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Das Licht der Hajeps Band 5 / Unglaubliches/ Kapitel 3 und 4

Romane/Serien · Fantastisches
© Palifin
Kapitel 3

Kaum dass die Jambutos in Gang gesetzt worden waren, schaute sich Margrit im Laderaum nach allen Seiten um. „George, der ist ja rappelvoll?“, ächzte sie überrascht. „Was ist denn alles in diesen Kisten drin, die ihr bis zur Decke gestapelt habt?“
„Och, alles Mögliche!“, erklärte George nicht ohne Stolz. „Hinten rechts in den zwei Kisten zum Beispiel befindet sich ausschließlich Spielzeug! Wollte Pommi haben, aber der hat uns gestern nicht mehr aufgemacht!“
„Kann ich sehr verstehen!“ Margrit verzog das Gesicht und schüttelte dabei symbolisch ihre Hand aus, als habe sie sich die verbrannt. „Nach dem, was der gestern durchgemacht hat!“
„Scheinst alles miterlebt zu haben“, stellte er fest.
Sie nickte mehrmals. „Was ist denn das? Oh Gott!“ Margrit taumelte ungläubig zwei, drei Schritte vor den Beuteln zurück, welche sie in einer Ecke des Jambutos entdeckt hatte, dann lachte sie laut auf vor Freude und Überraschung. Tränen liefen ihr gleichzeitig über das Gesicht.
„Das kann nicht sein, oder?“, versuchte sie sich zu bremsen und wischte sich mit dem Handrücken die Nase trocken.
„Doch, doch!“ Georges Augen schimmerten ebenfalls feucht, so sehr freute er sich mit Margrit. „Du siehst das ganz richtig! Dort stehen die Beutel, deine gefüllten Beutel, welche du dir gestern von Pommi erkämpft hast!“
„Das war ich nicht alleine. Dieser verrückte Owortep hat doch ... na, egal! Glaubst mir es ja doch nicht!“ Margrit hielt sich schnaufend das Herz. „Jetzt kann ich doch meine Familie befreien! Und alles ist noch drin?“
„Alles!“, bestätigte George mit leuchtenden Augen.
„Das hatte ich längst aufgegeben! Endlich brauchen sie nicht mehr so zu leiden! Sie kommen frei! Noch heute wenn es geht, ja?“
„Noch heute!“, bekräftigte er abermals.
„Versprochen?“
„Versprochen!“ Er hob die Hand wie zu einem Schwur.
„Und du hast diese Beutel gefunden, George!“ Margrit fiel ihm wieder um den Hals. „Danke dir, du allerbest ...“
Er löste jedoch ihre Arme ziemlich energisch von seinen Schultern. „Nein, nein, bedanke dich lieber bei Gesine! Ihren scharfen Augen ist es nämlich zu verdanken, dass die Säcke überhaupt entdeckt wurden. Und, was noch viel wichtiger ist, sie hat die Beutel alleine in den Jambuto geladen.“
„Diese zierliche Person?“
Er nickte voller Stolz auf Gesine.
„Donnerwetter, welch eine Frau! Und alle schimpfen immer über sie! Ach, das bisschen Klauen!“ Sie machte eine wegwerfende Handbewegung.
„Na ja, sie klaut sich eigentlich immer ganz schön viel zusammen!“, räumte George nun doch etwas leiser ein.
„Hm, meine Halskette fehlt mir allerdings auch schon seit einem ganzen Weilchen. Ach, das ist doch jetzt ganz egal. Hoffentlich werde ich mich eines Tages bei ihr revanchieren können!“
„Bestimmt, so oft, wie die in Schwierigkeiten kommt!“, fügte er nun ziemlich erschöpft hinzu.
Er kannte sich wohl in Gesines Angelegenheiten recht gut aus. Und dann entdeckte Margrit auch noch ihre Weste, welche dieser Owortep gestern über die Rückenlehne der Parkbank gehängt hatte.
„Meine Weste!“, jubelte sie. Das gute Stück lag über einer Kiste, die gefüllt war mit Steckrüben. Margrit lief zu diesen Kisten und nahm das einzige Kleidungsstück, was ihr noch von diesem irrsinnigen Tag geblieben war, an sich.
Wenig später war Margrit mit ein paar alten Lumpen neu eingekleidet, hatte den kahlen Kopf mit einem bunten Tuch verhüllt und trug ihre Weste. Eigentlich war sie total erschöpft und als der Wagen weiter heimwärts ruckelte, war es kein Wunder, dass sie, sitzend auf der langen Kiste und gemütlich an Georges Schulter gekuschelt, mit dem schnurrenden Munk auf dem Schoß, bald einnickte.
Doch nach etwa einer halben Stunde wurde sie durch zwei feine Summtöne aus Pauls Jacke geweckt, die sie neben sich auf die Kiste gelegt hatte. Danox schien ganz wie früher zu funktionieren und Margrit vor einem nahenden Unglück warnen zu wollen. Selbst Munk war davon erwacht und blickte verwirrt und mit zuckenden Ohren um sich. Beide horchten also in die Stille und George, der wohl auch gerade eingedruselt war, schaute ihnen verdutzt dabei zu.
„Hajeps!“, kreischte Margrit schließlich und sprang wie der Blitz auf. Munk plumpste ziemlich unsanft von Margrits Schoß. Er lag auf dem Boden und war sehr empört darüber. Kaum wurde es draußen nur ein kleines bisschen laut, handelten Zweibeiner völlig exstatisch. Er stand breitbeinig in dem wackeligen Jambuto, schüttelte sein nicht vorhandenes Fell und hielt Ausschau nach einer vernünftigeren Schlafstatt. Mau-oh, befand sich da nicht ein einladender Korb mit einem hübschen Deckchen darin, direkt neben der Tür? Er trabte, wenn auch ein wenig schwankend, sofort dort hin. Margrit begab sich, nicht weniger taumelnd und heftig am ganzen Körper zitternd, ebenfalls zur Tür und wäre dabei fast über Munk gestolpert, der das Körbchen erst einmal eingehend beschnüffeln wollte. Roch irgendwie nett nach etwas Essbarem, welches wohl unter der Decke eingepackt war, aber nach was? Munk setzte sich erst mal hin, dachte angestrengt darüber nach und nur seine nackte Schwanzspitze bewegte sich arbeitsam hin und her.
„Oh Gott, was machen wir jetzt, George?“, jammerte Margrit und legte ihr Ohr an die dünne Blechtür. „Sie haben die Suche nach mir anscheinend noch immer nicht aufgegeben!“ Sie wandte nun George ihr Gesicht zu und die Augen flackerten wild.
George lachte verwirrt. „Aber Margrit! Du bildest dir doch hoffentlich nicht ein, dass die ganze Hetzjagd der Hajeps nur wegen dir stattgefunden hatte!“
„Nicht nur wegen wir, aber mich wollen sie auch!“, keuchte sie, komischerweise doch ein bisschen stolz! „Warum sind sie denn immer noch hinter mir her?“, setzte sie noch etwas lauter hinzu.
George lachte noch wilder. „Ja, ich weiß“, gluckste er, „weil sie dich wieder einschäumen wollen!“
„Lach nicht so dämlich!“, knurrte sie gekränkt. „Weiß auch nicht, was sich Owortep mit diesem eigenartigen Schaum gedacht hat!“
„Du immer mit deinem Owortep, den gibt es so wenig wie diesen Schaum!“, fauchte er nun grimmig.
„Und ob es den gibt ... nein, lach doch nicht immer so! Oh Gott, jetzt sind sie an uns vorbei gesaust!“, keuchte sie, leichenblass im Gesicht geworden. „Gewiss wollen sie Martin von vorne stoppen und ...“
„Also Margrit, hör jetzt endlich damit auf, ja?“, zischelte George erbost.
Munk war indes immer noch nicht eingefallen, was eigentlich so gut in diesem Körbchen riechen konnte. Er war müde und hatte Hunger, darum sprang er beherzt in den Korb. Plopp! machte es unter ihm. ‚Eier!’, durchfuhr es ihn beglückt. Das eine von den mehr als dreien war wohl von seinem nicht gerade federleichten Körper zerdrückt worden.
Nun ja! Er hob sein mit Eigelb und Eiweiß beschmutztes Hinterteil in die Höhe und begann, sich die Kehrseite laut schnurrend sauber zu lecken. Hmmm, dieses Eichen war zwar nicht mehr ganz taufrisch, aber dennoch lecker!
„Ich werde dir mal was sagen“, knurrte George Margrit an, „wenn du deinen Tick mit den Hajeps, die hinter dir her sein sollen, ständig so auswalzt, dann ...“, erschrocken brach er ab, denn ein gewaltiger Ruck ging plötzlich durch den Jambuto. Margrit und George flogen dabei fast bis zum anderen Ende durch den Laderaum.
„Ganz ruhig bleiben, George!“, wisperte Margrit keuchend George zu. „Damit wir weiter hören können, was draußen passiert und dann“, sie kämpfte mit den Tränen, „müssen wir uns etwas Schlaues, etwas ganz besonders Schlaues einfallen lassen!“
George nickte nur stumm, auch er hatte plötzlich einen Kloß im Hals. Du meine Güte, konnte Margrit einem vielleicht bange machen!
Munk schaute ebenso verärgert drein. War das vielleicht ein Ruck gewesen! Nie konnten Menschen etwas Vernünftiges tun! Wirklich, er war sogar aus dem Körbchen geschleudert worden! Er fauchte, schüttelte wieder sein nicht vorhandenes Fell und sprang einfach zurück in den Korb. Es machte abermals ´plopp`. Nun ja, war wohl das zweite Ei gewesen! Seine Mundwinkel schnellten hoch, da er wieder das Hinterteil anheben musste, um es gründlich abzulecken! Man konnte ihm wirklich nicht nachsagen, dass er nicht reinlich war!
Margrit und George schauten sich verdutzt an, weil sie plötzlich ein leises, genüssliches Schmatzen aus dem Körbchen neben der Türe zu hören meinten, gefolgt von einem zufriedenen Rülpser.

Kapitel 4

Und wieder erklang ein zweistimmiger Summton aus Pauls Jacke, jedoch ganz anders als bisher. Es war eher ein Orgelton, der jetzt in Margrits feinen Gehörgängen vibrierte. Bald schien der ganze hintere Teil des Jambutos davon erfüllt zu sein und Munks Ohren zuckten, obwohl er inzwischen schlief. Nur George konnte ihn nicht hören, es musste eine besondere Frequenz sein. Der Ton war für Margrit so störend, dass es ihr schwer fiel, sich dabei weiterhin auf die Geräusche von außen zu konzentrieren.
George bemerkte Margrits seltsame Nervosität. „Nur ganz ruhig bleiben!“, meinte er und hielt ihre Hände fest, weil sie mit denen wie verrückt an ihren Ohren herumgerieben hatte. „Mensch, was ist denn plötzlich mit dir los?“
„Los? Äh ... hm ... tja! Was soll denn mit mir los sein, George?“ Es war schrecklich, dass sie Danox Existenz geheim halten musste. Was bezweckten die beiden Teile mit diesen Tönen? Und dann fiel ihr ein, dass der kleine Roboter gestern auf fast die gleiche Weise einen hajeptischen Satteliten begrüßt hatte, als der hinter den Dächern Würzburgs zum Vorschein gekommen war. Also begrüßte er wohl auch jetzt das, was sich ihnen gerade näherte – echt beklemmend so was!
„Ja, das habe ich dich eben gefragt!“, knurrte George verärgert.
„Jetzt kann ich sie wieder hören!“, rief Margrit überrascht und das war nicht gelogen, denn Danox hatte plötzlich mit seiner eigenartigen Orgelmusik aufgehört. „Sie sind gerade furchtbar wütend!“
„Wer?“, knurrte George entnervt.
„Na, die Hajeps!“, wisperte Margrit, dabei wieder am ganzen Körper bebend. „Irgendetwas scheint bei denen wohl nicht so geklappt zu haben, wie sie das erwartet hatten. Mann, sind die schlecht gelaunt! Und nun erteilen sie Martin und Erkan irgendwelche Befehle. Hm ... muss noch näher hinhören!“
George seufzte, manchmal konnte Margrit richtig hartnäckig sein.
„Ich glaube, jetzt hab ich es verstanden, die beiden müssen aussteigen, um den Laderaum von ihrem Jambuto auszuräumen!“
„Ach Unsinn, Margrit!“ George nahm ihr Gesicht behutsam zwischen seine großen, warmen Hände und fühlte ihre heißen Wangen. „Du hast gewiss Fieber und phantasierst, denn wenn es Hajeps wären, bräuchten Martin und Erkan nichts auszuräumen. Der Feind hat eine so gute Technik, wenn der irgendetwas Verstecktes finden will, braucht er nur mit seinen Geräten unsere Jambutos zu durchleuchten und in wenigen Minuten hat er es entdeckt. Die beiden sind ausgestiegen, das höre ich zwar auch, aber das hat bestimmt einen anderen, stinknormalen Grund!“
Margrit schüttelte den Kopf. „Hörst du es nicht rumpeln? Erkan hat gerade mit dem Ausräumen angefangen. Er reicht die Kisten an Martin weiter, der bestimmt unten steht. Die Hajeps sind ganz aufgeregt. Sie wollen bestimmt den Jambuto etwas leerer haben, damit sie besser nach mir suchen können! Und das alles nur, weil ich gestern mit diesem verrückten Owortep ein-kaufen war!“
„Mit Owortep einkaufen!“, äffte George Margrit nach und verzog dabei spöttisch sein Gesicht. „Wohl etwas Schaum, was?“, setzte er grinsend hinzu
„Nein, davon hatte der leider selber genug! Dieser Owortep hatte ganz schön hart mit Pommi verhandeln müssen! Der Pommi kann aber auch dickköpfig sein, wenn es um seine Preise geht!“ Margrit wollte wieder an ihren Ohren herum reiben, denn Danox hatte leider wieder zu orgeln angefangen.
George hielt jedoch ihre Hände fest. Offensichtlich stand es schlimmer um sie, als er zunächst gedacht hatte. „Margrit“, begann er daher langsam und deutlich und streichelte dabei ihre Hände, die immer wieder zu den Ohren hoch zucken wollten, „das kann so nicht gewesen sein, weil ein ... so ein Owetep ...“
„Owortep!“, verbesserte sie ihn.
„Weil Hajeps eben nicht Menschen beim einkaufen helf ...“ Das letzte Wort blieb ihm im Halse stecken, denn Pauls und Gesines erschrockene Stimmen aus den Fenstern des Führerhauses heraus veranlassten auch ihn, genauer hinzuhören. Die beiden mussten wohl jetzt ebenfalls aussteigen. Plötzlich vernahm er eilige Schritte, die Richtung Laderaum marschierten!
„Lebe wohl, George!“, wisperte Margrit daher matt. „Die Zeit war schön mit dir!“ Und dann schnappte sie sich Pauls Jacke mit dem immer noch orgelnden Danox, versteckte sich hinter einer Reihe aufeinander gestapelter Kisten und warf noch einige Decken über sich. „Kann man mich so sehen?“, keuchte sie bebend.
„Nein, Margrit!“, sagte George immer noch verärgert, doch sein Herz schlug mit einem Mal recht schnell, denn er meinte nun auch, den typischen singenden Klang der Hajepsprache zu hören, während zum hinteren Teil des Jambutos gelaufen wurde. Es schienen erstaunlich viele Füße zu sein.
Ein Gänseschauer lief George den Nacken hinunter. Er schüttelte sich. Margrit konnte einem wirklich ganz schön was einreden. „Reg dich doch nicht so entsetzlich auf!“, wisperte er Margrit zu. „Was immer geschehen sollte, die suchen nicht nach dir, glaube es mir!“
„Doch, weil dieser Owortep mit mir einkaufen war!“, nuschelte es undeutlich hinter einer der Kisten hervor.
„Quatsch!“ George lockerte mit zitternden Fingern den Verband an seinem Fuß, schob die kleine Handfeuerwaffe, welche er wie jeder Untergrundkämpfer stets im Gürtel trug, dort hinein, wickelte die wieder fest und krempelte das Hosenbein darüber. So sah alles aus wie ein gebrochener, geschienter Fuß, der dort vorlugte.
Da wurde auch schon die Tür des Jambutos aufgerissen und das grelle Tageslicht blendete nicht nur ihn, sondern auch Munk. Letzterer blinzelte verschlafen mit einem Auge unter dem karierten Deckchen hervor. Er hatte sich auf die zwölf Eier gelegt, ohne auch nur eines dabei anzuknicken - da er satt war! Aber was machten diese recht übertrieben nach Seife riechenden Zweibeiner auf einmal hier? Munk war sehr verärgert über deren Benehmen.
„Amar?“, brüllte der Tjufat und Munk zuckte nochmals zusammen, aber niemand beachtete den kleinen Eierkorb mit dem bunten Deckchen neben der Tür.
„Kon wan ae Lumantiselari Marktstramm?“
George war so überrascht, dass er beinahe rücklings von der Kiste gefallen wäre, auf der er noch immer saß. Verdammt, das waren tatsächlich Hajeps! Er glaubte, nicht recht gehört zu haben, denn Marktstramm hörte sich wirklich fast an wie Margrit Schramm! Er schluckte. Donnerwetter, Margrit musste sich etwas Ver¬heerendes geleistet haben. Hinter dem Tjufat scharten sich noch weitere acht behelmte Außerirdische in den typischen grauen und lilafarbenen Uniformen. Es gab wirklich keine Chance zu entkommen. George versuchte sich zu beruhigen, aber vergeblich, sein Herz pochte stattdessen noch wilder drauflos! Verdammt, ganz gewiss wollten die Hajeps mit Margrit wieder eines der schrecklichen Exempel statuieren, um die Menschheit abzuschrecken. Hajeps waren schließlich für ihre Rachefeldzüge bekannt!
„Xorr, kor wan dus?“, fragte der Rekomp weiter und knirschte dabei mit den Zähnen. George meinte, rote Augen hinter der stark getönten Scheibe des Helms unruhig umher wandern zu sehen. „Wass is loss, he?“
Aha, dieser Tjufat konnte also auch Deutsch sprechen. „Tja ... äh ... was sollte denn los sein?“, murmelte George und zuckte möglichst arglos die Schultern. Er nagte vorsichtig an der Unterlippe und musterte dabei den Feind unauffällig.
Nein, dieser Tjufat war ihm nicht bekannt und wohl auch nicht die anderen dahinter. Hoffentlich hatten nicht Nireneska oder Diguindi diesen Männern Informationsmaterial über einen gewissen George de Mesa zukommen lassen, dann war er geliefert! Denn obwohl Georges Familie von Nireneska längst hingerichtet worden war, suchte man vermutlich noch weitere Angehörige Roberts.
„Wo iss Frau?“
„Welche Frau?“, fragte George zurück. Schrecklich, plötzlich war er so kurzatmig.
„Na, die ...“ Der Tjufat holte nun ein etwa handgroßes, flaches und ovales Gebilde aus einer Tasche seiner Uniform und hielt es Richtung Laderaum. Er schaute dabei auf seinen Ärmel, wo ein winziger Bildschirm, ähnlich wie eine Uhr, befestigt war. Nach einigen Sekunden schien er ärgerlich zu werden, wohl, weil er darin nichts Besonders erkennen konnte. Er stellte das Ding kopfschüttelnd hier und da anders ein und machte danach mit ausgestrecktem Arm große, kreisende Bewegungen in den Laderaum hinein. „Skirko!“, fauchte er schließlich und war so wütend, dass er es nicht nur vor sich auf den Boden pfefferte, sondern auch noch mit den Füßen darauf eintrat.
Als er sich einigermaßen beruhigt hatte, bückte sich jener Soldat, der direkt neben ihm stand und gab es ihm wieder. Ohne ein Danke und kopfschüttelnd, dabei Unverständliches wüst vor sich hin brabbelnd, ließ der Tjufat das Suchgerät wieder in seiner Uniform verschwinden.
„Munjafkurin, imo nenulon mai dendo … zioro!“, wendete sich der Tjufat an jenen Soldaten, der noch immer neben ihm stand. „To juko notore!“
Der Angesprochene nickte.
„Lumantimann machert Platz!“, wendete sich der Tjufat wieder an George.
Munk blinzelte weiterhin verdrießlich aus seinem Körbchen, denn die Soldaten hinter dem Tjufat wirkten kaum ruhiger als der. Sie spähten über seine Schultern aufmerksam in den Wagen und ihre Oberkörper schwankten dabei ungeduldig vor und zurück. Die mittägliche Sonne funkelte auf ihren nach oben spitz zulaufenden Helmen.
„Äh ... wieso eigentlich?“, krächzte George und breitete zur Unterstreichung seiner Worte hilflos die Arme zu beiden Seiten aus. Aus dem Augenwinkel sah er, dass Margrit hinter ihrer Kiste bibberte wie Espenlaub. Der Tjufat musterte George scharf, besonders lange ruhte dabei sein Blick in dessen Gesicht.
„Lügst!“, behauptete der jetzt. „Marktschwamm is verstäckt hirr in deinimm Waginn!“
Verdammt, woher mochte er wohl so sicher sein, dass Margrit sich hier versteckt hatte? George mühte sich, jetzt bloß nicht blass oder gar rot im Gesicht zu werden. „Also, ich kenne keine Frau mit solch einem Namen und darum kann sie hier ja wohl schlecht versteckt sein“, schwatzte George einfach weiter drauf los, erhob sich aber sicherheitshalber von der Kiste, als habe er vor zu gehorchen. Der Tjufat musterte ihn dabei wieder sehr gründlich, dabei fiel dessen Blick auf Georges verbundenen Fuß, wo er erst einmal nachdenklich verharrte.
George gab sich Mühe, nicht mit den Knien zittern. Schließlich machte der Tjufat nur eine knappe, gebieterische Armbewegung, die wohl eine Aufforderung war, dass er den Wagen zu verlassen hatte. Schweiß trat George auf die Stirn, denn er ahnte, dass man den Wagen jetzt gründlicher durchsuchen wollte. Draußen hörte er indes die aufgeregten Stimmen seiner Freunde Martin, Erkan und Paul. Sie schienen sich immer noch mit den anderen Hajeps auseinander zu setzen.
„Warum soll ich hier raus?“, stammelte George und hob hilflos die Hände in die Höhe. „Was wollt ihr da draußen mit uns machen? Wir haben nichts getan ... wirklich nichts!“
Der Tjufat machte eine knappe Bewegung mit dem Kopf in Richtung seines Soldaten und dann zu George.
Der Befehligte kletterte daraufhin mit pantherähnlichen Bewegungen in den Lieferwagen, wohl um George gewaltsam aus diesem zu entfernen. Munk blinzelte deshalb wieder ziemlich verdrießlich. Ach, diese Unruhe wieder!
George war so erschrocken, dass er für einen kurzen Augenblick überlegte, ob er die Waffe ziehen sollte. Da blickte er auch schon in die winzige Mündung einer recht seltsam ausschauenden Pistole. Der Kolben dieser außerirdischen Waffe war ziemlich flach, dabei quadratisch geformt und an den Ecken leicht abgerundet. Er lag sehr gut in der Handfläche des Soldaten. Der Lauf war nur etwa drei Zentimeter lang und ebenso breit. In diesem steckte noch eine stiftförmige Verlängerung, die der Hajep ausgefahren hatte.
Der Soldat hatte nun mit der anderen Hand ein kleines, ebenso sonderbares Gerät hervorgeholt, mit dem er wohl Georges Kleidung durchleuchten wollte, aber es funktionierte nicht. Im Gegensatz zu seinem Oberhaupt probierte er nicht lange damit herum, klopfte nur mit der freien Hand George von oben bis unten ab. Dieser schwitzte dabei Blut und Wasser, besonders als die Hand schließlich zu den Füßen hinab Richtung Verband wanderte. George war überrascht, nicht nur über die Flüchtigkeit, mit welcher diese außerirdischen Finger über den Verband huschten sondern auch über das schlechte Tastvermögen des Soldaten – konnte es an den Handschuhen gelegen haben? Jedenfalls richtete sich der Soldat ohne irgendein Zeichen der Verwunderung oder Skepsis einfach wieder auf. „Lumanti gehert, akir?“, knurrte ihn die sonderbare Stimme nur recht ener¬gisch an. „Du verlasserst denn Waginn ... soforta!“
George verspürte den spitzen, kleinen Lauf in seinem Rücken auch noch, als er längst an der Tür des Jambutos stand. „Springerere!“, fauchte der Soldat hinter ihm. George sprang hinunter und blickte, kaum unten gelan¬det, schon in die Mündung der nächsten seltsam gestalteten Waffe. Er hütete sich, die Arme auch nur ein wenig tiefer sinken zu lassen und der Tjufat winkte ihn mit dem Gewehr zu den anderen Menschen hinüber.
George schaute sich noch ein letztes Mal nach den beiden Wagen um, während er über die Straße zu den anderen lief. Was hatten diese Hajeps vor? Würde dieser verdammte Trupp nun einen Menschen nach dem anderen erschießen? Nur wenigen Leuten war es bisher vergönnt gewesen, Kontakte mit Hajeps zu überleben. Er hatte sich nicht getraut, sich im Inneren des Wagens nach Margrit umzusehen, aber er hoffte inständig, dass sie endlich aufhören würde zu zittern! Noch immer hatte er seine Hände erhoben, während er zum Parkplatz getrieben wurde. Er spürte aber die Pistole in seinem Verband und das tröstete ihn.
Wie George geahnt hatte, konnte Margrit gar nicht mehr aufhören zu zittern und erst recht nicht, als sie von ihrem Versteck aus erkennen musste, dass der hajeptische Soldat nun mit Hilfe eines weiteren Suchgerätes beginnen wollte, Säcke und Kisten zu durchleuchten. Glücklicher¬weise hatte er auch damit keinen Erfolg und sie atmete erleichtert aus. Das konnte nicht immer wieder Zufall sein! Margrit ahnte, dass die beiden Teile von Danox mit Hilfe von irgendwelchen Wellen für diese vie¬len Störungen in den hochempfindlichen Geräten sorgten. Ob er deswegen vorhin diesen seltsamen Orgelton von sich gegeben hatte?
Dankbar tastete sie nach den zwei Stücken in Pauls Jacke, während der Soldat damit begonnen hatte, einige Sachen hin und her zu schieben, um zu schauen, ob sich jemand dahinter versteckt hielt. Er war dabei ziemlich bequem, denn er gab den Kisten manchmal auch nur einen Tritt, damit es schneller ging. Margrit gewann den Eindruck, dass er nicht gerade mit großer Begeisterung seinen Auftrag erfüllte, denn immer, wenn er Richtung Tür schaute, überging er einfach einige Stapel Kisten oder Säcke. Wenn er irgendwelche Kisten herunter heben musste, wippte die Spitze seines merkwürdigen Stiefels zunehmend unlustiger.
Margrit dachte an den Spieltrieb, den sie bei Oworlotep beobachtet hatte, und holte, wenn auch weiterhin bibbernd, eine kleine Spieluhr aus einer der Kisten neben ihr und legte ihm diese in die Nähe seiner Hacken und zwar so, dass er dagegen stoßen musste, sobald er sich umdrehte. Wenig später hörte sie es auch schon schep¬pern. Sie schloss ergeben die Augen. Würde er sich über das plötzliche Erscheinen der Spieluhr wun¬dern und dadurch herausfinden, dass sie ihm diese hingelegt hatte? Oder die Spieluhr kaum beachten, der viel¬leicht nur einen Tritt geben, damit sie fortrollte und einfach in ihre Richtung weitergehen?
Als sie die Augen öffnete, sah sie, dass der Hajep bereits die Uhr von allen Seiten verwundert betrachtete. Er warf dabei seinen Kopf fragend von einer Seite zur anderen. „Zai?“, wisperte er skeptisch. „Zaaaiiii?“ Schließlich tippte er die Kurbel kurz an und nach kurzem Zögern noch ein Mal. Er hatte dabei erneut zur Tür geschaut, die nur zur Hälfte geöffnet war. Etwa weil er sich vergewisserte, dass ihn sein Tjufat nicht beobachtete? Und dann drehte er plötzlich vorsichtig an der winzigen Kurbel der Spieluhr, wieder seinen Kopf dabei fragend schief haltend.
„Alle meine Ent ...“, tönte es zu seiner großen Überraschung aus der Uhr. Er hatte sich so erschreckt, dass er nicht nur ins Taumeln geraten, sondern auch beinahe rückwärtig in die anderen Kisten gefallen wäre, „... schwimm ... dem See ... schwimm ... dem Se ...“, hörte er mit großen Augen weiter, „... in das Wasser ... chen ... öh!“
Leider war die Spieluhr nicht mehr in Ordnung, einige Plättchen des Zahnrades fehlten, aber die Unvollkommenheit des Liedes schien den Hajep nicht sonderlich zu stören. Er wippte jetzt federnd auf seinen Zehen.
„Nurrfi ... nurrfi!“, hörte ihn Margrit dabei undeutlich nuscheln und dann kurbelte er von Neuem das Ding an. Leise keuchend lauschte er der sanften Lumantimelodie.
„Munjafkurin!“, herrschte ihn der Tjufat indes von draußen ausgesprochen ärgerlich an. „Xorr, kor pin to ti? To noto bruk unata?“ Man hörte Schritte und nun spähte der Tjufat wieder zur Tür herein. Der Soldat im Inneren des Wagens fuhr wie aus einem Traum erwacht zusammen und nahm Haltung an.
„Chajeto!“, entschuldigte sich Munjafkurin erschrocken. „Chajeto! Noi jato pir nabarkion!“ Er ließ die Spieluhr als Zeichen seines Gehorsams demonstrativ zu Boden fallen.
Doch sein Befehlshaber schüttelte nur missbilligend den Kopf. Dann gab er ihm ein kurzes, aber unmissverständliches Zeichen, die Spieluhr wieder aufzuheben und damit zu ihm zu kommen.
Nun stand der Soldat in der Tür des Jambutos und sein Offizier starrte neugierig auf das Ding in dessen Hand. „Kor wan tes?“, erkundigte der sich und nahm es ihm vorsichtig aus den Fingern. Einige seiner Männer waren neugierigerweise ebenfalls zurück gekommen und zeigten sich genauso fasziniert. Sie drängelten sich vor der Tür des Jambutos um ihr Oberhaupt.
Der Gefragte zuckte nun stumm die Achseln.
„Kon jati to tes namagunto?“, wollte jetzt der Tjufat von Munjafkurin wissen.
Dieser sah sich im Inneren des Wagens nach allen Seiten um. „Pla juk ta nadeba jala!“ Er wies nicht ohne Stolz in die Richtung, wo er die wertvolle Beute gefunden hatte.
Das Oberhaupt nickte und beleckte sich aufgeregt die Lippen
„Era nagat klam tes len kriba?“, wollte er jetzt wissen und hielt die Spieluhr Munjafkurin mit ausgestreckter Hand entgegen.
„Poko!“, sagte Munjafkurin höflich, beugte sich zu ihm hinab und fügte zögernd hinzu. „Bani noi?“
Der Offizier nickte auffordernd. „Akir! Gusio!“
Da packte der Soldat vorsichtig mit zwei Fingern die kleine Kurbel an der Spieluhr und begann sie zu drehen. Alles, was hajeptisch war, lauschte daraufhin hingerissen, selbst jene Soldaten, welche einen Kreis um die Menschen auf dem Parkplatz gebildet hatten. Erkan, George, Paul, Gesine und Martin blickten einander verstört an, denn sie vermochten es sich einfach nicht zu erklären, dass ´Alle meine Entchen` eine solche Reaktion auslösen konnte.
„Hiat Ubeka!“, riefen wenig später einige der hajeptischen Soldaten überrascht und andere murmelten anerkennend: „Nurrfi, nurrfi!“

Fortsetzung folgt:
 
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So, dieses Teil habe ich nun auch gelesen und warte auf die Fortsetzung mit großer Neugierde.

Marco Polo (06.04.2019)

Unwahrscheinlich echt und gruselig und schmunzeln muss man trotzdem. Wie machst du das nur?

Evi Apfel (31.03.2019)

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