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121 Seiten

Eine Woche mit Jean Bork auf Gliese 581g – Ein Bericht von Negül Sella.

Romane/Serien · Fantastisches · Experimentelles · Fan-Fiction/Rollenspiele
Tag 0 - Anreise

Es war ein ruhiger Tag auf der Neptun- Hoststation, das lähmende Entsetzen über die interkulturellen und politischen Konflikte auf der Erde und den damit verbundenen Konsequenzen hatte sich gelegt. Trotz der Verlegung des Flottenhauptquartiers in die Marskolonie und der Schließung der Transferstationen des Passagiertransfernetzwerkes auf der Erde kehrte unter den Bewohnern und Arbeitern auf der Station wieder so was wie Alltag ein. Selbst das Flottenpersonal mit Familienangehörigen und Zweitwohnsitz auf der Erde war wieder zum Alltag zurückgekehrt. Nur wenige hatten die Option auf Folgerekrutierung und Zuzug ihrer Angehörigen wahrgenommen welche in ihren Arbeitsverträgen stand.

Ich saß in meinem Büro und ging gerade die Berichte über die letzte Energielieferung an die Station durch als ein Sprechwunsch auf meinem Kommunikationsarmband einging. >>Eingehende Sprachverbindung von Jean Bork.<<, sagte die warme künstliche Stimme von Alice der künstlichen Intelligenz in meinem Armband. Ich nahm das Augenliderprojektionssystem ab und sagte: >>Verbindung herstellen!<< - >>Hallo, ist jemand da?<<, hörte ich die Stimme von Jean. Ich antwortete: >>Hallo Jean, es ist schön von Dir zu hören!<< - >>Hallo Negül! Wie geht es Dir?<<, fragte Jean. Ich erwiderte: >>Ach ich kann mich nicht beklagen. Und wie geht‘s Dir?<< - >>Gut, danke! Ich habe in den nächsten Tagen etwas Luft in meinem Terminplan und wollte mal fragen wie es terminlich bei Dir aussieht.<<, antwortete Jean. Ich lehnte mich in meinen Sessel zurück und sagte: >>Ich kann mir Zeit nehmen wenn ich sie brauche. Worum geht es?<< - >>Wir sprachen doch bei unserer letzten Begegnung über einen Ausflug nach Gliese 581g, ich habe mal im Internet recherchiert über diesen Planeten und es gibt Hinweise darauf dass er gar nicht existieren soll.<<, antwortete Jean. Ich fragte: >>Möchtest Du dass ich Dir die Existenz dieses Planeten beweise?<< - >>Das kommt darauf an wie lange die Reise dort hin und wieder zurück dauert, ich habe die kommenden sieben Tage frei zur Verfügung.<<, antwortete Jean. Ich erwiderte: >>Nun, der Planet ist etwa 20 Lichtjahre von der Erde entfernt und der Sprungantrieb liefert einen Geschwindigkeitsvorteil von 16,042 Lichtjahren pro Stunde. Der Sprung dorthin würde etwa ein und eine viertel Stunde dauern. Hast Du Lust auf eine Woche Urlaub auf einem anderen Planeten?<< - >>Das klingt auf jeden Fall interessant.<<, antwortete Jean, daraufhin verabredeten wir uns für den Abend. Ich erklärte Jean dass sie für die Reise kein Gepäck benötigt da wir aufgrund ihrer Körpervermessung von ihrem letzten Besuch auf der Neptun- Hoststation passende Kleidung bereitstellen lassen könnten, nachdem alles geklärt war trennte Jean die Verbindung.

Ich stellte eine Verbindung zu meiner Freundin her und wartete darauf dass sie sich meldete. Schließlich meldete sie sich und sagte: >>Hier ist Yvette Mangold die Geschwaderführerin des Flaggschiffs der Erdraumflotte, was kann ich für Sie tun?<< - >>Hey Yvette! Hast Du Lust auf einen Ausflug nach Gliese 581g?<<, erwiderte ich. Yvette fragte: >>Nur wir zwei?<< - >>Nein nicht ganz, eigentlich wollte ich noch jemanden mitnehmen, Jean Bork von der Erde.<<, antwortete ich. Yvette fragte: >>Die Jean Bork, die Moderatorin von der Erde?<< - >>Genau die meine ich.<<, antwortete ich. Yvette fragte: >>Du kannst doch mit ihr im Rahmen Deiner repräsentativen Pflichten für die Erdraumflotte nach Gliese 581g fliegen, wofür brauchst Du mich?<< - >>Der Ausflug soll etwa sieben Tage dauern und ich will ihr nicht zumuten allein in einem Quartier zu übernachten dessen technische Ausstattung allem was sie kennt um zehn bis zwanzig Jahre voraus ist, andererseits glaube ich auch nicht dass sie sich wohl fühlt wenn sie in meinem Quartier schlafen soll. Aber vielleicht könntest Du Dir ja mit ihr ein Quartier teilen.<<, antwortete ich. Yvette erwiderte: >>Das ist eine logische Entscheidung. Wann soll denn der Ausflug beginnen?<< - >>Ich hole sie heute Abend von der Erde ab.<<, antwortete ich. Yvette versprach daraufhin zu sehen was sich machen lässt und sich dann zurück zu melden, dann trennte sie die Verbindung.

Etwa eine halbe Stunde dauerte es bis sich Yvette zurück meldete. Als ich die Verbindung herstellte sagte sie: >>Alles klar, ich habe für die nächsten drei Tage Ruhe im Dienstplan und für die darauf folgenden vier Tage habe ich Überstundenabbau genehmigt bekommen. Unserem Ausflug steht also nichts im Wege.<< - >>Das ist toll! Wann sehen wir uns?<<, erwiderte ich. Yvette antwortete: >>Wenn alles klappt dann komme ich in etwa zehn Minuten in der Jägerbucht der Neptun- Hoststation an.<< - >>Alles klar, ich warte dort auf Dich, bis gleich!<<, sagte ich bevor Yvette die Verbindung trennte. Ich erhob mich aus meinem Sessel und sprach in mein Kommunikationsarmband: >>Alice, bitte vermerke im Logbuch der Station dass ich für die nächsten sieben Tage im Rahmen meiner repräsentativen Pflichten für die Erdraumflotte einem Gast die Kolonie auf Gliese 581g zeige!<< - >>Ihre Entscheidung ist vermerkt und Ihr Stellvertreter wurde über Ihre Abwesenheit sowie deren Dauer informiert.<<, antwortete Alice.

Ich verließ mein Büro und begab mich zur Jägerbucht der Station, während der Fahrt im Lift grübelte ich weshalb Yvette in der Jägerbucht ankommen wollte. Sie hatte als persönlichen Kampfflieger nur die „Ghostbird“, einen ziemlich großen Kampfflieger der einem klingonischen Kampfschiff aus den Startrek-Serien nachempfunden war. Wollte sie etwa damit nach Gliese 581g fliegen? Dieses Schiff verfügte über keinen Teleporter, wie sollten wir Jean damit möglichst unauffällig von der Erde abholen?

Schließlich erreichte ich die Jägerbucht und setzte mich in den Wartebereich. Dort gab es ein großes Fenster welches direkt über der Einflugöffnung der Jägerbucht lag so dass man direkt die an- und abfliegenden Kampfflieger sehen konnte. Außer den startenden und landenden Kampffliegern der Station gab es nichts besonderes zu sehen, doch plötzlich schwenkte ein schlanker eleganter Kampfflieger in den Orbit des Neptun ein und näherte sich der Jägerbucht. Ein Schiff der Swordklasse, nur Absolventen der Pilotenausbildung und Ausbilder an der G-Force-Academy besaßen so ein Schiff. Dieser schlanke Kampfflieger schwebte majestätisch in die Jägerbucht ein, kurz darauf ging ein Sprechwunsch von Yvette bei mir ein. Ich stellte die Verbindung her und sagte: >>Hey Yvette, sage jetzt nicht dass Du an Bord des Swordklasse-Kampffliegers warst der eben auf der Station gelandet ist!<< - >>Doch das war ich, Ruby hat mich her geflogen.<<, erwiderte Yvette. Ich fragte ungläubig: >>Du fliegst wirklich als Passagier in einem Kampfflieger mit?<< - >>Okay Du hast mich erwischt, Ruby hat mich fliegen lassen.<<, antwortete Yvette. Ich sagte: >>Dann sehen wir uns ja gleich.<< - >>Ja genau!<<, erwiderte Yvette und trennte die Verbindung.

Wenig später kamen Yvette und Ruby aus dem Hangarbereich der Jägerbucht, Yvette begrüßte mich ziemlich leidenschaftlich während Ruby diskret einige Schritte entfernt wartete. Als Yvette mit mir fertig war begrüßte ich Ruby, während der Begrüßung fiel mein Blick auf ihre Fliegerkombination und ihr Rufzeichen. Erstaunt fragte ich: >>Lady G-Force, ist das etwa Dein Rufzeichen Ruby?<< - >>Okay, jetzt ist die Katze aus dem Sack!<<, erwiderte Yvette. Ruby kicherte leicht verlegen und sagte: >>Ja das ist mein Rufzeichen.<< - >>Das ist vielleicht eine Überraschung! <<, antwortete ich.

Einige Minuten später verabschiedete sich Ruby wieder und begab sich zurück in den Hangarbereich. Yvette fragte: >>Wann holen wir Jean von der Erde ab?<< - >>In etwa einer halben Stunde.<<, antwortete ich. Yvette erwiderte: >>Hast Du schon entschieden was für ein Schiff Du benutzen willst?<< - >>Ich hatte vor ein Transitschiff zu chartern mit dem wir dann nach Gliese 581g fliegen können.<<, antwortete ich. Daraufhin begaben wir uns zur Station für die Transitschiffe wo ich ein kleines Schiff für maximal fünf Personen charterte. Nachdem wir von der Station gestartet waren kontaktierte ich Jean und besprach mit ihr den Zeitpunkt ihrer Abreise von der Erde.

Wir erreichten nur kurze Zeit darauf den Orbit der Erde, ich hatte mit Jean vereinbart dass sie sich melden sollte wenn sie bereit für die Reise war. Einige Minuten später meldete sich Jean, ich stellte die Verbindung her und sagte: >>Okay Jean, wenn Du bereit bist für die Abreise dann ziehe Dich an als wolltest Du das Haus verlassen. Anschließend nimmst Du Deinen Wohnungsschlüssel und verschließt die Wohnungstür von innen.<< - >>Ich soll mich einschließen?<<, fragte Jean. Ich antwortete: >>Ich kann Dich zwar unauffällig aus Deiner Wohnung heraus teleportieren aber nicht wieder hinein, der Grund dafür ist dass es in Deiner Wohnung keine inneren Sensoren oder eine Teleporter- Zielplattform gibt. Wenn ich Dich jetzt raus teleportiere und Du Deinen Schlüssel vergisst dann hast Du ein Problem bei Deiner Rückkehr.<< - >>Alles klar ich bin angezogen und habe die Wohnung von innen verschlossen, den Schlüssel habe ich in der Tasche.<<, antwortete Jean. Ich fragte: >>Bereit für den Teleportationsvorgang?<< - >>Ja ich bin bereit, es kann losgehen!<<, antwortete Jean. Daraufhin startete ich den Teleportationsvorgang.

Kurz darauf stand Jean in der kleinen Nische des Teleporters, sie trug das Nanotex-Outfit welches sie bei ihrem letzten Besuch auf der Neptun- Hoststation gekauft hatte. Die optisch variable Oberfläche ihres Outfits emittierte ein atmosphärisches hellblaues Licht. Ich begrüßte sie und stellte ihr Yvette vor, Jean fragte: >>Deine Freundin begleitet uns, vertraut sie Dir nicht?<< - >>Dass Yvette mitkommt war meine Idee, ich wollte Dir nicht zumuten die Nächte mit mir in einem Quartier verbringen zu müssen, allerdings wollte ich Dich auch nicht allein in einem Quartier übernachten lassen dessen Ausstattung allem was Du kennst um bis zu zwanzig Jahre voraus ist. Deshalb habe ich Yvette gebeten uns zu begleiten.<<, antwortete ich. Yvette fügte hinzu: >>Außerdem wollte ich auch mal diese tolle Moderatorin kennenlernen von der Negül immer spricht.<< - >>Oh das ist nett, danke!<<, antwortete Jean.

Nachdem Jean auf einem der fünf Sitze Platz genommen hatte zog sie ihr IPhone aus der Tasche und fragte: >>Ist es okay wenn ich auf dieser Reise ein Paar Urlaubsfotos schieße?<< - >>Eigentlich schon, für Außenstehende werden diese Fotos sowieso wie Screenshots aus einem Sciencefiction-Film aussehen.<<, antwortete ich. Yvette zog ein X-Pad der Serie 3 aus ihrer Hosentasche, reichte es Jean und sagte: >>Damit werden die Urlaubsfotos noch brillanter, ich sage nur 51,84 Megapixel-Kamera mit optischem Wandler. Damit kann man auch im Infrarot- oder UV-Bereich fotografieren. Außerdem unterstützt das Teil die Quantenbrücke, damit kann man selbst auf Gliese 581g ohne Zeitverzögerung auf das Internet der Erde zugreifen.<< - >>Hey Danke, ich weiß gar nicht womit ich das verdient habe!<<, erwiderte Jean. Yvette lächelte und sagte: >>Wir wollen doch dass Sie ein bestmögliches Bild von der Welt außerhalb der Erdatmosphäre bekommen.<< - >>Oh wie nett, Danke!<<, antwortete Jean.

Schließlich sagte ich zu Yvette: >>Willst Du uns nach Gliese 581g fliegen? Dann kann ich mich um die Quartierreservierung kümmern.<< - >>Alles klar dann lass uns mal aufbrechen!<<, antwortete Yvette und setzte sich auf den Sitz an der Steuerkontrolle. Ich setzte mich neben Jean an die Kommunikationskonsole und machte mich an die Quartierreservierung. Im Gästebereich der Kolonie auf Gliese 581g waren noch einige Quartiere frei, ich reservierte für uns zwei Quartiere welche direkt nebeneinander lagen. Nachdem uns Yvette in die Sprungpassage geflogen hatte sagte sie: >>Okay wir sind unterwegs und werden Gliese 581g in etwa 75 Minuten erreichen.<< - >>In Ordnung, dann sollten wir die Zeit bis zur Ankunft nutzen um uns besser kennenzulernen.<<, antwortete ich. Daraufhin erzählten wir uns von unserem bisherigen Leben, für Jean waren unsere Geschichten wie Märchen aus einer anderen Welt. Besonders interessant fand sie das was Yvette über ihre Kindheit und Jugend auf Gliese 581g erzählte.

Nachdem wir unsere Geschichten ausgetauscht hatten fragte Jean: >>Was kannst Du mir über Gliese 581g erzählen?<< - >>Er gehört zu den sogenannten Supererden, hat etwa die vierfache Masse der Erde und umkreist einen roten Zwergstern in dessen Lebensfreundlicher Zone. Dabei dreht er sich in der gleichen Zeit einmal um seine eigene Achse in der er seinen Stern einmal umkreist. Es gibt dort keine Auf- und Untergänge der Sonne und der Himmel ist den ganzen Tag rot, so wie der Himmel auf der Erde bei einem Sonnenuntergang.<<, erklärte ich. Jean erwiderte: >>Er dreht seinem Stern immer die selbe Seite zu? Dann muss eine Seite des Planeten unglaublich heiß und die andere unglaublich kalt sein!<< - >>Ja und flüssiges Wasser und somit Leben ist nur in einer bestimmten Zone zwischen der Tag- und Nachtseite möglich. In dieser Zone liegt auch die Kolonie.<<, antwortete ich. Yvette fügte hinzu: >>Und das Schwerkraftniveau ist im Gästebereich der Kolonie vergleichbar mit dem auf der Erde.<< - >>Das klingt alles ziemlich spannend, ich kann es kaum erwarten diesen Planeten zu sehen. Erst Recht weil es auf der Erde einige Gruppen gibt welche behaupten dass Gliese 581g nicht existiert.<<, antwortete Jean.

Da wir uns die Zeit mit Geschichten vertrieben, vergingen die knapp 75 Minuten wie im Flug. Schließlich riss die Sprungpassage auf und wir erreichten den normalen Raum. Vor uns lag der Planet Gliese 581g und in seinem Orbit kreiste die Anpassungsstation für Menschen die nach Gliese 581g umsiedeln wollten. Jean starrte auf die Station und sagte: >>Das sieht ja aus wie in 2001 - Odyssee im Weltraum!<< - >>Auf dieser Station passen sie die zukünftigen Bewohner von Gliese 581g stufenweise der dort herrschenden Schwerkraft an. Im zentralen Bereich herrscht keine Schwerkraft, so können Frachtschiffe leichter be- und entladen werden. Im ersten Ring von innen gesehen herrscht ein Schwerkraftniveau wie auf der Erde, im zweiten die doppelte, im dritten die dreifache und im äußeren Ring herrscht schließlich ein Schwerkraftniveau wie auf Gliese 581g. Natürlich herrscht auf der Station nicht wirklich eine Schwerkraft, Fliehkraft welche durch die Rotation erzeugt wird nimmt den Platz der Schwerkraft ein. Früher wurde auf allen unseren Station auf diese Weise eine scheinbare Schwerkraft erzeugt aber das ist lange her.<<, erklärte Yvette.

Inzwischen hatten wir die Landeerlaubnis erhalten und Yvette flog das Schiff gemäß der Instruktionen für die Landung zum Raumhafen der Kolonie. Langsam tauchten wir in die obere Atmosphäre ein, nach einiger Zeit erreichten wir die niederen Schichten der Atmosphäre und stießen durch die aufgelockerte Wolkendecke. Jean schaute durch das Cockpitfenster wie gebannt auf diese für sie neue Welt. Wir flogen zwischen den Wohntürmen der Kolonie hindurch welche wie riesige von Termiten erbaute Türme aussahen. An ihrer Basis wurden die Wohntürme von großen durchsichtigen Kuppeln eingefasst. Schließlich flogen wir an den Landeplattformen für große Schiffe vorbei zur Andockstation. Nachdem wir angedockt hatten sagte Yvette: >>Dann kann unser Urlaub ja beginnen.<<, mit diesen Worten erhob sie sich von ihrem Sitz und wir folgten ihr zum Heck des Schiffes und durch die dortige Luftschleuse direkt in das Terminal des Raumhafens.

Jean bestaunte die große durchsichtige Kuppel durch die der orangefarbene Himmel zu sehen war. Sie sagte beeindruckt: >>Es ist beeindruckend wie groß das hier alles ist, es muss ein Vermögen gekostet haben das alles hier zu bauen.<< - >>Nicht so viel wie man annimmt, in der TIRL hat Geld nicht diese große Bedeutung wie auf der Erde. Vor allem bei Projekten welche dem Wohl der Allgemeinheit dienen. Geld braucht man eigentlich nur für private besondere Annehmlichkeiten.<<, erklärte Yvette. Jean fragte: >>Was meinen Sie mit privaten besonderen Annehmlichkeiten und was ist die TIRL?<< - >>Private besondere Annehmlichkeiten sind zum Beispiel das Mieten, der Erwerb und der Unterhalt von persönlichen Schiffen, auch besondere Kleidung und Ausrüstung zählt dazu. Was die TIRL ist das kann Ihnen Negül sicher besser erklären, er war schließlich aktiv an der Gründung und deren Vorbereitung beteiligt.<<, erklärte Yvette.

Inzwischen standen wir am Tresen der Rezeption, ich legte meinen Arm mit dem Kommunikationsarmband auf den Sensor in der Oberfläche des Tresens und sagte zu der Dame hinter dem Tresen: >>Guten Tag, ich hatte zwei Quartiere für die nächsten sieben Tage und Nächte reservieren lassen.<< - >>Ja hier steht es, zwei Quartiere für sieben Tage und Nächte. Wir haben die Quartiere 185-A-1 und 185-A-2 für Sie Reserviert. Quartier 185-A-1 für einen Herren und Quartier 185-A-2 für zwei Damen. Außerdem möchten wir Sie darauf hinweisen dass heute Abend Sarah - die Stimme von Gliese 581g ihr Programm „History Of Life On Space“ in der Veranstaltungshalle der des Gästebereichs unserer Kolonie aufführt.<<, antwortete die Dame hinter dem Rezeptionstresen.

Als wir nach dem Einchecken in Richtung der Liftzugänge gingen fragte Jean: >>Welche Nummern hatten unsere Quartiere nochmal?<< - >>185-A-1 und 2 aber das ist eigentlich egal, wir brauchen als Fahrziel für den Lift nur unser Quartier als Fahrziel nennen.<<, erklärte ich. Jean erwiderte: >>Okay, und was ist jetzt nochmal die TIRL?<< - >>TIRL steht für terranische interstellare Republik der Lebensräume, zu denen zählen nicht nur die planetaren Kolonien sondern auch die Stationen.<<, erklärte ich. Inzwischen standen wir vor dem Liftzugang, Jean hielt ihr Kommunikationsarmband an den Sensor und sagte: >>Zu meinem Quartier!<< - >>Zugang zwei!<<, ertönte es aus dem kleinen Lautsprecher über dem Sensor.

Nachdem wir die Liftkabine betreten und die Türen sich hinter uns geschlossen hatten fragte Jean: >>Heißt das alle planetaren Kolonien und Raumstationen inklusive der Erde sind Mitglieder einer interstellaren Republik?<< - >>Ja das ist richtig, diese Vereinigung der Lebensräume war die Reaktion auf die aktuellen interkulturellen und politischen Konflikte auf der Erde. Es gab damals Stimmen die forderten dass wir uns weiter von der Erde distanzieren aber das kam für mich und viele andere nicht in Frage, ich habe Freunde und Personen die mir wichtig sind auf der Erde. Die Gründung der TIRL ist der einzig logische Schritt für den Zusammenhalt der Lebensräume und gegen die weitere Isolation der Erde.<<, antwortete ich. Jean lächelte und sagte: >>Ich verstehe das, ich hätte auch Angst davor den Kontakt zu meinen Freunden abbrechen zu müssen.<<, kurz darauf öffneten sich die Lifttüren und wir verließen die Kabine.

Wir standen in einem kleinen Flur, außer den beiden Quartiertüren vor uns gab es nur noch den Liftzugang hinter uns. Ich deutete auf die rechte Tür und sagte: >>Das ist Euer Quartier, Aufgrund Eurer Vermessungsdaten wurden die Kleiderschränke mit Kleidung bestückt die Euch passt, es gibt für jeden Anlass die passende Kleidung.<< - >>Ich bin gespannt.<<, antwortete Jean und hielt ihren Arm mit dem Kommunikationsarmband an den Sensor neben der Quartiertür, daraufhin öffnete sich diese. Yvette nickte anerkennend und wir betraten das Quartier. Jean ließ fassungslos ihre Blicke im Wohnbereich des Quartiers umher wandern und sagte: >>Oh mein Gott ist das groß, und dieser riesige Bildschirm an der Wand! Und diese Aussicht, das ist ja atemberaubend!<< - >>Auch wenn Du es nicht glaubst, das hier ist ein Standardquartier. Die Quartiere sind alle gleich, bis auf die Tatsache dass nebeneinander liegende Quartiere gespiegelte Grundrisse haben. Da rechts durch die Tür kommst Du in den Schlafraum und von dort aus in den Waschraum.<<, antwortete ich. Jean ging daraufhin auf die Schlafraumtür zu, diese öffnete sich automatisch vor ihr und sie trat hindurch. Von nebenan hörte man sie rufen: >>Das ist ja Wahnsinn dieser Kleiderschrank!<<, dann hörte man wie sie in den Waschraum ging. Von dort hörte man sie begeistert rufen: >>Absolut unglaublich dieser riesige Whirlpool!<< - >>Du hast ihr nichts über unsere Quartiere erzählt?<<, fragte Yvette. Ich schüttelte den Kopf und sagte: >>Ich bezweifle dass Jean mir geglaubt hätte.<<, kurz darauf kam Jean wieder in den Wohnbereich zurück und sagte: >>Kaum zu glauben dass dies ein ganz normales Quartier ist, auf der Erde wäre dies ein Luxusapartment<< - >>Lasst uns erst mal ankommen und die Situation begreifen! Ich schlage vor dass wir uns in einer halben Stunde vor dem Quartier treffen.<<, antwortete ich. Jean und Yvette waren einverstanden, daraufhin begab ich mich in mein Quartier.

In meinem Quartier angekommen aktivierte ich den Bildschirm an der Wand und loggte mich ins Flottennetzwerk ein, dort reservierte ich für Jean, Yvette und mich drei Plätze für das Programm von Sarah - der Stimme von Gliese 581g. Als dies erledigt war begab ich mich in den Schlafraum und suchte mir aus dem bereitgestellten Bekleidungssortiment einen eleganten Freizeitanzug aus. Nach einer kurzen erfrischenden Dusche zog ich den bereitgelegten Freizeitanzug an und hing meine Kleidung in den Bereich welcher für die Durchlüftung der Kleidung vorgesehen war. Ich schaute auf das Display meines Kommunikationsarmbandes, bis zu dem Zeitpunkt zu dem wir uns vor dem Quartier treffen wollten waren es noch zehn Minuten. Ich wollte gerade das Quartier verlassen als ein Sprechwunsch von Ruby Ivanes auf meinem Kommunikationsarmband einging.

Überrascht stellte ich die Verbindung her und sagte: >>Hallo Ruby, was hast Du auf dem Herzen?<< - >>Bestelle mal bitte Yvette einen schönen Gruß, wenn sie mit Jean Bork in den Kampffliegersimulator geht dann soll sie die Finger von Prüfungsszenarien lassen!<<, antwortete Ruby. Ich erwiderte: >>Prüfungsszenarien? Moment mal, da war doch mal was!<< - >>Ja genau, das hat sie schon einmal mit Sebastian gemacht. Damals wollte er unbedingt den Brückensimulator besuchen und Yvette hielt es für eine tolle Idee ihn mit einem Szenario für die Abschlussprüfung im Berufsfeld Schiffsführung zu konfrontieren.<<, antwortete Ruby. Ich sagte: >>Davon habe ich gehört, es war ein Szenario für eine Aussichtslose Situation aber Sebastian hat es erfolgreich abgeschlossen, mit einem Ende welches die Autoren des Simulationsszenarios nicht hätten erahnen können.<< - >>Ja genau, das hat damals für eine Menge Aufsehen gesorgt. Ich will damit nicht behaupten das Jean Bork überraschender Weise erfolgreich ein Prüfungsszenario für Kampfpiloten absolvieren könnte, aber diese Prüfungsszenarien sind ziemlich heftig für jemanden der keine Vorstellung von der Kampffliegerei hat. So ein Szenario könnte sich als ziemlich schockierend herausstellen.<<, antwortete Ruby. Ich erwiderte: >>Ich verstehe was Du meinst, ich werde Yvette Deine Grüße ausrichten. Danke für den Tipp!<< - >>Gern geschehen, viel Spaß noch auf Gliese 581g! Ivanes Ende!<<, antwortete Ruby und trennte die Verbindung.

Nachdem das Gespräch beendet war verließ ich mein Quartier, draußen standen schon Jean und Yvette. Ich sagte: >>Ich habe für uns drei Plätze für das Programm von Sarah reserviert, hoffentlich ist das okay.<< - >>Sarah?<<, fragte Jean. Yvette antwortete: >>Sarah - die Stimme von Gliese 581g, ihr Programm „History Of Life On Space“ behandelt die Geschichte des irdischen Sonnensystems von der Entstehung bis hin zum Aufbruch der Menschen ins All, sowohl den offiziellen als auch den tatsächlichen Aufbruch ins All.<< - >>Eine Geschichtsdokumentation der besonderen Art.<<, fügte ich hinzu. Jean sagte: >>Das klingt interessant, hoffentlich haben wir gute Plätze.<< - >>Die haben wir definitiv.<<, antwortete ich. Kurz nachdem Yvette eines der Restaurants als Fahrziel für den Lift gewählt hatte öffneten sich die Lifttüren. Nachdem wir die Liftkabine betreten und die Türen sich hinter uns geschlossen hatten sagte ich zu Yvette: >>Ruby hat sich bei mir gemeldet, ich soll Dir ausrichten dass Du die Finger von Prüfungsszenarien lassen sollst falls Du mit Jean in den Kampffliegersimulator gehst.<< - >>Das wird mich wohl ewig verfolgen was?<<, erwiderte Yvette. Jean fragte was es mit dieser Geschichte auf sich hätte, kurz darauf öffneten sich die Lifttüren und wir stiegen aus. Ich sagte leise zu Jean: >>Das erzähle ich Dir nach dem Essen, es ist eine längere Geschichte.<< - >>Und es ist schon eine Weile her.<<, fügte Yvette hinzu.

Wir betraten das Restaurant und setzten uns an einen freien Tisch, Yvette tippte kurz darauf auf der Bestellkonsole des Tisches herum und verlas das Angebot an Speisen und Getränken. Ich nahm es ihr nicht übel dass sie die Initiative ergriff, als Geschwaderführerin auf der Far Horizon war sie es gewohnt die Führung einer Gruppe zu übernehmen. Als sich jeder für ein Essen entschieden hatte und es an die Getränkeauswahl ging fragte Jean: >>Was ist denn bitte blauer Honigwein?<< - >>Eine Delikatesse aus der Molekularküche, es schmeckt wie Honigwein aber es hat keine typischen Nebenwirkungen von Alkohol.<<, erklärte Yvette. Jean entschied sich daraufhin den blauen Honigwein zu probieren, also orderte Yvette neben unseren Speisen für jeden von uns einen großen Trinkkrug blauen Honigwein. Einige Minuten später kam der kleine Servierwagen mit unseren Speisen und Getränken an den Tisch gefahren. Wir stellten unsere Speisen und Getränke auf den Tisch und der Servierwagen fuhr wieder davon. Dann stießen wir mit unseren Trinkkrügen an und ließen es uns schmecken.

Als wir mit dem Essen fertig waren sagte Jean: >>Okay, was genau ist das für eine Geschichte mit den Prüfungsszenarien im Simulator?<< - >>Soll ich die Geschichte erzählen oder willst Du es tun Yvette?<<, fragte ich. Yvette erwiderte: >>Lass mich mal erzählen!<<, dann nahm sie einen großen Schluck von ihrem Getränk und sagte: >>Es war kurz nachdem Ruby mit der Rekrutierung eines neuen Kandidaten für den Flottendienst betraut worden war. Sie hatte Sebastian, so hieß der neue Rekrut, von der Erde abgeholt und begann ihn im Rahmen seiner Orientierungswochen mit der Erdraumflotte vertraut zu machen. Gleich am ersten Tag hat mich Ruby mit Hilfe von Sebastian und unserer Chefingenieurin in einem Duell im Kampffliegersimulator richtig nass gemacht. Ich hatte ja keine Ahnung was sie vor hatten, sie hatten die Oszilationsfrequenzen der Waffen und Schildfelder von Rubys simuliertem Kampfflieger während des simulierten Duells an die Oszilationsfrequenzen meines Kampffliegers angepasst. So konnten Rubys Schildfelder mein Waffenfeuer ohne Energieverlust absorbieren und ihre Waffen konnten im Gegenzug meine Schildfelder kollabieren lassen. Im Nachhinein hatte Sebastian erklärt dass er diese Strategie aus Startrek, einer Science-Fiction-Serie übernommen hatte. Es war aus einer Episode als ein Schiff der Borg drohte die Erde zu assimilieren.<< - >>Die Borg, sind das nicht die mit dem kollektiven Bewusstsein und den kubusförmigen Schiffen?<<, fragte Jean. Yvette antwortete: >>Ja genau die sind es. Ich konnte es einfach nicht glauben dass man mich mit einer Strategie aus einer Science-Fiction-Serie geschlagen hatte, aber ich war auch neugierig wie weit man mit dieser Strategie der Anpassung von Oszilationsfrequenzen von Schildfeldern und Waffen gehen kann. Zwei Tage später fand zufällig ein Wettbewerb für Piloten und Waffensystemoffiziere statt, ich beschloss also bei diesem Wettbewerb mit Ruby und Sebastian als Team anzutreten. Auch bei dieser Gelegenheit zeigte Sebastian was er mit den Strategien aus Startrek alles bewirken konnte, wir haben den Wettbewerb gewonnen. Das hat mich neugierig gemacht, ich beschloss Sebastian eine richtige Nuss zum knacken zu geben. Also sind wir in den Brückensimulator auf der Neptun- Hoststation gegangen wo ich Sebastian mit dem Prüfungsszenario konfrontiert habe, ich hätte nie im Leben gedacht dass er dieses Szenario mit einem Ergebnis abschließt das selbst die Autoren des Szenarios nicht einkalkuliert hätten.<< - >>Moment mal, soll das heißen dieser Sebastian hat das Prüfungsszenario erfolgreich abgeschlossen nur mit dem Wissen das er aus Startrek hatte?<<, erwiderte Jean. Yvette antwortete: >>Ja so könnte man es ausdrücken, eigentlich sollte dieses Szenario dazu dienen das Verhalten eines Brückenoffiziers in einer ausweglosen Situation zu begutachten. Man konnte es nur auf zwei Arten abschließen, entweder mit der Zerstörung des gegnerischen Schiffes mit allen Menschen an Bord oder mit dem Verlust des eigenen Schiffes. Dann kam Sebastian und schaffte es das Szenario ohne Verluste auf beiden Seiten zu absolvieren.<< - >>Das gibt‘s doch nicht!<<, sagte Jean. Yvette lächelte und sagte: >>Kapitän Tönnigs hat genau so überrascht reagiert als er davon erfahren hat.<<
Nachdem wir erneut den kleinen Servierwagen an unseren Tisch beordert hatten stellten wir unser Geschirr und die leeren Trinkgefäße auf ihm ab, daraufhin fuhr der kleine Wagen wieder davon. Als wir uns von unseren Sitzplätzen erhoben fragte Jean: >>Müssen wir nicht noch bezahlen?<< - >>Angehörige der Erdraumflotte und ihre Gäste genießen freie Verpflegung, Unterbringung und Freizeitaktivitäten. Dies wird mit den repräsentativen Aufgaben der Erdraumflotte begründet.<<, erklärte ich während wir das Restaurant verließen.

Draußen vor dem Restaurant fragte Jean: >>Und was steht jetzt auf dem Plan?<< - >>Das Programm von Sarah - der Stimme von Gliese 581g müsste bald anfangen.<<, antwortete ich und schaute auf das Display meines Kommunikationsarmbandes. Es waren noch gut zwanzig Minuten. Jean sagte: >>Ich bin schon sehr gespannt was mich erwartet.<< - >>Wie soll ich Dir das erklären, kennst Du den Titel „German History“ von „DJ Happy Vibes“? Dieser Titel dokumentiert anhand einer Reihe von Tondokumenten die Deutsche Geschichte vom Ende des Kaiserreichs bis hin zur Finanzkrise gegen Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Das Programm von Sarah dokumentiert anhand von animierten Videosequenzen die Geschichte des irdischen Sonnensystems von der Entstehung bis zu dem Zeitpunkt als die Menschen sich auf den Weg ins All machten.<<, erklärte ich. Jean fragte: >>Versteht man das Programm auch wenn man keinen Nobelpreis in Astronomie oder Astrophysik hat?<< - >>Keine Sorge, die Ereignisse werden ausführlich erklärt und die animierten Videosequenzen sprechen für sich. Man erlebt die Geschichte des Sonnensystems quasi als Zuschauer.<<, antwortete ich. Jean erwiderte: >>Das klingt beeindruckend.<< - >>Oh ja das ist es!<<, antwortete Yvette. Schließlich standen wir vor dem Liftzugang und Yvette wählte die Veranstaltungshalle als Fahrziel, kurz darauf öffneten sich die Türen und wir betraten die Liftkabine.

Wir erreichten den Vorraum der Veranstaltungshalle, dort herrschte mäßiger Andrang. Als wir vor dem Eingang der Veranstaltungshalle standen sagte Jean: >>Einen Moment noch, ich muss da noch etwas ändern!<<, dann tippte sie auf der Kontrollfläche ihres X1-Dresses herum. Schließlich führte sie den Wechsel des Stils aus, die optisch variable Oberfläche ihres X1-Dresses wechselte von atmosphärischem Blau auf ein helles Türkis. Yvette nickte anerkennend und sagte: >>Nicht schlecht, Sie haben sich schnell an die Bedienung des Kontrollinterfaces gewöhnt!<< - >>Die Bedienung ist sehr einfach und intuitiv gestaltet.<<, antwortete Jean. Als wir die Veranstaltungshalle betraten deutete ich auf drei freie Plätze in unserer Nähe. Jean fragte: >>Meinst Du das wir von hier eine gute Sicht haben?<< - >>Alle Plätze sind gleich gut was die Sicht angeht.<<, antwortete ich und deutete auf die Armlehnen der Plätze. Jean schaute genauer hin und fragte: >>Sind das Augenliderprojektionssysteme?<< - >>Ja das sind welche, damit hat jeder Zuschauer die gleiche Perspektive.<<, antwortete ich. Wir setzten uns auf die drei freien Plätze und warteten auf den Beginn der Show. Jean fragte mich leise: >>Wenn man schon bei solchen Shows Augenliderprojektionssysteme einsetzt, wie sehen dann die Kinos bei Euch aus?<< - >>Was glaubst Du? Und bitte denke nicht in zu irdischen Maßstäben!<<, erwiderte ich. Jean fragte: >>Dreidimensionales Sehen für alle?<< - >>Dreidimensional und multiperspektivisch, das heißt dass man das Geschehen entweder aus der normalen Zuschauerperspektive oder aus der Ego-Perspektive jedes einzelnen Charakters betrachten kann. Wenn zum Beispiel eine Person den Raum verlässt dann kann man sich entscheiden ob man das Geschehen aus der Sicht einer Person im Raum oder der Person welche gerade den Raum verlassen hat betrachtet. Natürlich gehört zum Augenliderprojektionssystem auch ein Kopfhörer für jeden Zuschauer.<<, antwortete ich. Jean erwiderte: >>Auf manchen DVDs auf der Erde kann man einen Film oder eine Veranstaltung aus verschiedenen Kameraperspektiven betrachten.<< - >>Ja auch das ist multiperspektivisches sehen.<<, antwortete ich.

Schließlich war es soweit, im Saal ertönte die Ansage dass die Augenliderprojektionssysteme nun aktiviert würden, also setzten wir sie auf. Dann begann die Show, es war die überarbeitete Hochdetailversion. Am Anfang herrschte das Dunkel des Nichts im Sichtfeld der Zuschauer, dann erschien das Gesicht von Sarah im Zentrum. Nach einer kurzen Begrüßung ging es los, man sah wie ein gewaltiger Stern explodierte und alle Elemente welche er im Laufe der Zeit durch Kernfusion erbrütet hatte in das All hinaus geschleudert wurden. Durch die Stoßwellen der Explosion wurden weitere Atomkerne fusioniert und so entstanden noch mehr Elemente. Dann war nur noch eine gewaltige Wolke aus Gas und Staub zu sehen. Mit ihrer harmonisierten Stimme erklärte Sarah was die Zuschauer sahen und auch das was sich ihren Blicken entzog. Schließlich sah man wie sich das Gas zusammenballte bis das Feuer der Kernfusion in einem neuen Stern zündete, es war die Geburt unserer Sonne.

Die Prozesse der Planetenentstehung wurden bis ins kleinste Detail gezeigt, von kleinen Staubkörnern die sich zusammenballten, über mittlere Brocken bis hin zu gewaltigen Gesteinsklumpen deren Zusammentreffen schließlich die Gesteinsplaneten bildete. Auch die Bildung der Gasriesen wurde veranschaulicht. Schließlich war das Sonnensystem fast fertig, nur im inneren Bereich waren eindeutig fünf Gesteinsplaneten zu erkennen. Merkur, Venus, Erde, Theia und Mars. Doch das sollte sich bald ändern, die Bahnen von Theia und Erde ließen nichts gutes erahnen. Schließlich kam was kommen musste, Theia näherte sich der Erde immer weiter an und kollidierte schließlich mit ihr. Obwohl ich die Show kannte zuckte ich bei dieser Kollision doch etwas zusammen. Es war so realistisch dass man glauben konnte die Hitze des Aufpralls zu spüren. Die Trümmer welche diese Kollision aufgewirbelt hatte sammelten sich in einem Ring um die Erde und vereinigten sich im Laufe der Zeit zu einem Mond. Die ganze Zeit erklärte Sarah was gerade vor sich ging, dabei waren ihre Worte so gewählt dass jeder es verstehen konnte.

Die gesamte Entwicklungsgeschichte aller Planeten wurde gezeigt und leicht verständlich erklärt, mit allen spannenden und erschreckenden Details. Auch die Entwicklung des Lebens auf der Erde wurde mit der selben Sorgfalt dargestellt wie die Entstehung des Sonnensystems. Man sah viele Arten entstehen und vergehen, Tiere die aus fernen Welten zu stammen schienen und die sich doch auf der Erde entwickelt hatten, bis hin zum Zeitalter der Menschheit. Man sah die Geschichte der Menschheit mit all ihren schönen und hässlichen Seiten, vieles wurde in einer Art Zeitraffer gezeigt und nur bei bedeutenden Ereignissen schien die Zeit mit normaler Geschwindigkeit zu laufen. So ging es weiter bis in die Gegenwart. Am Ende der Show war Sarah‘s Stimme noch einmal als Chor von vielen einzelnen Stimmen zu hören, sie mahnte die Menschheit bei ihren Schritten in den Weltraum nicht die gleichen Fehler zu machen wie bei der Ausbreitung auf ihrem eigenen Planeten.

Als die Show vorbei war und wir die Augenliderprojektionssysteme abgesetzt hatten sagte Jean mit deutlicher Rührung in ihrer Stimme: >>So etwas habe ich noch nie erlebt, es war als wäre ich direkt dabei gewesen, das war unbeschreiblich!<< - >>Ja dieses Programm ist schon eine Offenbarung, auch wenn es schon seit drei Jahren ununterbrochen gezeigt wird.<<, antwortete ich. Yvette fügte hinzu: >>Aber die Animationen hat man deutlich aufgemotzt, bei den ersten Aufführungen war es noch nicht so unbeschreiblich.<< - >>Auf jeden Fall war es sehenswert!<<, sagte Jean. Schließlich erhoben wir uns von unseren Sitzen und verließen die Veranstaltungshalle. Es war schon spät am Abend und wir beschlossen den Tag zu beenden da es für uns alle ein aufregender Tag war. So fuhren wir zu unseren Quartieren hoch, dort angekommen verabschiedete ich mich von Jean und Yvette bevor sie sich in ihr Quartier zurückzogen. Ich begab ich ebenfalls in mein Quartier und machte mich für die Nacht fertig.


Tag 1

Ich wachte am späten Vormittag in meinem Quartier auf, schläfrig schaute ich auf das Display meines Kommunikationsarmbandes. Die Zeitanzeige zeigte dass es bereits kurz nach elf Uhr war, vor Schreck war ich sofort hellwach. Ich sprach in mein Kommunikationsarmband: >>Alice, lokalisiere Jean Bork!<< - >>Jean Bork befindet sich im Kampffliegersimulator des Simulationszentrums für Offiziere.<<, antwortete die warme künstliche Stimme von Alice der künstlichen Intelligenz. Ich fragte: >>Mit wem ist sie dort hin gelangt und wer ist bei ihr?<< - >>Mit Leutnant Yvette Mangold<<, antwortete Alice. Ich atmete tief durch und war erst einmal beruhigt, Yvette würde Jean bestimmt nicht in eine Situation bringen welche sie überfordert. Nachdem der Schreck über mein langes Schlafen verdaut war verließ ich mein Bett und begab mich in den Waschraum um mich für den Tag frisch zu machen.

Nachdem ich mich frisch gemacht und angezogen hatte fragte ich Alice: >>Liegen irgendwelche Nachrichten für mich vor?<< - >>Es liegt eine Nachricht von Leutnant Yvette Mangold für Sie vor.<<, antwortete Alice. Ich erwiderte: >>Nachricht wiedergeben!<< - >>Zeitpunkt der Speicherung der Nachricht war heute um acht Uhr dreißig.<<, sagte Alice, dann hörte man die Stimme von Yvette: >>Hey Negül, ich hoffe es stört Dich nicht wenn Jean und ich uns ein Wenig die Zeit vertreiben. Ich will ihr mal zeigen was ich so beruflich mache und das geht am Besten im Simulator, Du kannst Dich ja melden wenn Du ausgeschlafen hast.<<, dann war die Nachricht beendet. Ich verließ mein Quartier und fuhr mit dem Lift zum Kampffliegersimulator.

Im Simulationszentrum schaute ich in welchem Cockpit und in welcher Simulation Jean und Yvette waren, nach kurzer Suche fand ich sie. Als ich den Beobachtungsmodus auf der Konsole des Simulators gewählt hatte sah ich dass sie anscheinend von einer Kolonie zur nächsten flogen, die ganze Simulation ähnelte einer Besichtigungstour durch das Territorium der terranischen interstellaren Republik der Lebensräume. Ich stellte eine Sprechverbindung zu Yvette her und als sie sich meldete fragte ich: >>Na wie läuft es?<< - >>Oh, ganz gut! Wir sind gerade dabei eine Tour zu den verschiedenen Kolonien und Stationen zu machen.<<, antwortete Yvette. Ich erwiderte: >>Du treibst es aber nicht zu wild, nicht dass Jean noch einen Anfall von Motionsickness erleidet.<< - >>Hey, ich bin doch gar nicht an der Steuerung!<<, antwortete Yvette lachend. Ich fragte: >>Jean, Du fliegst selbst?<< - >>Oh ja und es fühlt sich fantastisch an, auch wenn es nur eine Simulation ist!<<, hörte ich Jean aus dem Hintergrund rufen. Auf der Konsole war zusehen dass das simulierte Schiff von Jean gerade den Marsorbit erreicht hatte und Kurs auf den Planeten nahm. Sie flog zielstrebig auf das Hangartor der dortigen Kolonie zu und ihre Position im Anflugpfad sah sehr gut aus. Das Hangartor öffnete sich und das simulierte Schiff flog präzise in den Hangar hinein, mit dem Erreichen der Parkposition wurde die Simulation beendet.

Als Jean und Yvette aus dem Simulator-Cockpit kletterten war der Gesichtsausdruck von Jean sehr Euphorisch. Ich sagte: >>Du fliegst echt gut für jemanden der zum ersten Mal im Cockpit sitzt.<< - >>Danke, es hat aber auch Spaß gemacht! Deine Freundin hat mir alles gezeigt was ich wissen mußte.<<, antwortete Jean. Ich neigte den Kopf zur Seite und sagte: >>Interessant, ich vermute mal dass dabei auch ein Repeater-Headset eine Rolle gespielt hat.<< - >>Ja richtig, genau so war es!<<, antwortete Jean. Ich schaute Yvette an und rollte mit den Augen, sie fragte: >>Was denn?<< - >>Du gibst Jean einen Schnellkurs im Fliegen, mit einem Repeater-Headset? Wo bitte soll sie denn das erlernte anwenden wenn sie wieder auf der Erde ist?<<, erwiderte ich.

Nach einigen Sekunden nachdenklichen Schweigens sagte Jean: >>Na ja wenn alles klappt werde ich in Zukunft vielleicht öfter die Erde verlassen.<< - >>Du willst Dich für die Stelle bei Nanotex bewerben, wirklich?<<, fragte ich. Jean antwortete: >>Ja, Yvette hat mir sogar dabei geholfen eine Präsenz im Flottennetzwerk zu erstellen und diese mit meiner Facebook-Seite auf der Erde zu verknüpfen. So können sich potentielle Interessenten gleich darüber informieren was ich bisher gemacht habe. Dann habe ich eine Verknüpfung zum öffentlichen Teil meiner Präsenz an Nanotex übermittelt. Ach ja und ich habe Euch beide übrigens zu meiner Allianz im Flottennetzwerk hinzugefügt.<< - >>Wow, ich weiß nicht was ich sagen soll, da habt Ihr ja echt Nägel mit Köpfen gemacht!<<, erwiderte ich. Yvette grinste und sagte: >>Ich dachte Du freust Dich wenn ich Jean von den Vorzügen unserer Gesellschaft überzeuge.<< - >>Hallo, ob ich mich freue? Das ist ja wie Weihnachten, natürlich freue ich mich!<<, antwortete ich und fiel Yvette um den Hals. Dann nahm ich Jean in den Arm und sagte: >>Wenn das klappt bekommst Du nicht nur einen Karriereschub sondern einen echten Nachbrenner.<< - >>Das wäre schon toll hier oben zu arbeiten, besonders weil vieles hier so viel einfacher ist als auf der Erde. Wenn ich nur daran denke wie schnell ich das Steuern im Simulator gelernt habe und alles nur durch dieses Repeater-Headset, so etwas wäre auf der Erde undenkbar!<<, antwortete Jean. Nachdem wir das Simulationszentrum verlassen hatten rumorte es in meinem Bauch laut hörbar. Yvette fragte: >>Hast Du heute noch nichts gegessen?<< - >>Ich bin kurz nach elf Uhr aufgestanden, hab mich frisch gemacht und dann bin ich her gekommen.<<, antwortete ich. Jean fragte: >>Wie wäre es mit Mittagessen?<< - >>Gute Idee!<<, antwortete ich. Vor den Liftzugängen wählte Jean den Restaurantbereich als Fahrziel und wir begaben uns zum zugewiesenen Liftzugang.

Das Restaurant war mäßig besucht, wir hatten eine große Auswahl an freien Tischen und setzten uns an einen Tisch am Fenster. Nachdem wir unsere Speisen und Getränke bestellt hatten zeigte Jean auf das Fenster und sagte: >>Zu schade dass außerhalb des Besucherbereichs die vierfache Schwerkraft der Erde herrscht, ich würde gerne mal einen Ausflug zu den Farmen machen.<< - >>Kein Problem, es gibt doch Anzüge mit Schwerkraftkompensation! Wir können uns welche ausleihen und einen Ausflug machen.<<, antwortete Yvette. Jean erwiderte: >>Oh ja das wäre toll!<< - >>Okay tun wir‘s!<<, antwortete ich. Dann kam der kleine Servierwagen mit unseren Speisen und Getränken, wir stellten alles auf den Tisch und der kleine Wagen fuhr wieder davon. Wir hatten alle drei das gleiche Gericht bestellt, einen Eintopf mit allen nur erdenklichen Gemüsearten welche auf Gliese 581g wachsen. Als Getränk hatten wir je einen Thermobecher mit Feuertee, einer Teeart welche ebenfalls auf Gliese 581g angebaut wird. Diese Teeart wird in einer heißeren Zone von Gliese 581g angebaut und trägt daher den Namen Feuertee, durch die ganztägige starke Sonneneinstrahlung ist dieser Tee besonders aromatisch.

Nach dem Essen fragte Yvette: >>Wollen wir nun einen Ausflug zu den Farmen machen?<< - >>Also mich würde das schon interessieren.<<, antwortete Jean. Ich schaute Jean an und erwiderte: >>Stell Dich schon mal darauf ein total fasziniert zu werden! Sonst bist Du es immer die mich mit ihren Moderationen total fasziniert, es wird Zeit etwas von der Faszination zurück zu geben.<< - >>Das ist süß, danke!<<, antwortete Jean. Yvette hatte inzwischen den kleinen Servierwagen an unseren Tisch geholt, wir stellten unser benutztes Geschirr darauf und der Wagen fuhr wieder davon. Dann erhoben wir uns von unseren Sitzplätzen und verließen das Restaurant. Wir begaben uns zum Lift und fuhren zu dem Bereich von wo aus die Touren durch die Farmen starteten. Nachdem wir uns an einem Tresen für die Tour registriert hatten übergab man uns die passenden Anzüge zur Schwerkraftkompensation. Wir begaben uns in die Umkleidekabinen und zogen die Anzüge für die Schwerkraftkompensation über unsere Kleidung, anschließend holten wir uns je ein Augenliderprojektionssystem um die wahre Schönheit der Natur auch erkennen zu können.

Jean setzte das Augenliderprojektionssystem auf und probierte schon einmal alle Sichtmodi aus. Begeistert sagte sie: >>Das ist ja genial! Infrarot, ultraviolett, damit kann ich in einem Großteil des elektromagnetischen Spektrums sehen!<< - >>Und der Zoom ist auch nicht zu verachten, stufenlos von Faktor eins bis vierundzwanzig.<<, antwortete ich. Dann war es soweit, die Gruppe mit der wir auf die Tour gingen begab sich zur Schwerkraftschleuse. Jean sagte leise zu mir: >>Es ist irgendwie beunruhigend wenn ich daran denke dass wir gleich den Bereich der Schwerkraft mit Erdniveau verlassen und dann der vierfachen Schwerkraft ausgesetzt sind.<< - >>Denk einfach nicht daran! Die Schwerkraftkompensation Deines Anzuges passt sich automatisch der Schwerkraft Deines Aufenthaltsortes an.<<, antwortete ich.

Wir betraten die Schwerkraftschleuse und die Türen des Besucherbereichs schlossen sich hinter uns, einige Sekunden später öffneten sich die Türen vor uns und gaben den Weg in die übrige Kolonie frei. Man spürte absolut keine Veränderung als in der Schwerkraftschleuse die Systeme zur Schwerkraftkompensation im Boden herunter und in unseren Anzügen hoch gefahren wurden. Wenige Meter hinter der Schwerkraftschleuse lag der Bahnhof einer kleinen Schwebebahn. Mit dieser Bahn fuhren wir durch die verschiedenen landwirtschaftlichen Bereiche der Kolonie. Jean hatte ihr Augenliderprojektionssystem auf Infrarotsicht umgeschaltet und sagte: >>Das ist unglaublich, man sieht sogar die Wärmeabstrahlung des Bodens! Ich hätte nie gedacht dass ich einmal so etwas sehen würde.<< - >>Wenn Dich das schon beeindruckt dann wechsle mal auf den Sichtmodus für atmosphärische Strömungen und schaue Dir damit mal den Boden und den Himmel an!<<, erwiderte ich.

Jean schaltete den Sichtmodus ihres Augenliderprojektionssystems um und betrachtete die Umwelt. Beeindruckt sagte sie: >>Wie die Luft in der oberen Atmosphäre in eine Richtung strömt und in der unteren in die andere, das ist unsagbar schön!<< - >>Ja die Luft wird auf der Sonnenseite des Planeten aufgeheizt und steigt nach oben. Dabei dehnt sie sich aus und der Luftdruck steigt in den oberen Schichten der Atmosphäre. Auf der Schattenseite herrscht dagegen ein geringerer Luftdruck in den oberen Schichten der Atmosphäre weil die Luft dort abkühlt und nach unten fällt. In den Unteren Schichten der Atmosphäre auf der Schattenseite ist aber bereits kalte Luft, diese wird nun durch die absackende Luft verdrängt und auf die Sonnenseite gedrückt. Dabei reißt sie Eispartikel mit welche auf ihrem Weg zur Sonnenseite schmelzen und schließlich verdampfen. In den mittleren Schichten der Atmosphäre sammelt sich der Wasserdampf bis zu einer gewissen Menge. Dort verliert er wärme und fällt schließlich als Regen zu Boden, glücklicher Weise genau dort wo der agrarwirtschaftliche Teil der Kolonie liegt. So haben wir ein stabiles und voraussehbares Klima, der Zeitpunkt an dem sich genug Wasserdampf in der Atmosphäre gesammelt hat damit es regnet lässt sich ziemlich genau berechnen.<<, erklärte Yvette.

Wir erreichten den Bereich in dem die Nutzpflanzen angebaut wurden. Jean schaltete durch die Sichtmodi ihres Augenliderprojektionssystems, schließlich sagte sie: >>Die Pflanzen sehen hier farblich irgendwie anders aus als auf der Erde, ihre Blätter sind schwarz!<< - >>Das kommt daher weil das Lichtspektrum der hiesigen Sonne ein anderes ist. Während unsere Sonne auf der Erde ein eher gelbliches Licht abgibt erzeugt der Stern dieses Systems ein eher rötliches Licht. Die Oberfläche der Pflanzen muss ein Maximum an Energie aus dem einfallenden Licht ziehen und da das Licht eine andere Farbe hat muss auch die Oberfläche der Pflanzen eine andere Farbe haben.<<, erklärte ich. Wir fuhren über die vollautomatisch bewirtschafteten Felder und Plantagen voller Gemüse, Obst, Tee und anderer landwirtschaftlicher Güter hinweg. Jean betrachtete diese ihr fremde Welt aufmerksam, sie schien von dem was sie sah mehr als nur beeindruckt zu sein.

Schließlich erreichten wir den Bereich in dem die Viehzucht betrieben wurde, am Boden grasten verschiedene Nutztiere. Jean schaute fasziniert auf die weidenden Nutztiere und wechselte durch die Sichtmodi ihres Augenliderprojektionssystems. Dann sagte sie: >>Ich erkenne die Tierarten aber sie sehen anders aus als auf der Erde, irgendwie massiver und stämmiger. Liegt das an der höheren Schwerkraft?<< - >>Ja, die Tiere wurden vor langer Zeit an das Schwerkraftniveau dieses Planeten angepasst. Sie haben sich hier fortgepflanzt und die Anpassung an die Umweltbedingungen an ihre Nachkommen weiter gegeben. Ihr Fleisch ist viel kräftiger und aromatischer als das der irdischen Nutztiere, auch das ist eine Folge der Anpassung an die höhere Schwerkraft.<<, antwortete ich. Als wir über die Waldgebiete des Planeten hinweg fuhren betrachtete Jean sehr interessiert die Bäume welche sich ebenfalls von ihren Artgenossen auf der Erde unterschieden. Sie waren nur ein Viertel so groß und hatten Stämme welche wie wuchtige Säulen aussahen. Jean deutete auf die Bäume und sagte: >>Das Erscheinungsbild der Bäume ist auch eine Folge der starken Schwerkraft.<< - >>Ja und ihr Holz ist qualitativ sehr hochwertig, allerdings benötigt man für seine Bearbeitung spezielle Werkzeuge.<<, erwiderte ich.

Jean fragte: >>So was wie einen Laser oder einen fokussierten Molekularresonator?<<, dann machte sie eine Pause und sagte: >>Frag mich bitte nicht wie ich darauf komme!<< - >>Ich denke dass ich vielleicht Yvette diese Frage stellen sollte. Na Yvette wie kommt Jean auf einen fokussierten Molekularresonator?<<, erwiderte ich. Yvette verzog das Gesicht und sagte: >>Jean machte auf mich den Eindruck dass ihr unsere Technologie ziemlich fremd vorkommt, also habe ich ihr neben den fliegerischen Grundlagen auch ein umfangreiches Technisches Grundwissen übermittelt.<< - >>Moment mal! Willst Du damit sagen dass Du mir eine Art Upgrade in Form eines grundlegenden technischen Sachverstandes verpasst hast?<<, erwiderte Jean. Yvette nickte und antwortete: >>Du solltest Dich hier heimisch fühlen.<< - >>Ich kann es nicht fassen dass so etwas möglich ist, auf der Erde hätte das Aufbauen eines technischen Sachverstandes viele Wochen oder Monate gebraucht! Es war ja schon seltsam dass ich nach einer Stunde genau wusste wie man einen Kampfflieger steuert, aber jetzt erfahre ich dass Du mir noch mehr beigebracht hast.<<, erwiderte Jean. Ich sagte zu ihr: >>Sei nicht sauer auf Yvette, sie hat es nur gut gemeint!<< - >>Ich bin nicht sauer, nur ziemlich überrascht. Wenn man diese Technologie im Bildungswesen einsetzen würde...<<, erwiderte Jean. Ich sagte daraufhin: >>Das tut man bereits in der Vermittlung des Allgemeinwissens bei Schülern, im anschließenden Studium und auch in der Berufsausbildung. Erinnerst Du Dich an Deinen Besuch auf der Neptun- Hoststation? Damals habe ich Dir erzählt dass Du eine maßgeschneiderte Ausbildung in der Kontrolle der Schwerkraftkompensation und der Trägheitsverlagerung erhalten würdest falls Du die Stelle als Moderatorin bei Nanotex bekommst.<< - >>Ja stimmt ich erinnere mich! Ich hätte nur nicht gedacht dass es hier bei Euch so einfach ist etwas neues zu lernen.<<, antwortete Jean.

Schließlich erreichten wir wieder den Ausgangspunkt unserer Tour durch die agrarwirtschaftlichen Bereiche der Kolonie. Nachdem wir wieder die Schwerkraftschleuse passiert hatten gaben wir unsere Augenliderprojektionssysteme ab, zogen die Anzüge für die Schwerkraftkompensation aus und gaben auch diese wieder zurück. Inzwischen war es schon weit nach vierzehn Uhr und dreißig und ich fragte Jean: >>Hast Du schon eine Idee was Du jetzt machen willst?<< - >>Die Tour war sehr interessant aber auch kräftezehrend, am liebsten würde ich mich jetzt etwas ausruhen.<<, antwortete Jean. Ich erwiderte: >>Wir könnten uns für eine Weile in die Sonne legen und uns wärmen lassen. Da das Licht hier einen hohen Infrarotanteil hat und kaum ultraviolette Wellen beinhaltet brauchen wir uns nicht einmal Sorgen um unsere Haut zu machen.<< - >>Das klingt sehr gut, ich bin dabei!<<, antwortete Jean. Daraufhin fuhren wir zu unseren Quartieren hoch und holten uns passende Sachen für ein Sonnenbad aus den Kleiderschränken.

Ich hatte meine Kleidung für das Sonnenbad schnell zusammengestellt, eine halblange Hose, ein Hemd mit kurzen Ärmeln und ein paar leichte Sandalen. Nachdem ich alles in einer Umhängetasche verstaut hatte verließ ich wieder mein Quartier. Wir hatten verabredet dass wir uns vor dem Liftzugang vor unseren Quartiertüren treffen, Jean und Yvette waren aber noch nicht dort. Nach ein paar Minuten kamen auch Jean und Yvette aus ihrem Quartier. Jean sagte: >>Ich hätte nicht gedacht dass es mir so schwer fallen wird für ein Sonnenbad die passende Kleidung zu finden aber bei der Auswahl an bereitgestellter Kleidung fällt eine Entscheidung ziemlich schwer.<< - >>Das gibt sich mit der Zeit, Yvette hat dafür eine Art Outfit-Kalender im Kopf. Sie plant bereits im Voraus welche Outfits sie in den folgenden Tagen tragen will. Da wir hier keine bösen Überraschungen mit dem Wetter erleben können ist es leicht einen Outfit-Plan zu machen und einzuhalten.<<, antwortete ich.

Nachdem wir den Wellnessbereich erreicht hatten begaben wir uns zu den Umkleidekabinen, Jean und Yvette teilten sich eine Kabine. Das Umziehen dauerte nicht lange, als wir die Umkleidekabinen wieder verließen konnte ich auch sehen für welches Outfit sich Jean und Yvette entschieden hatten. Jean trug ein hautenges weißes Hemd mit kurzen Ärmeln, eine kurze schwarze Hose und Sandalen. Yvette hatte sich für einen einteiligen türkisfarbenen Badeanzug entschieden, dazu trug sie ebenfalls leichte Sandalen. Wir begaben uns in die große Lichtdurchlässige Kuppel mit den vielen Liegen welche auf Terrassen aufgestellt und zum einfallenden Licht ausgerichtet waren. Wir fanden schließlich drei freie Liegen welche nebeneinander standen, dort legten wir uns hin und genossen das warme Licht welches auf uns fiel.

Nachdem wir uns hingelegt hatten sagte ich: >>Also wenn Ihr nachher in die Kältekammer wollt dann ohne mich, ich bin kein Fan von kalten Räumen.<< - >>Die Kältekammer?<<, fragte Jean. Yvette antwortete: >>Ein kleiner Raum den man für wenige Minuten betritt, dort herrschen minus einhundertfünfzig Grad Celsius. Das soll die Abwehrkräfte stärken, auch wenn man es eigentlich nicht braucht weil unser Immunsystem durch die auf Nanotechnologie basierende Immun- und Heilungsunterstützung verstärkt ist.<< - >>Nanotechnologie als Immun- und Heilungsunterstützung, bekommt das jeder der hier bei Euch arbeitet?<<, fragte Jean. Ich antwortete: >>Ja das ist die Standardimpfung, die Immun- und Heilungsunterstützung ist auf den genetischen Code ihres Trägers justiert. Jeder biologische Fremdkörper mit einem anderen genetischen Code wird von der Immun- und Heilungsunterstützung sofort angegriffen und thermisch eliminiert. Außerdem beschleunigt die Immun- und Heilungsunterstützung auch die Heilung von Verletzungen. Es ist quasi ein internes Reparatursystem mit integrierter biologischer Firewall.<< - >>Es eliminiert jedes biologische Material welches einen anderen genetischen Code hat als sein Träger? Wie wird dann die Fortpflanzung bei Euch realisiert, durch klonen oder im Reagenzglas?<<, fragte Jean.

Ich machte zu Jean die Geste mit dem Daumen nach oben und sagte: >>Das ist ein guter Einwand! Aber wie bei jeder guten Firewall kann man auch bei der Immun- und Heilungsunterstützung Ausnahmen programmieren. Für die Fortpflanzung wird zum Beispiel der genetische Code beider Eltern in der Immun- und Heilungsunterstützung der Mutter als Ausnahme programmiert. Dann wird jedes biologische Material des Vaters ebenfalls von der Eliminierung ausgenommen. Nach der Entbindung wird die Ausnahmeregelung für den genetischen Code des Vaters wieder entfernt und die Immun- und Heilungsunterstützung im Körper des Kindes auf dessen genetischen Code programmiert. Selbstverständlich kommen solche Ausnahmen auch bei Transplantationen von nicht geklonten Organen permanent zu Anwendung.<< - >>Das ist ja unglaublich!<<, antwortete Jean. Daraufhin entspannten wir uns und ließen uns vom warmen orange-rötlichen Licht bestrahlen das durch die durchsichtige Kuppel schien.

Nach eine Weile, wir dösten gerade gemütlich herum, da ging ein Sprechwunsch von Jaqueline Ivanes bei Jean auf ihrem Kommunikationsarmband ein. Jean schaute mich fragend an, daraufhin sagte ich: >>Nimm das Gespräch an, das ist definitiv für Dich!<< - >>Wenn Du meinst.<<, antwortete Jean. Dann stellte sie die Verbindung her und sagte: >>Sprechen Sie!<< - >>Mein Name ist Jaqueline Ivanes, ich arbeite bei Nanotex in der Entwicklung und Produktion von Textilien und bin außerdem für das Marketing zuständig. Spreche ich mit Frau Jean Bork?<<, erwiderte die Stimme am anderen Ende der Sprechverbindung. Jean antwortete: >>Ja das bin ich.<< - >>Ausgezeichnet! Frau Bork ich betrachte gerade Ihre Referenzen welche Sie an unsere Präsenz im Flottennetzwerk übermittelt haben und ich bin zu dem Ergebnis gekommen dass Sie eine gute Wahl für die Stelle als unsere neue Moderatorin sind. Die Details würde ich gerne mit Ihnen persönlich besprechen. Wann und wo wäre es Ihnen denn recht?<<, erwiderte Jaqueline Ivanes. Jean schaute mich fragend an, ich flüsterte ihr zu: >>Hier, so bald wie möglich!<<, darauf sprach Jean in ihr Kommunikationsarmband: >>Ich bin heute und die nächsten sechs Tage in der Kolonie auf Gliese 581g und habe keine konkreten Termine in dieser Zeit.<< - >>Wie wäre es mit heute Abend um siebzehn Uhr dreißig?<<, fragte Jaqueline Ivanes. Ich nickte Jean zu und sie antwortete: >>Ja siebzehn Uhr dreißig ist okay!<< - >>In Ordnung, ich melde mich bei Ihnen wenn ich die Kolonie erreicht habe.<<, erwiderte Jaqueline Ivanes. Jean sagte: >>Einverstanden, auf wieder hören!<< - >>Auf wieder hören!<<, antwortete Jaqueline Ivanes und trennte die Verbindung.

Nachdem das Gespräch beendet war sagte Jean überrascht: >>Das ging aber schnell!<< - >>Du erregst eben nicht nur auf der Erde jede Menge Aufmerksamkeit.<<, antwortete ich. Dann schaute ich auf mein Kommunikationsarmband und sagte: >>Okay, jetzt ist es sechzehn Uhr. Wollen wir uns langsam wieder umziehen?<< - >>Ja, können wir machen.<<, antwortete Jean. Daraufhin erhoben wir uns von unseren Liegeplätzen und begaben uns zu den Umkleidekabinen. Als wir uns wieder unsere normale Freizeitkleidung angezogen hatten trafen wir uns vor den Umkleidekabinen wieder und begaben uns zum Liftzugang. Während wir zu unseren Quartieren hoch fuhren fragte Jean: >>Was soll ich anziehen zu dem Gespräch mit Frau Ivanes?<< - >>Dein X1-Anzug wäre eine logische Wahl, damit zeigst Du dass Du Dich auch für die Textilien von Nanotex interessierst.<<, antwortete ich. Yvette fügte hinzu: >>Gutes Argument!<< - >>Okay dann ist ja alles klar. Oh verdammt bin ich aufgeregt!<<, sagte Jean. Die Lifttüren öffneten sich und wir verließen die Liftkabine. Bevor wir unsere Quartiere betraten sagte Jean: >>Ich werde vorher noch mal unter die Dusche gehen, vielleicht legt sich die Aufregung dadurch.<< - >>Wenn Du mit dem Ganzkörperföhn nicht klar kommst dann frag Yvette!<<, antwortete ich. Jean lachte und erwiderte: >>Das war das erste der Wunder hier oben das sie mir erklärt hat.<< - >>Okay dann treffen wir uns um ..., siebzehn Uhr vor dem Quartier?<<, fragte ich. Jean und Yvette waren einverstanden und verschwanden in ihrem Quartier, daraufhin betrat auch ich mein Quartier.

Ich hing die Sachen vom Sonnenbad in den Bereich des Kleiderschranks welcher für die Durchlüftung der Kleidung vorgesehen war, dann aktivierte ich die Belüftung und ging in den Wohnbereich meines Quartiers. Ich setzte mich auf die Couch und aktivierte den Bildschirm an der Wand, anschließend ließ ich die Oberfläche des Flottennetzwerkes öffnen. In den News stand der Hinweis dass Jean mich ihrer Allianz hinzugefügt hatte, ich fügte meiner Allianz ebenfalls eine Verknüpfung zu Jean ihrer Netzwerkpräsenz hinzu. Anschließend schaute ich mir die Netzwerkpräsenz von Jean an, dort hatte sie eine Verknüpfung zu ihrer Facebook-Seite und zu ihrer Webseite auf der Erde hinzugefügt. In der Rubrik „Lebensgeschichte“ hatte sie ihre Eindrücke von ihrem letzten Besuch auf der Neptun- Hoststation beschrieben.

Die Schilderung ihrer Eindrücke von ihrem Besuch auf der Neptun- Hoststation hatte Jean derart ausführlich formuliert dass man ihre Faszination beim Lesen spürte. Ich hätte nie erwartet dass sie derart beeindruckt von der Welt außerhalb der Erdatmosphäre war. Nach dem ich den Bericht gelesen hatte wechselte ich auf die Nanotex-Präsenz, im öffentlich einsehbaren Bereich war noch nichts zu erkennen was darauf schließen ließ wie hoch die Chancen waren dass Jean die nächste Show-Moderatorin von Nanotex werden könnte. Ich wechselte auf die Informationsseite der Kolonie auf Gliese 581g und schaute nach dem Abendprogramm für den aktuellen Tag. Am Abend war eine kleine feierliche Zusammenkunft in der großen Lounge geplant, ich hoffte dass es mir gelingen würde Jean und Yvette für die Teilnahme daran zu begeistern. Es gab doch nichts besseres um jemand neues in die Gesellschaft der terranischen interstellaren Republik der Lebensräume einzuführen als so eine lockere Zusammenkunft.

Als es auf siebzehn Uhr zuging deaktivierte ich den Bildschirm und verließ mein Quartier, Jean und Yvette warteten bereits dort. Yvette sagte: >>Hey Negül, heute Abend findet eine kleine Veranstaltung in der großen Lounge statt. Was hältst Du davon wenn wir mit Jean dort hin gehen um sie in unserer Welt willkommen zu heißen?<< - >>Was denn, kannst Du etwa meine Gedanken lesen?<<, erwiderte ich. Yvette fragte: >>Du hast auch im Flottennetzwerk davon erfahren oder?<< - >>Na klar, und ich finde die Idee großartig. Was meinst Du Jean?<<, erwiderte ich. Jean antwortete: >>Wir wissen doch noch gar nicht ob es was zu feiern gibt bevor das Gespräch mit Frau Ivanes beendet ist.<< - >>Klar gibt es was zu feiern, dass wir drei hier sind, auf einem Planeten von dem manche auf der Erde behaupten oder annehmen dass er gar nicht existiert!<<, sagte ich. Yvette hatte inzwischen die Lobby des Wohnturmes als Fahrziel für den Lift gewählt und als die Lifttüren sich öffneten betraten wir die Kabine.

Als wir die Lobby erreicht hatten und in Richtung des Raumhafen-Wartebereichs gingen sagte ich: >>Mal sehen ob wir herausfinden mit welchem Schiff Jaqueline Ivanes kommt.<< - >>Ich glaube nicht dass sie mit einem Schiff des Passagiertransfernetzwerks her kommt, sie schätzt die Unabhängigkeit welche ihre Position mit sich bringt.<<, erwiderte Yvette. Jean fragte: >>Die Schiffe des Passagiertransfernetzwerkes sind so etwas wie Busse bei Euch oder?<< - >>Ein Vergleich mit großen Fährschiffen wäre treffender, das Platzangebot an Bord ist doch sehr großzügig bemessen. Man kann sogar ein kleines Schiff mit an Bord der Passagierschiffe nehmen welches für die Dauer der Reise im Hangar geparkt wird.<<, erklärte ich.

Als wir im Wartebereich des Raumhafens angekommen waren studierten wir die Displays mit den Ankunftszeiten der Linienschiffe. Das nächste Linienschiff aus Richtung der Neptun- Hoststation sollte erst um kurz vor achtzehn Uhr eintreffen. Jean studierte die Linienpläne der Passagierschiffe, sie sagte: >>Viele dieser Ziele sagen mir rein gar nichts, einige der Namen habe ich vielleicht irgendwo mal gehört oder gelesen aber einen Zusammenhang kann ich nicht herstellen.<< - >>Du bist doch insgesamt gerade mal zwei Tage im Weltraum wenn man alle Stunden zusammenzählt. Woher solltest Du in so kurzer Zeit alle Lebensräume unserer Republik kennen?<<, erwiderte ich. Bei Yvette ging ein Sprechwunsch von Ruby Ivanes ein, Yvette nahm das Gespräch an und sagte: >>Hallo Ruby!<< - >>Vielleicht interessiert es Dich ja dass ich gerade auf dem Weg nach Gliese 581g bin.<<, antwortete Ruby. Yvette erwiderte: >>Sag jetzt nicht dass Du Deine Mutter mit einem Kampfflieger hierher bringst!<< - >>Nein nicht mit einem Kampfflieger, wir sind an Bord der Far Horizon.<<, antwortete Ruby. Auf die Frage von Yvette wo das Treffen zwischen Jaqueline Ivanes und Jean stattfinden würde erklärte Ruby, dass dieses Treffen auf der Far Horizon stattfinden würde.

Als die Sprechverbindung zwischen Yvette und Ruby getrennt war fragte Jean: >>Die Far Horizon?<< - >>Die E.S.F.S. Far Horizon ist das Flaggschiff der Erdraumflotte und Nanotex ist der Hauptlieferant der Erdraumflotte für Textilien und Uniformen. Ich schätze mal dass die Anwesenheit des Flaggschiffes der Erdraumflotte bei dieser Zusammenkunft die Verbundenheit mit Nanotex unterstreichen soll.<<, erklärte Yvette. Jean fragte: >>E.S.F.S., was bedeutet das?<< - >>Das bedeutet dass es ein Schiff der Erdraumflotte ist, es ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung Earth-Spacefleet-Ship<<, erklärte ich. Yvette sagte: >>Die Far Horizon gehört zur Triangle-Klasse und erinnert in ihrer Form an einen B2-Tarnkappenbomber, nur dass sie um ein Vielfaches größer ist.<< - >>Die würde ich gerne mal sehen, ich meine von außen.<<, antwortete Jean. Yvette deutete auf das X-Pad welches Jean in der Armhalterung trug und sagte: >>Das kannst Du haben. Lass Dir einfach von Alice das Schiff zeigen!<< - >>Na da bin ich mal gespannt.<<, antwortete Jean. Dann schaute sie auf das X-Pad an ihrem Arm und sprach hinein: >>Alice, zeige mir ein Bild der Außenansicht von der Far Horizon!<<, kurz darauf sah sie das angeforderte Bild und sagte: >>Wow, elegantes Design!<< - >>Ja sie sieht elegant aus und schlagkräftig ist sie außerdem.<<, antwortete Yvette.

Schließlich ging ein Sprechwunsch von Jaqueline Ivanes bei Jean ein. Jean stellte die Verbindung her und sagte: >>Sprechen Sie!<< - >>Ich befinde mich derzeit an Bord der Far Horizon im Orbit von Gliese 581g, wenn Sie und Ihre Begleitung bereit sind können Sie die Far Horizon kontaktieren um sich an Bord teleportieren zu lassen.<<, antwortete Jaqueline Ivanes und trennte die Verbindung. Jean schaute Yvette an und fragte: >>Kommst Du auch mit?<< - >>Eigentlich bin ich ja im Urlaub und wollte meinen Arbeitsort nicht vor Ende meines Urlaubs wieder sehen, aber wenn Du möchtest dass ich mitkomme dann bin ich dabei. Negül wäre als Begleitung aber genau so gut wie ich.<<, antwortete Yvette. Ich fragte: >>Können wir Jean nicht beide begleiten?<< - >>Natürlich, es steht nirgendwo geschrieben dass ein Gast nur von einer Person begleitet werden darf.<<, antwortete Yvette. Jean sprach daraufhin in ihr Kommunikationsarmband: >>Jean Bork an Far Horizon!<< - >>Hier ist Peter Tönnigs, Kapitän der Far Horizon. Sprechen Sie!<<, kam die Antwort. Jean erwiderte: >>Drei Personen sind bereit an Bord teleportiert zu werden.<< - >>Verstanden, bereithalten für Teleportation!<<, antwortete Kapitän Tönnigs und trennte die Sprechverbindung.

Wenige Sekunden später standen Jean, Yvette und ich auf der Teleporterplattform im Teleporterraum der Far Horizon. Neben dem Fähnrich an der Konsole des Teleporters stand Commander Junkers und sagte: >>Willkommen an Bord der Far Horizon Frau Bork, ich bin Commander Junkers. Unsere Geschwaderführerin Leutnant Mangold haben Sie ja bereits kennengelernt.<< - >>Danke Commander, es ist mir eine Ehre hier zu sein.<<, antwortete Jean. Commander Junkers erwiderte: >>Jaqueline Ivanes erwartet Sie bereits im Besprechungsraum. Bitte folgen Sie mir!<<, mit diesen Worten wandte er sich der Tür zu und verließ den Teleporterraum. Jean, Yvette und ich folgten ihm. Wir begaben uns zum nächsten Liftzugang und fuhren zur Brücke, von dort aus betraten wir den Besprechungsraum welcher seitlich neben der Brücke lag. An einem großen Tisch im Besprechungsraum saßen Kapitän Tönnigs und Jaqueline Ivanes.

Commander Junkers sagte: >>Kapitän, unser Gast - Jean Bork - und ihre Begleitung!<< - >>Danke Commander!<<, antwortete Kapitän Tönnigs. Commander Junkers verabschiedete sich daraufhin und kehrte auf die Brücke zurück. Wir setzten und an den großen Tisch und nach der Vorstellung aller Gesprächsteilnehmer begann das Gespräch. Jaqueline Ivanes erklärte in der Einleitung dass sie dem was sie über Jean ihre berufliche Vergangenheit gelesen und gehört hatte sehr beeindruckt war.

Nach der Einleitung fragte Jaqueline Ivanes: >>Frau Bork, was hat Sie bewogen sich für die Stelle der Show-Moderatorin bei uns zu bewerben?<< - >>Negül Sella hat mich auf diese Idee gebracht, er meinte dass ich mit meinem Stil zu moderieren gut in die Präsentationen von Nanotex passen würde.<<, antwortete Jean. Jaqueline Ivanes fragte weiter: >>Wussten Sie von diesem Stellenangebot bevor Negül Sella Ihnen empfohlen hat sich bei uns zu bewerben?<< - >>Nein, ich wusste zuvor nicht einmal von der Existenz anderer Lebensräume außerhalb der Biosphäre der Erde.<<, antwortete Jean. Kapitän Tönnigs fragte: >>Und welchen Eindruck haben Sie von den Lebensräumen außerhalb der Biosphäre der Erde<< - >>Ich bin beeindruckt, solche Technologien wie sie mir hier begegnet sind habe ich zuvor noch nie gesehen. Außerdem hätte ich nie gedacht dass es hier draußen noch so viele Menschen gibt.<<, antwortete Jean. Jaqueline Ivanes fragte: >>Warum möchten Sie sich ausgerechnet für diese Stelle als Show-Moderatorin für Nanotex bewerben?<< - >>Ich bin beeindruckt von der Mode von Nanotex, nicht nur von den optisch-modischen Details sondern auch von den Upgrades und Funktionen welche mit der Mode von Nanotex angeboten werden. Die Eigenschaften der optisch variablen Oberfläche an der absolut nichts haften bleibt sind beeindruckend. Auch die durch Gyroskope stabilisierten Highwalker-Schuhe welche ein Umknicken nahezu unmöglich machen beeindrucken mich sehr. Ich würde gerne anderen Menschen die Vorzüge der Nanotex-Kollektionen erklären und näher bringen.<<, antwortete Jean. Es folgten noch zahlreiche Fragen welche dazu dienten das Interesse von Jean für die Stelle als Show-Moderatorin für Nanotex zu ermitteln. Jean beantwortete sie alle souverän und ohne einen Zweifel an ihrer Entschlossenheit zuzulassen lassen das sie diese Stelle unbedingt haben wollte.

Nachdem Jean alle Fragen des Bewerbungskatalogs beantwortet hatte wandte sich Jaqueline Ivanes mir zu und sagte: >>Sie haben Frau Bork auf die offene Stelle bei uns aufmerksam gemacht obwohl sie zuvor noch keine Kenntnis von der Existenz exoterrestrischer menschlicher Lebensräume hatte. Sind Sie sicher dass Frau Bork den für sie neuen Eindrücken umgehen kann?<< - >>Ja, ohne den geringsten Zweifel!<<, antwortete ich. Kapitän Tönnigs fragte: >>Wie sehen Sie das Leutnant Mangold?<< - >>Ich sehe das genau so wie Verwalter Sella.<<, antwortete Yvette. Kapitän Tönnigs strich sich über das Kinn und sagte: >>In diesem Fall würde ich wenn keine Einwände von Frau Ivanes bestehen, die Integration von Frau Bork in unsere Gemeinschaft im Rahmen des Rekrutierungsprogramms für Personen mit besonderen Fähigkeiten veranlassen.<< - >>Was bedeutet das?<<, fragte Jean. Kapitän Tönnigs antwortete: >>Das bedeutet dass Sie aufgrund Ihrer Fähigkeiten ausgewählt wurden unserer Gesellschaft beizutreten. Die Entscheidung liegt natürlich bei Ihnen.<< - >>Ich würde gerne dazugehören<<, erwiderte Jean. Jaqueline Ivanes sagte: >>Also ich bin davon überzeugt dass Sie die richtige für die Stelle als unsere Show-Moderatorin sind.<< - >>Hey Danke!<<, antwortete Jean.

Jaqueline Ivanes zog ein kleines Pad aus ihrer Anzugtasche und reichte es Jean mit den Worten: >>Dies hier sind die vertraglich zugesicherten Standardbedingungen für unsere Show-Moderatorinnen. Nehmen Sie sich Zeit sie zu lesen und wenn Sie Fragen dazu haben kontaktieren Sie mich einfach!<< - >>Wie lange habe ich Zeit für eine Entscheidung?<<, fragte Jean. Jaqueline Ivanes antwortete: >>Auch wenn mir eine schnellere Entscheidung lieber wäre, aufgrund Ihrer Referenzen bin ich bereit etwas auf Ihre Entscheidung zu warten. Ich werde keine Frist in den Raum setzen, Sie sollen sich auf keinen Fall unter Druck gesetzt fühlen.<< - >>Ich weiß nicht was ich sagen soll, das ist wirklich großzügig.<<, erwiderte Jean. Nachdem alle noch offenen Fragen geklärt waren erhoben wir uns von unseren Sesseln, Jaqueline Ivanes verabschiedete sich von uns und Kapitän Tönnigs begleitete uns zum Teleporterraum. Nachdem wir dort angekommen waren verabschiedete sich Kapitän Tönnigs von uns, anschließend wurden wir wider hinunter auf Gliese 581g teleportiert.

Nachdem wir wieder im Wartebereich des Raumhafens standen sagte Jean: >>Die Far Horizon ist wirklich beeindruckend, der Teleporterraum, die Gänge und der Besprechungsraum, all das war wirklich unbeschreiblich aber die Brücke kam mir irgendwie bekannt vor.<< - >>Das glaube ich Dir gerne, normalerweise lassen wir gezielt Informationen über die Erdraumflotte an verschiedene Autoren des Science-Fiction-Genres durchsickern um Geschichten über die Erdraumflotte als Fantasien aus diesem Genre darzustellen. Allerdings haben sich unsere Ingenieure beim Design der Brücke der Far Horizon von einer Science-Fiction-Serie inspirieren lassen. Das Brückendesign wurde aus der Serie „Startrek - das nächste Jahrhundert“ übernommen, die Brücke der Far Horizon ist optisch fast identisch mit der Brücke eines Raumschiffes der Galaxy-Klasse, der „Enterprise D“. Allerdings gibt es auf der Enterprise keine Augenliderprojektionssysteme.<<, antwortete ich. Jean erwiderte: >>Richtig, die „Enterprise D“, das Schiff von Captain Jean-Luc Picard!<< - >>Einem der besten Captains aus Startrek, mit ihm kann man in einem Atemzug nur noch Captain Kathryn Janeway und Captain Benjamin Sisko nennen.<<, fügte ich hinzu.

Wir setzten uns als wir die Lobby des Wohnturms erreicht hatten auf eine der Sitzbänke und Jean holte das Pad mit den Arbeitsbedingungen für die Stelle als Show-Moderatorin für Nanotex aus der Tasche und studierte ihre potentiellen zukünftigen Arbeitsbedingungen. Einige Bedingungen konnte sie nachvollziehen, als sie jedoch die Bedingungen für die Unterbringung und Verpflegung las fragte sie: >>Was denn, Nanotex stellt mir ein festes Quartier zur Verfügung, finanziert neben allen Sozialversicherungen auch meine Verpflegung in den gastronomischen Einrichtungen aller Lebensräume und stellt mir obendrein auch noch ein Quartier an den Orten meiner Auftritte zur Verfügung?<< - >>Das ist die Standardversorgung für Bürger der terranischen interstellaren Republik der Lebensräume. Allen werden die gleichen Basis-Lebensbedingungen ermöglicht, außerdem können unsere Bürger das Passagiertransfernetzwerk ohne Extrakosten nutzen. Nur für individuelle Leistungen und Güter wie das Mieten, der Erwerb und der Unterhalt eigener Schiffe ist mit Kosten verbunden. Aber Du wirst bestimmt kein eigenes Schiff benötigen da Nanotex ebenfalls für Deinen Transfer zu Deinen Auftrittsorten und zurück zu Deinem festen Quartier aufkommt.<<, antwortete ich. Jean machte große Augen als sie meine Antwort hörte. Nachdem wir alle Fragen von Jean durchgegangen waren begaben wir uns zum Liftzugang und fuhren zu unseren Quartieren.

Vor den Türen unserer Quartiere fragte Jean: >>Wann findet den die gesellige Zusammenkunft in der großen Lounge statt?<< - >>Sie soll um zwanzig Uhr beginnen.<<, antwortete ich und schaute auf meinem Kommunikationsarmband nach der Uhrzeit. Dann sagte ich: >>Wir haben also noch etwa eine Stunde Zeit, Du kannst Dir also in Ruhe ein passendes Outfit für diesen Anlass aussuchen. Du kannst aber auch Deinen X1-Anzug tragen und einfach ein anderes Oberflächenmodell wählen.<< - >>Das klingt gut, mal sehen was mir einfällt.<<, antwortete Jean. Yvette grinste und sagte: >>Ich habe schon eine Idee was ich trage.<< - >>Nichts verraten!<<, antwortete ich. Dann verabredeten wir uns für neunzehn Uhr und fünfundfünfzig vor dem Liftzugang und gingen in unsere Quartiere.

Ich ging in den Schlafbereich und öffnete den Kleiderschrank, als mir keine Idee kam was ich für die Zusammenkunft in der Lounge anziehen sollte ging ich in den Wohnbereich und aktivierte den Bildschirm. Dann wählte ich im Flottennetzwerk das Programm für die Outfit-Beratung und ließ mir auf der Basis der für mich bereitgestellten Kleidung ein Outfit generieren. Als dies erledigt war deaktivierte ich den Bildschirm und ging zurück in den Schlafbereich, dort holte ich die vorgeschlagenen Kleidungsstücke aus dem Schrank. Nach einer kurzen Auszeit unter der Dusche legte ich mein Outfit für die Party an. Bis ich mich mit Jean und Yvette treffen wollte waren es noch dreißig Minuten, also aktivierte ich den Bildschirm und wählte den Flottennachrichtenkanal.

In der Sendung „Flotte aktuell“ gab es keine besonders aufregenden Meldungen, nur Berichte über ganz normale Ereignisse, das Anschauen der Nachrichten half jedoch die Zeit zu verkürzen. Als der verabredete Zeitpunkt sich näherte deaktivierte ich den Bildschirm und verließ mein Quartier. Jean und Yvette standen allerdings noch nicht draußen. Ich schaute auf mein Kommunikationsarmband nach der Zeit, es war neunzehn Uhr und zweiundfünfzig Minuten. Schließlich kamen Jean und Yvette aus ihrem Quartier, Jean und Yvette trugen beide ein langes Ballkleid mit einem halblangen Umhang welcher von einem Verschluss zugehalten wurde. Das Kleid von Jean war blutrot und der halblange Umhang schimmerte weinrot. Yvettes Kleid war türkis und der halblange Umhang war dunkelgrün. Ich trug ein blaugraues Oberhemd mit langen Ärmeln und einer ärmellosen dunkelblauen Weste darüber, dazu trug ich tiefblaue lange Hosen und schwarze Halbschuhe. Yvette schaute mich an und sagte: >>Schlicht aber elegant, das sieht gut aus.<< - >>Ja das hat etwas von einer Galauniform.<<, fügte Jean hinzu. Ich erwiderte: >>Ihr habt Euch aber auch in Schale geworfen!<< - >>Schön wenn es Dir gefällt.<<, antwortete Jean. Yvette hatte inzwischen die Lobby als Fahrziel für den Lift gewählt und kurz darauf öffneten sich die Lifttüren.

Nachdem wir die Lobby erreicht hatten begaben wir uns zur großen Lounge, als wir eintraten waren schon einige Gäste anwesend. Wir gingen an die Bar und ich fragte Jean: >>Was soll es sein, Honigwein aus der Molekularküche oder richtiger Alkohol?<< - >>Am liebsten erst einmal einen Kaffee, der Tag war doch ziemlich lang für mich.<<, antwortete Jean. Ich erwiderte: >>Kaffee haben wir hier nicht aber es gibt so was ähnliches, ein Kaltgetränk, es nennt sich Neurobooster und macht einen wieder munter. Welche Geschmacksrichtung soll es denn sein?<< - >>Welche Geschmacksrichtung gibt es denn?<<, fragte Jean. Yvette antwortete: >>Wähle eine und Du wirst sie bekommen.<< - >>Ich denke ich werde Sauerkirschgeschmack nehmen.<<, sagte Jean. Yvette fügte hinzu: >>Ich nehme einen mit Waldmeistergeschmack.<< - >>Okay, einen Neurobooster mit Sauerkirsch-, einen mit Waldmeister- und einen mit Pfirsichgeschmack.<< sagte ich und gab unsere Bestellung an der Konsole der Bar ein. Wenige Minuten später öffnete sich die kleine Klappe hinter dem Tresen und wir konnten unsere Getränke aus dem Ausgabefach nehmen. Als wir unsere Getränke hatten sagte Yvette: >>Na dann auf Jean und darauf dass sie jede menge neue und positive Erfahrungen hier bei uns macht!<< - >>Auf Jean!<<, antwortete ich und stieß mit Jean und Yvette an. Nach dem ersten Schluck sagte Jean: >>Huh das ist definitiv Sauerkirschgeschmack! Und so was ersetzt hier oben den Kaffee?<< - >>Genau, der Vorteil an einem Neurobooster liegt darin dass es ein Kaltgetränk ist, so kann man es auch mal schnell zwischendurch trinken ohne sich gleich zu verbrühen. Die verschiedenen Geschmacksrichtungen sind nur das sprichwörtliche Sahnehäubchen oben drauf.<<, antwortete Yvette.

Während wir so bei unseren Getränken saßen hörte ich plötzlich eine Stimme die mir bekannt vorkam wie sie sagte: >>Na wenn das nicht Negül Sella ist, ich dachte schon Du traust Dich nie von Deiner Station herunter.<< - >>Handrij!<<, sagte ich während ich mich umdrehte. Hinter uns stand tatsächlich mein Bruder. Ich machte ihn mit Jean bekannt und erzählte was wir bisher zusammen mit Jean erlebt hatten. Handrij sagte daraufhin: >>Und ich glaubte schon Du würdest nie das Sonnensystem verlassen.<< - >>Bisher hatte ich auch noch nicht allzu viele Gründe dazu, aber ich wollte Jean unbedingt diesen Planeten hier zeigen.<<, antwortete ich. Jean fragte: >>Dein Bruder arbeitet auch bei der Erdraumflotte?<< - >>Ja er ist Pilot beim Passagiertransfernetzwerk.<<, antwortete ich. Handrij fügte hinzu: >>Pilot mit Berechtigung für alle Passagierschiffsklassen, auch für die großen mit einer Kapazität von bis zu dreitausend Passagieren.<< - >>Hey ich gratuliere zur Komplettierung Deiner Zertifikate-Sammlung!<<, antwortete ich. Handrij setzte sich zu uns und bestellte sich einen blauen Honigwein.

Jean fragte Handrij: >>Machen Sie auch gerade Urlaub hier?<< - >>Nein diesmal leider nicht, ich habe nur eine Übernachtung hier. Ein Pilot darf pro Tag nur eine bestimmte Anzahl an Stunden im Dienst sein, mein Limit ist mit meiner Ankunft hier soweit ausgeschöpft dass ich mit dem Rest nicht mehr allzu weit käme. Ich fliege morgen das Linienschiff welches um fünf Uhr in Richtung des Sol-Systems aufbricht.<<, antwortete Handrij. Jean fragte: >>Sol, ist das unser Sonnensystem?<< - >>Ja richtig, alle anderen bekannten Sternensysteme hat die Menschheit mit Namen bedacht nur ihr eigenes nicht, sogar den Mond hat man nicht mit einem Namen bedacht, dabei haben viele der Monde im Heimatsystem der Menschen einen Namen. Es ist schon ein Wunder dass die Menschen ihrem eigenen Planeten einen Namen gegeben haben.<<, antwortete Handrij. Ich fragte ihn: >>Wusstest Du dass Yvette und ich hier sind?<< - >>Ja Ruby hat es mir erzählt.<<, antwortete er. Nachdem er seinen blauen Honigwein ausgetrunken hatte stand er auf und sagte: >>Es war nett Euch kennenzulernen aber jetzt muss ich ins Bett, morgen um vier ist die Nacht für mich vorbei.<< - >>Okay man sieht sich.<<, antwortete ich. Handrij verabschiedete sich von uns und verließ die Lounge.

Jean sagte zu mir: >>Dein Bruder ist der typische Linienpilot wie man ihn aus Science-Fiction-Filmen kennt, er kommt von der Arbeit, geht an die Bar um einen Drink zu nehmen und geht dann ins Bett weil morgen früh sein Dienst wieder beginnt.<< - >>Was soll ich sagen? Die Science-Fiction wurde von der Erdraumflotte inspiriert. <<, antwortete ich. Jean erwiderte: >>Ja die Erdraumflotte ist definitiv älter als die moderne Science-Fiction, gestern im Programm „History Of Life On Space“ wurde der erste bemannte Raumsprung gezeigt. Ich glaube es war 1958.<< - >>Ja am 22. September.<<, fügte Yvette hinzu. Jean nahm einen großen Schluck von ihrem Neurobooster, dann sagte sie: >>Das glaubt mir auf der Erde kein Schwein wenn ich davon erzähle was ich hier alles erfahren und erlebt habe.<< - >>Warum glaubst Du wohl lassen wir gezielt Informationen an einzelne Autoren aus dem Science-Fiction-Genre durchsickern? Falls doch mal jemand auf der Erde erzählt was es außerhalb der Erdatmosphäre noch so alles gibt wird man es für eine Mischung verschiedener Science-Fiction-Geschichten halten und somit haben wir eine Geheimhaltung ohne dass wir uns dafür anstrengen müssen.<<, erwiderte ich.

Nach einer Weile schaute Jean mich an und fragte: >>Wenn manche Inspiration der Science-Fiction-Autoren von der Erdraumflotte kommt, gibt es dann auch Außerirdische?<< - >>Teile dieser Antwort wären dazu geeignet Dich zu verunsichern.<<, antwortete ich lächelnd. Jean erwiderte: >>Okay, war das ein Ja oder ein Nein? ich will es unbedingt wissen.<< - >>Definitiv ja!<<, antwortete Yvette. Jean fragte: >>Und wie sehen sie aus?<< - >>Wir haben bisher nur Kontakt zu zwei nicht menschlichen intelligenten außerirdischen Spezies gehabt. Die Angehörigen der einen Spezies sind Lebensformen die nicht auf physischer Basis existieren, sie bestehen aus reiner Energie und nennen sich die Wächter. Sie sind uralt und haben im Laufe ihrer Jahrtausende lang dauernden Evolution ihre physische Form verloren, allerdings können sie durch ihren Willen Energie und Materie beeinflussen. Die andere Spezies nennt sich selbst das Volk der Pflanzenwesen, sie sind eine hybride Lebensform aus Humanoid und Pflanze. Eines der letzten seiner Art hat die Erdraumflotte zufällig in der Nähe des Sterns Wolf drei fünf neun gefunden. Wir haben ihm angeboten auf der Oberfläche des Mars zu siedeln und diesen dadurch in eine lebensfreundliche Welt zu verwandeln. Die Technologie welche dieses Volk verwendet ist sehr hochentwickelt und die Umformung einer Biosphäre ist für sie keine Herausforderung. Allerdings ist es eine Herausforderung die Veränderungen auf er Oberfläche des Mars vor den Menschen auf der Erde geheim zu halten. Nicht auszudenken wenn jemand auf der Erde entdeckte dass der Mars sich wieder in eine bewohnbare Welt verwandelt!<<, erklärte Yvette.

Nachdem wir unsere Gläser geleert hatten fragte ich: >>Und fühlst Du Dich jetzt schon etwas munterer Jean?<< - >>Ja, dieser Neurobooster ist der reinste Energiespender!<<, antwortete Jean. Yvette fragte: >>Was soll es jetzt sein?<< - >>Es sollte schon etwas sein das mich in Stimmung bringt aber es soll mich nicht gleich entschärfen.<<, antwortete Jean. Ich fragte: >>Echter Alkohol oder ein synthetischer Ersatzstoff ohne die typischen Nebenwirkungen?<< - >>Es darf ruhig echter Alkohol sein aber nicht zu stark.<<, antwortete Jean. Ich schaute Yvette an und sie sagte: >>Einen „White Dwarf“ würde ich empfehlen, der ist nicht allzu stark und schmeckt trotzdem.<< - >>Okay probieren wir es!<<, antwortete Jean. Ich bestellte für uns drei „White Dwarf“-Cocktails. Als die Klappe des Ausgabefachs sich öffnete schaute Jean überrascht auf die Trinkbecher aus denen sich ein schwerer Nebel erhob und an der Außenseite der Trinkbecher herunter zog. Jean sagte: >>Das sieht ja aus wie frisch aus der Hexenküche!<< - >>Das ist der flüssige Sauerstoff mit dem die Drinks herunter gekühlt werden. Er geht bei Raumtemperatur sofort in seinen gasförmigen Zustand über. Keine Angst, das Getränk ist von der Temperatur her angenehm!<<, erwiderte Yvette. Wir stießen mit unseren Trinkbechern an und nahmen einen Schluck.

Jean sagte: >>Wow, da merkt man gar nicht dass da Alkohol drin ist, es prickelt auf der Zunge wie sehr kaltes Speiseeis!<< - >>Ja dieser Effekt ist bei unseren Cocktails gewollt, selbst bei den hochprozentigen Cocktails merkt man durch die Kühlung mit flüssigem Sauerstoff nicht wie stark der Drink ist.<<, erklärte Yvette. Jean fragte: >>Warum heißt dieser Cocktail auf deutsch „Weißer Zwerg“?<< - >>Unsere Cocktails sind nach astronomischen Objekten und Phänomenen benannt. Es gibt den noch den Red Dwarf, den Red Giant, den Blue Dwarf und den Blue Giant, den Black Hole, den Quasar, den Magnetar den Gammaray-Burst und viele andere. Der Gammaray-Burst ist der stärkste unserer Cocktails. Seine Wirkung auf einen Menschen entspricht der Wirkung des gleichnamigen astronomischen Phänomens auf sein Umfeld, sie ist verheerend.<<, erklärte ich.

Als wir unsere Cocktails ausgetrunken hatten sagte Jean: >>Morgen möchte ich mal die Freizeit- und Wellnessangebote hier ausprobieren.<< - >>Da bin ich dabei!<<, antwortete Yvette. Ich erwiderte: >>Da kann ich ja beruhigt länger schlafen, Ihr beide scheint ja gut miteinander auszukommen.<< - >>Du kannst doch auch mitkommen, die eine oder andere Anwendung würde Dir vielleicht gut tun.<<, antwortete Yvette. Ich willigte ein am nächsten Tag mit Jean und Yvette einen Wohlfühltag einzulegen, dann verließen wir die Bar. Wir gingen durch die leere Lobby zum Liftzugang, von draußen schien das helle Licht herein als wäre es Mittag. Jean sagte: >>Kaum zu glauben dass es schon spät am Abend ist, draußen ist es noch immer hell.<< - >>Und das wird es auch bleiben, nur in den Quartieren gibt es eine automatische Fensterverdunkelung. So brauchen wir uns nicht an eine andere Zeitzone gewöhnen. Für jeden Gast kann eine individuelle Verdunkelungszeit gewählt werden, so gehört der Jet-lag der Vergangenheit an. Es ist egal ob Du nun die deutsche, die amerikanische oder eine andere Zeitzone gewohnt bist.<<, erklärte ich. Yvette hatte inzwischen unsere Quartiere als Fahrziel für den Lift eingegeben und wir waren zum zugewiesenen Liftzugang gegangen.

Als wir oben vor unseren Quartieren standen sagte Jean: >>Das war heute ein aufregender Tag, erst die Tour durch die Agrarbereiche und dann auch noch der Besuch auf der Far Horizon. Ich hoffe dass ich vor lauter Aufregung schlafen kann.<< - >>Das wird schon, Du wirst sehen.<<, antwortete ich. Yvette fragte: >>Sollen wir Dich morgen wecken wenn wir wach sind?<< - >>Ja das wäre schön<<, antwortete ich. Dann verabschiedeten wir uns und gingen in unsere Quartiere. Ich legte meine Kleidung in den Lüftungsbereich und begab mich ins Bett, dieser Tag war auch für mich ziemlich aufregend. Auch wenn ich an diesem Tag nicht viel geleistet hatte, ich war müde von den ganzen Unternehmungen welche ich nicht gewohnt war.


Tag 2

Ich wurde durch den Sprechwunsch von Yvette geweckt, nachdem ich die Verbindung hergestellt hatte sagte ich: >>Wie spät ist es?<< - >>gleich acht Uhr dreißig. Meinst Du dass Du es schaffst zu neun Uhr vor Deinem Quartier zu sein?<<, erwiderte Yvette. Ich antwortete: >>Das sollte kein Problem sein.<< - >>Gut, wir sehen uns dann!<<, sagte Yvette und trennte die Verbindung. Ich wälzte mich aus dem Bett und trottete in den Waschraum.

Nach der morgendlichen Dusche zog ich ein lockeres Freizeit-Outfit an, als dies erledigt war zeigte die Zeitanzeige meines Kommunikationsarmbandes dass es acht Uhr und zweiundvierzig Minuten war. Ich ging in den Wohnbereich, aktivierte den Bildschirm und öffnete die Oberfläche des Flottennetzwerks. Es lagen keine neuen Nachrichten für mich vor und auf den Seiten der Mitglieder meiner Allianz gab es auch nichts interessantes zu lesen. Ich wechselte daraufhin zur Wetterstatistik für Gliese 581g, der nächste Regen war für den späten Nachmittag vorausgesagt. Dann würde sich so viel Wasser in den mittleren Schichten der Atmosphäre angesammelt haben dass es als Niederschlag zu Boden fällt. Ich deaktivierte den Bildschirm wieder und schaute aus dem Fenster, der Verdunkelungsfaktor der Fenster lag nur noch bei zwölf Prozent was einen späten Morgen simulierte. Der Himmel war von einer fast durchgehenden Wolkendecke verhangen, nur vereinzelt schimmerte das orange-rötliche Licht noch durch. Als ich auf mein Kommunikationsarmband schaute zeigte die Zeitanzeige dass es acht Uhr und fünfundfünfzig war, also verließ ich mein Quartier um mich mit Jean und Yvette zu treffen.

Jean und Yvette standen bereits vor der Tür und diskutierten angeregt, als ich aus meinem Quartier kam fragte Yvette; >>Negül, was glaubst Du ob Jean ihre Arbeit auf der Erde noch ausüben kann wenn sie die Stelle bei Nanotex angenommen hat?<< - >>Ja klar! Es gibt viele Bürger unserer Republik die mehrere Jobs in verschiedenen Lebensräumen haben. Man muss nur das Zusammenspiel der verschiedenen Arbeitsverhältnisse koordinieren. Nehmen wir Sarah - die Stimme von Gliese 581g, sie ist nicht nur Künstlerin sondern auch Moderatorin für Präsentationen der Schiffswerft bei Wolf drei fünf neun und gelegentliche Gastrednerin auf der G-Force-Academy, dem Elite-Ausbildungsschiff der Erdraumflotte.<<, antwortete ich. Jean erwiderte: >>Ich weiß nur nicht ob meine Agentur damit so glücklich ist wenn ich auch noch woanders im Auftrag anderer Unternehmen moderiere.<< - >>Oh sie werden bestimmt einverstanden sein, Nanotex hat für diese Fälle weitreichende Kompetenzen was die Kompensation solcher Interessenkonflikte angeht. Es ist vergleichbar mit den Verträgen von Fußballspielern, dort gibt es auch die Möglichkeit Spieler auszuleihen oder gegen eine Ablösesumme von einem anderen Verein zu übernehmen.<<, antwortete ich. Jean erwiderte: >>Ich hoffe Du hast Recht, ich würde meine Agentur nur ungern enttäuschen.<< - >>Du bist nicht die erste Arbeitnehmerin die vor einem solchen Interessenkonflikt steht, genau dafür haben wir Experten welche für die Beilegung solcher Konflikte da sind. Mach Dir keine Sorgen, es wird alles zur Zufriedenheit aller Beteiligten geregelt.<<, antwortete ich. Yvette hatte inzwischen das Restaurant als Fahrziel für den Lift gewählt und die Lifttüren öffneten sich kurz darauf.

Als wir das Restaurant erreicht hatten drückte Jean ihr Bedauern darüber aus dass sie mit ihrem IPhone an diesem Ort nicht telefonieren oder anderweitig kommunizieren konnte. Yvette zeigte ihr, als wir uns an einen Tisch gesetzt hatten, wie man mit dem X-Pad welches Jean von ihr bekommen hatte eine Image-Kopie eines Smartphones inklusive einer virtuellen SIM-Karte erstellt. Als dies erledigt war fragte Jean: >>Und damit kann ich ganz normal Telefonieren, ins Internet gehen und alles andere machen was ich mit meinem IPhone auch kann?<< - >>Ja natürlich, zusätzlich dazu kommst Du auch noch ins Flottennetzwerk und in alle anderen planetaren Informationsnetze.<<, antwortete Yvette. Dann konfigurierte Yvette das X-Pad noch so dass es mit einer Schnittstelle zwischen dem Flottennetzwerk und dem Handynetz auf der Erde direkt verbunden war. Dann sagte sie: >>Dank der Quantenbrücke kannst Du ganz normal Telefonieren und Surfen als wärst Du auf der Erde, ohne entfernungsbedingte Verzögerung.<< - >>Hey danke!<<, antwortete Jean und überprüfte erst einmal ihre Nachrichten und ihr Facebook-Profil.

Schließlich ging es an die Bestellung unseres Frühstücks, wir entschieden uns für die gesüßte Mehlcremesuppe. Yvette wählte als Getränk dazu einen Neurobooster mit Waldmeisteraroma, Jean hatte sich für einen Neurobooster mit Birnengeschmack zu ihrem Frühstück entschieden. Meine Wahl fiel auf einen Neurobooster mit Bananengeschmack. Wenig später kam der kleine Servierwagen mit unseren bestellten Speisen und Getränken, wir stellten alles auf den Tisch und ließen es uns schmecken.

Nach dem Essen sagte Yvette: >>So, dann wollen wir mal einen Blick auf das Programm für unseren Wohlfühltag werfen. Ich habe mir gedacht dass wir uns zuerst eine bis zwei Stunden unter den Infrarotstrahler legen um uns aufzuwärmen, anschließend folgt eine Stunde Akustikmassage. Dann folgt ein gemütliches Mittagessen und anschließend gönnen wir uns einen induktiven neurologischen Eingriff um der Seele auch etwas gutes zu tun, dies wird etwa zwei Stunden in Anspruch nehmen. Als Abschluss unseres Wohlfühltages legen wir uns noch einmal zwei Stunden ins Infrarotlicht, den Abend gestalten wir dann individuell.<< - >>Was bitte ist eine Akustikmassage und was meinst Du mit einem induktiven neurologischen Eingriff?<<, fragte Jean leicht besorgt. Yvette antwortete: >>Nichts wovor Du Angst haben musst. Eine Akustikmassage ist einfach eine Beschallung mit bestimmten Tonfrequenzen. Du kennst doch bestimmt die Situation, Du hörst einen bestimmten Klang und bekommst eine Gänsehaut, genau dieser Effekt kommt bei der Akustikmassage zur Anwendung. Der induktive neurologische Eingriff ist ein Verfahren bei dem Deine Hirnströme analysiert und durch elektromagnetische Felder beeinflusst werden. Dabei wird Dein Verstand mit einer künstlichen Intelligenz verbunden welche Dir ohne störende Emotionen und mit absoluter Logik hilft, alles was Dich bedrückt zu verarbeiten und zu verstehen.<< - >>Es ist quasi ein telepathisches Gespräch mit einer künstlichen Intelligenz bei dem Du die Möglichkeit hast alles was Dich bedrückt zu verarbeiten.<<, fügte ich hinzu.

Jean schaute mich fragend an und ich sagte: >>Du hast so was ähnliches schon einmal erlebt, das Repeater-Headset arbeitet auf die gleiche Art und Weise um Wissen und Fähigkeiten in Deinen Verstand zu übermitteln. Den Gebrauch des Repeater-Headsets kann man auch als telepathische Unterrichtsstunden bezeichnen.<< - >>Also wenn das genau so wie der Gebrauch des Repeater-Headsets ist dann bin ich dabei.<<, antwortete Jean. Wir tranken unsere Gläser leer und holten den kleinen Servierwagen an unseren Tisch, dann stellten wir das benutzte Geschirr auf den Wagen worauf dieser wieder weg fuhr. Anschließend erhoben wir uns und gingen zum Liftzugang.

Als wir vor unseren Quartiertüren standen sagte Yvette: >>So Negül, Du brauchst bloß leichte Freizeitkleidung, am besten die von gestern welche wir bei unserem Sonnenbad an hatten. Wir treffen uns gleich wieder hier und dann geht‘s los.<< - >>Alles klar!<<, antwortete ich und betrat mein Quartier. Ich holte die Freizeitkleidung vom Vortag aus dem Belüftungsbereich des Kleiderschranks und packte sie in die bereitliegende Umhängetasche, anschließend verließ ich wieder mein Quartier.

Kurz nachdem ich mein Quartier verlassen hatte kamen auch Jean und Yvette aus ihrem Quartier. Yvette sagte: >>Na dann wollen wir mal!<< - >>Okay, auf geht‘s<<, antwortete ich. Jean hatte inzwischen den Wellnessbereich als Fahrziel für den Lift gewählt, die Lifttüren öffneten sich kurze Zeit später und wir betraten die Kabine. Nachdem sich die Lifttüren geschlossen hatten sagte Jean: >>Ich bin neugierig. Hast Du schon einmal einen induktiven neurologischen Eingriff an Dir vornehmen lassen?<< - >>Oh ja, mehrmals! Dieses Verfahren ist sehr effizient um schwierige Situationen zu meistern, es hilft auch bei seelischen Problemen und bei der Bewältigung von Traumata. Durch die elektromagnetische Koppelung des Verstandes mit der künstlichen Intelligenz erhält man für kurze Zeit eine absolut von Emotionen freie Perspektive auf sein Leben. Außerdem steht einem die hohe Rechenleistung der künstlichen Intelligenz für die logische Betrachtung der eigenen Situation zur Verfügung. Auf der Erde gibt es eine primitive Variante des induktiven neurologischen Eingriffs, sie wird transkranielle Magnetstimulation genannt.<<, antwortete ich.

Die Lifttüren öffneten sich und wir verließen die Liftkabine, während wir zu den Umkleidekabinen gingen sagte Jean zu mir: >>Das klingt sehr nach der vulkanischen Gedankenverschmelzung was Du da über den induktiven neurologischen Eingriff gesagt hast.<< - >>Ja dieser Vergleich ist zutreffend, auch wenn es noch ein Verfahren gibt welches der Gedankenverschmelzung noch ähnlicher ist. Bei der neuralen Verbindung wird der Verstand zweier Menschen induktiv miteinander zu einem Geist verbunden, bei dieser Verbindung teilen zwei Menschen ihre gesamten Erinnerungen und Erfahrungen, man durchlebt praktisch das gesamte bisherige Leben des anderen Verbindungspartners innerhalb einer Stunde.<<, antwortete ich. Jean erwiderte: >>Du veräppelst mich doch, oder?<< - >>Nein es ist wahr, Negül und ich sind kurz nachdem wir uns kennengelernt haben eine solche Verbindung eingegangen. Daher können wir uns bedingungslos vertrauen weil wir wissen wie der andere in welcher Situation reagiert.<<, antwortete Yvette. Dann hatten wir die Umkleidekabinen erreicht.

Nachdem wir uns umgezogen hatten begaben wir uns zu den Kabinen mit den Infrarotstrahlern, nachdem wir eine freie Kabine gefunden hatten gingen wir hinein. Wir legten uns auf die Liegen unter den Infrarotstrahlern und ließen uns vom warmen roten Licht bescheinen. Jean fragte: >>Warum legen wir uns nicht wieder in die Sonne?<< - >>Hast Du heute früh mal aus dem Fenster gesehen? Die Wolkendecke lässt heute kein Sonnenbad zu.<<, erwiderte Yvette. Jean holte das X-Pad aus ihrer Hosentasche und begann etwas darauf zu betrachten. Schließlich sagte sie: >>Ich würde so gerne in der Chronik meines Facebook-Profils schreiben wie gut es mir gerade geht.<< - >>Was hindert Dich? Du bist doch über den Zugangspunkt auf der Erde mit den deutschen Mobilfunknetzen verbunden.<<, erwiderte ich. Jean antwortete: >>Ich frage mich nur ob es ein Problem ist wenn ich schreibe was ich gerade tue und wo.<< - >>Das einzige Problem könnte sein dass man Dir nicht glaubt.<<, sagte ich. Yvette sagte: >>Schreib doch einfach dass Du gerade eine wohltuende Rotlichtbestrahlung genießt! Du musst ja nicht schreiben wo Du gerade bist.<< - >>Stimmt, das ist auch eine Möglichkeit!<<, antwortete Jean und machte ein paar eingaben auf dem X-Pad. Anschließend steckte sie es wieder in die Hosentasche, verschränkte die Hände hinter dem Kopf und blinzelte in das warme rote Licht.

Ich war wohl im Schein des Infrarotstrahlers eingedöst jedenfalls wurde ich wach als Yvette mich rief: >>Hey Negül, aufwachen!<< - >>Das war gut, ich fühle mich wie eine Schlange die sich auf dem von der Sonne erwärmten Asphalt einer Straße aufgewärmt hat.<<, antwortete ich noch im Halbschlaf. Yvette erwiderte: >>Na dann schlängele Dich jetzt mal zur akustischen Massage!<< - >>Ich komme ja schon.<<, antwortete ich.

Nachdem wir die Infrarot-Bestrahlungskabine verlassen hatten gingen wir zu den Kabinen für die akustische Massage, wir fanden eine freie Kabine und gingen hinein. Wir setzten uns auf die bequemen Sitze und lehnten uns zurück in die ergonomisch geformten Flächen. Yvette aktivierte die Beschallung, daraufhin war ein tiefes harmonisches brummen zu hören welches dazu führte dass sich einem sämtliche Haare aufstellten. Es fühlte sich unbeschreiblich an, besser als jede physische Massage. Jean sagte voller Ergriffenheit: >>Das ist ja unfassbar, ich hätte nie gedacht dass man diesen Zustand künstlich herbeiführen kann!<< - >>Fühlt sich gut an was?<<, fragte Yvette. Jean antwortete: >>Oh ja und wie!<< - >>Das ist die ultimative Entspannung.<<, sagte Yvette. Wir ließen uns von den Schallwellen durchströmen und genossen das Gefühl der ultimativen Gänsehaut.

Die Zeit verrann während der Akustischen Massage wie im Flug, ich konnte es nicht fassen wie schnell die Stunde vorüber war, dabei war ich mir sicher dass ich nicht geschlafen hatte. Nachdem die Beschallungszeit vorüber war sagte Yvette: >>Okay, zeit fürs Mittagessen! Wir ziehen uns um und treffen uns vor den Umkleidekabinen.<<, daraufhin verließen wir die Kabine für die Beschallung und begaben uns zu den Umkleidekabinen.

Als wir uns nach dem Umziehen trafen war es zwölf Uhr und fünfundvierzig, wir gingen zum Liftzugang und fuhren zum Restaurant. Im Restaurant setzten wir uns an einen freien Tisch und ließen uns auf der Bestellkonsole des Tisches das aktuelle Angebot an Gerichten anzeigen. Jean entschied sich für die Gemüsepfanne aus zahlreichen Gemüsesorten welche auf Gliese 581g angebaut wurden, mit Reis und Hackfleisch und einen Feuertee dazu. Yvette wählte ein Eisbein mit Püree von Erbsen und Kartoffeln sowie Sauerkraut dazu, alles aus lokaler Produktion. Dazu wählte sie einen Krug blauen Honigwein. Ich hatte mich für einen Gemüseeintopf entschieden welcher aus einer großen Palette an Gemüsesorten aus lokalem Anbau zubereitet war, dazu wählte ich einen großen Trinkkrug blauen Honigwein. Als der kleine Servierwagen an unseren Tisch kam stellten wir unsere Speisen und Getränke auf den Tisch und ließen es uns schmecken.

Nachdem wir mit dem Essen fertig waren und unser Geschirr auf den kleinen Servierwagen gestellt hatten fragte Jean: >>Und jetzt wollen wir uns dem induktiven neurologischen Eingriff unterziehen?<< - >>Ja genau. Bist Du nervös?<<, erwiderte Yvette. Jean antwortete: >>Ein Bisschen schon, die Bezeichnung des Verfahrens ist vermutlich der Grund.<< - >>Dann denk einfach nicht über die Bezeichnung nach! Die Funktionsweise des Repeater-Headsets könnte man auch als induktiven neurologischen Eingriff bezeichnen. Und die Benutzung des Repeater-Headsets hat Dir doch auch keine Angst gemacht oder?<<, erwiderte Yvette. Jean antwortete: >>Nein nicht wirklich, Du hast es mir auch ziemlich gut erklärt.<< - >>Was möchtest Du denn über den induktiven neurologischen Eingriff wissen?<<, fragte Yvette. Jean antwortete: >>Ich habe einfach Sorgen dass meine Privatsphäre dabei gefährdet wird wenn wir uns alle zeitgleich dem induktiven neurologischen Eingriff unterziehen.<< - >>Da musst Du Dir keine Sorgen machen, dieser Eingriff ist nicht mit der neuralen Verbindung vergleichbar. Das telepathische Gespräch zwischen Dir und der künstlichen Intelligenz ist lediglich ein Dialog und es wird absolut nichts dabei gespeichert. Du kannst allerdings wenn Du willst neues Wissen während der Sitzung erlangen.<<, erwiderte Yvette. Jean antwortete: >>Okay, dann will ich aber auch mehr über Eure Gesellschaft erfahren. Wenn ich für Nanotex arbeiten und mich im Eurer Gesellschaft wohlfühlen soll, dann muss ich auch über diese Gesellschaft Bescheid wissen.<< - >>Kein Problem, das neue Standardprogramm für Schüler und Neubürger unserer interstellaren Republik sollte alle offenen Fragen beantworten.<<, sagte Yvette. Wir erhoben uns von unseren Sitzplätzen, nahmen unsere Umhängetaschen und verließen das Restaurant.

Wir fuhren mit dem Lift zum Neuralinduktionsbereich. Nachdem wir den Lift verlassen hatten erreichten wir einen großen Saal mit vielen ergonomisch geformten Sitzen, manche waren besetzt. Die Leute auf den Sitzen trugen sogenannte bidirektionale EPOC-Headsets mit integrierten Augenliderprojektionssystemen welche sowohl die Hirnströme analysieren als auch induktiv beeinflussen können. Jean sagte leise: >>Das sieht hier fast wie im Lesesaal einer Bibliothek aus.<< - >>Dieser Vergleich ist absolut zutreffend, wie in einer Bibliothek kann man hier Informationen und Wissen erlangen welches direkt ins Langzeitgedächtnis geschrieben wird. Der induktive neurologische Eingriff ist nur ein positiver Nebeneffekt.<<, antwortete ich.

Schließlich hatten wir drei freie nebeneinander liegende Sitze gefunden, Yvette tippte auf der Konsole des einen Sitzplatzes herum und sagte: >>Okay Jean, Du wolltest alles über unsere Gesellschaft wissen. Ich habe das entsprechende Programm für Dich ausgewählt.<< - >>Ist da auch ein rudimentäres technisches Verständnis unserer Technologie und ihrer Bedienung bei?<<, fragte ich. Yvette erwiderte: >>Nein aber das Wissenspaket können wir zusätzlich noch hinzufügen. Was meinst Du Jean?<< - >>Okay wenn mir das hilft mich hier bei Euch zurechtzufinden dann her damit!<<, antwortete Jean. Yvette tippte erneut auf der Konsole des Sitzplatzes herum und sagte: >>Okay Jean, alle gewünschten Wissenspakete wurden ausgewählt. Du brauchst Dich nur noch zu setzen, das Headset aufzusetzen, die Augen zu schließen und zu entspannen.<< - >>Ich warte auf Euch bis Ihr soweit seid, dann können wir gemeinsam beginnen.<<, antwortete Jean. Yvette und ich setzten uns auf die beiden anderen freien Sitze und stellten die Parameter für unsere Sitzungen ein. Dann setzten wir alle drei zusammen die Headsets auf, entspannten uns und ließen die Sitzung beginnen.

Ohne dass wir das Fortschreiten der Zeit wahrgenommen hatten waren die zwei Stunden verstrichen. Als der neurologische induktive Eingriff beendet war wurden wir durch optische Stimulation über das Augenliderprojektionssystem unseres Headsets geweckt. Nachdem ich das Headset abgesetzt hatte fragte ich Jean: >>Und wie geht es Dir jetzt?<< - >>Es geht mir gut, sehr gut sogar.<<, antwortete Jean. Yvette fragte: >>Gibt es noch irgendetwas das Dir Sorgen macht?<< - >>Nein, erstaunlicherweise nicht! So sehr ich mich auch bemühe etwas zu finden, es gibt absolut nichts was mir noch sorgen macht.<<, antwortete Jean nachdem sie eine Weile angestrengt überlegt hatte. Wir erhoben uns von den Sitzen und Jean schaute sich fassungslos um. Yvette fragte: >>Stimmt etwas nicht Jean?<< - >>Ich weiß nicht was ich sagen soll, ich sehe mich um und alles was ich sehe kommt mir bekannt vor, so als wäre ich hier aufgewachsen.<<, antwortete Jean. Yvette erwiderte: >>Natürlich, Du verfügst jetzt über ein umfangreiches Grundwissen über unsere Gesellschaft und Technologie.<< - >>Ja ich weiß aber wenn ich daran denke dass ich vor kurzem noch keine Ahnung von all dem hier hatte dann kann ich das jetzt nicht mehr nachvollziehen.<<, antwortete Jean. Yvette fragte: >>Wollen wir jetzt wieder in die Infrarotkabine gehen?<< - >>Ja klar!<<, antwortete Jean.

Wir nahmen unsere Umhängetaschen und verließen den Neuralinduktionsbereich, vor dem Liftzugang wählte Jean den Wellnessbereich. Nachdem wir die Liftkabine betreten und die Lifttüren sich hinter uns geschlossen hatten sprach Jean in ihr Kommunikationsarmband: >>Geschwindigkeit für den Lift auf Maximum, Verzögerung für Ausführung, fünf Sekunden!<<, dann sagte sie zu uns: >>Festhalten!<<. Wir stellten uns schnell an die Wände der Liftkabine und umfassten die waagerechten Haltestangen. Yvette sagte noch: >>Ich hoffe Du weißt was diese Befehle bewirken.<< - >>Ja natürlich, mehr Geschwindigkeit!<<, antwortete Jean während der Lift bereits in horizontaler Richtung beschleunigte. Die Fahrt fühlte sich an wie in einer Straßenbahn deren Fahrer einen sportlichen Fahrstil besitzt.

Diese wilde Fahrt dauerte nur ein paar Sekunden, nachdem der Lift wieder ziemlich heftig abgebremst hatte öffneten sich die Türen und gaben den Weg in den Wellnessbereich frei. Wir verließen die Liftkabine und ich sagte zu Jean: >>Wenn Du das mit der maximalen Geschwindigkeit noch mal vor hast dann sag mir bitte vorher Bescheid!<< - >>Ja das war ziemlich heftig aber auch cool!<<, fügte Yvette hinzu. Jean lachte und fragte: >>Hab ich Euch etwa überrascht?<< - >>Das kannst Du laut sagen, mit allem hätte ich gerechnet aber nicht damit.<<, antwortete ich. Schließlich hatten wir die Umkleidekabinen erreicht und gingen hinein.

Das Umziehen dauerte nicht lange, als ich die Umkleidekabine wieder verließ standen Jean und Yvette schon draußen. Wir suchten uns eine freie Infrarot-Bestrahlungskabine und gingen hinein. Nachdem wir uns wieder in das warme Licht gelegt hatten sagte Jean: >>Das mit dem neurologischen induktiven Eingriff hätten wir gleich am ersten Tag machen sollen.<< - >>Wir wollten Dich nicht gleich damit überfallen.<<, antwortete ich. Jean erwiderte: >>Das ist süß!<< - >>Aber jetzt hast Du ja alles um Dich hier wie zuhause zu fühlen, allerdings könnte es passieren dass Du Dich, wenn Du wieder auf der Erde bist, wie in eine frühere technologische Epoche versetzt fühlst. Das Leben auf der Erde wird Dir ganz schön vorsintflutlich vorkommen.<<, sagte ich. Jean antwortete: >>Wenn ich die Stelle bei Nanotex annehme, und ich denke das werde ich, dann wird mir die Tür in die moderne Welt hier oben immer offen stehen.<< - >>Ich würde es auch schön finden wenn wir uns öfter mal sehen, ich kenne Dich zwar erst kurze Zeit aber irgendwie bist Du mir ans Herz gewachsen. Jetzt verstehe ich auch warum Negül so fasziniert von Dir und Deiner Arbeit ist.<<, antwortete Yvette. Dann schlossen wir die Augen und ließen uns vom warmen Licht durchfluten.

Wieder war ich während der Infrarot-Bestrahlung eingeschlafen, Yvette weckte mich und sagte: >>Hey Negül, aufstehen!<<, ich öffnete die Augen und räkelte mich. Dann erhob ich mich und wir verließen die Kabine. Auf dem Weg zu den Umkleidekabinen kamen wir an einem großen Panoramafenster vorbei durch das man nach draußen sehen konnte. Draußen regnete es, die Tropfen vielen schnell und schnurgerade herab, es sah fast aus wie der Wasserstrahl einer Dusche aus der das Wasser mit hohem Druck herausströmt. Jean deutete nach draußen und sagte: >>Die hohe Schwerkraft des Planeten sorgt für eine höhere Fallgeschwindigkeit der Wassertropfen.<< - >>Ja genau, aber trotzdem ist es nicht unangenehm wenn man hier im Regen steht. Man nimmt den Niederschlag nur stärker wahr.<<, antwortete Yvette. Jean fragte: >>Woher weißt Du das?<< - >>Ich bin hier auf Gliese 581g aufgewachsen bevor ich zu Erdraumflotte ging.<<, antwortete Yvette. Schließlich hatten wir die Liftzugänge erreicht, Yvette wählte unsere Quartiere als Fahrziel und wir begaben uns zum zugewiesenen Liftzugang. Als wir die Liftkabine betraten schaute ich Jean an, sie sagte: >>Nein keine Sorge, diesmal fahren wir mit normaler Geschwindigkeit!<< - >>Ich wollte gerade etwas sagen.<<, antwortete ich lachend.

Als wir vor unseren Quartieren standen sagte Yvette: >>Okay das war unser Programm für den Wohlfühltag. Lasst uns erst einmal die Sachen im Schrank verstauen und dann sehen wir mal was wir heute noch machen können!<< - >>Okay dann bis gleich!<<, antwortete ich und betrat mein Quartier. Ich hängte die Sachen in den Belüftungsbereich des Kleiderschranks, dann ging ich in den Wohnbereich meines Quartiers. Ich aktivierte den Bildschirm an der Wand und öffnete das Flottennetzwerk, es gab keine neuen Nachrichten für mich. Als ich zur Netzwerkpräsens von Jean wechselte sah ich an der Statusanzeige dass sie ebenfalls gerade im Netzwerk aktiv war, ich wartete darauf dass sie in ihrer Lebensgeschichte einen neuen Eintrag veröffentlichte.

Schließlich war es soweit, Jean hatte einen neuen Eintrag zu ihrer Lebensgeschichte hinzugefügt und diesen für die Mitglieder ihrer Allianz sichtbar gemacht. Ich las aufmerksam was Jean geschrieben hatte, sie berichtete in ihrem Eintrag von ihren Erlebnissen des Tages, man merkte dass sie ziemlich beeindruckt von ihren Erlebnissen war. Nachdem ich den Beitrag von Jean gelesen hatte gab ich ihm fünf von fünf Sternen. Kurz darauf meldete sich Jean bei mir über die Sprechverbindung, ich nahm das Gespräch an und sagte: >>Na, auch gerade im Fleetnet unterwegs?<< - >>Ja, ich finde es schön dass Du meinen Eintrag gelesen hast.<<, antwortete Jean. Ich erwiderte: >>Du kennst mich doch, als Dein Fan bin ich neugierig auf alles was mit Dir zu tun hat.<< - >>Ja ich weiß.<<, antwortete Jean. Kurz darauf sagte sie: >>Yvette hat gesagt dass auf dem Nachrichtenkanal gleich eine Dokumentation über die Far Horizon kommt. Willst Du rüber kommen und diese Dokumentation mit uns zusammen ansehen?<< - >>Ja klar, ich bin gleich drüben!<<, antwortete ich und trennte die Verbindung. Dann deaktivierte ich den Bildschirm und verließ mein Quartier. Als ich vor der Tür des Quartiers von Jean und Yvette stand führte ich meinen Arm mit dem Kommunikationsarmband über den Sensor neben der Tür, dadurch wurde das Türsignal aktiviert. Kurz darauf wurde die Tür geöffnet. Jean und Yvette saßen auf der Couch und schauten auf den Bildschirm, ich setzte mich neben Yvette und fragte: >>Von wann ist denn die Doku?<< - >>Von der Überholung des Schiffes 2013.<<, antwortete Yvette.

Zu Beginn der Dokumentation gab es ein Interview mit Peter Tönnigs dem Kapitän der Far Horizon, darin erzählte er Miranda Raven von den Details der Überholung des Schiffes, von seiner Mannschaft und auch vom letzten Neuzugang, einem jungen Mannschaftsmitglied das nur wenige Wochen nach seiner Rekrutierung für die Erdraumflotte den Rang eines Leutnants erreicht hatte. Dann folgte ein simuliertes Gefecht der Far Horizon gegen die E.S.F.S. Red Halfmoon. Im Anschluss folgte ein Waffeneffizienztest bei dem die Far Horizon verschiedene Testziele zerstören und bekämpfen mußte. Dann folgte ein Test der Sensoren bei dem die Far Horizon am äußeren Rand des Asteroidengürtels entlang flog und mit den Sensoren die einzelnen Objekte analysierte. Die Ergebnisse der Scanns wurden zeitgleich mit der astrometrischen Datenbank der Erdraumflotte abgeglichen. Zum Abschluss ergänzte die Far Horizon ihre Energievorräte indem sie in die Sonne eintauchte und mittels endothermischer Energieumwandlung elektrische Energie erzeugte. Mit dieser Energie wurde Wasser gespalten und in Form von Wasserstoff und Sauerstoff als Energievorrat für die Brennstoffzellen des Schiffes gespeichert. Alle simulierten Gefechtssituationen, Waffeneffizienztests, Sensorentests und das Ergänzen der Energievorräte wurde direkt von der Brücke der Far Horizon gezeigt. Zum Abschluss der Dokumentation zog Miranda Raven ihr Fazit über die Far Horizon und die zurückliegende Überholung. Man merkte ihr an dass selbst sie als Moderatorin und Reporterin des Flottennachrichtenkanals ziemlich beeindruckt von den Leistungen des Schiffes war.

Als die Dokumentation vorbei war schaute ich Jean an und fragte: >>Na was sagst Du, ist das nicht ein tolles Schiff auf dem Yvette arbeitet?<< - >>Ich bin beeindruckt, das übertrifft alles was ich aus diversen Raumschiff-Serien und Filmen kenne. Nicht einmal die Enterprise aus „Startrek - das nächste Jahrhundert“ kann da mithalten. Allein die Form der Energiegewinnung ist sensationell, Solarenergie in ihrer reinsten Form!<<, antwortete Jean. Ich erwiderte: >>Die Destiny aus der Serie „Stargate Universe“ ergänzt auf die selbe Weise ihre Energievorräte.<< - >>Die Serie kenne ich leider nicht.<<, sagte Jean. Yvette fragte: >>Glaubst Du dass Du ohne den induktiven neurologischen Eingriff genau so gelassen über diese Dokumentation gesprochen hättest wie Du es jetzt tust?<< - >>Nein, definitiv nicht! Ich wäre wahrscheinlich aus allen Wolken gefallen über das was ich gesehen habe.<<, antwortete Jean. Yvette erzählte daraufhin noch einige Geschichten aus dem Alltag des Kampffliegergeschwaders der Far Horizon, Jean hörte interessiert zu. Trotz ihres Allgemeinwissens über die Gesellschaft der terranischen interstellaren Republik der Lebensräume, sowie ihres neuen rudimentären Grundwissens über unsere Technologie und deren Bedienung war Jean trotzdem sehr beeindruckt von dem was Yvette erzählte.

Inzwischen war es Abend geworden, der Verdunkelungsfaktor der Fenster lag bei etwa fünfzig Prozent. Wir beschlossen den Abend wieder in der Lounge zu verbringen wo wir den Abend des Vortages bereits verbracht hatten. Als wir mit dem Lift gerade hinunter fuhren ging bei Yvette ein Sprechwunsch ein. Es war Ruby, sie erzählte dass sie und Sebastian die nächsten Tage frei hätten und fragte ob wir was dagegen hätten wenn sie zu uns kämen. Von Jean und mir gab es keine Einwände dagegen und so verabredete sich Ruby mit uns im Raumhafen der Kolonie. Die Lifttüren öffneten sich und gaben den Weg zur Lounge frei, Yvette gab über ihr Kommunikationsarmband den Wartebereich des Raumhafens als neues Fahrziel ein und die Lifttüren schlossen sich wieder.

Als wir schließlich den Raumhafen erreicht hatten fragte ich: >>Ist denn die Far Horizon noch im Orbit dass Ruby und Sebastian so schnell hier sein werden?<< - >>Ja das Schiff bleibt für ein paar Tage hier und einige Besatzungsmitglieder haben die Möglichkeit einen kurzen Landurlaub zu nehmen.<<, antwortete Yvette. Wir setzten uns im Wartebereich auf eine Sitzbank und Jean fragte: >>Wenn die Far Horizon noch im Orbit ist, warum warten wir dann hier auf Ruby und Sebastian? Könnten sich die beiden nicht einfach herunter teleportieren lassen?<< - >>Ja natürlich könnten sie das aber ich vermute dass sie lieber mit einem ihrer Schiffe kommen, die beiden lieben das Fliegen.<<, antwortete Yvette.

Etwa zehn Minuten später meldete sich Ruby erneut bei Yvette und sagte ihr dass sie und Sebastian auf Landeplattform acht ankommen würden, daraufhin begaben wir uns dorthin. Die schlanke Silhouette eines Kampffliegers zeichnete sich am Himmel ab, Yvette zeigte darauf und sagte: >>Das kann nur die Excalibur oder die Skyblade sein.<< - >>Natürlich, ein Transitschiff passt auch nicht zu Ruby und Sebastian!<<, antwortete ich. Jean schaute neugierig in den Himmel und sagte: >>Ich vermute mal dass die Namen etwas mit der Form des Schiffes zu tun haben, dieses Schiff sieht aus wie ein Schwert.<< - >>Ja richtig, es ist ein zweisitziger Kampfflieger der Swordklasse.<<, antwortete Yvette. Das Schiff kam langsam näher, schwebte schließlich über der Plattform und sank dann langsam mit ausgefahrenem Fahrgestell zu Boden. Kurz nachdem es aufgesetzt hatte öffnete sich auch schon das Cockpit. Die beiden Insassen setzten ihre Helme ab und man sah einen Mann mit kurzem dunkelblonden Haaren und eine Frau mit kurzem Rotschopf. Die beiden legten die Helme auf die Konsolen vor sich und nachdem die Gangway an das Schiff heran geschoben war kletterten sie aus dem Schiff.

Die Wartungsmannschaft verstaute das Schiff im Hangar und die beiden Insassen kamen in das Terminal des Raumhafens. Nach der Begrüßung und der gegenseitigen Vorstellung begaben sich Ruby und Sebastian erst einmal für das Einchecken zum Rezeptionstresen des Besucherbereichs. Als dies erledigt war sagte Ruby zu Yvette: >>Lass uns erst mal die Fliegermonturen gegen etwas bequemes wechseln, wir hatten heute Patrouillendienst im peripheren Schiffsumfeld und saßen sieben Stunden im Cockpit.<< - >>Okay wir warten auf Euch in der großen Lounge!<<, antwortete Yvette. Daraufhin begaben wir uns zusammen mit Ruby und Sebastian zum Liftzugang. Ruby wählte das gemeinsame Quartier von Sebastian und sich als Fahrziel und Yvette die große Lounge. Wir begaben uns zu den zugewiesenen Liftzugängen und stiegen ein als sich die Türen öffneten.

In der Lounge war es noch ziemlich leer, im Hintergrund war sanfte Musik zu hören. Wir beschlossen uns an einen Tisch mit sechs Sitzplätzen zu setzen und auf Ruby und Sebastian zu warten. Um die Wartezeit zu verkürzen bestellten wir uns schon einmal einen großen Trinkkrug blauen Honigwein für jeden von uns. Kurz darauf bekamen wir unseren Getränke an den Tisch gefahren, wir stießen auf den Abend an und warteten darauf dass Ruby und Sebastian sich zu uns gesellten.

Schließlich kamen Ruby und Sebastian in die Lounge, sie setzten sich zu uns und bestellten sich ebenfalls je einen Krug blauen Honigwein. Als Jean den Familiennamen von Ruby hörte fragte sie: >>Sind Sie zufällig verwandt mit Jaqueline Ivanes?<< - >>Ja, das ist meine Mutter.<<, antwortete Ruby. Jean erzählte von ihrem Gespräch mit Rubys Mutter an Bord der Far Horizon. Ruby erzählte dass ihre Mutter ihr von diesem Gespräch berichtet hatte und dass sie davon überzeugt wäre dass Jean die ideale Besetzung für die Stelle als Moderatorin für die Nanotex-Präsentationen ist. Jean erzählte davon wie sie mit mir zum ersten mal auf der Neptun- Hoststation war und wie sie damals eine der Präsentationen im Mediencenter gesehen hatte. Ruby erzählte daraufhin von ihrer und Sebastians Mitwirkung bei der Präsentation der Freizeitanzüge der Serie 7, wie sie beide bei dieser Show die Möglichkeiten der Schwerkraftkompensation und der Trägheitsverlagerung demonstriert hatten.

Jean war von Rubys und Sebastians Erzählungen ziemlich beeindruckt, schließlich erzählte sie von ihrem induktiven neurologischen Eingriff und davon wie sie die Geschwindigkeit des Lifts erhöht und so Yvette und mich ziemlich überrascht hatte. Sebastian lachte und sagte: >>Das hat Ruby mit mir auch gemacht als ich neu hier oben war, allerdings konnte sie durch ihre Autorisation zusätzlich die Begrenzung für die Geschwindigkeit aufheben. So konnten wir nicht nur mit der höchsten empfohlenen Geschwindigkeit, sondern mit der technisch maximal möglichen Geschwindigkeit fahren.<< - >>Im Ernst, es geht noch schneller?<<, fragte Jean. Ruby antwortete: >>Oh ja, aber das ist nichts für schwache Nerven. Besonders in der vertikalen Fahrt ist es extrem anstrengend nicht zu Boden zu gehen.<< - >>Erinnere mich nicht daran, als ich das erste Mal bei einer solchen Fahrt dabei war hat es mich ganz schön mitgenommen. Obwohl ich vom Fliegen ganz andere Beschleunigungskräfte gewohnt bin.<<, fügte Yvette hinzu.

Ruby erzählte daraufhin wie sie Sebastian damals von der Erde abgeholt und zur Neptun-Hoststation gebracht hatte, wie sie beide die ersten Tage auf der Far Horizon verbracht hatten und auch wie Ruby Sebastian das Fliegen beigebracht hatte. Jean hörte aufmerksam zu, besonders toll fand sie die Entwicklung wie sich Sebastian und Ruby mit der Zeit einander angenähert hatten. Auch die Geschichte mit dem Prüfungsszenario im Brückensimulator fand Jean sehr interessant. Als sie die ganze Geschichte von Ruby und Sebastian kannte sagte Jean: >>Das klingt ja wie eine Mischung aus Lovestory und Abenteuer, ich kann die Faszination von Sebastian bei seiner Ankunft auf der Neptun- Hoststation gut nachvollziehen. Als ich mit Negül zum ersten Mal auf der Neptun- Hoststation war konnte ich es auch nicht fassen wo ich gelandet war. Ich hätte nie gedacht dass es außerhalb der Erdatmosphäre auch noch eine andere Welt gibt. Und jetzt sitze ich hier, zwanzig Lichtjahre von der Erde entfernt, und für mich ist das alles hier absolut realistisch.<< - >>Für mich waren die ersten Monate auch eine Zeit voller Wunder, ich fühlte mich als wäre ich mitten in die Handlung einer Startrek-Serie gestolpert.<<, erwiderte Sebastian.

Einige Geschichten und Trinkkrüge blauen Honigwein später sagte Jean: >>Ich bin jetzt fest entschlossen die Stelle als Show-Moderatorin bei Nanotex anzunehmen. Die Geschichte von Ruby und Sebastian hat mich überzeugt.<< - >>Sie werden es nicht bereuen, damit betreten Sie eine Welt voller Wunder.<<, antwortete Sebastian. Jean schaute mich an und fragte: >>Was meinst Du, sollte ich morgen schon mit Jaqueline Ivanes sprechen?<< - >>Nun die Entscheidung liegt bei Dir aber es kann jedenfalls nicht schaden.<<, antwortete ich. Dann erhoben wir uns von unseren Sitzplätzen, verabschiedeten uns von Ruby und Sebastian und verließen die Lounge. Draußen auf dem Weg zum Liftzugang sagte Jean: >>Sebastian und Ruby sind wirklich nett, und dass Sebastian erst Mitte 2013 zur Erdraumflotte gekommen ist merkt man ihm wirklich nicht an.<< - >>Ja die Beiden sind wirklich ein gutes Team.<<, antwortete Yvette.

Nachdem wir die Ebene mit unseren Quartieren erreicht hatten sagte Jean zu mir: >>Danke dass Du mich zu diesem Urlaub überredet hast! Damit hast Du mir den Weg in eine völlig neue Welt gezeigt.<< - >>Im gewissen Sinne hast Du das bei mir mit Deinen Moderationen auch getan, Du hast mich absolut fasziniert. Ich wollte Dir nur etwas von der Faszination zurück geben die ich durch Deine Moderationen erfahren habe.<<, antwortete ich. Dann verschwanden Jean und Yvette in ihrem Quartier. Nachdem ich ebenfalls mein Quartier betreten hatte setzte ich mich auf die Couch und aktivierte den Bildschirm, anschließend wählte ich den Flottennachrichtenkanal und schaute mir die Spätausgabe der Sendung „Flotte aktuell“ an.

Nach dem Ende der Nachrichtensendung wechselte ich auf die Oberfläche des Flottennetzwerks und schaute auf die Informationsseite der Far Horizon. In den allgemeinen Informationen über die Missionen des Schiffes stand dass die Far Horizon noch einige Tage im Orbit von Gliese 581g verweilen würde, von einer diplomatischen Mission und der Gelegenheit für einige Mannschaftsmitglieder zu einem kurzen Landurlaub war die Rede. Ich wechselte zur Netzwerkpräsenz von Jean und schaute ob es dort was neues zu lesen gab. In der Statusanzeige war zu lesen dass Jean in den letzten Stunden nicht aktiv war. Als ich auf die Wetterstatistik für Gliese 581g wechselte wurde mir angezeigt dass der nächste Niederschlag erst in einigen Tagen zu erwarten war. Abschließend wechselte ich auf die Informationsseite der Neptun-Hoststation und schaute ob es während meiner Abwesenheit irgendwelche Probleme gab, doch es gab keine Meldungen über Unregelmäßigkeiten. Ich deaktivierte den Bildschirm und begab mich in den Schlafbereich meines Quartiers.

Nachdem ich mich für die Nacht umgezogen hatte hing ich meine Tageskleidung in den Belüftungsbereich des Kleiderschranks, dann legte ich mich ins Bett und zog die Decke hoch bis zu den Schultern. Ich verschränkte die Hände hinter dem Kopf und dachte über die vergangenen Tage nach. War es richtig mit Jean nach Gliese 581g zu fliegen und ihr zu zeigen wie unsere Gesellschaft funktioniert? Auf jeden Fall, wenn jemand einen derartigen Kulturschock ohne Probleme weg stecken konnte dann war es Jean! Würde sie mit den Anforderungen als Show-Moderatorin für Nanotex zurechtkommen? Natürlich würde sie es! Schließlich ist der Unterschied zu ihren Moderationen auf der Erde nicht allzu groß wenn man davon absieht was präsentiert wird und wo. Ich drehte mich auf die Seite und bettete meinen Kopf auf meine übereinander liegenden Hände und schlief schließlich irgendwann ein.


Tag 3

Als der Verdunkelungsfaktor der Fenster meines Quartiers schon fast bei null lag wurde ich durch einen Sprechwunsch von Yvette geweckt. Ich stellte die Verbindung her und sagte: >>Hallo Yvette!<< - >>Hey mein süßer! Was hältst Du davon wenn wir zwei uns ein paar schöne Stunden machen?<<, erwiderte Yvette. Ich fragte: >>Und was wird mit Jean, soll sie etwa allein den Tag verbringen?<< - >>Jean ist mit Ruby unterwegs, sie wollte alle Angelegenheiten regeln welche ihre neue Stelle als Show-Moderatorin für Nanotex betreffen.<<, antwortete Yvette. Ich fragte: >>Sind sie an Bord der Far Horizon?<< - >>Ja, solange Jaqueline noch an Bord des Schiffes ist wollte sie diese Gelegenheit nutzen.<<, antwortete Yvette. Ich fragte: >>Wurden sie auf das Schiff teleportiert oder sind sie zur Far Horizon geflogen?<< - >>Ich glaube sie wollten fliegen, Jean wollte die Far Horizon mal von außen sehen.<<, antwortete Yvette. Ich erwiderte: >>Na wenn Jean mit Ruby unterwegs ist dann ist sie in guten Händen. Ich mache mich nur schnell frisch und komme dann zu Dir rüber.<< - >>Alles klar, bis gleich!<<, antwortete Yvette und trennte die Verbindung.

Nach einer kurzen erfrischenden Dusche kehrte ich in den Schlafraum zurück und zog mir eine lockere Tageskleidung an, anschließend verließ ich mein Quartier. Vor der Tür des Quartiers von Jean und Yvette führte ich mein Kommunikationsarmband über den Sensor und löste so das Türsignal aus. Kurz darauf öffnete sich die Tür und Yvette sagte: >>Hallo mein süßer! Jean meinte dass wir zwei ein bisschen Zeit miteinander verbringen sollen solange sie mit Ruby unterwegs ist.<< - >>Das ist echt nett von ihr. Hast Du schon bestimmte Pläne?<<, erwiderte ich. Yvette fragte: >>Was hältst Du davon wenn wir ein bisschen Zeit in der Schwerelosigkeit verbringen?<< - >>Das würde mir gefallen.<<, antwortete ich. Daraufhin verließen wir das Quartier und fuhren mit dem Lift zum Freizeitbereich.

Nachdem wir den Freizeitbereich erreicht hatten begaben wir uns zu den Sportstätten für Sportarten mit geringer und ohne Schwerkraft. Die Nullschwerkrafthallen wurden zu dieser Zeit kaum genutzt und so hatten wir die freie Wahl. Nachdem wir den Vorraum einer der Nullschwerkrafthallen erreicht hatten fragte Yvette: >>Wollen wir es machen wie Sebastian und Ruby, rennen wir gemeinsam durch den Übergang von normaler Schwerkraft zur Schwerelosigkeit und ziehen im letzten Moment die Beine ein?<< - >>Und nutzen den Schwung um einmal quer durch die Halle zu schweben? Das klingt gut, tun wir‘s!<<, erwiderte ich. Daraufhin liefen Yvette und ich durch den Verbindungstunnel zur Nullschwerkrafthalle, als wir den markierten Übergangsbereich erreichten zogen wir die Beine ein.

Yvette rief: >>Okay los geht‘s!<<, dann stieß sie sich von mir in Flugrichtung ab wodurch sie meine Bewegung durch die Halle etwas abbremste. In ihrer Bewegung auf die gegenüberliegende Wand zu machte sie einen dreiviertel Salto nach vorne, winkelte die Beine leicht an und fing mit ihren Beinen ihren Schwung ab indem sie ihre Knie bei Kontakt ihrer Füße mit der Wand langsam beugte. Ich machte einen viertel Salto nach vorne und streckte die Arme in Flugrichtung aus, Yvette streckte ebenfalls ihre Arme in meine Richtung aus und als sich unsere Hände berührten fing sie meinen Schwung mit ihren Armen ab. Durch den Schwung rotierten unsere Körper in entgegengesetzter Richtung und richteten sich auf, schließlich lagen wir uns an der Wand in den Armen. Yvette legte ihre Arme um mich und fragte: >>Na was hast Du jetzt vor?<< - >>Das!<<, antwortete ich und stieß mich mit den Beinen schräg nach oben von der Wand ab. Wir schwebten durch die Halle indem wir langsam mehrere Saltos vollführten. Yvette sagte: >>Na toll! Und wie willst Du jetzt unseren Flug kontrollieren?<<, daraufhin ließ ich meine Arme in die selbe Richtung kreisen in die unsere Saltos verliefen. Durch das Drehmoment meiner Arme wurde unsere Fluglage stabilisiert.

Nachdem wir mehrere Male durch die Halle hin und her geschwebt waren versuchten wir mittels Schwimmbewegungen uns in der Schwerelosigkeit zu bewegen. Da wir aber von Luft und nicht von Wasser umgeben waren erreichten wir mit unseren Schwimmbewegungen nur eine leichte Beschleunigung. Doch es reichte um sich gezielt in der Schwerelosigkeit zu bewegen. Wir flogen durch die Halle und vollführten einige interessante Manöver, manchmal stießen wir uns mit den Füßen von einer der Wände, dem Boden oder der Decke ab um etwas schneller zu fliegen. Als ich mal wieder auf diese Weise die Richtung geändert hatte sah ich dass Yvette am gegenüberliegenden Ende der Halle gewartet hatte. Nachdem ich mich mit den Füßen von der Wand abgestoßen hatte tat sie das gleiche und raste in meine Richtung. Bevor ich fragen konnte was das werden sollte ergriff sie meine Hände und zog ruckartig ihre Beine an. Dies brachte uns in eine Drehbewegung, als wir um einhundertachtzig Grat rotiert waren ließ Yvette meine Hände wieder los und wir flogen durch die Fliehkraft in entgegengesetzte Richtung. Dabei erzählte sie mir dass Ruby ihr dieses Schleudermanöver beigebracht hatte.

Wir hatten so viel Spaß in der Nullschwerkrafthalle dass wir gar nicht merkten wie schnell die Zeit verging. Schließlich ging ein Sprechwunsch von Ruby bei Yvette ein, sie stoppte ihre Flugbewegung an einer der Wände und nahm das Gespräch an. Ruby sagte: >>Hey Yvette, Jean und ich sind zurück und haben alles erledigt. Wo seid Ihr gerade?<< - >>Wir haben gerade eine Menge Spaß in der Nullschwerkrafthalle.<<, antwortete Yvette. Ruby erwiderte: >>Ich habe Dich wohl auf den Geschmack gebracht was?<< - >>Genau genommen waren es Du und Sebastian, ich habe mir bei Euch einiges ab geschaut und habe es mit Negül ausprobiert.<<, antwortete Yvette. Ruby lachte uns sagte: >>Ich kann es mir direkt vorstellen was Ihr zwei da veranstaltet.<< - >>Sollen wir uns mit Euch treffen oder wollt Ihr zu uns kommen?<<, fragte Yvette. Im Hintergrund hörte man Ruby und Jean sprechen: >>Was meinst Du, schaffst Du das? - Ich weiß nicht. Zeigst Du mir wie? - Klar! - Okay!<<, dann sagte Ruby: >>Okay wir kommen zu Euch. Ich sprach in Yvettes Kommunikationsarmband: >>Hey Ruby, aber schön langsam! Jean hat noch nie Schwerelosigkeit erlebt.<< - >>Hey Sebastian habe ich damals auch erfolgreich mit der Schwerelosigkeit vertraut gemacht! Ich bringe ihn auch gleich mit. Bis gleich!<<, antwortete Ruby und trennte die Verbindung.

Nachdem wir noch ein paar Minuten durch die Halle geflogen waren hörten wir Ruby durch den Zugangstunnel der Nullschwerkrafthalle rufen: >>Okay wir kommen jetzt rein!<<, dann hörten wir wie sie Jean erklärte was sie beim Übergang zur Schwerelosigkeit tun sollte. Etwas später kamen Ruby und Sebastian mit Jean in der Mitte in die Halle geschwebt, sie hielten Jean sicher an den Händen und kamen sanft an der gegenüberliegenden Wand zum Stillstand. Nachdem sich Jean orientiert hatte sagte sie: >>Ich hätte nie gedacht dass ich das mal erlebe!<< - >>Das war doch noch gar nichts. Lass Dir mal von Ruby zeigen was hier in der Halle alles geht! Sie war mal Meisterin in der Nullschwerkraftgymnastik.<<, antwortete Sebastian. Ruby stieß sich daraufhin von der Wand ab und flog in ihrer unvergleichlichen Art herum. Jean rief: >>Wie machst Du das?<< - >>Es ist wie Tauchen, nur dass Du keinen bremsenden Wasserwiderstand hast und auch jederzeit atmen kannst, die Bewegungen sind die gleichen.<<, antwortete Ruby.

Jean stieß sich mit den Fingern leicht von der Wand ab und schwebte ins Zentrum der Halle. Leicht irritiert rief sie: >>Wahhaha! Was jetzt?<< - >>Schwimmbewegungen!<<, rief Ruby. Jean machte ein paar Schwimmzüge, es klappte sie kam mit geringer Geschwindigkeit vorwärts in die Richtung wohin sie wollte. Ich rief: >>Nicht schlecht für Dein erstes Mal!<< - >>Es sieht bestimmt etwas komisch aus.<<, antwortete Jean. Ruby zeigte Jean erst einmal die Grundlagen, dabei flog sie langsam voraus und Jean sollte ihr folgen. Yvette flog neben Jean her um zu helfen falls nötig. Sebastian und ich schauten uns die Vorführung vom Rand der Halle aus an, es war schon eindrucksvoll die Frauen in einer Dreierformation durch die Halle schweben zu sehen. Jean fand sich schnell in die Grundlagen ein, nach kurzer Zeit wechselten Ruby, Jean und Yvette die Plätze. Jetzt flog Jean voraus während Ruby und Yvette schräg hinter ihr auf beiden Seiten folgten. Sebastian und ich schlossen uns dieser Dreierformation an, Sebastian formierte sich schräg hinter Ruby und ich nahm die Position schräg hinter Yvette ein. Jean rief: >>Das macht total viel Spaß!<< - >>Ja und es ist ein sehr gutes Training für die Steuerung von Schwerkraftkompensation und Trägheitsverlagerung.<<, antwortete Ruby. Jean erwiderte: >>Im Moment steht eindeutig der Spaß im Vordergrund.<< - >>Na dann mal los, hab Spaß!<<, antwortete ich. Jean ließ ihre Arme rotieren und machte so fast einen halben Salto, dann stieß sie sich von der nächsten Wand mit den Füßen ab und flog jubelnd durch die Halle. Wir folgten ihr, es war ein tolles Gefühl für mich sie so ausgelassen zu sehen. Sie wirkte so routiniert als hätte sie schon ihr ganzes Leben Nullschwerkraftsport betrieben. So flogen wir noch eine ganze Weile durch die Halle bis sich bei Jean die erste Ermüdung durch die ungewohnten Bewegungen zeigte.

Nachdem wir die Nullschwerkrafthalle wieder verlassen hatten sagte Jean: >>Das geht total auf die Muskeln obwohl man doch eigentlich nicht viel Kraft aufwenden muss.<< - >>Aber die Bewegungen sind ungewohnt.<<, antwortete Ruby. Schließlich standen wir vor dem Liftzugang und Ruby sagte: >>Jean sollte heute nichts anstrengendes mehr machen, also keine Besuche in der Cyberblade-Arena oder in anderen Sportstätten. Am Besten Ihr lasst den Rest des Tages ruhig angehen.<< - >>Das sollte kein Problem sein. Was meinst Du Jean?<<, erwiderte ich. Jean antwortete: >>Ich könnte mir durchaus vorstellen den Nachmittag in der Infrarotbestrahlung oder beim Sonnenbad zu verbringen, aber erst einmal habe ich Hunger.<< - >>Das trifft sich gut, ich hab heute noch nichts gegessen.<<, erwiderte ich. Als wir den Liftzugang erreicht hatten wählte Ruby das Quartier von sich und Sebastian als Fahrziel und Jean wählte den Restaurantbereich. Für beide Fahrziele wurde uns der selbe Liftzugang zugewiesen.

Nachdem sich die Lifttüren hinter uns geschlossen hatten fragte Yvette: >>Und Ruby, was habt Ihr heute noch vor?<< - >>Ein paar Stunden miteinander allein sein, dann vielleicht noch ein Wenig trainieren für den nächsten Wettbewerb für Kampfpiloten und später vielleicht noch ein Wenig in die Lounge gehen.<<, antwortete Ruby. Yvette erwiderte: >>Na dann viel Spaß!<< - >>Danke, den werden wir haben!<<, sagte Sebastian. Die Lifttüren öffneten sich und gaben den Weg zum Restaurantbereich frei, wir verabschiedeten uns von Ruby und Sebastian und verließen den Lift. Nachdem sich die Lifttüren wieder geschlossen hatten sagte Jean: >>Die beiden sind wirklich ein tolles Paar.<< - >>Ja, genau wie Negül und ich!<<, antwortete Yvette. Jean erwiderte: >>Auf jeden Fall!<< - >>Du findest auch noch jemanden, es kann ja nicht mit rechten Dingen zugehen wenn jemand wie Du ewig Single bleibt.<<, fügte ich hinzu. Dann hatten wir das Restaurant erreicht, wir setzten uns an einen freien Tisch und schauten uns das Angebot an. Schließlich hatten wir uns entschieden, Jean wählte eine Truthahn-Keule mit Rotkohl und Kartoffelpüree, dazu einen Neurobooster mit Waldmeistergeschmack. Yvette hatte sich für einen Gemüseauflauf und ebenfalls einen Neurobooster mit Waldmeistergeschmack entschieden. Ich hatte mich für eine Fleischroulade mit Rotkohl und Kartoffeln entschieden, als Getränk wählte ich einen Trinkkrug blauen Honigwein.

Nach dem Essen widmeten wir uns unseren Getränken, nachdem ich einen Schluck genommen hatte schaute ich Jean an und fragte: >>Und wie war Dein Vormittag?<< - >>Ruby und ich waren auf der Far Horizon und ich habe Ihrer Mutter meine Entscheidung mitgeteilt dass ich die Stelle bei Nanotex annehmen werde.<<, antwortete Jean. Ich lehnte mich zurück, lächelte und erwiderte: >>Ach komm, das kann doch nicht alles gewesen sein, Du warst schließlich mit Ruby unterwegs!<< - >>Und anschließend sind wir ein Bisschen herum geflogen, nicht allzu weit weg nur innerhalb des Systems. Wir haben die Anpassungsstation besucht und Ruby hat mir vieles über ihren Mann Sebastian erzählt.<<, antwortete Jean. Yvette grinste und fragte: >>Hat Ruby Dich auch mal steuern lassen?<< - >>Ja! Woher weißt Du das?<<, erwiderte Jean. Yvette lachte und antwortete: >>Weil sie sonst nicht Ruby wäre! Sie war mal Ausbilderin für Kampfpiloten auf der G-Force-Academy, einem Elite-Ausbildungsschiff der Erdraumflotte. Gewisse Gewohnheiten legt man eben nicht ab, sie hat sogar ihren Mann ausgebildet, und zwar so gut dass dieser im Rahmen eines Vorbildungstests die theoretische und praktische Abschlussprüfung für Kampfpiloten bestanden hat.<< - >>Ja sie hat mir davon erzählt, auch davon dass Du früher ziemlich scharf aus Sebastian warst Yvette.<<, sagte Jean. Ich grinste und sagte: >>Ich kenne diese Geschichten, Yvette war damals eine richtige Weltraumamazone. Sie hat ihren Waffensystemoffizieren gerne mal einen Blackout spendiert indem sie die Trägheitskompensation deaktivierte und in der Freizeit hat sie auch nichts anbrennen lassen. Einige ihrer amourösen Raubzüge endeten für einige Männer auf der Krankenstation.<< - >>Ja aber das war bevor wir uns kennenlernten Negül.<<, erwiderte Yvette.

Nachdem wir das Restaurant verlassen hatten fuhren wir mit dem Lift zu unseren Quartieren, dort besorgten wir uns die entsprechende Kleidung für ein ausgiebiges Sonnenbad. Anschließend trafen wir uns wieder vor dem Liftzugang und fuhren zum Wellnessbereich. Das Umziehen dauerte auch nicht lange und wir trafen uns schließlich vor den Umkleidekabinen wieder. Wir begaben uns zu den Terrassen auf denen die Liegen für das Sonnenbad standen. dort fanden wir drei freie Liegen und legten uns in das warme langwellige Licht.

Kurz nachdem wir uns hingelegt hatten sagte Jean ganz nebenbei: >>Jaqueline Ivanes sagte dass Ich mich zur Dienstantrittsuntersuchung auf einer Krankenstation meiner Wahl melden soll. Dann hat sie noch gesagt dass ich mir keine Sorgen wegen der Standardimpfung machen soll. Was meint sie mit der Standardimpfung?<< - >>Das Standardverfahren für Neubürger der terranischen interstellaren Republik der Lebensräume, jeder bekommt eine ausführliche medizinische Untersuchung und damit auch gleich seine Immun- und Heilungsunterstützung.<<, antwortete Yvette. Jean fragte: >>Du meinst diese auf Nanotechnologie basierende biologische Firewall welche auch physische Schäden repariert?<< - >>Ja genau, jeder von uns hat die Immun- und Heilungsunterstützung bekommen. Wir haben sie bereits als Kinder erhalten da unsere Eltern bereits bei der Erdraumflotte, in einer planetaren Kolonie oder auf einer Station tätig waren und lebten. Und wenn Du nun zu uns kommst dann erhältst Du sie ebenfalls.<<, antwortete Yvette. Ich drehte mich zu Jean um und sah dass sie etwas blass um die Nase geworden war, daraufhin sagte ich: >>Es gibt absolut keinen Grund sich zu fürchten, unsere Krankenstationen sind absolut nicht mit den Arztpraxen oder Krankenhäusern auf der Erde vergleichbar.<< - >>Mir ist trotzdem etwas unwohl bei dem Gedanken dass in mir winzig kleine Nanomaschinen herum schwimmen.<<, antwortete Jean. Ich fragte: >>Was können wir gegen dieses ungute Gefühl tun?<< - >>Vielleicht würde es mich nicht so sehr beunruhigen wenn ich mehr über die Immun- und Heilungsunterstützung wüsste.<<, antwortete Jean. Yvette schaute mich an und fragte: >>Induktiver neurologischer Eingriff inklusive Wissensvermittlung?<< - >>Das muss Jean entscheiden.<<, antwortete ich.

Jean schaute mich an und fragte nach einiger Zeit: >>Hilft dieser induktive neurologische Eingriff auch gegen Angst?<< - >>Natürlich, damit kann man sogar Teleporterphobie behandeln.<<, antwortete ich. Jean fragte: >>Teleporterphobie, was ist das denn?<< - >>Es gibt einige Menschen die gewisse Vorbehalte dagegen haben sich teleportieren zu lassen und es gibt Menschen bei denen diese Vorbehalte zu einer ausgewachsenen Phobie angewachsen sind. Von Teleporterphobie spricht man wenn sich bei einem Menschen im Zusammenhang mit der Teleportation ein Gefühl von Todesangst einstellt.<<, antwortete ich. Jean verzog das Gesicht und sagte: >>Das klingt unangenehm. Und selbst solchen Menschen kann der induktive neurologische Eingriff helfen?<< - >>Ja und zwar sehr erfolgreich.<<, antwortete Yvette. Dann erzählte sie von Christina Sommer, einem Mannschaftsmitglied auf der Far Horizon welches früher auch unter Teleporterphobie litt. Nachdem Jean die Geschichte gehört hatte sagte sie: >>Also wenn der induktive neurologische Eingriff so erfolgreich Ängste abbauen kann dann sollte ich mich diesem Verfahren auf jeden Fall unterziehen. Schade dass ich nicht schon beim letzten mal von der Dienstantrittsuntersuchung wusste, dann hätte ich meine Angst vor der Immun- und Heilungsunterstützung damals gleich abbauen lassen können.<< - >>Das kriegen wir hin, als Zugabe suchst Du Dir noch ein Themengebiet aus welches Du Dir zuführen lassen möchtest und dann wird alles für Dich viel einfacher.<<, antwortete ich. Jean bemühte sich ein Lächeln hervor zu bringen und drehte den Kopf wieder in das rötliche Licht, dann ließen wir uns vom warmen langwelligen Licht bescheinen und entspannten uns.

Wir lagen etwa zwei Stunden im warmen rötlichen Sonnenlicht, schließlich sagte Yvette: >>Das war gut, es geht doch nichts über ein Sonnenbad in langwelligem Licht. Wollen wir uns jetzt langsam um Deine bevorstehende Dienstantrittsuntersuchung kümmern Jean?<< - >>Du sagtest doch vorhin etwas über einen induktiven neurologischen Eingriff um mein Unbehagen bezüglich der Immun- und Heilungsunterstützung abzubauen?<<, fragte Jean. Yvette antwortete: >>Ja das meinte ich damit, ich schlage vor dass wir uns umziehen und dann die Sache in Angriff nehmen.<< - >>Okay gehen wir!<<, sagte Jean. Daraufhin erhoben wir uns von unseren Liegen und begaben uns zu den Umkleidekabinen.

Das Umziehen ging schnell, als wir uns wieder vor den Umkleidekabinen trafen sagte Yvette: >>Lasst uns erst einmal die Taschen in unseren Quartieren verstauen!<< - >>Ja wir müssen die Taschen ja nicht ständig mit uns herum schleppen.<<, antwortete ich. Wir begaben uns schließlich zum Liftzugang und fuhren zu unseren Quartieren hoch, dort verstauten wir die Sachen vom Sonnenbad im Belüftungsbereich der Kleiderschränke und trafen uns einige Minuten später wieder vor dem Liftzugang. Yvette sagte: >>Ich habe mit Doktor Ngujen auf der Far Horizon gesprochen und sie gefragt ob sie bei Jean den induktiven neurologischen Eingriff und anschließend die Verabreichung der Immun- und Heilungsunterstützung vornehmen kann.<< - >>Und was sagt sie?<<, fragte ich. Yvette antwortete: >>Sie hat zugestimmt, auch weil Jean ihr von ihrem Unwohlsein bezüglich der Immun- und Heilungsunterstützung erzählt hat.<< - >>Yvette meinte dass Doktor Ngujen die richtige wäre um meine Besorgnis zu zerstreuen.<<, ergänzte Jean Yvettes Antwort. Ich fragte: >>Und wo soll es passieren, auf der Far Horizon?<< - >>Ja, es ist schon alles geklärt, wir können uns jederzeit zur Far Horizon teleportieren lassen.<<, antwortete Yvette. Ich fragte Jean: >>Möchtest Du dass ich mitkomme?<< - >>Natürlich, so habe ich wenigstens ein vertrautes Gesicht während der Prozedur in meiner Nähe!<<, antwortete Jean.

Nachdem wir die Lobby erreicht hatten stellte Yvette eine Verbindung zu Doktor Ngujen her und sagte als sie sich meldete: >>Doktor wir sind bereit Ihre Krankenstation aufzusuchen, drei Personen zur Teleportation.<< - >>In Ordnung, bereiten Sie sich auf die Teleportation vor!<<, antwortete Doktor Ngujen. Kurz darauf hüllte uns der helle Lichtblitz der Teleportation ein und als er wieder verschwand standen wir auf der Krankenstation der Far Horizon. Jean schaute sich um und sagte: >>Es wird wohl eine Weile dauern bis ich mich daran gewöhnt habe.<< - >>Willkommen auf der Krankenstation! Ich bin Doktor Kim Ngujen und Sie müssen Frau Jean Bork sein.<<, sagte die Schiffsärztin der Far Horizon. Jean drehte sich in die Richtung um aus der sie die Stimme von Doktor Ngujen gehört hatte, dann sagte sie: >>Ja ich soll mich für meine Dienstantrittsuntersuchung auf einer Krankenstation meiner Wahl melden, allerdings glaube ich dass ich vor der Verabreichung der Immun- und Heilungsunterstützung noch einen induktiven neurologischen Eingriff benötige.<< - >>Ich verstehe, die Vorstellung von Nanobots im eigenen Körper kann für jemanden von der Erde schon ziemlich beunruhigend sein. Dann setzen Sie sich mal bitte hier auf den Behandlungsstuhl.<<, antwortete Doktor Ngujen und zeigte auf einen ergonomisch geformten Stuhl der ein Wenig aussah als käme er aus einer Zahnarztpraxis. Jean setzte sich und legte die Arme auf die Armlehnen, sie versuchte ihre Anspannung nicht allzu deutlich zu zeigen. Doktor Ngujen hatte kurz ein Diagnoseokular und ein Headset für den induktiven neurologischen Eingriff geholt, als sie zu uns zurückkehrte sagte sie: >>Na dann wollen wir mal sehen ob es Ihnen gut geht. Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen, die Untersuchung ist eine nicht-invasive Sensorenanalyse Ihres Körpers.<< - >>Okay ich bin bereit.<<, antwortete Jean leicht angespannt. Doktor Ngujen betrachtete Jean durch ihr Diagnoseokular und sagte: >>Keine physischen Verletzungen, auch keine Infektionen durch Viren oder Bakterien, die Zusammensetzung Ihrer Biochemie lässt jedoch auf starken Stress schließen.<< - >>Ich bin gerade etwas nervös, das hier unterscheidet sich doch alles sehr von den medizinischen Einrichtungen welche ich von der Erde kenne.<<, antwortete Jean.

Nachdem Doktor Ngujen den Scan von Jean abgeschlossen hatte sagte sie: >>Dann wollen wir uns mal Ihrer Besorgnis zuwenden. Sind Ihnen die Details des induktiven neurologischen Eingriffs bekannt?<< - >>Ja, soviel ich weiß ist es eine Art telepathisches Gespräch meines Bewusstseins mit einer künstlichen Intelligenz. Während dieser Verbindung steht mir die Rechenleistung der künstlichen Intelligenz für die logische Betrachtung und Verarbeitung meiner emotionalen Probleme zur Verfügung. Dies ermöglicht mir eine Perspektive frei von Emotionen auf die Sachverhalte welche mir Probleme bereiten.<<, antwortete Jean. Doktor Ngujen neigte den Kopf leicht zur Seite und sagte: >>Diese Interpretation ist ziemlich genau, offensichtlich hat Sie jemand über dieses Verfahren aufgeklärt.<< - >>Ja Negül - also Verwalter Sella hat mir davon erzählt.<<, antwortete Jean. Doktor Ngujen reichte Jean das Headset für den induktiven neurologischen Eingriff und fragte: >>Haben Sie sich schon für ein Themengebiet entschieden welches Ihnen während des Eingriffs vermittelt werden soll?<< - >>Ja, alle Details welche ich als Trägerin einer Immun- und Heilungsunterstützung wissen muss.<<, antwortete Jean. Doktor Ngujen ging an eine Konsole und machte dort ein paar Eingaben, als sie fertig war sagte sie: >>In Ordnung, alles ist bereit, Sie brauchen das Headset nur aufzusetzen und sich zu entspannen.<< - >>Bleibst Du hier während des Eingriffs?<<, fragte mich Jean. Ich antwortete: >>Natürlich, wenn Du die Augen auf machst werde ich noch immer da sein.<< - >>Dann sehen wir uns nach dem Eingriff.<<, erwiderte Jean und setzte das Headset auf. Kurz darauf begann der induktive neurologische Eingriff. Yvette sagte: >>Sagst Du mir Bescheid wenn Ihr hier fertig seid? Dann können wir gemeinsam zur Kolonie zurückkehren.<< - >>Alles klar, ich melde mich bei Dir wenn wir das Schiff wieder verlassen wollen.<<, antwortete ich. Daraufhin verließ Yvette die Krankenstation, ich blieb neben Jean stehen und betrachtete auf der Konsole für das neurale Interface die Details des induktiven neurologischen Eingriffs, die Transferrate war gleichmäßig im optimalen Bereich.

Als die induktive Eingriffsprozedur vollendet war setzte Jean das Headset ab und blinzelte in meine Richtung. Sie fragte leise: >>Wie lange war ich weg?<< - >>Etwa eine Stunde.<<, antwortete ich nach einem Blick auf die Zeitanzeige meines Kommunikationsarmbands. Doktor Ngujen kam zu uns an den Behandlungsstuhl und fragte: >>Wie fühlen Sie sich?<< - >>So als hätte ich lange geschlafen.<<, antwortete Jean. Doktor Ngujen fragte: >>Was ist mit Ihren Bedenken gegenüber der Immun- und Heilungsunterstützung?<< - >>Offen gesagt kann ich nicht mehr nachvollziehen warum ich Bedenken dagegen hatte.<<, erwiderte Jean. Dabei war ihr die Verwunderung darüber ins Gesicht geschrieben. Doktor Ngujen fragte: >>Können wir mit der Verabreichung der Immun- und Heilungsunterstützung beginnen?<< - >>Ich bin bereit.<<, antwortete Jean. Doktor Ngujen holte ein Diagnoseokular und eine Druckimpulsspritze. Sie legte das Diagnoseokular an und sagte: >>Also gut, ich werde Ihnen jetzt die Nanobots für die Immun- und Heilungsunterstützung verabreichen.<< - >>Alles klar!<<, antwortete Jean. Doktor Ngujen hielt Jean daraufhin die Druckimpulsspritze an den Hals und löste die Injektion aus, ein kurzes leises Zischen war zu hören. Doktor Ngujen sagte daraufhin: >>So das war es schon, jetzt müssen wir nur ein paar Minuten warten bis sich die Nanobots in Ihrem Körper verteilt haben. Dann werde ich Sie noch einmal scannen um zu sehen ob alles in Ordnung ist.<<, Jean lächelte und machte es sich bequem auf dem Behandlungsstuhl. Nach ein paar Minuten führte Doktor Ngujen an Jean einen abschließenden Scan durch und sagte: >>Alles in Ordnung, wir müssen keine Feineinstellung vornehmen, Sie können jetzt langsam aufstehen.<< - >>Danke Doktor!<<, erwiderte Jean und stand langsam aus dem Behandlungsstuhl auf. Doktor Ngujen reichte ihr eine Packung Tabletten und sagte: >>Davon nehmen Sie bitte eine pro Tag, diese Tabletten werden Ihren Kalziumspiegel während der ersten Woche stabilisieren, solange bis die Immun- und Heilungsunterstützung vollständig etabliert ist.<< - >>Verstanden, eine pro Tag, danke Doktor!<<, antwortete Jean. Dann verabschiedeten wir uns und gingen hinaus.

Als wir den Flur entlang gingen kontaktierte ich Yvette und als sie sich meldete sagte ich: >>Jean ist auf der Krankenstation fertig und hat ihre Immun- und Heilungsunterstützung bekommen. Wo wollen wir uns treffen?<< - >>Wie wäre es mit der Mannschaftsmesse?<<, fragte Yvette. Ich antwortete: >>Okay dann sehen wir uns dort!<< - >>Ja bis gleich!<<, sagte Yvette und trennte die Verbindung. Ich blieb stehen und sprach in mein Kommunikationsarmband: >>Alice, bitte zwei Personen in die Mannschaftsmesse teleportieren!<< - >>Bestätigt!<<, antwortete Alice und kurz darauf standen Jean und ich in der kleinen Nische für ankommende Teleportation in der Mannschaftsmesse. Ich deutete auf die großen Fenster und sagte: >>Das musst Du gesehen haben.<<, dann begab ich mich zur Fensterfront und Jean folgte mir.

Durch die Fenster war hoch oben der Planet Gliese 581g zu sehen, im Hintergrund leuchtete der rote Zwergstern. Jean deutete auf den Planeten und fragte: >>Wenn der Planet dort oben ist, fliegen wir dann kopfüber?<< - >>Ja wir umkreisen den Planeten in Rückenlage, aufgrund der künstlichen Schwerkraft und der Fliehkraft welche beim Umkreisen des Planeten auftritt hat das für uns jedoch keine Auswirkungen.<<, antwortete ich. Jean Schaute interessiert durch das große Panoramafenster. Ich sagte: >>Das ist erst der Anfang, Du wirst noch viel mehr sehen wovon Du nicht einmal zu träumen gewagt hättest.<< - >>Es ist einfach nur atemberaubend.<<, antwortete Jean. Ich erwiderte: >>Jetzt hast Du eine grobe Vorstellung wie sich Deine Moderationen auf mich auswirken, sie sind für mich ebenso faszinierend wie es dieser Anblick für dich ist.<< - >>Das ist süß, ich hätte nie gedacht dass ich so einen gewaltigen Eindruck bei Dir hinterlasse.<<, antwortete Jean. Ich legte ihr die Hand auf die Schulter und sagte: >>Darum habe ich mich ja auch entschlossen Dir all dies hier zu zeigen, ich wollte etwas von der Faszination zurückgeben die ich Dir verdanke.<< - >>Ich weiß nicht was ich sagen soll, das ist so süß von Dir!<<, antwortete Jean.

Yvette betrat schließlich in die Mannschaftsmesse, kam zu uns ans Fenster und fragte: >>Na, genießt Ihr die Aussicht?<< - >>Es ist unbeschreiblich!<<, antwortete Jean. Nachdem wir noch eine Weile die Aussicht bewundert hatten begaben wir uns zum Teleporterraum und ließen uns wieder auf den Planeten in den Besucherbereich der Kolonie teleportieren. Nach unserer Ankunft war es kurz nach siebzehn Uhr, wir beschlossen uns für den Abend etwas bequemes anzuziehen und den Rest des Tages in der großen Lounge zu verbringen. Das Umziehen dauerte nur ein paar Minuten und wir trafen uns anschließend wieder vor den Türen unserer Quartiere. Wir fuhren mit dem Lift zu Lounge und setzten uns an einen freien Tisch. Nachdem wir unsere Getränke erhalten hatten genossen wir die lockere Atmosphäre.

Jean konnte eine ganze Weile über nichts anderes reden als von ihren Eindrücken aus der Krankenstation der Far Horizon, besonders die Druckimpulsspritze hatte sie sehr beeindruckt. Sie sagte: >>Keine Nadel, nur ein kurzes Zischen und das Medikament ist im Körper! Und dann dieses Sichtgerät mit dem mich Doktor Ngujen gescannt hat, das war ja wie bei Startrek!<< - >>Ja die Krankenstation der Far Horizon ist schon sehr modern und unsere Schiffsärztin ist sehr kompetent im Umgang mit Patienten.<<, antwortete Yvette. Ruby und Sebastian betraten schließlich die Lounge und setzten sich zu uns an den Tisch. Yvette fragte: >>Na wie war Eure Zeit miteinander?<< - >>Sehr schön!<<, antwortete Ruby und fragte was Jean und wir erlebt hatten. Als Jean ihr erzählte dass sie auf der Far Horizon war und dort ihre Immun- und Heilungsunterstützung erhalten hatte waren Ruby und Sebastian ziemlich beeindruckt. Sebastian lachte und sagte: >>Ich weiß noch als ich meine Immun- und Heilungsunterstützung bekommen hatte...<< - >>Du wusstest zuerst auch nicht ob Du staunen oder Dich fürchten sollst.<<, ergänzte Ruby Sebastians Ausführung.

Jean sagte: >>Doktor Ngujen ist aber auch eine sehr einfühlsame Ärztin, sie versteht es einfach ihren Patienten die Angst zu nehmen.<< - >>Ja das ist sie, ich habe sie immer mit Doktor Beverly Crusher aus der Serie „Startrek - das nächste Jahrhundert“ verglichen.<<, antwortete Sebastian. Jean nippte an ihrem Getränk und sagte: >>Ich habe ja schon einiges von der Medizin hier oben gesehen aber ich vermute mal dass es noch weit mehr gibt.<< - >>Oh ja, da kannst Du drauf wetten!<<, antwortete Yvette. Sebastian fügte hinzu: >>Ich hatte mal die Gelegenheit in die Welt der Medizin herein zu schnuppern als das Schicksal mir die Rolle eines Feldsanitäters zuteilte.<< - >>Und wie war das?<<, fragte Jean. Sebastian verzog das Gesicht und sagte: >>Es war gleichzeitig sehr lehrreich und auch sehr schockierend.<< - >>Sebastian ist damals ohne medizinische Vorbildung in die Rolle des Feldsanitäters hinein gestolpert, ich weiß nicht was er damals erlebt hat aber ich beneide ihn auch nicht um diese Erlebnisse.<<, ergänzte Ruby Sebastians Antwort. Sebastian erwiderte: >>Zum Glück hat Doktor Ngujen an mir einen induktiven neurologischen Eingriff vorgenommen um mir die Verarbeitung der während der Mission erlittenen Traumata zu erleichtern. Denn es gab einen Umstand der mich als Feldsanitäter massiv behinderte, ich konnte kein Blut sehen. Zum Glück war die Notbeleuchtung an Bord des havarierten Schiffes so schwach dass man das Blut welches die verletzten verloren hatten nur als dunkle Flecken wahrnahm.<< - >>Es war nicht fair, Du wusstest nicht was Dich erwartet.<<, fügte Yvette hinzu.

Nachdem Jean die ganze Geschichte gehört hatte wie Sebastian als Feldsanitäter an Bord der havarierten E.S.F.S. Triangle medizinische Erfahrungen gesammelt hatte sagte sie: >>Oh mein Gott, ich beneide Dich auch nicht um diese Erfahrung<< - >>Dank des induktiven neurologischen Eingriffs konnte ich das erlebte frei von emotionaler Belastung und mit absoluter Logik verarbeiten, die direkte Verbindung mit Alice, unserer künstlichen Intelligenz war wirklich hilfreich dabei.<<, antwortete Sebastian. Ruby sagte: >>Okay Themenwechsel, das ist kein Thema für diese Runde! Morgen findet im Kampffliegersimulator der Kolonie ein kleiner Wettbewerb für Kampfpiloten statt. Würde Euch das interessieren?<< - >>Was für ein Wettbewerb ist denn das, gehen die Piloten da in simulierten Duellen oder Schlachten aufeinander los und versuchen sich gegenseitig abzuschießen?<<, fragte Jean. Ruby schüttelte ihren Kopf und antwortete: >>Nein, bei den simulierten Schlachten und Gefechten treten die Piloten ausschließlich gegen simulierte Gegner an. Aber neben den Kampfwettbewerben gibt es auch noch andere Disziplinen wie zum Beispiel das Präzisionsfliegen, dabei fliegen die Piloten einen vorgegebenen Flugpfad entlang und versuchen so schnell wie möglich und mit so wenig Fehlern wie möglich ins Ziel zu kommen. Man könnte diese Disziplin als Rennen bezeichnen.<< - >>Ein Weltraumrennen? Das klingt interessant! Nimmt denn jemand Teil den ich kenne?<<, erwiderte Jean. Ruby antwortete: >>Die Kampffliegerpiloten der Far Horizon, Sebastian und ich werden auch unter den Teilnehmern sein.<< - >>Das klingt spannend.<<, sagte Jean. Yvette erwiderte: >>Vielleicht nehme ich auch teil, als Geschwaderführerin kann ich mir diese Gelegenheit doch nicht entgehen lassen.<< - >>Dann bleibe ich bei Jean, wir werden das ganze als Zuschauer verfolgen.<<, fügte ich hinzu.

An diesem Abend verließen wir die Lounge erst sehr spät. Jean schienen die Geschichten von Ruby und Sebastian aus dem Alltag an Bord der Far Horizon zu gefallen, jedenfalls hörte sie interessiert zu. Nachdem Jean, Yvette und ich mit dem Lift zu unseren Quartieren gefahren waren verabschiedeten wir uns und verabredeten uns für den nächsten Morgen, dann betraten wir unsere Quartiere. Nach einem kurzen Blick in das Flottennetzwerk programmierte ich einen Weckruf für den nächsten Tag und ging ins Bett, bald darauf schlief ich ein.




Tag 4

Ich wurde durch die warme künstliche Stimme von Alice aus meinem Kommunikationsarmband geweckt. Sie sagte: >>Verwalter Sella, ich sollte Sie um diese Zeit wecken.<< - >>Danke Alice!<<, antwortete ich und wälzte mich aus dem Bett. Nachdem ich mich frisch gemacht hatte zog ich mir einen lockeren Freizeitanzug an und ging in den Wohnbereich. Als ich den Wohnbereich erreicht hatte meldete Alice mir dass Ruby mir eine Nachricht hinterlassen hatte. Ich ließ die Nachricht abspielen, Ruby bat mich darin sie zu kontaktieren sobald ich wach bin. Ich löste also einen Sprechwunsch an Ruby aus und als sie sich meldete fragte ich: >>Ich sollte mich bei Dir melden?<< - >>Ja ich wollte Dich fragen ob Du Interesse daran hast an dem Wettbewerb im Kampffliegersimulator teilzunehmen. Vielleicht sogar zusammen mit Jean.<<, antwortete Ruby. Ich erwiderte: >>Ich dachte der Wettbewerb wäre nur für die Kampffliegerpiloten der Far Horizon.<< - >>Nein, unsere Kampffliegerpiloten stellen höchstens einen Großteil der Teilnehmer. Ich glaube Du und Yvette hatten schon mal eine neurale Verbindung miteinander, Du solltest dabei ihre gesamten Erfahrungen bis zu diesem Zeitpunkt erhalten haben.<<, sagte Ruby. Ich fragte: >>Soll ich etwa eine zusätzliche Herausforderung für Yvette sein?<< - >>Yvette hat Sebastian und mich in ihr Team aufgenommen damit wir ihr das Leben nicht allzu schwer machen können. Aus diesem Grund habe ich für Dich und Jean einen Startplatz im Simulator reserviert.<<, antwortete Ruby.

Nachdem mir Ruby alle Details ihres Plans erklärt hatte sagte ich ihr dass ich Jean fragen würde ob sie Interesse an einer Teilnahme bei dem Wettbewerb hat. Als Ruby die Sprechverbindung beendet hatte schaute ich auf die Zeitanzeige meines Kommunikationsarmbands, bis zum Verabredeten Treffen mit Yvette und Jean vor dem Quartier waren es noch ein paar Minuten. Ich verließ das Quartier und wartete draußen auf Jean und Yvette. Es dauerte nicht lange und die beiden kamen aus ihrem Quartier, nach der Begrüßung fuhren wir zum Restaurantbereich um erst einmal zu frühstücken. Wir entschieden uns für ein leichtes Frühstück, bestehend aus Müsli, Salat, Obst, etwas Brot, Butter und Konfitüre. Dazu wählten wir je einen Neurobooster in verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Nach dem Frühstück sagte Yvette: >>Dann wollen wir uns mal dem großen Ereignis stellen. Jean, Negül, Ihr Beide schaut vom Zuschauerraum zu und lasst Euch beeindrucken. Ich kann Euch eine tolle Show versprechen, Sebastian und Ruby sind ebenfalls in meinem Team und die beiden sind verdammt gute Kampfpiloten.<< - >>Das wird mit Sicherheit ein interessantes Erlebnis, schade nur dass wir das ganze nur aus der Zuschauerperspektive beobachten werden.<<, antwortete Jean. Yvette erwiderte: >>Ja es wird mit Sicherheit interessant. Aber glaube mir, im Cockpit geht es ziemlich heftig zur Sache! Es könnte etwas zu heftig werden für jemanden der keine Flug- und Kampferfahrung hat.<< - >>Ich würde es gern auf einen Versuch ankommen lassen.<<, sagte Jean. Yvette erwiderte: >>Wir können es ja bei Gelegenheit mal versuchen.<< - >>Auf jeden Fall sollten wir das tun, vielleicht würde ich Dich ja überraschen.<<, antwortete Jean. Yvette lächelte, dann verabschiedete sie sich und verließ das Restaurant um sich auf den Wettbewerb vorzubereiten. Nachdem Yvette gegangen war sagte Jean: >>Yvette scheint mir gar nichts zuzutrauen, wenn sie wüsste was Ruby und ich gestern erlebt haben dann würde sie mich nicht so unterschätzen.<< - >>Es ist interessant dass Du Ruby erwähnst, sie hat mich heute früh kontaktiert und mir einen interessanten Vorschlag gemacht.<<, antwortete ich. Jean fragte: >>Ruby hat mit Dir gesprochen, was hat sie gesagt?<< - >>Sie sagte dass sie für uns einen Startplatz bei dem Wettbewerb reserviert hat.<<, erwiderte ich. Jean fragte: >>Wirklich, wir sollten uns dann wohl auf den Weg machen oder?<< - >>Immer mit der Ruhe, erzähle mir zuerst mal was genau Du gestern mit Ruby erlebt hast von dem ich noch nichts weiß!<<, antwortete ich.

Jean erzählte mir dass sie mit Ruby am Vormittag des vergangenen Tages nicht nur auf der Far Horizon war um alle Angelegenheiten bezüglich ihrer neuen Stelle zu regeln. Ruby und Jean waren im Anschluss an das Gespräch mit Jaqueline Ivanes noch eine neurale Verbindung eingegangen in der sie alle bisher gemachten Erfahrungen und Erlebnisse geteilt hatten. Im Anschluss waren sie dann etwas herum geflogen und hatten ausprobiert ob Jean durch die neurale Verbindung auch sämtliche fliegerischen Fähigkeiten von Ruby mitbekommen hatte. Ich fragte: >>Und wie war diese neurale Verbindung?<< - >>Es war unbeschreiblich, ich habe quasi Rubys gesamtes bisheriges Leben durchlebt innerhalb einer Stunde, ich habe alle Erinnerungen von ihr an ihre Vergangenheit!<<, antwortete Jean. Ich fragte: >>Und trotzdem warst Du beunruhigt über die anstehende Verabreichung der Immun- und Heilungsunterstützung?<< - >>Ja, als Ruby ihre erhalten hatte war die medizinische Ausrüstung der Erdraumflotte noch nicht soweit wie sie heute ist. Sie hatte auch die ersten Tage nach der Verabreichung ständig kalte Hände. Ich fürchte wohl dass ich ihre kindliche Angst vor dieser Prozedur in meinem Verstand verankert hat.<<, antwortete Jean. Ich erwiderte: >>Du sagtest dass Ihr im Anschluss an die neurale Verbindung ausprobiert habt ob Du Rubys fliegerische Fähigkeiten mitbekommen hattest. Zu welchem Ergebnis seid Ihr gekommen?<< - >>Ruby meinte dass ich genau so viel über das Fliegen wüsste wie sie.<<, antwortete Jean. Ich lachte und sagte: >>Arme Yvette, indem sie Dich eben gerade eben unterschätzt hat, hat sie Dich quasi unbewusst herausgefordert! Ich bin schon sehr gespannt auf ihren Gesichtsausdruck wenn Du ihr im Simulator das Fell über die Ohren ziehst.<< - >>Ja ich auch aber jetzt sollten wir uns langsam auf den Weg machen!<<, antwortete Jean. Ich erwiderte: >>Nur keine Hektik, wir haben noch Zeit! Wir starten erst in der zweiten Runde, in der Endausscheidung treffen wir dann sicherlich auf Yvette. Ruby hat versprochen dass sie, Sebastian und alle anderen Kampfpiloten sich zurückhalten werden damit Yvette auch wirklich unter die Teilnehmer in der Endausscheidung kommt.<< - >>Das wird ein Spaß!<<, antwortete Jean.

Nachdem wir in aller Ruhe unser Frühstück beendet hatten begaben wir uns zum Kampffliegersimulator, nach unserer Registrierung gingen wir in den Wartebereich für die Teilnehmer des Wettbewerbs. Auf einem großen Display wurden die Teilnehmer und Wettbewerbsrunden angezeigt, Yvette trat mit den anderen Kampfpiloten ihres Kampfgeschwaders für die Far Horizon an, Jean und ich waren in der Mannschaft welche die planetaren Kolonien und Stationen repräsentierte. Wie erwartet waren Ruby, Sebastian und Yvette schon nach den ersten Runden auf den vorderen Rängen. Dann war es soweit, wir traten zur Qualifikation an. Als ich Jean erklären wollte was sie nun erwarten würde tippte sie an ihren Kopf und erklärte mir dass dort sämtliche Erfahrungen von Ruby drin wären. Kurz darauf kletterten wir in unsere Cockpits.

Die Qualifikation war eine Mischung aus Zielschießen und Präzisionsflug, während wir durch einen engen gewundenen Flugkorridor flogen konnten wir durch die Zerstörung kleiner Zielobjekte Zeitboni erringen. Der Qualifikationslauf war anspruchsvoll aber nicht wirklich eine Herausforderung für jemanden der mit Yvette oder Ruby eine neurale Verbindung eingegangen war. Jean und ich erreichten eine sehr gute Qualifikationszeit. Als der Qualifikationslauf abgeschlossen war sagte Jean leise zu mir: >>Das hier ist das heißeste Videospiel das ich je gespielt habe.<< - >>Es ist eigentlich eine Simulation welche zu Trainingszwecken für Kampfpiloten dient aber angesichts der Tatsache dass hier ein Wettbewerb stattfindet könnte man durchaus von einem Spiel sprechen.<<, antwortete ich. Dann setzten wir uns wieder in den Wartebereich und warteten auf unsere nächste Runde, dabei ließen wir die Anzeigetafel mit den Platzierungen nicht aus den Augen. Jean fragte: >>Ob Yvette was ahnt wenn sie auf die Platzierungen schaut?<< - >>Ich glaube nicht dass sie ahnt wer hinter den Rufzeichen Magenta 201 und 202 steckt.<<, antwortete ich.

Die nächsten Runden des Wettbewerbs waren kleine simulierte Gefechte gegen Schiffe welche von einer künstlichen Intelligenz gesteuert wurden. Gewertet wurde die Zielgenauigkeit, die Stärke der gewählten Waffen, die Anzahl der erlittenen Treffer durch gegnerisches Feuer und die Anzahl der Abschüsse, all diese Ergebnisse flossen in den Punktestand ein. Die Gefechte und Flugprüfungen dauerten jeweils eine Viertelstunde, zwischen den einzelnen Runden gab es Pausen von je einer halben Stunde, so kämpften wir uns durch die einzelnen Runden. Die Leistungen von Jean in den einzelnen Runden war beachtlich, man konnte deutlich erkennen dass sie das Fliegen von jemandem gelernt hatte der wirklich etwas davon versteht.

Gegen dreizehn Uhr und dreißig Minuten gab es eine Pause in der sich die Teilnehmer stärken konnten, bevor wir uns zum Restaurant begaben studierten wir die Anzeige mit den Ergebnissen und Platzierungen, Yvette, Ruby und Sebastian lagen in Führung. Ich sagte zu Jean: >>Lass Dir nichts anmerken dass Du schon einige Runden hinter Dir hast! Diese Überraschung wollen wir Yvette erst in der Endausscheidung bereiten.<< - >>Ich werde mich bemühen meine Aufregung so gut wie möglich zu verbergen.<<, antwortete Jean während wir uns zum Restaurant begaben.

Vor dem Restaurant trafen wir auf Yvette, als sie uns sah fragte sie: >>Und, war es spannend bis jetzt?<< - >>Ja das kann man wohl sagen, zumindest was die unteren Platzierungen betrifft. Dass Du zusammen mit Ruby und Sebastian in Führung liegst ist keine große Überraschung, als Geschwaderführerin der Far Horizon musst Du Schließlich einen Ruf verteidigen.<<, antwortete Jean. Yvette erwiderte: >>Ich kann ja mit Dir mal so ein Wettbewerbsszenario absolvieren wenn der Wettbewerb vorbei ist damit Du eine Vorstellung bekommst wie sich das ganze im Cockpit anfühlt.<< - >>Ich bin schon ziemlich gespannt darauf.<<, antwortete Jean. Ich hatte mühe nach dieser Antwort von Jean ernst zu bleiben und nicht los zu lachen, die Vorstellung wie Yvette die Gesichtszüge entgleisen wenn sie von unserer Teilnahme an dem Wettbewerb erfahren würde amüsierte mich ziemlich.

Nach der Mittagspause folgten dann die Ausscheidungsrunden. Während es in den Runden vor der Mittagspause nur darum ging wer sich für die Ausscheidungsrunden durch einen möglichst hohen Punktestand und eine gute Zeit qualifiziert, ging es nun lediglich darum besser als der Gegner in der jeweiligen Runde zu sein. Nur der bessere Teilnehmer kam in die nächste Runde, Jean und ich gaben unser bestes um nicht vor der Endrunde auszuscheiden. Durch die Erfahrungen welche wir in den neuralen Verbindungen zu Yvette beziehungsweise Ruby erhalten hatten waren wir jedoch gut gerüstet. So kämpften wir uns Runde für Runde nach vorne, zum Glück waren die Duelle so geplant dass unsere Gegner ausschließlich die Kampfpiloten der Far Horizon waren und wir nicht gezwungen waren gegeneinander anzutreten. Das Feld der noch im Wettbewerb befindlichen Teilnehmer lichtete sich langsam bis schließlich die Paarungen für die Endrunden feststanden.

Der Endkampf wurde im Modus zwei gegen zwei ausgetragen, von unserer Mannschaft waren nur noch Jean und ich übrig und von der Mannschaft der Far Horizon Yvette und Ruby. Im Vorfeld hatte mir Ruby gesagt dass ich mich im Falle unseres Aufeinandertreffens im Endkampf keinesfalls zurückhalten sollte, das hatte ich auch Jean erzählt und nun war es tatsächlich so weit. Der Endkampf war wie die Qualifikation eine Mischung aus Präzisionsflug und Zielschießen, man hatte bewusst auf ein simuliertes Gefecht der Teilnehmer gegeneinander verzichtet. Der Grund dafür war der hohe Realitätsgrad der Simulation, es konnte zu schweren psychischen Problemen führen wenn man in einer derart detaillierten Simulation jemanden abschießt den man gut kennt. Diese Erfahrung mußte Sebastian mal bei einem simulierten Gefecht gegen Ruby machen.

Wir rasten mit unseren simulierten Schiffen durch den Flugkorridor und versuchten so viele Zielobjekte wie möglich zu treffen um so viele Zeitboni wie möglich zu sammeln, Yvette und Ruby verfolgten das selbe Ziel. Der Querschnitt des Flugkorridors wurde im Verlauf der Runde immer kleiner, bald war es nur noch sehr schwer ein anderes Schiff zu überholen. Jean hatte sich an das Heck von Yvettes Schiff gehängt und folgte ihr wie eine Rakete ihrem Ziel, Ruby flog hinter Jean und ganz hinten flog ich. Plötzlich meldeten meine Sensoren dass Jean die Oszilationsfrequenz ihrer Schildfelder verändert hatte, ihre Schildfelder hatten nun die selbe Amplitude wie die von Yvette, allerdings war sie um einhundertachtzig Grad zu der Amplitude von Yvettes Schildfeldern versetzt. Dies führte zwischen den Schildfeldern von Yvette und Jean zu einer elektromagnetischen Anziehung, Kurz bevor Jean mit Yvettes Schiff kollidierte änderte sie die Oszilationsfrequenz ihrer Schildfelder um die Anziehung zu vermindern. Der Schwung katapultierte das Schiff von Jean an Yvettes Schiff vorbei, kurz darauf änderte Jean die Oszilationsfrequenz ihrer Schildfelder erneut. Jetzt waren die Oszilationsfrequenzen der Schildfelder von Jean und Yvette absolut synchron was eine elektromagnetische Abstoßung bewirkte. Dies führte dazu dass das Schiff von Jean noch weiter nach vorne katapultiert wurde.

Ich versuchte das Manöver von Jean zu kopieren um an Ruby vorbeizuziehen, dies erwies sich als schwierig da Ruby nach dem Manöver von Jean begonnen hatte die Oszilationsfrequenz ihrer Schildfelder ständig zu verändern. Deshalb zog ich mein Schiff an den Rand des Flugkorridors und nahm jedes Zielobjekt ins Visier welches mir vor die Mikrowellengeschütze kam. Für jedes zerstörte Objekt wurde der Zeitrahmen meines Schiffes für einige Sekunden etwas ausgedehnt. Dies führte zu einer scheinbaren Erhöhung der Geschwindigkeit, so konnte ich mich an Ruby und Yvette vorbei manövrieren. Ich flog nun direkt hinter Jean mit Yvette und Ruby im Nacken, es tat so gut in dieser aufregenden Simulation so dicht in einer Formation mit Jean zu fliegen. Wir manövrierten den Flugkorridor entlang und beschossen abwechselnd die Zielobjekte an der äußeren Begrenzung.

Es war ziemlich knapp aber wir schafften es die Führung vor Yvette und Ruby bis zum Ende der Endrunde zu behalten. Als die Simulation beendet war lehnte ich mich in meinem Sitz zurück und atmete tief durch, dann öffnete ich das Simulatorcockpit. Draußen tobte ein Sturm der Begeisterung, die anderen Piloten unserer Mannschaft bejubelten den Sieg. Es dauerte eine Weile bis der Jubel sich gelegt hatte, dann war es Zeit sich mit Yvette und Ruby zu treffen die es als letzte der unterlegenen Mannschaft in die Endausscheidung geschafft hatten. Als wir im Zuschauerbereich des Simulationsbereichs auf sie trafen schaute Yvette uns entsetzt an, dann sagte sie: >>Nein, das glaube ich jetzt nicht! Ihr seid Magenta 201 und 202?<< - >>Es sieht ganz so aus.<<, antwortete Jean. Yvette schaute mich an und sagte: >>Bei Dir weiß ich wo Du das Fliegen gelernt hast. Aber wo zum Teufel hat Jean gelernt so zu fliegen?<< - >>Na was glaubst Du?<<, erwiderte Ruby kichernd. Yvette wurde kreidebleich, fassungslos schaute sie Ruby an. Jean sagte schließlich: >>Ruby hat mir gezeigt was Du so beruflich machst und ich fand es interessant, deshalb wollte ich unbedingt bei diesem Wettbewerb mitmachen.<< - >>Ich kann es einfach nicht glauben! Dein Flugstil war dermaßen effizient und Deine Strategie war so einfallsreich, so was habe ich bisher erst einmal erlebt. Damals bei dem Duell gegen Ruby im Simulator auf der Far Horizon, als Ruby mich so richtig nass gemacht hat, der Flugstil von Ruby war damals genau so effizient und überraschend.<<, antwortete Yvette. Jean fragte: >>Bist Du jetzt sauer deswegen?<< - >>Nein, beeindruckt wäre das richtige Wort. Du hast mich in einem fairen Wettbewerb geschlagen und das habe ich nicht erwartet.<<, antwortete Yvette. Jean erwiderte: >>Dann bin ich ja beruhigt.<< - >>Aber irgendwann will ich eine Revanche!<<, sagte Yvette.

Dann folgte die Siegerehrung des Wettbewerbs, die Plaketten mit den Angaben über den belegten Platz und die Gesamtpunktzahl wurden überreicht von Kapitän Tönnigs und Benjamin Mangold, dem Verwaltungsvorsitzenden der Kolonie auf Gliese 581g. Jean bekam ihre Plakette von Kapitän Tönnigs überreicht. Er sagte dass sie ihn an einen jungen Rekruten an Bord der Far Horizon erinnern würde welcher ihn vor einigen Jahren sehr beeindruckt hatte, mir war klar dass er damit nur Leutnant Sebastian Ivanes meinen konnte. Meine Plakette wurde mir von Benjamin Mangold überreicht, er lächelte schelmisch und meinte dass es ihm gefallen hatte dass wir seine Tochter Yvette auf den dritten Platz verwiesen hatten. Als Kapitän Tönnigs Yvette ihre Plakette für den dritten Platz überreichte sagte er dass sie sich die Sache nicht so sehr zu Herzen nehmen sollte. Nach der Siegerehrung wurde in der großen Lounge eine gesellige Zusammenkunft für die Teilnehmer des Wettbewerbs arrangiert, während dieser Veranstaltung lernte Jean eine Menge neuer Leute kennen. Alle waren sehr neugierig wo und wie Jean fliegen gelernt hatte, doch Jean äußerte sich dazu nur soweit dass Ruby ihr alles beigebracht hatte. So verbrachten wir den restlichen Nachmittag, wir plauderten über den Wettbewerb und verschiedene Strategien, dazwischen nahmen wir ein paar Getränke und Häppchen zu uns.

Als es auf zwanzig Uhr zuging verließen wir die Party, der Wettbewerb und die anschließende Veranstaltung hatten viel Kraft gekostet. Nachdem wir den Lift betreten hatten und dieser seine Fahrt begonnen hatte sagte Jean: >>Das war unglaublich heute, ich hätte nie gedacht dass ich überhaupt unter die zehn besten Teilnehmer komme und jetzt habe ich den Wettbewerb gewonnen!<< - >>Unglaublich trifft es ziemlich genau, dass Du heimlich bei Ruby das Fliegen lernst und mir dann im Wettbewerb so einen Scheitel ziehst hätte ich nie im Leben erwartet. Es war ja schon ein Schock als Ihr während der Endrunde an mir vorbei gezogen seid, aber als ich dann erfahren habe wer mich geschlagen hat da konnte ich es nicht glauben.<<, antwortete Yvette. Jean sagte: >>Ich hoffe Du bist jetzt nicht sauer.<< - >>Nicht auf Dich oder Negül, wenn überhaupt dann muss ich mir selbst Vorwürfe machen dass ich Ruby unterschätzt habe. Ich dachte wenn ich sie in meine Mannschaft hole dann würde sie keine Gefahr für meinen Sieg darstellen.<<, erwiderte Yvette.

Als wir vor den Türen unserer Quartiere standen verabredeten wir dass wir am folgenden Tag erst einmal ausschlafen würden, dann betraten wir unsere Quartiere. Ich setzte mich auf die Couch und aktivierte den Bildschirm, dann wählte ich die Oberfläche des Flottennetzwerks und verfasste mittels der Diktierfunktion einen Beitrag über meine Teilnahme mit Jean an dem Pilotenwettbewerb. Nachdem ich mir diesen Beitrag nochmals durch die Sprachausgabe vorlesen ließ und keine Fehler entdeckte speicherte ich den Beitrag und machte ihn für die Mitglieder meiner Allianz sichtbar. Jean hatte in der Lebensgeschichte ihrer Netzwerkpräsenz ebenfalls einen Beitrag über die Ereignisse des Tages erstellt. Man konnte in ihrem Beitrag ihre Begeisterung über die zurückliegenden Ereignisse deutlich erkennen. Ich bewertete ihren Beitrag mit fünf Sternen und schloss die Oberfläche des Flottennetzwerks. Dann erhob ich mich von der Couch und machte mich für die Nacht fertig, als ich ins Bett gekrochen war geisterten mir die Ereignisse des Tages noch immer im Kopf herum. Ich verschränkte die Hände hinter den Kopf und schaute an die Decke des Schlafraumes, dann dachte ich zurück an den Wettbewerb. Ruby hatte es tatsächlich getan, sie hatte mit Jean eine neurale Verbindung aufgebaut und mit ihr die gesamten Erinnerungen und Erfahrungen ihres bisherigen Lebens geteilt. Wenn man es so betrachtete dann war Jean jetzt mit Ruby auf einem Level was die Erfahrungen in der Fliegerei, dem Ingenieurwesen und in der Ausbildung junger Kampfpiloten angeht. Dafür hatte Ruby die gesamten Fähigkeiten von Jean im Bereich der Moderation und des Modelns erhalten. Ich brütete eine Weile über diesen Gedanken bis ich schließlich einschlief.


Tag 5

Ich wurde durch das rötliche Licht geweckt welches durch die Fenster in mein Quartier schien, der Verdunkelungsfaktor muss nahe null gelegen haben. Ich blinzelte in das helle rötliche Licht und schaute dann auf die Zeitanzeige meines Kommunikationsarmbandes, es war bereits nach elf Uhr. Noch etwas schläfrig sprach ich in mein Kommunikationsarmband: >>Alice, lokalisiere Jean Bork und Yvette Mangold!<< - >>Jean Bork und Yvette Mangold befinden sich in ihrem Quartier.<<, antwortete die warme künstliche Stimme der künstlichen Intelligenz. Ich kroch aus dem Bett und begab mich in den Waschraum, ich stellte die Dusche auf eine Temperatur von siebenunddreißig Grad Celsius. Um richtig wach zu werden ließ ich die Wassertemperatur für wenige Sekunden um zwanzig Grad Celsius absenken, danach wurde die ursprüngliche Temperatur wieder hergestellt.

Nach der morgendlichen Dusche zog ich mir lockere Kleidung an und begab mich in den Wohnbereich. Ich setzte mich auf die Couch und aktivierte den Bildschirm, dann öffnete ich die Oberfläche des Flottennetzwerks. In der Rubrik „Lebensgeschichte“ ihrer Netzwerkpräsenz hatte Jean einen neuen Beitrag eingestellt, sie schrieb von einem Praxistest für ihre spätere Moderationskarriere und dass sie keine Ahnung hatte was sie dabei erwarten würde. Der Praxistest war für den Nachmittag um fünfzehn Uhr angesetzt und Jean hatte den Beitrag erst vor einer halben Stunde veröffentlicht. Ich stellte eine Sprechverbindung zu Jean her und als sie sich meldete sagte ich: >>Ich habe gelesen dass Du heute Nachmittag einen kleinen Vorgeschmack auf Deine zukünftige Karriere bekommst.<< - >>Ja ich bin schon sehr gespannt was mich erwartet. Willst Du dabei zusehen?<<, erwiderte Jean. Ich antwortete: >>Aber hallo, das will ich mir doch nicht entgehen lassen!<< - >>Das habe ich mir fast gedacht.<<, erwiderte Jean. Ich fragte: >>Hast Du schon gefrühstückt oder Mittag gegessen?<< - >>Ja gefrühstückt haben wir heute früh um halb neun und gegen ein Mittagessen vor dem Praxistest hätte ich nichts.<<, antwortete Jean. Wir verabredeten uns vor dem Quartier und daraufhin trennte Jean die Verbindung, ich deaktivierte den Bildschirm und verließ mein Quartier. Als ich durch die Tür meines Quartiers trat standen Jean und Yvette schon vor dem Liftzugang, Yvette wählte das Restaurant als Fahrziel für den Lift und kurz darauf öffneten sich die Lifttüren.

Während wir zum Restaurant fuhren fragte ich Jean: >>Hast Du schon eine Vorstellung oder eine Ahnung was Dich im Rahmen Deiner Moderation erwartet oder hat man Dir gesagt wie man sich Deine Moderation vorstellt?<< - >>Jaqueline Ivanes hat mir in der Einladung lediglich mitgeteilt dass der Praxistest im Veranstaltungssaal des Besucherbereichs stattfindet und dass es um eine glamouröse Variante des X1-Freizeitanzuges geht. Ich habe jedoch aus der neuralen Verbindung mit Ruby ihre Erinnerungen an die Präsentation der Serie 7 Anzüge von Nanotex, sie und Sebastian hatten damals die Möglichkeiten der Schwerkraftkompensation und der Trägheitsverlagerung demonstriert da die Models keine Erfahrungen im Kunstflug in geschlossenen Räumen hatten.<<, antwortete Jean. Ich erwiderte: >>Der X1-Anzug ist ja schon ziemlich spektakulär, wenn ich mir den X1 noch glamouröser vorstelle und wenn Du ihn dann auch noch präsentierst dann sind wir nahe an der absoluten Unbeschreiblichkeit.<< - >>Das ist süß von Dir.<<, sagte Jean lachend, kurz darauf öffneten sich die Lifttüren.

Wir betraten das Restaurant und setzten uns an einen freien Tisch, dann sichteten wir das Angebot an Speisen und Getränken. Als Tagesgericht gab es eine Salatroulade, gefüllt mit Reis und Gemüse, dazu gab es Kartoffelpüree und Apfelrotkohl. Wir entschieden uns alle drei für dieses Tagesgericht, dazu bestellten wir uns je einen Neurobooster, dann ließen wir es uns schmecken.

Nachdem wir mit dem Essen fertig waren lehnte ich mich zurück und schaute auf die Zeitanzeige meines Kommunikationsarmbands, es war gerade zwölft Uhr zwanzig. Ich fragte Jean: >>Hast Du schon Pläne was Du bis zum Beginn Deines Praxistests machen willst?<< - >>Irgendwie bin ich gestern bei dem Pilotenwettbewerb auf den Geschmack gekommen was das Fliegen betrifft, ich würde gerne mit Euch noch etwas herum fliegen aber möglichst nicht zu weit weg damit ich rechtzeitig zu meiner Moderation komme.<<, antwortete Jean. Yvette fragte: >>Wie wäre es mit dem Simulator?<< - >>Wenn es dort auch ein Cockpit gibt in dem wir drei Platz finden dann wäre das in Ordnung.<<, antwortete Jean. Daraufhin leerten wir unsere Trinkgefäße und räumten das Geschirr und Besteck auf den herbeigerufenen Servierwagen, anschließend verließen wir das Restaurant.

Wir fuhren mit dem Lift zum Simulatorbereich und begaben uns dort an das Terminal wo man die Simulationsszenarien auswählt. Yvette durchstöberte die Datenbank und fand schließlich ein Übungsszenario für die allgemeine Führung von kleinen Schiffen. Yvette buchte für uns ein Simulatorcockpit für ein Patrouillenschiff mit drei Stationen, eine für den Piloten, eine für den Waffensystemoffizier und eine für den Kommandanten. Nachdem wir das Cockpit betreten hatten wurde die Simulation gestartet, das Simulierte Schiff befand sich im Hangar eines Mutterschiffes. Yvette schaute Jean an und fragte: >>Welchen Platz willst Du einnehmen, den des Piloten, den des Waffensystemoffiziers oder den des Kommandanten?<< - >>Eine schwierige Entscheidung, das Fliegen gestern hat zwar Spaß gemacht aber das Kommando zu haben würde mir auch gefallen. Ich denke ich nehme den Platz des Kommandanten ein.<<, antwortete Jean. Ich sagte zu Yvette: >>Dann ist es wohl das beste wenn Du auf dem Pilotensitz Platz nimmst und ich den Waffensystemoffizier mache.<< - >>Okay das klingt gut!<<, antwortete Yvette. Daraufhin nahmen wir unsere Plätze ein und legten die Headsets mit den Augenliderprojektionssystemen und den Hirnstromscannern für die Steuerung an.

Zu den Aufgaben für Jean als Kommandantin zählte auch die Kommunikation mit den für unser Schiff zuständigen Organen der Flotte. Jean informierte sich zuerst über die Mission, nachdem sie alle Details verinnerlicht hatte sagte sie zu mir: >>Okay Negül, stelle die Startbereitschaft des Schiffes her!<< - >>Aye! Systeme werden hochgefahren.<<, antwortete ich. Als die Startbereitschaft hergestellt war sagte ich: >>Alle Systeme hochgefahren Kommandantin! Wir sind startbereit.<< - >>In Ordnung!<<, antwortete Jean, dann forderte sie die Starterlaubnis an. Nachdem diese erteilt war sagte Jean: >>Okay Yvette, bringe uns raus, fünf Prozent Schub voraus bis zur Auslaufgeschwindigkeit!<< - >>Aye, fünf Prozent Schub bis zur Auslaufgeschwindigkeit!<<, antwortete Yvette und führte den Befehl aus. Unser simuliertes Schiff setzte sich in Bewegung und flog langsam aus dem Hangar.

Als wir den Hangar verlassen hatten gab mir Jean die Lage unseres Einsatzgebietes an und sagte: >>Negül, programmiere einen Sprung in das Patrouillengebiet!<< - >>Aye!<<, antwortete ich und setzte die Sprungparameter. Als dies erledigt war sagte ich: >>Sprungziel ist eingegeben, wir sind bereit zum Sprung!<< - >>Verstanden! Yvette, Sprungantrieb ein!<<, erwiderte Jean. Yvette bestätigte den Befehl und aktivierte den Sprungantrieb, daraufhin sprang das Schiff in die Sprungpassage. Der simulierte Sprung dauerte nur eine Minute, kurz bevor diese Zeit vergangen war meldete Yvette unsere bevorstehende Ankunft im Patrouillengebiet. Jean bestätigte dass sie verstanden hatte und wenig später fiel unser Schiff in den Normalraum zurück. Wir befanden uns am inneren Rand des Asteroidengürtels und hatten die Aufgabe nach einem vermissten Schiff zu suchen welches sich zuletzt aus dieser Region des Raumes gemeldet hatte. Ich programmierte gemäß den Anweisungen von Jean die Wegpunkte für unsere Suchpatrouille und übermittelte sie an Yvette, sie folgte dem abgesteckten Suchkurs. Ich hielt währenddessen meine Augen auf dem Sensorendisplay, Jean hatte mir genaue Anweisungen gegeben wonach ich suchen sollte.

Auch Jean betrachtete mittels ihres Augenliderprojektionssystems die Umgebung des Schiffes, schließlich sagte sie: >>Negül, eine Energiesignatur auf zwei Uhr, vierundfünfzig Grad oberhalb der Sichtachse!<< - >>Ich habe sie erfasst, sie ähnelt der Energiesignatur des vermissten Schiffes aber sie führt aus dem Asteroidengürtel heraus, als ob das Schiff diesen sehr schnell verlassen hat.<<, antwortete ich nachdem ich den entsprechenden Bereich gescannt hatte. Jean fragte: >>Kannst Du den Kurs des Schiffes ermitteln?<< - >>Aye, er führt direkt ins Zentrum des Sonnensystems!<<, antwortete ich und übermittelte Yvette die notwendigen Informationen. Jean sagte: >>Okay Yvette, folge dem projizierten Kurs, voller Schub!<< - >>Aye!<<, antwortete Yvette und zog das Schiff herum, dann drückte sie den Schubregler voll nach vorne. Unser Schiff beschleunigte und jagte der Energiesignatur des vermissten Schiffes hinterher. Jean und ich studierten währenddessen die Informationen welche uns die Sensoren mitteilten. Nach einer Weile fragte Jean: >>Negül, siehst Du das selbe wie ich?<< - >>Ja, die Energiesignatur führt direkt in die Sonne.<<, antwortete ich. Jean fragte: >>Ob beim Ergänzen der Energievorräte etwas schief gelaufen ist?<< - >>Ich erkenne keine Trümmer oder andere Anzeichen eines zerstörten Schiffes, vielleicht sind sie in die oberen Schichten der Sonne eingetaucht und haben diese auf der anderen Seite wieder verlassen.<<, antwortete ich. Jean sagte: >>Wir können uns den Luxus einer Durchquerung der oberen Sonnenschichten nicht leisten, dafür ist unser Schiff nicht ausgelegt. Yvette, bringe uns so nahe an die Sonne heran wie es die Sicherheit erlaubt und dann umkreise sie! Negül, Schildfelder aktivieren um uns vor der Strahlung der Sonne zu schützen und die Augen offen halten!<< - >>Aye!<<, antwortete Yvette und ich im Chor.

Wir umkreisten die Sonne und scannten die Umgebung intensiv, schließlich fanden wir das vermisste Schiff in einem niedrigen Orbit um die Sonne. Es reagierte jedoch auf keinen unsere Kontaktversuche und es war zu nahe an der Sonne um anzudocken. Jean übermittelte dem Flottenkommando dass wir das vermisste Schiff gefunden hatten und dass es für uns aufgrund seiner Nähe zur Sonne keine Möglichkeit gab näher an das Schiff heranzukommen. Daraufhin erhielten wir den Befehl in der Nähe zu bleiben bis ein Schiff eintrifft welches in der Lage war sich dem Schiff im erforderlichen Maße zu nähern. Es dauerte nicht lange bis ein Schiff der Triangle-Klasse erschien, nach dem Eintreffen des Schiffes wurden wir zu unserem Mutterschiff zurückbeordert. Jean gab die Befehle den Orbit um die Sonne zu verlassen und den Rücksprung vorzubereiten, Yvette und ich bestätigten dass wir verstanden hatten und führten die Befehle aus. Als wir weit genug von der Sonne entfernt waren um einen sicheren Sprung ausführen zu können gab Jean den Befehl den Sprungantrieb zu aktivieren. Etwa eine Minute später waren wir wieder in der Nähe unseres Mutterschiffes.

Jean forderte die Erlaubnis zur Landung an und als diese erteilt war sagte sie: >>Okay Negül, die Schildfelder deaktivieren und das Schiff für die Landung bereit machen! Yvette Kurs auf den Hangar nehmen!<< - >>Aye!<<, antwortete Yvette und ich fügte hinzu: >>Schildfelder werden deaktiviert, alles bereit für die Landung.<< - >>Na dann Yvette, bringe uns rein, schön langsam!<<, sagte Jean. Yvette bestätigte den Befehl und landete das Schiff so sanft als würde sie ein Passagierschiff steuern. Nachdem wir im Hangar gelandet waren endete das Simulationsszenario, Jean nahm ihr Headset ab und sagte: >>Also das war wirklich interessant, alles wirkte so realistisch!<< - >>Ja unsere Simulatoren sind sehr detailliert, aus diesem Grund wird angehenden Kampfpiloten ja auch geraten niemals ein simuliertes Gefecht gegen einen Freund oder einen Menschen der ihnen was bedeutet zu führen. Man vergisst allzu leicht dass es nur eine Simulation ist.<<, antwortete Yvette nachdem sie ihr Headset abgenommen hatte. Ich hatte mein Headset ebenfalls abgesetzt und folgte Jean und Yvette als sie das Simulatorcockpit verließen. Als wir wieder am Lift standen war es kurz vor vierzehn Uhr.

Jean fragte: >>Was machen wir mit der letzten Stunde vor meinem Auftritt?<< - >>Wir könnten zur Aussichtsplattform im obersten Geschoss unseres Wohnturms fahren, die Aussicht ist wirklich spektakulär.<<, antwortete Yvette. Jean wählte die Aussichtsplattform als Fahrziel, wir erhielten den Hinweis auf den uns zugewiesenen Liftzugang und kurz nachdem wir ihn erreicht hatten öffneten sich auch schon die Lifttüren. Nachdem sich die Lifttüren hinter uns wieder geschlossen hatten sagte Yvette: >>Man merkt dass Du bei Ruby gelernt hast Jean, Dein Führungsstil und Deine Fachkenntnis während der Simulation zeigen eindeutig Rubys Handschrift.<< - >>Danke! Ich kann es selbst auch noch nicht so richtig glauben was sie mir alles beigebracht hat.<<, antwortete Jean. Schließlich öffneten sich die Lifttüren und gaben den Weg auf die Aussichtsplattform frei.

Jean betrat die Aussichtsplattform und blieb vor der Fensterfront stehen, man konnte ihr ansehen dass der Ausblick sie schlicht überwältigt hatte. Nach einer Weile sagte sie: >>Wenn ich davon zuhause erzähle glaubt mir das niemand.<< - >>Deswegen brauchen wir auch keine strenge Geheimhaltung, die Fakten sind so unfassbar dass sie niemand wirklich glauben würde.<<, antwortete ich. Jean zog das X-Pad aus der Hosentasche welches Yvette ihr gegeben hatte und fragte: >>Ist es okay wenn ich ein paar Fotos mache?<< - >>Na klar, was man auf den Fotos sieht könnte auch aus einem Filmstudio stammen.<<, antwortete Yvette. Jean wählte den Selbstportrait-Modus und sagte: >>Los kommt, wir machen ein Gruppenfoto vor dem Fenster!<< Wir stellten uns neben Jean und rückten mit den Köpfen zusammen, Jean nahmen wir in die Mitte.

Nachdem Jean ein paar Erinnerungsfotos gemacht hatte sagte sie: >>Ich werde das Teil vermissen wenn unser Urlaub vorbei ist, es hat so viele tolle Funktionen und mit der Alice- K.I. zu reden ist so realistisch als würde man mit einem richtigen Menschen sprechen.<< - >>Warum solltest Du es vermissen? Es ist Dein Gerät, betrachte es einfach als Willkommensgeschenk!<<, erwiderte Yvette. Jean schaute Yvette mit großen Augen an und Yvette sagte: >>Wenn Du schon mit uns Deine Zeit weitab von der Erde verbringst dann sollst Du auch was davon haben.<< - >>Danke, das ist ganz lieb von Dir!<<, antwortete Jean und umarmte Yvette. Dann gingen wir noch einmal alle denkbaren Möglichkeiten durch von dem was Jean bei ihrem Praxistest erwarten könnte. Ich erklärte Jean auch dass bei dem Praxistest beide Hände frei haben würde da ihre Stimme über ein Kehlkopfmikrofon aufgenommen wird und dass sie ihre Stichpunkte nicht von Moderationskarten sondern von Einblendungen in ihr Sichtfeld über ein Augenliderprojektionssystem bekommen würde. Auch die Tatsache dass sie bei diesem Praxistest auch die Handhabung der Schwerkraftkompensation und der Trägheitsverlagerung lernen würde fand sie sehr aufregend. Ich erzählte Jean von den Präsentationen welche ich auf der Neptun- Hoststation mitverfolgt hatte, vieles kannte sie von ihren Moderationen auf der Erde auch aber einiges fand sie auch sehr futuristisch.

So verging die Zeit, als es zehn Minuten vor fünfzehn Uhr war begaben wir uns zum Liftzugang und fuhren zum Veranstaltungssaal. Wenige Minuten nach unserer Ankunft dort trafen wir auf Jaqueline Ivanes, sie begrüßte uns und erklärte Jean wie genau dieser Praxistest ablaufen würde. Jean sollte sich im Rahmen dieser Probemoderation an die neuen Möglichkeiten gewöhnen welche der glamourös aufgewertete X1-Anzug mit allen verfügbaren Upgrades bot. Für die Vorbereitung hatte sie eine halbe Stunde in der ihr Jaqueline Ivanes beratend zur Seite stehen würde, während der Moderation würde Jean dann vollkommen freie Hand haben. Der Beginn des Praxistests war auf fünfzehn Uhr dreißig angesetzt. Wir betraten zusammen den Veranstaltungssaal, während Yvette und ich uns einen guten Platz suchten wurde Jean von Jaqueline Ivanes in den Backstagebereich begleitet. Yvette und ich bereiteten uns inzwischen auf eine unbeschreibliche Show vor.

Schließlich war es soweit, wie bei Veranstaltungen üblich ertönte die automatische Ansage im Saal: >>Werte Zuschauer, wir aktivieren nun die Augenliderprojektionssysteme.<<, Yvette und ich setzten das Augenliderprojektionssystem unseres Sitzplatzes auf und warteten auf das was nun passieren würde. Das Licht im Saal wurde heruntergefahren, der Laufsteg im Zentrum des Saals wurde nur durch kleine Lichtquellen an seinen Rändern erhellt, er sah fast so aus wie die Start- und Landebahn eines Flughafens. Nachdem einige Sekunden vergangen waren schwebte Jean durch die Lücke zum Backstagebereich, ihre Füße waren etwa zehn Zentimeter vom Boden des Laufstegs entfernt und ihre Arme waren in einem Winkel von etwa fünfundvierzig Grad vom Körper abgespreizt. Kurz nachdem sie den Backstagebereich verlassen hatte verharrte sie in der Luft schwebend, dann reckte sie den Kopf nach oben und brachte ihren Körper in eine horizontale Position, nun schwebte sie waagerecht in geringer Höhe über dem Boden des Laufstegs. Im Saal ertönte eine Stimme die einen Countdown zählte, als die null erreicht war beschleunigte Jean und raste den Laufsteg entlang. Kurz vor dem Ende des Laufstegs ging sie in den Steigflug über und flog in atemberaubender Geschwindigkeit über die Zuschauerränge hinweg.

Nachdem sie ein paar Runden im Saal gedreht hatte landete sie elegant auf dem Laufsteg, als wäre dies nichts besonderes gewesen begrüßte Jean in ihrer unvergleichlichen Art das Publikum welches nur aus Yvette und mir bestand, der modifizierte X1-Dress den sie trug hatte einen eleganten Schnitt wie ein Ballkleid und leuchtete in atmosphärischem Hellblau. Jean begann ihre Präsentation mit den offensichtlichen Vorzügen des glamourös aufgewerteten X1-Dresses, sie demonstrierte auch die optisch variable Oberfläche der Kleidung indem sie diese nacheinander in allen Farben des sichtbaren Spektrums leuchten ließ. Dann kam sie zu den nicht sofort ersichtlichen Details wie der Schutzfunktion gegen mechanische Stöße, der Wärmeregulierung für den optimalen Tragekomfort und natürlich der Schwerkraftkompensation und der Trägheitsverlagerung. Die gesamte Präsentation wirkte so professionell als hätte sie wochenlang dafür geübt, sie beschrieb ausführlich die verschiedenen Upgrades und deren Verwendung und demonstrierte diese auch durch praktische Vorführung. Das EPOC-Headset mit dem sie die Upgrades ihres X1-Dresses steuerte besaß ein integriertes Augenliderprojektionssystem, es verdeckte zwar das obere Drittel ihres Gesichts doch verlieh es ihr ein sehr futuristisches Aussehen. Um den Hals trug sie eine Art Halsband an dem das Kehlkopfmikrofon befestigt war, da ich ihre Stimme kannte wusste ich dass sie auf eine Harmonisierung ihrer Stimme verzichtet hatte. Das absolute Highlight unter den Upgrades hob sich Jean für das Ende der Präsentation auf. Nachdem sie sich verabschiedet hatte setzte sie eine Art Kapuze auf welche zu dem modifizierten X1-Dress gehörte und ließ einen Schleier vor ihr Gesicht fallen, dann aktivierte sie die optische Tarnung. Augenblicklich wurden sie und ihr Kleid vollkommen durchsichtig und schließlich verschwand ihre Silhouette ebenfalls. Es war ein spektakuläres Erlebnis.

Als Jean nach der Präsentation zusammen mit Jaqueline Ivanes aus dem Backstagebereich kam und sich zu uns gesellte fragte sie: >>Und wie war es?<< - >>Das war der Hammer! Wie Du am Anfang der Präsentation auf die Bühne geschwebt bist und dann wie ein Kampfflieger den Laufsteg entlang gerast bist, das war absolut unbeschreiblich. Und Deine Kunstflugeinlagen über unseren Köpfen waren auch ziemlich heiß, aber der absolute Wahnsinn war als Du kurz nach Deiner Verabschiedung die optische Tarnung aktiviert hast.<<, antwortete ich. Yvette erwiderte: >>Also den Flugstil hast Du definitiv von Ruby, Deine Kunstflugeinlagen haben mich an den Eröffnungstanz von Ruby und Sebastian beim Flottenball 2013 erinnert.<< - >>Ja ich mußte auch an meine Tochter denken als ich Ihre Präsentation sah, es ist eindeutig dass meine Tochter Ihnen das Fliegen beigebracht hat.<<, fügte Jaqueline Ivanes hinzu. Jean wurde leicht rot und lächelte verlegen dann sagte sie: >>Es war aber auch für mich ein unbeschreibliches Erlebnis.<<

Die Nachbesprechung des Praxistests dauerte etwa eine halbe Stunde, Jaqueline Ivanes war begeistert davon wie Jean durch die Präsentation geführt hatte. Dass Jean zum Abschluss der Präsentation die Vorführung der optischen Tarnung demonstriert hatte das hatte Jaqueline Ivanes auch sehr beeindruckt. Als die Nachbesprechung beendet war und wir wieder den Saal verlassen hatten sagte ich zu Jean: >>Das war echt abgefahren wie Du durch den Saal geflogen bist!<< - >>Es freut mich dass es Dir gefallen hat, der Pilotenwettbewerb gestern hat mich dazu inspiriert, außerdem habe ich gestern noch im Flottennetzwerk einen Bericht über Nullschwerkraftrennen gesehen. Ich finde diese Sportart sehr interessant, frei wie ein Vogel und mit einer unbeschreiblichen Geschwindigkeit durch einen aus hintereinander hängenden Ringen bestehenden Flugkorridor zu fliegen, das ist für mich die ultimative Sportart für mich.<<, antwortete Jean. Yvette erwiderte: >>Ja es ist spektakulär, besonders wenn man diesen Sport im freien Raum ausübt. Sebastian und Ruby haben das mal ausprobiert, sie haben sich Druckanzüge über die phaseninvertierten Schwerkraftanzüge und das Trägheitsverlagerungssystem gezogen. Dann sind sie außen um die Neptun- Hoststation geflogen. Ich bin zu dieser Zeit mit einem Kampfflieger in der Region unterwegs gewesen und die beiden hatten nichts besseres zu tun als neben meinem Kampfflieger her zu fliegen. Das war vielleicht eine Überraschung als ich die beiden sah, als ich dann zur Far Horizon zurückkehrte sind die beiden per Anhalter auf dem Rumpf meines Kampffliegers mit geflogen.<< - >>Das ist ja gut!<<, antwortete Jean lachend.

Als wir vor den Liftzugängen angekommen waren fragte Yvette: >>Hast Du schon Pläne was wir jetzt machen wollen Jean?<< - >>Ich würde gerne mit Euch anstoßen auf den Erfolg des Praxistests.<<, antwortete Jean. Yvette erwiderte: >>Wollen wir dafür ins Restaurant gehen oder wollen wir bei uns im Quartier anstoßen?<< - >>Im Quartier wäre es auch nett, wir lassen uns was kommen und feiern im kleinen Kreis.<<, antwortete Jean. Yvette wählte die Ebene mit unseren Quartieren als Fahrziel und wir begaben uns zum zugewiesenen Liftzugang. Auf der Fahrt nach oben fragte Jean: >>Wenn ich offiziell für Nanotex arbeite und ein eigenes Quartier habe, bekomme ich dann auch noch ein X1-Outfit mit allen Upgrades?<< - >>Du brauchst eigentlich kein neues Outfit, Du erhältst lediglich das Headset mit dem Du die Schwerkraftkompensation und die Trägheitsverlagerung steuerst und die entsprechenden Upgrades in Deinem X1-Dress werden freigeschaltet.<<, antwortete ich.

Im Quartier von Jean und Yvette angekommen besprachen wir erst einmal womit wir anstoßen wollten, wir einigten uns auf niederprozentige Cocktails. Jean wählte einen Red Dwarf, Yvette einen White Dwarf und ich entschied mich wie Jean für einen Red Dwarf. Yvette gab daraufhin unsere Bestellung an der Konsole neben dem kleinen Speiseaufzug ein, kurze Zeit später erreichten unsere Bestellungen das Quartier. Wir holten die Gläser aus dem kleinen Speiseaufzug und stießen auf den Praxistest von Jean an. Nachdem sie einen Schluck genommen hatte sagte Jean: >>Also an den Standard hier kann man sich gewöhnen, die Quartiere hier haben wirklich jeden Komfort.<< - >>Im wahrsten Sinne des Wortes außerirdisch.<<, erwiderte ich. Jean lachte und sagte: >>Nicht von dieser Welt, würde man auf der Erde über den Standard hier sagen.<< - >>Und das ist noch nicht einmal falsch!<<, antwortete Yvette.

Nach dem zweiten Cocktail fragte Jean: >>Haben wir für morgen schon feste Pläne?<< - >>Nicht dass ich wüsste. Hast Du eine Idee was Du machen willst?<<, erwiderte Yvette. Jean überlegte kurz und antwortete dann: >>Wir könnten uns noch einen ruhigen Wohlfühltag gönnen, im warmen rötlichen Sonnenlicht zu liegen war für mich ziemlich entspannend und die akustische Massage war auch unbeschreiblich.<< - >>Okay, dann tun wir das!<<, sagte ich. Nachdem wir lange und ausgiebig über den Alltag bei der Erdraumflotte gesprochen und jeder von uns noch zwei weitere Cocktails genommen hatte war es Abend geworden, die Zeit war wie im Fluge vergangen.

Als ich mich von Jean und Yvette verabschiedete und das Quartier verließ war es kurz nach einundzwanzig Uhr, wir hatten wirklich den halben Nachmittag bis spät in den Abend allein mit Cocktails und Gesprächen verbracht und nicht gemerkt wie die Zeit vergangen war. Nachdem ich mein Quartier erreicht hatte setzte ich mich auf die Couch und atmete erst einmal tief durch. Obwohl ich nur vier Red Dwarf- Cocktails hatte fühlte ich mich ein Wenig beschwingt, ich beschloss ins Bett zu gehen um meinen kleinen Rausch auszuschlafen. Ich erhob mich von der Couch und begab mich leicht schwankend in den Schlafraum, dort zog ich mich für die Nacht um und kroch ins Bett. Ich verschränkte die Hände hinter dem Kopf und ließ die Ereignisse des Tages Revue passieren.

Unser kleines Abenteuer im Simulator war wirklich spannend, Jean hatte in der neuralen Verbindung mit Ruby wirklich jede Menge Führungsqualitäten und Vorgehensweisen mitbekommen. Sie wäre wirklich eine tolle Kommandantin eines echten Patrouillenschiffes aber als Moderatorin mochte ich Jean noch mehr. Wenn sie auf der Bühne oder dem Laufsteg stand und etwas über Mode erzählte dann war dies für mich ganz große Faszination, sie schaffte es wirklich immer wieder mich zum staunen zu bringen.

Auch mit ihrem Abschneiden bei dem Pilotenwettbewerb am Vortag hatte Jean es geschafft mich ziemlich zu beeindrucken. Mir war zwar bekannt dass Ruby mit ihr eine neurale Verbindung eingegangen war, aber dennoch war ich überrascht von ihren Flugmanövern mit denen sie sich an die Spitze kämpfte.

Dies war nun unsere vorletzte Nacht auf Gliese 581g und obwohl ich Jean nur tagsüber sah war es für mich eine tolle Zeit, ich konnte mich jeden Abend darauf freuen Jean am nächsten Morgen wiederzusehen. Aber bald würde sie ja ihre Tätigkeit als Show-Moderatorin aufnehmen und daher auch ein eigenes Quartier in einem Lebensraum ihrer Wahl beziehen. Vielleicht würde sie ja sogar auf die Neptun- Hoststation ziehen, dann wäre sie der Erde noch immer relativ nahe und könnte sowohl für Nanotex als auch für ihre Agentur auf der Erde moderieren.

Es freute mich auch dass Jean und Yvette so gut miteinander klar kamen da Yvette im Allgemein als eifersüchtig galt, sie schien jedoch in Jean keine Bedrohung zu sehen. So konnte sie Jean als eine Art Führerin im Verständnis unserer Technologie zur Seite stehen, auch wenn Jean nach den induktiven neurologischen Eingriffen und der neuralen Verbindung mit Ruby keine Führung mehr benötigte. Jean schien Yvette auch zu mögen, zwischen den beiden hatte sich eine Art Kameradschaft oder sogar Freundschaft entwickelt. Sie interagierten miteinander wie zwei Mitglieder eines Kampffliegergeschwaders.

Auf jeden Fall hatte ich durch unsere Reise nach Gliese 581g die Gelegenheit bekommen Jean etwas zu zeigen was sie fasziniert, sonst hatte sie mich mit ihren Moderationen immer fasziniert und ich fand dass es Zeit war etwas von dieser Faszination zurückzugeben. Zwar konnte sie niemandem auf der Erde glaubhaft berichten was sie in dieser Woche alles erlebt hatte, aber es tat gut mit anzusehen wie sie in der ersten Zeit aus dem Staunen nicht mehr heraus kam. Diese Woche würde Jean auf jeden Fall nicht so schnell vergessen, wenn man mal davon absieht dass sie sich hier für eine neue Tätigkeit als Moderatorin qualifiziert hatte.

Ich weiß nicht wie lange ich noch über diese und ähnliche Fragen gegrübelt hatte, auf jeden Fall schlief ich irgendwann darüber ein.




Tag 6

Als ich wach wurde und auf das Display meines Kommunikationsarmbandes schaute zeigte die Zeitanzeige dass es kurz vor acht Uhr war. Ich sprach in mein Armband: >>Alice, bitte sage mir wo sich Yvette Mangold und Jean Bork befinden!<< - >>Leutnant Mangold und Jean Bork befinden sich in ihrem Quartier.<<, antwortete die warme Stimme der künstlichen Intelligenz. Ich kroch aus dem Bett und begab mich in den Waschraum, in meinem Kopf spürte ich die Nachwirkungen der vier Red Dwarf - Cocktails vom Vorabend. Ich zog die Nachtkleidung aus und ging unter die Dusche.

Nachdem ich mich frisch gemacht hatte kehrte ich in den Schlafbereich zurück und zog mir etwas lockeres für den Tag an. Anschließend ging ich in den Wohnbereich und bestellte mir erst einmal einen Neurobooster mit Orangenaroma. Nachdem ich das Glas geleert hatte stellte ich es zurück in den Speiseaufzug und schichte es zurück zur Wiederverwendung, dann setzte ich mich auf die Couch, aktivierte den Bildschirm und wählte die Oberfläche des Flottennetzwerks. Im Postfach meiner Netzwerkpräsenz gab es keine neuen Nachrichten und auch in den Lebensgeschichten der Mitglieder meiner Allianz gab es keine neuen Beiträge. Ich schloss die Oberfläche des Flottennetzwerks und wechselte zum Flottennachrichtenkanal, dort liefen gerade die Meldungen über aktuelle Ereignisse. Es wurde über einige Flottenbewegungen und Manöver bei der Erdraumflotte berichtet, auch über den Pilotenwettbewerb von vor zwei Tagen gab es einen Beitrag. Miranda Raven kommentierte die Aufzeichnungen des Simulationssystems von den verschiedenen Runden des Wettbewerbs, natürlich auch den Flugstil von Jean mit dem sie den Wettbewerb gewonnen hatte. Als Zuschauer der Aufzeichnungen erhielt man noch einmal eine besondere Perspektive auf den Wettbewerb, der Flugstil von Jean war wirklich spektakulär und glich in seiner Präzision dem von Ruby. Ich ließ Alice den entsprechenden Beitrag aufzeichnen und ihn an die Netzwerkpräsenz von Jean übermitteln. Anschließend öffnete ich nochmals die Oberfläche des Flottennetzwerks und wählte die Präsenz der Neptun- Hoststation um mich über die letzten Ereignisse zu informieren. Mein Stellvertreter berichtete mir auf meine Anfrage hin dass es keine besonderen Vorkommnisse gab. Ich wechselte auf die Seite für die planetaren Netzwerke und Informationsdienste, dann wählte ich die Erde und schaute was es dort im Fernsehen gab.

Etwa gegen neun Uhr zwanzig erhielt ich einen Sprechwunsch von Jean, als ich die Verbindung hergestellt hatte sagte sie: >>Ich habe den Beitrag gesehen den Du mir geschickt hast, das war ja wirklich ein Top- Sportereignis. Danke dass Du ihn mir übermittelt hast!<< - >>Ich dachte dass er Dich interessieren würde, besonders weil Du bei dem Wettbewerb eine Maßgebliche Rolle gespielt hast.<<, antwortete ich. Jean erwiderte: >>Yvette ist gerade mit dem Anziehen fertig. Wollen wir zum Frühstück runter fahren?<< - >>Ja klar, ich bin bereit aufzubrechen!<<, antwortete ich. Jean erwiderte: >>Okay wir sehen uns gleich vor dem Liftzugang!<< - >>Alles klar, bis gleich! Sella Ende!<<, antwortete ich und trennte die Verbindung. Anschließend deaktivierte ich den Bildschirm und verließ mein Quartier. Jean und Yvette kamen einige Minuten später aus ihrem Quartier, nachdem wir uns begrüßt hatten wählte Jean das Restaurant als Fahrziel für den Lift, wenig später erreichte der Lift die Ebene mit unseren Quartieren.

Während der Fahrt zum Restaurant besprachen wir unseren Tagesablauf, Yvette hatte am Vorabend eigentlich einen lockeren Wohlfühltag eingeplant. Diese Idee hatte sie jedoch wieder verworfen, sie wollte mit Jean und mir die Sporteinrichtungen für Besucher der Kolonie besuchen und sehen ob sie Jean für eine oder mehrere Runden Cyberblade begeistern konnte. Da Jean Cyberblade nur aus Rubys Erinnerungen kannte stimmte sie zu.

Im Restaurant angekommen bestellten wir uns erst einmal was leichtes zum Frühstück. Jean hatte sich für einen Neurobooster mit Sauerkirscharoma und dazu eine Portion Müsli mit gesüßtem Speisequark entschieden. Yvette wählte eine gesüßte Mehlcremesuppe mit Apfelmus und einem Neurobooster mit Waldmeistergeschmack. Ich entschied mich für eine Portion Rührei mit Speck und Toast, dazu wählte ich einen Feuertee. Es dauerte nicht lange und wir erhielten unsere bestellten Speisen und Getränke, nachdem wir alles auf den Tisch gestellt hatten ließen wir es uns schmecken.

Als wir mit dem Frühstück fertig waren sagte Jean: >>Ich kenne die Cyberblade-Arena zwar nur aus den Erinnerungen von Ruby aber ich weiß dass Ruby beim Cyberblade ziemlich gut war. Deshalb würde ich gerne mal ausprobieren wieviele von Rubys Fähigkeiten ich übernommen habe.<< - >>Das müsstest Du doch bereits bei dem Pilotenwettbewerb gemerkt haben, bei der neuralen Verbindung werden alle Erinnerungen und Erfahrungen geteilt. Das schließt die Ausbildung und das Erlernen von Fähigkeiten mit ein. Was also Deine Fähigkeiten beim Cyberblade angeht, die sollten mit denen von Ruby identisch sein.<<, antwortete Yvette. Ich fügte hinzu: >>Dann wird Jean eine harte Gegnerin in der Arena, Ruby hat mir mal eine Aufzeichnung eines Cyberblade-Duells zwischen ihr und Sebastian gezeigt. Selbst für Zuschauer ist ihr Kampfstil ziemlich herausfordernd, es ist enorm schwer jede einzelne Attacke von ihr wahrzunehmen weil ihre Angriffe so schnell sind.<< - >>Ja das stimmt, ihr Kampfstil ähnelt dem von Blade dem Halb- Vampir aus den gleichnamigen Filmen.<<, erwiderte Jean. Yvette sagte: >>Deswegen treffen wir uns mit Ruby um zehn Uhr fünfzehn vor der Cyberblade-Arena, sie meinte dass es interessant wäre gegen jemanden mit den gleichen Fähigkeiten anzutreten.<< - >>Ruby kommt auch? Das ist ja toll! Das wird sicher ein hochinteressantes Duell.<<, erwiderte Jean.

Nachdem wir unsere Trinkgefäße geleert hatten und der kleine Servierwagen mit unserem benutzten Geschirr wieder verschwunden war verließen wir das Restaurant. Wir fuhren mit dem Lift zu den Sport- und Freizeiteinrichtungen und warteten dort vor dem Tresen für die Anmeldung auf Ruby. Gegen zehn Uhr und zehn erreichte Ruby den Wartebereich der Cyberblade-Arena. Nach der Begrüßung fragte sie: >>Und Jean, wie wär‘s mit einem kleinen Duell?<< - >>Ich bin schon sehr gespannt wie es ist gegen jemanden zu kämpfen der exakt die gleichen Fähigkeiten hat wie man selbst.<<, antwortete Jean. Ruby erwiderte: >>Ich würde Dir ja gerne ein aufregendes Erlebnis versprechen aber da Du meine Erinnerungen kennst weißt Du ja was Dich erwartet.<< - >>Ja ich habe Deine Erinnerungen aber ich lasse mich trotzdem gerne von der Realität beeindrucken. Lass uns einfach Spaß haben und uns richtig austoben!<<, antwortete Jean. Daraufhin begaben wir uns zum Anmeldetresen und buchten eine Arena und Ausrüstung für uns aus. Wir entschieden uns für die lange Version des Fechtstabes welcher in der Simulation als Zweiklingen- Schwert verwendet wurde.

Es dauerte knapp zehn Minuten bis die Arena bereit und die Schutzanzüge sowie die Fechtstäbe für uns bereitgestellt waren. Als wir die Arena betraten sagte Jean: >>Das ist unglaublich, ich war noch nie in einer Cyberblade-Arena aber es ist als wäre ich schon oft hier gewesen!<< - >>Ja das sind meine Erinnerungen die Dir ein vertrautes Gefühl vermitteln.<<, antwortete Ruby. Wir legten die Schutzanzüge aus flexibler Karbon-Nanofaser an, sie hatten die gleiche Schutzfunktion gegen physische Stöße wie der X1-Dress und waren daher absolut flexibel. Nachdem wir unsere Schutzanzüge angelegt hatten setzten wir die Helme mit den Augenliderprojektionssystemen auf und nahmen unsere Fechtstäbe in die Hand. Dann folgte die Auswahl der virtuellen Arena und unserer Erscheinungsbilder in der Simulation.

Als virtuelle Arena hatten wir uns für ein Berg- Plateau auf einem kargen Planeten entschieden, um uns herum war nichts weiter als die zerklüftete rötliche Landschaft und am Horizont war ein schwach leuchtender roter Stern und zwei gewaltige Monde zu erkennen. Jean schaute sich in der virtuellen Umgebung um und sagte: >>Das ist absolut fantastisch, obwohl es mich dank Rubys Erinnerungen nicht überraschen sollte bin ich dennoch erstaunt wie realistisch alles wirkt.<< - >>Das liegt an der neuen VR-Engine und den neuen Headsets, durch einen Hirnstromscanner in Deinem Helm wird Dein Sehsinn ausgewertet wodurch eine noch realistischere Projektion auf die Augenlider ermöglicht wird.<<, antwortete Ruby. Dann suchten wir unsere Erscheinungsbilder aus, Ruby wählte ihren angestammten Erscheinungsstil als Agent Ruby wie man sie aus den ATI-Grafikkarten- Benchmarks kannte. Jean wählte ein virtuelles Outfit welches dem von Ruby ähnelte, es war in tief dunklem Blau gehalten. Yvette und ich entschieden uns für ein klassisches Mönchsgewand in dunklem Braun. Als virtuelle Waffen hatten wir je ein Zweiklingen- Lichtschwert welches gleißend weiß leuchtete ohne jedoch zu blenden.

Als erstes traten Ruby und Jean gegeneinander an, sie begaben sich in die Mitte des Berg- Plateaus und verneigten sich leicht vor einander, dann begannen sie mit dem Kampf. Es war noch spektakulärer als die Lichtschwertkämpfe die ich aus Starwars kannte, Jean und Ruby wirbelten ihre Zweiklingen- Lichtschwerter so schnell und heftig herum so dass sie den Rotoren eines Hubschraubers ähnelten. Wenn die simulierten leuchtenden Klingen aufeinander trafen erzeugte dies ein Geräusch welches dem eines Lichtbogens ähnelte, zwischen den Klingen züngelten Blitze wenn sie sich einander näherten. Allerdings gab es kein brummendes Geräusch wie bei Starwars wenn die Klingen durch die Luft schnitten. Die Geschwindigkeit des Kampfes war atemberaubend, der Vergleich mit Blade war nicht übertrieben. Der Kampf war ziemlich ausgeglichen, zwischen den Treffern welche Jean und Ruby abwechselnd bei ihrer Gegnerin erzielten lagen oft mehrere Minuten. Immer wenn eine von ihnen einen Treffer erzielt hatte wurde der Kampf neu gestartet, dies wurde mit der Natur der simulierten Waffen begründet. In der Simulation waren es Plasmaschwerter, deren Klingen bestanden aus einem hitzebeständigen und hoch festen Material welches von einem super heißen Plasma umströmt wurde das aus kleinen Emittern auf der gesamten Oberfläche der Klinge austrat.

Nach eine halben Stunde stand es zwischen Jean und Ruby sieben zu sieben, beide hatten sich richtig ausgepowert und beendeten den Kampf um sich erst einmal zu erholen. Nachdem sich Jean und Ruby an den Rand der Arena zurückgezogen hatten trat ich gegen Yvette an, auch Yvette hatte schon einige Stunden in der Cyberblade-Arena zugebracht und somit eine Menge Kampferfahrung. Aber auch ich hatte auf der Neptun- Hoststation in meiner Freizeit oft trainiert, wenn es die Zeit zuließ hatte ich sogar mit Yvette den einen oder anderen Kampf bestritten. Nach der üblichen Verbeugung begannen wir mit dem Kampf, Yvette ging wie üblich gleich aufs ganze, sie wollte unbedingt den ersten Treffer erzielen. Ich beschränkte mich darauf die Attacken von Yvette abzuwehren und keine Energie an Angriffsversuche zu verschwenden, so konnte ich meine Reserven für den Zeitpunkt sparen wenn Yvette ihre Konzentration nachließ. Die Strategie ging auf, die Angriffe von Yvette wurden nach einiger Zeit etwas langsamer. Als ich eine Lücke in ihren Angriffswellen bemerkte ergriff ich die Möglichkeit und startete einen Angriff, ich zielte auf die Mitte ihres Zweiklingen- Schwertes wo ihre Hände die Waffe hielten, der Treffer saß. In den nächsten Runden behielt ich erfolgreich diese Strategie bei, so stand es nach einer halben Stunde zehn zu fünf für mich. Yvette hatte bei ihren Angriffen jede Menge Energie verbraucht und war ziemlich außer Atem. Nachdem wir unsere Schutzanzüge wieder abgelegt und die Arena verlassen hatten beschlossen wir erst einmal unter die Dusche zu gehen, also verabschiedeten wir uns von Ruby und fuhren hoch zu unseren Quartieren.

Als wir vor den Türen unserer Quartiere standen fragte Yvette: >>Wie wäre es Negül, benutzen wir beide die Dusche in Deinem Quartier?<< - >>Das würde mir gefallen Yvette, vorausgesetzt Jean fühlt sich nicht isoliert wenn Du sie allein in Eurem Quartier lässt.<<, antwortete ich. Jean erwiderte: >>Ach das geht schon in Ordnung, ich fühle mich hier inzwischen richtig heimisch. Außerdem habt Ihr mich die ganze Zeit herumgeführt und mir alles erklärt, da hattet Ihr kaum Zeit für Euch.<< - >>Das ist nett von Dir.<<, antwortete ich. Jean lächelte und sagte: >>Hey, Ihr beide seid zusammen und ich will mich nicht zwischen Euch stellen!<< - >>Okay, ich hole mir nur ein Paar Sachen und dann komme ich zu Dir Negül.<<, sagte Yvette. Daraufhin betraten sie und Jean ihr gemeinsames Quartier.

Ich musste nicht lange warten bis Yvette mit frischer Wäsche unter dem Arm wieder aus ihrem Quartier kam. Wir betraten mein Quartier und begaben uns in den Schlafbereich, dort legten wir die durchgeschwitzten Sachen vom Cyberblade ab und gingen in den Waschraum. Ich stellte die Wassertemperatur der Dusche auf siebenunddreißig Grad Celsius und wir betraten die Duschkabine. Yvette nahm mich in den Arm, drückte mich an sich und sagte: >>Es ist lange her dass wir beide Zeit für uns hatten, wir sollten uns in Zukunft öfter sehen.<< - >>Da wirst Du von mir keine Einwände hören.<<, antwortete ich leise. Yvette küsste mich zärtlich und flüsterte: >>Ich dachte mir schon dass Du so was sagen würdest, wenn ich wieder auf der Far Horizon bin werde ich Dir als erstes meinen Dienstplan übermitteln.<< - >>Du weißt ja dass mein Quartier auf der Neptun- Hoststation groß genug ist für uns beide, wenn es sich ergibt dass Du nur zu meinen Dienstzeiten Zeit hast dann kann ich auch einen oder mehrere Dienst- und Ruhetage tauschen.<<, antwortete ich. Dann genossen wir die Zweisamkeit unter der Dusche.

Als wir nach einer heißen halben Stunde die Duschkabine wieder verließen waren wir glücklich und tiefen entspannt. Wir gingen in den Schlafbereich und zogen uns frische Wäsche an, danach räumte ich meine durchgeschwitzte Wäsche in den Belüftungsbereich des Kleiderschranks. Yvette nahm ihre Wäsche unter den Arm und sagte: >>Ich bringe nur die verschwitzten Klamotten in mein Quartier und dann sehen wir mal wie weit Jean ist. Du kannst ja mitkommen und im Wohnbereich warten.<< - >>Okay, machen wir‘s so!<<, antwortete ich. Wir begaben uns in das Quartier von Jean und Yvette, dort setzte ich mich im Wohnbereich auf die Couch und wartete. Yvette ging in den Schlafbereich um ihre Wäsche in den Belüftungsbereich zu hängen. Kurz darauf kam Yvette zusammen mit Jean in den Wohnbereich zurück. Jean lächelte mich an und fragte: >>Und, habt Ihr die Zeit genutzt?<< - >>Aber hallo!<<, antwortete ich. Jean erwiderte: >>Das freut mich, Ihr habt so viel Zeit investiert um mir eine tolle Reise zu ermöglichen und bei meiner neuen Anstellung als Moderatorin für Nanotex habt Ihr mir auch sehr geholfen. Da ist diese Kurze Zeit in der ich mich allein beschäftigen musste doch gar nichts dagegen.<< - >>Ich bin froh dass Du die Stelle bei Nanotex bekommst, auf diese Weise gewinnst Du ein zusätzliches Fan- und Zuschauerpotential von 0,7 bis 0,8 Milliarden Menschen. Außerdem habe ich so die Möglichkeit einige zusätzliche Moderationen von Dir zu sehen.<<, antwortete ich.

Inzwischen war es kurz nach zwölf Uhr und wir beschlossen ins Restaurant hinunter zu fahren um ein kleines Mittagessen einzunehmen. Als wir im Lift auf dem Weg nach unten waren fiel mir auf dass Jean irgendwie erfrischt aussah, als ich sie eine Weile angeschaut hatte und sie es bemerkte fragte sie: >>Alles okay?<< - >>Offensichtlich, Du siehst so erfrischt aus als hättest Du eine lange Erholungskur hinter Dir.<<, antwortete ich. Jean lachte und sagte: >>Das muss das Adrenalin vom Cyberblade-Duell gegen Ruby sein, wir haben uns richtig aus getobt.<< - >>Ja Ihr habt wirklich sämtliche Kampfgeister entfesselt, das war echt spektakulär.<<, antwortete ich. Yvette fügte hinzu: >>Aber hallo!<< - >>Schön dass es Euch gefallen hat.<<, antwortete Jean lächelnd.

Nachdem wir das Restaurant erreicht und an einem Tisch Platz genommen hatten sichteten wir das Angebot. Jean entschied sich für den Brokkoliauflauf mit Käse und Schinken. Yvette wählte eine Gemüsepfanne mit Reis. Nach einiger Bedenkzeit wählte ich eine Portion Nudeln mit Tomaten- Jagtwurstsoße. Zu unserem Essen bestellten wir je einen Trinkkrug blauen Honigwein. Als wir unsere Speisen und Getränke erhalten hatten ließen wir es uns erst einmal schmecken.

Nach dem Essen sagte Jean: >>Nun habe ich mit Euch hier schon so viel erlebt, mehr als ich mir jemals hätte träumen lassen aber ich frage mich ob es nach all diesen Erlebnissen für den letzten Abend noch ein Highlight gibt.<< - >>Wie wäre es mit einer Tanzveranstaltung heute Abend?<<, fragte Yvette. Jean erwiderte: >>Kann ich davon ausgehen dass diese „Tanzveranstaltung“ sich von denen auf der Erde unterscheidet?<< - >>Ja das kannst Du, es sei denn dass es auf der Erde auch Nullschwerkrafttanz gibt.<<, antwortete Yvette mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht. Ich schaute Jean in die Augen und fragte: >>Hast Du eine grobe Vorstellung von dem was Dich bei dieser Tanzveranstaltung erwartet?<< - >>Ich habe Rubys Erinnerungen durchlebt, daher bin ich auch mit dem Nullschwerkrafttanz vertraut. Bei meinem Praxistest hast Du doch gesehen dass ich mit Schwerkraftkompensation und Trägheitsverlagerung umgehen kann, das einzige was ich vielleicht gebrauchen könnte wäre ein Tanzpartner.<<, antwortete Jean. Yvette lachte und sagte zu mir: >>Also das war definitiv ein Wink mit dem Zaunpfahl.<< - >>Aber nur wenn Du wirklich nichts dagegen hast.<<, erwiderte ich. Yvette antwortete: >>Wir können uns ja abwechseln, so können wir beide mit Dir tanzen.<< - >>Okay dann hast Du jetzt einen Tanzpartner Jean, beim Nullschwerkrafttanz kann ich Dir wenigstens nicht auf die Füße treten.<<, sagte ich. Jean lächelte und erwiderte: >>Ich freue mich dass Du mitmachst, ich habe Rubys Erinnerungen an ihre Nullschwerkrafttänze mit Sebastian gesehen und das war in höchstem Maße beeindruckend.<< - >>Na da hast Du Dir ja was vorgenommen Jean, Negül hat nämlich nicht allzu viel Erfahrung mit dem Tanzen, ob nun mit oder ohne Schwerkraft.<<, antwortete Yvette lachend.

Nachdem wir das Restaurant verlassen hatten begaben wir uns zur Nanotex- Filiale und besorgten Jean erst einmal ein Headset für die Steuerung der Schwerkraftkompensation und Trägheitsverlagerung ihres X1-Anzuges. Jean war ganz verwundert dass sie für das Headset nichts bezahlen musste, Yvette erklärte ihr dass sie mit dem Kauf des X1-Anzuges alle integrierten Upgrades mit gekauft hatte und dass die separate Abgabe des Headsets lediglich eine Sicherheitsmaßnahme war damit unerfahrene Nutzer mit dem X1-Anzug nicht in das nächste Hindernis hinein fliegen. Im Anschluss fuhren wir wieder hoch zu unseren Quartieren, Jean wollte bis zum Abend noch ein paar Stunden im warmen roten Sonnenlicht liegen. Wir holten uns entsprechende Sachen für ein Sonnenbad und begaben uns zum Wellnessbereich. Nach dem Umziehen trafen wir uns vor der Umkleidekabine und begaben uns zu den Liegen um uns drei freie Plätze zu suchen.

Wir legten uns in das warme rötliche Sonnenlicht und ließen uns bescheinen, Jean sagte: >>Das wäre auf der Erde undenkbar, sich ohne Sonnenschutzmittel in die Sonne zu legen ohne Angst vor einem Sonnenbrand.<< - >>Theoretisch könnte man es, man müsste sich nur unter ein Glasdach legen. Die kurzwellige UV-Strahlung wird durch das Glas unschädlich gemacht und was auf der anderen Seite ankommt ist harmloses langwelliges Licht.<<, antwortete ich. Jean erwiderte: >>Allerdings ist die Farbe des Sonnenlichts auf der Erde nicht so beruhigend wie hier, nur bei auf- und untergehender Sonne ist der Himmel rot aber dann hat die Sonne nicht mehr genug Kraft um einen zu wärmen.<< - >>Da ist was dran, aber wenn Du für Nanotex arbeitest kannst Du ja auch mal für einen oder zwei Tage hierher fliegen.<<, antwortete ich, dann entspannten wir uns und ließen uns von dem roten Sonnenlicht wärmen. Ab und zu schaute ich zu Jean hinüber, sie schien es zu genießen sich im warmen rötlichen Licht zu entspannen und aufzuwärmen.

Wir lagen etwa zwei Stunden in der roten Sonne, schließlich fragte Yvette: >>Hey Negül, hast Du eigentlich ein Outfit mit Schwerkraftkompensation und Trägheitsverlagerung?<< - >>Ich glaube nicht, gut dass Du mich daran erinnerst.<<, antwortete ich. Yvette erwiderte: >>Ich glaube nicht dass man uns ein entsprechendes Outfit für die Dauer unseres Aufenthalts hier zur Verfügung gestellt hat, also müssen wir uns wohl eines kaufen.<< - >>Das wird sich wohl nicht vermeiden lassen wenn wir heute Abend nicht nur Zuschauer beim Nullschwerkrafttanz sein wollen.<<, antwortete ich. Jean fragte: >>Wenn Ihr „Einkaufen“ sagt, kann ich mir das dann so vorstellen wie auf der Neptun-Hoststation?<< - >>Ja genau so wird es ablaufen.<<, antwortete ich. Yvette fragte: >>Wollen wir uns umziehen und die Sache gleich erledigen?<< - >>Ja klar!<<, antwortete ich. Daraufhin erhoben wir uns von unseren Liegeplätzen und begaben uns zu den Umkleidekabinen.

Nach dem Umziehen fuhren wir hoch zu unseren Quartieren und packten unsere Sachen vom Sonnenbad in den Belüftungsbereich unserer Kleiderschränke. Anschließend fuhren wir hinunter zur Einkaufsebene des Wohnturms. Wir schlenderten durch die Ladenpassagen bis wir den Shop von Nanotex erreicht hatten, nach dem Betreten des Geschäfts gingen wir an ein Selbstbedienungsterminal wo Yvette zuerst ein passendes Outfit für den Nullschwerkrafttanz aussuchte. Yvette war unentschlossen zwischen dem X1- und dem Serie 7-Anzug von Nanotex, nachdem Jean ihr berichtet hatte wie zufrieden sie mit ihrem X1-Outfit war entschied sich Yvette für das X1-Modell. Nachdem Yvette ihr Outfit bestellt hatte war ich an der Reihe, auch mir schaute Jean bei der Auswahl meines Outfits über die Schulter. Ich entschied mich ebenfalls für einen X1-Anzug von Nanotex, sowohl bei mir als auch bei Yvette waren die Headsets für die Kontrolle der Schwerkraftkompensation und der Trägheitsverlagerung bereits im Auslieferungsumfang enthalten. Die Vermerke in unseren zentralen Dateien belegten dass wir bereits Erfahrungen mit Schwerkraftkompensation und Trägheitsverlagerung gemacht hatten. Nachdem der Bestellvorgang abgeschlossen war, galt es die Wartezeit für den 3D-Druck unserer Anzüge zu überbrücken. Wir verließen den Shop und beschlossen noch etwas durch die Ladenpassagen zu schlendern. Sowohl für Yvette als auch für mich war nach der Bestellung eine Wartezeit von einer Stunde prognostiziert worden, wir hatten also jede Menge Zeit.

Während wir durch die Einkaufsebene schlenderten diskutierten Jean und ich wie wir unsere Choreographie beim Nullschwerkrafttanz aufbauen sollten, zwar hatte ich eine rudimentäre Erfahrung in der Nutzung von Schwerkraftkompensation und Trägheitsverlagerung aber das war auch schon alles was ich über Nullschwerkrafttanz wusste. Jean hatte durch die neurale Verbindung mit Ruby auch ihr volles Spektrum an Erfahrung im Nullschwerkrafttanz erhalten. Wir einigten uns schließlich auf eine Art Arbeitsteilung während des Nullschwerkrafttanzes, Jean wollte unsere Bewegung in allen drei Achsen kontrollieren während ich unsere Ausrichtung übernehmen würde. Jean erklärte mir dass Ruby es mit Sebastian bei ihrem ersten Nullschwerkrafttanz auch so gemacht hatte. Yvette meinte dass sie schon ewig versucht hätte mir den Nullschwerkrafttanz schmackhaft zu machen, dass es ihr aber nie gelungen war.

Schließlich blieben wir vor einem Shop stehen über dessen Auslage ganz groß der Name „Trek Design“ zu lesen war, in der Auslage waren Gegenstände zu sehen welche man leicht für Requisiten aus einer Startrek-Serie halten konnte. Jean deutete auf die Auslage und sagte: >>Ich nehme mal an dass das nicht nur Requisiten sind, ich habe da so eine blasse Erinnerung dass ich so was schon einmal gesehen habe.<< - >>Da liegst Du ganz richtig mit Deiner Annahme, das sind alles alltagstaugliche Geräte welche sich nur vom Design her an Startrek orientieren.<<, antwortete Yvette, dann fügte sie hinzu: >>Was da aussieht wie der Standard-Kommunikator welchen die Offiziere der Sternenflotte normalerweise an ihrer Uniform tragen beinhaltet eigentlich alle Standard-Komponenten der ersten Kommunikationsarmbänder. Der Tricorder ist eine abgespeckte Form eines Diagnoseokulars wie es Doktor Ngujen auf der Far Horizon trägt. Was wie ein Handphaser aussieht, das ist entweder ein tragbarer Wellenwerfer oder ein Molekularresonator. Und das Teil welches aussieht wie der Visor den Commander LaForge trägt, das ist...<< - >>Ein Augenliderprojektionssystem mit optischem Wandler und einer großen Bandbreite an Sensoren?<<, fragte Jean. Yvette erwiderte: >>Ja genau. Woher weißt Du das?<< - >>Ich habe anhand dessen was ich hier oben kennengelernt habe einfach eins und eins zusammengezählt, außerdem glaube ich dass ich mich daran erinnere dass Ruby Sebastian auch schon einmal ein Trek Design-Geschäft gezeigt hat.<<, antwortete Jean.

Schließlich erreichten wir einen Gang an dessen Seiten sich Männer und Frauen in Uniformen aufgestellt hatten, jeder von ihnen trug an der Uniform eine Plakette mit zwei Namen. Jean fragte leise: >>Was sind denn das für Personen?<< - >>Das sind freie Piloten, für einen entsprechenden Preis fliegen sie Dich wohin immer Du willst. Man könnte sie mit selbstständigen Charterpiloten vergleichen, jeder von ihnen hat sein eigenes Schiff und ist beruflich unabhängig.<<, antwortete Yvette. Dann setzten wir unseren Bummel durch die Einkaufsebene fort. Als die Wartezeit für den Druck unserer X1-Anzüge verstrichen waren kehrten wir zurück zum Shop von Nanotex, dort holten Yvette und ich unsere bestellten Anzüge an der Warenausgabe ab. Mit unseren Paketen unter dem Arm gingen wir zum Liftzugang und fuhren zu unseren Quartieren hoch.

Vor den Türen unserer beiden Quartiere angekommen sagte Yvette: >>Hey Negül, lass uns die X1-Anzüge gleich anziehen! Du kannst ja das Headset für die Steuerung ausgeschaltet lassen wenn Du Angst hast unbeabsichtigt durch die Gegend zu fliegen.<< - >>Okay ich ziehe mich nur schnell um, dann komme ich zu Euch rüber.<<, erwiderte ich. Yvette lachte und fragte: >>Hast Du Angst dass Dir Jean was abguckt wenn Du den X1-Anzug über Deine Kleidung ziehst?<< - >>Sehr witzig Yvette!<<, antwortete ich. Jean lachte und sagte: >>Hey, du kannst ruhig mit rein kommen! Du hast doch gehört was Yvette gesagt hat, Du ziehst den Anzug über die normale Kleidung.<< - >>Okay Du hast mich überredet.<<, erwiderte ich. Dann folgte ich Jean und Yvette in ihr Quartier.

Yvette und ich packten unsere Anzüge aus, das matte Grau der inaktiven optisch variablen Oberfläche unserer Anzüge kam zum Vorschein. Wir zogen die Anzüge über unsere Alltagskleidung und zupften sie zurecht bis alle Falten geglättet waren. Jean war in den Schlafbereich gegangen um dort ihren Anzug anzulegen. Nach dem Anlegen unserer Anzüge wählten wir auf dem Kontrollinterface welches sich im unteren Bereich des rechten Ärmels befand eine Farbe für die optisch variable Oberfläche. Anschließend nahmen wir unsere Headsets mit den Augenliderprojektionssystemen aus der Verpackung und setzten diese auf, allerdings schalteten wir die Steuerung der Schwerkraftkompensation und der Trägheitsverlagerung noch nicht ein.

Nachdem wir die Verpackungen unserer X1-Anzüge mit dem kleinen Speiseaufzug zur Wiederverwertungsabteilung geschickt hatten kam Jean in ihrem X1-Anzug aus dem Schlafraum, sie hatte das Headset ebenfalls aufgesetzt aber es noch nicht aktiviert. Mit dem Headset für die Steuerung und dem Augenliderprojektionssystem sah sie richtig futuristisch aus, in diesem Outfit hätte sie in jedem Science-Fiction-Film mit Leichtigkeit eine Rolle bekommen. Jean schaute mich an und sagte: >>Na das sieht doch ganz passabel aus, wenn Du jetzt noch beim Nullschwerkrafttanz eine gute Figur machst dann wird das mit Sicherheit ein interessanter Abend.<< - >>Ich hoffe dass ich es hinkriege, schließlich möchte ich nicht durch den Saal schweben wie ein taumelnder Asteroid durch das Sonnensystem.<<, antwortete ich. Jean lächelte und erwiderte: >>Hey, wir kriegen das hin, verlass Dich einfach auf mich und halte Dich an unseren Plan! Du kontrollierst die Fluglage und ich kontrolliere die Flugbahn.<< - >>Vor einigen Tagen hätte es mich noch schwer irritiert wenn Du das gesagt hättest aber nachdem Du mit Ruby sämtliche Erinnerungen und Erfahrungen geteilt hast fühle ich mich relativ sicher bei Dir.<<, sagte ich. Jean lächelte und antwortete: >>Du wirst es nicht bereuen, ich habe mir schon eine interessante Choreographie zusammengestellt. Du musst mir einfach nur vertrauen und genau das machen was ich Dir sage.<< - >>Ich bin gespannt was mich erwartet, kannst Du mir nicht einen kleinen Hinweis geben?<<, erwiderte ich. Daraufhin erzählte Jean mir was sie vor hatte, sie wollte mit mir die Choreographie zeigen welche Ruby und Sebastian bei ihrem ersten Flottenball aufgeführt hatten. Sie beschrieb mir die einzelnen Flugfiguren welche zu der Choreographie gehörten ganz genau.

Gegen sechzehn Uhr dreißig sagte Yvette: >>Dies ist für diese Woche unser letzter gemeinsamer Abend auf Gliese 581g, wir sollten diesen letzten Abend angemessen verbringen.<< - >>Was schwebt Dir vor?<<, fragte Jean. Yvette antwortete: >>Lasst uns diesen letzten Abend unseres Ausfluges mit einem großen Gelage feiern!<< - >>Ein Gelage?<<, fragte Jean. Yvette antwortete: >>Ja, mit Kuchen und anderen Delikatessen!<< - >>Oh ja, das klingt gut!<<, sagte Jean. Yvette schaute auf ihr Kommunikationsarmband und sagte: >>Okay die Tanzveranstaltung beginnt um neunzehn Uhr dreißig, wir haben noch knapp drei Stunden Zeit. Wenn wir die Headsets hier oben lassen dann können wir in unseren X1-Anzügen ins Restaurant gehen.<< - >>Na dann los!<<, erwiderte Jean. Wir legten die Headsets auf den Couchtisch und verließen das Quartier. Als wir mit dem Lift nach unten zum Restaurant fuhren fragte ich Jean: >>Hast Du schon Informationen darüber wann und wo Du für Nanotex moderieren sollst?<< - >>Nein bis jetzt noch nicht, aber sobald ich etwas erfahre sage ich Dir Bescheid.<<, antwortete Jean. Ich erwiderte: >>Ich freue mich schon auf Deine Auftritte für Nanotex, was Du beim Praxistest gezeigt hast war ziemlich beeindruckend.<< - >>Ich weiß ja dass es Dir gefallen hat aber es ist schön dass Du nicht müde wirst es zu wiederholen.<<, antwortete Jean.

Im Restaurant angekommen bestellten wir uns nach kurzer Sichtung des Angebots je ein Stück Torte und einen Neurobooster in unserer Lieblingsgeschmacksrichtung. Nachdem unsere bestellten Speisen und Getränke an den Tisch geliefert waren ließen wir es uns schmecken. Jeder von uns hatte ein großes Stück Obsttorte aus Früchten welche auf Gliese 581g angebaut wurden. Jean war begeistert von dem kräftigen Aroma welches durch die permanente Sonneneinstrahlung erreicht wurde. Als wir mit dem Essen fertig waren und uns unseren Getränken widmeten erzählte Yvette noch ein paar Geschichten aus ihrer Jugend auf Gliese 581g. Einige ihrer Geschichten kannte selbst ich noch nicht, obwohl ich mit Yvette schon einige Zeit zusammen war, auch Jean fand Yvettes Geschichten sehr interessant.

Nachdem Yvette mit den Geschichten ihrer Jugend auf Gliese 581g fertig war bestellten wir uns noch drei Neurobooster, dann erzählte Yvette aus der Zeit als sie Gliese 581g verließ um zur Erdraumflotte zu gehen. Jean musste lachen als Yvette erzählte dass ihr die normale Schwerkraft der Erde zu Anfang immer Probleme bereitet hatte weil sie von Gliese 581g das vierfache Schwerkraftniveau gewohnt war. Auch Yvette konnte sich das Grinsen nicht verkneifen als sie davon erzählte dass sie jedes mal beim Aufstehen von einem Sitzplatz einen unfreiwilligen Sprung machte. Die Geschichten aus Yvettes Ausbildungszeit fand Jean sehr faszinierend. Sie hatte ja mit Ruby sämtliche Erinnerungen geteilt, unter anderem auch die aus Rubys Ausbildungszeit und später aus der Zeit als Ruby Ausbilderin auf der G-Force-Academy war. Nachdem wir eine weitere Lage Neurobooster bestellt und erhalten hatten erzählte Yvette aus ihrer bisherigen Zeit als Geschwaderführerin an Bord der Far Horizon. Schließlich erreichten ihre Geschichten den Zeitpunkt als Yvette mich kennenlernte, sie erzählte davon dass wir uns aufgrund eines Inserates im Flottennetzwerk kennengelernt hatten und von unserem ersten Treffen. Yvette ließ kein noch so winziges Detail aus, dies führte unweigerlich dazu dass meine Gesichtsfarbe bei manchen Passagen sich etwas ins rötliche verschob. Natürlich hatte Jean das mitbekommen und es führte dazu dass sie Yvette noch interessierter zuhörte.

Als Yvette ihre und unsere gemeinsame Lebensgeschichte erzählt hatte sagte Jean: >>Ihr beide seid ja ein interessantes Paar, Eure Beziehung wimmelt ja nur so vor Gegensätzen! Yvette als Geschwaderführerin auf der Far Horizon, dem Flaggschiff der Erdraumflotte und Du Negül als Vorsitzender der Stationsverwaltung auf der Neptun-Hoststation, das ist ja ein Unterschied wie Tag und Nacht!<< - >>Das kannst Du laut sagen! In der ersten Zeit unserer Beziehung haben Yvette und ich ein paar Male einen Ausflug in einem zweisitzigen Kampfflieger gemacht, es ist nur allzu verständlich dass ich bei unseren ersten „Ausflügen“ regelmäßig einen Blackout erlitt weil ich den Flugstil von Yvette nicht gewohnt war. Dann habe ich mir eine Fliegerkombination besorgt und mir von Yvette spezielle Atemtechniken beibringen lassen damit mir bei hohen Beschleunigungskräften nicht das Blut aus dem Hirn in die Beine schießt.<<, antwortete ich. Jean mußte lachen, dann sagte sie: >>Ich kann mir das lebhaft vorstellen wie Yvette mit Dir durch die Gegend geheizt ist, Ruby hat in ihrer Zeit als Ausbilderin auch so manchem Pilotenanwärter den einen oder anderen Blackout spendiert.<< - >>Rubys Toleranz gegenüber Beschleunigungskräften ist wirklich hoch, wenn sie in richtiger Stimmung ist dann möchte ich nicht ihr Waffensystemoffizier sein.<<, erwiderte Yvette. Nachdem jeder von uns drei Neurobooster und zwei Stücken Torte zu sich genommen und Yvette zahlreiche Geschichten erzählt hatte war es achtzehn Uhr. Wir räumten unser benutztes Geschirr auf den kleinen Servierwagen und verließen das Restaurant, dann fuhren wir mit dem Lift nach oben zu unseren Quartieren.

Als wir vor den Türen unserer Quartiere standen sagte Yvette: >>Okay die Tanzveranstaltung beginnt um neunzehn Uhr und der Einlass etwa eine halbe Stunde vorher. Wir haben also noch eine knappe halbe Stunde Zeit.<< - >>Wollen wir vorher noch einmal unsere Choreographie durchgehen Negül?<<, fragte Jean. Ich antwortete: >>Es kann jedenfalls nicht schaden, ich habe zwar volles Vertrauen zu Dir aber ich möchte sichergehen dass ich keinen Fehler während der Choreographie mache.<< - >>Okay dann wollen wir mal<<, erwiderte Jean, daraufhin folgte ich Jean und Yvette in ihr Quartier. Dort gingen wir noch einmal unsere Choreographie durch, Jean hatte vor die selbe Choreographie zu zeigen welche Sebastian und Ruby bei ihrem ersten Flottenball aufgeführt hatten. Ich war ja von Jean aufregende Shows gewohnt aber ich hätte nie zu träumen gewagt dass ich einmal ein Bestandteil einer solchen Show werden würde. Wir gingen jedes noch so kleine Detail mehrmals durch um ganz sicher zu gehen dass wir alles berücksichtigt hatten, als wir damit fertig waren war es achtzehn Uhr achtundzwanzig.

Als wir das Quartier verlassen hatten und zum großen Saal hinunter fuhren herrschte in meinem Kopf eine Mischung aus Neugier und Lampenfieber, Jean schien meine Aufregung jedoch nicht zu bemerken. Der Lift erreichte sein Ziel und wir betraten das Foyer des großen Saals, die Türen zum Saal waren schon geöffnet. Yvette fragte schelmisch: >>Na, nervös Negül?<< - >>Na was glaubst Du denn?<<, erwiderte ich. Jean sagte: >>Mach Dir keine Gedanken Negül! Ich bin fest davon überzeugt dass alles gut geht.<< - >>Ich hoffe Du hast Recht.<<, antwortete ich. Jean erwiderte: >>Wenn alle Stricke reißen übernehme ich die Steuerung Deiner Schwerkraftkompensation und Trägheitsverlagerung mit, Du musst mir nur sagen dass ich übernehmen soll.<< - >>Im Remote-Modus? Dann wäre ich ja nur noch so was wie ein Passagier! Ich hoffe doch sehr dass dies nicht notwendig sein wird.<<, sagte ich. Jean lachte und sagte: >>Es ist nur eine Möglichkeit, Du entscheidest letztendlich ob Du sie nutzen willst.<< - >>Ich werde versuchen diese Möglichkeit nicht nutzen zu müssen.<<, antwortete ich. Jean lächelte nur wortlos, dann betraten wir den Saal.

Wir setzten uns an einen Tisch und warteten auf den Beginn der Veranstaltung und die Dinge welche uns erwarteten. Jean zeigte mir wie ich meinen X1-Anzug so konfigurieren konnte dass er je nach Nähe zu ihr die Helligkeit seiner optisch aktiven Oberfläche veränderte. Sie hatte ihren X1-Anzug genau so konfiguriert, da wir nahe beieinander saßen leuchteten unsere Anzüge relativ hell. Als ich Jean fragte wofür diese besondere Einstellung gut sein sollte sagte sie mir dass sie für unsere Tanzchoreographie noch eine besondere Idee hatte. Sie wollte dass wie den Tanz zweier sich vereinigender Himmelskörper nachstellen, wir würden von entgegengesetzten Seiten des Saals in elliptischen Bahnen aneinander vorbei fliegen und unsere Flugbahnen immer weiter verkleinern biss wir uns Rücken an Rücken schnell im Kreis drehen. Ich fragte sie: >>Wolltest Du dafür den Remote-Modus verwenden?<< - >>Nur wenn Du Dich zu dieser Choreographie nicht in der Lage siehst.<<, antwortete Jean. Ich erwiderte: >>Also elliptische Flugbahnen werde ich ja wohl noch hinbekommen.<< - >>Wir bekommen das hin, verlass Dich drauf!<<, sagte Jean.

Schließlich war es neunzehn Uhr, im Saal wurde die Beleuchtung gedimmt. Nach einer kurzen Ansprache des vorsitzenden der Kolonieverwaltung, Benjamin Mangold begann die Tanzveranstaltung. Einige Gäste erhoben sich im Zentrum des Saals, einer von ihnen drehte sich im Zentrum während die anderen auf genau festgelegten Bahnen um ihn herum flogen. Einige der Tänzer welche den Solisten im Zentrum umkreisten wurden ebenfalls von einem oder mehreren Tänzern umkreist. Jean beugte sich zu mir herüber und fragte: >>Soll diese Choreographie das darstellen was ich vermute?<< - >>Wenn Du vermutest dass es ein Sonnensystem sein soll dann liegst Du richtig.<<, antwortete ich. Jean erwiderte: >>Hast Du eine Ahnung welches?<< - >>Das Heimatsystem der Menschheit.<<, antwortete ich. Jean sagte: >>Da stimmt doch was nicht! Wenn das unser Sonnensystem ist, warum hat dann der dritte Planet keinen Mond der ihn umkreist und warum sind es neun Planeten?<< - >>Erinnerst Du Dich an die Aufführung von Sarah – der Stimme von Gliese 581g?<<, erwiderte ich. Jean nickte als Zeichen dass sie verstanden hatte was ich ihr sagen wollte, kurz darauf verließ der Tänzer welcher als vierter von innen den Solisten im Zentrum umkreiste seine Bahn und steuerte langsam auf die Tänzerin in der dritten Umlaufbahn von Innen zu. Schließlich stießen die beiden zusammen, vollführten während sie den Solisten umkreisten einen engen schnellen Tanz und lösten sich dann voneinander. Dann umkreiste der Tänzer die Tänzerin während diese den Solisten im Zentrum der Formation umkreiste. Als die Tänzer ihre Choreographie beendet hatten brach im Saal großer Jubel und Beifall aus. Yvette sagte: >>Ich bin gleich wieder da.<<, dann verließ sie unseren Tisch, ging zur Tonkonsole und sprach mit dem Mann dort.

Nachdem Yvette an unseren Tisch zurückgekehrt war fragte ich sie: >>Hast Du Dir einen Titel gewünscht?<< - >>Ich hab mir für Euch einen Titel gewünscht und dafür gesorgt dass Ihr einen freien „Luftraum“ habt für Eure Choreographie.<<, antwortete Yvette. Jean hatte Yvettes Antwort mit gehört und sagte: >>Okay Negül, ein Zurück gibt es jetzt nicht mehr!<< - >>Jedenfalls keines ohne eine Blamage.<<, antwortete ich. Ich fragte Yvette: >>Welchen Titel hast Du Dir für unsere Choreographie gewünscht?<< - >>Musica Fantasia von Rondo Veneziano.<<, antwortete Yvette. Jean nickte anerkennend und sagte: >>Eine tolle Wahl, dieser Instrumental-Titel wird in der Kombination mit unserer Choreographie ein echter Garant für Gänsehaut.<< - >>Ich habe jetzt schon eine Gänsehaut wenn ich mir vorstelle wie wir zu diesem Titel durch den Saal schweben, wenn alles gut geht wird das ein echt episches Erlebnis für die Zuschauer.<<, fügte ich hinzu. Während Jean und ich auf unseren großen Moment warteten schauten wir den Tänzern im Saal zu, ich ging in Gedanken immer wieder unsere Choreographie durch um später keinen Fehler zu machen.

Schließlich war es soweit, der DJ kündigte eine weitere Darbietung an und bat die Tänzer den „Luftraum“ im Saal zu räumen. Nachdem die Tänzer sich auf den Zuschauerplätzen niedergelassen hatten stellte der DJ Jean und mich vor. Wir erhoben uns von unseren Stühlen und traten in die Mitte des Saals, mein Adrenalinspiegel lag gefühlt außerhalb jeglicher Skalen. Als wir Rücken an Rücken im Zentrum des Saals standen begann die Musik zu spielen und wir stiegen in einer schraubenförmigen Flugbahn in die Höhe. Als wir auf halber Höhe angelangt waren gingen wir in die horizontale Flugbahn über und flogen in einer schraubenförmigen Flugbahn ein paar Runden über den Zuschauern, dieses Manöver wurde als Doppelhelix bezeichnet. Als wir ein paar Runden geflogen waren löste sich Jean aus unserer Formation, beschleunigte und bewegte sich auf die Gegenüberliegende Seite des Saals. Als dies erledigt war gingen wir von der kreisförmigen Flugbahn in eine elliptische Flugbahn über und begannen mit der gegenseitigen Annäherung. Wir passierten uns gegenseitig und entfernten uns dann wieder voneinander, nach jedem Vorbeiflug aneinander verkleinerten wir unsere elliptischen Flugbahnen. Unsere X1-Anzüge leuchteten abhängig von unserer Nähe zueinander in unterschiedlicher Helligkeit, je näher wir uns kamen desto heller leuchtete die optisch variable Oberfläche unserer Anzüge. Schließlich waren unsere elliptischen Flugbahnen so klein dass wir uns schon fast berührten, wir näherten uns Rücken an Rücken einander an bis wir uns berührten und unsere Anzüge so hell leuchteten wie nie zuvor. So nahe beieinander begannen wir schnell umeinander zu rotieren, das Augenliderprojektionssystem unserer Headsets zeigte uns während der gesamten Darbietung alle relevanten Flug- und Umgebungsdaten. Dann war der Titel zu Ende, wir stoppten unsere Rotation und sanken langsam auf den Boden des Saals herab.

Die Zuschauer begannen lautstark zu jubeln und zu applaudieren, wir warteten bis der Applaus verklungen war und begaben uns dann auf unsere Sitzplätze zurück. Nachdem wir unseren Tisch erreicht hatten sagte Yvette: >>Das war großartig Ihr beiden!<< - >>Danke Yvette!<<, antwortete Jean. Ich fügte hinzu: >>Es war lange nicht so schwer wie ich es mir vorgestellt hatte, sobald wir in der Luft waren habe ich nicht mehr an Lampenfieber gedacht. Es fühlte sich unglaublich toll an.<< - >>Ja ich fand es auch unbeschreiblich, dieses Gefühl der Bewegungsfreiheit in allen drei Bewegungsachsen ist einfach der Wahnsinn und die Steuerung ist auch denkbar einfach. Man hat die Absicht eine bestimmte Bewegung im Raum auszuführen und das Headset übermittelt die entsprechenden Steuerbefehle an die Schwerkraftkompensation und die Trägheitsverlagerung.<<, erwiderte Jean. Yvette sagte: >>Das System müsstest Du doch noch von dem Pilotenwettbewerb von vor ein paar Tagen kennen.<< - >>Ja natürlich aber beim Nullschwerkrafttanz fühlt es sich noch viel unglaublicher an.<<, antwortete Jean.

Wir schauten den anderen Tänzern zu wie sie zur Musik durch den Saal schwebten, Yvette sagte: >>Nachher können wir ja alle drei in einer Formation durch den Saal schweben.<< - >>Eine Dreiecksformation?<<, fragte ich. Yvette erwiderte: >>Ja das wäre denkbar, wenn wir zwischen den anderen Tänzern hindurch manövrieren wird das richtig interessant.<< - >>Formationsflug mit Hindernissen? Das klingt toll!<<, sagte Jean. Yvette erwiderte: >>Unsere Augenliderprojektionssysteme werden uns den bestmöglichen Weg durch die Menge zeigen, wenn wir dicht zusammen bleiben wird es ohne Probleme gehen dass wir als Gruppe inmitten der anderen Tänzer manövrieren können.<< - >>Das klingt fast so interessant wie „Hai und Beute“.<<, antwortete ich. Jean fragte: >>Hai und Beute?<< - >>Ein Spiel welches ich mit meinen Mitschülern auf der Akademie der Erdraumflotte gerne in der Nullschwerkrafthalle gespielt habe. Es ist vergleichbar mit den Fange-Spielen auf der Erde, nur dass man sich dabei in allen drei Bewegungsachsen frei bewegen kann. Der Fänger ist der Hai und die anderen spielen die Beute.<<, erklärte ich. Jean lachte und sagte: >>Ja das klingt interessant, aber in diesem Rahmen hier wäre es vielleicht ein Wenig heftig wenn wir uns gegenseitig inmitten der anderen Tänzer jagen.<< - >>Deswegen werden wir auch nur ganz normal durch die Lücken schweben.<<, antwortete Yvette.

Etwas später am Abend, die Menge der Tänzer welche durch den Saal schwebte war etwas zurückgegangen, sahen wir unsere Chance gekommen um gemeinsam etwas durch den Saal zu fliegen. Wir erhoben uns von unseren Sitzplätzen und schwebten in einer Dreiecksformation zwischen den schwebend tanzenden Menschen hindurch. Yvette führte die Formation an, Jean flog links hinter Yvette und ich rechts, es machte Spaß zwischen all den sich frei im Raum bewegenden Menschen hindurch zu fliegen. Ich fühlte mich an einen Ausflug mit Yvette erinnert, damals war sie mit mir in einem zweisitzigen Kampfflieger in die Oortsche Wolke geflogen um mir zu zeigen was sie beim Fliegen drauf hatte. Doch das hier war anders, wir rasten nicht mit fast einem Prozent der Lichtgeschwindigkeit zwischen Eisbrocken hin und her sondern schwebten ganz gemächlich zwischen den tanzenden Leuten hindurch. Auch mußte ich bei diesem Hindernisflug nicht befürchten dass ich aufgrund der Beschleunigungskräfte einen Blackout erleide, es war fast schon entspannend.

Als wir etwas später wieder an unserem Tisch saßen sagte Jean: >>Diese Veranstaltung ist wirklich ein krönender Abschluss unseres Aufenthalts hier, es ist einfach nur fantastisch was hier alles möglich ist.<< - >>Jetzt hast Du eine grobe Vorstellung davon wie ich mich bei Deinen Moderationen fühle.<<, antwortete ich. Jean lächelte und erwiderte: >>Das ist süß von Dir, es ist schön dass Du Dich trotz allem was Du von hier oben kennst noch so leicht begeistern lässt!<< - >>Jedes Thema ist nur so interessant wie es präsentiert wird, das war auch der Grund dafür dass ich Dir von der freien Stelle als Show-Moderatorin für Nanotex erzählt habe. Zugegeben, das alles hier „oben“ ist schon ziemlich abgefahren aber ich wette wenn Du es präsentierst wird es noch viel beeindruckender.<<, sagte ich. Jean lächelte verlegen und sagte: >>Du bist mir schon ein Schlawiner!<< - >>Wenn es darum geht neue beeindruckende Möglichkeiten zu erschließen dann bin ich immer dabei. Außerdem wäre es schade wenn die 0,8 Milliarden Menschen welche nicht auf der Erde leben nicht die Gelegenheit bekommen Dich bei Deinen Moderationen zu erleben.<<, antwortete ich. Inzwischen hatten die Tänzer im Saal begonnen eine Schlangenformation zu bilden und sich in dieser durch den Saal zu bewegen. Jeder in der Formation bewegte die Arme wie Flügel ganz langsam auf und ab, jedoch immer etwas zeitversetzt zum Vordermann. Das ganze sah aus wie ein riesiger Aal dessen seitliche Flossen ihn in Wellenbewegungen voran trieben.

Wir wollten uns der Magie dieses Schauspiels nicht entziehen und reihten uns in die Schlangenformation ein, es machte großen Spaß bei dieser dreidimensionalen Form der Polonaise mitzumachen. Nachdem wir uns wieder an unseren Tisch gesetzt hatten schaute ich auf die Zeitanzeige meines Kommunikationsarmbandes, es war bereits zweiundzwanzig Uhr und zehn Minuten. Ich schaute Jean an und deutete auf die Zeitanzeige, Jean fragte: >>Haben wir morgen früh einen Termin?<< - >>Nein ich wollte nur dass Du weißt wie spät es ist, bei diesen Veranstaltungen verliert man allzu leicht das Zeitgefühl.<<, antwortete ich. Yvette erwiderte: >>Das ist doch das schöne daran, ohne Termindruck Raum und Zeit um sich herum zu vergessen.<< - >>Du sagst es Yvette! Außerdem ist das unser letzter Abend hier, ich will ihn so lange wie möglich auskosten.<<, antwortete Jean. Wir lehnten uns zurück und genossen das Schauspiel der fliegenden Tänzer im Saal. Wir blieben bis kurz nach Mitternacht auf der Tanzveranstaltung, ab und zu tanzten wir zusammen, manchmal flogen wir auch einfach nur gemächlich zwischen den anderen Tänzern im Saal herum. Gelegentlich tranken wir auch den einen oder anderen Becher blauen Honigwein und schauten den anderen Tänzern im Saal zu.

Gegen null Uhr und zehn Minuten verließen wir den großen Saal, im Foyer schien das rötliche Tageslicht durch die Fenster und Oberlichter herein. Jean wunderte sich erst darüber, erinnerte sich aber daran dass es auf Gliese 581g keinen Sonnenlauf gab. Wir gingen zum Liftzugang und fuhren hoch zur Sektion mit unseren beiden Quartieren. Während der Fahrt nach oben sagte Jean: >>Es ist zu schade dass mir niemand zuhause glauben würde wenn ich von all dem hier erzähle, alle würden meine Berichte für Science-Fiction halten.<< - >>Wenn Du erst einmal eine Weile für Nanotex arbeitest wirst Du viele Leute kennenlernen die nicht auf der Erde wohnen, mit denen kannst Du Dich dann über Deine Eindrücke unterhalten. Bis es soweit ist hast Du ja noch das Kommunikationsarmband und das X-Pad, damit kannst Du Yvette oder mich erreichen wenn Du mit jemandem über Deine Eindrücke sprechen willst.<<, antwortete ich.

Als wir vor den Türen unserer Quartiere standen sagte Jean: >>Wenn Ihr wollt könnt Ihr beide auch zusammen die Nacht verbringen, ich bin doch quasi schon ein alter Hase und komme alleine in meinem Quartier zurecht.<< - >>Hey Danke Jean!<<, sagte Yvette. Ich fügte hinzu: >>Ja ich danke Dir auch, wir waren uns nicht sicher ob Du nachts allein in einem Quartier bleiben willst, schließlich bist Du weit weg von Zuhause.<< - >>Hey, ich bin schon ein großes Mädchen!<<, antwortete Jean lachend. Yvette folgte Jean in ihr Quartier um sich ihre Nachtkleidung zu holen, dann kam sie zu mir in mein Quartier. Als sich die Tür meines Quartiers hinter uns geschlossen hatte sagte Yvette: >>Jean ist wirklich der Hammer, jetzt kann ich verstehen warum Du so begeistert von ihr bist.<< - >>Ich bin froh dass Du sie magst und dass Du nicht eifersüchtig bist.<<, antwortete ich. Yvette lachte und erwiderte: >>Ach Negül, normalerweise liegen zwischen Euch beiden ein paar Millionen bis ein paar Milliarden Kilometer. Da ist es wahrscheinlicher dass Du etwas mit Ruby anfängst als mit Jean.<< - >>Häh, wie soll ich denn das verstehen?<<, fragte ich. Yvette antwortete: >>Nur rein statistisch, es ist wahrscheinlicher dass Ruby Dir über den Weg läuft weil sie über ein Schiff mit Sprungantrieb verfügt. Ich will damit aber auch nicht sagen dass Du und Ruby jemals etwas mit einander anstellen würden.<< - >>Und selbst wenn Jean irgendwann auf der Neptun- Hoststation lebt, die Wahrscheinlichkeit dafür dass zwischen uns was passiert ist gleich null. Jean hat einen Freund und ich glaube sie ist glücklich mit ihm, außerdem bin ich als ihr Fan sehr glücklich und das will ich nicht durch ein amouröses Abenteuer gefährden.<<, sage ich. Yvette nahm mich in den Arm als wolle sie mich besänftigen, ich klopfte ihr auf den Rücken und sagte: >>Ist schon gut meine Weltraumamazone!<<

Wir gingen in den Schlafraum und zogen uns für die Nacht um, der Verdunkelungsfaktor der Fenster lag bei einhundert Prozent und der Raum wurde durch die künstliche Beleuchtung erhellt. Als wir wenig später im Bett lagen und ich das Licht deaktiviert hatte fragte Yvette: >>Weißt Du noch als wir uns kennengelernt haben?<< - >>Wie könnte ich das vergessen? Ich bin im Internet auf der Erde auf eine Annonce von Dir gestoßen unter der ein Link zum Flottennetzwerk stand. Da auf der Erde die wenigsten Computer mit einer Bridgehead-Schnittstelle ausgestattet sind war es unwahrscheinlich dass jemand von der Erde der nicht zur Erdraumflotte gehört auf Deine Annonce antworten könnte. Damit hatte sich die Chance erhöht dass Du auf meine Antwort reagierst.<<, antwortete ich. Yvette erwiderte: >>Und ich denke mal Du hast es nicht bereut dass Du auf meine Annonce geantwortet hast.<< - >>Wenn man mal von den Blackouts absieht die Du mir bei einigen unserer Ausflüge beschert hast dann habe ich es nicht bereut. Außerdem hast Du zwei schlagende Argumente denen ich nichts entgegensetzen kann.<<. Antwortete ich. Yvette drückte sich ganz nahe an mich und fragte: >>Ach wirklich, gefallen Dir meine Argumente?<< - >>Wem würden sie nicht gefallen?<<, erwiderte ich. Die nächste Stunde sorgte Yvette dafür dass ich nicht an Konversation dachte, sie ließ alle Hemmungen und sich selbst fallen und wir beide waren uns so nahe wie es die Gesetze der Physik nur erlaubten.

Als wir nach unserem kleinen Ausflug in die Welt der Leidenschaft erschöpft aber glücklich nebeneinander lagen sagte Yvette: >>Das war toll, genau das was ich jetzt gebraucht habe! Weißt Du wie lange das letzte Mal her ist?<< - >>Etwa zwei Wochen, nein ganz genau zwei Wochen.<<, antwortete ich. Yvette sagte: >>Für mein Empfinden viel zu lange.<< - >>Du kennst ja meinen Dienstplan, ich arbeite von Montag bis Freitag acht bis sechzehn Uhr. Wenn Du also abends zufällig im Sonnensystem bist, mein Quartier ist für zwei Personen ausgelegt.<<, antwortete ich. Yvette erwiderte: >>Du kannst aber auch wenn Du ein paar freie Tage hast bei mir auf der Far Horizon vorbeischauen. Kapitän Tönnigs hat keine Einwände dagegen, Du weißt doch dass er gerne mit Vorsitzenden von zivilen Lebensräumen Gedanken austauscht.<< - >>Oh ja, und ich höre gerne seine Berichte von zurückliegenden Missionen. Irgendwann werde ich mich mal beim Aufbau einer neuen Hoststation in einem fernen Sternensystem als Berater zur Verfügung stellen. Hoffentlich verbringe ich dann nicht mehr Zeit im Gespräch mit den Offizieren der Far Horizon als mit Dir.<<, antwortete ich. Yvette lachte und sagte: >>Ich werde schon dafür sorgen dass Du den Großteil Deiner Zeit an Bord mit mir verbringst.<< - >>Das würde mir schon gefallen.<<, antwortete ich. Wir krochen aus dem Bett und gingen in den Waschraum unter die Dusche, Yvette hatte eine Wassertemperatur von siebenunddreißig Grad Celsius gewählt und wir genossen das warme Wasser und seine wohltuende Wirkung.

Anschließend gingen wir zurück ins Bett, wir kuschelten uns aneinander und versuchten einzuschlafen doch uns geisterten unzählige Gedanken im Kopf herum, also ließen wir die Ereignisse der letzten Tage noch einmal Revue passieren. Unsere kurzfristige Entscheidung gemeinsam mit Jean nach Gliese 581g zu fliegen, die Bewerbung von Jean für die Stelle als Show-Moderatorin für Nanotex, die Zeit welche wir im Wellnessbereich verbracht hatten, den Pilotenwettbewerb, den Praxistest von Jean und die zurückliegende Tanzveranstaltung. Wir hatten viel beeindruckendes erlebt und indem wir darüber sprachen war es als durchlebten wir die zurückliegenden Ereignisse noch einmal. Es war wirklich eine faszinierende und ereignisreiche Woche, selbst für jemanden der nicht auf der Erde lebte. Ich fühlte ich unsagbar glücklich, zusammen mit Yvette hatte ich Jean eine unvergessliche Woche beschert und obendrein noch eine neue Arbeitsstelle. So verging die Zeit bis wir endlich einen Anflug von Müdigkeit verspürten, wir kuschelten uns aneinander und schliefen ein.


Tag 7 – Abreise


Ich wurde wach als ich die Hand von Yvette auf meinem Körper fühlte, sie strich mir die Seite hinunter und sagte: >>Hey mein Süßer, aufwachen!<< - >>Wie spät haben wir es?<<, fragte ich schläfrig. Yvette antwortete: >>Kurz nach zehn Uhr.<< - >>Okay ich komme ja schon.<<, erwiderte ich und wälzte mich herum. Ich kroch aus dem Bett und schlurfte zur Waschraumtür, bevor ich diese durchschritt drehte ich mich zu Yvette um und zog zweimal die Augenbrauen hoch. Daraufhin folgte mir Yvette in den Waschraum. Als wir in der Duschkabine standen wählte ich eine Temperatur von siebenunddreißig Grad Celsius und einen zufällig definierten Countdown von maximal dreißig Sekunden. Danach sollte die Wassertemperatur für fünf Sekunden um zwanzig Grad gesenkt werden und anschließend wieder zum vorherigen Wert zurückkehren. Yvette und ich hielten uns aneinander fest und erwarteten den kalten Schauer.

Nach der morgendlichen Dusche kehrten wir in den Schlafraum zurück und zogen uns für den Tag an. Als dies erledigt war fragte ich Yvette: >>Hast Du eine Ahnung ob Jean schon wach ist?<< - >>Ja ich habe heute schon mit ihr gesprochen.<<, antwortete Yvette. Wir gingen in den Wohnbereich und Yvette kontaktierte Jean um zu fragen ob sie bereit war aufzubrechen. Jean sagte dass es von ihr aus losgehen könnte und wir verabredeten uns vor dem Quartier. Als wir das Quartier verließen hatte Jean schon das Restaurant als Fahrziel gewählt und der Lift war auch schon da. Während wir zum Restaurant hinunter fuhren fragte ich Jean: >>Hast Du an alles gedacht?<< - >>Ja, meinen X1-Anzug und das Headset trage ich am Körper und auch das X-Pad habe ich in der Tasche. Und wie sieht es bei Euch aus?<<, erwiderte Jean. Ich schaute Yvette an, sie trug ihren X1-Anzug und die Kleidung mit der sie nach Gliese 581g gekommen war. Auch ich trug meine Kleidung vom Ankunftstag, meinen X1-Anzug und mein Headset, also antwortete ich: >>Ja wir haben auch alle Sachen beisammen.<< - >>Na dann kann es ja los gehen. Haben wir heute neben der Heimreise noch etwas anderes vor?<<, erwiderte Jean. Ich antwortete: >>Na mal sehen, vielleicht machen wir noch einen Abstecher woanders hin.<< - >>Ich lasse mich überraschen.<<, sagte Jean.

Gegen zehn Uhr fünfundzwanzig erreichten wir das Restaurant, wir setzten uns an einen freien Tisch und suchten uns unser Frühstück aus. Wir beschränkten uns auf ein leichtes Frühstück aus Müsli, Obst und Quark, als Getränke entschieden wir uns für je einen Neurobooster in unserer Lieblingsgeschmacksrichtung. Nachdem wir unsere bestellten Speisen und Getränke erhalten hatten ließen wir es uns schmecken.

Als wir mit dem Frühstück fertig waren war es zehn Uhr zweiundfünfzig, wir stellten das benutzte Geschirr und die Trinkgefäße auf den kleinen Servierwagen worauf dieser wieder im Servicebereich verschwand. Jean fragte: >>Machen wir heute noch einen kleinen Abstecher, und wenn ja wohin?<< - >>Wie wäre es mit dem Mars? Der liegt doch sowieso auf unserer Route.<<, erwiderte ich. Jean fragte: >>Der Mars? Ich habe blasse Erinnerungen von Ruby an diesen Planeten aber irgendwie decken sich diese nicht mit den Fakten die man auf der Erde über den Mars kennt.<< - >>Lass mich raten! Flüssiges Wasser und eine dichte Atmosphäre?<<, erwiderte ich. Jean machte große Augen und sagte: >>Ja genau! Ist der Mars wirklich so?<< - >>Er entwickelt sich langsam zu einer lebensfreundlichen Welt.<<, antwortete ich.

Nachdem ich Jean die Geschichte erzählt hatte wie der Mars zu seiner neuen Atmosphäre gekommen war und das eine fremde intelligente Lebensform namens Mi'ido welche zur Hälfte humanoid und zur Hälfte pflanze war dafür verantwortlich war verließen wir das Restaurant. Es war inzwischen elf Uhr und wir gingen durch den Gang zum Terminal des Raumhafens um auszuchecken. Schließlich erreichten wir den Tresen der Rezeption, wir meldeten uns als Bewohner der von uns genutzten Quartiere ab und gingen dann zur Andockstelle des Transitschiffes mit dem wir nach Gliese 581g gekommen waren. Wir gingen an Bord und bereiteten uns und das Schiff auf den Start vor, dann forderte ich die Starterlaubnis von der An- und Abflugkontrolle an. Nachdem die Starterlaubnis erteilt war setzte ich mich auf den Sitzplatz an der Steuerkonsole und startete das Schiff, ich flog gemäß den Abfluginstruktionen vom Raumhafen zwischen den Wohntürmen der Kolonie hindurch und ging dann in den Steigflug über. Nach einigen Minuten hatten wir die verschiedenen Schichten der Atmosphäre durchquert und waren im Orbit von Gliese 581g, ich brachte uns auf die vorgeschriebene Minimaldistanz für einen Sprung und bereitete den Sprung vor. Nachdem alle Sprungparameter gesetzt waren drehte ich mich zu Jean und Yvette um und fragte: >>Kann es losgehen?<< - >>Drück drauf!<<, antwortete Yvette und auch Jean bestätigte dass sie für den Sprung bereit war. Ich aktivierte den Sprungantrieb und kurz darauf befanden wir uns in der Sprungpassage.

Ich drehte mich mit dem Sitz zu Jean und Yvette um und sagte: >>Die nächsten fünfundsiebzig Minuten gibt es nichts weiter für mich zu tun.<< - >>Das ist wie bei einem Kampfflieger stimmt’s? Aufgrund der geringen Masse des Schiffes musst Du Dich nicht um die Überwachung des Sprungverlaufs kümmern und das Schiff in der Mitte der Passage halten.<<, erwiderte Jean. Ich antwortete: >>Ja das Springen von kleinen Schiffen ist wie Fahrstuhlfahren, man gibt das Ziel ein, aktiviert den Sprungantrieb und wartet bis man am Ziel ist. Bei Schiffen mit großer Masse muss man ständig die Zentrierung des Schiffes in der Passage kontrollieren damit man nicht hinaus fliegt. Es gibt aber auch große Schiffe mit automatischer Justierung der Sprungspulen, dort übernimmt der Bordcomputer oder die künstliche Intelligenz die Überwachung des Sprungverlaufs.<< - >>Ja die Far Horizon hat jetzt auch so ein System.<<, fügte Jean hinzu. Ich nickte anerkennend und erwiderte: >>Man merkt dass Du mit Ruby Zeit verbracht hast, sie hat Dich zu einer echten Expertin für Erdraumflottentechnologie gemacht.<< - >>Dank der neuralen Verbindung weiß ich jetzt alles was Ruby bis zum Zeitpunkt unserer Verbindung wusste.<<, antwortete Jean.

Für den Rest der Zeit bis zur Ankunft im Orbit des Mars versuchten Yvette und ich Jean bei der Entscheidung zu helfen in welchem Lebensraum sie ihr permanentes Quartier haben wollte. Ich riet Jean zu einem Quartier auf der Neptun- Hoststation da die Quartiere in der Marskolonie nicht diesen beeindruckenden Ausblick auf die Sterne boten. Für die Reisezeit zur Erde machte es dank des Sprungantriebs keinen großen Unterschied ob man nun vom Mars oder aus dem Orbit des Neptun startete. Nur wenn man mit den Linienschiffen des Passagiertransfernetzwerkes reiste musste man für den planmäßigen Aufenthalt im Orbit des Uranus und des Mars jeweils zehn Minuten einkalkulieren. Von der Ausstattung und dem Platzangebot waren die Quartiere in allen Lebensräumen standardisiert. Eine Ausnahme bildeten die Quartiere auf den Schiffen der Erdraumflotte, diese verfügten dort wo sich in anderen Quartieren der Speiseaufzug befand über eine Teleporterstation für kleine Gegenstände, Getränke und Lebensmittel. Jean favorisierte schließlich ein Quartier auf der Neptun- Hoststation, dort wäre sie räumlich auch näher an der Firmenzentrale von Nanotex welche sich ebenfalls auf der Neptun- Hoststation befand.

Wir wurden schließlich durch einen Signalton daran erinnert dass der Zeitpunkt unserer Ankunft im Orbit des Mars kurz bevor stand. Ich drehte mich mit meinem Sitz wieder zu den Steuerkontrollen um und kurz darauf erreichten wir unser Sprungziel. Nachdem der Mars durch das Cockpitfenster in Sicht kam sagte Jean: >>Es ist unglaublich, wenn ich Rubys Erinnerungen nicht hätte dann würde ich nicht glauben was ich da sehe. Eine Atmosphäre mit Wolken, Gewässer auf der Oberfläche des Planeten und sogar grüne Flecken die auf Wegetation schließen lassen! Und dieses Schiff in der unteren Atmosphäre welches aussieht wie ein großer grüner Edelstein, das muss Mi'idos Schiff sein.<< - >>Ja das ist Mi'idos Schiff, Mi'ido hat seit 2013 ganze Arbeit bei der Umwandlung der Mars-Biosphäre geleistet. Menschen könne zwar noch nicht ohne Atemgeräte auf der Oberfläche überleben aber einen Druckanzug brauchen sie nicht mehr dafür. Man sagt dass Mi'ido neben der Etablierung eines künstlichen Magnetfeldes und dem Aufheizen des Planeten durch orbitale Infrarotstrahler auch Kohlendioxid aus der Atmosphäre der Venus gesammelt hat um damit die Atmosphäre des Mars anzureichern und sie so noch stärker aufzuheizen.<<, erklärte Yvette. Jean fragte: >>Warum hat man die Veränderungen auf dem Mars von der Erde aus noch nicht bemerkt?<< - >>Das liegt an dem optischen und elektromagnetischen Dämpfungsfeld welches im Abstand von drei Lichtsekunden, also rund 900000 Kilometer von der Marsoberfläche erzeugt wurde. Es zeigt den Mars wie er vor der Umwandlung der Biosphäre war und verändert die Daten welche von Sonden und Bodenfahrzeugen übermittelt werden so dass sie weiterhin einen toten Planeten vorgaukeln.<<, erklärte Yvette.

Ich forderte die Landeerlaubnis von der An- und Abflugkontrolle der Marskolonie an, als diese erteilt war nahm ich gemäß der Landeinstruktionen Kurs auf den Planeten. Jean fragte: >>Dieses Dämpfungsfeld um den Mars, ist das so eine Art Tarnvorrichtung?<< - >>Nein, es macht den Planeten ja nicht unsichtbar. Die Bezeichnung Chamäleonfeld wäre passender, denn es lässt den Planeten so aussehen dass der für die Menschen auf der Erde möglichst uninteressant wirkt.<<, erklärte ich während ich das Schiff durch die Marsatmosphäre steuerte. Ich flog auf das Hangartor der Marskolonie zu welches bereits für unsere Landung geöffnet war, langsam flog ich durch das offene Hangartor und steuerte dann durch den geräumigen Hangar zu der uns zugewiesenen Andockstelle. Nachdem der Andockvorgang abgeschlossen war öffnete ich die Luftschleuse und wir betraten den Hangarbereich der Marskolonie. Jean schaute sich interessiert um, Yvette sagte: >>Das ist schon ein Ding mit der neuralen Verbindung, obwohl Du noch nie hier warst erkennst Du alles wieder.<< - >>Ja es ist unglaublich, als wäre ich schon einmal hier gewesen. Ich weiß dass es nicht so ist aber es fühlt sich so an.<<, antwortete Jean. Ich fragte: >>Wie wär's mit Mittagessen?<< - >>Was denn, es ist schon kurz nach halb eins?<<, erwiderte Jean als sie auf die Zeitanzeige ihres Kommunikationsarmbands geschaut hatte. Dann sagte sie: >>Okay ich bin dabei!<< - >>Ja ich auch!<<, fügte Yvette hinzu. Wir begaben uns zum nächsten Liftzugang und fuhren zu einem der Restaurants.

Das Restaurant glich in Grundriss und Ausstattung denen auf anderen Stationen und in anderen Kolonien, wir setzten uns an einen Tisch uns schauten was zum Angebot stand. Jean entschied sich für das Kartoffelgratain mit Schinken und dazu wählte sie einen Trinkkrug blauen Honigwein. Yvette wählte das mit Campingions überbackene Filet vom Seelachs mit Krautsalat und Kartoffeln, dazu bestellte sie sich ebenfalls einen Trinkkrug blauen Honigwein. Ich entschied mich für eine Portion Wurstgulasch mit Nudeln, als Getränk entschied ich mich auch für einen Trinkkrug blauen Honigwein. Es dauerte nicht lange bis der kleine Servierwagen mit unseren bestellten Speisen und Getränken an unseren Tisch kam, nachdem wir alles auf dem Tisch platziert hatten ließen wir es uns schmecken.

Als wir das Restaurant wieder verließen war es kurz vor dreizehn Uhr, Jean sagte: >>Wenn es möglich ist würde ich gerne auf die Oberfläche gehen und mich in der neu gestalteten Biosphäre etwas umsehen.<< - >>Natürlich ist das möglich, die geringe Schwerkraft werden wir mit unseren X1-Anzügen kompensieren und Atemgeräte bekommen wir an der Luftschleuse. Aufgrund der atmosphärischen Bedingungen werden wir keine Druckanzüge brauchen.<<, antwortete ich. Yvette fügte hinzu: >>Na dann wollen wir mal!<< - >>Ich bin schon gespannt was sich mir für ein Anblick bietet.<<, erwiderte Jean. Wir begaben uns zum nächstgelegenen Liftzugang und fuhren hoch zur Abteilung mit den Zugangsschleusen zur Oberfläche. Das Anlegen der Atemgeräte war recht einfach und schnell erledigt, nachdem wir uns von der Funktionsfähigkeit unserer Atemgeräte überzeugt hatten begaben wir uns zu den Luftschleusen welche zur Planetenoberfläche führten. Es waren runde Plattformen welche von transparenten Röhren eingefasst wurden. Wir betraten eine der Plattformen und warteten, die transparente Luke schloss sich und über uns öffnete sich eine Zugangsluke, dann wurde die Plattform nach oben gefahren.

Auf der Oberfläche wehte ein deutlich spürbarer Wind, die Temperatur lag wie an einem früh-sommerlichen Tag um die zwanzig Grad Celsius. Wir gingen ein Stück, unsere Augenliderprojektionssysteme versorgten uns mit Daten über die Umgebung. Jean sagte staunend: >>Unglaublich dass das der Mars ist!<< - >>Die Umweltbedingungen erinnern eher an die frühe Erde, hoher Kohlendioxid-Anteil in der Luft. Das Moos auf dem Boden stellt die erste Generation der neuen Flora dar und wird sich im Laufe der Jahre zu höheren Pflanzenarten weiterentwickeln. In schätzungsweise zehn Jahren wird der Mars eine lebensfreundliche Biosphäre haben.<<, erklärte ich. Yvette musterte die Umgebung aufmerksam und sagte schließlich: >>Wenn die Menschen auf der Erde bis dahin reif genug sind um von den Lebensräumen außerhalb der Erdatmosphäre zu erfahren wird diese neue Welt wahrscheinlich das Ziel der ersten Umsiedler sein.<< - >>Da bist Du aber sehr optimistisch. Schau Dir doch nur mal an was auf der Erde so abgeht, politische und interkulturelle Konflikte sind da an der Tagesordnung! Der Großteil der Erdbevölkerung ist noch nicht bereit für eine Erweiterung ihres Horizontes.<<, erwiderte ich. Yvette antwortete: >>Es gibt jedoch einen nicht unerheblichen Teil der Menschen der das Potential hat sich zum besseren zu wandeln, genau diese Menschen werden wir für das Programm zur Besiedelung der Marsoberfläche auswählen.<< - >>Ist das eine Art Auslese?<<, fragte Jean. Yvette antwortete: >>So könnte man es ausdrücken.<< Jean erwiderte: >>Und was wird mit dem Rest der Menschheit der sich als nicht „würdig“ erweist?<< - >>Die bleiben auf der Erde wo sie hoffentlich lernen ihr Verhalten zum Wohle ihrer eigenen Art zu verändern. Die Folgen ihrer Taten werden sie lehren was richtig und falsch ist.<<, antwortete Yvette. Als Jean mich fragend anschaute sagte Yvette: >>Keine Sorge, wir werden den Menschen auf der Erde nicht bei ihrem eigenen Untergang zusehen! Aber wir werden bis zum letzten Moment warten bis wir eingreifen, es wäre keine wirksame Lektion wenn die Menschen sie nicht überleben könnten oder wenn aus heiterem Himmel plötzlich Hilfe naht.<< - >>Und wie wird diese „Lektion“ aussehen?<<, fragte Jean. Yvette antwortete: >>Ein drohender Einschlag eines Asteroiden wäre ein Szenario welches die Menschen zwingen könnte auf globaler Ebene zusammen zu arbeiten. Wir haben die Mittel diese Bedrohung von der Erde abzuwenden, aber wir wollen sehen ob und wie die Menschen auf der Erde es selbst schaffen können. Im letzten Moment können wir immer noch den Asteroiden von seiner Kollision mit der Erde abbringen.<< - >>Das ist ein verdammt hartes Prüfungsszenario!<<, erwiderte ich. Yvette antwortete: >>Not ist manchmal der beste Lehrmeister, sie schweißt die Menschen zusammen und macht erfinderisch.<< - >>Dann soll es wohl so sein.<<, erwiderte Jean. Ich legte ihr die Hand auf die Schulter und tröstete sie.

Wir hielten uns etwa eine Stunde auf der Oberfläche des Mars auf, Jean wirkte während dieser Zeit sehr nachdenklich. Kurz bevor wir wieder unter die Oberfläche zurückkehrten fragte Jean mich: >>Glaubst Du dass die Menschen auf der Erde eine Chance haben sich weiter zu entwickeln?<< - >>Ich hoffe es sehr, die Erde ist mein Heimatplanet und quasi die Kinderstube der Menschheit.<<, antwortete ich. Jean fragte weiter: >>Wie kannst Du dann damit leben dass man den Menschen auf der Erde all das was es außerhalb ihrer Atmosphäre gibt vorenthält?<< - >>Überlege doch mal was Du hier oben alles gesehen hast und dann frage Dich was wohl passieren würde wenn unsere Technologie in die falschen Hände geraten würde! Ich versichere Dir unsere Technologie ist in den falschen Händen gefährlicher als die schlimmsten Waffen die es auf der Erde gibt, von unseren Waffen will ich gar nicht erst reden.<<, antwortete ich. Jean fragte: >>Ist dies die oberste Richtlinie für den interkulturellen Kontakt?<< - >>Es ist die Essenz dieser Richtlinie, sie soll verhindern dass Kulturen sich mit einer für sie unbekannten und potentiell gefährlichen Technologie selbst auslöschen.<<, antwortete ich. Jean senkte traurig den Blick, ich ging etwas in die Hocke und sagte: >>Keine Sorge, die Menschheit auf der Erde steht unter dem Schutz der Erdraumflotte! Wir werden nicht zulassen dass etwas von außerhalb der Erdatmosphäre der Menschheit Schaden zufügt.<< - >>Versprochen?<<, fragte Jean. Ich antwortete: >>Mit den Worten des Doktors: Dieser Planet steht unter unserem Schutz!<< - >>Des Doktors?<<, fragte Jean. Ich erwiderte: >>Ja der Doktor, der Timelord aus der Serie Doctor Who!<< - >>Der mit der blauen Notrufzelle?<<, fragte Jean. Ich nickte und lächelte sie an, Jean quälte sich ebenfalls ein Lächeln heraus.

Nachdem wir wieder unter die Oberfläche zurückgekehrt waren und die Atemgeräte abgegeben hatten schlenderten wir noch ein Wenig durch die Kolonie. Wir erreichten schließlich das Servicecenter des ehemaligen Flottenmanagements welches nun Bürgerbüro der terranischen interstellaren Republik der Lebensräume hieß. Ich fragte Jean: >>Wollen wir mal sehen ob Deine offizielle Registrierung als Bürgerin unserer Republik schon erfolgt ist?<< - >>Hey natürlich!<<, antwortete Jean. Wir betraten das Büro und gingen zu einem der Terminals, dort identifizierte sich Jean mit ihrem Kommunikationsarmband. Kurz darauf öffnete sich eine Oberfläche welche wie die persönliche Präsenz von Jean im Flottennetzwerk aussah. Die Arbeitsstelle von Jean als Show-Moderatorin für Nanotex war bereits in den Datensätzen verzeichnet, in der Rubrik „Wohnsitz“ gab es jedoch nur den Verweis auf Jeans Wohnadresse auf der Erde. Ich fragte Jean: >>Willst Du gleich einen permanenten Wohnsitz beantragen?<< - >>Wenn es noch freie Wohnsitze gibt dann ja.<<, antwortete Jean. Sie öffnete das entsprechende Fenster und wählte aus den verschiedenen Lebensräumen die Neptun-Hoststation aus. Daraufhin erschien ein Hinweis auf dem Display dass Jean aufgrund ihrer Tätigkeit für Nanotex besondere Konditionen in Anspruch nehmen könnte. Jean las die Konditionen durch und sagte: >>Hey ich kann ab sofort ein Quartier auf der Neptun- Hoststation haben und die Nutzung des Passagiertransfernetzwerkes steht mir ebenfalls ohne zusätzliche Kosten zur Verfügung!<< - >>Natürlich, das Passagiertransfernetzwerk stellt eine Daseinsvorsorge dar und steht jedem Bürger unserer Republik zur Verfügung!<<, antwortete ich. Jean bestätigte die Registrierung ihres neuen permanenten Quartiers auf der Neptun-Hoststation und die damit verbundene Bereitstellung des Standard-Kleidungspaketes. Daraufhin erhielt sie den Hinweis dass ihr Quartier binnen einer Stunde zum Bezug bereit stehen würde. Nach der Synchronisierung mit ihrer Immun- und Heilungsunterstützung für die Teleporterzielerfassung des Passagiertransfernetzwerkes war ihre Registrierung als Bürgerin der terranischen interstellaren Republik der Lebensräume abgeschlossen. Als wir zusammen das Bürgerbüro wieder verließen wirkte Jean ein sichtlich stolz auf ihre neue Republik-Zugehörigkeit.

Um die Wartezeit bis zur Verfügbarkeit von Jeans neuem Quartier zu überbrücken setzten wir uns in eines der Restaurants und bestellten uns je einen Trinkkrug blauen Honigwein. Als wir wenig später unsere Getränke erhalten hatten stießen wir auf Jeans neue spektakuläre Zukunft an. Nach dem ersten Schluck sagte Jean: >>Ich kann es noch gar nicht fassen dass ich jetzt offiziell Bürgerin der terranischen interstellaren Republik der Lebensräume bin.<< - >>In erster Linie bist Du Bürgerin der Bundesrepublik Deutschland, dann bist Du Europäerin, dann Bürgerin der Erde und in der obersten Ebene bist Du Bürgerin der terranischen interstellaren Republik der Lebensräume. Dein Beitritt zum Kreis der Bürger unserer Republik hat keinen Einfluss auf Deine Staatsbürgerschaft, es entspricht also vollkommen der Wahrheit wenn Du Dich auf der Erde als deutsche Staatsbürgerin identifizierst.<<, erklärte ich. Jean nahm einen weiteren Schluck und sagte: >>Das hier ist alles noch so neu für mich, dank der neuralen Verbindung mit Ruby habe ich zwar eine umfassende Erfahrung mit dem Leben hier aber es ist trotzdem aufregend.<< - >>Genieße es solange es andauert! Die Alltagsroutine kommt noch früh genug.<<, antwortete Yvette.

Nach drei Trinkkrügen blauen Honigwein war es Zeit für Jean ihr neues Quartier in Augenschein zu nehmen. Wir verließen das Restaurant und begaben uns zur Andockstelle unseres Transitschiffes. Als wir an Bord waren und die Luftschleuse verriegelt war fragte Jean: >>Was ist nötig damit ich auch mal ein Schiff wie dieses steuern kann?<< - >>Offiziell eine theoretische und praktische Prüfung für die Pilotenlizenz.<<, antwortete ich. Jean erwiderte: >>Offiziell, was meinst Du damit?<< - >>Na ja, dank der neuralen Verbindung hast Du Rubys fliegerische Fähigkeiten. Ich denke dass nichts dagegen spricht wenn Yvette in ihrer Position als Geschwaderführerin der Far Horizon Dir eine praktische Flugstunde gibt.<<, antwortete ich. Jean fragte: >>Im Ernst?<< - >>Ja natürlich, als Geschwaderführerin bin ich offiziell auch Ausbilderin. Es ist nur offiziell eine Flugstunde, ich weiß ja dass Du fliegen kannst.<<, antwortete Yvette. Jean jubelte und schwang sich auf den Sitz an der Steuerkonsole, Yvette setzte sich der Ordnung halber rechts hinter ihr an die Sensorenkonsole.

Nachdem die Starterlaubnis erteilt war leitete Jean das Abdockmanöver ein, dann manövrierte sie das Schiff behutsam durch den Hangar. Als wir das Hangartor erreicht hatten richtete Jean das Schiff für den Steigflug aus und beschleunigte mäßig. Yvette sagte: >>Hey das ist hier keine Flugschule Jean, jetzt drück mal auf die Tube!<< - >>Okay dann wollen wir mal!<<, antwortete Jean und zog den Schub auf. Unser Schiff stieg schnell in den Marshimmel auf und nach wenigen Minuten waren wir im Orbit, weit genug vom Planeten entfernt für einen Sprung. Jean öffnete das Navigationsmenü und wählte einen hohen Orbit um den Neptun als Sprungziel, dann drehte sie sich um und fragte: >>Bereit für den Sprung?<< - >>Bereit, Sprungantrieb ein!<<, antwortete Yvette. Daraufhin aktivierte Jean den Sprungantrieb und kurz darauf befanden wir uns in der Nähe des Neptun. Jean forderte die Landeerlaubnis von der An- und Abflugkontrolle der Neptun- Hoststation an, als diese erteilt war steuerte sie das Hangartor der Station gemäß der Anfluginstruktionen an. Wir passierten das Hangartor und flogen durch den Hangar, Jean steuerte auf den Andockbereich zu und manövrierte das Schiff langsam in eine optimale Position für das Andocken. Dann flog sie das Schiff langsam zurück in die Andocköffnung, als die Andock-Klemmen hörbar eingerastet waren fuhr Jean die Schiffssysteme herunter. Yvette sagte: >>Na bitte, das war doch eine großartige Leistung!<< - >>Hey danke, es hat auch Spaß gemacht!<<, antwortete Jean. Die Luftschleuse öffnete sich und wir verließen das Schiff, am Tresen der Hangarverwaltung beendete ich das Mietverhältnis für das Transitschiff. Anschließend begaben wir uns zum Liftzugang wo Jean ihr neues Quartier als Fahrziel wählte.

Das Quartier von Jean befand sich in einer Sektion über dem Hangartor so dass sie durch ihr Fenster einen guten Blick auf die an- und abfliegenden Schiffe hatte. Als Jean ihr neues Quartier betrat rief sie: >>Oh mein Gott das ist ja unglaublich, seht Euch diesen Ausblick an!<< - >>Beeindruckend, nicht wahr?<<, fragte ich. Jean schaute eine Weile durch die große Fensterfront nach draußen, dann antwortete sie: >>Das kann man wohl sagen.<< Nachdem Jean alle Winkel des Wohnbereichs ihres Quartiers betrachtet hatte ging sie in den Schlafbereich und öffnete den Kleiderschrank. Darin befand sich das Standard-Kleidungssortiment welches zur Grundausstattung für Bürgerinnen der terranischen interstellaren Republik der Lebensräume gehörte. Jedes Teil war aufgrund ihrer Vermessungsdaten genau passend für sie. Schließlich hatte Jean jedes Detail ihres neuen Zuhauses beäugt und sagte: >>Ich fühle mich jetzt schon wie zuhause.<< - >>Kein Wunder, Du kennst den Grundriss Deines Quartiers von unserem Quartier auf Gliese 581g.<<, antwortete Yvette.

Als wir Jeans Quartier wieder verließen fragte Yvette: >>Bringt Ihr mich noch zur Transferstation? Ich muss zurück auf die Far Horizon.<< - >>Wann beginnt den Deine Schicht?<<, fragte ich. Yvette antwortete: >>Morgen früh um acht Uhr, aber ich will mich vorher noch in die Ereignisse der Zeit während meiner Abwesenheit einarbeiten.<< - >>Okay!<<, erwiderte ich. Wir fuhren mit dem Lift zur Transferstation wo Yvette einen Personaltransfer zur Far Horizon buchte. Jean und ich warteten zusammen mit Yvette bis ihr Transfer bereit war, nachdem Yvette die Teleporterstation betreten hatte und auf das Schiff teleportiert worden war fragte Jean: >>Und musst Du Dich auch noch in die Ereignisse aus der Zeit Deiner Abwesenheit einarbeiten?<< - >>Willst Du dabei sein?<<, erwiderte ich. Jean überlegte eine weile und sagte schließlich: >>Ja, das würde mich interessieren.<< - >>Okay dann zeige ich Dir mal meinen Berufsalltag.<<, antwortete ich. Wir gingen zum Liftzugang und fuhren zum Büro des Vorsitzenden der Stationsverwaltung.

In meinem Büro saß mein Stellvertreter Jakob Steher hinter meinem Schreibtisch, als Jean und ich das Büro betraten sagte er: >>Verwalter Sella, ich hatte Sie nicht vor morgen zurück erwartet.<< - >>Keine Hektik Nummer eins, ich wollte nur mal schauen was während meiner Abwesenheit passiert ist.<<, antwortete ich. Jakob Steher erwiderte: >>Keine besonderen Vorkommnisse Verwalter Sella, die letzte Energielieferung ist planmäßig eingetroffen. Auch vom Sicherheitsdienst gibt es keine Meldungen über besondere Vorkommnisse, alle Stationssysteme sind im grünen Bereich.<< - >>Danke Nummer eins!<<, antwortete ich. Nachdem ich die Logbucheinträge der letzten Woche überflogen hatte verließen Jean und ich wieder das Büro.

Als wir vor dem Liftzugang standen war es kurz nach siebzehn Uhr. Jean fragte: >>Wie sieht das eigentlich mit der Folgerekrutierung aus wenn ich Verwandte oder Freunde nachholen will?<< - >>Die Bezeichnung stammt noch aus der Zeit vor dem Ausrufen der terranischen interstellaren Republik der Lebensräume. Der Name Familiennachzug wäre wohl treffender, wenn Du Angehörige von der Erde zu Dir holen willst dann kannst Du den Antrag auf „Folgerekrutierung“ stellen. Wenn die im Antrag benannten Personen im erwerbsfähigen Alter beziehungsweise Gesundheitszustand sind wird ihnen auf der Basis ihrer Fähigkeiten eine Anstellung oder eine ergänzende Ausbildung zugeteilt. Selbstverständlich können auch nicht-erwerbsfähige Angehörige von der Erde nachgeholt werden, Kinder und Senioren erhalten eine umfangreiche Betreuung und Versorgung, auch für die Bildung, die Ausbildung und die spätere Beschäftigung der Kinder wird gesorgt. Doch auch Senioren können auf eigenen Wunsch hin einer ihren Fähigkeiten entsprechenden Beschäftigung nachgehen.<<, erklärte ich.

Ich hatte inzwischen die obere Aussichtsplattform als Fahrziel für den Lift gewählt, wenig später öffneten sich die Lifttüren und wir stiegen ein. Nachdem die Türen sich geschlossen und der Lift sich in Bewegung gesetzt hatte fragte Jean: >>Wie sieht es mit Freunden aus, steht für sie auch die Folgerekrutierung zur Verfügung?<< - >>Das kommt darauf an welche Personen Du mit Freunde meinst. Natürlich kannst du nicht Deinen gesamten Freundeskreis per Folgerekrutierung von der Erde holen, gelegentliche Besuche sind jedoch nicht ausgeschlossen. Wenn Du mit Freunden jedoch Lebenspartner meinst, da gibt es eine Möglichkeit. Die einzige Bedingung ist jedoch dass sich Du und Dein Freund in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft oder Ehe befinden. Es muss aber eine offiziell eingetragene Gemeinschaft sein, Mitbewohner von Wohngemeinschaften fallen nicht darunter.<<, erklärte ich. Jean erwiderte: >>Nun ja, ich habe einen Freund aber wir sind nur in einer Beziehung miteinander. Kann man da was machen?<< - >>Das kommt ganz auf Euch an, wenn Ihr Eure Lebenspartnerschaft offiziell eintragen lasst oder heiratet dann wäre eine Familienzugehörigkeit gegeben. Ihr müsst diesen Schritt nicht unbedingt auf der Erde tun, das könnt Ihr auch hier oben erledigen.<<, antwortete ich.

Bevor Jean noch etwas sagen konnte öffneten sich die Lifttüren und gaben den Blick auf die obere Aussichtsplattform frei. Als wir die Liftkabine verlassen hatten schaute sich Jean interessiert um, schließlich sagte sie: >>Das ist also die obere Aussichtsplattform, Ruby hat mir erzählt dass dieser Ort vor allem als Teleporterziel verwendet wird wenn man keine Teleporterzielplattform in seinem Quartier hat.<< - >>Richtig, die obere Aussichtsplattform ist mit den Sensoren eines Schiffes gut einzusehen sodass man die Gefahr ausschließen kann in einen Gegenstand oder eine andere Person hinein teleportiert zu werden. Ein solcher Zwischenfall würde unweigerlich den sofortigen Tot aller beteiligten Personen zur Folge haben.<<, erklärte ich. Jean erwiderte: >>Aber die Transferstation des Passagiertransfernetzwerkes liegt doch in den unteren Sektionen der Station.<< - >>Ja das stimmt, dort gibt es aber mehrere Teleporterzielplattformen welche mit Sensoren ausgestattet sind die sicherstellen dass der Zielbereich frei ist.<<, antwortete ich.

Jean schaute plötzlich mit offenem Mund in eine Richtung und deutete mit dem Finger dort hin, ich drehte mich in die entsprechende Richtung um und sah ein Schiff welches blutrot war und die Form einer Mondsichel hatte. Ich sagte: >>Kein Grund zur Sorge das ist nur die Red Halfmoon, eines unserer Schiffe unter dem Kommando von Kapitän Vera Bach.<< - >>Ein treffender Name, das muss man schon sagen.<<, antwortete Jean. Ich erwiderte: >>Ihre Vorgängerin die Black Halfmoon hätte Dir wahrscheinlich einen noch größeren Schrecken eingejagt.<< - >>Ja Ruby hat mir die Geschichte von der Black Halfmoon erzählt, dieses angebliche Geisterschiff muss damals viele Menschen sehr nervös gemacht haben.<<, antwortete Jean. Ich lachte und sagte: >>Darauf kannst Du wetten! Wenn Dir ein schwarzes Raumschiff in der Form einer Mondsichel im Traum erscheint das dann auch noch zu Dir spricht, diesen Traum würdest Du auch nicht so schnell vergessen.<< - >>Ganz bestimmt nicht, zum Glück stellte sich ja heraus dass es nur eine Art telepathischer Notruf der künstlichen Intelligenz war.<<, antwortete Jean. Im Zentrum der Aussichtsplattform bei den Liftzugängen erschienen plötzlich mit dem vertrauten Blitz der Teleportation vier Personen, gleich nach ihrem Erscheinen begaben sie sich zur Liftkonsole, wählten ihr Fahrziel und begaben sich dann zum zugewiesenen Liftzugang. Nachdem die Personen hinter den sich schließenden Lifttüren verschwunden waren sagte Jean lachend: >>Das hier ist keine Aussichtsplattform sondern eine Art Flughafenterminal.<< - >>Ja manchmal kommt es einem so vor.<<, antwortete ich.

Nachdem ich Jean eine Reihe von Geschichten aus der Vergangenheit erzählt hatte war es achtzehn Uhr zwanzig. Jean Sagte: >>So jetzt ist es aber Zeit für mich, ich muss noch einiges erledigen und in den nächsten Tagen habe ich auch viel zu tun.<< - >>Du weißt ja wie Du mich erreichen kannst wenn Du eine Frage hast.<<, antwortete ich. Jean deutete mit dem Zeigefinger auf ihr Kommunikationsarmband, dann grinste sie, tippte mit dem Zeigefinger an ihre Stirn und sagte: >>Schon vergessen? Ich habe Rubys Erinnerungen und Erfahrungen, da werde ich doch wohl hier oben klar kommen! Aber keine Sorge, jetzt wo ich ein permanentes Quartier auf der Neptun- Hoststation habe werden wir uns auch gelegentlich über den Weg laufen.<< - >>Ich bin richtig stolz auf Dich wie gut Du Dich hier eingelebt hast, man könnte denken Du wärst hier oben aufgewachsen.<<, antwortete ich. Wir gingen zum Liftzugang wo wir an der Konsole unsere beiden Quartiere als Fahrziele wählten, anschließend begaben wir uns zum zugewiesenen Liftzugang.

Die Fahrt führte zuerst zur Sektion mit meinem Quartier, als der Lift dort angekommen war sagte Jean: >>Das war wirklich eine wunderbare Woche, danke nochmal für diesen Urlaub und alles andere! Ich werde mich bei Dir melden wenn ich etwas Zeit habe. Mach’s gut!<< - >>Ja Du auch, danke dafür dass Du Dir die Zeit genommen hast!<<, antwortete ich. Dann trat ich aus dem Türbereich worauf die Lifttüren sich schlossen. Ich ging in mein Quartier und setzte mich auf die Couch, dann aktivierte ich den Bildschirm und wählte den Flottennachrichtenkanal. In den Nachrichten gab es nichts großartiges neues aber das Verfolgen der Meldungen erleichterte mir den Übergang von der ereignisreichen Zeit mit Jean und Yvette zu meinem doch eher unspektakulären Alltag.

Den Rest des Abends ließ ich es ruhig angehen, ich stöberte noch ein Wenig im Flottennetzwerk und studierte die neuesten Einträge welche Jean in ihrer Lebensgeschichte veröffentlicht hatte. Yvette hatte über unseren Ausflug ebenfalls ein paar Einträge in ihrer Lebensgeschichte veröffentlicht. Sie schrieb auch über die bevorstehende Schicht des Folgetages, über anstehende Patrouillen und Manöver. Nachdem ich alle Neuigkeiten gelesen hatte bestellte ich mir noch ein paar Kleinigkeiten zum Abendessen. Ich ließ mir Zeit mit dem Essen und dachte über die Ereignisse der vergangenen Tage nach. Relativ früh am Abend ging ich zu Bett, trotz des relativ ruhigen Tagesablaufs war der Tag ziemlich kräftezehrend.



Danke Jean, für viele interessante und faszinierende Momente die Du mir mit Deinen Moderationen beschert hast! Mit dieser Fan-Fiktion-Geschichte habe ich versucht Dir etwas von der Faszination zurück zu geben, ich hoffe es ist mir gelungen.



Negül Sella alias Andreas Kretschmann – einer Deiner Fans
 
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