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13 Seiten

Kuba Teil 1

Romane/Serien · Amüsantes/Satirisches · Sommer/Urlaub/Reise
Heute ist Sonntag, der 14.06.09. Soeben bin ich mit meiner Frau verschwitzt in Paris gelandet, esse einen Croissant, trinke Pepsi und warte auf den Flieger nach Havanna.
Neben uns sitzen drei betrunkene Engländer, die ständig auf etwas hübschere Frauen weisen, ein wenig lachen und wahrscheinlich typisch hässliche Engländerinnen daheim haben. Apropos als ich letztes Mal bei Youtube Dokumentationen suchte fand ich eine Reportage über Verschwörungstheorien. Eine besagte, dass die Queen eigentlich ein ReptilienAußerirdischer ist der die Form wandeln kann. Welche Fakten dafür geradestehen müssen weiß ich nicht. Auf jeden Fall steht der Ausspruch "Gott schütze die Queen" dann natürlichen in einem ganz anderen Licht. Heißt dann einfach übersetzt, dass die Kommandanten der Raumschiffe halt auf Ihre Ausgesandten aufpassen sollen.
Katharina fragt gerade ob sie glänzt. Ich sag "Nee", Sie fragt "Nee?" und ich wiederhole meine Verneinung.
Ich hab ja immer ein wenig Angst vor dem Druckausgleich meiner Ohren und muss sagen, dass Nasenspray das einzige ist, was mir einen Flug einigermaßen erleichtert. So Nase zuhalten, Luft gegenpressen und auf Ausgleich warten bekomme ich nicht so gut hin, gähnen kann ich dann auch nicht und sowieso. (Hab grad gemerkt dass dies ein langweiliges Thema ist).
Weil der anstehende Flug 10 Stunden dauert und ich noch dort was schreiben will mach ich jetzt meinen Lappi aus und trink und ess weiter.

Wir sitzen jetzt schon 4 Stunden in dem Flieger nach Havanna und haben somit fast die Hälfte geschafft. Katharina schläft und ich lese ein Buch von einer australischen Fahrradfahrerin die Kuba mit eben so einem Gefährt durchreist hat. Ihre Erfahrungen sind gespickt mit Hinweisen was denn was kostet. Vielleicht wird das noch ganz hilfreich sein. Cola gibt es hier bis zum Abwinken. Ein Wagen steht vor dem Klo und man kann sich bedienen. Auf anderen Flügen muss man so was immer bezahlen. Irgendwer hat hier vorhin HeinekenBier getrunken. Werde ich mir vielleicht auch noch gönnen um schlafen zu können. Ein paar Turbulenzen hatten wir schon, was natürlich ziemlich brömselig ist. So geht es doch fast genau über den Bereich wo vor ein paar Wochen eine Maschine der gleichen Bauart und der gleichen Fluggesellschaft ins Wasser gefallen ist. Dabei kamen über 200 Menschen um. Die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass jetzt noch mal eine Maschine abstürzt, aber die Wahrscheinlichkeit das genau an dieser Stelle eine Maschine verschwindet war vor dem Absturz sicher auch gering.
Hinter uns sitzt ein Paar aus Slovenien und ich überlege die ganze Zeit, ob diese damals auch zum kommunistischem Pakt gehörten und denke zu 79%, Ja.
Vor uns irgendwelche Moslems aus Italien und sonst habe ich nur einen Deutschen gesehen, der fast genau wie mein Anwalt aussieht. Katharina ist jetzt aufgestanden und läuft durch das Flugzeug. ThromboseProphylaxe. Thrombose ist doch, wenn man Klümpchen im Blut hat und das Blut nicht mehr durchkommt oder? Es gibt so viele Sachen, von denen ich nichts weiß. Schrecklich. So ich mach mal PC aus und les weiter. 6 Stunden noch und wir landen.

15.06.09

Der Transfer gestern vom Flughafen in Havanna nach Varadero dauerte ungefähr drei Stunden. Und ungefähr eine bis anderthalb Stunden mussten wir uns beim Zoll fotografieren lassen und einen Schrieb unterzeichnen dass wir keine Schweinegrippe haben. Fast alle kubanischen Sicherheitsleute trugen Mundschutz und gaben einem somit nicht gerade die Vorstellung eines unbeschwerten Urlaubs. Auf der langen Fahrt zum Hotel fuhren wir durch Baumhüttendörfer, Barackenstädtchen und Hüttenbehausungen. Überall die typischen alten Autos und überall standen Leute und warteten darauf, mitgenommen zu werden. Also Anhalter ohne jetzt den Daumen rausstrecken zu müssen. Dann gab es noch so UFOs auf Betonstangen. Sicher irgendwelche Speicher oder so.
Im Moment liegen wir am Pool, es ist 8:50 und ich wurde soeben von zwei Mücken gestochen, Kathy meint, ihr Bauch tut weh, bläht sich auf und wir warten darauf, dass sie furzt. Das Frühstück war fettig, ungewürzt und gewöhnungsbedürftig. Ich werde mal demnächst anfangen Fotos zu machen. Um 10:30 haben wir einen Termin mit der Reiseleitung. Diese wird versuchen uns unser Geld für irgendwelche Touren aus dem Arsch zu kitzeln. Das teuerste ist eine HavannaTour mit Übernachtung für 190 Euro pro Person. Wenn man das alleine regelt..bezahlt man für die Fahrt Hin und zurück 80 Euro, ein Doppelzimmer kostet höchstens 150 Euro. Also machen wir das alleine. Katharina möchte noch gerne Delphinschwimmen und die Show sehen, aber für mich ist das dann nichts. Na klar würde ich das auch mal gerne erleben, aber nur alleine. Ich stelle mir so ein Treffen zwischen einem Delfin und mir wohl ein wenig romantischer vor. So wäre man ja mit hunderten Leuten da und jeder darf mal mit ihnen schwimmen. Schön stelle ich mir das für die Delphine nicht vor. Also wie kann es für mich schön sein?

Abends liegen wir nun wieder am Pool und zwei Wochen nur dieses TouristenBimselBamsel durchzuziehen würde mir mehr als missfallen. Der Termin heute um 10:30 bestand aus einer Janet oder Tschanina. Auf jeden Fall hieß sie mit Nachnamen Gonzalez. Logisch.
Sie meinte, wenn man in Varadero Urlaub macht, macht man nicht in Kuba Urlaub. Kuba lernt man nur in Havanna kennen oder einer anderen Stadt.
Hier gibt es eigentlich alles. Das Essen ist eben ein wenig anders, hab auch schon zwei Ladungen weggeschissen die sich nach Durchfall anfühlten. Zum Beispiel graues Rührei oder so Kroketten mit Glibberfüllung.
Außerdem hab ich von unserem kurzen Strandbesuch Sonnenbrand an der einzigen Stelle bekommen, die ich beim Eincremen vergaß. Meine Füße.
Wir haben heute für Mittwoch einen Viazul (Bus) nach Havanna reserviert und bleiben dort dann im schönsten Hotel ganz Kubas. Da haben auch schon ganz feine Personen übernachtet. Wer, berichte ich dann später. Wir haben auch ein Geschäft gefunden in dem wir Cola kaufen konnten. Natürlich keine Coca Cola. Gestern als wir ankamen haben wir nämlich nur zwei Becher mit Wasser ins Hotelzimmer nehmen können. Was anderes gab es nicht und Leitungswasser trinken nur Schweine zur Betäubung damit man sie besser schlachten kann.
Mit einem Motoradtaxi sind wir auch schon gefahren. Die halten ganz automatisch neben einem an oder fragen in einigen Metern Entfernung ob man mitfahren wolle. Eine typische Begegnung erlebten wir dann auch. Ich hatte so einen Gesprächsverlauf auch schon in einem Reiseführer gelesen. Ich gebe ihn hier mal wieder:

Where are you from?

Aus Deutschland.

Ach so.

Ja.

Mein Bruder war in der DDR.

Oh, wo denn?

Kebsch!

Chemnitz?

Kebsch! Hier ihr essen? Ja, alle essen ja. Fisch ist gut. Ihr gucken Langusten und Fisch mhh.

Im Grunde war es natürlich ein Verkaufsgespräch, dass er halt in mehreren Sprachen intus hatte. Wären wir Engländer gewesen, wäre sein Bruder viele Jahre in Bournmouth gewesen oder sonst was. Ich denke, wenn wir in Havanna sind, wird auch dies zunehmen. Am besten man gibt diesen Leuten gar keine Angriffsfläche und geht gar nicht auf Fragen ein. Im Gespräch mit dem Schlepper hatte ich auch ganz vergessen, dass Chemnitz in der DDR ja Karl-Marx-Stadt hieß.
Die Spatzen sind hier total dünn und neben uns versucht sich gerade ein dickbäuchiger Mann eine Havanna anzuzünden. Klappt nur nicht so richtig.

Abendessen, noch ein paar Fotos gemacht und total fertig.

16.06.09

Um 8 Uhr aufgestanden. Ich glaube, es wird keinen Tag geben an dem wir erst um 11 Uhr aufstehen. Außer man hat sich die Nacht vorher total besoffen. Gestern sind wir um 21:30 eingeschlafen. Für mehr hat unsere Kraft nicht mehr gereicht. Da wir nicht nur aus Spaß hier sind, sondern auch ein Kind machen wollen werden wir die weiteren Tage zusehends mit Sex füllen. Gestern war unser Liebesspiel ziemlich Zeitlupentechnisch. Die schwüle Hitze bremst da ein wenig.
Heute haben wir bei der unfreundlich freundlichen Reiseleiterin eine Katamaranreise zu Echsen und Delfinen gebucht. Und nun sitzen wir wieder am Pool. Neben uns ein deutsches Paar. Der Mann mit Tätowierungen aus dem Jahre 1970 und seine Frau rotgefärbte, kurze Haare und liest einen historischen Roman der Marke unbekannt.

17.06.09

Gestern haben wir nach unserer Poolsession versucht den Supermarkt von Varadero zu finden, hatten ihn dann auch gefunden, aber waren uns dessen nicht bewusst und sagten dann einer EierTaxifrau sie solle uns zum Markt bringen. Die Märkte beinhalten vielerlei KonterfeiProdukte von Che, viel Holz, viel komische Bilder, viel Schmuck mit weißem BimselBamsel und natürlich steht auf jedem Markt auch irgendwo ein Mann der zischelt "Zigarrs". Damit macht er darauf aufmerksam, dass er Reste von Zigarren irgendwo gefunden, ein längliches Etwas daraus gezimmert hat und jetzt irgendwie als echte Havanna verkaufen will.
Die Leute zischeln hier anstatt zu pfeifen und ich glaube, die Reichweite vom Zischeln ist auch nicht schlecht. Unter einem Baum sah Kathy einen kleinen Hüni, der mit einem alten zahnlosen Bettler campierte. Als man näher kam erkannte man weitere drei Hunde, die sich auch nich mehr so dolle bewegten. Wir gaben dem Amigo zwei Euro und gingen weiter. Als wir uns umdrehten konnten wir beobachten, dass ein Man in Uniform zu dem Typen ging und.... Ja, er machte erst einmal gar nichts, weil er sah, dass wir uns umdrehten und ich glaube, der hat ihn dann abkassiert. Man weiß es aber nicht.
Am Pool hatte uns der tätowierte und schielende Mann noch erzählt dass es ein schönes Haus am Meer gibt, welches sich Al Capone Haus nannte. Ich hatte natürlich nur wieder mit einem Viertel Ohr zugehört und hatte das schon wieder vergessen. Kathy jedoch wusste das noch und es gab einen kleinen Disput darüber, ob es dieses Haus wirklich gibt. Ich legte in die Waagschale, dass mein SuperReiseführer das ja dann auch wüsste und Kathy war sich einfach sicher. Also sagten wir zu einer Eiertaxifahrenden Wollmilchsau dass wir dahin wollen und sie nickte und fuhr uns.
Vor diesem wirklich schönen Haus aus der Kolonialzeit stand ein Mafiaauto aus Pappmachee und man erkannte, dass es sich um ein Restaurant handelte. Vorher hatte ich gedacht, es ginge um ein Museum oder so. Wir also rein und auf die Terrasse und wuppi, war das schön. Man schaute genau aufs türkisfeine Meer, ohne jeglichen Menschen, ohne jegliche Schiffe und hatte die gesamte Veranda für sich. Ein Kellner pries sofort Hummer an und den bestellte ich dann auch. Leider war der mit Knoblauchöl verschompelt. Katharina nahm ein Schnitzel oder so was.
Den Weg zurück gingen wir zu Fuß. Also eine Teilstrecke und wir kannten ja schon die Echsen, die überall an den Hauswänden und Palmen hingen und so dachte ich, die Löcher am Wegesrand seien die Behausungen von eben diesen, aber weiter als weit gefehlt. Bei einer Betrachtung eines Loches erschrak ich mich stärker als ein Schwuler vor einer Vulva mit Vagina dran. Da war eben etwas Scherenartiges in das Loch gehuscht. Meine gute Frau lachte mich aus, aber wollte auch nicht so recht an die Löcher herantreten. Eine weitere Lochschau bewies dass es sich um eine monströse SchnippSchnappKrabbe handelte und auch in anderen Löchern sah man ZwickZwackHände winken. Je größer das Loch, desto größer die Krabbe konnte man gut schlussfolgern.
Als wir dann wieder im Hotel waren tranken wir ein paar Bier, spielten mit komischen Stangen Billard und Kathy schlief wie immer vor mir ein.

Jetzt sitzen wir gerade in einem ViazulBus nach Havanna. Der Kellner in unserem Hotel, dessen Freundschaft ich mir mit Trinkgeld erkaufte, warnte uns vor seinen Landsleuten, wenn mich mein grottenschlechtes Spanisch nicht täuscht. Am Pool sagte man uns auch, dass man wohl total angebettelt würde, aber angebettelt werden ist ja nur sachtes Fastklauen. Von daher, gerne. Eklig wird es nur, wenn man angefasst wird. Gestern auf dem Markt war auch ein Bettler, der mich angetippt hat. Das mag ich ja nu gar nich. Mal schauen, was uns erwartet. Bis dahin knimmeldieflomm und eumeldieschnippel.

Nachtrag zu eben: Der Busfahrer sieht übrigens aus wie der Anwalt von Johnny Depp aus Fear and Lothing in Las Vegas.

Katharina schläft gerade. Wir sind immer noch im Bus und da ich jetzt völlig unbemerkt schreiben kann, kann ich meine Vermutung äußern. Sie klagt nämlich seit ein paar Tagen, seitdem wir hier sind, über Kratzen im Hals und andere Symptome, die wahrscheinlich von einer Schweinegrippe herrühren. Ich schaue mir das noch ungefähr zwei Tage an und werde sie dann die cubanischen Behörden melden. Als ehemaliger DDR-Bürger ist es ja meine Pflicht mit der kommunistischen Regierung zusammen zu arbeiten.


So, nun sind wir seit ein paar Stunden in Havanna und haben in unserem Wunschhotel "Cuba International" kein Zimmer mehr bekommen und sind deshalb aufs Havanna Libre ausgewichen und sind mehr als begeistert. Wir liegen gerade in einem King Size Bett im 23 Stock und haben die beste Aussicht auf Havanna, auf das weite Meer und auch auf unser Wunschhotel. Um unser Zimmer kreisen ungefähr acht Geier und das Zimmer hat allen Komfort den man sich denken kann. Hab auch gerade schon den Roomservice genutzt: Eisbecher, Cappuchino und Schokokuchen. Vorzüglich.
Nach dem Einchecken wollten wir die Stadt unsicher machen, aber sie hat uns unsicher gemacht. Es ist gar nicht so leicht eine Nische zu finden zwischen den Geldabschneidern und Konsorten. Es gibt aber ein Zaubersatz den ich heute wohl hundert Mal falsch ausgesprochen habe: Tengo Toddo. Das heißt: "Ich habe alles".
Ich hab immer so was gesagt, wie Teddo Toggo. Wir waren in der Universität Havannas und sind an unzähligen kaputten Häusern vorbeigelaufen. An einem Straßenzug war der Gestank so stark, dass selbst ich einen leichten Würgereiz verspürte.
Irgendwo da in der Nähe gab es dann ein Kaufhaus in dem es viele Markensachen gab, aber diese waren dann genauso teuer wie bei uns. Wobei wir ja nicht gekommen waren wegen Schnäppchenmaching und uns das nicht sauer aufgestossen ist. Auch einen Chinesen gab es dort, aber der hatte dann keine Enten. Katharina hatte Entenhunger und der war nicht mit Chicken zu stillen. Ja und dann haben wir viel geschwitzt und sind mit einem Eiertaxi zurück ins Hotel, indem meine Frau feststellte, dass sie bescheuert aussehen würde und sie wollte dann Haarspray, Mascara und irgendwas anderes noch haben. Hatte sie wohl vergessen. Um das Hotel herum gab es dann auch Geschäfte in denen man eben dies kaufen konnte, aber viel teurer als normal und auch minderwertig.
Während ihres Kaufes setzte ich mich in die große DDR-Style Hotellobby und beobachtete die Menschen. Das war mein zweiter Glücksschönmoment. Ach nee der dritte. Der erste war dieses Al Capone Lokal, bei dem ich vergessen habe, dass da wirklich mal Al Capone aufgeschlagen ist und das zweite Ding war in das Hotelzimmer zu kommen in Havanna und einen WowEindruck zu haben. Nummer vier folgte übrigens auf Nummer drei ganz prompt. Eine Hotelkapelle bekam von mir ein paar Pesos und spielte für mich das Lied von Che Guevera. Das gehört zu einem meiner Lieblingslieder von Wolf Biermann. Siehe meine Lieblingssongs bei Youtube. Einfach dort mal nach "Feldulme" suchen. So, ich muss duschen. Wir wollen in die hoteleigene und darüber hinaus sehr bekannte Disco. Ach ja und erinnert mich mal gleich noch an das echt bescheuerte Restaurant hier im Haus in dem wir unseren Hunger stillten.

Ok, wir sind wieder zurück. Also noch mal zu dem Restaurant. Das hieß irgendwie "Le Bueff", aber doch ganz anders und lustig war, dass 75% der Speisekarte nicht verfügbar war. Auch gab es keine Cola, sondern nur Sprite usw...

18.06.09

Ich schreibe erst heute Abend richtig was gestern Abend noch los war, aber ich musste den Kasten noch einmal anmachen um einmal in der Bar am Tresen von Hemingway zu schreiben. Und mit meiner Webcam mach ich mal jetzt ein Bild. Ok, dann mal bis heute Abend.

Wir sitzen jetzt im ViazulBus nach Varedero. Der macht auf halber Strecke immer eine kleine Pause, weil wahrscheinlich die Mutter des Busfahrgesellschaftschefs hier einen Kiosk bewirtschaftet. Einen anderer Grund fällt mir nicht ein. Drei Stunden könnte man locker durchfahren und ich denke, Pisse und Scheiße kann man auch so lange zurückhalten. Europäer würden die Toiletten eh nicht nutzen. Was mir aber bei anderen Toiletten aufgefallen ist, ist, dass den Kubanern wohl ihr Geschäft heilig ist. Überall zwischen den Pissoirs sind nämlich Trennwände eingebaut. Das kann noch so ein beschissener Laden sein. Die Wände sind überall.
Nachtrag zu gestern. Wir waren ja gestern noch mal in der Disco im Haus. Ich glaube, wir waren 20 Minuten dort. Man hatte wirklich einen schönen Blick über Havanna, aber den hatten wir ja auch von unserem Hotelzimmer aus. Was aber ganz fein war, war die Tatsache, dass über der Tanzfläche die Decke weggefahren wurde (Disco befindet sich im 25 Stock, also ganz oben) und man in den Sternenhimmel schauen konnte. War auch alles ganz modern eingerichtet. Die Getränke waren teuer, aber ok und natürlich saß da auch ein Gelegenheitszuhälter mit Gelegenheitsnutten.
Kathy trank einen Cuba Libre und ich ein Bier.
In dem Hotel, hätte ich beinahe vergessen, haben wir dann noch eine leckere Pizza gegessen. Ein Laden aus dem auch mein Roomservice die Sachen bekam. Ich hatte ein Gericht bestellt das Pizetti oder Spahettagetti hieß. Auf jeden Fall eine Mischung aus Spaghetti und Pizza. Was mir gerade auffällt: Ich bin der totale Rentner. Was interessiert mich in zwei Jahren, was ich in Kuba alles gefressen habe? Oder was interessiert es andere Leute? Keine Ahnung, im Moment ist es für mich Aufschreibungswert.

So und nu hab ich gestern kurz erledigt und ich kann von heute dann anfangen. Dies dann aber erst im Hotel. Akku vom Laptop ist bald alle.

19.06.09

Gerade in den Tag 19.06.09 reingefickt. Also zu Havanna doch wieder von gestern:
Wir sind morgens aufgestanden, haben das Frühstück im Hotel genossen worauf ich jetzt wegen Rentermäßig und so nicht weiter eingehe und sind dann mit einem Taxi zum Zoologischen Garten gefahren. Dort waren ziemlich viele Tiere, die alle blöd gehalten wurden und danach sind wir dann mit einem weiteren Taxi zu Hemingways Bar "Le Floridat" gefahren. Hier hab ich einen Frozen Daiquirie getrunken und bezeichne es jetzt als meinen liebsten Cocktail. Seine Statue, als die des Schriftstellers, steht da am Tresen und alle möglichen Leute lassen sich mit ihr fotografieren. Blöd finde ich, wenn da Leute kommen die nur deshalb kommen und nichts weiter trinken.
Nach Hemingways Bar sind wir dann in eine halbwegs kompetente Einkaufsstraße in der es Kleider, Restaurants und SchnickSchnack gab. In diese waren wir eingekehrt um ein asiatisches Restaurant aus meinem SuperReiseführer zu besuchen. Dort hieß es, dass es einer der besten Läden ist, wenn es um asiatisches geht. Nun schlussfolgere ich aus dem Gaumenschmaus, dass es wohl das einzige Lokal in diese Richtung ist. Wir wurden herzlich empfangen von einem Herren im Anzug der mitteilte, dass er zum Weinankauf in Deutschland war. Dabei hatte er folgende Weinhochburgen besucht: Bremen, Hamburg, Oldenburg und so weiter. In Hamburg hatte er den StarClub besucht, weil da mal die Beatles gepuppst haben. Man hätte die Geschichte für voll nehmen können, wenn man Lust gehabt hätte. Ich hatte keine.
Und nun muss ich noch mal zum Essen kommen. Ohne dies zu erwähnen würde es keinen Sinn machen. Also wir bestellten eine Nudelsuppe und diese schmeckte vollkommen nach Wasser und beinhaltete Lauchgrün. Zuvor hatte ich zu der Kellnerin gemeint, ich sei hochallergisch gegen Zwiebeln und sie solle die Zwiebeln um Gottes Willen weglassen und sie meinte noch, ja klar kein Problem. Ok, dachte ich, dann ist ihr der Unterschied nicht bewusst oder so. Beim Hauptgericht hatte ich Schweinefleisch mit Nudeln erwartet und bekam zähes Schweinefleisch mit creolengroßen Zwiebelringen. Da das Essen nicht so teuer war, sah ich es als karitative Hilfeleistung für das Volk Kubas mich nicht aufzuregen und es einfach zu bezahlen. Übrigens hatte ich vor der Kubaankunft Angst davor gehabt, dass mich wildfremde Kubaner in ihr Haus einladen, bekochen, mir Zwiebelmatsche servieren und ich aus Höflichkeit nicht ablehnen kann und deshalb essen muss. Aber so ein Fall hat sich bisher nicht ereignet. In den Büchern steht, dass Kubaner total freundlich sind und alle sofort einladen. Das ist schön und ich würde es in meinem Herzen auch als wohlig warm empfinden wenn ich nicht wüsste, dass es nicht an der Freundlichkeit der Menschen liegt, sondern an der Hoffnung, dass Mister Tourist auf Grund der Freundlichkeit die Brieftasche öffnet. Klar gibt es auch herzensgute Leutchen hier und wahrscheinlich mehr als in Deutschland aber die vielgerühmte Herzlichkeit der Leute hier speist sich trotzdem größtenteils aus Monetenhoffnung. Und nur mal so am Rande: das kann ich total verstehen.
Nach diesem Erlebnis bummelten wir weiter und fanden uns in einem Münzmuseum wieder, in dem gerade eine neue deutsche Münzabteilung eröffnet wurde. Auch mit feinen Thalern aus Lüneburg und Braunschweig. Hab ich gefilmt und werde ich dann auch mal bei Youtube online stellen.
Da wir noch ein wenig Zeit hatten bis unser ViazulBus fuhr kehrten wir noch ins NH-Hotel ein und tranken da einen Kaffee und aßen ein wenig was. So puhh fertig. Alles abgehandelt.

Dann mal noch mal gestern Abend im Hotel. Animationsprogramm satt. Drei Paare mussten gegeneinander in irgendwelchen Tanzkategorien antreten. Bei einer habe ich mal kurz aufgeschaut: Er kniet auf dem Boden, sie verbundene Augen und er führt sie aus 8 Meter Entfernung per Mikro zu sich und lässt sich ein Mixgetränk in ein Glas schütten das er auf dem Kopf festhält. Natürlich hoffen die Animateure, dass ich die Trottel bepanschen, aber als ich aufschaute gelang es. Die Gewinner waren Belgier. Die zwei anderen Paare kamen aus Kanada. Da kommen eh viele Leutchen her.
Ja und dann sind wir aufs Zimmer, haben gepoppt, ich hab‘s aufgeschrieben und heute Morgen ging es dann in die zweite Runde. Jupp und nu sitzen wir am hoteleigenen Strand und machen nischt und ich les dann mal mein beschissenes Buch weiter. Ist echt blöd, ein Buch zu lesen dass man hätte besser schreiben können.

20.06.09

Sitzen wieder am Strand. Diesmal mit einem Wasserball den wir uns gestern noch in einem Shoppingcenter gekauft haben. Da war alles wirklich überteuert und wir beließen es deshalb auf Grundnahrungsmittel, aßen eine wirklich gute Pizza und tranken normales Bier. Beim Essen nervte uns eine Musikgruppe die uns regelrecht verfolgte. Mich nerven diese OriginalKubaMusiker nun langsam. Ich kann Guantanamera und den ganzen gleichen anderen Sound nicht mehr hören. Man hört ihn aus Lautsprechern am Strand, dann Abends bei der Animation und dann noch überall zwischendurch. Im Taxi, in den Läden und beim Essen. Das Kaufhaus lag natürlich genau am Strand, war sehr groß und es gab sehr viel Markenware. Hier ist mir auch wieder aufgefallen, dass ich Mode von Mango an Frauen sehr fein finde.
Dann sind wir mit dem Taxi wieder zurück, haben uns ein wenig hingelegt und haben dann dem Animationsprogramm zugesehen. Dieses bestand aus schwulen Tänzern und kleintittigen Tänzerinnen. Als Katharina kurz Bier an der Bar holte sprach mich ein Schwuler an. Folgender Dialog ergab sich:

Woher kommst Du?

Deutschland.

Ah.

Bist Du alleine hier?

Nein.

Und möchtest Du Party machen, jetzt?

Vielleicht.

Ok, wir reden später drüber. Wie heißt Du?

Robert.

Häh?

Robert.

Blobrt?

Robert.

Ach Du heißt jetzt Flake, ich heiße Pepe.

Ja und dann drückte er mich noch mal, küsste mich Gott sei Dank nicht und ist weg und ich hab ihn durchschaut. Ein Discoeinsammler der ein schlechtes Gedächtnis hat, deshalb alle Flake nennt und das bedeute eigentlich Arschloch damit er sich noch schön einen feixen kann. Vor allem wieso tut er so als könne er den Namen Robert nicht aussprechen? Der ist ja auch im spanischen Sprachgebrauch gebräuchlich.
Zwei junge Leutchen, der männliche Part heißt Peter Struck, kamen gerade von Ihrem HavannaTrip wieder und wir rotteten uns mit diesen zusammen und spielten Billard. Auf Grund meiner schon betrunkenen Frau verloren wir knapp. Danach setzten wir uns irgendwo an die Rezeption und wurden von einem dicken Animateur gefragt, ob wir mit zur Disco wollen. Er meinte, Juhu kostet nur einen Pesos hin und einen wieder zurück. Wir wurden also zu dieser Disco hingekarrt und am Eintritt hieß es dann alle Leute vom Hotel Palma Real 10 Pesos Eintritt. Rückwirkend betrachtet hätten wir wohl als Eintritt nur 5 Euro oder so bezahlt. Drinnen musste man sogar einen Peso, also 80 Cent, fürs Pullern bezahlen. So viel hab ich noch nie für den Toilettengang bezahlt. 50 Cent finde ich in Deutschland sogar ein wenig zu hoch. Mir geht es auch gar nicht so um das Geld, sondern eher das Prinzip der Hintreibung und Geldausschlachtung von uns armen Touristen.
Hab grad in den Golf von Mexico uriniert. Der Strandball ist übrigens weggeflogen und wir haben ihn gelassen. Bei dem Wind sich einen Ball zuzuwerfen ist ziemlich bescheuert, weil der Wind ihn immer wegnimmt und woanders hinwirft.
Demnächst möchte ich mich hier am Strand massieren lassen, aber leider ist die Massierdame eine wenig hübsche Kubanerin im fortgeschrittenen Endstadium. Sicher nett und so, aber da kommt sicher weniger Entspannung auf als bei einer jungen hübschen Frau. Gibt es eigentlich kubanische Massagetricks von denen Massagepraxisinhaber in Deutschland schwärmen? Vielleicht einen eleganten SalsaSchwung über dem Analen oder acht hinterher folgende Ellenbogenstöße in den Rücken. Wer weiß.
Mir fällt grad noch was zu der Disco von gestern ein. Ich war ja schon ziemlich lange nicht mehr richtig weg. Von daher weiß ich gar nicht, ob das Flackergewitterlicht auf der Tanzfläche normal war. Das Leben war psychedelisch in diese hellen Sequenzen abgesteckt und man sah alles deshalb in Zeitlupe. Kurzweilig horchte ich in meinen Körper herein und wartete auf einen epileptischen Anfall, aber da kam keiner. Ich hab in der Disco auch das erste Mal mit Katharina richtig getanzt. Sie rieb Ihren Po immer wieder an mir und ich hatte das erste Mal einen erigierten Penis beim Tanzen. Das ist ein wenig so, als würde man einen Stock in ein Getriebe werfen. Ich konnte nicht mehr tanzen.
Vor uns sitzt ein Deutscher, der mit einer Kubanerin schon 13 Jahre zusammenlebt. Sein Kind fragt, ob Kuba ein armes Land ist und ob Deutschland reicher ist. Danach, ob Spanien ärmer als Deutschland ist und was mit Afrika ist. Der Deutsche erstellt eine imaginäre ArmReichKarte und lässt diese aufs Kind wirken. Das aber Spanien viel ärmer ist als Deutschland ist muss ich erst einmal googeln. Ich denke, das nimmt sich nich so viel.
Wenig später spreche ich mit einem Bulgaren aus Sofia der meint, dass Deutschland seit dem Jahre 1999 immer weiter bergab geht, Kohl super war, Schröder ein Prallhans und Gaspromlakai und Merkel besser wäre als der, aber nich so gut wie Kohl.
Ich habe soeben eine Massagesession hinter mir und muss sagen, dass die Frau es echt drauf hatte. Ihre Hände an sich waren wie feines Schmirgelpapier. Keine Ahnung, ob das vom ständigen Menschenmassieren kommt. Kann ja sein, dass sich dabei mikroskopisch kleine Hautfetzen lösen, an ihrer Haut hängenbleiben und dort irgendwann verkrusten. Oder sie hat sich die Hände absichtlich verätzen lassen damit es für die Kunden angenehmer ist. Oder sie wurde davon vom kubanischen Staat gezwungen. Auch dies ist fantasierbar.
Bevor sie anfing, wusch sie mir meine sandigen Füße und trocknete sie ab. Danach knubbelte, strich, knetete, zupfte, klopfte und zog sie an meinem Rücken, meinen Schultern, meinen Beinen, meinen Händen und so weiter. Ich bezahlte 20 CUC und fand das Geld mehr als gut angelegt.
Kathy und ich sind dann zurück und haben jetzt einen Sonnenbrand, was daran liegt, dass die hier Sonnencreme mit dem Faktor 20 verkaufen. Meist gibt es aber nur 10-15 zu kaufen. Das wäre vielleicht für einen Badeseeaufenthalt von 10 Minuten in Chemnitz brauchbar, aber nicht für eine Hammersonne die selbst den Strandsand so aufheizt dass ich mir meine Fußsohlen daran total verbrenne. Auf jeden Fall echt merkwürdig, dass die hier eine Sonnencreme verkaufen, die nichts taugt.
Jetzt schaue ich gerade DeutscheWelle-TV wo zu meinem Argwohn Sendungen auch auf englisch ausgestrahlt werden. Katharina macht sich wie immer fertig. Das dauert immer eine wirklich geraume Zeit in der ich auf dem Bett liege und lese oder wie jetzt fernsehe.
 
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Kommentare  

Solch einen originellen und witzigen Reisebericht habe ich schon lange nicht mehr gelesen.

Evi Apfel (05.10.2009)

Das kommt mir vor, wie in der Schule ein Schulaufsatz und das Thema heißt: Eure Urlaubserlebnisse. Zugegebenerweise sind witzige, aber ganz ganz wenige Passagen drin. Im großen und ganzen aber, wie ein Schüler, der genauso schreibt, wie er es gerade in dem Moment erlebt, ohne großartig darüber nachzudenken, bzw. die Sache mal richtig und vor allem auch witziger zu formulieren. Da hab ich gar keine Lust mehr den 2. Teil zu lesen. Eigentlich sind solche Berichte, in denen andere mal die ganz persönlichen Erlebnisse schildern ganz interessant, aber jeder der schon mindestens einmal im Süden in Urlaub war, der kennt das alles, drum müsste es etwas interessanter und witziger geschrieben werden. Find ich jedenfalls. Na ja ich kann ja sowieso mit den meisten längeren Texten nichts anfangen.

Fan-Tasia (12.07.2009)

Hallo Robert, darf ich dein Kuba-tagebuch in die Rubrik Sommer/Urlaub/Reisen stellen?

Tlonk (01.07.2009)

Oh, ja, bitte noch meeehr!

Petra (01.07.2009)

Auch mir sagt dein kleines Reisetagebuch zu. Lebhaft, lustig und sehr ehrlich geschrieben. Man lernt Land und Leute kennen und ein wenig erfährt man auch über euch. Wie geht`s denn weiter? :))

Jochen (01.07.2009)

Na, das ist ja ein herrlicher heiterer Reisebericht. In Gedanken war ich bei euch - naja, wenn ihr abends miteinander beschäftigt ward, habe ich natürlich weggeguckt, hehe. Du hast alles wunderbar beschrieben. Ich konnte mir oft ein Grinsen nicht verkneifen und manchmal habe ich sogar laut gelacht. Danke dir dafür.

doska (30.06.2009)

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