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15 Seiten

Das Licht der Hajeps Band 5 / Unglaubliches/ Kapitel 8 u. 9 u. 10

Romane/Serien · Fantastisches
© Palifin
Kapitel 8

„Wie geht es Ihrer Hand, George?“ Günther Arendt lehnte sich gemütlich in dem weichen Stuhl zurück, nachdem er, wie jeden Monatsanfang, die obligatorischen Besprechungen erledigt und mit den Anfüh¬rern der Maden alles Wichtige erörtert und neue Pläne für die kommenden Wochen geschmiedet hatte. Wie immer hatte man ihm für diesen Anlass das beste Sitzmöbel zur Verfügung gestellt.
„Ein wenig besser, Herr Präsident.“ George betrachtete dabei seine Hand, welche er vor sich auf den Tisch gelegt hatte und die noch immer einen dicken Verband trug. Eberhardt, der sich heute als Kellner zur Verfügung gestellt hatte, goss dem Präsidenten etwas von dem kostbaren Wein nach, den man bei Pommi hatte ergattern können. Er grinste George freundlich zu, denn jeder hier in den unterirdischen Gängen wusste darüber Bescheid, was George, Martin, Paul und Margrit alles Schreckliches hatten durchmachen müssen.
„Nur ein wenig?“ Günther Arendt zog mit bedenklicher Miene die dünnen Brauen hoch. „Es sind immerhin drei Wochen vergangen, seit Ihnen damals ...!“ Er brach ab und sein Blick ruhte nun auf Martin, der ihm gegenüber am hübsch geschmückten Tisch saß.
„Das stimmt!“ Martin räusperte sich, da er den Wein ein wenig schnell hinunter gekippt hatte. „Jedoch war das ein glatter Durchschuss und ...“
„Sie wollen damit hoffentlich nicht andeuten, dass George nie mehr wehrtüchtig sein wird?“, fiel ihm Günther Arendt aufgeregt ins Wort.
„Na ja, nicht direkt!“ Martin räusperte sich noch einmal.
„Und was sagt der Arzt dazu?“ Die kleinen, flinken Augen des Präsidenten wanderten nun zu Detlef, der wirklich einer der fähigsten Ärzte der Untergrundorganisationen war und damals auch zu Pauls Genesung beigetragen hatte. Ihn hatte Günther Arendt heute ausnahmsweise bei diesem Gespräch dabei haben wollen.
„Wir wissen es nicht“, sagte Detlef sehr nachdenklich mit ernster Miene. „Die Munitionen der außerirdischen Waffen besteht aus völlig anderen Materialen als wir sie kennen. Selbst die scheinbar harmlosesten Pülverchen können noch Wochen, nachdem sie uns berührt haben, verheerende Auswirkungen haben. Daher müssen wir erst einmal abwarten.“
„Können Sie denn die Hand gar nicht mehr bewegen, George?“, wandte dich der Präsident wieder an George.
„Na“, George zögerte, „ich hab es schon versucht, aber sie ist immer noch sehr dick geschwollen!“
„Nun, zur Not können wir George ja auch umschulen als ... na, uns wird dann schon etwas einfallen!“, warf Generaloberst Reidel ein, der wie die weiteren vier Generäle der umliegenden Organisationen ebenfalls an dem runden Tisch saß. Er mühte sich, George dabei ein zuversichtliches Gesicht zu zeigen.
„Aber so eine steife Hand wäre schon ein mächtiges Handicap! Und wie geht es nun Margrit?“ Günther Arendt setzte eine besorgte Miene auf. „Ich meine, lebt sie überhaupt noch? Seit Ihrem letzten Anruf habe ich nichts mehr von ihr gehört und ...“
„Sie steht unter Quarantäne!“ Martin stupste dabei Paul in die Seite, der schon begehrliche Blicke auf die Weinflasche warf, da er sein Glas ebenfalls geleert hatte. „He, du hast ihr doch immer das Essen und neue Kleidung gebracht!“
„Und George auch“, setzte Paul hinzu, wollte nach der Weinflasche greifen, aber Eberhardt war schneller und brachte die erst einmal vor ihm in Sicherheit.
„Wo liegt denn die Kranke eigentlich, wenn sie nicht hier in den unterirdischen Räumen sein durfte?“ Günther Arendt und die fünf Generäle schauten die beiden neugierig an.
„Liegt?“, wiederholten Paul und George verwundert fast wie aus einem Munde.
„Wieso, habe ich da etwas Falsches gesagt?“, fragte Günther Arendt einfach zurück.
„Nun, sie war und ist immer noch sehr munter und ...“
„Das war nur wegen der Ansteckungsgefahr!“, verteidigte sich Martin aufgeregt. „Und eigentlich hätten auch Paul und George hier unten nicht leben dürfen!“
„Aber die beiden scheinen mir gar nicht infiziert?“ Günther Arendt musterte George und Paul abwechselnd von oben bis unten.
„Richtig!“, warf der Arzt ungefragt ein. „Ich habe die zwei in den ersten Wochen jeden Tag untersucht, weder Haut noch Zähne wiesen irgendwelche sonderbaren Reaktionen auf.“
„Und Margrit?“, fragte Günther Arendt. „Haben Sie die auch untersucht?“
Der junge Arzt räusperte sich ein wenig verlegen. „Nein, ich fürchtete das Risiko ... äh ... die Ansteckungsgefahr!“
„Und wenn diese Krankheit nun ansteckend gewesen und Frau Schramm einfach hier herunter gekommen wäre“, Günther Arendts Augen funkelten bei diesem Gedanken lauernd, „was dann?“
„Frau Schramm befindet sich in sicherem Gewahrsam!“, tönte es nun von allen Seiten.
„Im Klartext, sie ist regelrecht eingesperrt?“
Alles nickte. „Wir haben einen Zaun um ihre Unterkunft gezogen, damit sie spazieren gehen kann, aber weder sie noch ihr Kater kommen da rüber“, bemerkte Martin.
„Wie grausam!“ Günther Arendt lachte nervös. „Nun ja, es ging wohl auch nicht anders!“, setzte er rasch hinzu. „Aber gerade Frau Schramms Erlebnisse interessieren mich und meine Generäle“, er schaute sich dabei Bestätigung suchend zu beiden Seiten nach seinen Männern um, „ganz besonders! Denn es ist schon recht unge¬wöhnlich, dass Hajeps mit Menschen reden statt sie zu töten!“ Der Präsident nippte wieder an seinem Glas und stelle es auf den Tisch zurück. „Es sind keine Fälle bekannt, bei denen auch nur einer die Begegnung mit Jimaros überlebt hätte, es sei denn, Menschen arbeiteten für sie! Darum war mein letztes Telefongespräch mit Frau Schramm nicht ganz uninteressant. Ich habe sie ein wenig ausgefragt. Alles, was sie mir über die Hajeps berichtet hatte, ist inzwischen in Computern gespeichert worden. Wir wissen nun endlich, wie der Feind aussieht, wie er sich gibt, was er denken und vielleicht fühlen könnte. Wir kennen die neuesten außerirdischen Waffen und die kleineren Flugschiffe wurden inzwischen nach¬gezeichnet, der hajeptische Vokabelschatz erweitert. Ich würde mich nun gerne persönlich mit ihr unterhalten. Darum wünsche ich, dass sich jetzt einer von Ihnen“, er warf dabei Paul und George einen festen Blick zu, „zu Frau Schramms Unterkunft begibt und sie auffordert, ihren Verschlag zu verlassen und hier herunter zu kommen!“
„Ich glaube, das wird sie nicht tun!“, brachten George und Paul fast gleichzeitig hervor.
„Aber sie kann auch hinter ihrem Bretterverhau recht gut zuhören und antworten“, setzte George noch hinzu.
„Mein lieber George, ich will sie mit eigenen Augen sehen!“, verlangte der Präsident recht energisch.
„Öh ... hm ... nun.“ Die beiden Männer sahen einander fragend an. „Tja, dann müssen Sie wohl warten, bis es dunkel wird!“, sagte Paul sehr leise.
„Denn sie ... äh ... sie hat ein wenig Angst wegen der Hajeps!“, mühte sich nun auch George Margrits komisches Verhalten zu entschuldigen.
„Wie bitte?“, empörte sich der Ministerpräsident. „So viel Zeit habe ich nicht! Sorgen Sie dafür, dass die Frau ihre Höhle verlässt und zwar umgehend!“
Und während der Ministerpräsident mit Martin und dessen Leuten, die inzwischen hinzu gekommen waren, ein anderes aktuelles Gesprächsthema anschnitt, warfen Paul und George einander verstohlene Blicke zu, dabei hilflos mit den Schultern zuckend.
„Nein, du gehst!“, sagte Paul schließlich. „Ich war heute schon zweimal dran!“
George ging leicht hinkend zur Tür.
„Mann, kann der vielleicht den Leidenden machen!“, wisperte Paul missmutig Renate zu, die gerade eine herrlich angerichtete Platte mit verschieden belegten Broten auf dem Tisch platzierte. Diese nickte und grinste.

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„Margrit, nun los! Mann, bist du stur! Gib dir endlich einen Ruck!“, knurrte George verdrießlich. „Du kannst nicht ewig da drinnen hocken. Wir wollen endlich wissen, wie es dir geht!“
„Ach, ihr spurt doch nur, weil das unser Präsident von euch verlangt hat, denn heute ist der erste, da habt ihr eure Besprechungen! Nee, deshalb riskiere ich doch nicht mein Leben!“ Margrit kicherte schon wieder sehr nervös.
„So ein Blödsinn, du riskierst doch nichts, nur weil du mal kurz ins Freie hopst!“ Er krauste die Stirn. Schade, dass der herrliche Schnee schon wieder fast weg war! Verdammt, wie konnte man Margrit nur heraus locken? Zwanzig Minuten hatte ihm der Präsident dafür gegeben und die waren bald um.
„Munk hat sich wohl das Pfötchen verstaucht oder ist es sogar ein Bänderriss wie bei dir?“, hörte er zu seiner Überraschung Margrit plötzlich sehr nachdenklich vor sich hin schwatzen. „Ach, der kleine Kerl klettert und flitzt ja auch in letzter Zeit wie wild herum, sage ich dir!“
„Mach deine Kate auf, dann werde ich mir die Pfote ansehen“, schlug George geistesgegenwärtig vor.
„Hast du denn gar keine Angst, dich doch noch anzustecken?“, hörte er sie.
„Nein!“, erwiderte er wie immer heroisch.
Sekunden später vernahm er hinter dem Verschlag ein Rumpeln und dann war die provisorisch gezimmerte Tür auf.
„Aber kriege keinen zu großen Schreck, ja?“, tönte ihre Stimme leise aus der Höhle. Margrit hatte ziemlich besorgt geklungen.
„Wieso? Etwa wegen der Pfote?“, hakte er irgendwie genervt nach.
„Ach Quatsch“, gluckste sie unsicher, „natürlich wegen ...“, sie schluckte, „... mir!“
Georges Herz pochte nun doch, denn gar zu gruselig hatte er Margrits letztes Erscheinungsbild noch in Erinnerung.
„Warum sollte ich mich denn vor dir erschrecken!“, sagte er trotzdem leichthin, als er an der Türschwelle stand.
„Na ja, weil ...“, und wieder brach sie ab, diesmal um tief Atem zu holen. „Weißt du, es hat sich nämlich einiges an mir verändert!“, setzte sie möglichst sanft hinzu.
„Na und?“ Er gab seiner Stimme einen noch festeren Klang. Margrit konnte doch nicht schlimmer aussehen als damals, oder? Er duckte sich, schaute doch ein bisschen beklommen zur Tür hinein, aber da war kaum etwas zu sehen bei der Finsternis drinnen, denn er war ziemlich geblendet vom Tageslicht.
„Ich glaube, ich kehre dir lieber erst einmal den Rücken zu“, hörte er es entschlossen aus dem Inneren der Höhle.
Irgendwie war ihm jetzt doch mulmig. Sein Magen rumpelte, als er den Fuß über die Schwelle setzte. Er würde diesen entsetzlichen Anblick schon aushalten, das nahm er sich fest vor. Trotzdem schlich er sehr vorsichtig tiefer in die Höhle.
Es war darin mit einem Mal sehr still geworden. Er hörte lediglich Margrits aufgeregtes Keuchen, als er näher kam und er musste sich immer wieder ducken, um sich nicht den Kopf zu stoßen. War es hier vielleicht finster! Aber nein, da hinten glomm ja Licht! Allmählich gewöhnten sich seine Augen daran. Direkt vor der kleinen Nachttischlampe, welche Margrit auf eine Kiste gestellt hatte, sah er sie stehen. Sie hatte ihm den Rücken zugewandt und hielt dabei Munk unter dem einen Arm. Dessen plüschige Fellspitze schlenkerte ziemlich unruhig hin und her.
„Weißt du“, sagte Margrit leise und ihre Finger fuhren dabei durch ihr zum Teil kurzes und auch etwas längeres Haar, um es sich aus der Stirn zu streichen, „du brauchst dich nicht zu fürchten, denn ansonsten sind Munk und ich die geblieben, die wir immer waren!“
Er schluckte verwirrt. Was hatte das zu bedeuten? Dann wendete sie sich zu ihm um und lächelte ein wenig scheu zu ihm empor. George keuchte, er schaute auf diese vollen Lippen, sah die herrlichen, weißen Zähne, welche sich inzwischen mehr oder weniger vollständig aus Margrits jungem, festen Gaumen geschoben hatten und dann blickte er in diese großen, von dichten Wimpern überschatteten Augen und musste sich plötzlich an einem der Balken, die hier die Decke der Höhle stützten, festhalten. Margrits Gesicht besaß nicht eine einzige Falte, auch der Hals, die Schultern, von denen gerade ein Träger des alten Kittels herunter gerutscht war, schienen plötzlich glatt und völlig makellos zu sein. Wenn er nicht gewusst hätte, dass er die ganze Zeit mit Margrit gesprochen hatte, hätte er sie nicht mehr wieder erkannt oder sie für deren etwa zwanzig, höchstens fünfundzwanzigjährige Tochter gehalten.
„Nein ... d ... das ist nicht möglich!“, stammelte er völlig durcheinander, ließ den Pfosten endlich los und taumelte nach rückwärts.
„He George?“, ächzte sie erschrocken. „Geooorge, du ... du siehst ja plötzlich so blass aus!“ Schnell ließ sie den empört fauchenden Munk auf den Boden gleiten, strich ihm einmal über das glänzende Fell und dann sprang sie zu George, hielt ihn fest. „Nur nicht hinfallen George, nur nicht aufregen!“ Sie legte ihm ihre weiche Hand auf seine Brust. „Dein Herz, es jagt ja wie verrückt! Ich hatte dich aber gewarnt George!“, setzte sie schnell zur Entschuldigung hinzu und beleckte sich aufgeregt die Lippen
„Ja, aber ...“, schnaufte er, blickte versehentlich in den Ausschnitt des hässlichen Kittels und entdeckte dort die Ansätze zweier runder, fester Brüste und schon jagte sein Herz noch schneller.
„Oh nein, George!“, keuchte sie deshalb voller Sorge. „Geht es dir etwa nicht gut? Willst du dich hinlegen? Sag doch endlich irgendetwas!“
„Na gut! Äh ... wer? Öööh ... Mann, Mann!“, ächzte er ziemlich hirnrissig vor sich hin. „Verdammt .... wer erwartet denn schon so etwas?“
„Was? Magst du mich denn nicht mehr, so wie ich jetzt bin?“, wisperte sie tief enttäuscht und drückte dabei ihre heiße Wange zärtlich und fest gegen die seinige.

Kapitel 9

Munk war schwer empört. Er fauchte nach allen Seiten. Was war denn plötzlich los? Der nach Parfüm stinkende Zweibeiner hatte ihm zwar endlich die Pfote verarztet, und die tat ihm jetzt auch nicht mehr weh, Munk aber dann wild lachend auf den Arm genommen und war mit ihm und mit Frauchen in diese unterirdischen Gänge gehumpelt.
Dort hatte er Munk einfach auf den Tisch gesetzt und nun starrten ihn alle schon eine ganzes Weilchen an, zeigten fassungslos immer wieder auf ihn, schüttelten dabei die Köpfe und dazu machten sie noch etwas, was Munk schon immer bei den Zweibeinern nicht begreifen konnte: Sie redeten und redeten und redeten und das Schlimme war, sie ließen Munk nicht mehr vom Tisch hinunter.
„Also, es ist wirklich nicht zu fassen, dass diese Katze tatsächlich zwanzig Jahre alt sein soll!“ Günther Arendt schüttelte schon wieder sein spärlich behaartes Haupt. „Nein, mein lieber George, da wollen Sie mir wohl einen Bären beziehungsweise eine Katze, hähä, aufbinden, denn dieses Tier ist höchstens zwei Jahre alt!“
„Sehr richtig“, bestätigte auch Generaloberst Reidel und warf sich dabei in die mächtige Brust, „seht doch, das Tier hat ein kurzes Plüschfell und die Zähnchen sind auch noch nicht alle heraus gekommen! Es ist ein Jungtier, ganz klar!“
Die übrigen Generäle Günther Arendts nickten dazu bestätigend, auch Detlef. Als erfahrener Arzt mochte er auch nicht an derlei Wunder glauben.
Nur Martin schwieg, grinste verstohlen, da er Munks sonderbare rosa und schwarz gescheckte Haut noch recht gut in Erinnerung hatte und dieselbe verrückte Fellzeichnung an diesem Tier wieder erkannt hatte. „Aber für ein Jungtier ist dieser Kater ganz schön dick!“, bemerkte er vorsichtig.
„Finden Sie?“ Günther Arendt betrachtete Munks Speckfalten etwas gründlicher. „Das ist doch bestimmt nur aufgeplustertes Fell!“ Seine Hand näherte sich Munks Bauch um nachzufühlen und schon bekam er die frisch gewachsenen Krallen zu spüren.
„Huch?“, kreischte er verärgert und entsetzt. „Ganz schön biestig, dieses ...“
„Jungtier ... ja!“, meldete sich nun auch General von Haiden, der Anführer der Untergrundbewegung der Maden. „Denn auch Babykatzen können sehr wohl fett sein. Es gibt ... äh ... gab früher auch fette Kinder, na und?“
„Das ist keine Babykatze, höchstens eine Jungkatze!“, verbesserte ihn Detlef recht energisch. „Denn dafür ist dieser Kater viel zu groß!“
Munk fauchte indes nicht mehr. Jetzt wollte er sogar nicht mehr hinunter vom Tisch, denn er hatte gerade Günther Arendts Teller entdeckt, weil Eberhardt nicht gewagt hatte, das Leberwurstbrot des Chefs auch noch vom Tisch zu nehmen und woanders hinzustellen, wie sie das bereits mit der herrlich angerichteten Platte und dem übrigen Geschirr getan hatten.
„Und das mit den Zähnen geht auch klar“, meldete sich Margrit ungefragt dazwischen. „Die drücken sich nämlich nur in genau der gleichen Reihenfolge durch Munks Zahnfleisch wie sie ausgefallen sind! Denn so ist das auch bei mir, weil ...“
Mit einem Schlag brach der ganze Salon in verdutztes Lachen aus. Als sich alles einigermaßen beruhigt hatte, mühte sich der Präsident wieder, in ernstem Ton mit Margrit zu sprechen, aber er kicherte dabei immer noch ein bisschen.
„Meine liebe ... äh ... wie heißen doch gleich?“ Er wartete nicht ab, bis sie etwas sagte. „Na egal. Sie sind zwar sehr jung“, er musterte dabei Margrits hübsches Gesicht und dann ihre Figur mit einem unverhohlenen Blick, „aber aus dem Alter eines zahnenden Kleinkindes dürften Sie wohl hinaus sein!“ Dabei blieb sein Blick unmissverständlich an ihren Brüsten, die sich unter dem Kittel andeuteten, haften. Das Lachen, das ihm im Halse saß, verließ ihn schon wieder leise glucksend und Margrit zupfte ihre Weste, in welche sie vorhin wegen der Kälte draußen geschlüpft war, darüber.
Günther Arendt errötete etwas, denn ihm war es irgendwie peinlich, dass er diese junge Frau in seinem Gedächtnis nicht so recht einordnen konnte, obwohl sie ihm wegen der lebhaften Augen irgendwie bekannt vorkam.
„Aber ich bin es doch, Margrit! Margrit Schramm!“, rief Margrit verwundert und dann blickte sie sich freundlich nach allen Seiten um. „Erkennt mich denn hier niemand wieder?“, setzte sie reichlich enttäuscht hinzu.
Für einen Moment herrschte völlige Stille im kleinen unterirdischen Salon, bis auf Munks Schmatzen, der sich begeistert über Günther Arendts Leberwurst hergemacht hatte. Alles schien wie gelähmt. Lediglich die zwei Leibwächter hinten neben der Theke, die wie immer anwesend waren, wankten ein wenig unruhig mit ihren waffenstarrenden Körpern vor und zurück. Diejenigen, welche heute mit dem Bedienen und mit dem Küchendienst dran waren, gaben ebenfalls keinen Mucks von sich. Kein Topf schepperte in der Küche, kein Geschirr klapperte mehr und es gab niemanden, welcher sie in diesen Sekunden nicht anstarrte. Alle hatten dabei die Augen aufgerissen, am meisten Martin, denn der glotzte Margrit mit weit geöffnetem Mund an. Er war auch der erste, der etwas sagte, nämlich immer wieder denselben Satz: „Das ist ja nicht zu fassen ... es ist nicht zu fassen ... es ist ja nicht zu ...“
„Und das ist meine Margrit!“, übertönte ihn Paul und seine Stimme klang ein bisschen stolz. „Ich hab es ja schon immer gewusst, dass sie es zu was bringen wird!“
Munk ließ sich währenddessen nicht dabei stören, das ziemlich große Lebewurstbrot Günther Arendts in aller Ruhe zu verspeisen. Darum hörte man wohl auch vom Tisch immer wieder dieses leise, zufriedene Rülpsen.
„Äh, wie? Sie sind ... Margrit?“, keuchte der Präsident endlich und schluckte, aber dann lachte er plötzlich wild meckernd los. Er war der Einzige, der lachte, die anderen schauten ihm stumm dabei zu. Die Generäle wechselten verdutzte Blicke und Eberhardt war die kostbare Weinflasche leise klackend in den uralten Gummibaum gefallen - glücklicherweise war nicht mehr viel Wein drin und der Baum recht stabil.
„Junge Dame, das ist zwar ein drolliger Scherz“, erklärte der Präsident keuchend, „aber leider ist mir heute nicht nach Witzen zumute! Wie heißen Sie also wirklich? “
Inzwischen schämte sich Munk doch ein bisschen, denn endlich hatte er begriffen, weshalb man ihn auf diesen Tisch gesetzt und wild herum geredet hatte. Natürlich nur, um ihm diese Sache mit dem Brot und der Leberwurst klar zu machen. Er schnurrte jetzt laut vor sich hin, da er auch noch drei Streifchen leckerer Käserinde auf dem Teller entdeckt hatte.
„Aber ich bin nun mal Margrit! Auch wenn ich vielleicht nicht so aussehe! “ wisperte Margrit leise und traurig, weil sie nicht mehr erkannt wurde.
„Ach, das lässt sich doch ganz einfach klären!“, versuchte Detlef, ganz Arzt, zu helfen. „Sollte die junge Frau tatsächlich unsere Margrit sein, dann müsste das mit dem unregelmäßigen Wachstum der neuen Zähne stimmen!“
„Mein lieber Detlef, da haben Sie durchaus Recht!“, schnaufte Günther Arendt aufgeregt und lockerte dabei den Kragen seines Hemdes. „Margrit oder wer Sie auch immer sind ...“
„Ich bin aber nicht wer auch immer!“, unterbrach sie ihn schmollend.
„Also, es tut mir Leid, aber Sie müssen nun für uns alle ihr hübsches Mäulchen, äh, ihren Mund meine ich natürlich, öffnen! Nur zum Beweis“, setzte Günter Arendt hastig hinzu und hob dabei hilflos die schmalen Schultern.
Wie peinlich, Margrit errötete, aber dann öffnete sie doch ihre Lippen. Der erste, der sofort hinein schaute, war natürlich der Arzt. „Donnerwetter, es stimmt!“, keuchte er und wandte sich dabei nach den anderen um. „Das ist eine ... eine Sensation!“ Detlef rollte fasziniert mit den Augen. „Ich ... ich sehe überall neue Zähne, die sich durch den Gaumen schieben, Zähne, die in diesem Alter nachwachsen! So etwas Verrücktes hat es noch nie gegeben! Das müssen wir überall in den Untergrundorganisationen erzählen. Das ist bahnbrechend, das sollten die Menschen wissen!“
„Sehr richtig!“, meldete sich Generaloberst Reidel, ebenfalls erregt. Er war von seinem Stuhl aufgesprungen. „Dieses Mittel müssen wir uns sofort aneignen.“
„Jawohl!“, brüllte auch General von Haiden und schon jubelte der ganze Salon.
„Ihr habt Recht! Das darf der Menschheit nicht vorenthalten werden, was es auch immer ist.“ Der Arzt war so laut geworden, dass er trotz des Lärms zu hören gewesen war. Margrit hatte sofort wieder den Mund geschlossen, denn diese plötzliche Hysterie machte ihr irgendwie Angst. Mit großen Augen blickte sie nach allen Seiten und schob sich schließlich etwas dichter an George, Paul und Martin heran.
„Aber, von wo können wir überhaupt solch ein Mittel bekommen?“, gab Renate, die hinter der Theke stand, ebenso laut zu bedenken. Gleichzeitig kamen die Leute aus der Küche neugierig herbei gelaufen, um Margrit anzustarren.
„Zuerst sollte man diese junge Fr ... äh, unsere Margrit ein wenig genauer untersuchen“, schlug Detlef jetzt vor, „unseren Wissenschaftlern vorführen. Wir haben ja Gott sein Dank noch ein paar, die ...“
„Nein“, fiel ihm George mit wild blitzenden Augen ins Wort. „Margrit überall herum reichen wie ein Versuchstier, das fehlte noch! Dann sind wir ja nicht viel besser als Hajeps!“
„Sehr krass ausgedrückt zwar, aber ihr müsst zugeben, irgendwie hat George Recht!“, unterstützte ihn Martin, weil er einige Augen in der wilden Menge zornig hatte aufblitzen sehen. „Margrit ist ein Mensch wie wir! Sie gehört zu uns! So dürfen wir sie nicht behandeln!“
Trotz dieser Worte war hier und da noch ein Murren zu hören und manch eine Faust reckte sich George entgegen. Aber schließlich beruhigten sie sich doch.

Kapitel 10

„Und wodurch ist diese Verjüngung ausgelöst worden?“, grübelte Günther Arendt. „Und wieso ist auch dieser Kater ...“, Günther Arendts Blick wanderte nun zu Munk, der gerade das zweite Stückchen Käserinde mit großem Behagen aufknabbern wollte. „Mein Wurstbrot ist ja weg!“, ächzte Günther Arendt verdutzt und dann nahm er blitzartig dem tief enttäuschten Munk den Teller weg. „Fürchterliche Katze!“, brummte er und reichte den Teller an Eberhardt weiter.
Munk blinzelte Günther Arendt deshalb ziemlich verdrießlich an, aber dann stellte der Kater fest, dass er eigentlich schon ziemlich vollgefressen war. Er machte deshalb ein paar leichte gymnastische Übungen auf dem Tisch, um die Verdauung anzuregen.
„Nun, ich nehme an, dass diese Verjüngung durch den Schaum geschah!“, beantwortete Margrit indes die Frage des Präsidenten. „Es muss wohl eine Art Medikament darin enthalten gewesen sein!“
„Ja, so stelle ich mir das auch vor!“ Der Arzt nickte dazu mehrmals und die Generäle ruckelten unruhig auf ihren Stühlen herum.
„Merkwürdig, sehr merkwürdig“, stöhnte Günther Arendt, „und dieser Schaum drang dann wohl von den Poren aus in die Blutbahn von Frau Schramm ein?“ Günther Arendt rieb sich sehr nachdenklich das spitze Kinn und Munk streckte und reckte sich indes weiter hingebungsvoll auf dem Tisch. „Und wiederum über die Blutbahnen wanderte das Medikament dann wohl in die größeren Organe und von diesen wiederum ...“, Günter Arendt brach ab, denn ein kleiner Pupser entfuhr während einer besonders gründlichen Dehnübung Munks Plüschhintern, den er genau in Günther Arendts Richtung gehalten hatte. „Bäääh!“, kreischte der Präsident. „Kann hier nicht endlich mal einer diese ekelhafte Katze vom Tisch entfernen?“ Und er hielt sich die Nase zu.
Margrit gehorchte sofort und griff sich das verdutzte Tier. „Ja, so muss es gewesen sein, das Medikament wanderte bis in die Sehnen, Knochen und in das Gehirn!“, bestätigte sie dabei. „Eigentlich habe ich die ganze Zeit gespürt, dass es in meinem Körper wie verrückt arbeitet! Ich hielt es für eine innere Unruhe! Irgendwie nur für Angst!“ Einige Sekunden lang wirbelten Munks Pfoten hilflos in der Luft. Er war deshalb wirklich sehr empört! Aber er fauchte nicht, denn nachdem er so viel gegessen hatte, war ihm das zu anstrengend und dann setzte ihn Margrit einfach auf ihre Schulter. „Die Haut juckt danach plötzlich sonderbar. Dann beginnt sie sich zu pellen und sämtliche Haare fallen aus!“, erklärte sie einfach weiter.
„Und danach ist alles einfach neu nachgewachsen!“, jubelte der Arzt und ein lautes, aufgeregtes Raunen ging dabei wieder durch den Salon. „Allerdings in unterschiedlichem Tempo!“, fügte er noch hinzu.
Günther Arendt schüttelte wieder fassungslos den Kopf. Vergeblich streckte er dabei seine Hand mit dem leeren Weinglas nach hinten aus, denn Eberhardt füllte nichts mehr nach, der war soeben verschwunden, um die große Neuigkeit von Margrits Verjüngung unter den Maden zu verbreiten.
„Darf ich vielleicht noch etwas hinzufügen?“, rang sich der Arzt endlich wieder zu ein paar vernünftigen Worten durch und es trat wieder Stille ein.
„Nur zu, nur zu!“ Günther Arendt betrachtete stirnrunzelnd sein leeres Glas.
„Die Zellen dieser jungen Frau, also Frau Schramms, wurden wohl durch dieses Mittel nicht nur von Schadstoffen gereinigt. Sie wurden dadurch auch wieder dazu angeregt, sich genau so häufig, wie bei einem jungen Geschöpf zu teilen!“
„Könnte sein. Hat der Hajep vielleicht irgendetwas während dieser Prozedur erklärt?“, fragte der Präsident Margrit weiter aus.
„Ja, er sagte, dass er mich wieder gesund machen würde!“
„Gesund?“, wiederholte der Arzt irritiert. „Waren sie denn krank?“
„Nein, ich fühlte mich eigentlich nicht krank, aber zuerst untersuchte er mich mit einem komischen Gerät!“
„Wer er?“, hakte jetzt auch Günther Arendt gründlicher nach.
„Na, Owortep!“
„Schon wieder dieser komische Name!“, nörgelte der Präsident. „Margrit, so kann ich sie wohl wieder nennen, ich bin nach unserem Telefongespräch die hajeptischen Vokabeln durchgegangen. Es gibt kein einzelnes Tep in dieser Sprache. Allerdings kennen wir noch nicht alle Worte unseres Feindes. Hingegen ist uns aber das Wort Lotep schon recht bekannt. Es bedeutet Verstand. Was Owor heißt, ist allerdings noch im Unklaren. Die Hajeps pflegen einander Worte mit großer Bedeutung als Namen zu geben. Könnte dieser Hajep vielleicht Oworlotep geheißen haben?“
„Ja!“, rief Margrit verwundert und mit leuchtenden Augen aus. „Genau so war sein Name! Oworlotep, richtig! Und jetzt weiß ich auch, was er mit wieder gesund machen sagen wollte. Er beherrschte nämlich unsere Sprache noch nicht korrekt, lernte sie aber während dieser kurzen Zeit, in der wir miteinander redeten, unwahrscheinlich schnell. Er meinte damit ganz gewiss: Ich will dich wieder jung machen! Ja, das war es!“ Sie lachte plötzlich dankbar und hell auf. Es war ein so heiteres, freies Jungmädchenlachen, dass es allen Umstehenden schwer fiel, nicht in dieses ungestüme Lachen mit einzufallen. Munk mochte Lachen von Zweibeinern ohnehin und darum kuschelte er sich noch dichter an Margrits heiße Wange und schnurrte aus tiefster Brust.
„Es wäre wirklich schön, wenn alle Menschen so jung werden oder bleiben könnten!“, murmelte Paul verstohlen und seine Hand fuhr dabei über die kleine Glatze, die er bereits am Hinterkopf hatte und viele nickten ihm dabei zu.
„Das ist im Augenblick nicht unser größtes Problem!“, knurrte Günther Arendt nun etwas ungehalten. „Ich habe anderes vor!“
„Owortep – äh – Oworlotep muss wohl eine sehr geachtete Person unter den Hajeps sein!“, warf jetzt George übergangslos und zutiefst in Gedanken ein. „Denn das Wort Lotep hat bei den Außerirdischen einen besonders hohen Stellenwert, genau wie die Worte Feuer und Mut!“
„Da fällt mir zu diesem Oworlotep noch etwas ein!“, schmetterte Günther Arendt einfach dazwischen. „Wie alt haben Sie diesen Hajep geschätzt oder hat er Ihnen gar sein Alter verraten? “
„Nein, darüber haben wir nie gesprochen, aber ich schätze ihn so“, Margrit zog nachdenklich ihre dichten, schönen Brauen zusammen, „auf zwanzig, fünfundzwanzig Jahre! Er war blutjung und ...“
„Aha“, unterbrach er sie, „und wie alt waren Ihrer Meinung nach die übrigen Hajeps, die Ihnen später unbehelmt begegneten?“ Er war so tief in Gedanken, dass er schon wieder sein leeres Glas reflexmäßig nach hinten reichte, um es sich von Eberhardt füllen zu lassen, aber der war noch immer nicht da und so schüttelte er wieder nur verwirrt den Kopf.
„Na, sie waren alle so zwanzig, höchstens fünfundzwanzig!“, verriet ihm Margrit, kraulte dabei Munk am Kinn und der schloss voller Behagen die schrägen Augen.
„Und Oworlotep hatte Sie also mit diesem Schaum aus einer länglichen Flasche besprüht?“
„Nein, das Ding war eher rund, fast wie ein Ball! Es war an seinem Gürtel befestigt.“
„Aha, also tragen Hajeps dieses Verjüngungsmittel grundsätzlich mit sich herum!“, folgerte Günther Arendt.
„Könnte sein“, Margrit ließ Munk auf ihren Arm hinab klettern, „denn sie haben davon sogar Ersatzflaschen mit, eine davon hatte Oworlotep nämlich zuvor verloren.“ Margrit warf dabei einen Blick auf den Kater, der nun auf ihrem Arm saß und wieder zufrieden schnurrte. „Munk spielt doch so gerne mit Bällen!“, erklärte Margrit entschuldigend.
„Donnerwetter, allmählich verdichtet sich bei mir die Auffassung, dass es keine Greise unter den Hajeps geben kann!“, erklärte Günther Arendt jetzt und ein lautes Raunen erfüllte schon wieder den Salon, in den immer mehr Guerillas nachdrängten. Der Präsident stellte endlich sein leeres Glas vor sich auf den Tisch. „Die Gerüchte, welche wir Menschen uns all die Jahre seit unserer Unterwerfung erzählt haben, scheinen also zu stimmen“, stellte Günther Arendt beinahe feierlich fest. „Sämtliche Außerirdische befinden sich in dem Alter von etwa zwanzig bis fünfundzwanzig Jahren.“
Inzwischen hatte das aufregende Thema überall seine Runden gemacht und jeder hatte jedem seine Meinung dazu mitzuteilen. Ein ziemlich unregelmäßiges Stimmengesumm mit lauten Zurufen erfüllte den Salon.
„Und das ist nicht der einzige Vorzug, den sie uns gegenüber haben“, fuhr Günther Arendt trotzdem weiter fort. „Wie ich von Martin gehört habe - wissen Sie George, Martin erzählte mir kürzlich von ihrem tollen Erlebnis mit dieser feurigen hajeptischen Soldatin, dieser Jimaro!“ Er zwinkerte dabei amüsiert George zu, doch dieser erblasste.
„Was, wirklich?“, riefen die Generäle neugierig aus, die recht nahe beim Präsidenten saßen und ihn somit trotz des Gesprächlärms verstanden. „Wie das?“
„Tja, man kann es kaum glauben! Also, demnach sollen Hajeps von vollkommener Schönheit sein!“ Wieder grinste Günther Arendt dabei George zu, doch der wich dessen Blick aus. Die Generäle hingegen waren immer noch ganz Ohr, zeigten sich sehr interessiert, um noch mehr darüber zu erfahren.
Während Günther Arendt ihnen alles haarklein erzählte und dabei immer wieder mit dem Finger nach George wies, knurrte der Martin zornig an. „Du hast ihm also diese Geschichte erzählt, ohne mich zu fragen?“
Dieser nickte zunächst betreten, dann aber wurde er ärgerlich. „Ja, und?“, fauchte er. „Margrit erzählt ihm doch auch alles!“
„Margrit konnte nicht anders, da sie so schrecklich aussah und auch viel mit uns zusammen erlebt hat. Hinzu kam noch die schreckliche Entführung von Erkan und Gesine, aber mein Erlebnis“, er tippte sich dabei an die Brust, „habe ich nur ganz alleine erlebt und ...“
„Zum Donnerwetter, hab dich doch nicht so zimperlich, George!“, brüllte jetzt Martin ungehalten. „Denk doch mal selber nach! Was kann dieser Hajepa denn schon Schlimmes dadurch passieren?“
„Sehr richtig“, mischte sich auch Günther Arendt ein, der wohl noch die letzten Worte aufgeschnappt hatte. „George beruhigen Sie sich, ihre Hände zittern ja richtig. Wir Menschen müssen uns wehren, endlich diese entsetzlichen Eroberer loswerden und dazu sollte uns jedes Mittel recht sein. George, Sie sollen und müssen mich daher über jede Neuigkeit, die Sie oder jemand anders von ihnen mit Außerirdischen erleben, informieren. Martin hat also richtig gehandelt.“ Er brach ab und wechselte dann schnell mit seinen Generä¬len wieder zu einem anderen, wohl recht wichtigem Thema über.
„Ich bin trotzdem Georges Meinung!“, knurrte auch Paul Martin an. „Wie konntest du nur! Ich traue unserem Präsidenten nämlich nicht über den Weg!“
„Ja, du“, wehrte sich Martin, und wedelte dabei grinsend mit beiden Händen, „du und dein sprichwörtliches Bauchgefühl! Du hast doch gar keins. Na ja, vielleicht, wenn es dabei um etwas zu Fressen geht!“ Er grinste breit. „Du kannst mir doch nicht großspurig erzählen, ob man unserem Präsidenten trauen kann oder nicht! Was glaubst du wohl, wie viele Jahre ich den bereits kenne!“
„Nur ruhig!“ Margrit stellte sich beschwichtigend zwischen die Streithähne. „Habt ja beide irgendwie Recht, okay?“
Günther Arendt half ihr unbewusst dabei, indem er mit seinem Schlüsselbund mehrmals kräftig auf den Tisch schlug, um somit zur allseitigen Ruhe zu gemahnen. Das schien tatsächlich zu helfen.
„Im Augenblick ist mir allerdings wichtig zu wissen, dass die Hajeps von diesem Medikament ziemlich abhängig zu sein scheinen. Detlef, was sagen sie als Arzt dazu?“
„Nun, das denke ich schon. Wenn sich Hajeps schlecht fühlen, werden sie wohl dieses Medikament zur Auffrischung ihrer Zellen nutzen. Aber immer wird es ihnen nicht helfen. Zum Beispiel bei ansteckenden Krankheiten und ähnlichem. Auch vor Gewalteinwirkungen aller Art auf ihre Körper wird ihnen dieses Mittel nicht helfen. Sie können an Verletzungen genau so sterben wie wir, denn es dauert wohl ein Weilchen, bis alles wieder nach- beziehungsweise zuwächst, das sieht man schon an Margrits Zähnen! Aber sie werden sich zumindest besser fühlen, wenn sie diesen Stoff wieder einmal genommen haben. Dabei scheint die Ration, die in diesem Schaum enthalten ist, so eingestellt zu sein, dass man nie jünger werden kann als“, er betrachtete dabei Margrit wieder sehr gründlich, „zwanzig bis fünfundzwanzig Jahre.“
Wieder erhob sich von allen Seiten ein lebhaftes Stimmengeraune.
„Die richtige Dosierung wusste Oworlotep wohl auch nicht so genau“, bemerkte Margrit aufgeregt, “und deswegen hatte er mich zuvor so gründlich untersucht.“
„Was er auch für Gründe gehabt haben sollte, klar ist, dass der, wer stets jung sein darf, wohl auch robuster ist!“, sagte der Arzt.
„Sehr richtig, mein lieber Detlef“, bestätigte der Präsident, „unser außerirdischer Feind dürfte in Wirklichkeit wohl ein geradezu biblisches Alter ha ...“
„Ganz gewiss sogar ein weit höheres als dieses sogenannte biblische Alter!“, verbesserte ihn der Arzt und in seinen Augen funkelte es schwärmerisch. „Es muss ein schönes Leben sein, wenn man nicht daran denken muss, irgendwann einmal zu verwelken und schließlich daran zu sterben.“
„Wir können ja bei Frau Schramm beobachten, ob sie ohne die ständige Zufuhr dieses Mittels rasch wieder altert“, schlug General von Haiden vor, „oder ob so eine Auffrischung möglicherweise lange anhält.“
„Das sollte für uns im Augenblick keinesfalls das Wichtigste sein.“ Der Präsident machte wieder eine fast feierliche Pause, ehe er weiter sprach. „Viel wichtiger ist die Tatsache, dass die Hajeps, die in diesem Teil Deutsch¬lands ansässig sind, wohl ihre Meinung über die Menschen radikal geändert haben müssen, da sie momentan niemanden mehr etwas zu Leide tun.“ Der Präsident lehnte sich wie¬der bequem in seinem Stuhl zurück und alles schwieg. „Mein lieber Martin, Paul, George und Margrit, es scheint inzwischen kein Ausnahmefall mehr zu sein, die Begegnung mit Hajeps zu überleben. Ähnli¬che Fälle, wie Sie die erlebten, sind bereits bekannt geworden. Für die tragische Entführung ihrer treuen Freunde jedoch konnten wir bisher leider keine vernünftige Erklärung finden, denn ...“
„Doch“, Margrit hob angespannt den Finger, ähnlich einem Schulmädchen, „Oworlotep sprach von Genen, von einer neuen Generation!“

Fortsetzung folgt:
 
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Kommentare  

Auch ich mag deinen Humor, aber er ist nie übertrieben. Das Handeln deiner Personen ist immer gut nachvollziehbar.

Marco Polo (04.05.2019)

Ein eigenartiges Volk sind die Hajeps. Benehmen sich seltsam und zeigen doch auch ein Verhalten, dass menschliche Züge zu haben scheint. Total spannend wie immer und vor allem, was für mich gaaanz wichtig ist, auch witzig!

Evi Apfel (01.05.2019)

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