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Bericht vom dritten Arbeitstag im Austauschprogramm

Fantastisches · Kurzgeschichten · Experimentelles · Fan-Fiction/Rollenspiele
Heute hatten wir viele Kinder und Jugendliche an Bord, sie kamen aus den Neuralinduktionszentren der Marskolonie, sowie der Neptun-Hoststation und waren auf dem Weg zu einem Bildungsausflug im Fachgebiet Exobiologie. Sie waren etwa im vierten oder fünften Bildungsjahr und man konnte sie leicht an ihren Repeaterheadsets als Bildungsempfänger erkennen.

Für meine Freunde von der Erde kommt jetzt eine kleine Erklärung unserer Bildungseinrichtungen. In unserer terranischen interstellaren Republik der Lebensräume gibt es keine – für die Erde typischen – Schulen, die Vermittlung der Allgemeinbildung erfolgt in sogenannten Neuralinduktionszentren. Während die Erstvermittlung von Wissen auf traditionelle Weise durch Vorträge, Vorlesungen und Vorführungen erfolgt, wird bei der Verankerung des Wissens im Langzeitgedächtnis auf elektromagnetische Hirnstimulation (Neuralinduktion) gesetzt. Die Schüler tragen bereits während der Erstvermittlung des Wissens ein sogenanntes Repeaterheadset, dieses erfasst die Hirnströme speziell in den Wahrnehmungszentren und speichert deren Muster. Nach Abschluss der Erstvermittlung werden die gespeicherten Hirnstrommuster per Induktion an den Bereich des Gehirns übermittelt, welcher für das Langzeitgedächtnis zuständig ist. Dies geschieht in einer Endlosschleife, solange das Headset getragen wird, diese Lernmethode hat sich als effektiver erwiesen als traditionelles Wiederholen und üben. Die einzige Hausaufgabe der Bildungsempfänger ist es, ihr Repeaterheadset in der Freizeit zu tragen damit das vermittelte Wissen verinnerlicht werden kann. Auch in den weiterführenden Bildungseinrichtungen und in der Berufsausbildung setzt man auf die induktive Wahrnehmungswiederholung.

Wie gesagt, man erkannte die Bildungsempfänger an ihren Repeaterheadsets. Ihr Bildungsausflug im Fachgebiet Exobiologie führte sie nach Gliese 581g, sie sollten die Agrarproduktionsbereiche der dortigen Kolonie besuchen und so etwas über die Auswirkungen von Lebensräumen mit anderen Umweltbedingungen lernen. Die Kinder und Jugendlichen, sowie ihre Lehrer und Aufsichtspersonen wurden im Orbit des Mars und in der Nähe der Neptun-Hoststation an Bord teleportiert, nach dem Passagiertransfer von und zur Neptun-Hoststation sprang die „Riegel III“ in Richtung des Systems Gliese 581. Für einige der jungen Menschen war es die erste Reise in ein anderes Sonnensystem, während des knapp 75 Minuten dauernden Sprungs nach Gliese 581g hielten die Lehrkräfte einen Vortrag über die speziellen Lebensbedingungen auf dem Planeten.

Neben den jungen Bildungsempfängern waren natürlich auf andere Passagiere an Bord, auf den Linien von und nach Gliese 581g trifft man über das ganze Jahr vermehrt Urlaubsreisende an. Die Kolonie dort bietet eine breite Palette an Erholungs- und Aktivitätsangeboten, das dort ganztägig präsente rötliche Tageslicht übt zudem einen erholsamen und entschleunigenden Einfluss auf die Menschen aus. Hauptsächlich war ich heute damit beschäftigt den Urlaubsreisenden die Möglichkeiten in der Kolonie auf Gliese 581g zu erklären, als Passagierbegleiter ist man schließlich auch eine Art Botschafter für die angeflogenen Ziele.

Das bekannteste Aushängeschild der Kolonie auf Gliese 581g ist wohl „Sarah – die Stimme von Gliese 581g“, ihr Dokumentary-Pop-Programm „History Of Life On Space“ läuft jetzt schon seit fast fünf Jahren sehr erfolgreich. Darin wird anhand von animiertem Bildmaterial und Erklärungen die Geschichte unseres Sonnensystems erzählt, dazu singt Sarah mit ihrer extrem harmonischen Stimme einen Refrain welcher beim Zuschauer für eine Gänsehaut sorgt. Sarah hat mal in einem Interview beim Flottennachrichtenkanal das Geheimnis ihrer perfekten Stimme gelüftet, sie verwendet einen Stimmenharmonieverstärker. Das Gerät besteht aus zwei Kehlkopfmikrofonen, das erste nimmt die Stimme auf und übermittelt sie an eine kleine Vokalprozessoreinheit, dort wird die Stimme analysiert. Einzelne Frequenzen welche die Harmonie der Stimme stören werden einer Phasenumkehr unterzogen, dieses modifizierte Stimmenbild wird dann an das zweite Kehlkopfmikrofon übermittelt welches als Lautsprecher fungiert und das modifizierte Stimmbild über das originale Stimmbild legt. Durch die umgekehrten Phasen der unharmonischen Einzelfrequenzen werden diese innerhalb des Kehlkopfes durch den Interferenz-Effekt ausgelöscht. Zeitgleich wird für die zu löschenden Einzelfrequenzen eine Ersatzfrequenz generiert, welche aus der darüber bzw. darunter liegenden Einzelfrequenz transponiert wird, so dass sie das harmonische Klangbild der Stimme vervollkommnet. Das Ergebnis ist eine volle Stimme mit einer unglaublichen akustischen Deckkraft, die verstärkte Harmonie der Stimme sorgt beim Zuhören für eine gewaltige Gänsehaut.

Der Rest des Arbeitstages war eigentlich recht unspektakulär, es gab nur gelegentliche Anfragen bezüglich der zu erreichenden Anschlussflüge. Aber trotzdem war es ein spannender Tag für mich, während der Aufenthalte in den einzelnen Sternensystemen habe ich natürlich die Sensoren des Schiffes genutzt um mich dort umzusehen.
 
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