Die Acht-Quadratmeter-Wohnung roch nach Pestilenz. Beim Anblick der Leiche sinnierte der Kommissar: "Wie armselig! Völlig verludert. Die verstorbene Person trägt nur eine schmutzige graue Jogginghose. Überall türmen sich Lebensmittelreste. Der Kerl hatte die Wohnung seit Wochen nicht mehr verlassen."
"Ganz genau", bekräftigte sein Assistent. "Wahrscheinlich war er nur über das Internet mit der Außenwelt verbunden. Sehen Sie mal. Ein alter 386er-Computer mit einem mutmaßlich selbstgebastelten Modem. Moment mal... Hier liegt ein Zettel..."
Der Assistent hob den Zettel auf und blickte auf eine Zahlenkolonne:
424 246 3764 3277 424 9327867437 36833258 4223...
Dies konnte eine Nachricht sein. Eine Art Abschiedsbrief würde auf einen Freitod hindeuten. Vielleicht war es auch Mord. Solange die Gerichtsmediziner nicht alles untersucht hatten, konnte man keine Möglichkeit ausschließen. Die Nachricht auf dem Zettel war der einzige Schlüssel.
Professor Wachowiak, anerkannter Codierexperte, wurde ins Polizeipräsidium gerufen. Er blickte nur kurz auf den Zettel und fing spontan seinen Vortrag an: "Meine Herren, ich vermute, jeder von Ihnen schreibt schon mal gelegentlich eine SMS. Wenn Sie das Wort ‚liebe' schreiben, drücken Sie drei mal auf die 5, drei mal auf die 4, zwei mal auf die 3, zwei mal auf die 2 und zwei mal auf die 3. Codiert wäre das: 555444332233. Google hat im September 2002 ein Patent veröffentlicht, das eine einfachere, aber mehrdeutige Codierung ermöglicht. Die Codierung lautet dann einfach nur 54323. Es wird also nur die Ziffer notiert, die gedrückt wurde. Die 5 kann also für J, K oder L stehen. Die Kombination 54323 könnte also auch JIFAD heissen. Aber das ist natürlich ein Wort, das keinen Sinn ergibt. Neben dem Wort LIEBE gibt es kaum eine andere sinnvolle Kombination. Eine pfiffige Idee von Herrn Brin..."
Der Kommissar blickte seinen Assistenten fragend an. Würden Sie jetzt ermitteln können, woran Nicolas van Bruenen gestorben ist?