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Timos Leiden mit den Damen – erste Ehe

Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten
Kaum hatte ich sie gesehen, da dachte ich mir auch schon: ‚Die nehm ich mir mit.‘
Ich drosch ihr mit einen Holzpflock zwei, drei Mal in die Schläfengegend, half ihr mit etwas Riechsalz zu Bewußtsein und schleifte sie an den Haaren vor den Altar, wo sie auf meine Frage, ob sie sich denn an mich erinnern könne, mir ihr Ja-Wort schenkte.
Die Flitterwochen feierten wir zu Bett. Ich hatte zwei Kästen Oettinger und jede Menge Knabbereien eingekauft; wir schauten uns Boxkämpfe, Motorsport und Biathlon im Fernsehen an und frözzelten in den Werbepausen.
Alles deutete darauf hin, daß wir eine harmonische Ehe führen würden; doch bald schon trübte sich das Glück, ein unklassifizierbares Leiden befiel meine Lebensabschnittsgefärtin.
Dabei war alles gründlich bedacht gewesen:
Bald schon hätte ich mir die neue Suzuki GSX-R 1000 gekauft gehabt, die Möglichkeiten waren wohl da gewesen, und damit wäre ihr Glück erblüht, auf unseren gemeinsamen Spritztouren zum Stammtisch: sie hätte sich erhobenen Hauptes auf einer Wahnsinnsmaschine gegen meinen Arsch schmiegen können.
Doch das Schicksal hatte beschlossen, an meiner Gattin zu nagen, und warf Zweifel in mir auf, ob der Suzuki GSX-R 1000, ob denn 988 cm³, 118 kW bei 10.750 min, 4-Zylinder, 4-Takt, ihrem Gemüt entsprachen, oder ob es die 599 cm³, 85 kW bei 13.000 min, 4-Zylinder, 4-Takt, der GSX-R 600 nicht eher trafen, ein gemäßigteres Auskommen mit ihr hatten.

Der Prozeß begann damit, daß sie anfing sich wie blöd an ihren Locken zu fummeln. Wenn ich von ihr Auskunft oder nur ein paar erbauliche Worte erhaschen wollte, mein täglich Lob, dann begann sie zu fummeln, und sie verdrillte die Augen, so als suche sie Zertreuung in ihrem Hinterkopf und nicht in meinem Anlitz, wo sie ihr gegeben war; sie tat wohl gelangweilt und abwesend, kränk- und schwächlich, psychisch belastet und angegriffen, doch dauerte es kaum einige Wochen, bis mich eine erste Ahnung beschlich, und mir mittsommernächtlich zu dämmern begann, daß ihr Leiden nicht durch krankheitsbedingte Umstände verursacht wurde, sondern daß sie in ihrer Verfassung etwas im Schilde führte, daß sie sich zu nichts weniger herabließ, als emsig an ihrem Untergang zu stricken, und all das nur, um mich zu wurmen, um mir mein tägliches Wohlergehen zu verleiden. In einer unter allen anderen Umständen bewundernswerten Beharrlichkeit tat sie es, sie entzog sich mir unter Versagung all ihrer fiebrigen, innersten Wünsche und Gelüste, sich an meinem Körper zu verwirklichen.

„Bedenklich wird 's aber erst, wenn ‘s nach einigen Wochen noch nicht vorüber ist.“, hatte sie gemeint, im gespielten Tonfall einer Daseinsfreudigen...
...nein, sie hatte es geflötet, mit Absicht - wie meine Visagistin immer - hatte sie es in grellem Tremolo gezwitschert und hatte noch einen spanischen Akzent darüber gewälzt -, die Augen standen ihr dabei starr im Hinterkopf, und gebannt fummelte sie Locken, gebannt spiegelte sie meine Gesichtszüge, um mich rasend zu machen.
„Aber auch dann läßt sich eigentlich noch von einer Phase sprechen“, hatte sie geträllert. - Diese Depressionen würden sich schon wieder geben, ich solle mich nicht Sorgen.

Ich trank viel zu der Zeit – mehr noch als heute - während sie log und fummelte... zupfte, log und fummelte, und sich an Selbstmitleid, an perversen Zersetzungswollüsten erregte.
Täglich weckte mich ein neues Gesicht, das nur auf meine Reaktion auf ihre Überspanntheiten geeicht war.
Sie studierte mich und ihre Masken, kategorisierte, bewertete und verglich das jeweilige Ausmaß an erzielter Abneigung und erwog dann den Wirkungsgrad ihrer Fratzen.
Daß sie einst turnte, kam ihr schließlich entgegen:, bald stand sie auf allen Vieren neben meinem Nachttisch, hatte den Rücken zur Brücke durchgedrückt und gaffte mich kopfüber an, mit abstoßenden Visagen.
Wenn sie so auch nicht mehr wie blöd in ihren idiotischen Locken fummeln konnte, der gespielte Wahn war mir noch viel ekelhafter, und das wußte sie. - Als wäre ihr im Zuge ihrer Forschung dafür ein höchst eigenes Organ mutiert, das auf irrwitzig esoterische Art und Weise elektromagnetische Wellen meines Ekels katalysierte -, wie mein Freund und Kamerad Hannes dafür Worte fand.

Und dann setzten die Schikanen ein. Selbst in den frühmorgentlichen, meinen intimsten Stunden, als ich mich mit der Formel1 auseinandersetzte, da tat sie nicht wie sonst immer, spielend, oder so als würde sie mich ignorieren, sondern sie linste mich gehässig von der Seite an. Obwohl ich meine Dekra-Kappe tief in die Stirn zog, fühlte ich mich in meiner letzten Enklave empfindlich verletzt. Sie achtete keine Grenzen. Mein Ekel war ihr Inhalt geworden und mir fehlten dafür die Erklärungen.
Idiotisch und leer glubschte sie mich an, stand stramm plaziert da und stellte sich um, wie robotisiert, jedesmal dann, wenn ich mein Bett im Zimmer umrückte, um ihrem gewiegten Grienen zu entgehen.
Seiner Zeit bereitete ihr das noch die hellste Freude. Sie liebte es, mich schuften und schwitzen zu sehen. Wenn mir der Saft aus den Achseln triefte, dann war ihr sogar noch ein gelegentlicher Gluckser der Freude zu entlocken.
- Fühlte ich mich einsam, oder einfach nur zu ihr hin gezogen, dann mußte ich nur das Bett im Schlafzimmer umher rücken und sie folgte mir - so genossen wir dann doch gemeinsame Stunden und Beziehung.

Bald stand unsere einstige Liebesinsel längs, kopfseitig oder schlicht schräg an allen Wänden, bald inmitten des Zimmers oder des Flurs. Bis in die Küche ließ sie sich locken. Sie lauerte, beglubschte mich, krabbelte, kauerte und turnte dann in die Brücke, die sie so wohl verstand durchzudrücken, mit dieser erlesenen, ihr erotisch eigenen Grazie.
Meine Oberarme waren vom Hieven des massiven Eichenbetts in jenen Monaten angeschwollen, so daß ich mich morgens im Spiegel eindrucksvoll aufzubäumen verstand. Bi-, wie Trizeps schwollen und im Gegenzug wendete sie sich mir in Brückenposition zu und trippelte mir hinten drein. Das war der Lauf der Dinge.
Das gesamte Parkett, es war rauh geschabt durch unsere Balztänze, und ich schlief derzeit selten in der selben Himmelsrichtung: Nord, Süd, West, Ost -: es war eine heillose Verwirrung.
Doch auch das hatte wohl ein Ende finden müssen. Ich erinnere mich nicht mehr so genau, ob es die Mahnungen des Untermieters gewesen waren, die dieses unser frisches Feuer endlich erstickten, oder ob es ihr bewußt geworden war, daß unser Tanz mir Glück bereitete -, doch es endete. Und es lebt nun nicht minder frisch in der Erinnerung an hellere Zeiten.
Neben dem Aquarium und dem Weinständer war sie dann zu meinem liebstes Möbel geworden, als sie sich schließlich gänzlich vermummte.
Doch noch bevor der letzte Funke kognitiver Fähigkeit in ihr auf immer erlosch, da vermochten wir glücklicherweise doch letztlich unsere Differenzen zu beseitigen und beschlossen in stummer Übereinkunft, auch in Zukunft gute Freunde zu bleiben.
Der Platz am Kamin war ihrer, und sie hielt ihn in Ehren, mal Aschenbecher, mal Vase, bis der Zeitgeist Leder zur Unmöglichkeit machte.


 
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Kommentare  

Gnihihihii! ..., bis der Zeitgeist Leder zur
Unmöglichkeit machte... *schenkelklopf* ... um von
den Bilder, die bei der Lektüre vor meinem inneren
Auge entstanden, mal ganz zu schweigen. Schlafen
in allen Himmelsrichtungen gibt der Beziehung völlig
neue Perspektiven! Köstliches Amüsement.


Trainspotterin (18.03.2003)

*schmunzel*

werwoelfin (20.03.2002)

Ermutigend und Romantisch zugleich!

Pascal Gut (30.06.2001)

Feinst!

Dark Blaze (31.03.2001)

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