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54 Seiten

Bericht von meiner zweiten Rekrutierung

Fantastisches · Kurzgeschichten · Experimentelles · Fan-Fiction/Rollenspiele
Es gibt mehr als Du Dir vorstellen kannst

Wiedereinmal saß ich in meinem Quartier und chattete mit meinen Freunden auf der Erde, es ging um Grenzwissenschaften und Besucher von anderen Planeten. Wir waren eine eingeschworene Runde im Chat, fast jeden Abend trafen wir uns und sprachen über die verschiedensten Themen. Eine Mitstreiterin meiner Chatgemeinde mit Namen Claudia hatte auf Facebook ein Bild mit einer Botschaft geteilt, welche die Sehnsucht nach anderen Orten und nach Abwechslung thematisierte. So beschloss ich, sie für einige Tage auf die Neptun-Hoststation einzuladen, mehr Abwechslung würde ihr wohl kein Urlaubsziel auf der Erde bieten können. Noch am selben Abend kontaktierte ich Claudia und schlug ihr vor einige Tage lang eine Auszeit vom Alltag zu nehmen, die terminlichen Einzelheiten mussten wir beide noch abklären aber die Idee war erst einmal ausgesprochen.

Nachdem ich meine Idee in den Ring geworfen hatte kontaktierte ich meine Freundin Yvette. Sie stellte die Verbindung her und sagte: >>Hey Negül, ich habe gerade Schichtende! Was hast Du auf dem Herzen?<< - >>Ich habe beschlossen mal wieder eine oder mehrere Personen aus meinem Freundeskreis von der Erde einzuladen und wollte fragen ob Du vielleicht dabei sein willst wenn ich sie hier oben herum führe.<<, erwiderte ich. Yvette lachte und antwortete: >>Ich kann mit Kapitän Tönnigs reden wenn ich mal frei brauche, im letzten Jahr hatte ich noch keine Gelegenheit Urlaub zu nehmen, ich sollte es nur mindestens eine Woche vorher anmelden damit er die Schichten umdisponieren kann.<< - >>In Ordnung, ich werde Dir rechtzeitig Bescheid geben. Was macht der Alltag auf der Far Horizon?<<, erwiderte ich. Yvette antwortete: >>Ach nur das Übliche, Forschungsmissionen, repräsentative Aufgaben für die Erdraumflotte und die terranisch interstellare Republik, der Transport von Würdenträgern und die obligatorischen Patrouillen unseres Geschwaders welche meistens nur aus Routine bestehen.<< - >>Ja die Routine, wenn man sie hat verflucht man sie, wenn sie fehlt dann sucht man sie!<<, sagte ich lachend.

Yvette räusperte sich und sagte: >>Du weißt ja dass Kapitän Tönnigs sehr an Deinen Aktivitäten interessiert ist was das Einladen von Freunden oder Freundinnen von der Erde angeht, seitdem Du Jean Bork durch Deine Einladung davon überzeugt hast Bürgerin unserer Republik zu werden und die terranisch - interstellare Bürgerschaft anzunehmen. Vielleicht wäre er Bereit ein oder zwei Quartiere auf der Far Horizon zur Verfügung zu stellen, natürlich in Absprache mit unseren Kontakten auf der Erde. Ich glaube er nannte es progressive Öffentlichkeitsarbeit.<< - >>Eine Kreuzfahrt auf dem Meer der Sterne, das ist eine tolle Idee!<<, antwortete ich. Yvette lachte und sagte: >>Du und Deine Poesie! Es soll nur ein Einblick in das Leben und den Dienst an Bord der Far Horizon sein, okay aus der Perspektive eines Menschen von der Erde könnte man es auch als Kreuzfahrt bezeichnen.<< - >>Solange die Menschheit auf der Erde noch nicht bereit ist als gemeinsames Volk seinen Horizont zu erweitern, solange haben die Erdraumflotte und die terranisch – interstellare Republik die beste Öffentlichkeitsarbeit aller irdischen Unternehmen.<<, erwiderte ich. Wir plauderten noch ein wenig über unseren Alltag bevor wir die Sprechverbindung wieder trennten.

Ich war zufrieden mit mir, Claudia würde mal etwas Abwechslung bekommen und ich würde auch noch was für die Öffentlichkeitsarbeit von Flotte und Republik tun. Also orderte ich mir noch einen Trinkkrug blauen Honigwein, setzte mich auf die Couch und verfolgte das Programm des Flottennachrichtenkanals. Die Verhandlungen für die Eröffnung des P.T.N.-Terminals im Berliner Flughafen BER waren noch immer am Laufen, anscheinend war es eine fast unlösbare Aufgabe ein Terminal des Passagiertransfernetzwerkes der Erdraumflotte an einem öffentlichen Flughafen auf der Erde zu eröffnen. Natürlich wollte man vermeiden dass Menschen die Erde verlassen, die dafür emotional und intellektuell noch nicht bereit waren. Also schlug man sich mit Sicherheitsfragen und Vorschriften herum um den Zugang des P.T.N.-Terminals bestmöglich abzusichern.

Es dauerte einige Tage bis ich mit Claudia einen Termin für ihren Ausstieg aus dem irdischen Alltag vereinbart hatte, außerdem hatte ich erfahren wo ihre Interessen liegen damit ich ihr auch eine interessante Zeit bieten konnte. Yvette hatte ich ebenfalls über die Zeitliche Lagen von Claudias Besuch informiert und sie hatte daraufhin die nötigen Vorbereitungen getroffen, inklusive die Bereitstellung zweier Quartiere an Bord der Far Horizon. Kapitän Tönnigs hatte es tatsächlich geschafft seine Kontakte auf der Erde von seinem Plan für die progressive Öffentlichkeitsarbeit zu überzeugen. Ich freute mich daher wie ein Kind in der Vorweihnachtszeit auf Claudias Besuch und auf die Zeit an Bord der Far Horizon, auch für mich war es etwas besonderes Zeit an Bord des Flaggschiffes der Erdraumflotte zu verbringen und Claudia würde es mindestens als genau so spannend empfinden. Mein Treffen mit Claudia fiel zufällig genau auf den Zeitraum der Orientierungswochen für potentielle Auszubildende, so würde sie eine Menge Eindrücke über unsere Republik und die Erdraumflotte sammeln können. Schließlich war der Tag gekommen, schon am frühen Vormittag ließ ich mich an Bord der Far Horizon teleportieren. Im Teleporterraum begrüßte mich Kapitän Tönnigs zusammen mit Commander Junkers wie einen Botschafter, er meinte dass die Entscheidungsträger von Republik und Flotte bei mir ein interessantes Potential für die Öffentlichkeitsarbeit und Rekrutierung sehen würden. Ich hatte ja bereits während meiner Teilnahme am Arbeitnehmeraustauschprogramm Interesse an diesen Tätigkeitsbereichen entwickelt und dies auch in meinem Bericht geäußert. Nachdem die Far Horizon den Erdorbit erreicht hatte, ließ ich mich hinunter teleportieren um mich mit Claudia zu treffen.

Ich musste nicht lange auf Claudia warten, wir hatten uns zuvor nur auf unseren Profilbildern von Facebook und im Sprachchat gesehen und doch erkannten wir uns wieder. Obwohl ich Claudia versichert hatte dass sie nur leichtes Gepäck benötigen würde, zog sie einen Rollkoffer hinter sich her. Nach der Begrüßung deutete ich auf den Rollkoffer und fragte: >>Ist das leichtes Gepäck?<< - >>Ein Bisschen was zum Anziehen, eine Kamera samt Zubehör und was man sonst so braucht.<<, antwortete Claudia. Nachdem wir ein Stück gegangen waren und ein Einkaufszentrum erreicht hatten fragte Claudia: >>Wo fährt den unser Bus oder unsere Mitfahrgelegenheit ab?<< - >>Warte noch einen kurzen Moment und erwarte das unglaubliche!<<, antwortete ich. Wir betraten das Einkaufszentrum und begaben uns zu den Aufzügen, dort wartete ich bis sich eine leere Kabine öffnete und wir stiegen ein. Ich wählte die Ebene des Parkhauses und nachdem sich die Türen geschlossen hatten sprach ich in mein Kommunikationsarmband: >>Far Horizon, zwei Personen teleportieren!<< - >>Verstanden!<<, hörte ich die Antwort eines Offiziers. Kurz darauf standen wir auf der Plattform im Teleporterraum der Far Horizon.

Claudia schaute erst mich ungläubig an, dann die Umgebung in der sie sich nun befand, dann fragte sie: >>Ist das jetzt das wonach es aussieht?<< - >>Willkommen an Bord der E.S.F.S. Far Horizon! Ich bin Kapitän Tönnigs und Verwalter Sella von der Neptun-Hoststation kennen Sie ja bereits.<<, sagte Kapitän Tönnigs. Claudia schaute Kapitän Tönnigs an und sagte: >>Danke! Ein Raumschiff?<< - >>Ja, das Flaggschiff der Erdraumflotte. Sie nehmen offiziell als zivile Beobachterin von der Erde an den Orientierungswochen teil.<<, antwortete Kapitän Tönnigs. Claudia setzte sich auf ihren Rollkoffer, schaute mich an und sagte: >>Okay, das hier ist jetzt ein amtlicher Kulturschock! Hättest Du mich nicht wenigstens ansatzweise auf das hier vorbereiten können?<< - >>Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit dass Du mir geglaubt hättest?<<, erwiderte ich, worauf Claudia zustimmend nickte. Nachdem Claudia diesen ersten Schock verdaut hatte begleitete ich sie zur Passagierregistrierung, auf dem Weg dorthin war Claudia noch immer etwas wortkarg, sie wirkte so als wäre sie Alice und hätte gerade das Wunderland betreten. Nach der Registrierung als Passagier wurde Claudia ihr Kommunikationsarmband ausgehändigt, anschließend erfolgte die 3D-Körpervermessung welche als Körpermodell zur Bereitstellung von Kleidung und als Größenvorlage für den Kauf von Textilien diente. Nach der Vermessung begleitete ich Claudia zu den Quartieren welche uns für die Dauer unseres Aufenthalts an Bord zugewiesen waren.

Vor der Tür von Claudias Quartier deutete ich auf den kleinen Sensor neben der Tür und sagte: >>Einfach das Armband darüber halten um die Tür zu öffnen!<< - >>Na klar, ganz einfach!<<, antwortete Claudia mir etwas Sarkasmus in der Stimme und hielt ihren Arm mit dem Armband vor den Sensor. Nachdem die Tür sich geöffnet hatte und wir den Wohnbereich des Quartiers betreten hatten staunte Claudia über die Größe des Raumes, neugierig ging sie durch den Wohnbereich zur Tür des Schlafbereichs und nachdem sie diesen durchquert hatte betrat sie den Waschraum. Als sie wieder in den Wohnbereich zurückkehrte fragte sie: >>Für wieviele Personen ist das Quartier gedacht?<< - >>Das ist das Standardquartier für ein bis zwei Personen und zwei Gäste, allerdings wirst Du es allein bewohnen. Mein Quartier ist gleich nebenan.<<, antwortete ich. Nachdem ich Claudia erklärt hatte wie man die Einrichtung des Quartiers via Sprachbefehl über das Kommunikationsarm steuert und sie einige Funktionen ausprobiert hatte erklärte ich ihr den Grund für die Körpervermessung und wie diese funktionierte. Als Claudia von dem Standartbekleidungssortiment gehört hatte, welches jedem Passagier zur Verfügung stand, lief sie in den Schlafbereich und öffnete den Kleiderschrank. Dann kehrte sie in den Wohnbereich zurück und sagte: >>Das ist ein komplettes Sortiment an Bekleidung, sogar Schuhe in der richtigen Größe sind dabei!<< - >>Darum sagte ich ja dass Du mit leichtem Gepäck kommen sollst.<<, antwortete ich grinsend. Wir verließen das Quartier und ich fragte: >>Wie wäre es mit einem kleinen Kalorienschub auf diesen Kulturschock?<< - >>Oh ja, etwas zu essen könnte ich jetzt wirklich vertragen!<<, antwortete Claudia. Ich fragte: >>Gehen wir auf konventionelle Weise in die Mannschaftsmesse oder nutzen wir die schiffsinterne Teleportation von Ort zu Ort?<< - >>Wir wollen es mal nicht übertreiben, ich bin für den konventionellen Weg.<<, antwortete Claudia worauf wir zum nächsten Liftzugang gingen.

Vor dem Liftzugang hielt ich mein Kommunikationsarmband vor die Liftkonsole und sagte nach dem Signalton: >>Mannschaftsmesse!<< Claudia fragte: >>Du wählst das Fahrziel bevor Du den Lift betrittst?<< - >>Ja, dies erhöht die Effizienz des Liftsystems, Personen mit gleichen Fahrzielen nutzen die selbe Liftkabine.<<, antwortete ich. Kurz darauf öffneten sich die Lifttüren und wir betraten die Kabine, nachdem sich die Türen wieder geschlossen hatten setzte sich die Kabine in Bewegung, erst seitwärts und dann fuhr sie abwärts. Ich erklärte: >>Das ist ein multidirektionales Liftsystem, die Kabinen können sich in allen drei Achsen bewegen.<< - >>Okay das kenne ich aus Star Trek, ein Turbolift ist sowas ähnliches.<<, antwortete Claudia. Es dauerte nicht lange bis wir die Mannschaftsmesse erreichten, nachdem sich die Türen des Lifts geöffnet hatten ging Claudia zielstrebig auf die breite Fensterfront an der Stirnseite der Mannschaftsmesse zu. Sie schaute durch die großen Fenster und genoss schweigend den Anblick welcher sich ihr bot. Ich stellte mich neben sie und sagte: >>Sieh Dir unsere Erde an, dieser Anblick ist nicht vielen Menschen vergönnt!<< - >>Ich hätte nie gedacht dass ich das hier mal sehen würde.<<, antwortete Claudia mit Rührung in der Stimme. Ich erwiderte: >>Du hast doch noch gar nichts gesehen Claudia, warte ab bis Du die grünen Ebenen des Mars siehst, oder die schwarzen Wälder von Gliese 581g!<< - >>Grüne Ebenen auf dem Mars, sprechen wir von dem selben Planeten?<<, fragte Claudia skeptisch. Ich lächelte und antwortete: >>Das ist eine komplizierte und lange Geschichte aber ja, wir sprechen vom selben Planeten.<< - >>Ich bin schon gespannt diese Geschichte zu hören.<<, erwiderte Claudia. Wir setzten uns an einen Tisch und ich erklärte Claudia das Bestellinterface des Tisches. Claudia scrollte durch das Angebot und fragte schließlich: >>Ein Breitband-Gemüseeintopf, was ist das?<< - >>Ein Gemüseeintopf mit einer breiten Palette an Gemüsesorten welche auf der Tagseite von Gliese 581g angebaut werden, die speziellen Umweltbedingungen dort machen das Gemüse sehr aromatisch. Und um im Anbaugebiet zu bleiben empfehle ich einen Feuertee, dieser wird ebenfalls auf der Tagseite des Planeten angebaut und gedeiht bei Temperaturen, bei denen andere Pflanzen verbrennen würden.<<, erklärte ich. Kurz darauf hatte sich Claudia das von mir vorgeschlagene Menü bestellt, ich wählte das gleiche Menü aus wie Claudia, kurz darauf wurde unser Bestellung auf den Tisch teleportiert und wir ließen es uns schmecken.

Während wir nach dem Essen unseren Feuertee genossen hörte ich plötzlich die Stimme von Yvette: >>Na wenn das nicht unser inoffizieller Botschafter für die Erde ist!<< - >>Hallo Yvette! Claudia, das ist meine Freundin, Leutnant Yvette Mangold, die Geschwaderführerin des Kampffliegergeschwaders der Far Horizon.<<, sagte ich. Claudia schaute Yvette an, musterte sie von oben bis unten und begrüßte sie. Yvette setzte sich zu uns und sagte zu Claudia: >>Ich hoffe Sie haben den ersten Kulturschock schon verdaut, viele Menschen sind etwas desorientiert wenn sie plötzlich erfahren dass es weitaus mehr gibt als sie sich vorstellen können.<< - >>Ich muss zugeben dass ich etwas verwundert war als ich mich hier an Bord wiedergefunden habe, das ganze erinnerte mich doch sehr an eine Fernsehserie bei uns.<<, antwortete Claudia. Yvette lächelte und sagte: >>Star Trek, einer der filmischen Umsetzungswege für unsere Öffentlichkeitsarbeit.<< - >>Filmischer Umsetzungsweg für Öffentlichkeitsarbeit?<<, fragte Claudia. Ich antwortete: >>Wir lassen wohl dosiert Informationen über unser Leben an Autoren aus dem Sciencefiction-Genre durchsickern, falls mal was an die Öffentlichkeit dringt gibt es das sicher schon in einer Serie oder einem Film. Das ist die ultimative Geheimhaltung, man lässt zu dass Geschichten über das verfilmt werden was geheim bleiben soll.<< - >>Das würde ja bedeuten dass es für alles, was ich jemals in einer Star Trek – Serie oder einem Film gesehen habe, hier oben gibt.<<, erwiderte Claudia. Yvette antwortete: >>Nun ja, nicht hundertprozentig in der Art wie es in Star Trek existiert aber in ähnlicher Weise schon.<< - >>Da kann ich mich ja auf einiges gefasst machen.<<, sagte Claudia. Yvette nickte lächelnd während Claudia und ich unseren Tee tranken.

Nachdem wir unseren Tee ausgetrunken hatten fragte Yvette: >>Hat jemand Lust auf einen Ausflug?<< - >>Wohin?<<, fragte Claudia. Yvette und ich schauten uns an, dann fragte ich: >>Wie wäre es mit dem Mars?<< - >>Die grünen Ebenen?<<, erwiderte Claudia. Yvette sagte: >>Das ist doch mal ein Ziel! Die Far Horizon bleibt bis heute Abend noch im Erdorbit bevor sie zur Neptun-Hoststation springt, so lange können wir uns den Mars ansehen.<< - >>Und ich höre dann endlich die lange und komplizierte Geschichte darüber.<<, antwortete Claudia. Yvette stellte eine Sprechverbindung zur Kampffliegerrampe her und befahl die „Ghost Bird“ startklar zu machen. Als Yvette die Sprechverbindung wieder getrennt hatte fragte ich: >>Die Ghost Bird, ist das nicht ein etwas zu großes Kaliber?<< - >>Ich fliege bestimmt nicht mit einem Transitschiff, außerdem ist die Ghost Bird mein persönliches Schiff und steht mir jederzeit zur freien Verfügung.<<, antwortete Yvette. Daraufhin begaben wir uns zum Liftzugang und fuhren zur Kampffliegerrampe.

Als wir am Tresen der Hangarverwaltung angekommen waren meldete der Offizier dass die Ghost Bird bereitgestellt und startklar war, also begaben wir uns zum An- und Abflugbereich. Vor den großen Fenstern welche die Startrampe vom übrigen Bereich der Kampffliegerrampe trennten sah Claudia die Ghost Bird, mit großen Augen sah sie den riesigen Kampfflieger an und fand keine Worte. Yvette sagte: >>Ja das Schiff sieht aus wie ein klingonischer Bird Of Prey der K-Vort-Klasse und ja es hat auch eine Tarnvorrichtung, daher sein Name, es kann sich unsichtbar wie ein Geist seinem Ziel nähern.<< - >>Interessantes Schiff!<<, sagte Claudia anerkennend. Wir gingen an Bord der Ghost Bird und Yvette traf die Startvorbereitungen, Claudia schaute sich im geräumigen Cockpit des Kampffliegers um und ich sagte: >>Das Innere des Schiffes ist dem Delta Flyer aus Star Trek – Voyager nachempfunden.<< - >>Wollt Ihr Euch nicht setzen und Euer APS aufsetzen?<<, fragte Yvette. Ich erklärte Claudia dass sie mit dem APS – einem Stirnreif ähnlichen Gerät – mit Geschlossenen Augen die Bildwiedergabe der Schiffssensoren sehen konnte und dass es das Bild direkt auf die geschlossenen Lider ihrer Augen projiziert. Nachdem Claudia sich auf einen der beiden hinteren Sitzplätze gesetzt und das APS angelegt hatte nahm ich ebenfalls platz und setzte mein APS auf. Yvette forderte die Starterlaubnis an und nachdem diese erteilt war beschleunigte sie das Schiff durch den Start- und Landekanal in den Raum außerhalb der Far Horizon. Nach dem Verlassen der Startrampe brachte Yvette die Ghost Bird auf eine gewisse Distanz zur Far Horizon so dass Claudia die das Flaggschiff der Erdraumflotte in seiner vollen Pracht betrachten konnte.

Nachdem Claudia eine Weile die Far Horizon aus allen Richtungen betrachtet hatte sagte sie: >>Das Schiff sieht aus wie ein gigantischer Tarnkappenbomber, die Dreiecksform soll ja bei Raumschiffen sehr beliebt sein.<< - >>Für den Flug durch planetare Atmosphären benötigen wir normalerweise keine aerodynamischen Auftriebskörper oder Steuerflächen, aber für den Fall dass der Gravitationsantrieb ausfällt, kann die Far Horizon auch wie ein Flugzeug landen.<<, erklärte Yvette. Dann fragte sie: >>Seid Ihr bereit für den Sprung in den Marsorbit?<< - >>Ich bin bereit.<<, antwortete Claudia. Ich fügte hinzu: >>Ich auch, Sprungantrieb ein!<< - >>Alles klar!<<, erwiderte Yvette und aktivierte den Sprungantrieb. Einen Wimpernschlag später befanden wir uns im Marsorbit. Claudia schaute sich mit dem APS den Mars an und sagte: >>Das ist nicht der Mars wie ich ihn kenne!<< - >>So sieht man ihn nur wenn man sich ihm auf weniger als drei Lichtsekunden, also weniger als 900.000 Kilometer nähert. Dann ist man innerhalb des Chamäleonfeldes welches ausgehende Wellen über das gesamte elektromagnetische Spektrum verändert, so dass der Mars von außerhalb des Feldes aussieht wie man ihn auf der Erde kennt. Auch Übertragungen von Sonden werden von diesem Feld manipuliert, eintreffende Sonden werden abgefangen und ein simuliertes Feedback Signal der Sonden wird ausgesendet, welches auf eingehende Befehle reagiert.<<, erklärte Yvette. Dann berichtete Yvette seit wann die Transformation der Mars-Biosphäre andauert, von Mi‘ido dem überlebenden einer hybriden Spezies welche zum Teil humanoide und zum Teil pflanzliche Eigenschaften besitzt. Dass Mi‘ido eines von acht Wesen ist welches der Zerstörung seines Heimatsystems durch ein vorbeiziehendes supermassives schwarzes Loch überlebt hat und dass die Erdraumflotte Mi‘ido gestattet hat auf der Oberfläche des Mars zu siedeln um die Biosphäre für das Leben seiner Spezies und für Menschen bewohnbar zu machen. Und dass die Oberfläche des Mars in wenigen Jahren für menschliches Leben bewohnbar sein wird.

Claudia hörte sich die Geschichte aufmerksam an, dann sagte sie: >>Das übertrifft meine kühnsten Erwartungen, Mi‘ido hat Kohlendioxid aus der Atmosphäre der Venus gesammelt und die Atmosphäre des Mars damit angereichert, damit seine Art hier Fuß fassen kann. Die ganzen Maßnahmen welche es getroffen hat um den Mars lebensfreundlich zu machen, die Magnetfeldgeneratoren an den Polen des Planeten, die Satelliten mit Infrarotstrahlern im Orbit und dann noch das Chamäleonfeld welches die Veränderungen verbirgt, das ist unglaublich. Aber dass in wenigen Jahren Menschen auf der Marsoberfläche leben können das ist fantastisch!<< - >>Unter der Oberfläche gibt es bereits eine menschliche Kolonie, dort gibt es so ziemlich alles was das Leben in einer solchen angenehm macht. Der Standard dort ist der gleiche wie auf der Far Horizon, mit Ausnahme der Teleporterstationen in den Quartieren, die gibt es bis jetzt nur auf großen Schiffen.<<, erklärte Yvette. Claudia erwiderte: >>Ich wollte vorhin schon fragen wie schnell dieses Schiff eigentlich fliegen kann, wir waren doch recht schnell unterwegs von der Erde zum Mars.<< - >>Okay, der Gravitationsantrieb ermöglicht maximal eine Geschwindigkeit von 3000 Kilometer pro Sekunde, der Sprungantrieb dagegen liefert einen Geschwindigkeitsvorteil von 16,042 Lichtjahren pro Stunde. Und das ist der entscheidende Unterschied zu Star Trek, gegen den Sprungantrieb ist der Warpantrieb nur eine lahme Ente.<<, erklärte Yvette.

Nach einigen weiteren Erklärungen von Yvette fragte Claudia plötzlich: >>Was ist los Negül, warum bist Du so schweigsam?<< - >>Ich genieße es mit Yvette unterwegs zu sein, der Job als Stationsverwalter hat zwar auch seine Reize aber man kommt nicht so weit herum wie auf einem Raumschiff oder in einem Kampfflieger.<<, antwortete ich. Yvette erwiderte: >>Ich weiß, wir müssen öfter mal einen Ausflug machen. Wenn es der Dienstplan zulässt werde ich Dich öfter mal besuchen, dann können wir zusammen durch die Gegend reisen.<< - >>Das kann ich nachvollziehen, ich würde auch andere Sternensysteme sehen wollen wenn ich schon im Weltraum arbeite.<<, sagte Claudia. Wir sahen uns noch ein wenig in der Nähe des Mars um bevor wir wieder zur Far Horizon zurückkehrten.

Als wir uns wieder in der Kampffliegerrampe befanden sagte Claudia: >>Dieser Ausflug war unbeschreiblich, zu schade dass mir niemand auf der Erde glauben würde was ich gesehen und gehört habe.<< - >>Sobald die Menschheit als ganzes bereit ist für die Wahrheit, wird die Existenz der Erdraumflotte und der terranisch interstellaren Republik offiziell bekanntgegeben. Doch bis jetzt besteht noch immer die Gefahr dass sich die Menschheit mit unseren Technologien selbst großen Schaden zufügt.<<, sagte Yvette. Wir begaben uns in das Quartier von Yvette wo sie Claudia die Einzelheiten des Programms der Orientierungswochen auf dem großen Bildschirm an der Wand zeigte. Unter anderem gab es einen Besuch bei Nanotex, dem führenden Unternehmen in der Produktion von Textilien aus Karbon-Fasern, ein Besuch der Agrar-Kolonie auf Gliese 581g stand auf dem Plan, sowie ein Besuch des Tempels der Wächter. Claudia las sich das Programm aufmerksam durch und fragte schließlich: >>Der Tempel der Wächter, ist das eine religiöse Stätte?<< - >>Ja und nein, zuerst war es eine religiöse Stätte in der sich Leute zusammen fanden welche an ein uraltes raumfahrendes Volk glaubten, doch seit sich die Wächter offiziell gezeigt haben ist der Tempel sowas wie eine Botschaft.<<, erklärte ich. Claudia fragte weiter: >>Was kannst Du mir über die Wächter erzählen?<< - >>Sie waren früher einmal wie wir, im Laufe ihrer Evolution legten sie jedoch die physische Existenz ab und wurden zu Lebewesen welche auf reiner Energie basieren. Ihre Heimat ist jenseits der Raumzeit, dort herrschen andere physikalische Gesetze.<<, antwortete ich. Claudia erwiderte: >>Werden wir einen der Wächter sehen?<< - >>Ich bin mir nicht sicher, sie zeigen sich nie ohne Grund aber wenn Du einen siehst dann wirst Du ihn erkennen.<<, antwortete ich.

So verging die Zeit, Yvette und ich erzählten vom Alltag bei der Flotte und in der Republik und Claudia hörte interessiert zu. Plötzlich schaute Yvette nach draußen und sagte: >>Es ist soweit, die Far Horizon verlässt den Orbit der Erde!<< - >>Dann werden wir gleich in den Neptunorbit springen.<<, fügte ich hinzu. Claudia schaute durch das Fenster von Yvettes Quartier, die Sterne begannen kurz zu flimmern, dann folgte ein kurzer hellblauer Schein und dann waren die Sterne wieder zu sehen. Kurz darauf konnte man den Neptun erkennen, in dessen Orbit das Schiff einschwenkte. Ich deutete auf die Neptun-Hoststation und sagte: >>Da ist mein Arbeitsplatz, die Neptun-Hoststation!<< - >>Wo denn, etwa dieses große Gebilde welches aussieht wie ein Ei?<<, fragte Claudia. Ich antwortete: >>Ja richtig, das Ei welches zwischen den Ringen den Neptun umkreist!<< - >>Der Neptun hat Ringe, das hätte ich nicht gedacht.<<, erwiderte Claudia. Langsam näherte sich die Far Horizon der Neptun-Hoststation an, diese füllte bald das gesamte Sichtfeld aus welches das Fenster bot. Man sah an der Spitze der Station kleine Schiffe durch das Hangartor hinein und hinaus fliegen und über der Station lag ein größeres Schiff welches ich nur zu gut kannte, ein Schiff in Form einer Mondsichel welches blutrot schimmerte. Ich deutete auf das Schiff und sagte: >>Da ist ja die Red Halfmoon, das Schiff welches Kapitän Vera Bach kommandiert!<< - >>Das ist ja originell ein Schiff nach seinem Aussehen zu benennen!<<, antwortete Claudia. Ich erwiderte: >>Die Red Halfmoon ist das zweite Schiff der Halfmoon-Klasse, ihr Vorgänger die Black Halfmoon gelangte zu zweifelhafter Berühmtheit als Geisterschiff.<< - >>Na jetzt wird es aber interessant!<<, sagte Claudia.

Ich erzählte Claudia also die Geschichte von der Black Halfmoon, dem Schiff das viele für ein Geisterschiff hielten. Das Schiff welches das erste war das die Verfassung seiner Besatzung anhand ihrer Hirnströme überwachen und per elektromagnetischer Stimulation eventuelle seelische Probleme lösen sollte. Dass diese Stimulation von der Besatzung als Spuk gedeutet wurde worauf die Besatzung fluchtartig das Schiff mit den Rettungskapseln verließ, aus Angst verrückt zu werden. Dass das Schiff während der Anwesenheit seiner Besatzung aus deren Hirnströmen ein eigenes Bewusstsein extrapoliert und entwickelt hatte und sich, nachdem die Besatzung es verlassen hatte, einsam fühlte. Auch dass das Schiff schließlich mittels der Langstreckenkommunikation einen Ruf nach seiner Besatzung aussendete welchen viele Menschen in ihren Träumen hören und das Schiff sehen konnten erzählte ich Claudia. Als ich die Geschichte erzählt hatte sagte ich zu Claudia: >>Stell Dir vor dass Du im Traum ein schwarzes Raumschiff siehst und hörst wie eine Stimme nach Dir ruft! Was würdest Du denken?<<, darauf fand Claudia verständlicherweise keine Antwort.

Nach einem langen Diskussionsabend über historische Ereignisse in der terranisch interstellaren Republik verließen Claudia und ich das Quartier von Yvette. Auf dem Weg zum Liftzugang sagte Claudia: >>Deine Freundin ist der Hammer!<< - >>Ja ich bin auch sehr zufrieden mit ihr, nicht nur dass sie als Geschwaderführerin jede Menge auf dem Kasten hat, sie ist auch mindestens genau so verrückt wie ich.<<, antwortete ich. Vor dem Liftzugang fragt ich: >>Und wohin fahren wir?<< - >>Ich bin noch zu aufgeregt um schlafen zu gehen, mach einfach einen Vorschlag!<<, antwortete Claudia. Ich überlegte kurz und sagte schließlich: >>Okay, das könnte Dir gefallen!<<, ohne weitere Andeutungen hielt ich mein Kommunikationsarmband an die Liftkonsole und sagte: >>Stellarium!<< Claudia neigte fragend den Kopf zur Seite und ich fragte: >>Sehen wir uns das Territorium der terranisch interstellaren Republik an?<< - >>Okay, da bin ich ja mal gespannt!<<, antwortete Claudia.

Die Fahrt mit dem Lift ging ein Stück seitwärts und dann ein paar Decks nach oben bis wir schließlich die Sternenkartographie erreichten, einen Raum mit gewölbter Decke und zahlreichen Projektoren welche auch holografische Bilder in den Raum projizieren konnten. An der Konsole rief ich die Sternenkarten mit den Systemen auf welche die terranisch interstellare Republik bildeten, dann fügte ich die aufgerufenen Karten zusammen und übermittelte das Ergebnis an die Projektoren im Raum. Sofort war der Raum von holografischen Bildern verschiedener Sternensysteme erhellt, das Sol-System mit der Erde befand sich im Mittelpunkt und zwischen den verschiedenen Sternensystemen verliefen Linien in verschiedener Stärke. Claudia deutete auf eine der Linien und fragte: >>Was bedeuten diese Linien?<< - >>Das sind die Routen der Linienschiffe vom Passagiertransfernetzwerk der Erdraumflotte, die Stärke der Linien stellt die Häufigkeit dar mit der die Routen frequentiert werden.<<, erklärte ich. Claudia fragte: >>Könnte man das Passagiertransfernetzwerk mit einem Busunternehmen vergleichen?<< - >>Der Vergleich mit einem Fährunternehmen ist vielleicht treffender, die Größe der Linienschiffe erinnert doch eher an die großen Fährschiffe auf der Erde. Man kann sogar mit kleinen Schiffen im Hangar der Linienschiffe mitfliegen.<<, antwortete ich.

Nachdem Claudia die einzelnen bewohnten Planeten der verschiedenen Systeme gezählt hatte fragte sie: >>Wie groß ich die Gesamtbevölkerung der terranisch interstellaren Republik?<< - >>Wenn man die Menschen ohne interstellare Reiseberechtigung auf der Erde mal abzieht, dann sind es etwa 0,8 Milliarden Menschen.<<, antwortete ich. Claudia fragte weiter: >>Gemessen an der Anzahl und Größe der verschiedenen Planeten ist das doch ziemlich wenig oder?<< - >>Nun ja, es gibt unsere Republik ja auch erst seit etwa 50 Jahren und nicht alle Planeten haben so günstige Lebensbedingungen wie die Erde. Auf manchen herrscht die vierfache Schwerkraft wie auf der Erde, man muss sich erst daran anpassen um dort leben zu können. Dies geschieht auf rotierenden Stationen mit mehreren Habitatringen, in jedem Ring herrscht eine andere Schwerkraft, je weiter man nach außen kommt desto höher wird die Fliehkraft welche die Rolle der Schwerkraft übernimmt.<<, erklärte ich.

Nachdem Claudia eine Weile die ganzen Sternensysteme betrachtet hatte fragte sie: >>Okay, was soll das eigentlich mit den Entführungen und Viehverstümmlungen die man mit UFOs in Verbindung bringt?<< - >>Ich weiß es nicht, wir sind jedenfalls nicht dafür verantwortlich. Wenn wir eine Lebensform untersuchen wollen braucht diese nur im freien zu stehen, dann reicht ein fokussierter Bioscann um alles über diese Lebensform zu erfahren. Ich würde nach den Verantwortlichen für diese Vorfälle auf der Erde suchen, in einflussreichen Organisationen.<<, antwortete ich. Schließlich hatten wir so viel Zeit in der Sternenkartographie verbracht dass es kurz vor Mitternacht war. Wir begaben uns zu unseren Quartieren und verabredeten uns für den folgenden Tag, wer zuerst wach wird sollte nach Bedarf den anderen per Sprechwunsch kontaktieren. Nachdem ich Claudia erklärt hatte wie man eine Sprechverbindung mit dem Kommunikationsarmband zum gewünschten Gesprächspartner aufbaut zogen wir uns in unsere Quartiere zurück.

Wissende sehen die Welt anders

Ich wurde am frühen Vormittag gegen 9:00 wach, nach einem Kurzen Blick durch das Fenster streckte ich mich, verließ das Bett und machte mich fertig für den Tag. Nach meiner Morgenroutine begab ich mich in den Wohnbereich und aktivierte das große Display gegenüber der Sitzecke, ich wählte die Oberfläche des Flottennetzwerks und schaute welche Neuigkeiten es gab. Ein Beitrag irritierte mich etwas, es war ein Beitrag auf der Netzwerkpräsenz von Yvette, sie berichtete dass sie mit jemandem im Neuralinduktionsbereich der Neptun-Hoststation war. Plötzlich hatte ich einen Verdacht, sowas hatte Yvette schon einmal mit Jean Bork gemacht. Ich sprach den Befehl in mein Kommunikationsarmband um den Aufenthaltsort von Claudia zu ermitteln. Die warme künstliche Stimme von Alice, der künstlichen Intelligenz sagte darauf hin dass Claudia sich auf der Neptun-Hoststation befand. Ich brauchte nicht nachzufragen in welcher Abteilung sie war oder mit wem sie die Far Horizon verlassen hatte, Yvettes Beitrag im Flottennetzwerk hatte mir alle übrigen Informationen gegeben. Ich deaktivierte das Display und ließ mich aus meinem Quartier direkt auf die Neptun-Hoststation teleportieren, nachdem ich die obere Aussichtsplattform der Station erreicht hatte wählte ich den Neuralinduktionsbereich als Fahrziel und als ich den Lift betreten hatte gab ich den Befehl mit maximal möglicher Geschwindigkeit zu fahren.

Ich erreichte das Foyer und verließ den Lift mit eiligen Schritten in Richtung der Lernplätze, in einer Abteilung entdeckte ich Yvette, auch Claudia war dort, sie lag in einem der Sessel und hatte eines der bidirektionalen EPOC-Headsets auf. Ich klopfte Yvette heftig auf die Schulter und sagte mit gedämpfter Stimme: >>Bist Du denn wahnsinnig? Claudia hat doch noch gar nicht entschieden ob sie Bürgerin der Republik werden will und von der Bewilligung will ich gar nicht erst anfangen!<< - >>Bleib locker, das ist nur das physikalisch technische Grundwissen das Claudia bekommt! Na gut, die komplette Ergänzung ihrer Bildung mit dem Wissen unseres Grundbildungssystems.<<, flüsterte Yvette zurück. Ich hatte gehofft dass sie das nicht ernst meinte und fragte leise: >>Das ist jetzt nicht Dein Ernst, weißt Du welche Probleme sie damit auf der Erde bekommen kann?<< - >>Wenn Du es als Problem ansiehst, dass jemand gute Geschichten erzählen kann welche auch noch realistisch sind, dann ja.<<, erwiderte Yvette leise. Ich schaute auf das Display der Kontrollkonsole, der Statusbalken für den Fortschritt der Neuralinduktion war bereits bei 97 Prozent. Ich setzte mich neben Claudia auf einen Sitz und flüsterte Yvette zu: >>Das hier geht auf Deine Kappe, Du bist verantwortlich für alle Konsequenzen!<< - >>Na das will ich doch hoffen.<<, antwortete Yvette leise.

Als die Prozedur beendet war wachte Claudia aus den künstlich generierten REM-Schlaf auf und rieb sich die Augen, sie schaute sich um und als sie mich sah fragte sie: >>Was ist den mit Dir los Negül, hast Du einen Geist gesehen?<< - >>Ich bin nur ziemlich überrascht Dich hier in dieser Situation vorzufinden.<<, antwortete ich. Yvette lachte und erwiderte: >>Welch eine Untertreibung, ihm ist das Herz in die Hose gerutscht!<< - >>Stimmt etwas nicht Negül?<<, fragte Claudia. Nachdem ich Claudia von meinen Bedenken und Yvettes optimistischer Sichtweise erzählt hatte sagte Claudia: >>Hey, es ist ja nicht so dass Yvette und ich in einer neuralen Verbindung alle unsere Erinnerungen geteilt hätten!<< - >>Hör Dir mal an wie Du sprichst, diese Worte wären gestern niemals aus Deinem Mund gekommen!<<, erwiderte ich. Claudia antwortete: >>Dann bin ich nach irdischen Maßstäben jetzt wohl ein Nerd, nun ich kann damit leben!<< - >>Das hoffe ich, es gibt nämlich keine Möglichkeit die Auswirkungen der ergänzenden Neuralinduktion umzukehren. Ich hatte auch schon befürchtet dass Du und Yvette eine neurale Verbindung eingegangen sind und Ihr sämtliche Erinnerungen miteinander geteilt habt.<<, sagte ich. Wir fuhren daraufhin mit dem Lift zum gastronomischen Bereich der Station wo ich mich erst mal von dieser Überraschung erholen wollte. Ich musste diese Erfahrung erst einmal verdauen, Yvette war zwar meine Freundin aber manchmal ging es echt mit ihr durch.

Nachdem wir in der Jupiterlounge einen freien Tisch gefunden hatten setzten wir uns und suchten erst einmal unser Frühstück aus. Ich wählte als Getränk einen Neurobooster mit Kirscharoma und zum Essen eine große Portion Rührei mit Speck und Brot. Auch Claudia und Yvette hatten ihr Menü zusammengestellt und wir warteten auf den kleinen Servierwagen mit unseren Speisen und Getränken. Während der Wartezeit stöberte ich auf meinem X-Pad im Archiv der Republik nach Fällen welche der Situation von Claudia ähnelten, ich fand keinen. Der Fall von Jean Bork war dem von Claudia ähnlich, sie war damals auch meiner Einladung gefolgt und hatte von Jaqueline Ivanes eine Stelle bei Nanotex angeboten bekommen. Ich war so vertieft in meine Recherche dass ich die Ankunft des Servierwagens fast nicht bemerkte, wir stellten die Speisen und Getränke auf den Tisch und begannen unser Frühstück. Ich verspeiste mein Essen hastig um mich wieder der Recherche widmen zu können, als ich fertig war hatten Claudia und Yvette ihre Teller noch halb voll.

Ich hatte eine Weile mit meiner Recherche verbracht da sagte Yvette: >>Nun mach doch nicht so einen geknickten Eindruck, es wird keine Probleme geben!<< - >>Was für Probleme?<<, fragte Claudia. Ich schaute von meiner Recherche auf und sagte: >>Angenommen Du gibst auf der Erde zu viel von Deinem neuen Wissen preis, dann könnte es doch sein dass man Dich für mehr als nur einen Nerd hält.<< - >>Du treibst Dich doch auch auf der Erde herum und machst Dir keine Sorgen.<<, erwiderte Claudia. Ich antwortete: >>Mein Lebensmittelpunkt liegt ja auch außerhalb der irdischen Biosphäre, Hauptwohnsitz, Beruf, Familie und meine Angehörigkeit als Bürger der terranisch interstellaren Republik muss ich ja wohl nicht extra erwähnen.<< - >>Moment mal! Du hast Negül nichts gesagt Yvette?<<, erwiderte Claudia. Ich schaute Yvette an und sagte: >>Raus damit Yvette!<< - >>Commander Junkers hat mich darüber informiert dass man in Wissenschaftsausschuss der Meinung ist, dass Claudia eine vielversprechende Kandidatin als Kontaktperson für auf Energie basierende intelligente Lebensformen ist.<<, erklärte Yvette. Ich schaute zu Claudia, sie nickte, dann schaute ich zu Yvette worauf sie sagte: >>Na hör mal, ich übergehe doch nicht mit voller Absicht die primäre Richtlinie für den interkulturellen Kontakt!<< - >>Yvette Du bist unmöglich, ich mache mir hier Gedanken über potentielle Konsequenzen und nur weil Du meintest mich nicht informieren zu müssen!<<, sagte ich.

Nachdem ich meinen Neurobooster ausgetrunken hatte sagte ich: >>Okay Yvette, Commander Junkers hat Dir doch bestimmt auch Instruktionen mitgegeben wie der Ablauf von Claudias heutigem Tag aussehen soll!<< - >>Wir sollen uns um 10:00 im Tempel der Wächter hier auf der Station einfinden, Sebastian und Ruby haben ein Treffen mit einer Vertreterin der Wächter arrangiert.<<, antwortete Yvette. Ich schaute auf mein Kommunikationsarmband, die Zeitanzeige stand auf 9:42, dann fragte ich Claudia: >>Hast Du eine Vorstellung davon was Dich erwartet?<< - >>Nachdem was ich gehört habe sind die Wächter mit unserer Definition von Geistern vergleichbar.<<, antwortete Claudia. Ich erwiderte: >>Dann dürfte es Dich ja nicht gleich umhauen wenn Du einen von ihnen siehst, ich meine richtig bei vollem Bewusstsein mit Deinen eigenen Augen.<< - >>Das klingt ja noch viel spannender als die Geschichte von der Black Halfmoon.<<, sagte Claudia. Daraufhin verließen wir die Jupiterlounge und begaben uns zum Lift, dort wählte Yvette das Promenadendeck als Fahrziel. Nach kurzer Fahrt erreichten wir unser Ziel, es brauchte nur noch einen kurzen Fußweg und wir hatten den Tempel der Wächter erreicht. Nachdem wir uns angemeldet hatten kam auch schon ein Angestellter des Tempels, er begrüßte uns und führte uns in den Innenraum. Das innere des Tempels bestand aus einem großen karg eingerichteten und schwach beleuchteten runden Raum dessen Zentrum von einer erhöhten runden Plattform dominiert wurde, es sah fast wie in einem Teleporterraum aus, nur dass die Konsole für die Bedienung des Teleporters fehlte. Yvette und ich mussten am Rand des Raumes auf einem Vorsprung Platz nehmen während Claudia gebeten wurde sich auf die runde Plattform zu stellen und zu warten. Während Claudia wartete rätselten Yvette und ich was wohl passieren würde.

Kurze Zeit nach dem Claudia die Plattform im Zentrum des Raumes betreten hatte erschien ein heller fast weißer Lichtstrahl in der Mitte der Plattform, welcher sich von deren Boden bis zur Decke des Raumes erstreckte. Claudia ging ein paar Schritte zurück und der Lichtstrahl weitete sich etwas, bis er etwa einen Durchmesser von drei Metern hatte. Aus diesem Lichtstrahl trat ein Wesen heraus welches aus Licht zu bestehen schien, es hatte die Silhouette eines Menschen aber keinerlei Textur, das ganze Wesen leuchtete in einem hellen Blau. Das Wesen blieb etwa eine Armlänge von Claudia entfernt stehen, verneigte sich und begann zu sprechen. Mit einer Stimme welche ähnlich warm klang wie die Stimme von der künstlichen Intelligenz an Bord der Far Horizon sagte das Wesen: >>Ich bin Riona, eine Angehörige des Volkes der Wächter und ich bin hier um Dich zu prüfen. Hab keine Angst, es ist nur eine Prüfung Deines evolutionären Entwicklungsstandes, es wird Dir nichts geschehen!<<, mit diesen Worten hob das Wesen den Arm und hielt Claudia die Hand in geringen Abstand vor ihr Gesicht. Nach einigen Sekunden sagte das Wesen: >>Du bist in der Lage unsere Existenz zu begreifen, Dein Geist ist Frei von Barrieren welche Deine Sicht auf den Horizont behindern. Es ist von großer Wichtigkeit dass Du verstehst dass physische Existenz nur ein vorübergehendes Stadium des Lebens ist. Bist Du bereit die Natur des wahren Lebens zu verstehen?<< - >>Ich bin bereit.<<, antwortete Claudia etwas benommen. Daraufhin fuhr das Wesen mit seiner Hand durch Claudias Stirn hindurch in ihren Kopf, verharrte kurz und zog seine Hand dann wieder zurück. Dann sagte es: >>Ich habe Deine Wahrnehmung geschärft um über den Horizont hinaus zu sehen und Deinen Geist geschult uns zu hören und zu uns zu sprechen. Wann immer Du es wünschst kannst Du im Geiste zu uns sprechen, wir werden Dich anhören.<< Mit diesen Worten zog sich das Wesen in den leuchtenden Strahl im Zentrum der Plattform zurück, bevor der Strahl wieder schmaler wurde hörte man noch die Worte: >>Versuche nicht die Hintergründe Deiner neuen Fähigkeiten zu verstehen, nutze sie einfach wenn es nötig ist!<<, dann verschwand der Strahl wieder.

Claudia wankte etwas benommen zum Rand der Plattform, stieg herunter und kam zu uns an den Rand des Raumes, der Angestellte des Tempels erschien ebenfalls, verneigte sich und teilte uns mit dass die Audienz nun vorüber war. Wir verließen daraufhin den Tempel wieder wobei Yvette und ich Claudia stützten. Draußen angekommen sagte Claudia: >>Das war ja vielleicht eine Erfahrung, so intensiv habe ich das noch nie erlebt, ich konnte Riona mit meinen eigenen Augen sehen und habe sie auch gehört!<< - >>Wir haben sie auch gesehen und gehört, das war definitiv keine Einbildung.<<, antwortete Yvette. Ich fügte hinzu: >>Definitiv nicht, diese Erscheinung und diese Stimme waren klar und deutlich zu sehen und zu hören!<< - >>Und was kommt jetzt?<<, fragte Claudia. Yvette antwortete: >>Commander Junkers wird mich informieren wenn er den Bericht vom Tempel der Wächter gelesen hat. Bis dahin solltest Du Deine Erlebnisse erst einmal verarbeiten.<< - >>Was denn, Ihr seid schon beim Du?<<, fragte ich erstaunt. Yvette antwortete: >>Ja seit heute früh vor der Neuralinduktion.<< - >>Da ist doch nichts dabei, wir verstehen uns einfach.<<, fügte Claudia hinzu. Ich fragte: >>Wollen wir zum Schiff zurückkehren oder bleiben wir noch an Bord der Station?<< - >>In Deinem Facebook-Profil steht doch dass Du vorsitzender der Verwaltung der Neptun-Hoststation bist, könntest Du mir zeigen wo Du normalerweise arbeitest?<<, erwiderte Claudia. Ich fragte: >>Du willst wirklich mein Büro sehen?<< - >>Klar, wenn ich schon einmal hier an Bord bin, dann kann ich mir das doch nicht entgehen lassen!<<, antwortete Claudia. Ich nickte und wir begaben uns zum Liftzugang wo ich die Stationsverwaltung als Fahrziel wählte. Nachdem wir mein Büro erreicht hatten sagte Claudia: >>Sehr nett die Einrichtung, der angedeutete Kamin mit dem Geweih und den zwei Kerzen gefällt mir besonders und der Schreibtisch ist auch sehr stilvoll. Aber hast Du denn als Vorsitzender der Stationsverwaltung keinen Computer oder zumindest einen Tablett-Computer in Deinem Büro?<< - >>Okay Claudia, setz Dich mal an den Schreibtisch, dann holst Du das Headset aus dem Fach links unter der Tischplatte und setzt es auf!<<, antwortete ich. Claudia holte das Headset hervor und sagte: >>Das sieht ja aus wie eine Kreuzung aus einem APS und den Headsets für die Neuralinduktion!<< - >>Ja es ist ein APS welches mit einem Hirnstromscanner kombiniert ist, auf diese Weise kann die Ein- und Ausgabe von Daten über das Headset erfolgen.<<, erklärte ich. Claudia setzte das Headset auf und schaltete es ein.

Nach einem kurzen Moment des Erstaunens sagte Claudia: >>Ich kann die Benutzeroberfläche vor meinen Augen sehen, jedes Element welches ich öffnen möchte öffnet sich vor meinen Augen. Ich kann sogar das Flottennetzwerk durchstöbern indem ich nur daran denke was ich lesen will.<< - >>Es hat durchaus Vorteile wenn die Hirnströme direkt als Eingaben verwendet werden ohne den Umweg über die Muskeln und konventionelle Eingabegeräte zu gehen. Im Zusammenspiel mit dem Augenliderprojektionssystem wird das Anwendererlebnis komplettiert, man sieht was man sehen will ohne den Blick starr auf ein Display zu richten.<<, erklärte ich. Claudia fügte hinzu: >>Ich habe sogar Zugriff auf das Internet zuhause, ohne Verzögerung durch die enorme Entfernung zur Erde und das verrückte ist dass ich sogar erklären kann warum. Die Kommunikation mit der Erde erfolgt über das Quantumbridge-Verfahren welches die Quantenverschränkung nutzt, da die Informationsübertragung via Quantenverschränkung ohne Zeitverlust erfolgt, spielt die Entfernung bei dieser Übertragungsart keine Rolle.<< - >>Das hast Du Yvette zu verdanken, durch die Neuralinduktion wurde deine Allgemeinbildung dem Standard der terranisch interstellaren Republik angepasst. Ein ähnliches Verfahren wird auch in den Bildungsstätten unserer Republik verwendet, die Erstvermittlung des Wissens erfolgt dort durch Vorträge, Vorlesungen und Vorführungen, die Verinnerlichung des Wissens erfolgt per Endlosschleife durch ein Repeater-Headset welches die Wahrnehmungen aus dem Unterricht ständig unterbewusst ins Gedächtnis einspielt. Sowas wie Hausaufgaben kennen unsere Bildungsempfänger nicht, die einzige Aufgabe ist es das Repeater-Headset für eine gewisse Zeit nach dem Unterricht zu tragen.<<, erklärte ich.

Nachdem Claudia eine Weile mein Verwaltungsinterface ausprobiert hatte fragte sie: >>Können wir eine Eurer Bildungsstätten mal besichtigen?<< - >>Ich denke das lässt sich machen, wir haben ein Neuralinduktionszentrum hier auf der Station.<<, antwortete ich. Claudia beendete die Interface-Sitzung und setzte das Headset ab, dann verließen wir mein Büro und fuhren zum Neuralinduktionszentrum der Station. Dort lief gerade der Unterricht, durch ein Fenster konnte Claudia in den Hörsaal sehen in dem die Bildungsempfänge des ersten Allgemeinbildungsjahres an einer Vorlesung teilnahmen. Claudia war begeistert von der Disziplin welche unter den jungen Grundbildungsempfängern herrschte. Durch die Neuralinduktion wusste sie zwar dass der Leerplan durch Fitnessunterricht in Umgebungen mit normaler, geringer und doppelter Schwerkraft, sowie in der Schwerelosigkeit ergänzt wurde aber sie war dennoch vom Ergebnis dieser ausgleichenden Maßnahmen sehr angetan.

Während Claudia noch über die Eindrücke aus dem Neuralinduktionszentrum staunte ging auf ihrem Kommunikationsarmband plötzlich ein Sprechwunsch von Commander Junkers ein. Claudia stellte die Verbindung her und Commander Junkers erklärte ihr dass er den Bericht über ihre Audienz bei den Wächtern gelesen hatte und nun persönlich mit ihr sprechen wollte. Claudia bestätigte dass sie verstanden hatte und sich auf den Weg zu ihm machen würde. Nachdem die Sprechverbindung getrennt war ließen wir uns auf die Far Horizon teleportieren, vom Teleporterraum aus begaben wir uns zum Liftzugang und fuhren zur Brücke des Schiffes. Bei unserer Ankunft auf der Brücke sagte Kapitän Tönnigs zu Claudia: >>Commander Junkers erwartet Sie im Besprechungsraum.<<, dabei deutete er auf eine Tür welche aus unserer Perspektive an der rechten Seite der Brücke lag. Claudia ging auf die Tür zu und schaute sich kurz um, ich nickte ihr aufmunternd zu worauf sie das Türsignal mit ihrem Kommunikationsarmband betätigte, kurz darauf öffnete sich die Tür und Claudia betrat den Raum. Nachdem sich die Türen des Besprechungsraumes hinter Claudia geschlossen hatten drehte sich Kapitän Tönnigs zu mir um und sagte: >>Sie scheinen ein gutes Gespür für Rekrutierungsaufgaben zu haben Verwalter Sella.<< - >>Nun ja, ich habe am Anfang meiner beruflichen Laufbahn einige Jahre in der Personalverwaltung gearbeitet, zu meinem Bereich gehörten damals auch Personaltransfers von der Erde, wie man die Rekrutierungen auch nannte.<<, antwortete ich. Kapitän Tönnigs erwiderte: >>Diese Zeit hat Sie offensichtlich geprägt, auch wenn Ihnen dies nicht bewusst sein mag, das Gespür für die Auswahl der richtigen Kandidaten ist Ihnen jedenfalls erhalten geblieben.<<

Nach etwa zehn Minuten kehrte Claudia aus dem Besprechungsraum zurück, Ihr Gesichtsausdruck war eine Mischung aus Verwunderung, Skepsis und einem Hauch von Stolz. Als Antwort auf meinen fragenden Blick reichte sie mir ein Pad, ich studierte den Text welcher auf dem Display zu lesen war. Es handelte sich um eine Empfehlung vom Tempel der Wächter, darin wurde vorgeschlagen Claudia als Botschafterin oder Kontaktperson für die Wächter anzustellen. Weiterhin enthielt der Text bereits die Zusagen der Administrativen Organe der terranisch interstellaren Republik, dieser Empfehlung zu folgen, falls Claudia sich für diese Aufgabe entscheiden würde. Ich zeigte Yvette den Inhalt des Pads worauf sie sagte: >>Das sind ja mal gute Neuigkeiten!<< - >>Ja und nein, ich habe nämlich keine Ahnung wie ich das meiner Familie erklären soll.<<, antwortete Claudia. Kapitän Tönnigs sagte daraufhin zu Claudia: >>Nehmen Sie sich Zeit, wie der Name schon sagt dienen die Orientierungswochen dazu sich zu orientieren in welche Richtung die eigene berufliche Laufbahn verlaufen soll. Versäumen Sie jedoch nicht auch die anderen beruflichen Perspektiven zu begutachten, auf der Neptun-Hoststation gibt es zahlreiche Unternehmen welche interessante Möglichkeiten bieten.<< - >>Danke Kapitän, das werde ich ganz bestimmt tun!<<, antwortete Claudia, dann wandte sie sich der Liftkonsole zu und wählte die Mannschaftsmesse als Fahrziel. Während der Fahrt im Lift fragte ich: >>Die Mannschaftsmesse, hast Du denn schon wieder Hunger? Wir haben doch erst vor nicht einmal einer Stunde gefrühstückt.<< - >>Wer redet denn vom Essen? Ich habe das Bedürfnis zu feiern!<<, erwiderte Claudia.

Wir erreichten die Mannschaftsmesse und setzten uns an einen freien Tisch, dann sagte Claudia: >>Ich weiß von einem Getränk welches hier oben sehr beliebt zu sein scheint und welches trotz seines Namens keine negativen Auswirkungen auf das Urteilsvermögen hat, man nennt es blauen Honigwein. Ich habe das Bedürfnis mit Euch anzustoßen.<< - >>Da bin ich dabei!<<, antwortete ich und auch Yvette stimmte zu. Daraufhin bestellte Claudia drei große Trinkkrüge blauen Honigwein und kurz darauf wurden diese auf unseren Tisch teleportiert. Wir stießen auf Claudias Erfolg an und nach dem ersten Schluck sagte ich: >>Ich bin richtig stolz auf Dich Claudia, nicht nur dass Du aufgrund Deiner Fähigkeiten ein Job-Angebot bekommen hast, Du benutzt unsere Technologie auch schon so routiniert als hättest Du nie etwas anderes gemacht.<< - >>Das habe ich der Neuralinduktion zu verdanken, ich bin selbst überrascht wie bekannt mir alles seit dieser Behandlung vorkommt.<<, antwortete Claudia. Yvette grinste und fragte: >>Dann war das wohl doch nicht so eine blöde Idee von mir oder wie?<< - >>Angesichts der Informationen welche Du mir erst später gegeben hast war diese Maßnahme vielleicht nur etwas verfrüht, im Licht der aktuellen Situation war die Neuralinduktion ein guter Schritt.<<, antwortete ich.

Als wir unsere Trinkkrüge geleert hatten sagte ich zu Claudia: >>Du hast mir gegenüber auch erwähnt dass Du auch an handwerklichen und kreativen Aufgaben interessiert bist. Wir können ja mal bei Nanotex vorbeischauen, unsere Textilien stammen zwar fast alle aus dem 3D-Drucker aber das Design und die Entwicklung der Textilien ist noch immer eine Aufgabe für Menschen.<< - >>Ja natürlich, ich bin schon auf die Details gespannt wie die Textilien designt, entwickelt und produziert werden!<<, antwortete Claudia. Also erhoben wir uns von unseren Sitzplätzen und begaben uns zum Liftzugang wo ich die Empfangshalle von Nanotex als Fahrziel wählte und nach kurzer Fahrt erreichten wir unser Ziel. Wir schlossen uns einer Gruppe von Interessenten an und nahmen an der Führung teil. Zuerst ging es in die Entwicklungsabteilung, wo neue Ideen für Eigenschaften und Funktionen der Textilien erdacht, ausprobiert und umgesetzt wurden. Dort präsentierte man uns die besondere Absorptionsfähigkeit von mechanischen Einwirkungen für die besonders die Sport- und Freizeitkleidung von Nanotex Berühmtheit erlangt hatte. Man nahm ein Tuch aus Nanofaserringen und legte es über ein rohes Ei, dann durfte jemand aus der Besuchergruppe mit einem schweren Hammer auf das Tuch schlagen. Anschließend wurde das Tuch wieder angehoben und das noch heile Ei in einer Schüssel aufgeschlagen um zu beweisen dass es ein echtes Ei war. Auch die optisch variable Oberfläche der Textilien wurde vorgeführt, mit der es möglich war per Befehl die Textilien mit jeder gewünschten Farbe und jedem Muster zu versehen.

Nach der Vorführung der besonderen Funktionen der Kollektion zeigte man uns wie diese in die Kleidung implementiert wurden. In einem Labor arbeiteten einige Ingenieure mit dreidimensionalen Hologrammen welche starke Vergrößerungen einzelner Nanofaserringe darstellten, in den Ringen wurden die verschiedenen Bauteile für die entsprechenden Funktionen integriert. Feldspulen für die elektromagnetische Versteifung der Textilien, OLED-Nanopigmente – welche im Zusammenspiel mit denen in den übrigen Nanofaserringen aus der Oberfläche der Kleidung in ein riesiges flexibles Display machten und andere interessante Baugruppen wurden an ihren Platz gesetzt und mit der Molekularstruktur der Nanofaserringe verbunden. Die Oberflächenstruktur der Nanofaserringe war so beschaffen dass sie der Oberfläche der Lotosblüte glich, dies sorgte für eine weitere berühmte Eigenschaft der Nanotex-Kollektion, die Oberfläche an der nichts haftet, diese macht das Waschen der Textilien überflüssig. Um lose Staub- und Schmutzpartikel aus der Kleidung zu entfernen reicht es aus sie in einen starken Luftstrom zu hängen, dieser entfernt alle losen Partikel zuverlässig aus der Kleidung. Im Anschluss an die Planung der Nanofaserringe wurden die virtuellen Modelle an einen 3D-Drucker übermittelt welcher ein komplettes Kleidungsstück daraus erzeugte, dabei werden die Nanofaserringe so platziert dass sie wie in einem Kettenhemd zusammenhalten. Auch auf die hohe Haltbarkeit der Textilien wurde hingewiesen, das Material verfügt über die Festigkeit von Stahl, hat aber nur das Gewicht von Baumwolle. Nach der Produktionsabteilung erreichte die Besuchergruppe nun die Designabteilung, hier wurden die Formen der späteren Textilien kreiert und die vordefinierten Texturen und Muster der Kleidung programmiert, zusätzlich zu den vorinstallierten Mustern und Texturen kann der Träger der Kleidung die Muster nachträglich anpassen und bearbeiten aber auch neue kreieren.

Im Anschluss an die Einführung in die Entwicklung und das Design der Nanotex-Kollektion gab es noch eine kleine Vorführung des neuesten Modells, des Nanotex X2-Sport- und Freizeitdresses. Jean Bork führte durch die Präsentation, sie erklärte die Funktionen während sie zeitgleich den X2-Dress trug und dessen Funktionen vorführte. Die Elektromagnetische Versteifung und die optisch variable Oberfläche hatten wir ja bereits während der Führung vorgeführt bekommen, nun ging es ans Eingemachte. Jean Bork führte zunächst die Schwerkraftkompensation und das Trägheitsverlagerungsfeld des X2-Dresses vor, sie hob wie ein Superheld aus einem Comicheft vom Laufsteg ab und flog ein paar Runden über die Zuschauer hinweg. Dann folgte die Vorführung der Fähigkeiten der optisch variablen Oberfläche des Dresses, Jean Bork zog sich die integrierte Kapuze über den Kopf und hängte den dazugehörigen Schleier vor das Gesicht. Eine Kurze Eingabe auf dem Kontrollfeld am Handgelenk aktivierte den Tarneffekt, die integrierten optischen Sensoren erfassten die Umgebung und bildeten diese auf der Oberfläche der Kleidung ab, dies führte dazu dass der gesamte Dress samt seiner Trägerin nahezu durchsichtig wurde, nur wenn sie sich bewegte konnte man schemenhaft die Bewegung erkennen. Besonders diese letzte Einlage sorgte für großes Staunen im Publikum.

Als wir nach der Präsentation den Saal verließen sagte Claudia: >>Das war unglaublich, Kleidung welche ihre Farbe und das Muster ändern kann, mit der man sogar fast unsichtbar werden kann, die einen vor Stößen schützt und mit der man sogar fliegen kann! Um wieviele Jahre sind wir hier eigentlich der Technologie auf der Erde voraus?<< - >>Nicht allzu weit, vielleicht zwanzig oder dreißig Jahre, mehr nicht.<<, antwortete ich. Yvette fügte hinzu: >>Bei manchen Technologien dauert es aber auch länger bis sie auf der Erde eingeführt werden, wenn sie überhaupt dort verbreitet werden. Der Gravitationsantrieb oder der Sprungantrieb werden wohl der Erde noch eine Weile vorenthalten bleiben, so lange bis für die Menschheit nicht mehr die Gefahr besteht dass sie sich mit solchen oder ähnlichen Technologien selbst vernichtet, dabei habe ich von unseren Waffen und Schildfeldern noch gar nicht gesprochen.<< - >>Ich glaube es ist ganz gut dass ein Großteil der Menschheit bis auf weiteres auf die Erde beschränkt bleibt.<<, antwortete Claudia.

Als wir wieder vor dem Liftzugang standen sagte ich: >>So Claudia, Du hast die Wächter besucht was man auf der Erde als paranormale Erfahrung bezeichnen würde, Du hast die Neuralinduktion erlebt was unsere Form des Lernens dominiert und Du hast gesehen wie bei uns Kleidung produziert wird und was sie kann. Möchtest Du vielleicht etwas zu Mittag essen bevor die richtig krassen Sachen kommen?<< - >>Was meinst Du mit richtig krassen Sachen?<<, fragte Claudia. Ich antwortete: >>Wir hätten da noch ein Kino mit multiperspektivischen Filmen.<< - >>Du meinst damit dass man die Position frei wählen kann aus der man das Geschehen erlebt?<<, fragte Claudia. Ich antwortete: >>Ja und nein, Du kannst den Film in der konventionellen Perspektive sehen, in 3D natürlich. Du kannst aber auch das Geschehen aus der Ego-Perspektive jedes einzelnen Charakters miterleben, Du wirst praktisch dieser Charakter.<< - >>Sowas geht?<<, fragte Claudia. Ich erklärte: >>Für jeden Charakter läuft ein separater Film aus der Ego-Perspektive, zusätzlich läuft noch der Film mit der konventionellen Zuschauerperspektive, alle Filme laufen parallel und absolut synchron. Es ist vergleichbar mit einer DVD von einem Konzert, bei der Du die Kamera selbst auswählen kannst, da das Konzert zeitgleich mit mehreren Kameras aufgezeichnet wurde.<< - >>Das klingt absolut spannend, aber vorher sollten wir erst einmal etwas essen.<<, sagte Claudia und wählte den gastronomischen Bereich der Station als Fahrziel.

Nachdem wir den gastronomischen Bereich erreicht hatten gingen wir in ein Restaurant der Kette Skyfood, diese Kette baute sämtliche Lebensmittel auf Raumstationen an welche zwischen den Umlaufbahnen von Merkur und Venus die Sonne umkreisten. Wir setzten uns an einen Tisch und bestellten uns unser Mittagessen. Yvette bestellte sich ein mit Champignons überbackenes Putensteak mit Mischgemüse und Petersilienkartoffeln, Claudia entschied sich für die gedünstete Putenbrust mit Brokkoli, Möhren und Salzkartoffeln und ich wählte die Gemüsepfanne mit Geschnetzeltem von Huhn und Reis, nachdem der Servierwagen unser Essen gebracht hatte ließen wir es uns schmecken. An der Wand des Restaurants hing ein großes Display auf dem eine Dokumentation über den Lebensmittelanbau und die Viehzucht von Skyfood lief, während wir uns unser Essen schmecken ließen schaute Claudia interessiert dieser Dokumentation zu.

Nach dem Essen lehnten wir uns gesättigt zurück und schauten den Rest der Dokumentation über Skyfood an, als diese vorbei war sagte Claudia: >>Agrarstationen im Weltraum sind eine tolle Sache, man muss die Lebensmittel nicht erst von einem Planeten in den Weltraum befördern um andere orbitale und planetare Kolonien zu versorgen was eine Menge Energie einspart. Außerdem hat man durch die Nähe zur Sonne genug Solarenergie dass man die Stationen autark betreiben kann, zudem ersetzen die Nutzpflanzen ein komplettes Lebenserhaltungssystem für die Arbeiter auf den Stationen.<< - >>Ja Skyfood ist schon genial, sie versorgen alle Stationen im Sonnensystem und zusätzlich die Marskolonie mit nachhaltigen Lebensmitteln. Okay die Lebensmittel der anderen Restaurants sind auch nachhaltig produziert, aber sie kommen aus Agrarkolonien welche mehrere Lichtjahre entfernt sind. Da die Energie für unsere Schiffe von den Sternen kommt sind aber auch diese Lebensmittel ökologisch korrekt.<<, antwortete ich. Wir erhoben uns und verließen das Restaurant, draußen vor dem Liftzugang fragte Claudia. >>Wollen wir noch immer ins multiperspektivische Kino?<< - >>Wenn Du keine anderen Vorschläge hast dann ja.<<, antwortete ich. Claudia lachte und sagte: >>Jetzt wo Ihr mir davon erzählt habt will ich es auch erleben.<< - >>Na dann auf ins Kino!<<, sagte ich. Yvette wählte den Freizeitbereich als Fahrziel und wenig später waren wir dort hin unterwegs.

Im Freizeitbereich fanden wir auch gleich eine leere Kinokabine, wir gingen hinein und setzten uns. Nachdem wir die Augenliderprojektionssysteme und die Induktionskopfhörer aufgesetzt hatten startete Yvette den Film, zu Anfang wurde ein kleines Tutorial gezeigt in dem erklärt wurde wie man sich durch die verschiedenen Perspektiven schaltet, jeder hatte neben sich auf der Armlehne eine kleine Konsole mit der die Perspektivenauswahl gesteuert wurde. Nach dem Tutorial begann der Film, es war der Klassiker „Spacefleet Diary“ eine kleine Zusammenfassung der Missionen der Far Horizon welche vor vielen Jahren eigentlich als Werbefilm für den Dienst bei der Erdraumflotte produziert worden war.

Die Zeit verging wie im Flug während wir den Film sahen, als der Film zu Ende war und wir die Augenliderprojektionssysteme und Induktionskopfhörer wieder abgesetzt hatten rieb sich Claudia die Augen und sagte: >>Das war krass, ich habe die gesamte Geschichte aus der Perspektive von Kapitän Tönnigs erlebt, es war fast so als würde ich es selbst erleben.<< - >>Das Schöne ist dass Du nächstes Mal eine andere Perspektive wählen kannst und es Dir wieder wie ein völlig neuer Film vorkommen wird.<<, erwiderte Yvette. Wir verließen das Kino und spazierten ein Wenig durch den Freizeitbereich, nebenan lag das Mediencenter wo es eine Vielzahl von multimedialen Angeboten gab, auch Spiele mit virtueller Realität gab es dort. Während wir vor einem Videoraum standen fragte Claudia plötzlich: >>Seht Ihr hier oben eigentlich auch Sportübertragungen?<< - >>Natürlich, schließlich wäre das Leben ohne Sportübertragungen für manche Menschen langweilig.<<, antwortete ich. Yvette musste grinsen und sagte: >>Das wird jetzt der nächste Kulturschock.<< - >>Wieso, sind die Sportarten hier oben andere als auf der Erde?<<, fragte Claudia. Ich antwortete: >>Darauf kannst Du wetten, hier oben gibt es Sportarten von denen die Menschen auf der Erde nur zu träumen wagen!<< - >>Ich möchte eine Aufzeichnung sehen wenn das möglich ist.<<, sagte Claudia. Yvette fragte: >>Was darf es sein, Nullschwerkrafthandball, Nullschwerkraftrennen oder vielleicht doch eher Nullschwerkraftgymnastik?<< - >>Nullschwerkrafthandball klingt aufregend.<<, antwortete Claudia.

Wir gingen in einen der Videoräume und Yvette suchte ein geeignetes Spiel heraus, während sie das tat fragte Claudia: >>Wie lange geht denn so ein Spiel?<< - >>Okay, ein Spielteil dauert 30 Minuten oder bis eine der beiden Mannschaften einen Vorsprung von drei Treffern hat. Ist der Spielteil nach 30 Minuten nicht entschieden, wiederholt sich die Regelung nach einer Pause von 10 Minuten bis der Spielteil durch drei Treffer Vorsprung entschieden ist, dann folgt eine Pause von 10 Minuten. Das Spiel gilt als beendet wenn eine Mannschaft einen Vorsprung von drei gewonnenen Spielteilen hat oder bis eine Mannschaft aufgibt.<<, erklärte Yvette. Claudia sagte: >>Bei zwei gleich starken Mannschaften kann das ja ewig dauern!<< - >>Das ist richtig, manche Spiele sind sehr lang.<<, antwortete ich. Inzwischen hatte Yvette ein Spiel herausgesucht welches nicht allzu lang war, wir machten es uns auf dem breiten Sofa gemütlich und Yvette startete das Spiel. Zwar war es eines der kürzeren Spiele, doch es vermittelte einen Eindruck davon wie langwierig so ein Spiel sein kann. Claudia verfolgte aufmerksam das Spiel und versuchte den Ball immer im Auge zu behalten. Als das Spiel endlich entschieden und beendet war sagte Claudia: >>Das war ja mal ein Sportereignis, dagegen ist Fußball ein Kinderspiel!<< - >>Man könnte ja die Fußballregeln dahingehend ändern dass die Wertung genau so ist wie beim Nullschwerkrafthandball, damit würde Fußball um einiges interessanter werden.<<, erwiderte ich. Yvette lachte und fragte: >>Glaubst Du dass die Menschen auf der Erde bereit sind für ein derart herausforderndes Spiel?<< - >>Nicht viele von ihnen.<<, antwortete Claudia.

Als wir die Far Horizon wieder erreichten war es spät am Nachmittag, Claudia war tief bewegt aber auch ziemlich geschafft von den vielen Eindrücken welche sie gesammelt hatte. Sie sagte: >>Heute werde ich aber nicht alt, das war ein absolut unglaublicher Tag.<< - >>Dann warte mal den morgigen Tag ab, da besuchen wir die Agrarkolonie auf Gliese 581g! Auf der Erde ist man ja der Meinung dass dieser Planet gar nicht existiert, aber das ist eine Situation mit der wir leben können.<<, erwiderte ich. Claudia fragte: >>Gibt es da auch ein Chamäleonfeld?<< - >>Ja und zwar eines welches natürliche Ursachen hat, außerdem führt die Umlaufbahn von Gliese 581g den Planeten nicht zwischen seinem Stern und der Erde hindurch. So kann man ihn von der Erde aus nicht während des Vorbeiflugs vor seinem Stern durch dessen geringfügige Verdunkelung entdecken.<<, erklärte ich. Claudia nickte und sagte: >>Manches sollte auf der Erde lieber unentdeckt bleiben.<< - >>Da stimme ich Dir zu.<<, antwortete ich. Den Rest des Tages verbrachten wir mit der Besichtigung der Far Horizon, wir sahen uns die Wissenschaftsstation, den Maschinenraum, die Krankenstation und die Räumlichkeiten der Piloten und Techniker des Kampffliegergeschwaders an.

Unter einem fremden Stern

Ich wurde gegen 9:00 wach, ein Blick durch das Fenster verriet mir dass die Far Horizon noch im Orbit des Neptun lag. Nach der morgendlichen Routine schaute ich erst einmal ins Flottennetzwerk und zu sehen was es neues gab, in der Rubrik „Meine Allianz“ meiner Netzwerkpräsenz gab es einen neuen Eintrag. Claudia hatte sich eine Präsenz im Flottennetzwerk zugelegt und mich gleich zu ihrer Allianz hinzugefügt, daher bekam ich den Vorschlag vom System sie ebenfalls meiner Allianz hinzuzufügen. Natürlich folgte ich dieser Empfehlung, im Anschluss schaute ich mir ihre Netzwerkpräsenz an. Sie hatte einen Beitrag erstellt in dem sie schrieb, dass sie bereits am frühen Morgen mit Yvette im Service-Center der Administration unserer terranisch interstellaren Republik war um sich als Bürgerin der Republik registrieren zu lassen. In ihrem zweiten Beitrag schrieb sie dass sie sich dafür entschieden hatte den Job als Kontaktperson für die Wächter anzunehmen. Für beide Beiträge gab ich eine Bewertung von 5 Sternen. Anschließend schloss ich die Fleetnet-Oberfläche wieder und stellte eine Sprechverbindung zu Claudia her, sie nahm meinen Sprechwunsch an und sagte: >>Hallo Negül! Was gibt’s?<< - >>Ich gratuliere zu Deiner Entscheidung Bürgerin unserer Republik zu werden und den Job anzunehmen, Deine Netzwerkpräsenz ist auch toll geworden.<<, antwortete ich. Claudia erwiderte: >>Hey danke Negül! Yvette und ich sitzen in der Mannschaftsmesse und begießen die Neuigkeiten gerade, ich denke mal dass Du auch gerne dabei wärst.<< - >>Aber klar doch, ich bin in wenigen Sekunden da!<<, antwortete ich. Claudia trennte die Sprechverbindung daraufhin und ich sprach in mein Kommunikationsarmband: >>Alice, teleportiere mich bitte in die Mannschaftsmesse!<< - >>Bestätigt!<<, antwortete die künstliche warme Stimme von Alice und kurz darauf stand ich auf der Zielplattform in der Mannschaftsmesse.

Ich schaute mich kurz um bis ich Claudia und Yvette entdeckte und begab mich dann zu ihnen, als ich mich an den Tisch setzte sagte Claudia: >>Das waren ja wirklich nur wenige Sekunden!<< - >>Ja, dank der Teleportation von Ort zu Ort.<<, antwortete ich und orderte mir einen großen Trinkkrug blauen Honigwein. Wir stießen auf Claudias Zukunft an und nach dem ersten Schluck sagte ich: >>Heute geht es zur Agrarkolonie auf Gliese 581g, das wird Dein erster Besuch auf einem anderen Planeten. Damit beginnst Du Dein Leben als terranisch interstellare Bürgerin gleich mit einem Paukenschlag, Gliese 581g ist nämlich auf eines der beliebtesten Urlaubsziele bei uns.<< - >>Ja ich freue mich schon darauf diesen Planeten zu besuchen, Yvette hat mir die Präsentation über die dortige Kolonie gezeigt.<<, erwiderte Claudia. Ich fragte: >>Als Bürgerin unserer Republik erhältst Du natürlich auch die übliche Gesundheitsvorsorge, hast Du schon Deine Immun- und Heilungsunterstützung bekommen?<< - >>Warte mal, das ist doch dieses Nanotechnologie-Upgrade für den Körper welches alles biologische mit einer fremden DNA eliminiert.<<, antwortete Claudia. Ich erwiderte: >>Ja, außerdem repariert es Verletzungen schneller als Dein Körper es ohne Hilfe könnte.<< - >>Genau, das muss ich mir noch holen.<<, sagte Claudia. Ich fragte: >>Ist Dir bei dem Gedanken daran vielleicht ein bisschen unwohl?<< - >>Unwohl nicht, ich weiß nur nicht was ich davon halten soll.<<, antwortete Claudia. Ich sagte: >>Du merkst im Alltag überhaupt nichts davon, die Nanobots wandern durch Deinen Körper reparieren Verletzungen sowie Verschleiß und töten jedes fremde biologische Material ab was nicht die gleiche DNA wie Dein Körper hat. Es ist quasi wie eine biologische Firewall mit zusätzlichem Reparaturprogramm, wir haben alle eine Immun- und Heilungsunterstützung. Wenn Du willst kann Doktor Kim Ngujen Dir gleich auf der Krankenstation die Nanobots verabreichen.<< - >>Gleich heute, und ich kann trotzdem nie Agrarkolonie besuchen?<<, fragte Claudia. Yvette antwortete: >>Das ist eine Sache von Minuten, zuerst wird sie Dich scannen was etwa ein paar Sekunden dauert, dann wird sie die Nanobots auf Deine DNA abstimmen und eine ausreichende Menge von ihnen generieren lassen was etwa einige Minuten dauert. Wenn genug Nanobots generiert sind bekommst Du sie injiziert und abschließend erfolgt noch ein Scann um zu prüfen ob die Nanobots auch aktiv sind, das dauert dann noch einmal ein paar Minuten. Die Injektion spürst Du nicht, unsere Druckimpulsspritzen verletzen die Haut nicht sondern befördern die Nanobots oder Impfstoffe mittels eines Transphasenfeldes durch die Materie Deiner Haut.<< - >>Na dann lasst uns aber warten bis wir ausgetrunken haben!<<, sagte Claudia.

Hinter den Fenstern der Mannschaftsmesse begann sich die Szenerie zu verändern, die Far Horizon verließ den Neptunorbit. Ich sagte zu Claudia: >>Guck mal nach draußen, gleich springen wir nach Gliese 581g!<< - >>Hey danke!<<, antwortete Claudia und schaute in Richtung der Fensterfront. Die Sterne hinter dem Fenster begannen zu flackern und zu verschwimmen, dann schob sich eine hellblaue Wand vor die Szenerie. Claudia sagte: >>Das ist dieses Blau welches ich während des Sprungs zum Mars und wieder zur Erde zurück kurz gesehen habe.<< - >>Und es wird uns für etwa 75 Minuten erhalten bleiben, so lange dauert der Sprung nach Gliese 581g.<<, antwortete ich. Claudia trank ihren Trinkkrug leer und sagte: >>Na dann sollten wir uns zur Krankenstation begeben, ich will schließlich fertig sein wenn wir bei Gliese 581g ankommen!<< - >>Alles klar, Deine Einstellung gefällt mir!<<, antwortete ich. Wir erhoben uns von unseren Plätzen und verließen den Tisch, auf dem Weg zum Liftzugang fragte Claudia: >>Können wir den Teleporter benutzen um zur Krankenstation zu kommen?<< - >>Natürlich, sage einfach Alice dass sie drei Personen zur Krankenstation teleportieren soll!<<, antwortete ich. Claudia stellte sich aufrecht hin und sagte: >>Alice, drei Personen zur Krankenstation teleportieren!<< - >>Bestätigt!<<, antwortete Alice. Kurz darauf standen wir auf der Zielplattform in der Nähe des Eingangs zur Krankenstation. Claudia sagte: >>Das ist ja viel besser als der Lift!<< - >>Ja, vor allem schneller, manche Mannschaftsmitglieder benutzen ständig den Teleporter um von einer Abteilung zur anderen zu gelangen.<<, erklärte Yvette.

Als wir die Krankenstation betraten saß Doktor Ngujen gerade an ihrem Arbeitsplatz, sie kam aus ihrem Arbeitsbereich zu uns und fragte: >>Kann ich Ihnen helfen?<< - >>Ja, man hat mir gesagt dass ich mir hier meine Immun- und Heilungsunterstützung injizieren lassen kann.<<, antwortete Claudia und zog ein Pad aus ihrer Hosentasche welches sie Doktor Ngujen reichte. Doktor Ngujen nahm das Pad an sich und studierte die Angaben welche darauf gespeichert waren, dann gab sie Claudia das Pad zurück und sagte sie: >>In Ordnung, wir können die Behandlung gleich vornehmen. Hat man Sie bereits über die Immun- und Heilungsunterstützung informiert?<< - >>Ja, die Nanobots eliminieren alles biologische Material welches nicht die DNA trägt auf die sie geprägt sind, außerdem reparieren sie Verletzungen und Verschleiß.<<, antwortete Claudia. Doktor Ngujen nickte und sagte: >>Auch wenn es nicht exakt der Wortlaut aus den Lektionen der Medizinausbildung ist, es entspricht dem was die Immun- und Heilungsunterstützung tut. Ihren Daten entnehme ich dass sie noch nicht nach den Standards der terranisch interstellaren Republik medizinisch untersucht wurden. Es gibt für Sie keinen Grund zur Beunruhigung, setzen Sie sich einfach hier auf den Behandlungsstuhl und entspannen Sie sich!<< - >>Ich bin nicht beunruhigt, nur unsicher im Bezug darauf was mich erwartet.<<, sagte Claudia als sie sich auf den Behandlungsstuhl setzte. Doktor Ngujen legte ihr Diagnoseokular an und zog einen Nervenstranginduktor aus der Tasche, dann fragte sie: >>Wünschen Sie eine Erklärung der einzelnen Schritte während der Behandlung?<< - >>Negül und Yvette haben mir bereits die Prozedur erklärt mit der die Immun- und Heilungsunterstützung verabreicht wird, das einzige was mir unklar ist, wozu der Nervenstranginduktor benötigt wird.<<, antwortete Claudia. Doktor Ngujen lächelte milde und sagte: >>Der Nervenstranginduktor dient zur Manipulation der Wahrnehmung von Schmerzen, er kann aber auch den emotionalen Zustand eines Patienten beeinflussen. Wenn Sie es wünschen kann ich Sie damit bei der Entspannung unterstützen.<< - >>Na wenn das so ist dann möchte ich es.<<, antwortete Claudia. Doktor Ngujen fragte: >>In den Nacken oder in das Kinn?<< - >>In den Nacken!<<, antwortete Claudia und beugte den Kopf etwas nach vorne. Doktor Ngujen legte den Nervenstranginduktor an Claudias Nacken an und löste den Induktionsimpuls aus, ein kurzer Signalton bestätigte die Auslösung. Claudia lehnte sich zurück und entspannte sich, Doktor Ngujen begann mit dem medizinischen Scann von Claudia, währenddessen machte sie ab und zu ein paar Eingaben auf einem Pad.

Nachdem Doktor Ngujen den Scann beendet hatte steckte sie das Pad in ein Laufwerk und sagte: >>In wenigen Minuten sind die Nanobots konfiguriert und in genügender Stückzahl produziert.<<, Claudia lag entspannt auf dem Behandlungsstuhl und nickte nur. Doktor Ngujen begab sich in ihren Arbeitsraum und kehrte nach einigen Minuten mit einer Druckimpulsspritze zurück. Sie zeigte Claudia die Druckimpulsspritze und fragte: >>Sind Sie bereit für die Injektion?<< - >>Ich bin bereit.<<, sagte Claudia ganz entspannt. Daraufhin legte Doktor Ngujen die Druckimpulsspritze an Claudias rechte Halsseite und löste die Injektion aus, dann war ein kurzes Zischen zu hören. Doktor Ngujen packte die Druckimpulsspritze wieder in eine Tasche ihres Arztkittels und scannte Claudia erneut. Nach einer Weile sagte sie: >>Alles ist in Ordnung, die Nanobots haben sich gut verteilt und machen sich an die Arbeit. Bleiben Sie noch etwas in dieser Position liegen, es dauert einige Minuten bis der Beruhigungseffekt nachlässt. Ich könnte Sie auch mit einem umgekehrten Impuls wieder aus der Entspannung holen wenn Sie es wünschen, das langsame Abklingen der induzierten Entspannung ist jedoch schonender.<< - >>Ich kann bis zur Ankunft bei Gliese 581g warten.<<, sagte Claudia mit ruhiger Stimme. Doktor Ngujen lächelte und sagte: >>So lange wird es nicht dauern, in fünf Minuten sind Sie wieder auf dem Damm.<< Claudia streckte sich auf dem Behandlungsstuhl und machte es sich nochmal bequem.

Schließlich war die induzierte Entspannung abgeklungen und Claudia konnte ganz normal aufstehen, sie bedankte sich bei Doktor Ngujen und wir verließen die Krankenstation. Draußen auf dem Gang sagte Claudia: >>Ich glaube es nicht, diese Spritze hat man nicht einmal gespürt, es fühlte sich an als würde man mir den Finger ganz sanft an den Hals legen! Bitte sagt mir dass alle Behandlungen hier so unspektakulär sind!<< - >>Dank des Nervenstranginduktors sind Schmerzen kein Problem und dank des Transphasenfeldes können sogar Wurzelbehandlungen an den Zähnen ohne Schmerzmittel erfolgen.<<, erklärte ich. Claudia sagte: >>Ihr lebt hier oben wirklich in einer besseren Welt! Oder sollte ich sagen in besseren Welten? Na Ihr wisst was ich meine.<< - >>Vergiss nicht dass Du jetzt auch in dieser Welt lebst!<<, antwortete Yvette. Sie ließ uns drei in ihr Quartier teleportieren wo sie Claudia noch ein paar Details unserer Gesellschaft zeigen wollte. Wir setzten uns auf die Couch und Yvette aktivierte das Display an der Wand, sie rief aus dem Archiv eine Präsentation für neue Mitglieder unserer Gesellschaft ab welche die Vorteile unserer Gesellschaft in der terranisch interstellaren Republik aufzeigte. Claudia verfolgte die Präsentation interessiert, sie war wie gebannt von dem was sie erfuhr.

Als die Präsentation vorüber war sagte Claudia: >>Ich bin begeistert, das war aber kein Bestandteil der Neuralinduktion oder ich habe es noch nicht realisiert.<< - >>Nein, diese Präsentation ist speziell für Neuankömmlinge von der Erde.<<, antwortete Yvette. Claudia erwiderte: >>Das alles erinnert mich ein bisschen an die Propaganda von der Erde welche den Kommunismus als bessere Gesellschaftsform darstellt.<< - >>Im gewissen Sinne leben wir in einer kommunistisch sozialen Marktwirtschaft. Von jedem Einkommen, egal ob Gehalt, Rente, Prämien, Vergütungen oder Beihilfen werden einmalig fünfzig Prozent als Grundbedürfnisabgabe abgezogen, mehr Abzüge gibt es nicht. Von dieser Grundbedürfnisabgabe werden die Grundbedürfnisse aller Bürger und Gäste unserer Republik finanziert. Dazu gehören die Unterkunft in Quartier als fester Wohnsitz und in anderen Quartieren für eine temporäre Unterkunft, öffentlicher Personenverkehr durch das Passagiertransfernetzwerk der Erdraumflotte, sämtliche Nahrungs- und Genussmittel, Energie, Wasser, Lebenserhaltung, ein Grundsortiment an Textilien, Kommunikation und vieles mehr. Nicht davon finanziert werden private Güter wie eigene Schiffe und deren Unterhaltung, spezielle Textilien und andere Statussymbole.<<, erklärte Yvette. Claudia fragte: >>In welcher Beziehung stand die ehemalige DDR zur terranisch interstellaren Republik?<< - >>Sie war der Versuch unsere Lebensweise auch auf der Erde einzuführen, wir hatten auch separate Siedlungen für unsere Bürger auf dem Gebiet der DDR aber die übrigen Menschen waren noch nicht bereit für den Kommunismus. Abgesehen davon gibt es die terranisch interstellare Republik erst seit dem 22. März 2016, davor waren alle Siedlungen auf der Erde und alle anderen planetaren und orbitalen Lebensräume der Erdraumflotte unterstellt.<<, antwortete ich.

Das blaue Schimmern der Sprungpassage verschwand plötzlich hinter dem Fenster des Wohnbereichs von Yvettes Quartier, Claudia schaute aus dem Fenster und sagte: >>Wir scheinen angekommen zu sein und nähern uns einem großen Planeten.<< - >>Ja Gliese 581g hat etwa die vierfache Masse der Erde und ist auch dementsprechend größer.<<, antwortete Yvette. Nachdem die Far Horizon den Standardorbit erreicht hatte sagte ich: >>Wir werden phaseninvertierte Schwerkraftanzüge benötigen wenn wir uns außerhalb des Besucherbereichs der Kolonie aufhalten wollen, bei vierfacher Erdgravitation wird das sonst kein Vergnügen für uns.<< - >>Na dann lasst uns mal welche anlegen!<<, erwiderte Yvette und ließ uns drei in die Räumlichkeiten für die Ausstattung von Außenteams teleportieren. Dort bekamen wir passende Anzüge und legten diese über unsere Kleidung an. Nach dem Umziehen begaben wir uns zum Besprechungsraum wo Commander Junkers bereits wartete, wir waren in einer Gruppe von 24 Personen welche an einer Führung durch die Kolonie teilnahm. Commander Junkers erklärte die Einzelheiten der Führung und gab die Augenliderprojektionssysteme aus, mit diesen sollten wir die Kolonie in allen möglichen Bereichen des elektromagnetischen Spektrums betrachten. Nach einer kurzen Einweisung in die Handhabung der APS-Headsets mit optischem Wandler ging es zum Teleporterraum.

Wir wurden in die Haupthalle des Besucherbereichs der Kolonie teleportiert, der Verwalter der Kolonie „Benjamin Mangold“ begrüßte uns und versuchte sich nicht anmerken zu lassen dass seine Tochter mit in unserer Gruppe war. Wir begaben uns zur Schwerkraftschleuse welche den Besucherbereich mit teilweise abgeschirmter Schwerkraft vom Rest der Kolonie trennte. Nachdem die Schwerkraftabschirmung innerhalb der Schleuse langsam herunter gefahren war gingen wir hinaus in die Kolonie, nach kurzem Fußweg erreichten wir ein kleines Terminal von dem aus eine Magnetschwebebahn die verschiedenen Bereiche der Kolonie ansteuerte. Es ging durch verschiedene landwirtschaftliche Produktionsbereiche, wir sahen Bereiche für Viehzucht von kleinen und großen Nutztieren, Ackerflächen für Getreide, Tee, Kräuter und Feldfrüchte sowie Kartoffeln, Plantagen für Früchte welche an Bäumen und Sträuchern wachsen sowie Nutzwälder welche ein qualitativ hochwertiges Holz lieferten. Verwalter Mangold erklärte der Gruppe die Besonderheiten der Pflanzenwelt auf Gliese 581g, auch warum das Blattwerk im Gegensatz zum Blattgrün auf der Erde hier von Farbtönen im Bereich zwischen braun und schwarz dominiert werden. Da Gliese 581 ein roter Zwergstern ist, enthält sein Licht auch weniger Blauanteile, um dennoch genügend Energie aus dem Licht für die Fotosynthese ziehen zu können bilden die Pflanzen auf Gliese 581g braune bis schwarze Blätter aus. Die Fahrt durch die Nutzwälder bot eine herrlich mystische Szenerie, Claudia begriff nun warum diese Wälder auch die schwarzen Wälder genannt wurden. Verwalter Mangold war besonders stolz auf das Holz welches in diesen Nutzwäldern geerntet wurde, er erklärte dass die Qualität des Holzes auf die hohe Schwerkraft des Planeten zurückzuführen ist. Die Bäume werden auf Gliese 581g nicht sehr hoch im Vergleich zu ihren irdischen Artgenossen, doch ihre Stämme sind wuchtig und sehr stabil.

Als wir alle agrarwirtschaftlichen Bereiche durchfahren hatte fragte Verwalter Mangold wer von der Gruppe denn seine gesammelten Eindrücke und Informationen in einem Vortrag mit den anderen teilen wollte, Claudia meldete sich daraufhin und begab sich in den vorderen Teil des Wagens welche uns durch die Kolonie fuhr. Sie erklärte warum die Qualität des Holzes aus den schwarzen Wäldern so hoch ist, was die Früchte von Feldern und Plantagen des Planeten so aromatisch macht, warum das Vieh aus der Kolonie so hochwertiges Fleisch liefert und auch warum die Kolonie ihrer Meinung nach so ein beliebtes Urlaubsziel ist. Verwalter Mangold war sichtlich begeistert von Claudias Vortrag, als wir wieder im Besucherbereich angekommen waren beglückwünschte er Claudia zu ihrem Vortrag und ihrer schnellen Auffassungsgabe. Yvette konnte sich ein schelmisches Grinsen darüber nicht verkneifen dass Claudia ihren Vater anscheinend tief beeindruckt hatte.

Wieder zurück auf der Far Horizon gaben wir unsere Schwerkraftanzüge die APS-Headsets ab und begaben uns zur Wissenschaftsstation, Claudia wollte wissen warum der Planet ein natürliches Chamäleonfeld besitzt. Yvette setzte sich an eine der Konsolen für die Sensoren und führte einen Scann des Planeten durch. Nachdem alle Daten gesammelt waren fragte sie Claudia was ihr an dem Planeten auffiel. Claudia betrachtete die Informationen welche die Sensoren über den Planeten lieferten und sagte: >>Sehr interessant, der Planet umrundet seinen Stern in der gleichen Zeit in der er einmal um die eigene Achse rotiert! Das bedeutet dass die Luft auf der permanenten Sonnenseite erwärmt wird, nach oben steigt und sich ausdehnt. Dabei verdrängt sie die oberen Luftschichten in Richtung der Schattenseite wo diese wieder abkühlen und ihrerseits die Luftschichten in den unteren Regionen der Atmosphäre verdrängen, diese wandern dann wieder zur Sonnenseite. Daher kommen auch die Luftwirbel mit der horizontalen Rotationsachse zwischen der Sonnen- und Schattenseite! Moment mal, da sind einige Mineralien in der Atmosphäre welche mit dem Magnetfeld des Planeten interagieren! Die mineralischen Partikel sind elektrisch leitend und leicht genug um mit den Luftströmungen zu treiben, dies führt zu einem sekundären Magnetfeld und die besonderen Eigenschaften der Partikel bilden eine Reflektionsschicht. Das Zusammenspiel aus Magnetfeldern und Reflektionen wirkt wie eine Art Tarnfeld!<< - >>Nicht schlecht für eine zivile Beobachterin von der Erde!<<, hörte man plötzlich eine Stimme, diese gehörte zu Leutnant Nicole Berghof, sie war die leitende Wissenschaftsoffizierin der Far Horizon.

Claudia drehte sich erschrocken um und Leutnant Berghof sagte: >>Es gibt keinen Grund erschrocken zu sein, die Orientierungswochen sind schließlich zur Orientierung zwischen den verschiedenen Berufsfeldern da.<< - >>Ich war einfach neugierig warum dieser Planet auf der Erde als „wahrscheinlich nicht existent“ bezeichnet wird.<<, antwortete Claudia. Leutnant Berghof lächelte und sagte: >>Ich weiß selbst wie verlockend es ist das neu erlangte Wissen aus der Neuralinduktion auszuprobieren, damals als Grundbildungsempfängerin im Neuralinduktionszentrum war ich auch begierig darauf neu erlangtes Wissen zu testen. Es ist jedoch auch wichtig dass das Gehirn das neue Wissen erst einmal verinnerlicht, man muss schließlich erst einmal den Unterschied zwischen induziertem Wissen und Fantasie kennenlernen.<< - >>Ich kann es noch immer nicht begreifen dass ich vieles verstehe was zuvor für mich noch unbekannt war.<<, antwortete Claudia. Wir unterhielten uns noch eine Weile mit Leutnant Berghof, sie erzählte uns von so mancher wissenschaftlichen Entdeckung und von den Erstkontakten an denen die Mannschaft der Far Horizon beteiligt war. Für Claudia war das alles sehr interessant, besonders die Geschichte vom Erstkontakt zu den Wächtern gefiel ihr.

Als wie die Wissenschaftsstation wieder verließen war es bereits 13:25, Claudia sagte: >>Wie doch die Zeit vergeht wenn man sich über interessante Themen unterhält!<< - >>Ich glaube Du könntest mit jedem Offizier auf diesem Schiff sprechen und Du würdest keine uninteressanten Geschichten zu hören bekommen, da würden Monate oder Jahre vergehen bis Du alle Geschichten gehört hast.<<, antwortete Yvette. Inzwischen hatten wir die Mannschaftsmesse erreicht, wir setzten uns an einen Tisch und bestellten uns etwas zum Mittagessen. Als Empfehlung stand ein großer Salatteller mit Eiern und ein Brokkoliauflauf mit Kartoffeln im Angebot, dazu bestellten wir uns je einen großen Trinkkrug blauen Honigwein, dann ließen wir es uns schmecken. Nach dem Essen fragte mich Claudia: >>Wie habt Ihr Euch beide eigentlich kennengelernt, Du und Yvette?<< - >>Ach das ging schnell, ich bin auf eine Annonce von Yvette gestoßen und wir haben uns verabredet. Kurz gesagt wir haben uns getroffen, es hat gefunkt und wir hatten Spaß zusammen und sind seit dem zusammen.<<, antwortete ich. Yvette fügte hinzu: >>Ein bisschen Spaß mit bindender Auswirkung, Herz und Verstand waren einverstanden und so wurden wir ein Paar.<< - >>Geil, Liebe auf den ersten Blick!<<, antwortete Claudia. Ich orderte uns noch drei Trinkkrüge blauen Honigwein und fragte Yvette: >>Weißt Du noch wie Du mir Flugstunden in einem zweisitzigen Kampfflieger gegeben hast?<< - >>Oh ja, das war auch ein Akt! Du bist geflogen als wäre das All voller Hindernisse mit denen Du jederzeit kollidieren könntest.<<, antwortete Yvette.

Yvette erzählte in allen Einzelheiten von meinen ersten Flugversuchen in einem Kampfflieger, ich musste selbst schmunzeln über das eine oder andere Detail. Claudia fragte: >>Und hatten die Flugstunden wenigstens einen Sinn, also hast Du eine Art Fluglizenz bekommen?<< - >>Ich hatte ja schon vorher eine Lizenz zum führen ziviler Kleinschiffe, durch Yvettes Flugstunden habe ich dann irgendwann die Überführungslizenz für Kampfflieger erhalten. Ich könnte und dürfte also einen Kampfflieger von einem Ort zum anderen fliegen.<<, antwortete ich. Yvette lachte und sagte: >>Du könntest sogar noch viel mehr. Darf ich Dich an den Wettbewerb für Kampffliegerpiloten auf Gliese 581g erinnern? Da haben Du und Jean Bork mich ganz schön alt aussehen lassen!<< - >>Ja das hat Spaß gemacht und Jean hat es bestimmt auch gefallen, zuvor war sie schließlich eine neurale Verbindung mit Ruby Ivanes eingegangen in der sie beide ihre gesamten Erfahrungen und Erinnerungen geteilt hatten.<<, antwortete ich. Claudia fragte Yvette: >>Das war sicher ein großer Schock?<< - >>Der kam erst bei der Siegerehrung, zuvor wusste ich nur dass zwei Piloten besser als ich abgeschnitten hatten. Auch wenn der gesamte Wettbewerb im Simulator stattfand, es war trotzdem ein herber Schlag für mein Selbstbewusstsein.<<, antwortete Yvette. Claudia fragte: >>Könnte ich das auch, ein Schiff fliegen? Ich meine ohne dass ich zuvor eine neurale Verbindung mit einem erfahrenen Piloten eingehe.<< - >>Wir haben einen Simulator hier an Bord, im Rahmen der Orientierungswochen spricht eigentlich nichts dagegen dass Du da mal vorbei schaust.<<, antwortete ich. Claudia sagte: >>Das wäre wirklich wunderbar, ich möchte das unbedingt ausprobieren!<< - >>Na dann solltest Du es tun!<<, antwortete Yvette.

Wir erhoben uns und ließen uns in die Räumlichkeiten der Geschwaderpiloten teleportieren, Yvette stellte ein einfaches Trainingsszenario zusammen und erklärte Claudia die Steuerung. Sie beschloss ein zweisitziges Simulationscockpit auszuwählen und für Claudia als Waffensystemoffizier zu fungieren damit sich Claudia voll auf die Steuerung konzentrieren konnte. Ich beschloss dieser Simulation nur als Beobachter beizuwohnen, als Flügelmann hätte ich Claudia vielleicht nur irritiert und als Waffensystemoffizier war Yvette eindeutig die bessere Wahl. Die Option des gegnerischen Piloten stand für mich nicht zu Debatte da Yvette und ich uns geschworen hatten niemals in einem simulierten Gefecht gegeneinander anzutreten. Dies hatte den Grund dass die Simulationen derart realistisch waren dass man mitunter vergaß, dass man eigentlich nur in einem Simulator sitzt. In dieser Situation ein Gefecht gegen einen Menschen zu bestreiten der einem etwas bedeutet kann erhebliche seelische Probleme verursachen. Yvette und Claudia kletterten in das Simulationscockpit und ich nahm in der Kabine für Instrukteure Platz, von dort aus übernahm ich die Aufgabe der An- und Abflugkontrolle sowie anderer Befehlshaber.

Die Simulation begann, Claudia machte sich langsam mit dem simulierten Schiff vertraut, ein Flugpfad musste von Claudia in einer vorgegebenen Zeit durchflogen werden. Das Steuern eines Kampffliegers schien ihr ziemlich gut zu gelingen, sie schaffte es den Flugpfad in der vorgeschriebenen Zeit zu durchfliegen. Der Schwierigkeitsgrad erhöhten sich von einer bestandenen Herausforderung zur nächsten, nachdem Claudia die Lektionen für die Flugkontrolle gelernt hatte ging es an anspruchsvollere Manöver. Es mussten Hindernisse umflogen werden um eine bestimmte Strecke zurückzulegen, ein Asteroidenfeld war dafür die Standardherausforderung. Yvette schien Claudia auch hier wertvolle Tipps zu geben, Claudia bewältigte auch diese Herausforderung in verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Nach diesen Lektionen folgte das Waffentraining, verschiedene bewegliche und unbewegliche Ziele mussten mit so wenig Feuerstößen wie möglich zerstört werden. Hier zeigte sich dass Claudia offensichtlich Talent hatte, ihre Genauigkeit beim Zielen war ziemlich hoch bei den unbeweglichen Zielen. Bei den beweglichen Zielen musste sich Claudia jedoch erst einmal an die neue Situation gewöhnen. Schließlich folgten die Gefechtsübungen mit ständig anspruchsvoller werdenden simulierten Gegnern. Vermutlich ging es dabei im Cockpit hoch her wenn Yvette ständig meldete aus welcher Richtung der nächste Gegner kam, Claudia gab jedenfalls alles um so viele Gegner wie nur möglich zu eliminieren.

Claudia hatte zusammen mit Yvette viel Zeit verbracht, als sie wieder aus dem Simulationscockpit stieg rieb sie sich die Augen und sagte: >>Es ist erstaunlich, man vergisst komplett dass man in einem Simulator sitzt!<< - >>So sollte es auch sein, so realistisch wie möglich.<<, antwortete Yvette. Während wir zum Liftzugang gingen fragte mich Claudia: >>Warum sind Du und Yvette eigentlich keine neurale Verbindung eingegangen, hätte sich das nicht auf Deine Flugstunden ausgewirkt?<< - >>Das haben wir erst später gemacht, Yvette wollte es sich anscheinend nicht nehmen lassen mir etwas auf die traditionelle Art beizubringen.<<, antwortete ich. Yvette lachte und sagte: >>Du hättest mich nur fragen brauchen, ich hätte nichts dagegen gehabt.<< - >>Hätte ich gewusst dass Dir diese Möglichkeit zur Verfügung steht, hätte ich gleich gefragt.<<, antwortete ich.

Wir fuhren zu Ebene der Mannschaftsquartiere und begaben uns in Yvettes Quartier, dort sagte Yvette: >>So Claudia, Du hast Dich noch immer nicht entschieden wo Du als Bürgerin unserer Republik Deinen permanenten Wohnsitz haben willst. Zwar kannst Du Dir auch einen Wohnsitz zuweisen lassen wenn es Dir egal ist wo Du Dein permanentes Quartier bekommst, aber ich denke es ist besser wenn Du Dir eine Heimat aussuchst.<< - >>Ja ich habe schon den ganzen Tag überlegt wo ich hinziehen will, die Marskolonie erscheint mir als die beste Alternative zur Erde. Auf Gliese 581g müsste ich mich erst an die höhere Schwerkraft anpassen wenn ich nicht im Besucherbereich leben möchte und für ein Leben auf einer Raumstation bin ich noch nicht bereit, außerdem möchte ich zu den ersten Menschen gehören welche die Marsoberfläche nach der abgeschlossenen Umwandlung der Biosphäre betreten. Dazu kommt noch dass es mit einem Linienschiff von P.T.N. nur wenige Sekunden dauert um zur Erde zu gelangen, so kann ich schneller meine alte Heimat besuchen.<<, antwortete Claudia. Ich sagte: >>Das sind stichhaltige Argumente, dazu käme noch das Wissen dass Du auf einem Planeten lebst welche auf der Erde für unbewohnt und tot gehalten wird. Dank des Chamäleonfeldes um den Mars herum wird dies auch noch eine ganze Weile so bleiben.<< - >>Und Du könntest täglich den Fortschritt der Biosphärenumwandlung verfolgen.<<, fügte Yvette hinzu. Claudia erwiderte: >>Dann soll es so sein, die Marskolonie wird meine neue Heimat.<< - >>Dann kannst Du das gleich im administrativen Bereich des Flottennetzwerks eintragen bevor man Dich wo anders einquartiert.<<, sagte Yvette. Sie aktivierte das Display an der Wand ihres Wohnbereichs und Claudia wählte sich mit ihrem Kommunikationsarmband ins Flottennetzwerk ein. Im administrativen Bereich trug sie ihre neue Wunschadresse ein und als sie diese bestätigte erschien ein Hinweis dass es dort verfügbare Quartiere gab und eines davon für sie gebucht war.

Nach der Registrierung der neuen permanenten Heimatadresse fragte Claudia: >>Wie lange dauert es bis ich mein Quartier beziehen kann?<< - >>Mal sehen, zur Zeit sind Orientierungswochen und es gibt viele Umzüge in der Republik. Die Zuweisung eines Quartiers inklusive der dortigen Bereitstellung des Standardbekleidungssortimentes dürfte maximal etwa drei Stunden dauern.<<, antwortete Yvette. Claudia fragte: >>Drei Stunden, das ist ein Scherz oder?<< - >>Nein, das ist die normale Vorgangsdauer in Zeiten mit hoher Wechselrate bei den Quartieren.<<, antwortete Yvette. Ich fügte hinzu: >>Wenn wir wieder im Sonnensystem ankommen hast Du vielleicht schon Dein eigenes Quartier auf dem Mars.<< - >>Wird sich mein Quartier in der Größe von meinem jetzigen auf der Far Horizon unterscheiden?<<, fragte Claudia. Ich antwortete: >>In der Größe nicht, lediglich in der Ausstattung. Die Quartiere auf Raumstationen und in planetaren Kolonien besitzen keine Teleporterstation für Nahrungsmittel und kleine Gegenstände, dafür haben sie einen kleinen Speisen- und Lieferaufzug.<< - >>Ich frage nur falls ich meine Familie mal zu Besuch empfangen oder sogar nachholen möchte.<<, erwiderte Claudia. Ich sagte: >>Dann gehe mal auf das Feld „Folgerekrutierung“ und gibt dort die Anzahl der nachzuholenden Familienmitglieder ein, anschließend machst Du einen Haken bei potentiell wenn Du noch nicht weißt ob Du wirklich jemanden nachholst.<< - >>Du kannst den Vermerk jederzeit von potentiell auf real ändern, dann wird die Folgerekrutierung veranlasst.<<, fügte Yvette hinzu.

Nachdem wir Claudia erklärt hatten dass der Begriff Folgerekrutierung nur ein Umgangssprachlicher Begriff aus dem Flottenalltag ist, trug sie die entsprechende Zahl der Familienmitglieder ein und setzte den Haken bei dem Vermerk „potentiell“, anschließend speicherte sie die eingegebenen Daten und meldete sich wieder aus dem Flottennetzwerk ab. Ich sagte: >>Herzlichen Glückwunsch, jetzt bist Du offiziell eine von uns Claudia.<< - >>Ja willkommen in der terranisch interstellaren Republik!<<, fügte Yvette hinzu. Claudia antwortete: >>Danke Leute, das ist echt nett von Euch!<< Yvette ging zur Teleporterstation und bestellte drei große Trinkkrüge blauen Honigwein und wir setzten uns auf die Couch und stießen auf Claudias neue terranisch interstellare Bürgerschaft an. Claudia holte ihr Smartphone aus der Tasche und sagte: >>Das kann ich hier oben ja wohl vergessen, ich glaube auch nicht dass der Mars ein Handynetz hat welches mit meinem Telefon kompatibel ist.<< - >>Du kannst Dir das Gerät mit einem Bridgehead-Adapter nachrüsten lassen, dann kannst Du es hier oben dank der Quantenverschränkung benutzen als wärst Du auf der Erde, Du kannst dann damit aber nur zur Erde telefonieren und im irdischen Internet surfen. Eine bessere Wahl wäre es wenn Du Dir ein Gerät beschaffst welches von Hause aus für unseren Kommunikationsstandard ausgelegt ist, die X-Serie von Nanotech wäre da eine gute Wahl.<<, antwortete Yvette. Claudia sagte: >>Nanotech, das klingt so ähnlich wie Nanotex.<< - >>Ja weil sie mit Nanotechnologie beziehungsweise Nanofasern arbeiten. Während Nanotex tolle Klamotten mit allerhand Funktionen anbietet, gibt es bei Nanotech die tollen Spielzeuge welche das Leben leichter machen. Das X-Pad 3.0s bietet sogar ein Laufwerk für irdische SIM-Karten.<<, erklärte ich. Yvette sagte: >>Ich habe noch ein altes X-Pad 3.0s, das liegt bei mir eh nur herum. Wenn Du es haben willst Claudia dann gebe ich es Dir.<< - >>Wirklich? Das wäre toll, dann wäre ich in der Lage mit Euch und mit meinen Freunden auf der Erde zu kommunizieren!<<, antwortete Claudia. Yvette ging kurz in den Schlafbereich ihres Quartiers und holte das Gerät.

Nachdem Yvette Claudias SIM-Karte in dem Gerät installiert und ein Backup ihres alten Smartphones auf dem X-Pad aufgespielt hatte sagte sie: >>Hier ist Dein Quantumbridge-fähiges Smartphone, es unterstützt sowohl die irdischen Handynetze als auch unseren Standard.<< - >>Oh danke Yvette!<<, rief Claudia. Yvette lächelte und sagte: >>Nicht dafür, es lag bei mir eh nur herum seid ich das 5.0s habe. Es hat zwar kein Holodisplay, aber es ist noch immer eines der am meisten genutzten Geräte in der Republik. Ein Netzteil brauchst Du auch nicht, das Gerät hat eine endotherme Energieversorgung.<< - >>Das ist ja genial, es zieht Wärme aus der Umgebung und wandelt diese in elektrische Energie um!<<, erwiderte Claudia. Ich sagte: >>Jetzt bist Du wieder online und Du kannst die planetaren Informationsnetzwerke der gesamten Republik und das Flottennetzwerk nutzen. Das ist eine Mischung aus Deinem Kommunikationsarmband und dem Display dort an der Wand, es hat sogar eine Halterung mit der Du es an Deinem Kommunikationsarmband befestigen kannst.<< - >>Klasse, dann habe ich es immer am Handgelenk und kann jederzeit drauf schauen.<<, erwiderte Claudia.

Um den Rest des Tages noch etwas zu nutzen ließen wir uns in den Besucherbereich der Kolonie auf Gliese 581g teleportieren, wir fuhren mit dem Lift zur Aussichtsplattform an der Spitze eines der Wohntürme wo Claudia fast die gesamte Kolonie überblicken konnte. Von dort aus konnte man den Raumhafen des Besucherbereichs sehen und die verschiedenen kleinen Schiffe welche dort starteten und landeten. Claudia betrachtete die Szenerie neugierig, immer wieder erinnerte sie das was sie sah an Filme und Serien welche sie gesehen hatte. Mit der AR-Funktion ihres neuen X-Pads suchte Claudia den Himmel ab um die Position und Entfernung verschiedener Sternensysteme und Schiffe zu ermitteln deren Namen ihr per Einblendung in das Kamerabild angezeigt wurden. Sie verfolgte die startenden Schiffe und schaute in welche Richtung diese sprangen um ihr Reiseziel daraus abzuleiten. Schließlich hatte sie das Sonnensystem mit der Erde entdeckt und war überrascht dass es knapp über 20 Lichtjahre entfernt war und wie sehr der Sprungantrieb die Galaxis scheinbar zusammenschrumpfen ließ.

So verging die Zeit, es gab so viel zu sehen und zu staunen für Claudia. Am frühen Abend kehrten wir auf die Far Horizon zurück, etwa eine Stunde später verließ das Schiff den Orbit von Gliese 581g und sprang in Richtung unseres Sonnensystems. Von den vielen neuen Eindrücken war Claudia sichtlich erschöpft und sie gönnte sich einen Neurobooster mit Erdbeergeschmack in der Mannschaftsmesse. Nach dem ersten Schluck sagte sie: >>An diese Alternative zum Kaffee könnte ich mich gewöhnen, kaum zu glauben dass es das Zeug in allen möglichen Geschmacksrichtungen gibt.<< - >>Ja die synthetisierten Aromen können frei ausgewählt werden und haben keinerlei Nebenwirkungen, außer Du wählst eine die Du gar nicht magst.<<, erwiderte ich. Claudia verzog das Gesicht und fragte: >>Gibt es etwa auch Thunfischgeschmack?<< - >>Nur wenn Du willst aber ich bin mir sicher dass Du das nicht willst.<<, antwortete ich lachend. Wir verbrachten den ganzen Rest des Abends in der Mannschaftsmesse und Yvette erzählte Geschichten aus dem Alltag beim Kampffliegergeschwader, Geschichten erzählen konnte sie wirklich gut. Claudia hörte gebannt zu, für sie war das wie ein Sciencefiction-Hörspiel. Als die Far Horizon im Sonnensystem eintraf und in den Orbit des Neptun einschwenkte war es kurz nach Zwanzig Uhr. Trotz der etlichen Neurobooster mit verschiedensten Geschmacksrichtungen forderte die Müdigkeit ihren Tribut von Claudia. Schließlich verabschiedete sie sich und ließ sich in ihr Quartier teleportieren.

Yvette und ich folgten Claudias Beispiel kurz darauf, nachdem ich in meinem Quartier angekommen war schaute ich noch eine halbe Stunde den Flottennachrichtenkanal und begab mich dann in den Schlafbereich meines Quartiers. Es war ein ereignisreicher Tag, nicht nur für Claudia, auch ich kam nicht oft aus dem Sonnensystem heraus und die vielen ungewöhnlichen Eindrücke waren auch für mich sehr ermüdend. Manchmal beneidete ich meinen Bruder Handrij, als Pilot beim Passagiertransfernetzwerk kam er viel herum und sah die verschiedensten Sternensysteme und Planeten aus der Nähe. Doch auf der anderen Seite war da der Schichtdienst und die unterschiedlichen Dienstzeiten welche die innere Uhr ganz schön durcheinander bringen konnten. Wenn ich daran dachte war ich froh über den Berufsalltag eines Stationsverwalters mit festen Arbeits- und Sprechzeiten. Dennoch, die Teilnahme am Arbeitnehmeraustauschprogramm hatte mir gefallen, als vorübergehender Passagierbegleiter hatte ich vieles gesehen und erlebt. Beim nächsten Austauschprogramm würde ich mich für eine Stelle als Rekrutierungsassistent registrieren, es machte mir großen Spaß Leute von der Erde in unsere Gesellschaft einzuführen. Mit diesen Gedanken schlief ich letztendlich ein.

Eine neue Welt

Es war kurz nach neun Uhr als ich wach wurde, ich nahm mein X-Pad in die Hand und schaute ob es was neues im Flottennetzwerk gab. Claudia hatte einen Beitrag erstellt in dem sie ihren neuen Wohnsitz feierte. Anscheinend hatte sie sich durch die Netzwerkpräsenz der Marskolonie gelesen und sämtliche Vorteile der Kolonie in einem Beitrag zusammengefasst, so viel Euphorie war in diesem Beitrag zu lesen. Nachdem ich Claudias Beitrag mit 5 Sternen bewertet hatte machte ich mich an meine Morgenroutine und zog mich für den Tag an. Als ich mich gerade vor das große Display in die Sitzecke setzen wollte ging ein Sprechwunsch von Claudia ein, ich stellte die Verbindung her und fragte: >>Was gibt’s Claudia?<< - >>Ich wollte zur Marskolonie fliegen und meinen Rollkoffer in mein neues Quartier bringen. Willst Du mitkommen?<<, erwiderte Claudia. Ich antwortete: >>Okay, ich bin dabei!<< - >>Prima, sag mir einfach wann Du los willst!<<, erwiderte Claudia. Ich sagte: >>Frühstücken kann ich auch in der Marskolonie, also jetzt.<< - >>Okay, womit fliegen wir?<<, fragte Claudia. Ich antwortete: >>Da ich kein eigenes Schiff habe können wir ja mit einem Linienschiff von P.T.N. fliegen, dann lernst Du gleich mal unsere öffentlichen Verkehrsmittel kennen. Lass Dich auf die Neptun-Hoststation teleportieren, wir treffen uns auf der oberen Aussichtsplattform!<< - >>Alles klar, bis gleich!<<, antwortete Claudia und trennte die Verbindung. Ich wartete nicht lange und ließ mich auf die Neptun-Hoststation hinüber teleportieren.

Nach meiner Ankunft auf der oberen Aussichtsplattform schaute ich mich um, Claudia stand in der Nähe der Liftzugänge. Als wir uns begrüßt hatten fragte ich: >>Was ist mit Yvette, will sie nicht mitkommen?<< - >>Sie hat wohl etwas zu erledigen, jedenfalls ist sie nicht an Bord der Far Horizon laut der Aussage von Alice.<<, antwortete Claudia. Ich erwiderte: >>Ist ja nicht so schlimm, dann fliegen wir beide eben zum Mars.<< - >>Ja ich bin schon gespannt.<<, antwortete Claudia. Wir fuhren mit dem Lift zur Transferstation von P.T.N. und schauten wann ein Schiff ins innere Sonnensystem abflog. Das nächste Schiff in Richtung Erde mit Aufenthalt am Uranus-Flottendock und im Marsorbit sollte in wenigen Minuten bei der Neptun-Hoststation ankommen. Wir gingen an den Tresen wo Claudia ganz routiniert ihr Kommunikationsarmband über den Sensor in der Oberfläche hielt und zu dem Mitarbeiter sagte: >>Zwei Personen zur Marskolonie mit dem nächsten Linienschiff bitte!<< - >>Ihre Registrierung wurde durchgeführt, das Schiff kommt in drei Minuten an. Gute Reise!<<, antwortete der Mitarbeiter. Claudia bedankte sich und wir begaben uns in den Wartebereich.

Schließlich begann der Passagierwechsel unseres Schiffes, wir begaben uns zur Boardingplattform und wurden an Bord des Linienschiffes teleportiert. Nachdem wir an Bord des Schiffes waren schaute sich Claudia in dem geräumigen Großraumabteil um, sie sagte: >>Das ist wirklich wie die großen Fährschiffe auf der Erde, kein Vergleich mit einem Bus!<< - >>Ja man könnte die Schiffe auch als Fährschiffe bezeichnen, schließlich bringen sie im Linienbetrieb Passagieren von einem Lebensraum zum anderen.<<, antwortete ich. Wir setzten uns an einen Tisch und warteten auf den Abflug aus dem Orbit, Claudia schaute durch das Fenster auf die Neptun-Hoststation welche neben dem Schiff zu sehen war. Schließlich war es soweit, das Schiff verließ den Orbit, Claudia freute sich dass es endlich los ging. Der Sprung erfolgte und gleich darauf hatten wir den Orbit des Uranus erreicht, anschließend stoppte das Schiff neben dem Flottendock und begann erneut mit dem Passagierwechsel. Claudia sagte etwas enttäuscht: >>Da dauert ja der Passagierwechsel länger als die Reise von einem Planeten zum anderen!<< - >>Ja bei interplanetaren Flügen ist die Flugzeit kürzer als das Boarding, interessant wird es erst bei interstellaren Flügen.<<, antwortete ich.

Nach einer gefühlten Ewigkeit für Claudia, welche nur zehn Minuten gedauert hatte verließ das Schiff den Orbit des Uranus wieder und sprang in den Marsorbit. Als der Sprung vollendet war sagte ich zu Claudia: >>Na komm, hier ist unsere „Haltestelle“!<< - >>Das ging ja wirklich schnell, wenn man von hier zur Erde genau so schnell reist wie vom Uranus hierher, dann ist das ja schon fast um die Ecke.<<, erwiderte Claudia. Ich nickte und wir begaben uns zum Teleporter, kurz darauf standen wir in der Transferstation der Marskolonie auf der Boardingplattform. Wir begaben uns zum Liftzugang und ich sagte zu Claudia: >>Sag dem Liftsystem einfach dass Du zu deinem Quartier möchtest!<< - >>Zu meinem Quartier!<<, sagte Claudia nachdem sie ihr Kommunikationsarmband an die Liftkonsole gehalten hatte. Wir mussten nicht lange auf den Lift warten und die Fahrt dauerte auch nicht sehr lange, dann standen wir in einem kleinen Flur mit zwei Türen. Beide waren mit Nummern versehen, Claudia schaute auf ihr X-Pad welche Nummer ihr Quartier hatte und hielt dann ihr Kommunikationsarmband an den Sensor von einer der beiden Türen, diese öffnete sich daraufhin. Wir betraten das Quartier, Claudia schaute sich um und sagte: >>Tatsache, es sieht genau so aus wie auf der Far Horizon, nur dass dort wo die Fenster sein müssten Displays sind!<< - >>Irgendwann wird es auch Quartiere an der Oberfläche geben, übrigens die Schwerkraft auf dem Mars ist eigentlich viel geringer als Du sie jetzt spürst, die Kolonie hat zusätzliche künstliche Schwerkraft um ähnliche Lebensbedingungen wie auf der Erde zu bieten.<<, erklärte ich. Claudia schaute in den Kleiderschrank, ein komplettes Grundsortiment an Kleidung in ihrer Größe befand sich darin, sie stellte den Rollkoffer neben den Schrank und sagte: >>Jetzt wo das hier erledigt ist, sollten wir erst einmal was frühstücken.<< - >>Ich bin dabei, lass mal sehen ob es was interessantes im Angebot gibt<<, antwortete ich und folgte Claudia zum Liftzugang.

Der Gastronomische Bereich der Marskolonie war in den letzten Jahren erst erweitert worden und ähnelte jetzt einem Atrium, ein großer runder Raum von dessen Zentrum sich die Tische mit geräumigen Gängen dazwischen sternförmig bis zu den Rändern ausdehnten. Wir setzten uns und sichteten das Angebot, ich entschied mich für eine gesüßte Mehlcremesuppe mit Früchten und für einen Feuertee. Claudia fragte: >>Wie ist die Mehlcremesuppe, kann man die empfehlen?<< - >>Es ist eine süße Mehlspeise, von der Konsistenz ist sie Grießbrei ähnlich, schmeckt aber gut und ist sehr nahrhaft.<<, antwortete ich. Claudia bestellte sich daraufhin auch eine Mehlcremesuppe mit Früchten und eine Neurobooster mit Kakiaroma. Ich fragte: >>Du willst unbedingt alle Geschmacksrichtungen durch probieren oder?<< - >>Nicht alle, Thunfisch lasse ich weg!<<, antwortete Claudia lachend. Nach einigen Minuten kam der kleine Servierwagen mit unserem Frühstück an, wir stellten alles auf den Tisch und ließen es uns schmecken.

Nach dem Essen fragte ich: >>Und was denkst Du, wirst Du Dich hier wohl fühlen?<< - >>Aber hundertprozentig, das hier ist kein Vergleich zu meiner bisherigen Wohnsituation!<<, antwortete Claudia. Ich fragte: >>Du kommst aber wieder mit auf die Far Horizon?<< - >>Ja, schließlich sind die Orientierungswochen noch nicht um!<<, antwortete Claudia. Dann fragte sie: >>Welche Tätigkeitsbereiche stehen heute auf dem Programm?<< - >>Es gibt kein festes Programm, jeder kann dort vorbei schauen wo er will. Alle Bereiche nehmen an den Orientierungswochen teil.<<, erklärte ich. Claudia stellte die Teller und Trinkgefäße auf den Servierwagen welchen ich zur Abholung des Geschirrs herbei beordert hatte und sagte: >>Dann sehen wir uns nochmal auf der Far Horizon um, als Kontaktperson für die Wächter könnte ich bestimmt auch einem Schiff zugeteilt werden.<< - >>Das Leben an Bord eines Raumschiffes hat Dir wohl gefallen?<<, fragte ich. Claudia lächelte und antwortete: >>Es ist eher das Reisen zu neuen Orten und neuen Herausforderungen was mich interessiert.<< - >>Ich verstehe Dich, wenn Du als Kontaktperson für die Wächter irgendwo hin reisen musst, wird Dir natürlich ein Transitschiff inklusive Piloten gestellt. Auf diese Weise bist Du flexibler wenn es darum geht entlegene Orte zu erreichen.<<, sagte ich. Wir verließen den gastronomischen Bereich und begaben uns zurück zur Transferstation, diesmal gab Claudia direkt die Far Horizon als Reiseziel an. Als wir im Wartebereich auf unser Schiff warteten sagte ich: >>Das war taktisch klug direkt die Far Horizon als Flugziel auszuwählen, so kann uns das Schiff gleich auf die Far Horizon teleportieren wenn wir im Neptunorbit angekommen sind.<< - >>Ja so habe ich es mir gedacht, schließlich sind Orientierungswochen und wir sind Passagiere der Far Horizon.<<, antwortete Claudia.

Unser Linienschiff erreichte den Orbit des Mars und wir wurden an Bord teleportiert, diesmal setzte sich Claudia an eines der Fenster welche dem Planeten zugewandt waren um die grünen Ebenen des Mars noch einmal zu betrachten. Sie sagte staunend: >>Es ist unfassbar dass man das alles von der Erde aus nicht sieht, nur innerhalb einer Entfernung von drei Lichtsekunden!<< - >>Na was meinst Du was auf der Erde los wäre wenn man von dort aus den Mars so sehen könnte wie er wirklich ist?<<, fragte ich lachend. Claudia grinste nur als Antwort. Die Reise zum Neptun war kurz und schließlich wurden wir wieder auf die Far Horizon teleportiert. Als wir gerade den Teleporterraum verließen ging ein Sprechwunsch von Yvette bei mir ein, ich stellte die Verbindung her und fragte: >>Was gibt’s Yvette?<< - >>Wo wart Ihr denn? Da bin ich mal kurz auf der Neptun-Hoststation und als ich wieder zurückkomme seid Ihr nicht mehr an Bord der Far Horizon!<<, erwiderte Yvette. Ich antwortete: >>Wir waren in der Marskolonie mit freundlicher Unterstützung von P.T.N., Claudia hat ihren Rollkoffer in ihr neues Quartier gebracht.<< - >>Alles klar, dann kommt mal in den Hangar der Wissenschaftsstation! Ein Ausflug zum Hauptquartier auf der Erde erwartet Euch, das dürfte Claudia bestimmt interessieren.<<, antwortete Yvette und trennte die Verbindung wieder. Claudia schaute mich an und fragte: >>Wusstest Du davon?<< - >>Nein, ich hatte keine Ahnung. Hast Du andere Pläne?<<, erwiderte ich. Claudia sagte: >>Nein im Gegenteil, das Hauptquartier will ich unbedingt sehen!<< - >>Alles klar, na dann auf zum Hangar!<<, sagte ich.

Yvette wartete schon im Hangar der Wissenschaftsstation vor einem Transitschiff, Claudia schaute das Transitschiff an und sagte: >>Das ist ja mal ein handliches kleines Schiff!<< - >>Es bietet Kapazität für den Transport und die Versorgung von fünf Personen und ist sowohl für kurze Transits als auch für längere Forschungseinsätze geeignet.<<, erklärte Yvette. Wir gingen an Bord des Schiffes und Yvette traf die Startvorbereitungen, nachdem die Luftschleuse geschlossen und die Starterlaubnis erteilt war flog Yvette uns aus dem Hangar. Ich sagte zu Claudia: >>Du solltest Dich vielleicht besser hinsetzen.<< - >>Keine Sorge, ich habe nicht vor die Trägheitskompensation abzuschalten!<<, erwiderte Yvette. Ich sagte: >>Nein aber wir fliegen zum Hauptquartier und wenn wir den üblichen Weg nehmen dann wird es Claudia umhauen.<< - >>Okay, dann setze ich mich mal lieber.<<, antwortete Claudia. Yvette hatte die Sprungvorbereitungen getroffen und fragte: >>Alles bereit für den Sprung?<< - >>Sprungantrieb ein!<<, sagte Claudia nachdem ich ihr ein Zeichen gegeben hatte. Yvette führte daraufhin den Sprung aus, kurz darauf befanden wir uns in der Nähe des Erdmondes, die Erde lag etwas weiter weg. Yvette setzte Kurs auf den Mond und Claudia fragte: >>Wollten wir nicht zum Hauptquartier auf der Erde?<< - >>Ja das ist richtig.<<, antwortete Yvette mit schelmischem Unterton. Claudia erwiderte: >>Das da ist der Mond, worauf Du zufliegst.<< - >>Auch das ist richtig.<<, antwortete Yvette wiederum in diesem schelmischen Tonfall. Ich sagte zu Claudia: >>Ich glaube dass Dich die Rückseite des Mondes interessieren dürfte.<< - >>Oh, Okay!<<, antwortete Claudia.

Als wir uns dem Mond näherten übermittelte Yvette den Befehl welcher das Quantenportal aktivierte, Claudia schaute verdutzt auf die Oberfläche des Mondes wo sich das Quantenportal befand und fragte: >>Ist das ein Hangartor?<< - >>Sowas ähnliches.<<, antwortete Yvette und flog durch das Quantenportal. Nachdem wir den Hangar erreicht hatten und uns einer der Andockstellen näherten sagte Claudia: >>Ich fasse es nicht, eine Basis auf dem Mond!<< - >>Nein nicht auf dem Mond sondern auf der Erde, besser gesagt unter der Erdoberfläche.<<, antwortete ich. Claudia fragte: >>Auf der Erde, wo denn genau?<< - >>I derf Di jetzt offiziell im Untergrund von München willkommen heissa und Dir a fröhliches „Grüß Gott“ zurufa.<<, antwortete ich mit meinen begrenzten Kenntnissen des bayrischen Dialekts. Inzwischen hatte Yvette das Transitschiff angedockt und fragte: >>Na wie wäre es mit einer Führung?<< - >>Ja natürlich gerne!<<, antwortete Claudia. Wir verließen das Transitschiff und steiften durch die Gänge. Claudia sagte: >>Hier sieht es aus wie in der Marskolonie!<< - >>Ja die Bauweise ist die selbe und vor noch nicht allzu langer Zeit war das Hauptquartier kurzzeitig in der Marskolonie beheimatet.<<, antwortete ich. Yvette fügte hinzu: >>Zum Glück ist dieser Komplex nur durch ein Quantenportal mit der Außenwelt verbunden welches nur durch die Signatur der Nanobots der Immun- und Heilungsunterstützung aktiviert wird. So kann kein Außenstehender diesen Komplex betreten.<< - >>Dazu kommt dass das Quantenportal als solches nicht zu erkennen ist, es sieht aus wie eine gewöhnliche Wand. Nur Personen mit der Immun- und Heilungsunterstützung und Personen in deren Begleitung können durch diese scheinbare Wand hindurchgehen.<<, fügte ich hinzu. Claudia fragte: >>Was ist denn über uns?<< - >>Ein unscheinbares Bürogebäude im Münchner Georg-Brauchle-Ring, nichts besonders auffälliges.<<, antwortete ich.

Nach unserer Besichtigungstour durch das Hauptquartier erreichten wir den zentralen Empfangsbereich des administrativen Komplexes von Erdraumflotte und terranisch interstellarer Republik, Claudia schaute sich um und sagte: >>Hier gibt es auch eine Botschaft der terranisch interstellaren Republik und eine Transferstation von P.T.N.!<< - >>Selbstverständlich, schließlich leben und arbeiten auch Angehörige von Flotte und Republik auf der Erde. Diese brauchen doch eine qualifizierte Vertretung und Verkehrsanbindung zum Rest der Republik<<, erwiderte Yvette. Claudia schaute sich genau an welche Möglichkeiten das Hauptquartier der Erdraumflotte bot, die Freizeit- und Kultureinrichtungen waren mit denen auf der Neptun-Hoststation vergleichbar und auch die Büros und Quartiere welche wir besichtigten waren gleichwertig mit denen in anderen orbitalen und planetaren Lebensräumen.

Nachdem wir den gesamten Nachmittag bis in die frühen Abendstunden im Hauptquartier der Erdraumflotte verbracht hatten flogen wir zurück zur Far Horizon, diese lag immer noch im Orbit des Neptun neben der Neptun-Hoststation. Claudia war sichtlich beeindruckt von den Ereignissen der vergangenen Stunden, als wir wieder im Hangar der Wissenschaftsstation waren sagte sie: >>Ich weiß immer noch nicht wie ich Euch danken soll, dafür dass Ihr mir das alles gezeigt habt.<< - >>Ach was, es gehört zu unseren Aufgaben vielversprechenden Kandidaten für den Dienst bei der Flotte oder in der Republik unsere Gesellschaft näher zu bringen. Wenn es Dir gefallen hat ist das schon Dank genug.<<, antwortete Yvette. Ich fügte hinzu: >>Es tat gut Dich mal richtig staunen zu sehen.<< - >>Staunen ist noch eine Untertreibung, ich bin hin und weg von dem was ich gesehen habe!<<, erwiderte Claudia. Wir ließen uns in die Mannschaftsmesse teleportieren denn wir waren der Meinung, dass auch dieser Tag begossen werden musste. Bis spät am Abend saßen wir mit Claudia am Tisch und erzählten Geschichten von unseren Erlebnissen im Laufe unseres Berufslebens. Die Situation war vergleichbar mit der Szenerie in alten irdischen Hafenkneipen wo Seeleute ihren Kameraden von ihren Abenteuern berichteten. Es war kurz vor Mitternacht als wir unsere Gesprächsrunde auflösten, wir hatten jeder sechs große Trinkkrüge blauen Honigwein intus von denen jeder einen halben Liter fasste. Glücklicherweise war blauer Honigwein kein Getränk mit echtem Alkohol sondern nur eines mit sogenanntem Safe-Alk welcher nur den Geschmack von Alkohol hatte, jedoch nicht die Wirkung.

Wir verabschiedeten uns und ließen uns in unsere Quartiere teleportieren, ich musste erst einmal den Sanitärbereich aufsuchen nachdem ich mein Quartier erreicht hatte, die drei Liter blauer Honigwein waren wohl durchgelaufen und wollten nun wieder raus. Nach dieser Erleichterung beschloss ich schlafen zu gehen, ich machte mich für die Nacht fertig und kroch in mein Bett. Auch diesen Abend grübelte ich noch eine Weile bevor ich einschlafen konnte, über die möglichen ersten Eindrücke von Personen welche zukünftig noch als Bürger der terranisch interstellaren Republik aufgenommen werden und den Dienst bei der Flotte oder bei einem anderen Unternehmen der Republik antreten. Was man verbessern könnte damit der Kontakt mit unserer Technologie und unserer Lebensweise nicht so ein Kulturschock für neue Mitbürger ist, ob man die Orientierungswochen vielleicht im Hauptquartier veranstalten sollte oder ob man vielleicht die Autoren einer neuen Sciencefiction-Serie mit Informationen versorgen sollte welche die Menschen an unsere Lebensweise und Technologie langsam gewöhnen. Auch stellte ich mir die Frage wie man mit bemannten Expeditionen von der Erde zum Mars verfahren sollte, sobald sich diese auf weniger als drei Lichtsekunden dem Mars annäherten würden sie sehen wie der Planet wirklich beschaffen ist. Natürlich war es nicht meine Aufgabe darüber zu entscheiden aber diese Fragen beschäftigten mich dennoch. In einem war ich mir jedoch völlig sicher, ein Großteil der Menschheit auf der Erde war noch lange nicht soweit dass wir uns ihnen offenbaren konnten.

Gute Aussichten für die Zukunft

So gegen halb neun wurde ich wach und rollte mich aus dem Bett, nach der morgendlichen Routine hatte ich mich für den Tag fertig gemacht und mich in die Sitzecke vor das Display gesetzt. Im Flottennachrichtenkanal lief eine Zusammenfassung der Ereignisse der letzten Nacht, jedoch nichts besonderes. Gegen 9:10 ging ein Sprechwunsch von Kapitän Tönnigs bei mir ein, ich stellte die Verbindung her und sagte: >>Sprechen Sie!<< - >>Verwalter Sella, ich habe um zehn Uhr eine Abschlussbesprechung der Orientierungsphase der von Ihnen vorgeschlagenen Kandidatin anberaumt, ich kann mir vorstellen dass Sie vielleicht dabei sein möchten.<<, antwortete Kapitän Tönnigs. Ich erwiderte: >>Danke Kapitän Tönnigs, natürlich möchte ich dabei sein.<< - >>In Ordnung, Tönnigs Ende!<<, sagte Kapitän Tönnigs und trennte die Verbindung. Ich ließ mich in die Mannschaftsmesse teleportieren um vor dem Beginn der Besprechung noch etwas zu essen. Ich setzte mich an einen Tisch und bestellte mir mein Frühstück, eine Portion belgische Waffeln mit Puderzucker und dazu einen Feuertee.

Während meines Frühstücks ging ein Sprechwunsch von Claudia bei mir ein, ich stellte die Verbindung her und sagte: >>Guten Morgen! Ich bin in der Mannschaftsmesse, Kapitän Tönnigs hat mir den Termin für Deine Abschlussbesprechung bereits genannt.<< - >>Alles klar, ich bin gleich da!<<, antwortete Claudia und trennte die Verbindung. Kurz darauf erschien Claudia auf der Zielplattform in der Mannschaftsmesse, sie schaute sich kurz um und kam dann an meinen Tisch. Nachdem Claudia sich gesetzt hatte fragte sie: >>Eine Abschlussbesprechung, hast Du etwa eine Dokumentation meiner Fortschritte erstellt?<< - >>Nein das habe ich nicht, aber ich habe da so eine Vermutung wer das gemacht haben könnte, Yvette war doch die ganze Zeit bei uns.<<, erwiderte ich. Claudia fragte: >>Was glaubst Du könnte Yvette berichten?<< - >>Wenn sie von Dir das selbe wahrgenommen hatte wie ich, dann dürfte dieser Bericht nur positive Punkte enthalten.<<, antwortete ich. Claudia bestellte sich einen Neurobooster mit Apfelaroma und einen kleinen Obstsalat und machte sich darüber her.

Gegen 9:55 waren wir mit dem Frühstück fertig und begaben uns zum Liftzugang, wir fuhren zur Brücke wo Kapitän Tönnigs schon auf uns wartete, Yvette saß neben ihm auf dem Sitzplatz welcher sonst Beratern für spezielle Missionen vorbehalten war. Kapitän Tönnigs begrüßte uns und deutete auf die Tür zu seinem Bereitschaftsraum an der Linken Seite der Brücke, dann erhob er sich und sagte: >>Commander Junkers, Sie haben die Brücke!<< - >>Verstanden Kapitän!<<, antwortete Commander Junkers. Yvette folgte dem Kapitän zu seinem Bereitschaftsraum während Claudia und ich sie begleiteten. Nachdem sich die Türen des Bereitschaftsraumes hinter uns geschlossen hatten bot Kapitän Tönnigs uns an auf der Couch Platz zu nehmen, wir setzten uns und Kapitän Tönnigs sagte zu Claudia: >>Ich habe hier den Bericht über Ihre Aktivitäten während Ihrer Orientierungsphase, Leutnant Mangold war so freundlich diese für objektiv zu bewerten. Sie scheinen ein großes Talent zu besitzen bei der Wahrnehmung von Ereignissen welche die meisten Menschen nicht wahrnehmen können, dies stand bereits im Bericht des Tempels der Wächter, aus diesem Grund hat man Sie auch in die Position einer Kontaktperson erhoben. Weiterhin habe ich dem Bericht von Leutnant Mangold entnommen, dass Sie gut auf die ergänzende Neuralinduktion angesprochen haben und bereits sehr routiniert mit unserer Technologie umgehen. Diese schnelle Auffassungsgabe könnte Ihnen helfen auch in andere Themengebiete einzusteigen um sich weiter zu qualifizieren. Als Beispiel nenne ich da die Position einer Botschafterin, jemand wie Sie könnte durchaus die Feinheiten der höheren Diplomatie in kurzer Zeit erlernen und verstehen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg in Ihrer neuen Beruflichen Laufbahn und hoffe dass Sie in unserer Republik eine Heimat finden die Sie mit stolz repräsentieren können.<< - >>Danke Kapitän Tönnigs, ich werde mich bemühen mein Wissen weiter zu vergrößern und für meine Heimat einzustehen.<<, antwortete Claudia. Kapitän Tönnigs nickte und sagte dann zu mir: >>Verwalter Sella, bereits seit Ihrem letzten Ausflug in die Laufbahn eines Rekrutierungsassistenten beobachte ich Ihre Karriere aufmerksam. Deshalb habe ich auch ihre Partnerin Leutnant Mangold gebeten für mich die Dokumentation der Fortschritte in der Orientierungsphase zu dokumentieren, ich wollte Sie mit dieser Entscheidung keinesfalls übergehen aber dennoch bin ich mir der Tatsache bewusst dass die Tätigkeit von Leutnant Mangold als Beobachterin für Sie recht überraschend kam. Ich hoffe Sie verstehen meine Beweggründe.<< - >>Natürlich Kapitän Tönnigs, im Nachhinein verstehe ich jetzt sogar einige Situationen welche sich mir vorher nicht ganz erschlossen. Ich hätte vielleicht ähnlich gehandelt auch wenn ich noch nie eine derartige Entscheidung treffen musste.<<, antwortete ich. Kapitän Tönnigs nickte und beendete die Besprechung, nachdem wir uns verabschiedet hatten verließen wir den Bereitschaftsraum des Kapitäns.

Während wir im Lift zum Teleporterraum fuhren sagte ich zu Yvette: >>Hey danke Yvette dass Du die Dokumentation von Claudias Fortschritten geführt hast, ich hätte mich vielleicht unwohl gefühlt mit einem fremden Beobachter im Nacken!<< - >>Tja, genau so hatte Kapitän Tönnigs es vermutet. Jedenfalls habe ich für meine Dienste einige Sonderruhen im Dienstplan bekommen, quasi einen kurzen Sonderurlaub.<<, antwortete Yvette.

Im Teleporterraum sagte Yvette zu Claudia: >>Ich werde mich mal gelegentlich bei Dir melden, natürlich nur wenn Du es möchtest.<< - >>Ja das wäre toll, wir könnten dann ja mal über Flugstunden für zivile Kleinschiffe sprechen.<<, antwortete Claudia. Yvette nickte und sagte zu mir: >>Wir sehen uns heute bestimmt noch, ich habe ja jetzt ein paar Tage frei so dass wir endlich mal Zeit für uns haben.<< - >>Ich melde mich bei Dir wenn ich zurück bin, erst einmal bringe ich Claudia nachhause, also zur Marskolonie.<<, antwortete ich. Yvette nickte und stellte sich an die Konsole für die Bedienung des Teleporters, dann fragte sie: >>Bereit zur Teleportation?<< - >>Vorgang ausführen!<<, sagte ich und kurz darauf standen wir auf der oberen Aussichtsplattform der Neptun-Hoststation. Claudia fragte: >>Du willst mich wirklich nachhause bringen?<< - >>Es ist doch nur ein interplanetarer Flug zum Mars und wieder zurück.<<, antwortete ich. Claudia lachte und sagte: >>Vor ein paar Tagen hätte ich Dich für diese Äußerung als Spinner abgetan.<< - >>Doch nun hast Du eine andere Perspektive auf mich.<<, antwortete ich.

Während wir mit dem Lift zur Transferstation fuhren sagte Claudia: >>Ich muss mir noch überlegen wie ich das meinen Verwandten erkläre dass ich jetzt auf dem Mars lebe, das glaubt mir doch kein Schwein und meine Freunde auch nicht. Aber ich weiß was ich gesehen habe und was um mich herum passiert, das kann mir keiner mehr streitig machen.<< - >>Exakt, Du weißt was wahr ist.<<, antwortete ich. Die Türen des Lifts öffneten sich und wir betraten die Transferstation, nach unserer Registrierung als Passagiere zur Marskolonie warteten wir auf die Ankunft des nächsten Linienschiffes in diese Richtung. Währenddessen schaute sich Claudia die Schematische Darstellung der Transferlinien an, sie sagte: >>Von hier aus geht es ja wirklich überall hin, sogar längere Strecken gibt es.<< - >>Ja es gibt auch Linien auf denen man mehrere Tage unterwegs ist, für solche Linien hat man dann ein Quartier in dem man für die Dauer der Reise wohnt auf dem Schiff. Die Quartiere der Linienschiffe sind zwar nicht ganz so komfortabel wie die auf der Far Horizon und sie sind auch kleiner aber man verbringt ja nicht allzu viele Tage darin.<<, antwortete ich. Nach einiger Zeit war unser Linienschiff angekommen und wir wurden an Bord teleportiert, wir setzten uns im Großraumabteil an einen Tisch und warteten auf den Abflug.

Während des Fluges zum Mars gingen wir noch einmal die Prozedur der Folgerekrutierung durch, welche es Claudia ermöglichte ihre engen Verwandten nachzuholen, ich merkte ihr an dass sie noch nicht sicher war ob sie das tun sollte und wie sie es den betreffenden Personen erklären würde. Ich beschloss mich aus dieser Entscheidung weitgehend heraus zu halten, das war allein Claudias Entscheidung. Als wir die Marskolonie erreicht hatten verabschiedete ich mich von Claudia, wir versprachen uns in Kontakt zu bleiben und uns im Flottennetzwerk regelmäßig zu berichten was es neues gab. Nachdem Claudia gegangen war registrierte ich mich für einen Flug mit dem nächsten von der Erde kommenden Linienschiff zur Neptun-Hoststation, etwa zehn Minuten dauerte es bis mein Schiff eintraf. Als ich an Bord war suchte ich mir einen Tisch am Fenster um den Mars noch einmal zu sehen, ich hatte diesen Planeten noch nicht oft besucht da es dort niemanden gab den ich kannte. Doch jetzt kannte ich Claudia und hatte damit einen Grund regelmäßig in der Marskolonie vorbei zu schauen.

Die Flugzeit zur Neptun-Hoststation verging schnell, nachdem ich wieder an Bord der Neptun-Hoststation war begab ich mich in mein Quartier um alles was ich erlebt hatte noch einmal Revue passieren zu lassen. Ich beschrieb meine Eindrücke und Erlebnisse in einem Beitrag im Flottennetzwerk und teilte ihn mit meiner Allianz, anschließend kontaktierte ich Yvette und wir machten uns noch einen schönen Tag an Bord der Neptun-Hoststation. Wir sprachen noch sehr lange von Claudia, anscheinend hatte sie Yvette ebenfalls beeindruckt, jedenfalls fiel es ihr auch schwer nicht an Claudia zu denken. Ich bin nun am Überlegen ob ich nach den vielen Jahren als Vorsitzender der Verwaltung auf der Neptun-Hoststation noch einmal eine andere Richtung in meiner beruflichen Laufbahn einschlage, als Rekrutierungsassistent. Doch fürs erste wird dafür das nächste Arbeitnehmeraustauschprogramm herhalten müssen, meine Wahl ist schon jetzt klar in welche Berufliche Laufbahn ich dann hinein schnuppern will.
 
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