185


6 Seiten

Das Licht der Hajeps Band 6 / Zarakuma / Runa

Romane/Serien · Fantastisches
© Palifin
Das Licht der Hajeps

Die Romanreihe beginnt ungewöhnlicherweise mit deren Ende. Das ist notwendig, um die gesamte Handlung besser zu begreifen. RUNA erscheint als fortlaufende Rahmenhandlung immer am Anfang eines jeden Bandes. Im letzten Buch fließen beide Enden zusammen.

RUNA VI. TEIL

Dabei fiel Gabamon ein, dass Mesobitchka neuerdings verbreiten ließ, dass Bunkis Missgeburten seien, die plötzlich, durch eine falsche Genmanipulation in der Retorte, entstanden wären und dass keinesfalls jene fremdartigen Wesen für deren Entste-hung gesorgt hätten, von denen man inzwischen nur hinter vor-gehaltener Hand zu tuscheln wagte.
Waren die zärtlichen Wesen, die Gabamon immer wieder in seinen Träumen sah, nur Fantasterei? Natürlich, das musste es sein und diese überfiel ihn sicherlich nur, weil er so einsam war. Xorr, wie konnte er auch mit irgendetwas anderem gekreuzt worden sein als es der große Mesobitchka erlaubte?
Gabamon strich sich immer noch sehr verwirrt das Haar aus der Stirn und grübelte hektisch weiter. Oder gab es damals eine andere Möglichkeit, wie ein Kind entstehen konnte? Er hatte Seltsames gehört. Das vermochte man kaum zu glauben. Gabamons Finger tasteten bei diesem Gedanken nach einer kleinen Narbe an seinem Kinn, und plötzlich dämmerte ihm, wie er zu dieser Verletzung gekommen war. Er hatte ´sie´ wieder einmal heimlich beobachten wollen und war beim Anschleichen gestürzt, doch kein Ton war über seine Lippen gekommen. Sie wa-ren aufgeschreckt und hatten kurz gelauscht, aber dann hatten sie weitergemacht. Im Geiste sah er noch einmal die beiden wunder-baren Gestalten, wie sie einander umarmten, sich nackt und zärtlich Körper an Körper rieben und leise dabei keuchten. Ganz warm wurde ihm dabei ums Herz, denn er hatte das Gefühl, als hätte er das wirklich mit eigenen Augen gesehen und damals nicht mehr an den Schmerz in seinem Kinn gedacht. Hatten die zwei es auf diese Weise getan und er stammte von ihnen ab? Aber vielleicht waren das auch nur irgendwelche Leute gewesen, die auf ihn aufgepasst hatten. Fest stand jedenfalls, dass diese zwei sehr liebevoll zu ihm gewesen waren. Später hatten sie ihm die Wunde verbunden, gelacht und ihn geküsst.
Er hatte nicht bemerkt, wie ihn jemand die ganze Zeit hinter der angelehnten Küchentür beobachtete. Der schwarze Schatten war stämmig gebaut und hielt ein Gewehr in den kräftigen Händen. Er ließ den jungen Eindringling nicht aus den Augen.
Gabamon erhob sich, schob mit dem ausstreckten Bein den Stuhl beiseite. Seine Neugierde, weitere dieser sonderbaren Räume zu erkunden, war wie weggewischt. Gesenkten Hauptes begab er sich wieder in den Flur, lief einfach irgendwo hin, im-mer noch mit seinen Gedanken kämpfend.
Die kräftige Gestalt hinter der Tür wirkte verwirrt, dann sehr erleichtert und betrat schließlich kopfschüttelnd den angrenzenden Funkraum.
Als Gabamon in einen anderen Tunnel einbog, riss er sich endlich zusammen. Er nahm sich fest vor, alle Erinnerungen auszublenden, denn anderes hatte wirklich keinen Sinn. Diese Wesen hatte es nicht zu geben. Es gab höchstens Bunkis und davon nur noch wenige. Mesobitchka war unbesiegbar. Es war wirklich viel besser zu schweigen, als hinter Kerkermauern zu schreien. Niemals würde er aufsässig sein. „Alle Macht dem Sys-tem!“, brummelte er verschüchtert vor sich hin.
Schließlich hatte er sich soweit im Griff, dass er sich ganz auf seine Umgebung konzentrieren konnte. Er meinte, ein fernes Murmeln, vermischt mit anderen unerklärbaren Geräuschen zu vernehmen und als diese lauter wurden, blieb er ganz ruhig ste-hen, um herauszufinden, was es war und woher es kam.
Er horchte für ein Weilchen aufmerksam und entschied sich dafür, dass es Stimmen sein mussten - die Xuntos! Was sollte es sonst anderes sein! Das Ganze hörte sich nur deshalb so merk-würdig an, weil es weit entfernt war. Sein Herz krampfte sich zusammen. Also hatten die Xuntos inzwischen das Loch im Boden entdeckt waren in die unterirdischen Gänge hinabgestiegen.
Xorr, es kostete sie gewiss große Überwindung, solch ein al-tes, marodes Tunnelsystem zu betreten. Welch ein Mut, vielleicht sogar Unverstand, denn sie befanden sich nun in einer Art Laby-rinth. Man konnte sich hier verirren, womöglich verschüttet werden.
Die Xuntos mussten einen geradezu krankhaften Hass auf Gabamon haben, oder die Klontimenge für die Ergreifung der letzten Bunkis war noch erhöht worden. Eigentlich war es schier unmöglich, ihn hier zu finden, es sei denn, Gabamon verirrte sich und lief ihnen in die Arme.
Inzwischen war ihm endlich eingefallen, in welches Tunnel-system er eingedrungen war. Das hier war ein Bakanio, ein weitverzweigter unterirdischer Wohnbereich, den die Menschen damals an vielen Stellen der Erde erbaut hatten, um vor den Über-fällen der Außerirdischen einigermaßen sicher zu sein. Aber die meisten wurden auch dort gefunden und getötet. Einst hatte es unzählige Bakanios überall auf der Welt gegeben, nun existierten sie nicht mehr. Mesobitchka ließ sie, nachdem auch die letzten Außerirdischen ausgerottet worden waren, zuschütten oder sprengen. Es war ein kleines Wunder, dass es diesen Bakanio hier noch gab, und das lag wahrscheinlich daran, dass der unter einem Dschungel von echten Pflanzen verborgen war, vor denen sich Mesobitchkas Soldaten wohl ekelten, oder sie fürchteten krank zu werden, denn sie hatten sich wohl nicht mehr darum gekümmert.
Irgendetwas rauschte jetzt heftig in der Nähe und übertönte sogar zeitweilig die erstaunten Rufe von Gabamons Verfolgern in den hinteren Gängen, die ebenso fasziniert und überrascht von diesem uralten Bakanio zu sein schienen wie Gabamon.
Gab es hier etwa Wasser? Natürlich, sicherlich floss in der Nähe ein unterirdischer Fluss. Kein Wunder, dass der Dschungel darüber so üppig gedieh. Die Leute von damals hatten ihre Bakanios oft in der Nähe von Wasseradern gebaut.
Und wenn es hier nun Wasserfallen gab? Er hatte schon da-von gehört. Man pflegte sich damals auf solch eine brutale Weise gegen die Feinde zu wehren. Was war, wenn er irgendeinen Me-chanismus ausgelöst hatte, der plötzlich Wasser in die Tunnel pumpte?
Bei diesem Gedanken klopfte ihm schon wieder das Herz. Verdammt, hier konnte er unmöglich bleiben. Wann fand er endlich den Ausgang?
Und dann hörte er wieder die anfeuernden Rufe der Xuntos und jetzt sogar das heftige Pfeifen - es klang wie ein Vogelzwitschern. Und da fiel ihm mit einem Mal ein, wie ihn seine Verfolger finden konnten. Es waren die Stäbchen, mit denen die Hajeps damals nach Menschen gesucht hatten. Sie reagierten auf seine Person. Er konnte also laufen wohin er wollte, sie würden ihn immer finden. Gabamon begann zu schwitzen. Er musste hier schleunigst raus! Die Frage war nur, wie?
Er verharrte schließlich keuchend in einer Nische in der Nähe der Duschräume und Toiletten. Die konnte er wegen der geöffneten Türen sehen. Er dachte scharf nach. Er musste also dem Wasser näher gekommen sein statt sich zu entfernen. Hier war bestimmt nicht der Ausgang. Aber er wollte doch so schnell wie möglich ins Freie gelangen!
Die Stimmen kamen näher, lautes triumphierendes Gebrüll! Verdammt, wohin nur ...wohin?
Zwei Fledermäuse segelten plötzlich über ihm, kreisten spiele-risch an der Decke, warfen merkwürdige Schatten. Eine von ihnen bog in den rechten Tunnel ein. Gabamon beobachtete genau ihren Flug, denn sie kam von dort wieder, dann wendete sie kurz und jetzt flogen beide zurück, wohl weil Gabamon eine zu heftige Bewegung gemacht hatte.
Er rannte ihnen einfach hinterher, gab sich jedoch Mühe, dabei möglichst lautlos zu sein und es schien ihm, als ob die Tunnelgewölbe irgendwie nach oben gehen würden. Hatten die Fledermäuse etwa in den vorderen Gängen Insekten gefangen? Gab es dort ein kleines Schlupfloch ins Freie? Verdammter Mist, jetzt waren sie weg! Ratlos und mit baumelnden Armen blieb er stehen. Wohin waren sie entschwunden?
Fieberhaft suchten seine Augen die Decken der Tunnel ab. Vielleicht hing hier wenigstens eine schlafende Fledermaus? Aber nichts, rein gar nichts war zu sehen.
„Ha”, hörte er aus den Nebengängen schallen. Es war die Stimme des Anführers, den die Xuntos Jehekil genannt hatten. „Gleich haben wir diese Abart gefangen!“
Und ein anderer aus der Meute kreischte: „Wir werden ihn ausstopfen, damit er ins Museum kommt.“
„Gute Idee, damit jeder weiß, dass es so etwas Verrücktes mal gegeben hat, jaha!“, setzte eine helle Jungmädchenstimme ge-nüsslich hinzu.
Gabamon war entsetzt. Wollten sie ihn tatsächlich umbrin-gen? Das würde denen zwar weniger einbringen, war aber immer noch besser als nichts. Da sah er wieder diesen kleinen, dreieckigen Schatten an einer der Mauern. Der flatterte ein wenig ziellos hin und her. Gabamon bog genau dort ein. Hier ging es noch höher hinauf. Xorr, da waren gleich drei, nein vier, fünf Fledermäuse! Direkt unter der Decke segelten sie dahin und er meinte, Mücken in der Luft flirren zu sehen. Wo kamen die her? Da, die erste Fledermaus huschte durch ein kleines Loch ins Freie.
Gabamon näherte sich dem Loch und meinte, leichte Zugluft zu verspüren, zudem erschien ihm dieser Wandbereich feucht und muffig. Er tippte gegen das Gestein, dicht an dieser winzigen Öffnung und siehe da, hier bröckelte es wie Keks! Jetzt erst be-merkte Gabamon, dass jene Seite des Tunnels tiefe Risse hatte. Mit dem Mut der Verzweiflung begann er, das Loch zu vergrö-ßern. Hoffentlich war kein Wasser dahinter. Er grub mit bloßen Händen einfach Stein um Stein aus. Putz bröckelte herunter, kleine Wandstücken fielen ihm entgegen. Die Nägel brachen ihm, irgendwo blutete Haut. Plötzlich ertasteten seine zitternden Finger ein etwa handgroßes Stück Metall in der Wand. Es saß dort recht locker. Das war günstig, denn mit solch einem Teil konnte er vielleicht die Öffnung rascher vergrößern! Doch als er ein Stück von dem braunen Ding freigelegt hatte, war er ent-täuscht – wohl nur ein alter Helm!
Er ruckelte und zerrte dennoch daran, vielleicht konnte er es trotzdem gebrauchen. Verdammt, es saß fester als gedacht, und dann hatte er es heraus. Fast im gleichen Moment rumpelte die Wand, Putz bröckelte, Steinbrocken polterten zur Erde. Kein Wasser spritzte, aber Fledermäuse, unendlich viele Fledermäuse sausten ihm entgegen, flirrten dicht an ihm vorbei, umflatterten ihn und sekundenschnell waren alle wieder fort und er hatte den Blick frei auf einen schmalen Spalt, der sich bis zur Decke des Gewölbes hochzog. Seine Lungen saugten gierig den köstlichen Sauerstoff ein, der ihm entgegen wehte. Was konnte dahinter verborgen sein? Dunkel war es zwar auch dort, aber so gut hatte es bisher in der Stadt noch nie gerochen!
Da vernahm er die Schritte der Verfolger hinter sich. Sie ka-men den Tunnel zu ihm hinauf. Er hörte sie siegessicher grölen und johlen. Sofort wollte er den Spalt im Gestein verbreitern und grub wie besessen einfach mit dem braunen, kernförmigen Ding weiter, das er eben aus der Mauer geholt hatte, benutzte es als Schaufel, als Hammer und siehe da, der Spalt war nun doppelt so breit, leider aber immer noch zu schmal, um sich hindurch zu schieben.
„He, du dreckiges Bunkimiststück!“, hörte er Jehekil, den An-führer der Xuntos nur wenige Schritte von ihm entfernt. „Du hast etwas unterwegs verloren ...“
Jehekils braune Augen funkelten düster, als er mit geringschätziger Miene den Schuh in Richtung Gabamon warf. Dieser duckte sich und sein Schuh sauste knapp an ihm vorbei, klatschte gegen die Wand und fiel dort in den Staub.
„Zieh dir das alte, durchlöcherte Ding an, ehe du stirbst, Bunkischwein.“ Jehekil kam noch näher. „Danach werde ich dir den Lauf meiner Waffe direkt an die Schläfe legen und dann ... Flutsch!” Jehekil schnalzte mit der Zunge.
„W ... wenn du das auf diese Weise t ... tun willst, musst du erst einmal nahe genug an mich heran sein“, stotterte Gabamon mit angstgeweiteten Augen. „Noch bist du nicht direkt hier!“
Der Anführer lachte tief und kehlig und strich sich eitel mit der freien Hand durch die vielen Zöpfchen seines Irokesenkammes. „Du bist witzig, kleiner, schmutziger Bunki!“ Doch als Jehekil noch einen Schritt auf ihn zu machen wollte, nahm Ga-bamon den Schuh in die noch freie Hand und warf ihn nach Jehekil. Der wich lachend aus und die übrigen Xuntos grölten vor Übermut.
„Aha, der Bunki übt werfen!“, lästerte Jehekil.
Gabamon war so verzweifelt und zornig, dass er Jehekil auch noch das Metallding entgegen schleuderte.
Nicht nur Gabamon war verdutzt, dass es dabei ein surrendes Geräusch von sich gab und ein paar elastische Flügelchen ausbreitete, auch Jehekil riss die Augen weit auf und die Bande keuchte. Das Ding traf zielgenau den Schädel des Anführers. Jehekil brach leblos zusammen.
Die wilde Horde war wie erstarrt, denn sie sahen entsetzt, dass sich unter Jehekils Kopf ganz allmählich eine Blutlache bildete, die sich auf dem felsigen Boden des Bakanios ausbreitete.

Fortsetzung von RUNA folgt erst mit Band 7
 
Wenn du registriert und angemeldet bist und selbst eine Story veröffentlicht hast, kannst du die Stories bewerten, oder Kommentieren. Wenn du registriert und angemeldet bist, kannst du diese Story kommentieren.
Weitere Aktionen
Wenn du registriert und angemeldet bist, kannst du diesen Autoren abonnieren (zu deinen Favouriten hinzufügen) und / oder per Email weiterempfehlen.
Ausdrucken
Kommentare  

Das ist auch meine Meinung. Her mit der Fortsetzung, denn diese Fatasyreihe ( Jawohl Fantasyreihe, denn eine typische Sciencefictionreihe ist das nicht) ist toll. Ach was sag ich, sie ist der reinste Wahnsinn!

Noch ein begeisterter Hajep-fan


Evi Apfel (24.06.2019)

Ich bin ja ein Hajepfan und die Geschichte mit Gabamon ist eine Story für sich und auch sehr spannend, aber nun möchte ich doch gerne lesen, wie es mit Margrit und Konsorten weitergeht. Darum meine Frage, wo bleibt die Fortsetzung und vor allem die Inhaltsangabe, die es sonst immer gibt?

L. G. Marco der Hajepfan


Marco Polo (23.06.2019)

Login
Username: 
Passwort:   
 
Permanent 
Registrieren · Passwort anfordern
Mehr vom Autor
Das Licht der Hajeps Band 6 / Zarakuma - Kapitel 13, 14, 15 u. 16  
Das Licht der Hajeps Band 6 / Zarakuma - Kapitel 8, 9, 10, 11 u. 12  
Das Licht der Hajeps Band 6 / Zarakuma - Kapitel 3, 4, 5, 6 u.7  
Das Licht der Hajeps Band 6 / Zarakuma - Kapitel 1 u. 2  
Das Licht der Hajeps 6. Band - Zarakuma - Inhaltsangabe  
Empfehlungen
Andere Leser dieser Story haben auch folgende gelesen:
Mission Titanic - Kapitel 11  
Mission Titanic - Kapitel 10  
Die Belfast Mission - Kapitel 11  
Falaysia - Fremde Welt - Band1: Allgrizia; Kapitel 11  
Das Licht der Hajeps Band 5 / Unglaubliches / Kapitel 14 u.15 u. 16 ENDE des fünften Bandes  
Das Kleingedruckte | Kontakt © 2000-2006 www.webstories.eu
Counter

Counter Web De