters auf. Als sich meine Mutter im Schlaf drehte erstarrte ich fast. Hier war der Schlüssel nicht ! Leise ging ich wieder aus dem Zimmer. Plötzlich kam mir der Gedanke, das er wohl im Safe sein wird. Ich ging in die Bibliothek. Die Zahlenkombination hatte Tina mir mal verraten. Ich hatte schon mal hineingeschaut als ich jünger war. Damals war der Inhalt ziemlich langweilig für mich gewesen. Versicherungspapiere, eine Briefmarkensammlung u.s.w. Doch in dieser Nacht war der Inhalt der Schlüssel zu meinem Wunsch. Ich fand den Schlüssel, ging zurück in den Salon. Ich öffnete den Waffenschrank. Unter den Jagdgewehren, in einem Schubfach waren einige Pistolen und Revolver. Ich nahm eine Pistolentasche und entnahm ihr eine schwere Schusswaffe. Ich ging in mein Zimmer, legte die Briefe die ich am Nachmittag geschrieben hatte auf meinen Tisch. Si vis pacem para bellum war in dem Griff der Waffe eingraviert. An der Seite des Laufes stand 08 - Parabellum 9mm. Ich öffnete den schwergängigen Kniegelenkverschluss. Eine glänzende Patrone sprang heraus. Mit einem metallischem Geräusch sprang der Verschluß wieder zu. Ich setzte mich auf mein Bett. Langsam richtete ich die Pistole an meine Schläfe. Mein Arm fing an zu zittern. In meinem Kopf hämmerte es, erst jetzt bemerkte ich meine starken Kopfschmerzen. Egal, gleich wird alles vorbei sein, dachte ich. Noch eine Fingerkrümmung war ich von meinem Wunsch entfernt. Ich schloss die Augen.

Kapitel 12 - Zurück


Gedankenversunken saß ich auf dem Bett. Längst hatte ich die Pistole gesenkt. Aber noch immer umklammerte meine Hand den Griff. Ich konnte nicht mehr weinen. Die ersten Sonnenstrahlen schienen durch die halbgeschlossenen Fensterläden. Ganz klar sah ich wieder die letzten Bilder von Tina wie in einem Film vor mir. Ich sah auf die Uhr. Acht Uhr zweiunddreißig. Diesmal konnte ich den Gedanken an meine Eltern nicht verdrängen. Acht Uhr dreiunddreißig. Ich sprang auf, rannte die Treppe hinunter. Im Salon stieß ich fast mit meinem Vater zusammen der in die entgegengesetzte Richtung rannte. Wortlos nahm er mich in den Arm.
Ich ließ die Pistole fallen. Langsam fing er an zu erzählen, von seiner Trauer, seinen Gefühlen. Später bemerkte ich meine Mutter die leise weinend in der Ecke des Salons auf dem Boden saß. Irgendwann begriff ich das mich meine Eltern lieben und was ich ihnen beinahe angetan hätte.
Am Nachmittag kam ein Freund meines Vaters, der den gesamten Inhalt des Waffenschrank mitnahm. Die nächsten Tage schienen endlos. Nach und nach begann ich wieder an andere Sachen zu denken. Nach zwei Wochen schaute ich sogar für eine halbe Stunde TV und bemerkte erst hinterher das ich nicht eine Minute in der halben Stunde an die vorangegangenen Ereignisse gedacht hatte. Irgendwann war das leben halbwegs wieder normal. Ich traf mich wieder mit Freunden und Christiane wurde meine beste Freundin. Ich zog in einen anderes Zimmer im anderen Flügel des Hauses neben Christianes Zimmer. Oft saßen wir abends da, erzählten oder spielten Karten. Auch Christiane ging es besser. Ich glaube heute das wir uns gegenseitig sehr geholfen haben. Als ich zum ersten mal wieder meinen Computer einschaltete, fiel mir wieder Mike ein. Ich beschloss meinen Plan fortzuführen und weihte Christiane in alles ein. Gemeinsam formulierten wir ein Schreiben an Mike mit der Bitte um einen Kostenvoranschlag für die Erstellung einer Webseite. Nach einer Woche kam eine ernüchternde Mail an mein anonym eingerichtetes Postfach:

"....leider müssen wir ihnen mitteilen, das das Erstellen von Webseiten nicht in unserem Leistungsangebot enthalten ist. Wir empfehlen ihnen
sich an eine unserer Partnerfirmen zu wenden..."

Im Anhang waren einige Adressen von Firmen.
Mist! Damit hatte ich nicht gerechnet. Aber so schnell wollte ich nicht aufgeben. Ich schrieb eine Mail zurück mit der Bitte den Auftrag doch anzunehmen, da "wir" persönlich viel Wert drauflegen das die Seite von "Ihrer" Firma erstellt würde.
Eine Woche lang geschah gar nichts, dann kam eine Mail mit der Bitte Einzelheiten über die Gestaltung alsbald zuzusenden.
Da ich eigentlich die Seite hätte selber gestalten können, ich jedoch nur über die Seite Mike kennen lernen wollte, waren die Gestaltungswünsche eher dürftig. Ein einfacher Chat, ein Gästebuch, sowie ein Forum sollten es sein. Unterdessen richtete ich mit Christiane ein Postfach in Hamburg ein. Ich fand langsam gefallen an der Sache. Täglich schaute ich nach meinen Mails. Als nach vier Tagen immer noch keine Antwort kam, schrieb ich einen Mail und bat darum den Kostenvoranschlag an die Adresse in Hamburg zu schicken. Dummerweise kamen die Briefe dann immer per Zusteller mit zweitägiger Verspätung an. Der Kostenvoranschlag war eine Frechheit. Für die einstündige Arbeit verlangten die sage und schreibe eintausendzweihundert Mark und zweiundsechzig Pfennige.

Dabei enthalten war noch nicht einmal eine eigene Domain. Egal dachte ich und schrieb einen Auftrag. Beinahe hätte ich einen Fehler gemacht und den Brief von Nürnberg aus eingeworfen. Ich musste noch jemand in meinen Plan einweihen. Anja schien dafür geeignet zu sein. Ich erklärte ihr alles was sie über "das Spiel" wissen mußte. Ich schickte ihr die Briefe per Mail, sie drucke sie aus und schickte sie von Hamburg aus ab. Das Konto ließ ich von einem sehr guten Bekannten in Berlin einrichten. Nach einer Woche kam die Auftragsbestätigung. Das Geld wurde von dem Konto in Berlin abgebucht. Zum Glück stand meine Freundin nicht im Telefonbuch, den wir hatten als Rückrufnummer ihre Telefonnummer angegeben.
Am 2.6. 2000 war es soweit. Die Seite war fertig. In Hamburg kam diese auf einer gebrannten CD an. Das Ergebnis warf mich nicht gerade vom Hocker aber für meine Zwecke sollte es reichen. Dann fiel mir ein, das das ganze ziemlich sinnlos wäre, wenn ich die Page selber hoch lade. Wer weiß ob er dann jemals in den Chat schaut. Ich verfasste einen ziemlich schleimigen Brief in dem ich mich für die "großartige" Leistung bedankte und bat um eine Administration der Seite für zwei Monate. Länger als zwei Monate sollte die Seite nicht bestehen. Ohne erst wieder um einen Kostenvoranschlag zu bitten, schlug ich für die Administration eine Summer von 2500 DM pro Monat vor und bat die Summe abzubuchen und die Seite so schnell wie möglich ins Netz zu stellen. Tatsächlich kam eine Auftragsbestätigung mit dem Hinweis das die Abrechnung ab dem 6.6. 2000 beginnt und am 6.8.2000 endet. Wir danken für ihren Auftrag stand noch drunter. Ungeduldig wartete ich am 6.6.2000 schon früh um vier auf die Seite. Und tatsächlich, um neun Uhr war sie im Netz. Ich besuchte mehrere andere Seiten mit Chats und machte Werbung für "meine" Seite.
Kurz vor Mittag erschien dann wirklich jemand im Chatraum. Anfangs dachte ich das sei Mike. Nach einem kurzen Chat stellte es sich heraus das ich falsch lag. Am 7.6. 2000 hatte ich Glück. Mike(ADMIN) kam in den Chat. Mein Nickname zum damaligen Zeitpunkt war Tina. Es war gar nicht so einfach ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Mein Plan mich als ahnungslosen Computeranfänger auszugeben verwarf ich gleich. Irgendwie mußte ich mich interessant machen und schien damit Erfolg zu haben. Er erzählte mir eine ganze Menge, zum Beispiel das er hier nur Administrator sei und eigentlich hier nicht chatte. Irgendwie schaffte ich es dann doch, das wir uns für den 8.6. zum chatten verabredeten. Ich war überglücklich.


Kapitel 13

Napster, Flat und Junimond


6.Juni 2000
Mit dem damaligen Flatanbieter Surf 1 ging es dem Ende entgegen. Dann passierte am 6. Juni 2000 das unglaubliche: T-Online selbst bot eine Flatrate für den in Deutschland unglaublichen Preis von 79 DM monatlich an. Jetzt waren lange Chatabende gesichert. Echt landete mit Junimond einen Hit und Napster erfreute sich immer größer werdender Beliebtheit.
Der Anfang dieses Sommers war unbeschreiblich, die Zeit unvergesslich.
Der PKCHAT entwickelte sich. Immer öfters kamen tagsüber neue Chatter hinzu. In dieser Zeit genoss ich die Vorzüge des Privatunterricht. Während andere noch in der Schule saßen hatte ich bereits Ferien. In den Ferien schlief ich meistens bis zum Mittag. Ich hatte es Christiane abgewöhnt, das sie mich weckt mit dem Frühstück nervt. Sonnenstrahlen fielen durch die halb geschlossenen Rollläden. Eine Weile blieb ich liegen und beobachtet die Staubteilchen welche im Lichtstrahl des Sonnenlichts gut zu sehen waren. Obwohl ich lange geschlafen hatte war ich immer noch müde. Langsam ging ich zum Fenster und öffnete die Rollläden. Ich sah Christiane im Garten. Sie hängte gerade Wäsche auf und hatte mich nicht am Fenster bemerkt. Ich weiß nicht wie ich auf die Idee kam, aber ich hatte einen in meinen Augen lustigen Einfall. Ich rannte die Treppen hinunter durch den Salon in die Garage. Der Wasserschlauch hing zusammengerollt an der Wand. Ich rollte ihn ab und drückte auf den Schalter neben den Tor. Mit einem leisen Summen öffnete sich das Garagentor. Ich drehte den Wasserhahn auf, während der Drehverschluss am Schlauch selbst noch verschlossen war. Leise schlich ich mich in Richtung Christiane. Ich mußte noch einmal zurücklaufen weil der lange Schlauch an einem der Pfeiler neben dem Tor fest hing. Christiane schaute plötzlich hoch zu meinem Fenster und fing an nach mir zu rufen. Urplötzlich verstummte sie und nahm wieder etwas aus dem Wäschekorb um es an die Leine zu hängen. Sie hatte mich nicht bemerkt. Ich schlich mich immer weiter an sie ran. Jetzt bloß nicht umdrehen dachte ich. Nur noch wenige Meter Abstand waren zwischen mir und Christiane. Ich richtete mich aus meiner gebückten Haltung auf. Christiane stand jetzt genau mit dem Rücken zu mir gerichtet. Ich drehte den Drehverschluss auf. Keine Sekunde später schrie Christiane laut auf. Sie sprang ohne sich umzudrehen zur Seite. Mein Wasserstrahl folgte ihr. Sie drehte sich um, schrie und ich bog mich vor lachen. Als sie auch noch anfing mit ihrem französischen Akzent zu schimpfen konnte ich vor lachen ihr gar nicht mehr folgen. Sie sprang hin und her, schrie und schimpfte: "Du bischt verruckt..." Der Wasserstrahl traf ihr Gesicht. Sie sprang auf mich zu. Ich ließ den Schlauch fallen und rannte weg. Das war mein Fehler. Sie nahm den Schlauch und folgte nun mir. Das Wasser war echt kalt. Ich rannte lachte und sie folge mir schimpfend. Erst als ich ebenso nass war wie sie, fing sie auch an zu lachen. Später saß ich mit Bademantel in der Küche und aß zusammen mit Christiane Pizza. Christianes Pizza schmeckte wie immer ausgezeichnet. Nach dem Essen
fuhr ich mit Christianes Fahrrad in Richtung des ehemaligen "Computerclubs". Ich beschloss noch einmal dort hin zu fahren. Deutlich waren noch immer die Brandspuren zu sehen. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Klar und deutlich kamen die Erinnerungen wieder. Als wäre es erst Stunden her, als ich das erste Mal vor dieser Tür stand. Viel war inzwischen Geschehen. Mein ganzes Leben hatte sich geändert. Wichtig war das Ziel gewesen was ich in der ganzen Zeit mehr oder weniger verfolgt hatte. War es das alles wert gewesen? Ich hatte es geschafft mit Mike Kontakt aufzunehmen. Lange hatte es gedauert. Aber ich hatte es geschafft. Dunkle Wolken zogen sich am Himmel zusammen. In der Ferne war ein Grollen zu vernehmen. Ich fuhr nach Hause. Als ich das Fahrrad in die Garage stellte fielen die ersten dicken Regentropfen. Ich ließ das Tor offen nahm mir einen Gartenstuhl und setze mich mitten in die Garage. In Gedanken versunken schaute ich hinaus in den Regen. Immer wieder kamen die Erinnerungen. Ablenkung schaffte ich nur für kurze Zeit. Das muß anders werden. Ich fasste genau in diesen Moment den Plan Mike näher kennen zu lernen. Christiane war von meinen Vorschlag nicht sehr begeistert. Ich glaube eher das ich ihr leid tat. Schließlich gab sie mir ihre Einwilligung. Ich mußte ihr sehr viele Sachen versprechen. Mindestens einmal am Tag anrufen war eine der Abmachungen. Was ich ihr verschwieg war das Mike von all dem nichts wußte. Am kommenden Tag wollte ich vormittags los fahren. Doch nach einem langen Chatabend, als die letzten, auch Mike aus dem Chat gegangen waren, kam ich mir so unendlich einsam vor. Ich holte meine Reisetasche warf hastig ein paar Sachen in die Tasche. Plötzlich hielt ich ein Tuch von Tina in meiner Hand. Diesmal kämpfte ich gegen dieses schreckliche Gefühl an. Ich warf es zurück in den Schrank, nahm meinen Laptop und warf die Tür hinter mir zu. In der Küche schrieb ich Christiane einen Zettel während ich , das Telefon mit der Schulter ans Ohr geklemmt ein Taxi rief. Fünfzehn Minuten später saß ich auf dem Rücksitz eines Taxis. Der Regen spritze gegen das Fenster. Die Lichter der Stadt waren nicht mehr zu sehen. Ich saß da den Kopf ans Fenster gelehnt. Die Angst vor etwas neuem ungewissen verschwand schrittweise mit jedem Kilometer.

"...If you want, then start to laugh If you must, then start to cry , Be yourself don't hide Just believe in destiny..."
Ich lauschte auf die Musik die leise aus dem Radio kam "....That's not the beginning of the end That's the return to yourself The return to innocence..."

Vor mir lag meine Zukunft, mein Leben.


2. Buch ******************************************

Kapitel 14

Begegnungen


Die fahrt war mit knapp dreihundertzwanzig Mark alles andere als günstig. Ich bezahlte, der Fahrer öffnete den Kofferraum und gab mir meinen Rucksack. Es war angenehm warm. Ich schaute mich um, lief einmal um das ganze Haus und stand schließlich wieder vor der Haustür. Plötzlich verlies mich der Mut auf die Klingel zu drücken. Meine Kehle war wie zugeschnürt. Fern war das Motorengeräusch eines Motorrades zu hören. Ich auf meine Uhr. Kurz nach vier Uhr. Es begann hell zu werden. Ich mußte endlich klingeln. Doch wieder lies ich meine Hand sinken. Ich überlegte ob ich vielleicht einfach anrufen sollte. Was solls dachte ich mir. Tief Luft holen und klingeln, was soll schon passieren?. Ich drückte zweimal kurz auf den Klingelknopf. Mein Herz pochte, mir war auf einmal speiübel. Nichts passierte.
Ich könnte immer noch wegrennen und einfach nach Hause fahren, dachte ich mir. Doch weiter kam ich nicht zum überlegen. Die Tür öffnete sich plötzlich
und Mike stand da und schaute mich ziemlich verschlafen und ungläubig an.
Vor Schreck wußte ich gar nicht was ich sagen sollte. Mir war plötzlich ganz heiß. "Hi" stammelte ich. "Willst du zu mir?"
fragte mich Mike. "Ich bin Tina..." flüsterte ich und warf ihn dabei einen möglichst verführerischen Blick zu. Er schaute mich an, als käme ich von
einen anderen Planeten, bat mich dann aber herein. Wir gingen ein paar Stufen nach oben, einen langen Flur entlang in dem an der rechten Wand
viele Urkunden hingen. Er öffnete eine Tür und sagte : "Hier". Es war das Wohnzimmer. "Setz dich" und gleich anschließend: "Möchtest du was trinken?, Saft, Cola?".
Er verschwand in einen Nebenzimmer und kam nach ein paar Augenblicken mit einem großen Glas Milch wieder. "Was möchtest du nun?" fragte er.
"Ich nehme auch eine Milch" antwortete ich. Mir war schon etwas wohler zumute. Er hat mich reingelassen, dachte ich mir. Das kann nur ein gutes Zeichen sein.
Er reichte mir ein Glas Milch. Meine Hände zitterten. Ich hielt das Glas mit beiden Händen fest. "Wie bist du so schnell hier hergekommen?" fragte er und schaute mich wieder
mit diesem ungläubigen Blick an. Ich muß hinzufügen, das ich ihm im Chat vorgelogen hatte ich würde in Frankfurt wohnen.
Es wäre der richtige Zeitpunkt gewesen ihn jetzt zu sagen das ich nicht Tina hieß und auch nicht aus Frankfurt komme.
Doch ich traute mich nicht. Er fragte nicht weiter. Wir kamen nach und nach ins Gespräch. Die Zeit verging wie im Flug.
Mit den Worten "Mist schon halb neun" unterbrach er plötzlich das Gespräch. "Ich muß arbeiten..." Er zeigte mir in aller Eile alle
Räume der Wohnung und verschwand im Badezimmer. Ich machte es mir im Wohnzimmer auf der Couch bequem. Nach zehn Minuten kam er wieder und sagte:
"Du wirst bestimmt mal paar Stunden ohne mich zurechtkommen..., wir sehen uns dann" Ohne sich noch einmal umzudrehen ging er zur Wohnungstür hinaus.
Ich konnte es gar nicht fassen. Er hat mich einfach bei sich in der Wohnung gelassen. Er kennt mich nicht, hatte er so viel Vertrauen zu mir?
Ich schaute mich im Wohnzimmer um. Auf den Couchtisch lagen 3 Fernbedienungen. Ich schaltete mit einer die Anlage ein, legte mich
auf das Sofa und schlief nach kurzer Zeit ein. Das klingeln eines Telefons schreckte mich aus dem Schlaf. Ich sprang auf.
Auf der großen modernen Wanduhr war es kurz vor dreizehn Uhr. Wieder klingelte das Telefon. Das Klingeln kam aus dem Flur.
Ich ging in den Flur und nahm einfach den Hörer ab. Es war Mike. "Na du, ich dachte schon du bist wieder abgehauen. Wollte nur sagen das ich in fünfundvierzig Minuten zu hause bin. Bis dann"
Ohne das ich ein Wort gesagt habe, legte ich wieder auf. Ich war in diesen Moment überglücklich. Ich war endlich bei ihm und gleich wird er wieder da sein.
Ich musste wieder an die Lüge denken. Warum hatte ich nicht gesagt das ich nicht Tina heiße... Ich verdrängte den Gedanke. Ich war kaum wieder im Wohnzimmer als das Telefon
wieder klingelte. Ich stürmte zum Telefon. Es ist bestimmt noch mal Mike, dachte ich. Ich nahm den Hörer ab und sagte: "Jaa?"
Doch am anderen Ende meldete sich ein Mädchen. "Wer bist du denn? Is Mike da?" fragte sie. "Ich bin seine Freundin" log ich.
"er kann jetzt nicht..." ich legte einfach auf. Was hatte ich da getan. Mir wurde in diesem Augenblick bewusst was ich getan hatte.
Das Telefon klingelte abermals. Es war wieder das Mädchen: "warte" sagte sie. "Wer bist du?" sie betonte das 'wer' in dem sie es in die Länge zog.
"Das geht dich nichts an" entgegnete ich ziemlich gereizt. "Sag mal, ich komme gleich rüber, gib mir jetzt Mike !" sagte sie in einem
drohenden Ton. Rüber? überlegte ich? Sie legte auf. Ich stand ganz verdattert da und hielt noch immer den Telefonhörer in der Hand als sich plötzlich die Tür öffnete.
Ein Mädchen stand plötzlich im Flur. "Raus!" schrie ich sie an "du kannst hier nicht einfach rein!" "Und ob" sagte sie und warf mir einen Blick zu als wollte sie mich gleich umbringen.
Sie sah verdammt hübsch aus. Ich schätzte sie auf fünfzehn. Sie war etwas größer als ich. "sag mal wer bist du und wie kommst du hier rein? und wo ist MIKE ?"
fragte sie mich und kam einen Schritt näher. Ich ging vorsichtshalber zwei Schritte rückwärts und sagte wieder: "Das geht dich nichts an."
Sie kam auf mich zu riss mir den Telefonhörer aus der Hand und stieß mich weg. Sie wählte eine Nummer und lies mich dabei nicht eine Sekunde aus dem Blick. Sie telefonierte mit Mike.." deine Freundin is da?".."aha".."gut.." .."ok" "bis dann".. "nein.. du?" "haha" .. "ich verstehe"
".. na dann" "Ok" .."jep" "können wir", "ja bis dann".
Sie legte wieder auf und ging einfach ins Wohnzimmer. Sie nahm eine Zeitschrift welche auf einen kleinen Rauchertisch lag. Achtlos warf sie meinen Rucksack vom Sessel und
setzte sich. Ich ging empört hinterher, wusste aber nicht was ich sagen sollte. Ich setzte mich ihr gegenüber auf die Couch und
sah sie wütend an. Tausend Gedanken gingen mir durch den Kopf. Hatte mich Mike angelogen? Hatte er eine Freundin und war sie es?
Bei diesem Gedanke war ich sehr eifersüchtig. Das sie so hübsch aussah verstärkte dieses Gefühl. Außer einem TOP und einer
sehr kurzen Hose hatte sie nichts an. Ich ertappte mich dabei wie ich neidisch auf ihre braungebrannten Beine starrte. Sie schaute mich nicht einmal an.
Das machte mich noch unsicherer. Sie war bestimmt Mikes Freundin. Was sollte ich tun? Einfach rausrennen? Einfach nach Hause fahren?
Was ist wenn sie mich festhält. "Also.." sagte sie plötzlich. "wer bist du nun? Ich höre..."
"Ok ok" sagte ich. "du bist bestimmt Mikes Freundin, gratuliere..., sorry nochmal ich sollte jetzt besser gehen."
"Nö" sagte sie. "nur EINE Freundin. Aber wenn du gehen willst, dort is die Tür. Du findest bestimmt alleine hinaus." Ich blieb sitzen und wollte überlegen.
Ich konnte keinen klaren Gedanken fassen. Ausgerechnet in diesen Moment musste ich an meine Schwester denken. Eine dicke Träne rollte die Wange hinunter.
Ich sprang auf nahm meinen Rucksack und wollte zur tür hinaus als das Mädchen mir hinterher kam. "Nun heul nicht gleich. Komm wieder rein. Ich bin Nicole"

Sie nahm mir den Rucksack aus der Hand und ging ins Wohnzimmer. Ich ging hinterher und setzte mich wieder aufs Sofa.
Sie setzte sich im Schneidersitz neben mich. "Wie heißt du denn?" fragte sie mich und ehe ich antworten konnte:" lass mich raten du hast dich in Mike verguckt... mein Beileid"
"Gar nicht wahr" sagte ich. "kann man sich nicht mal treffen? is das verboten?, muß ich da erst dich fragen?"
"jetzt mal nicht so gereizt Kleine, wie alt biste überhaupt?" fragte sie. "Fünfzehn" log ich. "Hätte ich nicht gedacht" sagte sie "siehst aus wie elf" Ihr machte es anscheinend großen Spaß mich zu kränken.
"Du siehst auch nicht älter aus" entgegnete ich nur um überhaupt was zu sagen.
Ich blickte auf die Uhr. Mike würde in fünfundzwanzig Minuten kommen. Sie würde auf keinen Fall eher wieder gehen, das war mir klar.
"Was hörst n für Musik ?" fragte sie. Diesmal antwortete ich normal und plötzlich kamen wir ins Gespräch. Nach nur fünf Minuten wollte
ich gar nicht mehr das sie geht. Mit ihr konnte man sich richtig gut unterhalten. Mike stand plötzlich im Raum: "Wie ich sehe, habt ihr euch schon bekannt gemacht" sagte er lächelnd.
Nicole fragte mich plötzlich ob ich mit zu hier rüber kommen möchte. Mike sagte: "Ich fahre in einer Stunde nach Chemnitz, Party.. will jemand mit?".
Ich zögerte, sah abwechselnd Mike und Nicole an. "Ich kann nicht" sagte Nicole. "Ich würde gern" sagte ich. Wir beschlossen das ich kurz mit zu Nicole gehe und rechtzeitig wieder da bin.
sie zeigte mir ihr Zimmer und redete ununterbrochen dabei. Sie gab mir Ratschläge wie diesen zum Beispiel: "Das mit Mike würde ich mir überlegen, den haste doch nie für dich allein."
"Wie meinst du das?" fragte ich sie. Sie antwortete nicht. Stattdessen sagte sie: "Es ist Zeit, wenn du mit Mike fahren willst. Wir sehen uns morgen."
Ich blieb zögernd stehen und überlegte ernsthaft was ich tun sollte. Will ich wirklich mit Mike mitfahren? Von Nicole ging eine ungeheuerliche Anziehungskraft aus.
Gern wäre ich auch bei ihr geblieben. Doch ich hatte so lange auf den Augenblick gewartet. Endlich hatte ich Mike getroffen. "Nun hau schon ab" sagte sie.
Ich weiß selbst nicht warum ich das tat, aber ich streckte Nicole die Hand hin und sagte: "Ciao, bis morgen". Sie lachte und sagte: "Kannst dich ja auch noch verbeugen."
Sie gab mir trotzdem ihre Hand. Ein seltsames Gefühl überkam mich. Ich rannte zu Mike. Dabei dachte ich an Nicole. Ich war froh sie kennen gelernt zu haben.
Ich ging kurz ins Bad und zog mir ein Kleid an. Mike saß im Wohnzimmer. Ich drehte mich einmal im Kreise und fragte: "Und?, geht das so?"
Er musterte mich von oben bis unten und meinte dann: "Nimm dir lieber noch was zum anziehen mit, wir gehen vorher Schlittschuhlaufen."
Na toll, dachte ich mir. Ich werde mich blamieren bis auf die Knochen. Ich nahm meine Windjacke und sagte: "Ok, wir können".
Unterwegs im Auto unterhielten wir uns weiter. Ich fragte ihn nach Nicole. Er bremste plötzlich stark und fuhr auf einen Parkplatz.
Aus dem Handschuhfach holte er eine Schachtel Zigaretten. Er hielt mir wortlos die Schachtel hin. Ich nahm einfach eine Zigarette obwohl ich noch nie geraucht hatte.
Er gab mir Feuer und zündete sich anschließend selbst eine Zigarette an. Er fing an zu erzählen..."Nicole ist eine sehr sehr gute Freundin von mir..."
Nach dem ersten Zug bekam ich einen Hustenanfall. Er nahm mir die Zigarette weg und warf sie zum Fenster raus: "Du solltest das besser lassen."
Er stieg aus, setzte sich auf die Motorhaube, rauchte und erzählte weiter....

Kapitel 15

Andrea


Das ganze hat mich ziemlich schockiert. Ich beschloss Nicole darauf hin anzusprechen. Gleich morgen würde ich es tun. Wir fuhren weiter.
Wider Erwarten war nicht so viel Verkehr wie ich erwartet hatte. Wir kamen zügig durch die Stadt und waren schnell an der Eiskunsthalle angelangt.
Mike suchte sich einen Parkplatz und wir schlenderten langsam in Richtung Eingang. Mike hatte eine große Sporttasche bei sich.
Da ich keine Schlittschuhe hatte mußte ich mir welche ausleihen. Ich zog meine Jacke über setzte mich auf eine der zahlreichen Bänke und
zog meine Schuhe an. Es war ziemlich kalt. Ich fror. "Dir wird dann schon warm werden" sagte Mike, als ob er Gedanken lesen konnte.
Schon beim ersten Schritt auf dem Eis wäre ich beinahe hingefallen. Ich hielt mich an Mike fest. Jetzt fiel mir auf das es das erste Mal war das sich unsere Hände berührten.
Es war gar nicht so schwer wie ich dachte. Anfangs hatte ich immer das Gefühl als würde ich jeden Moment nach hinten kippen.
Aber solange es nur gerade ausging gab es keine Probleme. Es machte mir sehr viel Spaß. Es lief laute Discomusik und es waren nicht all zu
viele Leute auf dem Eis. Ich kam mir albern vor mit meinem Kleid und der Windjacke. Nach einiger Zeit mußten wir vom Eis. Es wurde neu geglättet. Ein dicker Mann fuhr dazu
mit einem unförmigen Gerät im Schneckentempo die gesamte Eisfläche ab. Wir nutzten die zeit und tranken in einer kleinen gemütlichen Ecke
in der nähe des Einganges eine heiße Schokolade. Wir schwiegen uns die meiste Zeit an.
Dann ging es weiter. Ein greller Hupton verkündete das die Eisfläche wieder freigegeben ist. Jetzt waren es schon mehr Leute. Mike lief mit gleichmäßigen Tempo
immer fünf Meter vor mir. Plötzlich schlitterte ein dunkelhaariges Mädchen mit Sonnenbrille direkt Mike in die Arme. Beide standen und ich wäre Mike fast in den Rücken gerutscht.
Sie lächelte ihn an. Mir war sie gleich unsympathisch. Zum ersten mal wurde mir bewußt wie eifersüchtig ich doch war.
Mir war es zu dumm mich neben die beiden zu stellen und ihrem Gespräch zuzuhören. Ich lief einfach weiter. Durch die großen
Glasfenster an der Hallenkuppel fielen Sonnenstrahlen wie feingekämmte Haare schräg auf das Eis. Die hereinströmende wärmere Luft an den vier Eingängen zur Halle
kondensierte und bildete zusammen mit den Sonnenstrahlen ein einmaliges Bild, ähnlich einer nebligen Wiese am frühen Morgen. Etwas geheimnisvolles.
Mike hatte die Eisfläche verlassen und saß mit dem Mädchen auf einer Bank. Ich hätte sie am liebsten zum Mond geschossen. Ich beschloss
einfach zu den beiden zu gehen. Ich lief sehr langsam um nicht hinzufallen. Ich beugte mich zu Mike und gag ihn einen Kuss auf die Wange.
Er guckte mich ganz verwundert an, das Mädchen schaute hilflos zu mir dann zu Mike und wieder zu mir.
Ich setzte mich einfach zwischen die beiden. Mike rettete die peinliche Situation: "Tina, das ist Andrea, Andrea das is Tina"
Das gibt's doch nicht, dachte ich mir.. sie heißt auch ANDREA, wie ich. Doch das wußte nur ich. Für die beiden war ich Tina.
Mike verkündete scheinbar als wäre es nicht weiter von Bedeutung das diese Andrea mit zur Party gehen würde. Er hatte sie kurzer Hand eingeladen.
Mir gefiel das gar nicht. Noch schlimmer fand ich das sie sich im Auto neben Mike setzte. Ich nahm also auf dem Rücksitz Platz.
Ich beschloss das Mädchen zu verunsichern und sie zu ärgern: "Du siehst gar nicht gut aus, du bist so blaß, ist dir nicht gut?" Das sagte ich einem
mitfühlenden Ton, der das ganze glaubhaft erscheinen lassen sollte. Mike blickte zu ihr herüber und meinte: "Finde ich nicht, sie sieht doch phantastisch aus."
Als sich auch noch diese Andrea zu mir umdrehte und sagte: "Willst du mit diesem Kleid zur Party? Wir können bei mir vorbei fahren, da können wir was anständiges raussuchen..." rastete ich bald aus.
"DIESES Kleid ist teurer als deine ganzen Klamotten zusammen die du jemals hattest!... aber bitte...." Das hatte gesessen. Die Andrea drehte sich empört um.
"Mike halte dort mal bitte..." sagte ich. Ich hatte einen Klamottenshop gesehen. LOLLIPOPP - YOUNG Fashion.
Mike hielt weiter vorn. direkt vorm Geschäft waren keine Parkplätze. "Das muß nicht sein... das Kleid ist in Ordnung" sagte Mike.
"Nein, Andrea hat recht.. ich brauche was besseres" sagte ich trotzig und lief in Richtung des Geschäftes.
Ich hatte nicht erwartet das Mike und Andrea hinterher kamen. doch das kam mir sehr gelegen.
"Suchst du etwas bestimmtest? " fragte mich eine sympathische junge Verkäuferin.
"Was für eine Party...." entgegnete ich. "Was ist es denn für eine Party?, Ich nehme an junge Leute?" fragte die Verkäuferin.
Mike nickte einmal in meine Richtung als ich ihn fragend anblickte. "Wir werden nie mehr ankommen" sagte diese Andrea ungeduldig.
Sie sah sich im Geschäft um, verdrehte aber jedes Mal die Augen wenn sie auf ein Preisschild schaute. Ich entschied mich für ein megakurzes Kleid.
Es war ähnlich wie ein Tenniskleid geschnitten. Die Verkäuferin suchte mir passende Schuhe heraus.
Dazu passten noch hervorragend lange Strümpfe die bis weit über die Knie reichten.
Der Andrea verschlug es fast die Sprache. An Mikes Gesichtsausdruck konnte ich erkennen das ihm die Sachen gefielen. Ich bezahlte mit meiner KIDSMONEY-CARD
die mir mein DAD nach langem Betteln für mich beantragt hatte. Die Karte war auf 5000 DM begrenzt im Monat. Die Klamotten kosteten insgesamt
595 DM. Da ich schon eine Menge in diesen Monat ausgegeben hatte, befürchtete ich schon das das Bezahlen nicht funktionieren würde. Ich hielt die Luft an.
Bitte nicht so eine peinliche Situation, dachte ich. Diese Andrea hätte sich bestimmt totgelacht. Die Sekunden bis endlich die Bestätigung kam, dauerten für mich
wie eine Ewigkeit.
Ich hatte die Klamotten gleich angelassen. In meiner linken hand hielt ich einen großen Papierbeutel in dem sich mein altes Kleid befand.
"Willst du auf den Babystrich, oder was ?" fauchte mich diese Andrea an. "Und du.. du willst sicherlich Müll auflesen gehen, wie du rumläufst." fauchte ich zurück.
"Jetzt reicht es aber mal, könntet ihr mal damit aufhören?" sagte Mike und blieb dabei stehen. "Is doch wahr, was macht die mich so blöde an" sagte ich
ärgerlich. "Tut mir leid, aber du siehst aus als möchtest du heute nacht Geld verdienen" stichelte diese Andrea weiter.
Ich wollte gerade sagen, das Mike das umsonst bekommt, aber ich lies diese dumme Bemerkung lieber sein. "man eh, nun is wirklich mal Schluss..." mit diesen
Worten beendete Mike die Diskussion. Es war dunkel als wir auf der Party ankamen. Es waren sehr viele Leute dort die alle Mike kannten.
Ständig wurde er von Leuten angesprochen. Andrea warf mir immer einen höhnischen Blick zu. Und dann geschah etwas komisches.
Sie streckte mir tatsächliche die Zunge heraus. Wie im Kindergarten..dachte ich noch. Sie kam sich ziemlich cool vor neben Mike.
Ich nahm einfach ein Glas von einem der Tische. Das Glas war voll mit Bier.
Ich ging langsam zu der Andrea nahm das Glas und kippte aus über ihren Kopf aus. Die Andrea brachte nur ein "Ahh" heraus, so überrascht war sie gewesen. Die Leute jubelten, lachten und gröllten.
Mike guckte die Andrea an und mußte anfangen mit lachen. Sie haute ihn mit der flachen Hand auf die Wange worauf die Leute noch mehr lachten.
Andrea stieß mich zur Seite und verschwand. Alle lachten und machten Witze und gaben Kommentare ab: "Mike bringe die auf jeden Fall das nächste mal wieder mit..kannst dir ja auch n Helm aufsetzen."
Nach einer halben Stunde gingen wir dann. Mike hatte mich nicht ein einziges Mal seit dem Vorfall angesprochen. Ich dachte das er ziemlich sauer sei.
Doch als wir wieder im Auto saßen lachte er und meinte das das ganze doch recht witzig gewesen sei.
Ich war erleichtert.
Zuhause angekommen, schauten wir beide noch mal kurz in den Chat. Kurz vor drei ging ich ins Bett. Mike kam kurze zeit später nach....
Vögel zwitscherten. Völlig ausgeschlafen und entspannt und zufrieden setzte ich mich ins Bett.
Mike war schon aufgestanden. Er stand plötzlich im Schlafzimmer und warf mir mit den Worten: "Na endlich wach?" ein Kissen an den Kopf.
"Was heißt hier endlich? Es ist gerade mal zehn Uhr..." Wir machten Frühstück, danach rannte ich zu Nicole.
Enttäuscht mußte ich mir von ihrer Schwester anhören das sie noch schläft und das da vor Mittag wohl nichts zu machen sei.
Ich wußte nicht so recht was ich machen sollte. Ich beschloss einfach ein wenig durch den mir noch unbekannten Ort zu laufen.
Nach zehn Minuten kam ich an einen NETTO-Markt an. Ich erschrak. Das konnte nicht sein! Dort stand Akiras BMW. Meine Schläfen pochten.
Mit einen mal kamen alle Erinnerungen wieder. Ich zitterte und mir war trotz der Wärme kalt.

Kapitel 16

Nicole erzählt




Ich lief zu dem BMW hin. Das Kennzeichen stimmte. Ein Mädchen von vielleicht 20 Jahren kam aus dem Markt, stieg in den BMW ein und fuhr davon.
Das alles ging so schnell, das ich nicht mal überlegen konnte was ich machen sollte.
Das ganze bereitete mir ziemliches Kopfzerbrechen. War es Zufall das der BMW hier war?. Kannte AKIRA Mike? Hatten sie Kontakt zueinander?
Ich mußte das herausfinden. Ich hatte Akiras Nummer noch im Kopf. Ich überlegte kurz. Ich sah eine alte Frau welche ein Fahrrad schob an dessen Lenker schwere
Einkaufsbeutel hingen.
"Wo ist hier eine Telefonzelle ?" sprach ich sie an. Sie erklärte es mir umständlich. Es schien als sei sie froh darüber das sie jemand angesprochen hat. Sie tat mir plötzlich leid.
Ich fragte ob ich ihr helfen könnte mit den schweren Einkaufstaschen. Sie freute sich. Ich schob ihr Rad, sie lief mit einem watschelnden Gang wie
eine Ente hinterher und sagte mir immer wenn ich wo abbiegen sollte. sie sprach mich immer mit "Kindchen" an.
Ich trug ihr die Taschen nach oben. Ihre Wohnung war sehr gemütlich eingerichtet. Eine große altmodische Standuhr fiel mir sofort auf.
Das Ticken war nicht zu überhören. Sie bot mir einen Saft an. Dann fing sie an zu erzählen. Ich wollte los und schließlich habe ich mich überwunden ihr
zu sagen das ihr jetzt keine Zeit habe und das ich wenn sie möchte morgen wieder vorbei kommen würde.
Ihre Lippen bebten vor Freude. ihre Augen waren glasig mit Tränen gefüllt. Ihre ganze Erscheinung verriet ein hartes Leben.
Die Wangen zeigten die typisch lilafarbenen Erfrierungen.
Ich mußte ihr noch dreimal versprechen am darauffolgenden Tag zu ihr zukommen. Sie wollte einen Kuchen backen. Sie nahm zum Abschied meine Hand, umschloss sie mir ihren beiden rauen Händen.
Ihr Kopf zitterte beim reden: "da nimm mein Kindchen" mit diesen Wort hilt sie mir ein Fünfmarkstück hin.
Ich erklärte ihr das ich nicht wegen Geld zu ihr komme und das ich morgen auf jeden Fall wieder kommen würde und das sie mir bitte nichts schenken soll. Ich lief die Treppen herunter. Sie stand oben am Fenster und winkte. Ich winkte kurz zurück und rannte zur Telefonzelle.
Akiras Nummer war nicht mehr vergeben.
Ich rannte zu Nicole. Es war schon kurz vor eins. Jetzt mußte sie wach sein. Doch wieder fing mich ihre Schwester schon im Treppenhaus ab.
Sie stand da wie ein Wachhund. "Wer bist du eigentlich?" fragte sie mich. "Eine Freundin von Nicole" Nicole stand plötzlich oben vor der Wohnungstür: "Hi Tina, komm rein"
Ich ging an Nicoles Schwester vorbei. Die rief noch:" Vergiss nicht den Geschirrspüler auszuräumen" "Du kannst mich auch" rief Nicole ins Treppenhaus hinunter.
Wir machten uns in ihren Zimmer auf dem Fußboden bequem. Nicole schaltete leise Musik ein. Draußen fing es plötzlich an zu regnen. Dann zog ein heftiges Gewitter auf.
Der Regen prasselte ans Fenster. Plötzlich war der Strom weg. Nicole zündete eine Kerze an. Es wurde richtig dunkel.
Ich fragte Nicole nachdem was Mike am vorhergehenden Tag angesprochen hatte. Ich wollte wissen was los war. Mike hatte mir einiges verschwiegen. Das spürte ich.
Langsam fing Nicole an zu erzählen. Die Stimmung dieses Momentes werde ich mein Leben nie mehr vergessen. Der Regen. Das Gewitter. Die Kerze
die das Gesicht von Nicole silhouettenhaft beleuchtete. Immer wieder Donnergrollen. Grelle Blitze.
Nicole erzählte....
Du willst wissen was zwischen Mike und mir ist? Ok ich werde es dir erzählen. Höre mir erst einmal zu. Gleich vornweg wir sind nicht zusammen.
Doch etwas verbindet uns. Meine beste Freundin. Sie war Mikes Freundin. Sie waren fast zwei Jahre lang zusammen. Aber alles der Reihe nach..
In meine Klasse ging ein Mädchen. Ihre große Schwester, Daniela, war meine beste Freundin. Mit ihr kam ich besser aus als mit meiner eigenen Schwester.
Du mußt wissen Daniela war gleich alt wie meine Schwester. Sie war neunzehn damals. "Sie war. gleich alt wie deine Schwester? war?" fragte ich.
Unterbrich mich bitte nicht und höre erst alles an, dann wirst du verstehen...
Also Daniela war neunzehn, meine beste Freundin und mit Mike zusammen. Sie war die beste Freundin die man sich wünschen konnte. Oft haben mich Mike und Daniela mitgenommen wenn sie
etwas unternommen haben. Obwohl ich manchmal bestimmt ziemlich nervig war, hat sie sich nie beschwert. Sie hatte immer Zeit für mich und hörte mir immer zu.
Meine Eltern und Mike sind ja gut befreundet. Auch Daniela war mit ihrer Familie immer bei jeden Treffen mit dabei. Oft haben wir gegrillt und haben Spaß gehabt.
Es war ein richtig warmer Frühling. Meine Klasse war auf Klassenfahrt in Spanien. Danielas Schwester also auch, sie war ja in meiner Klasse.
Ich war nicht mit dabei, ich hatte mir im Sport den Arm angebrochen. Also bin ich zuhause geblieben.
An einen Freitag beschlossen wir abends zu grillen. Mike ,Daniela, meine Eltern, Danielas Eltern und ich.. wir wollten abends grillen...
Mike war noch auf arbeit. Wir teilten uns die Vorbereitungen. Ich und meine Eltern bereiteten den Garten vor hängten Lichterketten auf und Daniela fuhr mit ihren Eltern
einkaufen. Sachen zum Grillen wollten sie kaufen. Doch daraus wurde nichts. Unterwegs ist ihnen ein LKW reingefahren. Der Fahrer war betrunken.
Das kleine Auto von Daniela hatte keine Chance gegen einen LKW. Ihr Dad war auf der Stelle tot. Ihre Mum kurze Zeit im Krankenhaus..
Daniela lag im Koma. Zwei Tage lang. Ich war in einen unbeschreiblichen schlechten Zustand. Ich aß nichts und bin mit Mike dreimal am Tag ins Krankenhaus gefahren.
Wir saßen stundenlang neben ihr, sie lag unbeweglich im Koma, wir saßen da haben uns Mut gemacht, geweint.. stundenlang.
Nach zwei Tagen ist sie aufgewacht. Ihr ging es anscheinend gut. Noch schwach fing sie an zu reden. Sie konnte sich bruchstückhaft an den Unfall erinnern.
In den Moment fiel ihr wahrscheinlich ihre Eltern ein. Sie fragte nach ihren Eltern. Sie wollte wissen wann sie sie besuchen kommen.
Sie hatte nicht mal den Verdacht das auch sie nur verletzt sein könnten. Ich und Mike schauten uns an, konnten nicht antworten.
Sekunden die wie eine Ewigkeit vorkamen sah uns Daniela an und fragte noch einmal `was ist.. sagt was ist..`

Eines der Geräte fing laut an zu piepsen. Ein anderes welches gleichmäßig alle Augenblicke einen Ton abgab wurde in der Folge schneller.
Die Abstände zwischen den Tönen wurde kürzer. Als zwei Schwestern hereingerannt kamen war der Ton in einen Dauerton übergegangen. Daniela hatte die Augen zu.
Ihre Lippen hatten den Anschein eines kaum erkennbaren Lächelns. Ich wußte nicht was ich in diesen Moment fühlte. Ich schrie immerzu nein. Dei Schwestern hatten Mühe mich hinauszubringen.
ich strampelte und schrie. Noch einmal sah ich Daniela als Ärzte sie mit der Liege an mir vorbei schoben. Sie rannten. Ich wollte hinterher.
Die Schwestern und ein Pfleger hielten mich fest. Irgendwann später verließ ich und Mike das Krankenhaus. Ich hatte kein Zeitgefühl mehr, gar nichts..
Mike wurde die wichtigste Person in meinen Leben. Wir haben nächtelang erzählt. Die Beerdigung war hart. Die Schwester von Daniela kam von der Klassenfahrt wieder.
Sie schloß irgendwann mit ihren Leben ab. Sie zog zu ihre Oma an die See und war ein halbes Jahr später tot. Sie hat sich eine
Überdosis gespritzt. Mein Leben hat sich seit dem radikal verändert. Gut du willst was von Mike, kann sein, ich werde dir da nicht im Wege stehen, doch er wird immer die wichtigste Person in meinem Leben bleiben.
Das darfst du nie vergessen und solltest es verstehen.
Es gewitterte immer noch. Ein starker Donnerschlag schreckte mich auf. Ich konnte nicht mal weinen. Das mit meiner Schwester war
zu frisch, die Erinnerungen. Immer wieder kamen sie. Rissen die alten Wunden in mir auf. Nicole schaute mich nachdenklich an.
Mit einem "Naja.. jetzt weißt du es..." schloss sie ihre Erzählung ab. Sie nahm ein Papiertaschentuch aus einer Packung
aus einem Schubfach und wischte sich die Augen. Zog ich so was an? Warum werde ich nur noch mit den traurigsten Kapiteln eines Lebens konfrontiert?
Wie als hätte ich eine Vorahnung sollte das noch nicht das letzte Mal gewesen sein.
Ich setzte mich näher an Nicole ran die sichtlich niedergeschlagen und traurig aussah. Ich legte meinen Arm um ihre Schultern und sprach ganz leise:
"Keine Angst, ich werde dir Mike nicht weg nehmen." Sie sagte gar nichts. Sie schaute einfach in die Flamme der Kerze. Noch immer hatte ich meinen Arm um ihre Schulter gelegt.
Ein komisches unbeschreibliches Gefühl überkam mich, wie ich es bisher nur bei Jungs empfunden habe.
Plötzlich kam der Strom wieder. Die Musik ging wieder an. Nicole stand auf und sagte: "Du ich brauche bissel Ruhe. Komme bitte später wieder, sei nicht böse, es ist nichts gegen dich.. komme einfach in drei Stunden wieder..."
Wortlos stand ich auf. Ich war gar nicht böse auf sie. Ich konnte sie sehr gut verstehen. Gern hätte ich ihr das gesagt.
Sie legte mir beide Hände auf die Schultern, gab mir einen Kuss auf die Wange und sagte: "Tschö, bis später"
Ich stand da wie eine Statue, bewegungslos. Mein Herz raste. Ich rannte hinaus in den Regen. Ich lief durch die Strassen.
Es störte mich nicht das meine haare ganz nass wurden. Ich lief einfach ohne Ziel ohne einen Gedanken fassen zu können.
Die frische Luft tat mir gut.
Irgendwann ging ich zu Mike. Er hatte einen Zettel geschrieben das er abends zurück sei. Ich ließ mir ein heißes Bad ein und
saß eine stunde in der Wanne und hörte Musik dabei. Erschöpft legte ich mich hinterher aufs Sofa und schlief ein. Ich hatte einen wirren Traum.
Ich bin mit Nicole auf einer Party. Wir küssen uns und Mike kommt mit der alten Frau auf einen Fahrrad hereingefahren und verteilt
an alle Zettel mit Akiras Telefonnummer.
Das Klingeln an der Wohnungstür beendete meinen Traum. Es war Nicole. Ich kam mir dumm vor und wenn sie mich ansah so hatte ich ständig das
Gefühl als kennt sie meinen Traum und meine Gedanken. Sie begrüßte mich ohne Kuss, was ich etwas schade fand. Irgendwas an ihr zog mich magisch an.
Natürlich verschwieg ich ihr das. Wir verbrachten den Vorabend mit Brettspielen. Immer wieder dachte ich auch an Mike.
Nicole gewann ständig. Ich war nicht richtig bei der Sache. Immer wieder ertappte ich mich dabei wie ich Nicole regelrecht anstarrte.
"Ja guck nicht so" lachte sie "was kann ich dafür das ich immer gewinne? Tja, ich bin halt besser" sie lachte zum ersten mal richtig seit dem ich sie kannte.
Irgendwann kam sie dann auf die Idee ihre Haare zu färben. Ich sollte ihr dabei helfen. Ich war hinterher noch verwirrter. Ich wußte nicht was mit mir los war.
Da habe ich es endlich nach einem Jahr geschafft Mike kennen zu lernen und dann rennt mir da ein Mädchen über den Weg was meine
Gefühle durcheinander bringt.
Ich beschloss abends was mit Mike alleine zu unternehmen. So konnte es nicht weitergehen. Ich muß Nicole erst mal meiden, dachte ich mir.

Kapitel 17

Begegnung mit der Vergangenheit




Der nächste Morgen war grau und nass. Gerade als ich im Badezimmer war kam mir ein Verdacht. Es konnte kein Zufall sein, das ich Akiras Auto hier gesehen habe.
Gut er könnte es verkauft haben. Nur warum sehe ich es hier, zweihundertfünfzig Kilometer von Nürnberg entfernt. Ich glaubte felsenfest daran, das das kein Zufall sein konnte.
Ich brauchte so schnell wie möglich Geld. Mein letztes hatte ich für den Kauf der Klamotten ausgegeben was ich mittlerweile schon bereute.
Mir fiel ein das ich heute zu der alten Frau kommen sollte. Ich rechnete mir die Zeit aus. Ich müßte hinterher unbedingt nach Nürnberg fahren um etwas in Erfahrung zu bringen.
Nur um zu fahren bräuchte ich erst mal Geld. Nur woher wenn keine Bank überfallen?
Ich bräuchte mindestens vierhundert Mark. Dann in Nürnberg würde ich schon Geld auftreiben. Nur erst mal Geld um schnell dahin zu kommen und das geht nur mit einen Taxi. Und Taxis sind teuer.
Ich fragte Nicole, versprach ihr das Geld in einen oder zwei Tagen zurückzugeben. Sie hatte nur zweihundertfünfzig. Den Rest gab mir Mike. Ich log ihn vor ich wolle eine Tante
in Leipzig besuchen.
Ich besuchte am Nachmittag die alte Frau, Luisa hieß sie. Sie hatte tatsächlich Kuchen gebacken. Sie freute sich wie ein kleines Kind
als ich kam, sie hatte wohl nicht so recht dran geglaubt. Sie erzählte mir bei Kaffe und Kuchen von ihren Mann der im Krieg gefallen war.
Da war die junge Ehe noch kinderlos gewesen. Sie hatte nicht wieder geheiratet. Nur schwer gearbeitet, all die Jahre und hatte sich hier ihre eigene
kleine Welt geschaffen, nach einer alten nicht mehr existierenden Welt. Die einzige Verbindung waren die Einkäufe die sie für kurze Zeit
in das reale Leben entließen. Keine Kinder, keine Verwandte, keine Freunde.. sie war eine unauffällige Frau die in die Jahre gekommen war und
nun einsam war und sich so auf den Besuch von mir gefreut hatte. Sie erzählte mir aus ihrem Leben. Als es siebzehn Uhr war wollte ich aufbrechen.
Ich versprach ihr ganz fest wieder zu kommen. Wieder nahm sie zum Abschied meine Hand in ihre beiden. Sie hatte Tränen in den Augen.
Ihre Stimme war zittrig und leise. Unten an der Tür kam es mir vor als mache ich einen Zeitsprung von fünfzig Jahren.
Ich rannte zur Telefonzelle , bestellte ein Taxi und war kurz nach neunzehndreißig in Nürnberg. Christiane staunte nicht schlecht. Sie
umarmte mich und machte sich gleich daran eine Pizza zu backen.
Ich gin in mein Zimmer und suchte mir passende Klamotten raus.
Jeans, Basecape, meine Jacke die Gürteltasche von Christiane und Handschuhe. In die Tasche packte ich eine Taschenlampe, mehrere Disketten, dann ging ich essen.
Ich erzählte Christiane das ich noch heute zurückfahren werde. Sie wunderte sich über meine ungewöhnliche Kleidung. Ich erzählte ihr das das im Osten modern sei.
Sie lachte: "Deswegen bist du extra hier her gekommen?"
Ich erzählte ihr noch das ich Geld bräuchte. Christiane gab mir einhundert Mark. "Damit komme ich ja nicht mal aus Nürnberg raus.."
Ich ging nach dem Essen in die Bibliothek. Ich öffnete den Safe und hoffte das etwas Geld darin sei. Mehrere gebundene Päckchen Geld lagen darin.
Neben einigen ausländischen Währungen war auch ein Päckchen Geldscheine in deutscher Währung. Ich nahm das aus Füfhundert-Mark-Scheinen
bestehende Päckchen und packte es in die Gürteltasche. Ich überlegte kurz nahm das Päckchen wieder heraus zog zehn Scheine heraus und legte das Päckchen wieder in den Safe. Mein Vater wird mich sicherlich umbringen, doch
daran wollte ich jetzt nicht denken. Ein in einen Lappen eingewickeltes schweres Bündel machte mich neugierig. Ich nahm das Bündel, legte es auf den
großen schweren Holztisch in der Mitte des Raumes. Ich lauschte noch einmal an der Tür um mich zu vergewissern das Christiane nicht plötzlich
hereinkommt. Ich öffnete den Lappen. Es kam eine kleine Selbstladepistole zum Vorschein und drei nein vier kleine Pappschachteln
mit Munition. Belgischer Browning Kaliber 6,35. Ich wunderte mich, das mein Vater nicht alle Waffen nach dem Vorfall damals weggeschafft hat.
Ich zog den Schlitten zurück. Eine kleine kupferfarbene Patrone sprang heraus. Mit einem leichten Druck auf einen ovalförmigen
Knopf oberhalb der Griffschale aus Plaste sprang das Magazin heraus. Ich zog noch einmal den Schlitten zurück. Die Patrone die sich im Lager befunden hatte sprang heraus. Ich nahm beide Patronen steckte sie wieder ins Magazin und schob das Magazin zurück in das Griffstück.
Ich säuberte die Pistole mit dem Lappen, sie war ganz ölig. Meine Hände jetzt auch. Ich packte die vier Pappschachteln Munition wieder in den Lappen, legte sie zurück in den Safe.
Die Pistole steckte ich in meine Gürteltasche. Ich bestellte ein Taxi, verabschiedete mich von Christiane und fuhr dann in Richtung zu Akiras Wohnung.
Den letzten Kilometer legte ich zu Fuß zurück. Es war bereits dunkel.
Von sicherer Entfernung beobachtete ich erst das Grundstück. Nichts regte sich. An die Bewegungsmelder hatte ich nicht mehr gedacht.
Ich stand auf einmal mitten im Licht der weit oben an der Hauswand angebrachten Lampen. Ich rannte zunächst zurück an den Rand einer großen Hecke.
Krampfhaft überlegte ich wie ich die Bewegungsmelder umgehen konnte. Mir fiel nichts ein. Also ging ich ganz normal zur Haustür und klingelte erst mal.
Nichts passierte. Ich klingelte ein weiteres Mal und setzte mich regungslos auf die Stufen vor der Tür. Nach einiger Zeit verlosch das Licht.
Bei der kleinsten Bewegung ging es wieder an. Mist, dachte ich. Ich schätzte wie hoch der Bewegungsmelder angebracht sei. Es müßten ungefähr
zwei Meter sein. Ich sah mich um, dann kam mir eine Idee. Ich ging zu einer Regentonne welche an der hinteren Hauswand unter dem Fallrohr einer Regenrinne
stand. Sie war halb gefüllt. Mir größter Anstrengung gelang es mir sie umzukippen. Das verursachte mehr Lärm als ich vermutet hatte. Ich rannte wieder zur Hecke und wartete zehn Minuten.
Nichts geschah. Ich nahm die Tonne rollte sie genau unter den Bewegungsmelder. Ich kletterte auf die Tonne und versuchte den Melder nach oben zu drehen.
Er war zu fest, es ging nicht. Ich brauchte etwas zum abdecken. Ich hatte kein Tuch dabei. Mir bleib nichts anderes Übrig als einen meiner Strümpfe
über den Bewegungsmelder zu stülpen. Nach einiger zeit ging das Licht aus und blieb auch aus. Die Haustür war ziemlich massiv. Hier war nichts zu machen.
Ich lief einmal ums ganze Haus. Außer zwei Fenster gab es nichts. Ich suchte nach einen größeren Stein und fand natürlich nichts.
Ein Besen lehnte neben der Tür. Ich schlug mit einem kräftigen Schlag auf das erste Fenster. Außer Lärm erreichte ich damit nichts.
Ich ging zurück zur Haustür. Nein die war zu massiv. Ich probierte die Klinge. Die Tür war nicht abgeschlossen!
Vor Schreck machte ich sie erst mal leise wieder zu. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich zog mein Cape etwas tiefer ins Gesicht, nahm die Taschenlampe
aus der Tasche uns öffnete ganz leise die Tür. Auf Zehenspitzen schlich ich zum Wohnzimmer. Alles war leer. In keinem der Zimmer war auch noch irgendetwas zu finden.
Plötzlich wurde es kurz hell im Zimmer. Ich erschrak furchtbar. Durch das Fenster sah ich die Scheinwerfer eines Autos das kurz vor der Haustür zum stehen kam.
So schlecht war mir noch nie gewesen wie in diesem Augenblick. Mit zittrigen Händen holte ich die Pistole heraus schlich die Treppe nach oben.
Gleich nach der letzten stufe stürzte ich über etwas was sich merkwürdig anfühlte. Ich schrie vor Schreck kurz auf. Ich hoffte nicht das vorzufinden was ich dachte.
Zitternd rutschte ich auf dem Hintern so weit weg wie es ging von dem vo ich drüber gestürzt war. Unten hörte ich Geräusche an der Tür.
Licht wurde im unteren Teil des Hauses angemacht. Ich holte die Taschenlampe heraus und beleuchtete für einen Bruchteil das worüber ich gefallen war.
Ich war erleichtert. Es war ein zusammengerollter Teppich. Zur Sicherheit rollte ich ihn auf. Es befand sich nichts darin.
Ich hörte Stimmen. Eine Frauenstimme und die eines Mannes: ".. es wird dir gefallen, da bin ich sicher.. ein paar bauliche Veränderungen und du hast dein Traumhaus"
Die Frauenstimme sagte: "im Garten möchte ich unbedingt einen Teich.." Das Licht ging aus und die Tür würde wieder geschlossen.
Diesmal mit einen Schlüssel abgeschlossen. Jetzt erst merkte ich das ich total schwitzte, ich zitterte am ganzen Körper. Die Pistole hatte ich noch verkrampft in der Hand.
Nach ein paar Minuten entfernte sich das Auto. Ich ging in das Wohnzimmer. Weil die Tür verschlossen war öffnete ich ein Fenster.
Ich setzte mich auf das Fensterbrett und wollte grade springen als das Auto zurückkam. Nein! Es war nicht DAS Auto, sondern DER BMW!
Vor Schreck wäre ich beinahe runtergerutscht. Ich zog mich wieder nach oben. Jetzt war ich genau im Scheinwerferlicht des BMW. Zu spät man hatte mich gesehen. Ich rannte zurück die Treppe rauf. Diesmal fiel ich nicht über den Teppich.
Die Tür öffnete sich nicht. Nichts geschah. Hier oben gab es außer einem schrägen Dachfenster nichts. ich konnte nicht nach unten schauen.
Mir kam es vor als hörte ich etwas was sich anhörte als würde jemand zum Fenster hereinklettern. Bilde ich mir das alles ein?
Ich wünschte mir das alles ein Traum ist und das ich aufwache. nein! das war keine Einbildung. Ich hörte deutlich Schritte.
Hier gab es nichts zum verstecken. Das Dachfenster, Ich muß aufs Dach klettern. Jetzt erst merkte ich das sich das Fenster gar nicht öffnen lies.
Ich war verzweifelt und hätte am liebsten losgeheult. Warum war ich nicht bei Mike geblieben. Warum mußte ich hier her.
Ich hörte keine Schritte mehr. Dafür hörte ich die Stimme eines Mädchens: "Sven? Sven bist du da?" Die Stimme klang sehr ängstlich. Doch das konnte mir meine Angst auch nicht nehmen.
"OK" sagte die Stimme jetzt energischer. Mein Herz blieb fast stehen als ich deutlich das bekannte Geräusch eines zurückschnappenden
Schlittens einer Pistole hörte. Bewegungslos saß ich mit dem Rücken an die Wand gelehnt da und versuchte so leise es ging zu atmen.
Ich hörte nichts. Es vergingen fünf Minuten, dann zehn Minuten. Nichts geschah. Keine Schritte. Kein Licht. Einfach nichts.
Ich zitterte immer schlimmer.

Kapitel 18

Alltag


Mein Herz pochte so sehr das es mir vorkam es müßte in hundert Metern Entfernung zu hören sein.
Ich schlich die Treppe hinunter. Schritt für Schritt. Minutenlang. Unten angekommen sah ich sie stehen. Sie stand mit dem Rücken zu mir gerichtet und starrte in die Dunkelheit.
Ich konnte sie kaum erkennen. Nur das Licht des Halbmondes schien durch das weit geöffnete Wohnzimmerfenster. Sie hatte blondes Haar, es war das Mädchen
was ich vor kurzem vor dem Nettomarkt gesehen hatte. Ich konnte nicht erkennen ob sie eine Pistole in der Hand hat oder nicht.
Plötzlich nieste sie laut. Ich bin vor Schreck so zusammengezuckt, das ich dachte das is mein Ende.. Herzinfarkt.
"Das is doch Scheiße, verdammte Scheiße" sagte sie ziemlich laut und kletterte durch das Fenster nach draußen. Ich öffnete rasch aber leise das andere Fenster und kletterte so schnell wie es ging heraus.
Jetzt ging es mir erst mal besser obwohl ich fürchterlich fror. Das Mädchen lief im Garten umher. Wie ferngesteuert lief sie
in fast geometrischen Formen im Garten umher. Ich schlich zur Hecke. Mein Strumpf fiel mir ein. Egal ich werde ihn hier lassen müssen.
Sie war jetzt am Ende des Gartens angelangt blieb stehen, es schien als schaute sie zu mir herüber. Wieder zuckte ich zusammen als sie losschrie:
"Du komm jetzt raus, ich habe ..." Was hatte sie? Sie sprach nicht weiter. Der BMW stand ungefähr vier Meter vor mir. Ich schlich hin.
Im inneren sah ich ein Handy liegen. Ich öffnete die Tür , nahm das Handy und lief weg so schnell ich konnte. Sie hatte es bemerkt. Ich bekam schon nach kurzer Zeit
Seitenstechen. Ich hörte den Wagen starten und losfahren. Ich versuchte schneller zu laufen. Noch ca. vierhundert Meter schätze ich sind es bis zur Hauptstrasse.
Die Strecke kam mir endlos vor. Schon hörte ich hinter mir den BMW. Plötzlich hilt er an ich lief weiter drehte mich nach kurzer Zeit um.
Er fuhr mir nicht mehr hinterher. Er war nicht mehr zu sehen. Ich war völlig außer Atem. Ich lief weiter bis zur Hauptstrasse.
Das Handy klingelte. Ich ging ran. Doch der Anrufer legte auf. Ich lief die Hauptstraße stadteinwärts und rief mit dem Handy ein Taxi.
Es dauerte ewig bis es endlich kam. Erst jetzt sah ich im Licht das meine Hosen ganz verschmutzt waren. Der Fahrer schaute mich komisch an, sagte aber nichts.
Ich ließ mich zum Bahnhof fahren und fuhr zwei Stunden später nach Hof. Ich schaute mir alle Nummern auf dem Handy an. Akiras Nummer war auch gespeichert.
Kurz vor Hof rief ich Mike an, ob er mich von Hof abholen könnte. Er wunderte sich was ich in Hof mache um diese Zeit.
Als ich in Hof aus dem Zug stieg war er bereits da. Er löcherte mich wenigstens nicht mit Fragen. Über mein Outfit wunderte er sich nicht, er sagte nur: "sieht ja scharf aus".
Zu Hause angekommen badete ich erst mal. Danach setzte ich mich zu Mike ins Wohnzimmer und bat um eine Zigarette. Nach einigen Zögern gab er mir dann eine.
Wir saßen zusammen auf der Couch und redeten bis früh um vier. Danach fiel ich erschöpft ins Bett.
Der nächste Morgen war im Gegensatz zum vorherigen viel freundlicher. Kein Regen. Nicole klingelte schon um kurz nach neun Uhr.
Sie begrüßte mich diesmal wieder mit einen Kuss auf die Wange. Wir drei machten ein ausgedehntes Frühstück. Immer wieder dachte ich an
die Ereignisse des letzten Abends. Auch die fünftausend Mark die ich aus dem Safe genommen hatte vermiesten mir meine Stimmung.
Die Pistole fiel mir ein. Die mußte unbedingt zurück. Unbedingt. Das Mike nicht meinen richtigen Namen kannte belastete mich noch mehr.
Irgendwann nach dem Mittagessen, welches wir im MC Donald gegessen hatten, fing ich an: "Du Mike ich wohne eigentlich in Nürnberg"
"Ja?, ich denke Frankfurt." war seine einzigste Antwort. "Ich müßte noch ein paar Klamotten holen, falls du mich noch ne Weile bei Dir behalten willst" sagte ich so beiläufig.
Er wollte. Also fuhren wir am frühen Nachmittag noch los. Christiane war nicht da. Sicherlich war sie kurzerhand zu ihren Freund gefahren.
Als erstes legte ich die Pistole zurück in den Safe. So das war geschafft. Ich packte ein paar Klamotten zusammen, als ich plötzlich ein Auto hörte.
Ich guckte zum Küchenfenster raus und traute meinen Augen kaum: "Verdammt, meine Eltern sind da."
Mir war gleich wieder schlecht. "Oha und nun?" fragte Mike. "setz dich da hin.." Ich deutete auf den großen Sessel im Salon.
"Bin ich der Elektriker der was gebaut hat?, oder sag schnell.. was mache ich hier?" fragte Mike aufgeregt.
"Quatsch, er wird dich schon nicht erschießen... obwohl.. weiß nicht" weiter kam ich nicht. Meine Vater stand im Salon, meine Mum hinterher. Ich sprang ihr um den Hals, dann begrüßte ich meinen Dad.
Jetzt erst sah er Mike, der gerade aus dem Sessel aufgestanden war. Mit den Worten: "Wer ist den der junge Mann hier?" reichte er Mike die Hand.
Damit hatte ich nicht gerechnet. "Das ist mein Freund" sagte ich. Mein Vater drehte sich zu mir. Mike zeigte mir einen Vogel, hielt sich dann die Hände an den Kopf
und nahm blitzschnell eine normale Stellung ein, als mein Vater sich wieder ihn zuwendete. "Ja..." sagte Mike mit ziemlich unsicherer Stimme.
"Soso" sagte mein Vater. Meine Mum begrüßte nun Mike. Lief ja alles besser als erwartet dachte ich. Das einzig dumme war, das Mike nicht wirklich mein Freund war. Mein Dad nahm Mike in Beschlag indem er ihn bei einer Tasse Tee im Wintergarten mit politischen Grundsatzdiskussionen nervte.
Ich führte in der Küche mit meiner Mum "ernsthafte Gespräche" über Liebe, Verhütung und so weiter. Bisher hatte ich verschwiegen das ich die letzten tage
bei Mike gewesen war. Meine Mum regte sich noch eine Weile über Christianes Abwesenheit auf. Kurz vor 22 Uhr verabschiedeten sich meine Eltern weil sie zu irgendeinen Empfang am nächsten Tag in Belgien erwartet wurden. Durch die anschließende Arbeit würden sie erst in zwei Monaten wieder da sein.
Meine Eltern überschlugen sich mit Ermahnungen und Regeln. Ich war das schon gewöhnt. Ich solle im Unterricht aufpassen, anständig bleiben (war ich das jemals), ich solle unbedingt Christiane
erreichen - sie solle gefälligst "extrem ruckartig" hier wieder erscheinen. Mein Dad versuchte ständig durch jugendliche Ausdrucksweise sein tatsächliches Alter herunterzuspielen.
Wahrscheinlich Torschlusspanik (). "Geld hast du noch?" Und ob.. wenn die wüßten... Mein Vater drückte Mike noch einige Scheine in die Hand mit den Worten:
"Meine Tochter ist ziemlich verwöhnt." "Peter!" sagte meine Mutter mit Nachdruck. Dann verschwanden beide. Ich war heilfroh das sie mich in Mikes Gegenwart nie mit
`Andrea` angesprochen hatten. Mike stand noch immer erstaunt mit dem Geld in der Mitte des Salons. "Eh,dafür kann ich ja 100 mal in der Tschechei..." lachte er und wedelte mit dem Geld.
"Boah" rief ich und stürmte auf ihn zu. Mike war schneller und rannte, verfolgt von mir, lachend durch das ganze Haus. Irgendwann später saßen wir beide auf meinen Bett.
Während Mike ständig mit der Fernbedienung die Lamellenvorhänge öffnete und schloss und immerzu "geil" sagte,laß ich die
"GEO". Später habe ich Mike noch meine Computer gezeigt.
Da es schon ziemlich spät war, beschlossen wir die Nacht hier zu verbringen.
Früh ging Mike nur mit Handtuch bekleidet die Treppen hinunter um im Pool eine Runde zu schwimmen. Keine dreißig Sekunden später hörte ich Christiane kurz aufschreien und Mike kam wieder ins Zimmer und sagte: "Da is eine unten und is wohl ziemlich erschrocken.. und ich auch!"
Ich mußte erst mal lachen. Da hörte ich schon Christiane von unten rufen: "AAAAAANNNNDREAAAAAAA" Sie hatte meinen Namen gerufen!
Blitzschnell reagierte ich und rief während ich zu ihr herunterrannte: "Die is nich da." Christiane schaute mich entgeistert an. Ich zog sie in die Küche und erklärte ihr in kurzen Sätzen die Sache mit dem Namen.
Sie verstand das nicht so recht. Dann schilderte ich ihr noch kurz das sie eben Mike begegnet sei und das meine Eltern bereits bescheid wüßten. Das glaubte sie nicht.
Dann schmückte ich noch bis ins letzte Detail aus, wie sich meine Mutter über ihre Abwesenheit aufgeregt hätte. Dabei übertrieb ich maßlos:
"..ja von Kündigung haben die gesprochen.. beim geringsten Fehler wollen die dich rauswerfen.." Ich konnte mir kaum das Lachen verkneifen. Christiane schaute mich geschockt an zog sich immer verlegen
an ihren Top herum. "Auch waren sie nicht begeistert.." fuhr ich fort "..das du deinen Freund hier schon übernachten lassen hast."
"Sie wissen davon???" Christiane setzte sich vor Schreck. "Ja, ich mußte es ihnen doch sagen, ich kann sie doch nicht belügen."
"Aber ösch sagö ni wos" sie schnappte nach Luft. Jetzt konnte ich nicht mehr und lachte laut los. Sie tat künstlich beleidigt, was sie noch nie gut vortäuschen konnte, das sie wieder mal auf mich reingefallen ist.
Anschließend ging ich mit Mike in den Pool. Diesmal war er nicht nur mit einen Handtuch bekleidet, was ich sehr bedauerlich fand.
Das Mittagessen verbrachten wir zu dritt im MC Donald. Das Mike die ganze Zeit mit Christiane erzählte lies mir nicht die Stimmung vermiesen.
Nach dem Mittag fuhren wir Christiane nach Hause, packten unsere Sachen zusammen und fuhren zu Mike. Nicole saß mit einem Mädchen auf den Stufen
vor dem Haus. Neben ihnen stand ein Kassettenrecorder. Beide sangen im Duett mit einer Lautstärke die die abgespielte Musik fast überdröhnte "Weil ich ein Mädchen bin".
Dabei wippten sie im Gleichtakt die Köpfe. Das war ein lustiger Anblick. "Komm doch mal rüber man und setzt dich zu mir hin.. weil ich n Mädchen bin, weil ich n Mädchen bin."
Wir stiegen aus. Nicole lies sich durch unsere Anwesenheit nicht stören, sie sang weiter das andere Mädchen verstummte.
"Bissel zu warm heute gewesen, hä?" rief Mike. Nicole streckte ihn die Zunge raus und stellte mir das Mädchen vor. Yvonne hieß sie.
Wir saßen nun zu dritt auf den Stufen. Mike war hochgegangen. Ich berichtete von meinen Eltern, das sie nun Mike kennen.
Yvonne schlug vor das wir Eis essen gehen könnten.
Als ich noch kurz Mike bescheid sagen wollten, machten beide im Duett ein abwertendes "mmm" - Geräusch. "Er is net dein Papa" sagte Nicole.
"Trotzdem.." ich rannte schnell nach oben und sagte Mike bescheid. Ich nahm noch das Geld mit was ich Nicole schuldete. Wir drei schlenderten langsam stadteinwärts.


Kapitel 19

Im Bad


Yvonne war ein hübsches Mädchen mit langen dunkelblonden Haar. Sie wohnte nicht weit von Mühltroff in einen kleinen Kaff und kommt Nicole öfters besuchen sie erzählte. Im Winter mit dem Zug im Sommer meistens mit dem Rad. Nicole und Yvonne kannten sich vom Kindergarten, gingen aber auf verschiedene Schulen was beide sehr bedauerlich fanden. "Kommt, ich zeige euch mal was cooles.." sagte Nicole ganz aufgeregt als wir unser Eis gegessen hatten.
Sie tat sehr geheimnisvoll. Wir liefen ungefähr fünfzehn Minuten einen unbefestigten Weg, der aus Mühltroff herausführen zu schien, als sie vor einen ziemlich verfallenen Freibad stehen blieb. "Hier" sagte sie Freude strahlend. "Was hier?" wollte Yvonne wissen. "Wir sind den ganzen Shit Weg gelaufen nur um das zu sehen?" sie war fassungslos. "War früher mal ein schönes Bad gewesen.. weißt du noch als wir hier baden waren?" verteidigte sich Nicole.
"Hach ja.. wann war es denn mal schön?" wollte ich wissen. So wie es aussah muß das vor dem Krieg gewesen sein. es wuchsen Büsche kleine Bäume und hohes Gras und Unkraut im Becken. Das Tor war verrostet, das Kassenhäuschen ohne Fensterscheiben, an den Umkleidekabinen keine Farbe mehr. Längst zum Eingang keine zehn Meter vom Beckenrand war eine Kegelbahn, besser gesagt die Überreste. An den Sprungturm war kein Sprungbrett mehr vorhanden. "Kommt schon.." Nicole saß auf dem Eisernen Tor am Eingang und sprang auf der anderen Seite hinunter.
Ich zögerte kurz und kletterte dann auch über das cirka ein-Meter-zwanzig hohe Tor.
"Wenns denn sein muß" sprach Yvonne gelangweilt und kletterte mit erstaunlicher Geschwindigkeit über das Tor. Nicole lief vorn weg. Hier vor den Umkleidekabinen, was man von außen nicht hatte sehen können, sah es noch viel schlimmer aus. Überall lagen alte Bretter und Müll. Nicole ging zielstrebig auf ein etwas abseits stehendes größeres Gebäude zu. Sie hob eine Tür beiseite, die von außen schräg am Eingang lehnte. Neben einen rießen Haufen Müll, leeren Flaschen gab es noch mehrere Sessel, eine alte Theke, mehrere Stapel
aus jeweis drei Autoreifen, die wahrscheinlich als Sitzgelegenheit gedacht waren. Nicole ließ sich auf einen der Sessel fallen, drehte sich dann quer und lies beide Beine über die Armlehne baumeln. Lässig holte sie aus ihrer Tasche ein Pächchen Zigaretten nahm sich eine heraus, zündete sie an und warf mir dann das Päckchen mit den Worten: "Da fang" zu.
"Du erwartest aber nicht das ich mich hier setze.." sagte Yvonne und schaute sich um. "Hier gibt es bestimmt Ratten." Ich nahm mir eine Zigarette und setzte mich auf einen der Stapel Autoreifen. Unauffällig nahm Nicole ein Stückchen Holz warf es ,in den Moment als Yvonne nicht zu Nicole schaute, an die gegenüberliegende Wand und schrie: "Eine Ratte!" Yvonne sprang vor Schreck beiseite. Ich und Nicole lachten. " Ha Ha,sehr komisch.. ach und außerdem habe ich doch gar keine Angst vor Ratten" sprach Yvonne und setzte sich in einen Sessel mir gegenüber: "Und was tun wir hier?" "Rauchen" sagte Nicole. "Aha und warum hier? Warum nicht lieber in einen Abwasserkanal oder einer Klärgrube?" sprach Yvonne höhnisch. Indianergeschrei lies uns verstummen und ehe wir uns versahen stand ein ziemlich dicker Junge von vielleicht sieben oder acht Jahren am Eingang und sagte: "Ich bin roter Falke, ihr seid meine Gefangenen." Er war im Gesicht angemalt und trug einen Kopfschmuck aus bunten Federn. In der einen hand hielt er einen langen Holzstock in der anderen eine Axt aus Plastik. "Du meinst wohl eher Elefant, zieh Leine kleiner.." sagte Nicole gelangweilt und zog an ihrer Zigarette. "Ihr kommt alle an den Marterpfahl" lispelte der Junge. "Ich hole den Häuptling" rief er und verschwand mit lauten Indianergegröle. Kurze Zeit später standen vier Jungen im Raum, postierten sich vor uns auf. Sie waren alle schätzungsweise sieben Jahre alt. Der dicke war auch wieder mit dabei. "Ihr stört" sagte Nicole. "Ihr seid unsere Gefangenen" sprach ein schmächtiger blondhaariger Junge mit Brille. Ich und Yvonne lachten laut los.
"Das ist unser Zelt !" sprach der dicke. "Ich sehe kein Zelt und nun haut ab sonst.." sprach Nicole. Plötzlich hob einer der Jungs einen alten am Boden liegenden Lappen auf und warf ihn Nicole ins Gesicht. "Na warte du Sau.." rief Nicole sprang auf und rannte den fort rennenden Kindern hinterher. Yvonne und ich amüsierten uns köstlich. Nach kurzer Zeit kam Nicole mit dem dicken wieder. Sie hatte ihn den Arm auf den Rücken gedreht und schubste ihn vor sich her." Ich war das nicht" schrie er sie immer an. Sie schubste ihn in die Raummitte und sagte: "los aufräumen" "Spinnst wohl" sagte der Junge "Ich habe dir nicht den Lappen rangeworfen, du blöde Kuh" "Is mir wurscht, du warst aber der langsamste.. los räum hier auf." Ich und Yvonne bogen uns vor lachen. "das du überhaupt einen erwischt hast.." lachte Yvonne. Nicole setzte sich wieder nahm sich eine Zigarette und rauchte. Der dicke stand mit verschränkten Armen in der Mitte des Raumes. Plötzlich rannte er weg. Wir drei lachten. "Kein Respekt mehr, die Knirpse von heute.." sagte Nicole.
"Wir sind doch doof, wir vergammeln hier in nen Bad ohne Wasser, ich würde viel lieber baden gehen." sagte Yvonne. Also liefen wir nach Hause. Ich holte mir Badesachen, Nicole holte für sich und Yvonne Sachen und dann liefen wir zum Badeteich. Der Teich der am Rande des Waldes abseits der Stadt lag, war relativ groß. In der Mitte befand sich eine kleine Insel. Obwohl viele Leute da waren fanden wir eine ruhige Ecke. Wir breiteten die Decken aus, und rannten ins Wasser. Es war gar nicht so warm wie ich vermutet hatte. Wir schwammen zur Insel und setzten uns erschöpft an den Rand und ließen die Beine ins Wasser baumeln. Die Zeit verging wie im Flug. Kurz nach neunzehn Uhr verabschiedete sich Yvonne. Ich und Nicole schwammen auch zurück und legten uns in großen Handtüchern eingehült auf die Decken. Die meisten Kinder waren nach Hause gefahren. An der anderen Seite waren vereinzelt noch Leute die nach und nach weggingen. Kurz nach halb neun Uhr waren wir die einzigsten noch am Teich. Wir lagen dicht nebeneinander und unterhielten uns über Gott und die Welt. Nach einiger Zeit kamen wir auf das Thema Jungs. "Hast du dich mit Mike schon geküsst?" fragte Nicole plötzlich "Oder kannst du gar nicht küssen?" fügte sie lachend hinzu. Sie drehte sich zu mir herüber, beugte sich plötzlich über mich und ehe ich mich versah spürte ich ihre weichen Lippen auf meinen Mund. Mir wurde heiß und kalt zugleich. "So jetzt hast du wenigstens mal geküsst" sagte sie. "War aber ziemlich kurz" sagte ich in einen gespielt traurigen Ton. Sie guckte mich fragend an: "Komm, es wird langsam kühl, lass uns nach Hause gehen." Wir liefen schweigend nebeneinander in Gedanken versunken den langen Weg zurück in die Stadt. Es wurde dunkel als wir den Bahnübergang erreichten. Die ganze Zeit hatte ich an den Kuss gedacht. Nicole hatte den ganzen Weg kein Ton gesagt. "Shit, wo is mein Feuerzeug" sagte sie plötzlich und kramte in ihrer Tasche herum. Sie steckte die Zigarette mit den Worten: "Dann halt net" zurück in die Schachtel. "Was wollen wir noch tun?" fragte ich Nicole.
Sie hatte auch keine Idee, was wir zu dieser fort geschrittenen Stunde noch unternehmen könnten. Es brannte kein Licht bei Mike. "Komisch, wo is der denn hin.." Ich setzte mich auf die Stufen. Kommste noch mal mit hoch?" fragte mich Nicole.
Also gingen wir zu ihr hoch. An der Wohnungstür empfing uns ihre Schwester. Ich konnte sie nicht leiden. Ständig hatte sie etwas auszusetzen." Wo kommst du denn jetzt erst her?" fragte sie barsch. "Wonach siehts denn aus?" entgegnete Nicole. "Wie du vielleicht sehen kannst sind das hier Badesachen. Und was macht man damit?.. Richtig wir waren in der Disco." Nicoles Schwester stand mit offenen Mund da. "Gott is die doof" sagte Nicole zu mir. Wir gingen einfach an ihr vorbei hinauf in Nicoles Zimmer.
Wir hörten Musik und erzählten bis weit nach Mitternacht. Nicole brauchte mich nicht überreden bei ihr zu übernachten. Ich war müde. Nicole rief bei Mike an, der war immer noch nicht da. Sie hinterlies eine Nachricht auf den Anrufbeantworter das ich heute bei Ihr übernachten würde. Nicole erzählte ich war so müde das ich ihren Erzählungen nicht mehr folgen konnte. Völlig zufrieden schlief ich ein.
Das erste was ich früh spürte war Nicoles Arm um meinen Hals. Ich lag auf den Rücken, sie eng neben mir auf dem Bauch und hatte ihren Arm um meinen Hals. Ich sprang auf. Nicole wachte auf und schaute mich ganz verschlafen an, dann sah sie auf den Digitalwecker neben dem Bett:
"Halb elf, mitten in der Nacht.. sie ließ ihren Kopf wieder aufs Kissen fallen und schlief einfach weiter. Ich zog mich an und rannte hinüber zu Mike.
Er hatte schon Frühstück gemacht. Nachdem ich geduscht und gefrühstückt hatte fuhr ich zusammen mit Mike ins Büro.
Ich fand das alles höchst interessant. Er erklärte mir viel und sprach dann auch von der PK Seite. Wenn er wüßte wer die verbrochen hat, dachte ich mir und mußte mir das Lachen verkneifen. Das Handy was ich aus dem BMW hatte piepste. Der Akku war leer. Schade dachte ich. Die ganze Zeit kam keine SMS, kein Anruf. Ich beschloss in diesen Moment meine Nachforschung über den BMW auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Das Handy warf ich am Nachmittag in den Teich. Luisa fiel mir ein. Ich hatte ihr versprochen sie zu besuchen.
Ich lief zu ihr. Ich klingelte drei mal und wollte gerade wieder gehen, als sie die Tür öffnete. Wie ich erwartet hatte freute sie sich riesig. Wir gingen nach oben. Sie brauchte für die Treppen sehr lange. Oben angekommen setzte sie sich in den großen schweren Sessel und rang nach Luft. Es dauerte eine Weile ehe sie wieder normal atmete. Mit zittriger Stimme erzählte sie mir wieder aus dem Leben. Ihre Augen glänzten dabei, hin und wieder wischte sie sich eine Träne weg. Es schien als bin ich der erste Mensch dem sie ihr Leben schilderte.
Sie konnte vieles bildhaft schildern. Ihre Erzählungen fesselten mich. Sie konnte sich noch sehr gut an ihre noch glückliche Kindheitszeit vor dem Krieg erinnern. Alles was danach kam war Leid und Elend. Sie hatte nie richtig Glück in ihren Leben. Sie tat mir furchtbar leid.
Bei ihren Erzählungen vergaß ich die Zeit. In völliger Dunkelheit ging ich zu Mike.
Ich gab ihn wie immer zur Begrüßung einen Kuss auf die Wange. Diesmal schaute er mir hinterher tief in die Augen. Das Gefühl welches ich im Bauch spürte ist nicht zu beschreiben.

Kapitel 20

Reise ohne Wiederkehr


Das Leben kann grausam und ungerecht sein. Es zeigt einen Dinge und Möglichkeiten auf, die man nicht mehr missen möchte. Hat man sich einmal an bestimmte Sachen gewöhnt, bestimmte Dinge, Eigenschaften oder Menschen liebgewonnen so sind Veränderungen Einschnitte in das Leben. Doch das ganze Leben ist Veränderung. Niemand kann den Lauf der Zeit anhalten. Niemand kann wirklich Großes Dauerhaftes verändern. Wir alle sind nur kleine Rädchen in einen großen, unvorstellbar großen Uhrwerk und bewegen uns in unseren vorgegebenen Bahnen.
Das ich diese Erkenntnis an diesen Tag aufs neue erleben würde, konnte ich an diesen Morgen noch nicht ahnen. Nach einer der schönsten Nächte in meinen Leben, begann ich den Morgen mit einen gemeinsamen Frühstück mit Mike. Nichts schien anders als sonst. Ich war glücklich und zufrieden, bereute nicht einen Schritt den ich mit meinen neuen Leben begonnen hatte.
Die Zeit hier tat mir gut. Zeit heilt alle Wunden, fast alle zumindest. Vergleichbar mit einer Vase die, wenn einmal zersprungen ist man jederzeit zwar wieder zusammen kleben kann, wird diese zwar wieder ganz aber niemals die selbe sein. Wunden hinterlassen Narben. Und manche reißen wieder auf. Tief im Herzen spürt man den Schmerz, unaufhaltlich und fragt sich warum.
Luisa hatte mich gestern nachdenklich gemacht. Warum konnte sie nie Glück haben. Ist alles vorher bestimmt? Ist das Leben schon vorprogrammiert? Sie tat mir leid und ich wollte sie überraschen. Ich ging am frühen Nachmittag zum Bäcker, kaufte Kuchen und machte mich ausgelassen auf den Weg zu Luisa. Anders als sonst öffnete sie auch nicht nach längerem klingeln. Schläft sie? Ist sie einkaufen? Eine Nachbarin guckte zum Fenster heraus und teilte mir mit das sie die "alte Dame" heute Nacht mit Blaulicht ins Krankenhaus gebracht hätten. "Verdacht auf Herzinfarkt.. glaube ich" Ich wollte näheres wissen, doch sie wußte nicht mehr. Ich rannte so schnell ich konnte zu Mike. Ohne ihn ein Wort zu sagen nahm ich mir ein Telefonbuch und das Telefon ging ins Wohnzimmer. Ganz außer Atem und mit rasch pochenden Herz rief ich die umliegenden Krankenhäuser an. In Plauen sei sie eingeliefert worden erfuhr ich. Keine näheren Auskünfte ich müßte verstehen. Ich könnte ihren Verwanden Bescheid sagen, sie hätten noch keinen benachrichtigen können, sie hätten keine Information über Wohnorte der Verwanden "..sie hat keine" sagte ich leise. Ich wollte Mike fragen, dann fiel mir die Sache mit Daniela ein, deswegen rief ich ein Taxi und lies mich nach Plauen fahren. Das Krankenhaus war nur zum Teil saniert worden. Der andere alte Teil des Gebäudes lag südlich. Ein kleiner schmaler Weg führte steil nach oben. eine große altmodische Tür lies sich schwer öffnen. Ewig mußte ich an der Information warten. Dann wurde mir das Zimmer mitgeteilt. Ich nahm nicht den Fahrstuhl sondern rannte, immer einen Stufe auslassend, die alten Treppen hinauf. Oben noch einen langen Gang entlang und ich stand vor dem Zimmer. Einmal anklopfend öffnete ich die Tür. Luisa war nicht im Zimmer. Wieder auf dem Gang blickte ich hilflos nach rechts, nach links entschied mich für links, rannte bis fast zum Ende. Hier war das Schwesternzimmer.
Niemand da. Am anderen Ende des Flurs lief ein Arzt. Ich rannte zurück: "Halt, warten Sie..." rief ich.
"..warten Sie" sagte ich noch einmal als ich ganz außer Atem vor ihn stand. "Deine Oma?" fragte er auf meine
meine Frage nach Luisa. Ohne das ich antwortete sagte er: "vor einer knappen Stunde leider verstorben, mein Beileid" Er sprach das ohne ehrliche Anteilnahme, gefühllos, routinemäßig. Wie über einen Gegenstand der kaputt ist. Fassungslos an nichts mehr denkend lief ich wie ferngesteuert den Gang entlang, die Treppen hinunter. Raus. Türen. Einfach raus wollte ich. Leise weinend setzte ich mich auf die Bank auf der gegenüberliegenden Seite der Strasse die den Park vom Krankenhaus trennte. Leise weinend saß ich auch noch Stunden später dort. Ohne einen Hauch von Glück und Freude hatte Luisa ihr Leben gelebt.
Ihre letzte Freude war ich gewesen. Die paar Stunden Aufmerksamkeit die ich schenkte waren ihre Freude gewesen. Das wurde ihr genommen. Sie hatte mir ihr Leben erzählt. Ihr Leben in ein paar Stunden, die sie ihre Einsamkeit vergessen lassen haben, für kurze Zeit. Das Leben ist manchmal grausam. Ich spürte wieder diesen Schmerz, dieser pochende Schmerz der das Herz zu zerreißen droht. Wiedereinmal holten mich meine Erinnerungen ein. Wieder zogen sie mich zurück, wie ein Sumpf der mich nicht mehr freigeben wollte. Man ist hilflos, kann keinen klaren Gedanken fassen. Ich wünschte mir in diesen Moment bei meiner Mutter zu sein. Sie einfach umarmen. Sie fehlte mir schrecklich in diesen Moment. Ich saß auf der Bank, das Leben, der Verkehr der Strasse, Leute, Lärm, Alltag eben nichts nahm ich wirklich war. Ich saß einfach da, verspürte keinen Hunger, keinen Durst. Als es dunkel wurde stand ich auf. Ich wollte nicht zu Mike. Ich wollte einfach alleine sein. Ich lief ziellos durch die Strassen. Alles war mir egal in diesen Moment. Mit dem ersten Bus fuhr ich zu Mike.
Ich lies alle seine Fragen unbeantwortet und ging wortlos ins Bett. Weinend schlief ich ein. Doch mache Dinge
verfolgen einen selbst im Schlaf. Als Träume, böse und hartnäckig, schleichen sie sich tief ins Bewusstsein und lassen Träume wie Realität erscheinen. Irgendwann am Nachmittag stand ich auf, meine Schläfen schmerzten.
Mike war nicht da, er hatte einen Zettel geschrieben. Nicole klingelte. Ich überlegte ob ich öffnen sollte. Schließlich tat ich es. Bei meinen Anblick merkte sie sofort das etwas nicht stimmt. "Frage nicht, ich will nicht drüber reden" blockte ich sie ab. "Hat es was mit Mike zu tun?" - "Nein.. aber frage mich nicht, ich will nicht.. ich kann nicht..." Jetzt spürte ich plötzlich Müdigkeit. Nicole fragte ob sie gehen soll. Ich ließ sie stehen, ging ins Bad und duschte kalt. Die Müdigkeit war nicht verschwunden. Die Kopfschmerzen waren etwas erträglicher.
Nicole saß immer noch da, als ich aus dem Badezimmer kam. "Nein ,gehe nicht.." sagte ich.
"Ist alles in Ordnung mit dir?" fragte sie mich. "Nicole du könntest mir einen Gefallen tun, bleibst du hier während ich schlafe?" Sie verstand nicht. Ich selber auch nicht, ich dachte mir ich könnte schlafen, nicht mehr verfolgt von den Träumen, wenn sie da ist. Sie saß auf dem Sofa ich setzte mich daneben, legte meinen Kopf auf ihren Schoß, streckte dann die Beine aus: "Bitte bleibe hier.. bitte" flüsterte ich. Wortlos strich sie mir die Haare aus dem Gesicht. Ich schlief tief und fest. Als ich nach drei Stunden aufwachte lag Nicole neben mir und schlief, sie hatte ihre Arme um meine Taille geschlungen. Ganz nah war ihr Gesicht. Ein Teil davon wurde von ihren langen Haaren verdeckt. Ich schloss die Augen und... "Stör ich bei irgendwas?" Mike stand plötzlich im Zimmer. Vor Schreck zuckte ich zusammen. Ich hatte ihn nicht kommen gehört. Ich stand auf. Nicole wachte auf. "Du verstehst nichts.." sagte ich zu Mike. "Ehrlich gesagt, Nein.." sagte er und ging auf dem Zimmer.
"Wenn ihr fertig seid, könnt ihr euch ja melden" rief er noch. "Und hast du gut geschlafen?" fragte mich Nicole leise. "Hast du eine Zigarette für mich?" fragte ich sie. Sie gab mir eine. Wir setzen uns auf das Fensterbrett, die Beine angewinkelt, und rauchten.
Der Schlaf hatte mir gut getan. Ich versuchte alle Gedanken an Luisa zu verdrängen. Bei Nicoles Anwesenheit gelang mir das nahezu komplett. Doch dann verspürte ich den Drang alles Nicoole zu erzählen. Sie hörte aufmerksam wortlos zu. Danach ging es mir besser. Wir holten uns ein Eis, danach setzten wir uns bei Nicole im Zimmer an den Rechner und chatteten. Das verschaffte Ablenkung. Der Chat war zu der zeit recht gut besucht, wenn man die Zeit betrachtete in der er erst existierte. Nicole war meine beste Freundin geworden. Mit ihr konnte ich über alles reden. Die nächsten Tage vergingen ohne nennenswerte Ereignisse. Mike und ich kamen uns langsam wieder näher. Wir redeten viel miteinander und verbrachten den Tage mit sehr vielen Dingen die wir gemeinsam unternahmen. Ab und wann waren auch Nicole und Yvonne dabei. Ich lernte einige von Mikes Freunden kennen. Ich kam mir vor wie in einer großen Familie, geborgen und umsorgt von allen.
Das alles war mir innerhalb kürzester zeit sehr wichtig geworden. Zunehmend merkte ich auch das der Chat mich in eine gewisse Abhängigkeit zog. Irgendwann sollte die Zeit ablaufen, für die Mike die Administration übernommen hatte. Dagegen musste ich etwas unternehmen. Doch vorerst wollte ich ihn nichts von der wahren Entstehung des Chattes erzählen. Noch hatte ich Zeit und genoss die Momente dieses Frühsommers, der anders als alle anderen davor gewesen ist. Der Sommer 2000 hatte etwas besonderes, eine unvergessliche Zeit, die viel neues brachte. Aus heutiger Sicht einfach nicht mit Worten zu beschreiben, man muß ihn so intensiv erlebt haben um zu verstehen. Ich verdrängte die Erinnerung an Luisa, auch konnte ich mit Nicole über meine Schwester reden. Das erste mal überhaupt das ich mit jemand darüber reden konnte ohne in Tränen auszubrechen. Zum ersten Mal konnte ich ihre Musik anhören, ohne diesen quälenden Schmerz. Zum ersten Mal konnte ich ihre Bilder wieder anschauen. Für mich war das ganze Unwirklich gewesen, wie ein Außenstehender betrachtete ich nun das Erlebte. Das half mir in schweren Stunden, wenn die Trauer mich versuchte einzuholen. Ich kämpfte dagegen an, mit Nicoles oder Mikes Hilfe.

Kapitel 21

Tage


Die nächsten Tage verbrachte Nicole, Yvonne und ich mit shoppen. Von Vormittags bis zu Geschäftsschluss schlenderten wir durch die Einkaufszentren, probierten hier und da Kleidungsstücke aus, aßen Eis, beobachteten Leute saßen stundenlang am Rande des großen Springbrunnen und amüsierten uns über Jungs die mit uns anbändeln wollten. Einige waren in ihren Flirtversuchen noch ungeschickter als sie aussahen.
Wir saßen einfach da und mußten nie lange warten bis irgendwelche Kerle sich neben uns setzten und mit ihren Flirtversuchen begannen. Nicole schlug sie dann meistens mit Worten wie: "Da mußte schon noch bissel üben, so bekommste nie eine.. und Tschüß" in die Flucht.
Einige ließen sich nicht so leicht abweisen. Eines Tages als wir wieder so da saßen und uns amüsierten kam ein nicht ganz schlecht aussehender Typ von vielleicht 19 Jahren und fragte ob eine von uns Lust hätte mit ihn ein Eis zu essen. "Uns gibt es nur im Dreierpack, und außerdem Eis ??, du bist heute der dreihunderteinundsiebzigste der das fragt, wenn wir mit jeden Eis essen würden wären wir dann so dick wie du." sagte Nicole in einer eingebildeten überheblichen Art, die den Typ wütend machte. "Du bist doch einfach nur eine billige Zicke" entgegnete der Typ lässig und zog an seiner Zigarette. Yvonne verkniff sich das lachen. "Darfst du schon rauchen?" stichelte Nicole weiter. Der Gesichtsausdruck veränderte seine Züge. Der Typ sah nun richtig wütend aus. Ich sagte gar nichts, Yvonne lachte neben mir und Nicole führte mit dem Kerl ein immer heftiger werdendes Wortgefecht. Völlig unerwartet machte der Typ einen Schritt nach vorn und schlug Nicole mit der flachen Hand auf die Wange. Damit hatte sie und wir auch nicht gerechnet. Ihre Augen hatten einen Ausdruck als würde sie ihn die nächsten Augenblicke umbringen. Wortlos stand sie auf und lief auf einen bärtigen, dicken Biker zu der eben seine Maschine auf den Ständer stellte. Seine Begleiterin nahm ihren Helm ab. Nicole sagte irgendwas zu dem Dicken. Ich konnte nichts verstehen. Auf einmal kam der Dicke auf den Kerl zu, packte ihn mit beiden Händen am Kragen und machte eine heftige Nickbewegung mit deinen Kopf und traf dabei den Typ der taumelnd einen Schritt zurück lief und "ahh " rief. Der Dicke packte ihn ein zweites mal und schubste ihn rückwärts in den Springbrunnen. Der Dicke lief ohne sich noch einmal umzudrehen zu seiner Begleiterin. Yvonne stand mit offenen Mund. Ich wußte auch nicht was ich sagen sollte. Nicole fing an zu lachen. Der Typ stand auf. Mit klatschnassen Klamotten stieg er über den Rand des Brunnen und sagte mehrmals "So eine Scheiße". Er ging einfach in Richtung Parkplatz und verschwand aus unseren Blickfeld. "Ich glaube ich träume" sagte ich als ich mich einigermaßen wieder gefasst hatte. "Ich habe den Dicken erzählt, das der Typ uns gefragt hätte ob wir Liebesboten für ihn spielen und der Freundin des Dicken ein Angebot über 500 DM unterbreiten könnten." sagte Nicole. "Wow" staunte Yvonne "so was wäre mir bestimmt nicht eingefallen".
Am Abend als Yvonne nach Hause gefahren war schlug ich Nicole vor, das wir zu mir fahren könnten. Nicole war gleich begeistert, befürchtete nur das das einige Probleme mit ihren Eltern geben könnte. Und tatsächlich. "Kommt gar nicht in Frage" sagte Nicoles Mutter. "Meine Eltern würden sich freuen.." log ich. Nicoles Mutter bleib bei ihrer Entscheidung. Nicoles Schwester rieb sich schadenfroh die Hände und hetzte: "Richtig so, wer weiß was die machen wollen. Sich bestimmt mit irgendwelchen Kerlen treffen, hinten nach wird sie noch schwanger..." "Du bist nur neidisch auf mich, guck dich an du wirst nie einen abbekommen.. peinlich mit zwanzig noch keinen Freund..." sagte Nicole langgezogen. Wir gingen in Nicoles Zimmer und hielten Kriegsrat. Wir beschlossen einfach nachts wenn alle schlafen zu fahren. Ich sagte Mike bescheid. Nicole schrieb einen Brief an ihre Mutter. Den legte sie auf den Küchentisch. Kurz nach null Uhr dreißig verließen wir das Haus und fuhren mit dem Taxi auf den Bahnhof. Wir hatten noch mehr als genug Zeit - der Zug fuhr erst um zwei Uhr fünfunddreißig. Erschöpft und müde gingen wir beide gleich ins Bett als wir am Morgen ankamen. "Wow, so ein rießen Haus" sagte Nicole als sie neben mir einschlief. Wie nicht anders erwartet war Christiane nicht zu
Hause. Was ich noch feststellte war, das nicht mehr all zu viele Essensvorräte da waren. Also bestellte ich gegen Mittag zwei Pizzas. Nicole schlief noch tief und fest. Als ich wieder die Treppe nach oben ging kam mir eine Idee. Ich nahm das große schwere Bärenfell mit dem Bärenkopf welches im Arbeitszimmer meines Vaters lag. Ich darf dieses Zimmer eigentlich nicht betreten, deswegen ist es das Zimmer in dem ich mich am meisten aufhalte. Verbotene Sachen machen einfach am meisten Spaß. Hier gibt es immer eine Menge zu entdecken. Ich lief mit dem schweren Fell in mein Zimmer. Ich stellte mich genau vor das Bett. Mit beiden Händen hielt ich den Bärenkopf in Gesichtshöhe fest. Das Fell hing nach unten. "Huuuuuuuuuu" machte ich. Das ganze wiederholte ich noch drei Mal ehe Nicole sich verschlafen die Augen rieb und dann in meine Richtung blinzelte. Im selben Augenblick zuckte sie zusammen und schrie und strampelte mit den Beinen. "Na warte" sagte sie. Ich lies das Fell fallen und rannte aus dem Zimmer. Nicole war schneller. Sie holte mich unten an der Treppe ein. "Das kostet ein Kuss" sagte sie. Sie lies mich aber einfach stehen als sie das große Gemälde rechts oben an der Wand im Salon sah und stellte sich davor und betrachtete es eine ganze Weile. "Wer ist das?" fragte sie. "Irgend ein Onkel von mir glaube ich.." sagte ich. "Das es früher schon solche schnukeligen Typen gab.. nur die Klamotten sind nicht so ganz mein Fall" sagte sie ganz ernst. "Eh gerade wollteste noch n Mädchen küssen und nun schwärmste wieder von Kerlen? Entscheide dich mal." sagte ich gespielt beleidigt. Sie kam zu mir und gab mir einen Kuss auf die Wange: "So da" Plötzlich klingelte es. Es war der Pizzafahrer. Ich gab ihn ein großzügiges Trinkgeld. Zum essen gingen wir auf die Terrasse. Nicole konnte sich gar nicht mehr beruhigen. Immer wieder entdeckte sie etwas was in Staunen versetzte. "Habt ihr auch einen Pool?" "Klar komm mit.." sagte ich und zog sie am Arm. Wieder staunte Nicole, schubste mich mit Anziehsachen ins Wasser und sprang hinterher. Nach dem Baden zogen wir uns ganz aus und gingen in mein Zimmer um uns trockene Sachen zu holen. Nicole saß splitternackt auf meinen Bett während ich nackt vorm Kleiderschrank stand als ich plötzlich Schritte hörte. "Andrea ?" rief Christiane. Ich wollte noch schnell die Tür zumachen, da stand sie schon im Zimmer. Nicole winkelte ihre Beine an und schaute Christiane ziemlich verlegen an. Christiane starrte immer abwechselnd zu mir und zu Nicole. "Denke jetzt nix falsches" sagte ich. "..und was kommst du einfach in mein Zimmer?" Nicole saß auf dem Bett mit dem Rücken an die Wand gelehnt und zog sich die Decke bis zum Hals nach oben. Ihr war das Ganze mehr als peinlich. Christiane blickte uns an als sieht sie zum ersten Mal ein Auto. "Was denke ich denn?" fragte sie schließlich. "Bestimmt was anderes als es aussieht." antwortete ich. "Und wonach sieht es aus?" fragte sie weiter. "Ach Abstreiten bringt doch nichts" sagte Nicole plötzlich und zwinkerte mir vergnügt zu. Ich fand das ganze gar nicht witzig. Jetzt fing Christiane auch noch an: "Ja wenigstens abstreiten solltest du es nicht" Sie verlies das Zimmer. "Bist du verrückt?" fauchte ich Nicole an. Sie lachte wurde plötzlich ganz ernst und fragte: "Andrea? Warum nennt die dich Andrea?" "Lenk nicht ab, was hast du dir dabei gedacht?" fragte ich. Mir war ganz schlecht wenn ich daran dachte: "Wenn Christiane nun was meinen Eltern erzählt..."
"Lenk du lieber nicht ab, heißt du nun Andrea oder nicht?" bohrte Nicole weiter.
Ich antwortete nicht, versuchte Zeit zu gewinnen. Aber Nicole lies nicht locker: "Also doch... nur warum dann das Theater?" "Das verstehst du nicht...Ich erzähle es dir heute Abend..." sagte ich. Ich mußte nachdenken. Ob sie Mike was erzählen wird? Nicole saß noch immer so da. Plötzlich sprang sie auf, stellte sich neben mich und nahm sich mein Sommerkleid aus dem Schrank. "Wie wärs damit?" sie hielt sich das Kleid ran und meinte "Passt bestimmt, bekomme ich das?" Ich nickte. "Willst du nichts drunter ziehen?" "Wozu denn das?" fragte sie mich als wäre das selbstverständlich: "Dann haben wir nicht so viel zum ausziehen " grinste sie. "Du weißt ja ..Christiane" fügte sie lachend hinzu. Ich zog mir ebenfalls ein Kleid an. Wir beschlossen in die Stadt zu gehen. Geschützt vor den heißen Sonnenstrahlen liefen wir im Schatten der großen Bäume den langen Weg nach unten. Ich beschloss die Sache mit meinen Namen Nicole jetzt schon zu erzählen. Ich lies kein Detail aus und erklärte alles von Anfang an. "Du bist ja wahnsinnig" entfuhr es Nicole als ich fertig war. Zumindest war sie nicht sauer. Sie mußte mir noch versprechen Mike nichts zu erzählen. "Is ja deine Sache, mich geht es nichts an" sagte sie. Ich mußte zweimal schauen das ich begriff was ich eben sah: Der BMW kam uns plötzlich entgegen, fuhr an uns mit hohen Tempo vorbei. Er konnte nur zu mir fahren, schoss es mir durch den Kopf. "Spinnt der hier so zu rasen" empörte sich Nicole. Ich schluckte, mir war es plötzlich ganz schlecht. ich rannte den Weg wieder hinauf: "schnell" rief ich. "Was ist los ?... warte ich kann nicht so schnell.. spinnst du?" rief Nicole und rannte im Abstand von fünf Metern mir hinterher. Immer wieder fragte sie mich ganz außer Atem was los sei. Ich sagte gar nichts und rannte so schnell ich konnte. Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf. Er war bestimmt schon oben angelangt. Ich würde mindestens noch fünf Minuten brauchen, wenn ich mit dem Tempo weiterlaufen würde. Nur das konnte ich nicht schaffen. Immer langsamer wurde ich. Erschöpft lies ich mich am Wegrand an einen Baum fallen und setzte mich. Nicole kam langsam an, sie war noch erschöpfter als ich: "... Du bist nicht ganz glatt oder?" Sie sprach in kurzen abgehackten Sätzen und holte immer wieder Luft. "Hast du ein Handy mit?" fragte ich sie. Sie winkte ab, beugte sich nach vorn und stützte dann ihre Hände in die Knie: "Sicher, habe ja auch tausend Taschen dabei.." "Shit.. ich muß weiter" rief ich und lief langsam weiter in Richtung Haus. Nicole blickte mich unverständlich an, setzte sich dann und blieb einfach, noch immer nach Luft ringend, sitzen. Hinter mir hörte ich Motorengeräusche. Das war Olaf! Olaf bringt immer die Lebensmittel, die Christiane bestellt. Ich stellte mich mit ausgestreckten Armen mitten auf dem Weg. Er bremste. "Schnell ein Handy" rief ich. Er gab mir ein Handy und fragte erst dann was los sei. Ich winkte ab und wählte Christianes Handynummer. Sie ging nach einiger Zeit ran. Ich fragte ob jemand da sei. "Eine Freundin von dir war da, die kommt später wieder" sagte Christiane. Ohne aufzulegen gab ich Olaf das Handy zurück und rannte den Weg wieder hinunter. Olaf rief mir hinterher. Ich rannte bis zu Nicole die noch immer unter dem Baum saß. "Schnell komm" sagte ich und zog sie am Arm.
"Sag mir was los ist" sagte sie immer noch so abgehackt. "Keine Zeit, es geht um Leben oder tot.." ich zog an ihren Arm. Ich lief so schnell es mit Nicole an der Hand ging, rechts vom Weg über den Graben eine kleine Anhöhe hinauf. Hier brannte die Sonne. Nicole ließ sich ins hohe Gras fallen. Ich legte mich auf dem Bauch liegend daneben und beobachtete den Weg. Tatsächlich der BMW kam wieder den Weg hinunter. Ich duckte mich und drückte auch Nicoles Kopf nach unten. "Du bist irre.." sagte sie und nach ein paar Sekunden nochmals: "..irre".
Ich erzählte ihr so kurz wie es ging worum es sich handelt. Andauernd wurde ich von ihren Zwischenfragen unterbrochen. "Hier sind ja Ameisen" rief sie und sprang plötzlich auf. Wir liefen zum Weg. "Wohin nun?... hoch oder runter ?" fragte sie: "Und entscheide dich diesmal vorher." Wir entschieden uns für die Stadt.


Kapitel 22 Im Wald
"Jetzt hör auf mit dem Rennen" sagte Nicole "..ich kann nicht mehr!" "Nur noch ein Stück bis er uns nicht findet" entgegnete ich auch völlig außer Atem.
"Ich will jetzt wissen was los ist und warum heißt du Andrea und überhaupt ich verstehe das alles nicht.." sagte Nicole. Sie hielt mich am Handgelenk fest, blieb stehen. Ihren Oberkörper hatte sie nach vorn gebeugt und rang nach Luft. "Fang an zu erzählen!" 
"Nicht hier" sagte ich und wollte weitergehen. Doch sie ließ nicht locker, noch immer hatte sie mein Handgelenk umklammert.
"Lass uns da hinsetzen.. ich bin tot, so gerannt bin ich noch nie.." sage sie und zeigte mit ihrer anderen Hand in Richtung eines Hauseinganges neben einem Schreibwarenladen.
Wir setzen uns auf die großen steinernen Stufen des Hauseinganges. Hier war es schattig und angenehmer.
Ich erzählte fast zwei Stunden lang, ließ nichts aus und erklärte ihr auch weswegen ich meinen richtigen Namen sowie mein Alter verschwiegen hatte. Ich unterbrach mehrmals meine Erzählung wenn wir Leuten Platz machten welche zum Hauseingang rein oder raus wollten.
"Andrea gefällt mir auch besser als Tina" sagte Nicole. Für sie schien das die normalste Sache der Welt zu sein und ich war erleichtert das sie das so gelassen aufnahm. 
"Ich hätte Lust auf ein Eis" rief Nicole. Geld hatten wir keins mit, so verschoben wir das Eis auf später denn wir beschlossen abends noch einmal in die Stadt zu gehen. Das alles ganz anders kommt konnten wir noch nicht ahnen. Zu diesem Zeitpunkt beschlossen wir erst einmal wieder nach Hause zu laufen.
Wir waren keine dreihundert Meter den Weg nach oben gelaufen als abermals der BMW mit Schritttempo den Weg unten einbog.
Ich zuckte zusammen. Nicole war auch sichtlich erschrocken, wusste sie ja nun nach meiner Erzählung was es damit auf sich hat. "Scheiße, das gibt's doch nicht" schrie sie und packte mich am Arm. Wir rannten die Böschung hinauf. Der BMW beschleunigte. Er hatte uns gesehen! Ich stolperte mehrmals in dem hohen Gras auf dem unebenen Boden, kam aber nicht zu Fall. Fast hatten wir die Kuppe der Böschung erreicht als ich unten eine Autotür zuschlagen hörte.
Nicole zog mich mit letzter Kraft nach oben. Sie sagte immerzu "Los!" Wir rannten oben angekommen durch die Brennnesseln, durch das Gestrüpp. Ich spürte in diesem Moment keinen Schmerz. Die Panik lies uns alles andere vergessen, wir rannten. Immer wieder drehte ich mich um, konnte aber nichts erkennen. Auch Nicole sah sich immer wieder um und wurde nach kurzer Zeit langsamer und sagte: "Den sind wir los, aber wie kommen wir zu dir?"
"Nein!, weiter!" schrie ich, denn im selben Augenblick erkannte ich eine Person welche hinter der Böschung auftauchte und auf uns zu rannte.
"Wir müssen in den Wald!" rief ich. Ich spürte wie meine Kräfte schwanden. Meine Beine taten weh und ich hatte kaum Luft zum Atmen. Nicole war immer einen Schritt voraus. Ich traute mich nicht mehr nicht umzudrehen. Erst als wir die ersten Bäume erreicht hatten wagte ich einen Blick. Gut fünf- oder sechshundert Meter schienen wir Vorsprung zu haben. Weiter drinnen im Wald wurden die Nadelbäume kleiner aber auch dichter. Meine Arme schmerzten, die Haut war aufgekratzt. Plötzlich taumelte Nicole, machte einen halben Schritt zurück und hielt beide Arme von sich gestreckt. Ich rannte mit voller Wucht gegen sie. Ich erschrak mich fürchterlich. Sie ist angeschossen wurden fuhr es mir durch den Kopf und im selben Moment wurde mir klar das sie gegen einen Ast gelaufen ist. Ihre Stirn blutete. "Scheiße!" sagte sie leise nachdem sie die Hand an die Stirn gehalten hatte und sah das auf ihrer Hand Blut war. "Sieht nicht schlimm aus" sagte ich und war mir selbst nicht ganz sicher ob es wirklich nicht schlimm aussah. Wir rannten weiter. Ich drehte mich um, es war nichts zu sehen. Der Wald wurde immer dichter. In einer kleinen Bodenvertiefung ließen wir uns fallen. Mein Herz raste. Ich legte mich auf den Bauch und beobachtete so gut ich konnte alle Richtungen. Nicole lag ebenfalls auf dem Bauch einen Arm abgewinkelt vor ihrem Kopf der andere auf meinem Rücken. Es dauerte ein paar Minuten bis ich wieder normal Atmen konnte. Meine Arme und Beine brannten. Nicole flüsterte die ganze Zeit und fragte ob ich was erkennen kann. Ich sah nichts. Hat er wirklich aufgegeben? Was ist wenn er bei mir zu haus ist? Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf. "Wie lange wollen wir hier liegen?" flüsterte Nicole. "Ich weiß nicht" entgegnete ich.. "was meinst du?" 
"Warten wir noch eine Weile" flüsterte sie.
"Es hat aufgehört" sagte sie plötzlich. "Was? was hat aufgehört?" fragte ich. "Das Bluten." Sie drehte sich auf den Rücken und schielte nach oben in Richtung ihrer Stirn. Ich beugte mich über ihre Stirn. Es hatte wirklich aufgehört mit bluten. Es schien auch wirklich nicht weiter schlimm zu sein. Plötzlich schlang sie beide Arme um meinen Hals und zog mich näher. Ich erschrak doch im selben Augenblick fühlte ich mich zu ihr hingezogen. Ich schloss die Augen. Ich fühlte mich als schwebte ich. Endlos kam mir dieser Augenblick vor dann spürte ich ihre Lippen. Ich entspannte mich. Langsam streckte ich meine Arme nach oben während ihre rechte Hand über meinen Rücken glitt. Endlose Stille, kein Vogelgezwitscher, kein Rauschen der Bäume im Wind.. nur Stille und dieses unheimliche Verlangen und diese Nähe. Wie im Trance legte ich mich auf sie. Sie hob ihren Kopf während wir nicht aufhörten uns zu küssen. Ich schlang meine Arme fest um ihren Hals. Ihre Lippen waren weich. Ihre Hand glitt über meinen ganzen Rücken. Diese Gefühl aus Warm, Kalt und Kitzeln durchzuckte meinen ganzen Körper.
Obwohl die Sonne unterging war mir nicht kalt. Ich spürte den Schlag ihres Herzens und in diesem Moment hoffte ich die Zeit würde still stehen. Ich spürte jetzt ihre beiden Hände auf meinem Rücken.
"Ich... ich..." flüsterte sie. Ich zog meinen Arm unter ihrem Kopf hervor und legte meinen Zeigefinger auf ihre Lippen. Ich küsste ihre Wangen und ihren Hals. Ich spürte ihre Hände an meinem Po. Langsam zog sie mir das Kleid nach oben. Ich ließ es geschehen. Immer tiefer versanken meine Gedanken mit diesem Gefühl mit ihr zu verschmelzen. Ich richtete mich auf. Sie zog mir das Kleid über den Kopf. Kurze Zeit später tat ich das selbe bei ihr. Ein kurzer leichter Windhauch. Gänsehaut. Doch nur für einen Augenblick dann lagen wir nackt, eng umschlungen, küssend auf dem weichen Moosboden. 
Ich dachte nicht nach in diesem Augenblick, Liebe? Leidenschaft? Ich spürte ihre Hände am ganzem Körper, ihre weiche Haut ihre Lippen, ihre Wärme und Nähe und dachte das das nie aufhören wird. Dieses Gefühl. Nur ein Wunsch. Es soll nie aufhören. Für immer. Was geht mich die Gesellschaft an, was andere denken. Meine Eltern? Das kann mir egal sein! Christiane? Sie ist nur eine Angestellte! Ich dachte in diesem Moment ich würde es nie verheimlichen. Die ganze Welt könne es erfahren, mir ist es egal! Weiter dachte ich nicht. Das Gefühl zog mich mehr und mehr in den Bann! Leidenschaft... 



~Fortsetzung folgt~
 
Wenn du registriert und angemeldet bist und selbst eine Story veröffentlicht hast, kannst du die Stories bewerten, oder Kommentieren. Wenn du registriert und angemeldet bist, kannst du diese Story kommentieren.
Weitere Aktionen
Wenn du registriert und angemeldet bist, kannst du diesen Autoren abonnieren (zu deinen Favouriten hinzufügen) und / oder per Email weiterempfehlen.
Ausdrucken
Kommentare  

Die bestbewerteste story von Webstories, SUPI!

Ramöser (16.06.2009)

Nimm dir ruhig Zeit für diese lange Story, sie ist das wert. Toll geschrieben, wahnsinnig spannend. Etwas Gutes um dieses griesegraue Mieswetter für einige Stunden zu vergessen, hehe.

doska (06.02.2009)

Echt super krass gut!

Buchwurm (04.05.2007)

määänsch... echt klasse kann ich da nur sagen... aber wenn du es nochmal korrektur liest schadet auch echt net^^
lg darkangel


darkangel (09.02.2007)

Danke für diese fesselnde spannente Geschichte!
Von mir bekommst du volle Punktzahl!


tripleX (09.10.2005)

Ich habe mir das Gothic durchgelesen und war nun neugierig auf diesen Teil hier. "Oh mein Gott" kann ich dazu nur sagen. Besser gehts nicht mehr, ich habs an einem Stück durchgelesen und bin sehr tief beeindruckt!

de maus (08.10.2005)

Du fehlst mir so sehr....

T. (27.08.2005)

Alle Achtung,
gefiel mir sehr gut, obwohl...77 Seiten am Monitor zu lesen ist schon harte Arbeit. Aber einmal angefangen konnte ich nicht mehr aufhoeren zu scrollen und so sollte das auch sein. Hier und da sind ein paar Fehler, jedoch merkt man dass es Tippfehler sind und keine wirklichen Grammatikfehler. Der Meinung von Stefan, dass es sich um dein Tagebuch handeln koennte, schliesse ich mich an. Eines jedoch hat mich verwirrt: Bei einem Mann des Kalibers "deines" vaters findet man eine Bildzeitung? Ich haette eher auf ein Blatt gehobeneren Levels getippt. Du schreibst sehr gut und ich hoffe du machst weiter. Versuche diese Geschichte doch einmal als Fortsetzungsroman einer Jugendzeitschrift anzubieten. Von mir kriegst du auf jeden Fall fuer diese Leistung 5 Punkte.


Damien (freiberuflicher Uebersetzter/Lektor/Hobbyautor) (09.10.2004)

Ich hatte nicht vor mir diese sehr lange Geschichte durchzulesen. Doch einmal angefangen, konnte ich dann doch nicht mehr aufhören. Obwohl das Lesen mangels Abschnitte etwas mühselig war hat mich diese Geschichte dermaßen gefesselt, das mir an einigen Stellen die eine oder andere Träne kam. (passiert sogut wie nie, beim lesen) Allein deswegen ist die Geschichte für mich die 5 Punkte wert. Hinzu kommt das mir der Erzählstil diese Geschichte (der eine oder andere wird mir widersprechen) so spannend herübergebracht hat, das diese mitunter sehr kurzen Sätze am Ende wie Kult erschienen. Gerade diese kurzen Sätze haben mich in das Geschehen gerissen und nicht der spannenste Film könnte das aufwiegen. Der Wechsel zwischen Freud und Leid (so wie das Leben ist) wurde sehr sehr gut herübergebracht und gibt ein Abbild aus dem wahren Leben. Wie schon erwähnt, volle Punktzahl und Danke für diese sehr sehr spannende Unterhaltung die ich während des Lesens hatte!

Marie (13.05.2004)

Gelacht und geweint wie ein Kind. Eine traumhaft schöne Geschichte!

Leseratte (12.05.2004)

Wie auch schon der erste Teil: TOP-Story!
Es wurde auch schon alles positive und negative aufgezählt, da gibts nichts mehr hinzuzufügen!
Mir sind nur teilweise die Sätze zu kurz, aber das mag Ansichtssache sein. 5 Pts


Dr.Ell (06.02.2004)

Was soll ich da noch sagen? Jesus Christus noch einmal! Hab mir alles an einem Tag reingezogen und bin von der Wirkung begeistert. Spannend bis zum 'Schluss', packend, wenn auch ein wenig unreal. Es klingt alles sehr nach Argent-en-masse, auch wenn es vielleicht so ist, kann ich mir das schwer vorstellen.
Jetzt noch zu den Mängeln: Auf jeden Fall das was Stefan geschrieben hat, doch ich muss noch anmerken, dass sporadisch Komma- und Groß-Kleinschreibungsfehler auftauchen (ja, es ist fies, dass zu schreiben). Außerdem noch etwas, was mich verwundert hat (es kann natürlich auch nicht so sein): Es fällt zweimal der erste Schnee, so wie ich das gelese habe.
Aber sonst kann ich sagen, dass diese Geschichte auf jeden Fall einen sehr hohen Unterhaltungswert hat und dass ich noch keine Ermüdung der Themen spüre.

High Five mit einem Halleluja.


Redfrettchen (15.11.2003)

Extrem lange 77 Seiten aber ich muss schon sagen die Geschichte ist sehr sehr gut!

 (16.07.2003)

Erst den Mecker:
Bitte, bitte ABSÄTZE! Nicht alle Sätze hintereinander klatschen. Man liest sich echt einen Wolf, vor allem am Bildschirm. Ausgedruckt aber auch. Wenn zum Beispiel zwei Leute miteinander reden, fang immer eine neue Zeile an, wenn du von einer Person auf die andere wechselst.
Das tut dem Auge gut und hält die Leser bei der Stange.

Dein Schreibstil: Hmmm...im Englischen gibt es eine simple Regel: Show! Don´t tell! Heißt auf deutsch: Zeigen! Nicht erzählen!
Will sagen, die Grimmschen Märchen sind eigentlich tierisch langweilig. Interessant wirds für die Kleinen erst, wenn Oma ganz doll mit den Augen rollt, die (dritten) Zähne fletscht und mit den Armen fuchtelt: "Dammmmit ich dich besssser fresssssen kann!!!!"
Dazu noch die passende Stimme.
Aber wenn man nur liest, sollte für den Leser ein Bild geschaffen werden und nicht nur erzählt werden.Es liest sich, als ob du dein Tagebuch abgeschrieben hast.

Ach ja: Bitte nicht immer alle Teile am Stück. Teil 1 sollte tatsächlich Teil 1 enthalten und Teil 2 NUR Teil 2 anstatt Teil 1und2 zusammen. Das verwirrt die Leute.

nun bin ich wahrscheinlich der Einzige, der dein Wunderwerk auch mal kritisch beurteilt.
Nimms nicht so tragisch. Für dein Alter ist die Schreibe echt SUPER! Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, dass man sie noch gehörig verbessern kann.
Gemein ist natürlich, an der spannendsten Stelle aufzuhören, aber das machen alle Fortsetzungsschreiber. Ich auch. *ggg*
Bin auf Teil 3 gespannt.
Bist du echt so ne reiche Prinzessin oder schaffst du es einfach nur, das so echt rüberzubringen?
5 Punkte von mir, Hackerprinzessin.


Stefan Steinmetz (24.03.2003)

Eigentlich bin ich nicht die großartige Langer-Text-Leserin, aber das musste ich mir einfach reinziehen! Echt klasse!
Hoffe es kommt noch eine Fortsetzung!


amazone (13.03.2003)

Schreibe schnell weiter! Ich habe geweint wie 1000 Meere.. Großartige Leistung!

lisa (12.03.2003)

Kompliment!
Warte gespannt auf die Fortsetzung!


Heidi StN (10.03.2003)

ich bin eben auch endlich dazu gekommen, die ganzen 77 seiten durchzulesen. du erinnerst dich vielleicht noch an mich? ich hatte dir vor langer langer zeit mal eine email geschickt und dich um eine fortsetzung gebeten... als mich vor kurzem dann deine email mit dem link zu deiner hp erreichte und die fortsetzung hier (endlich *grins*) eingestellt wurde, hab ich mich voll gefreut :) hab versucht zurück zumailen und mich zu bedanken aber dann kam ein mailerdämon *grummel* wie ich diese dinger hasse. naju aber irgendwie kam ich nie dazu alles am stück zuende zu lesen, habs zur seite gelegt und erstmal vergessen (schande über mich!) und heute mittag hab ich mich dann voll über die leser gewundert, die alle aufeinmal aufgetaucht sind und dich voll in den himmel preisen. hab erst gedacht, huch das warst du, eigenwerbung oder so blablabla ich laber wieder zuviel... naja egal mit welchem zweck dieser thread aufgetaucht ist, ist ja auch egal. ich bin jedenfalls ENDLICH dazu gekommen, deine story zu lesen.

naja und ich muss zugeben... sie ist wirklich gut! spannend, fesselnd und an manchen stellen kam auch die eine oder andere träne... *am kopf kratz* da kann ich den anderen lesern - so seltsam sie auch aufgetaucht sind - nicht widersprechen. alle fünfe in hoffnung auf fortsetzung!


*Becci* (10.03.2003)

Alle Punkte-beste Bewertung. Total Spitze!

hingerissen (10.03.2003)

Tränen und Lachen und das wie eine Berg und Tag Fahrt, Zeile für Zeile, Seite für Seite meisterhaft geschrieben. Wenn das mal verfilmt wird dann schreibe du bitte auch das Drehbuch :-) Mich beim Lesen einer Geschichte zum Lachen zu bringen geht mittelmäßig schwer,mich dazu bringen das mir die Tränen kommen hielt ich für unmöglich. Du hast es mit deiner Geschichte geschaft.. einfach unglaublich aber mir kamen an manchen Stellen die Tränen! Einfach genial geschrieben!

Sonja37 (10.03.2003)

Ihr habt mich neugierig gemacht und so habe ich mir diese lange Geschichte durchgelesen. Was ich da las hat mich zutiefst berührt. Man kann das Spiel mit den Gefühlen gar nicht in Worte fassen. Ein Meisterwerk! Volle Punktzahl!

Neun (10.03.2003)

Die Story ist echt unglublich nah am Leben
Die Zeichnung der Charaktere und die nie aufhörende Spannung gefallen mir echt gut


akasha (10.03.2003)

Was soll ich da noch sagen? Respekt.... und schau mal ins Forum!

Graf Zahl (*****)


Graf Zahl (10.03.2003)

WoW! Das sollte verfilmt werden und das meine ich echt so! Einfach Spitze, mehr kann man dazu nicht sagen. Wer das nicht gelesen hat dem is nicht mehr zu helfen *g* Im Ernst: Ich habe selten soetwas spannendes und gefühlsbetontes gelesen. Die Mischung aus Liebe,Freundschaft,Spannung,Tod,Trauer,Freude,Heiterkeit ist unglaublich. So etwas muß ein Autor erst mal schaffen. Du hast es geschafft.Dafür meinen ehrlichen Respekt. Ich verneige mich vor dir..

Leseratte (10.03.2003)

Tränen,Lachen ein einziges Hoch und Tief der Gefühle, meisterhaft geschrieben. Ich wünsche Dir viel Glück. Vielleicht kann man bald erfahren wie es weiter ging. Ich würde mich darüber sehr freuen. Meine Benotung: volle Punkte, selbst 10 Punkte würden nicht ausreichen um diese Geschichte zu würdigen

Peter (08.03.2003)

Das ist Unfassbar. Das muß man gelesen haben! Die Spannung steigt von Seite zu Seite. Denkt man am Anfang man hätte die gesamte Geschichte schon durchschaut so wird man stück für stück eines besseren belehrt. Mir flossen an manchen Stellen die Tränen. Eine wunderbare Geschichte. Soetwas gehört in jeden Buchladen! Schreibe bitte weiter!

Nachtmensch (08.03.2003)

Nicht nur einmal habe ich geweint.Sowas fesselndes habe ich noch nie gelesen. Spannung pur! Ich hoffe das bald die Fortsetzung kommt.

Jana (07.03.2003)

Login
Username: 
Passwort:   
 
Permanent 
Registrieren · Passwort anfordern
Mehr vom Autor
Ein Fall mit Happy End  
Nachbarschaftskrieg  
Gibt es Geister? - Eine wahre Begebenheit.  
Ein Paradies für Schwerverbrecher  
Manipulation  
Empfehlungen
Andere Leser dieser Story haben auch folgende gelesen:
Der Traum im Traum  
Kolumbianischer Winter  
1. Andacht - der Jona in uns allen  
Tod im Morgengrauen  
Rotkäppchen - aufs Wesentliche reduziert  
Das Kleingedruckte | Kontakt © 2000-2006 www.webstories.eu
Counter

Counter Web De