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2 Seiten

Stargirl Leonie - Kapitel 1

Romane/Serien · Romantisches
Es war der 16. April, der Tag ihres fünfzehnten Geburtstags, viertel nach eins und Leonie Ammon wusste, dass sie in wenigen Minuten sterben würde.
Sie hatte nicht gewusst, dass Angst einem die Luft abschnüren konnte. Ihr Magen war ein kleiner, glühend heißer Ball. Sie hatte Bauchweh und ihr war schlecht. In ihren Augen brannten Tränen, die sie nicht herauslasse durfte, und in ihrer Kehle steckte ein verzweifeltes Wimmern fest, bereit, jederzeit herauszukommen und jeden wissen zu lassen, dass Leonie vor Angst schier umkam.
Sie zwang die Tränen zurück und ließ das Wimmern nicht heraus. Sie verwandte ihre ganze Kraft darauf, sich nicht anmerken zu lassen, dass ihr sterbenselend zumute war und sie vor Angst verging.
Oh, warum habe ich das getan? Warum nur? Wie konnte ich nur?!
Leonie Ammon litt, wie sie noch nie gelitten hatte. Sie litt Höllenqualen. Sie würde sterben. Hier und jetzt. In wenigen Minuten.
Ein flüchtiger Blick auf die Uhr: noch fünf Minuten. Nur noch fünf Minuten. Zu wenig. Keine Chance. Sie wusste das. Nicht dass sie wirklich geglaubt hätte, eine Chance zu haben. Nicht wirklich.
Das Wimmern in ihrer Kehle versuchte herauszukommen. Leonie hielt es mit aller Kraft zurück. Gleichzeitig musste sie den letzten Rest ihrer Power aufwenden, um zu verhindern, dass sie anfing zu zittern. Das durfte sie nicht. Auf keinen Fall!
Nicht zittern! Nicht wimmern! Nicht weinen! Nicht! Sonst …
Sonst bringen sie mich um.
Aber sie würden sie sowieso umbringen.
Leonie war zum Tode verurteilt. Sie würde sterben. Kurzer Blick auf die Uhr: in etwas mehr als vier Minuten.
Warum nur habe ich mich darauf eingelassen? Warum? Warum? Wie konnte ich nur?!
Leonie hätte alles getan, um es ungeschehen zu machen, aber das ging nicht. Sie blickte ihrem unausweichlichen Untergang sehenden Auges entgegen. Sie sah den Tod in langen, gemächlichen Schritten auf sich zukommen. Sie würde sterben.
Ein Blick zur Seite. Eisenharte Blicke trafen sie wie Speere. Von ihnen! Kalte Augen musterten Leonie, die Augen von Spinnen, die ihr Opfer im Visier hatten, Augen ohne Gnade, Augen, die kein Erbarmen kannten. Mörderaugen. Sie würden sie töten.
Das Schrecklichste daran war: Sie hatten das Recht, es zu tun. Leonie war selbst schuld an ihrer Lage.
Oh, warum habe ich das gesagt? Warum? Wie konnte ich nur?!
Immer wieder tobten die gleichen Gedanken durch ihren Kopf.
Sie blickte die Straße entlang ohne jede Hoffnung. Sie wusste, es würde keine Rettung kommen. Doch sie hatte gehofft. Denn mehr hatte sie nicht gehabt. Nur diese jämmerliche kleine Hoffnung.
Sie hatte eine Weile daran geglaubt, hatte sich an die winzige, erbärmliche Hoffnung geklammert, bangen Herzens darum betend, sie möge doch bitte-bitte errettet werden, auch wenn sie kein Recht darauf hatte.
Sie bekam, was sie verdiente. Aber etwas in Leonie hatte sich an den Strohhalm geklammert, der sie vor dem Ertrinken bewahren sollte.
Die Straße war breit und Autos fuhren darauf. Aber es kam keine Rettung.
Sie schaute in ihre Augen: Sophie Schubert, blonde Haare, Augen aus Eis. Sie würde den Todesstoß führen. Alina Schleppi, dunkle Haare, dunkle Knopfaugen wie eine Ratte, mordgierig. Finja Didion, dunkelblond, rauchgraue Augen, eine ganz Stille, die aber gerne mal laut lachte, vor allem, wenn sie tötete. Antonia Betz, schwarzes Haar, blaue Augen und in ihrer Grausamkeit Sophie Schubert in nichts nachstehend. Und Maja Neuschwander, rotblond, quirlig und selbstbewusst. Keine Killerin aus Passion, aber wenn es sein musste, konnte auch Maja giftig wie eine Klapperschlange sein. Klapperschlangen waren tödlich. Das wusste jeder.
Leonie blickte dem fünffachen Tod in die Augen. Sie sah nichts als lauernde Kälte und absolute Erbarmungslosigkeit. Sie freuten sich darauf, Leonie sterben zu sehen. Wahrscheinlich auch all die anderen, die in der Nähe standen. Sie warteten. Sie lauerten ...
Wenn ich es doch nur nicht getan hätte! Wenn ich still geblieben wäre! Wenn …!
Wieder wollte das Wimmern aus Leonies Kehle hervor quellen. Sie hielt es zurück. Sie wunderte sich, wie sie das schaffte, wo sie doch jeden Moment anfangen würde, vor Todesangst am ganzen Leib zu schlottern.
Mama? Mama! Was soll ich nur machen? Oh Mama, ich habe solche Angst! Mama, ich bin so allein! Mama, hilf mir! Mama, ich muss sterben!
 
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Kommentare  

Hat mir prima gefallen. Das fängt ja gleich sehr aufregend an. Ich bin gespannt wie ein Flitzbogen.

Evi Apfel (12.02.2020)

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